Ausgabe 
14.3.1908 Zweites Blatt
 
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Lie die oben angeführten Orte miteinander direkt verbinden, sind ungefährdet. Besonders wird darauf aufmerksam ge­macht, daß keine Holzsammler sich in den gefährdeten Wal­dungen aufhalten dürfen.

** Die Aushändigung der Kriegsbcordcrungen erfolgt zwischen dem 10. und 25. März. Wohnungsveränder- ungen sind deshalb sofort dem Bezirksfeldwebel zu melden. Reservisten, Landwehrlcutc u. s. m., die nicht zu Hause sein können, haben jemand mit der Empfangnahme der Kriegs­beorderung zu beauftragen. (Die amtliche Bekanntmachung wird in der Montagsnummer veröffentlicht.)

Die Schweinefleischpreifc werden nach einem gestern gefaßten Beschluß der Schweinemetzgcr von Montag ab herabgesetzt werden. Der Abschlag beträgt bei fetten Stücken 6 Pfg. und bei mageren 4 Pfg-, sodaß ein Mittel­preis von 68 Pfg. für das Pfund zu bezahlen ist. Auch die beiden, gangbarsten Wursisorten (Leber-und Blutwurst) werden billiger. Das Pfund kostet statt 70 Pfg. in Zukunft nur 64. Pfg. . .

Eine Klage wegen Beamtenbelcrdigung ist, wie wir erfahren, gegen den Jnstallationsmeister i. P. Wille eingeleitet worden. Es handelt sich um die bekannten Vor­würfe gegen den Betriebsleiter Stolte.

* Finanzbeamten-Verein. In den letzten Tagen hat sich hier ein Finanzbeamtenverein gegründet, dein alle in der Stadt Gießen wohnhaften und beschäftigten Finanz­beamten, die die Prüfung für die mittleren Stellen im Finanz­fach bestanden haben, beigetreten sind. Zweck des Vereins ist: Hebung des Standesbewußtseins, Pflege der Kollegialität und der Geselligkeit. Die Veranstaltung von musikalischen Abenden und Vorträgen sonstiger Art läßt für die Zukunft manche gemütliche und angenehme Stunde erhoffen. Als Vereins­abend ist der Mittwoch Abend festgesetzt. Das Vereinslokal befindet sich im Restaurant zum Andres.

* Kunstverein. In dec Gemälde-Ausstellung am Brand ist seit 8 Tagen wieder eine Anzahl Bilder neu zur Ausstellung gelangt und zwar Aquarelle von W. Hert- ling-München, Oelgemälde und Radierungen von P.Wein- iho Id-Leipzig und A. Kohlschütter-Dresden. Da die jetzige Ausstellung sich immer noch regen Besuches zu erfreuen hat, so bleibt sie auf Wunsch noch weitere 8 Tage (bis einschl. 22. d. M.) ausgestellt. Erst dann wird ein vollständiger Wechsel der Gemälde vorgenommen. Kunstfreunden, die die jetzige lAusstellung noch nicht gesehen haben, sei daher ein baldiger Besuch aufs angelegentlichste einpfohlen.

"Christlicher Sängerbund. Am Sonntag, 15. März, nachmittags 723 Uhr, feiert die Mitteldeutsche «Vereinigung des »Christlichen Sängerbundes deutscher Zunge" in der Turnhalle ihr Iah resf est. Dieser Sänger­bund, der 1879 in Elberfeld gegründet wurde, ist eine im Sinne der evangelischen Allianz geschlossene Verbindung von aus dem Grunde der heil. Schrift stehenden Gesangvereinen. Er umfaßt nach der letzten Statistik 827 Chöre mit 19 522 Mit- ' gliedern, welche Zahl sich im Laufe des Jahres 1907 noch vermehrt hat. Zur mitteldeutschen Vereinigung gehören etwa 70 Chöre aus dem mittleren Deutschland. Wie aus dein Programm ersichtlich, wird ein Pofaunenchor mitwirken und es werden 4 Solostücke mit Harmomumbeglcitung zum Vor­trag kommen. Im ganzen sind 16 Lieder vorgesehen. Freunde eines guten, christlichen Gesanges seien hiermit auf dieses Fest aufmerksam gemacht, zumal der Eintrittspreis niedriger gestellt ist, als bei anderen derartigen Veranstaltungen.

** Aus großer Zeit. Am nächsten Donnerstag und «Freitag gelangen hier in Verbindung mit ^chlachtemnusik unserer Regimentsmusik 80 Kolossal-Kriegsgemalde aus dem deutsch- französischen Krieg zur Anschauung, wozu Rezitator Müller aus Hannover den verbindenden Text spricht. Auch Bilder aus den Südwestasrita-Kämpfen werden gezeigt, lieber die eigenartige Veranstaltung, die jedenfalls große Beachtung verdient, äußern sich auswärtige Zeitungen sehr günstig. So schreibt z. B. ein Magdeburger Blatt: Der dritte Teil des Programms brachte den deutsch-französischen Krieg 1870/71 in Wort, Musil und Bild. Rechts des Orchesterraumes ist eine große weiße Leinwandfläche in Rahmen gespannt, ihr gegenüber am Saaleingang der elektrische Spiegelapparat angeordnet, der die nach befanmen Original- geyrälden großer Meister entworfenen Kriegsszenen in schönen, klaren Konturen auf der Leinwand erscheinen läßt. Wächrend der Fixierung der Bilder ertönt entsprechend gedampfte Musik. Deklamator Müller spricht den in 22 Abschnitte gegliederten Text mit gutem Ausdruck und wohlklingender (Stimme. Sein Vor­trag wurde wiederholt von lautem stürmischen Beifall unterbrochen. Das anwesende, zahlreiche Publikum, dem die Großtaten des un­vergeßlichen Krieges in solch anschaulicher und packender Weise vorgeführt wurden, zeigte jubelnden Enthusiasmus.

" Besitzwechsel. Das Haus des verstorbenen Tcmz- und Fechtlehrers Röse in der Weidengasse ging für 16 000 Mk. in den Besitz des Schreinermeisters Christoph Wagner über. Der Fechtsaal soll zur Werkstätte, der Tanzsaal zur Wohnung verändert werden. Das Haus wird noch mancher Gießener Dame, sowie Musensohne in langer Erinnerung bleiben. Mit der Umwandlung schwindet wieder ein Stück alter Burschen- herrlichkeit.

Ihre silberne Hochzeit feiern morgen Faktor Hermann Elle und feine Ehefrau Katharine, geb. Bauer.

** Maßregeln gegen Feuersgefahr. Wie die Darmst. Ztg. erfährt, hat das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, an sämtliche unterstellten Direktionen, die Kuratorien der höheren Bürgerschulen und die Kreisschullommissionen eine Verfügung erlassen, wonach dafür Sorge zu tragen ist, daß in allen Schulgebäuden während der Unterrichtszeit alle ins Freie führenden Türen, auch die für gewöhnlich von der Schuljugend nicht zu passieren­den, unverschlossen bleiben. Wo man das Verschließen seither für notwendig hielt, um das Einschleichen Unbefugter und Diebstähle zu verhüten, soll versucht werden, diese Zwecke auf anderen Wegen zu erreichen. Wo sich in Schulhausern noch Türen finden sollten, die nach innen öffnen, soll deren Aenderung unverzüglich angeordnet werden. Ferner sollen ge­eignete Bestimmungen darüber getroffen werden, in welcher Weise und in welcher Reihenfolge die Schüler beim Ausbruch eines Brandes das Schulhaus zu verlassen haben.

Ettingshausen, 12. März. Sämtliche Orte an ber neuen, im Bau begriffenen Bahnstrecke LichGrünberg haben jetzt die Einführung der Feldbereinigung be­schlossen, die gleichzeitig mit dem Bahnbau hergestellt wird. Es sind dies die Gemeinden Queckborn, Münster, Lich, Ettings­hausen, Ober- und Niedcr-Bessingen.

(!) Inheiden, 12. März. Eine Mahmurg an alle Eltern ist em bedauerlicher Unfall, oer sich vor einigen Tagen hier ereignete. Beim Spielen verletzt, ein Knabe einem m.raben durch einen S t e in murf so sehr das Auge, bai, m ii-ng in der Klinik zu Gießen fast 14 Tage in Anbruch nahm. Glück- licherweiie ist die Sehkraft nicht sehr gemindert..

- Friedberg, 13. März. Dem schönen Brauche, daß die Lehrer, die gemeinsam das Seminar besuchten, in späteren Jahren Zusammenkünfte abhalten, wollen auch die Fried­berger 1883 er in diesem Jahre huldigen. Borgeschlagen wird, die Zusammenkunft am Dienstag ober Mittwoch nach Ostern in Friedberg zu veranstalten.

X Dorheim, 13. März. Heute starb hier die Tante des Chefs des gräflichen Nauses Solms-Rödelheim und Assen- heim, die G r ä f i n M a t h i l d e zu Solms-Rödelheim und Assen- heim, geb. Prinzessin zu Salm-Horstmar. Die Gräfin war am 21. August 1827 geboren, sie heiratete 1862 den Grafen Friedrich, der ihr 1883 im Tode vorauSging. Nachkommen sind keine vorhanden.

O Laubach, 13. März. Der langjährige Fleisch- beschauer Phil. Heinrich Stotz wurde wegen seines hohen Alters, 78 Jahre, von seiner Stellung dispensiert. An seine Stelle trat Gemeinderatsmitglied Hch. Christian Jochem II. Für die beiden städtischen Bullen wurde bei der gestrigen Versteigerung der ansehnliche Erlös von 1066 Mk. erzielt. Käufer war Metzger Duchard von Lauterbach.

x Groß-Fell da, 13. März. Der hiesige, frühere Fär­ber, ein Mann in den 70 er Jahren, hat sich gestern erhängt. Er befand sich in recht guten Vermögensverhältnissen; das Motiv seiner Tat ist unbekannt.

§ Aus dem Vogelsberg, 13. März. Die ersten Lerchen zeigen sich im Felde- auch bemerkte man die ersten Kran ich züge nach dem Norden ziehen. Trotz diesen Früh­lingsboten hat der Winter abermals sich in einen Wintermantel gehüllt; der Schnee liegt im oberen Vogelsberg geschlossen.

ak. Vom Vogelsberg, 10. März. Seltene Genüsse wurden in letzter Woche den Bewohnern einiger Orte geboten. Auf Anregung der Ortsgeistlichen veranstalteten zu Gunsten des Ob er hessisch en Vereins für innere Mission die Herren Pfarrer Schwabe und Pfarrassistent Becker aus Gießen Lichtbildervorträge über das heilige Land und das Leben Jesu in den Orten Stumpertenrod, Groß-Felda, Windhausen und Ermenrod. Die in allen Orten zahlreich erschienene Gemeinde nahm die tief­gehenden Vorträge und farbenprächtigen Bilder, die in höchster Vollendung zur Darstellung gebracht wurden, mit großem Beifall auf. Die durch freiwillige Gaben erzielten Ueberschüsse kommen dem obengenannten Verein zu Gute. In Stumpertenrod hielt noch Pfarrer Schwabe im Krieger­verein, dessen Mitgründer und Ehrenmitglied er ist, einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag mit Lichtbildern über Deutschsüdwestafrika, dessen kulturelle Bedeutung für uns schildernd. Allgemein hort man den Wunsch, daß der Ober- hessische Verein für innere Mission im nächsten Winter gleich genußreiche Stbenbe uns bereiten möge.

sd. Darmstadt, 13. März. Auf der Landstraße zwischen Eberstadt und Darmstadt stieß gestern abend ein aus Der Bergstraße kommendes Automobil mit einem aus Darmstadt kommenden Wagen zusammen, sodaß das Auto in den Straßengraben stürzte und sich vollstäuddig überschlug. Die beiden Insassen, eine Dame und ein Herr haben nur kleine Beulen erlitten und konnten durch daß zerbrochene Fenster in das Freie gelangen. Der Chauffeur wurde zur Seite geschleudert und kam eben­falls mit dem Schrecken davon. Das Auto ist stark beschä­digt und vorerst unbrauchbar. Die Herrschaften setzten ihre Reise mit der Bahn fort und ließen das sJluto zurück.

Df feu bad), 13. Mürz. Die Stadtverordneten habe# sich n. d. Off. Ztg. nid)t dazu entschließen können, den von der Verwaltung des Kaiserhofs beampruchten Zuschlag von 40 Prvz. zu leisten. Dieser Zuschlag wäre für Die Stadt gleichbedeutend gewesen mit einem weiteren Opfer von 132 000 Mk., während der Realwert zum heutigen Kurse von etwa 46 nur 151800 Mk. beträgt. Ganz abgesehen davon, daß^ ein derartiges Geschäft einen spekulativen Charakter trägt, die Stadtverordneten also für den Fall der Zuschlagszahlung denselben Fehler begehen würden, den ire Herrn Bürgermeister Dr. Düllo aus der Transaktion zum Vorwuri gemacht haben,' bietet die augenblickliche Geschäftslage des Kaiser-Unternehmens nach dem letzten Verwaltungsberichte kaum eine Gewähr, dafür, daß sich in absehbarer Zeit die Ver- hälrnisse der Hotelgefeitschaft bessern werden. Die Stadtver­ordneten haben deshalb gestern vormittag in einer nichtöffent­lichen Sitzung beschlossen, die im Besitz der Stadt befindlichen Kaiserhof-Aktien im Betrage von 3 3 0 7 0 0 M k. zu einem den heutigen Kursverbältnisien angemessenen Preise zu verkaufen. Ter Verkauf ist gestern perfekt geworden. Nimmt man beim Verkauf den heutigen Tageskurs (46) an, so beträgt der der Stadl aus der unglüoielig.en Transaktion ermach- sende G es a m ts ch a d en ungefähr 180000 Mk. Zu dem Selbstmord K ö n i g s ist nod) zu berichten: Gegen Direktor König hatten fid) viele Verstimmungen geltend gentachr. Na- mentlid) war die Eigenmächtigkeit, mit Der er Die Kostenanschläge für die neue Gasanstalt weit überschritt, getadelt worden. Tie lleberschreitung wird insgesamt 500 000600 000 Mk. betragen. Die Qualität des Gases wurde immer funechter und das alte Werk war nidit mehr imstande, den Ansprüchen zu genügen. Der Gasdirektor führte den Gasmangel auf die Einrichtungen des Gaswerks zurück, das an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt sei. Seit längerer Zeit war das städtische Gaswerk an die Drucklnftleitung^ angeschlossen. König hatte angegeben, daß die Druckluft zum Schmiedefeuergebläfe und zum Ausdrücken von Ammoniakwaffer gebraucht werde. Ta der Zähler dieser Druckluftleitung vielsack) versagte, hatte man ein Pauschale für die Entnahme von Druckluft vereinbart, die 24 Mk. kosten sollte. Dieses Pauschale wurde aber weit überschritten. Die Summe wuchs bis zu 1000 Mk. an. Es stellte sich heraus, daß Direk­tor König, um dem Bedarf an Gas besser entsprechen zu können, dieses durch Druckluft zu vermehren versuchte. Das war die llrsache, warum das Gas schlechter wurde. Direktor König hat diese Manipulationen seit Jahren betrieben. Diese Tat­sachen führten gestern abend in der Versammlung der Stadt­verordneten zu einer Besprechung über das Verhalten Königs. Die Debatte war noch im Gang, als ein Diener Die Nachricht von dem Selbstmord des Direktors König in den Saal rief. Die Versammlung hob die Sitzung sofort auf.

W. Wißmar, 13. März. Die feit Jahren lebhaft erörterten Trinkwafferverhältnisse unserer Gemeinde werden in allernächster Zeit endgültig gelöst. Es schwebten nämlich Verhandlungen wegen Anlage eines Pumpwerkes, an das auch die Gemeinden Krofdorf, Gleiberg und Vetzberg angeschlosfen werden sollen, sonst wäre die Wasserleitung schon im vorigen Sommer vollendet worden. Nach einem Gutachten stehen bei der hiesigen Wasserversorgung mit natürlichem Druck in trockener Zeit nur etwa 60 cbm täglich zur Verfügung, während in Wirklichkeit gerade eine doppelte Quantität verlangt wird. Alle 4 Gemeinden würden alltäglich mindestens 390 cbm verbrauchen, was jedoch die Quellen imAschbachtal" nicht zu liefern vermögen. Mil Beginn gelinder Witterung wird das Rohrnetz innerhalb der Dorfstraßen gelegt.

v?. Wetzlar, 12. März. Das Steuerjahr geht zu Ende, . Steuersätze für das Rechnungsjahr 1908 werden . flgelegt. Für unsere Stadt wurde beschlossen, 200 Proz. Umlage von Grundsteuer, 200 Proz. von Ge- baudesteuer, 200 Proz. von Gewerbesteuer und 155 Proz.

von Einkommensteuer zu erheben. Viele Kreisgemeinden gingen seither sogar über 200 Proz. Staatseinkommensteuer hinaus, nämlich Aßlar-Altenstädten 210 Proz., Steindorf 225 Proz., Bechlingen-Hohensolms 250 Proz., Bellerdorf 275 Proz. und Oberlemp sogar 300 Proz. Bei Realsteuern kommen mehr als 200 Proz. überhaupt nicht vor. Die kleinste Gemeindesteuersumme hat Bermoll mit 291,73 Mk. lieber 10 000 Mk. Gemeindesteuer erhoben Aßlar-Altenstädten (13 306 Mk.), Ehringshausen (12 012 Mk.) und Krofdorf- Gleiberg (10 878 Mk.). Als eine recht unliebsame Ein­führung wird die Kreissteuer empfunden, die auf den Erwerb von Grundstücken und von Rechten sich gründet und vor allem den kleinen Mann empfindlich trifft.

Frankfurt, 13. März. Gestern abend wurde in ihrer Küche im Hinterhaus, Kölnerstraße 14, die 73jährige Witwe Marie Teschauer bewußtlos aufgefunden. Vermutlich handelt es sich um einen Raubanfall, bei dem die Frau durch einen Schlag betäubt wurde. Aus einer Kommode fehlen 75 Mark. Als Täter gilt ein junger Mann, der vor einigen Tagen ein Zimmer gemietet hatte und seit gestern verschwunden ist. Die Frau ist noch nicht vernehmungsfähig.

Gießener «trastammer.

)( Gießen, 13. März.

Ein verhängnisvoller Schuß.

Jrn vorigen tOiionat vertrieben sich einige junge Burschen zu Altenbuseck dadurch die Zell, datz sie durch ein Luftloch in den etaU des Landwirts Sch. warfen. Dessen 17 jähr. Sohn Ludwig Karl, der dieses vorn Fenster aus sah, forderte sie aus, dies zu unterlassen, andernfalls er am sie sch letzen werde. Ta die Burschen ihren Unfug fortfetzten, führte Sch. feine Drohung aus und schotz mit einem sog. Terzerol nach den Burschen, wobei Der Ibjcihrigc Bäckerlehrling Hch. S. von mehreren Schrotkörnern getroffen mürbe, von denen ihm eins in das linke Auge drang. Er mußte sich in die Klinik begehen, wo festgestellt wurde, daß das Schrot körn seinen Weg in das Innere des Augapfels genommen hat Der Vater des Verletzten stellte Strafantrag gegen Sch. und bie Sache wurde dem Schöffengericht überwiesen. xjtad)bem der Sach> verständige festgestellt hatte, datz die Sehkraft auf dem verletzten Auge verloren ist, mutzte das Gericht, da Körperverletzung naa; § 224 vorliegt, die Sache an die Strafkammer verweisen. Hic: wurde festgestellt, daß der Verletzte zurzeit nod; in ärztliche: Behandlung steht; die Sehkraft des Auges ist verloren und e» steht zu befürchten, datz, da das Schrotkorn im Innern des Auges inmitten einer Blutung sitzt, eine Entzünoung ciniriti, und bann das verletzte Auge im Interesse des gesunden gciuM entfernt werden mutz. Wenn das Auge auch verheilen sollte so ist eine Gebrauchsfälligkeit dock) ausgeschlossen. Der Ange­klagte, der über das Vorkommnis sehr erschüttert war, glaubte nid)i datz es möglich sei, mit sold) einem winzigen Instrument solches Unheil anriditen zu können. Hierzu bemerkte oer bezüglich bcc Schußwaffe vernommene Sachverständige, daß von den Laiar die Wirkung der Schußwaffen häufig unterschätzt wird. Es wov ein Zufall, daß das Auge getroffen wurde, an einem bekleideten Körperteil wäre ein Schaden nicht entstanden. Da Die Schroi- törner in Den Kleidern stecken geblieben wären. Wenn auch bcu Angeklagte den eingetretenen Ersolg nicht gewollt hat, so mußte bodp Vorsatz angenommen werden, da zur Erfüllung des § 224 cs genügt, wenn der Angeklagte das Bewnßtsem gehabt hat, cs könne ein folcher Erfolg eintreten. Und datz dieses der Fall roai, stand für das Gericht fest, da der Angeklagte die Waffe schon irüber geprobt hatte und ihm so viel geistige Fähigkeit äugetraut wurde, daß er den Erfolg hätte voraussehen können. Tie Sochc wurde angesichts der Jugend des Angeklagten und den Umftani, daß er gereizt worden war, milde aufgefatzt und ans einen Monat G.cfangnis erkannt. Tie Waffe mürbe eingezogcn.

Tas gestohlene Hypothekengeld.

Im Herbst 1906 ftaico Der x i-. u l c i ü> e r g c b ü I f c 3." F. $. aus Gora Rußlanb- als Dienstknecht in Beienheim. EincL Abenbs entfernte er sich heimlich mit einer Anzahl Kleidung: stücke seiner Mitknechte und einer Uhr. Einige Tage spät» kam er durch Nieder- W ö l l st a b t. Er ging durch die offen stehenden Türen in ein Haus, das gerade bezogen wurde, mic ilahm aus einem Vertilow, in dem der Schlüssel steckte, das tin-- zuvor auf Hypothek erhobene Geld, mit Dem die Geichäftsleui« ausbezahlt werden sollten, in Höhe von 1321 Mk., während da Frau sich in einem Nebenranm befand und den Geschäftsleuten Anleitungen gab. Als am anderen Tage das Fehlen des GeldM bemertt wurde, war der Dieb scho'n über alte Berge. In Dielen Winter nun wurde er, nachdem er das Geld in Westpreutzen bunt: gebracht halte, wegen einer Straftat in einer Wirtschaft zu Rend; bürg verhaftet. Er nannte sich, wie auch in Beienheim ' find in, bis er seinen richtigen Namen zugab. Da er bei Dm Einlieferung in das hiesige Arresthaus den falschen Namen bei-, behielt, erfolgte neben oer Anklage wegen Diebstahls auch 'Jir klage wegen intellektueller Urkundenfälfcksung. Er war geständig, doch konnte nicht angenommen werden, datz er sich der Tragwev«: und der Bedeutung des zuletzt genannten Vergehens bewußt roar, weshalb in dieser Beziehung Freispruch erging. Wegen Der Tick-< stähle wurde er zu zwei Jahren und sechs M o n a t cm G esängnis verurteilt. ___

l] Marbu r g, 13. März. Fortwährend beschäftigen M bald hier, bald dort die Gerichte mit den in den Wirtslokalitäter ausgestellten Automaten, pente stand vor der hiesigen Straf- fammer der Händler S. au§ Bieber, der tn einer dortigen Wir-? «chaft einen Z i g a r r e n a u t o m a l e u, bei dem das Geldsü-- zivischen 33 Stiften durchfallen muß, auigefleUt haue und desho.llt loegen verbotenen Glücksspiels vom Gladenbacher Gericht -r. drei Ai ark Geldstrafe verurteilt worden war. Tas Geriaci fck)loß sich der Ansicht des Angeklagten, daß es hierbei nur auf tu Geschicklichkeit des Spielers anfonunc, nicht an, sondern meuuez, daß es stets auf den Zii'all ankomme. Aus biej&m Grunde bestes das erstinstanzliche Urteil zu Recht.

Bartenstein, 13. März. Das Schwurgerickil ver­urteilte den herrschaftlichen Diener Heinrich K o r n, bisher w Prenßisch-Willen bei Tonmau, wegen Mordes, begangen an dva Scheuermädchen Alane 9lcumann 'm Pranerfchilten, z u in T o tu und wegen Aiordversuchs an dem Kinde Marie Nenmaim z»l zebu Jahren Zuchthaus.

Loi^lon, 13. März. Das hiesige Schivurgericht verudeiM? den der Spionage aiigeklagten Cr o p ii zu 2 Jahren Gl - fängnis und 10UO Franks Geldstrafe. Von den Mitaiigeklagiu^ erhielten Farget 18 Atonale Gefängnis und 1UUU Franks, B l a m 1 Jahr und 500 Franks, Andre e 6 Atonale und 300 Fraicki Geldstrafe. Außerdem ist den Verurteilten während der Saun von 5 Jahren der AisienthaU in Frankreich verboten wordeu.

Ein deutsches Torpedobvot uutergegaugen.

Wir erhielten gestern um 3 Uhr nachmittags folgend» Telegramm:

Cuxhaven, 13. März. Tas TorpedobootS. 12 ist nachts 2 Uhr von einem Dampfer bei dem Clbfeuerschiff^ gerammt worden und gesunken. Der leitende Ataschinist W ertrunken, bie übrige Besatzung gerettet.

Das gesunkene Boot lehrte mit dem Torpedoboick yS. 25" von einer Uebungsfahrt zurück. Die Besatzutz; wurde von dem Torpedoboot8. 25* und denn

Rettungsboot des Feuerschiffes ,(Silbe 4" gerettet bis den Ataschinisten Homburg. Dieser befand sich

seiner Kabine, als der Bug des DampfersGroßmann" Torpedoboot gerade an der Stelle traf, wo sich die Maschinist^' ' tabinc befand. Da das Boot sofort sank, war cS nicht niiW lich, den Maschinisten zu reiten.

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