Ausgabe 
14.10.1908 Zweites Blatt
 
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Geriehtssaal.

in Höhe von 100 000 Francs zu 8 Jahren Zuchthaus.

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Polizei nurStreichmusik" konzessioniert hatte, Pauke mitbenutzen ließ. Als das Schöffengericht bi. Mandat bestätigte, legte May Berufung ein und b.

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durch seinen Verteidiger, die Pauke sei zu den Streik, . menten zu rechnen. Er bezog sich dabei auf ein früheres Urteil, wonach ein Wirt namens Weil freigesprochen worden war, da nach der Ansicht des damaligen Gerichts die in der Polizeiverordnung gebrauchte BezeichnungStreichmusik auch die Pauke mit einbegreise. Tas Gericht war zwar dci Ansicht, daß die Pauke kein Streichinstrument, sondern ein! Schlaginstrument sei, vertagte aber die Verhandlung, mN die Akten des früheren Urteils heranzuziehcn. In dieses

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Landwirtschaft.

X Marburg, 13. Okt. Nach einer Mitteilung des Direktors der landwirtschaftlichen Versuchsstation, Prof. Dr. Haselhoff, sind die vielfachen Klagen über die schlechte Qualität des Ehilisalpetcrs durchaus berechtigt. Es wurden vom 1. April 1908 bis jetzt in der Anstalt 27 Proben Chilisalpeter uiüer- sucht; davon enthielten einen normalen Gehalt über 15 Pro-. Stickstoff nur 13 Proben oder 48.2 Proz. der gesamten uifter- suchten Proben. Mehr als die Hälfte war also minderwertig und zwar lag bei 9 Proben ( 33.3 Proz.) der Gehalt an Stickstoff zwischen 1419.9 Proz. und bei 5 Proben (= 18.5 Proz.) der Gehalt unter 14 Proz. Stickstoff und zwar hinab bis zu 10.21 Proz., d. h. bis auf -/3 des normalen Stickstoffgehaltes hinab. Da, wo nur wenig Stickstoff vorhanden war, fanden sich größere Mengen erdiger Substanzen und zwar 8.29 bis 18.06 Proz. Im Monat Marz wurden 15 Proben Chrlisalpeter untersucht, davon zeigten 10 (= 66.7 Proz.l einen nornralen Gehalt von über 15 Proz. Stickstoff, bei 5 Proben lag dec Stickswffgehalt zwischen 14 und 15 Proz. In einem weiteren Falle wurden in einer start mit erdigen Substanzen durchsetzten Probe, welche einer Chilisalpeterladung entnommen war, nur 7.9 Proz. Stick- toff, daneben aber 21.28 Proz. erdige Teile festgestellt. Es folgt daraus, daß in den beiden letzten Monaten die Zahl der vollwertigen Chilijalpeterproben gegenüber dem Monat März ganz erheblich zurückgcgangen sind (von 66.7 auf 48.2 Proz.), daß ferner auch bei den minderwertigen Proben der Stickstoffgehatt noch gesunken ist, indem mehr als die Hälfte der minderwertigen Proben einen Stickstoffgehalt von unter 14 Proz. ergeben haben. Man sieht, daß die Landwirte beim Ankauf von .Düngemitteln nicht vorsichttg genug sein können.

Das ungünstige Erntewetter hat manchen Landwirt vor die Frage gestellt, ob er seine Körnerernte zu Saatgut verwenden kann oder nicht. In vielen Fällen wird dies nicht möglich, dem Landwirt vielmehr zu raten sein, neues Saatgut zu be- schaffen und diese an sich ja nicht angenehme Gelegenheit zum Saatgutwcchsel zu benutzen. Wird er dies tun, daiin ist unbedingt nötig, daß sich der Landwirt diejenige Sorte auswählt, welche für seine Boden- und klimatischen Verhältnisse am besten geeignet ist. Die Saatbaustellen der Landwirtschaftskammer bauen die ertragsreichften unserer Winterweizensorten an, vermehren sie und gewinnen das Saatgut, dessen Ankörung durch die Land-- wirtschaftskammer erst erfolgen muß, sofern dasselbe verkauft wer­den soll. Unsere Landwirte haben daher die beste Gelegenheit, sich Saatgut zu beschaffen in der Organisation der Saatbaustellen der Landwirtschaftskammer. Letztere versendet auf Wunsch Proben, vermittelt die Bestellungen und erteilt Rat und Auskunft.

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und die Bibliothek konnte durch Neuanschaffungen bedeutend i erweitert werden. Der Verein beteiligte sich wiederholt an ] öffentlichen Wettschreiben und errang insgesamt 25 Einzel- , preise sowie den Bczirkswanderpreis. Dem Vorstand wurde > der Dank des Vereins für seine aufopfernde und ersprießliche : Tätigkeit ausgesprochen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorsitzenden, Elektrizitätswerks- - buchhaltecs K. Reitz, des 2. Vorsitzenden O. Knörr, des Kassierers R. Glagow und des 2. Bibliothekars E. Lischka. : Neugewählt wurden A. Roth als 1. und Hch. Hoerster als , 2. Schriftführer, sowie Gg. Reiber als 1. Bibliothekar. DaS neue Vereinsjahr berechtigt zu den besten Hoffnungen, da die Unterrichtstätigkeit wieder sehr rege ist. Gegenwärtig unter­richtet der Verein in drei Kursen 35 Personen, darunter acht ; Damen. ,

Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz veranstaltet einen Ausbildungskursus : für die erste Hilfe in Unglücksfällen. Viele Arzte haben die ' Erfahrung gemacht, daß bei Unglücksfällen oft das erste Zu­greifen für Leben oder Gesundheit des Verletzten entscheidend ist, und ebenso lehrt die Erfahrung, daß Unfälle nicht nur : bei gefährlichen Beschäftigungen, sondern ganz unvermutet und an jedem Ort eintreten können. Die Fähigkeit, erste, sachgemäße Hilfe zu leisten, müßte deshalb viel weiter ver­breitet sein, als sie e§ wirklich ist, denn der Arzt ist meist nicht sofort zur Stelle, und bis zu seinem Eingreifen kann Unverstand manchen Schaden angerichtet haben, den ärztliche Kunst nicht- mehr zu beseitigen vermag.

"Der Eoang. Arbeiterverein, der z. Zt. ca. 400 Mitglieder zählt, begeht nächsten Sonntag sein , Stiftungsfest. Eingeleitet wird die Feier durch einen abends 5 Uhr in der Stadtkirche stattfindenden Fest- gotteSdienst, in dem Kirchenrat D. Schlosser, Mit­begründer des Vereins, die Festpredigt halten wird; außer­dem wird der Gemischte Chor des Vereins unter Leitttng seines Dirigenten Musiklehrer Gernhardt durch Vortrag mehrerer Chöre den Festgottesdienst verschönen: helfen. Abends findet ein Familienabend in Steins Garten, bestehend in Gesangsvorträgen, Ansprachen, Theater und Tanz statt.

Die Maul- und Klauenseuche ist auZgebrochen im Kreise Ruppin am 10. Oktober.

§ Klein-Linden, 13. Okt. Ein Zeugnis aus der Franzosenzeit im siebenjährigen Kriege wurde dieser Tage im alten Rathaus unter alten Akten in Form einer Quittung gefunden. Sie lautet in damaliger Schreibart:15 albus Zehrungskosten Bey Begrabung toder frantzoß Zahlt mir der Burgemeister Baltzer Lentz solches bescheinigt Lindes (frühere Schreibweise für Klein - Linden) 1761 Johannes Größer/ Unser Dorf hatte in jenen KriegSzügen, wegen der Nähe Gießens und als Durchgangsort nach Wetzlar und dem Lahntal sehr zu leiden.

X R ö d g e n, 10. Okt. Bei der heute hier abgehaltenen Bürgermeisterwahl übten 114 Personen ihr Wahlrecht aus. Bürgerlneister Stein erhielt 108 Stimmen, Gemeinde- catSmitglied Wilh. Becker 4 Stimmen, Ludw. Kraushaar und Fettwarenhändler Karl Balser je 1 Stimme. Bürger­meister Stein ist also mit absoluter Stimmenmehrheit wieder­gewählt worden.

Friedberg, 13. Okt. Die Handelskammer Friedberg faßte in ihrer letzten Sitzung bezüglich des Schrei­bens des Geh. Regierungsrates Haas über die Revisionen bei Darlehnskassen usw. folgenden Beschluß:Die Handels­kammer verwahrt sich gegen das über den Rahmen einer sachlichen Kritik hinausgehende, den Sinn unserer Veröffent­lichung gröblich entstellende Schreiben des Geheimrats Haas und lehnt es ab, sich mit ihm auseinanderzusetzen. * Die Kammer wurde von Großh. Ministerium des Innern um Aeußerung ersucht, welche Anregungen zur Bekämpfung einer etwaigen größeren Arbeltslosigkeit von Seiten der Handelskammern gegeben werden könnten. Die Kammer empfiehlt den Industriellen ihres Bezirks mit Rück­sicht auf die Gefahr größerer Arbeitsldsigkeit keine oder doch so wenig wie möglich Arbeiter zu entlassen und für spätere Zeit vorgesehene Arbeiten wenn möglich im Lause des WmterS vornehmen zu lassen. Außerdem nimmt die Kammer gern Anregungen im gedachten Sinne entgegen.

fc. Mainz, 13. Okt. Gestern nachmittag wurde aus der Ingelheimer Aue gegenüber der Insel von Spazier­gängern und Anglern im Rhein ein großes Fischsterben beobachtet. Die Oberfläche des Rheins bedeckte sich mit hunderten von toten Fischen. Die Ursache soll in den Ab­leitungen einer der auf der Aue befindlichen Fabriken durch Kanäle in den Rhein liegen und schon öfters beobachtet worden sein. Es handelt sich demnach zweifellos um Ver­giftung der Fische durch in den Fluß geleitete chemische Produkte. Seit Jahren klagen die Fischer über die stetig abnehmende Ergiebigkeit des Fischfanges. In der Nähe von Keffelstadt, Dörnigheim, Rumpenheim, der Mainkur und Offenbach wurden gestern dem Main Wasserproben von Chemikern auf Veranlassung der Strombaubehörde entnommen um sie sofort auf etwaige Verunreinigungen, besonders durch Fabriken, zu untersuchen.

X Frankenbach, 13. Okt. Der gestrige Tag wird noch recht lange im Gedächtnis unserer Jugend bleiben, galt es doch unsere neue Schule ihrer Bestimmung zu übergeben. Nach den Plänen des Kreisbaumeisters Achenbach (Biedenkopf) ist der stattliche Bau nach demselben Plan wie auch die neue Schule im benachbarten Fellingshausen ausgeführt. Kreis-, Gemeinde-, Schulbehörde, sowie viele Gemeindeglieder beteiligten sich an dem schönen Schulfest. Gleichzeitig wurde auch durch die Schulauf­sichtsbehörde Herr Diehl aus Kölschhausen als 2. Lehrer ein- geftihrt. Die Schule ist aus Ziegelsteinen (Feldbrand) erbaut und übertüncht. Sie enthält zu>ei geräumige Schulsäle im unteren Geschoß und zwei Lehrerwohnungen im 2. Stockwerk. Das alte Schulgehöst mit seinen großen Oekonomiegebäuden soll zu Privat­zwecken veräußert werden.

zugeben.

* Die Pauke ein Streichinstrument? Em Wirt Fritz Mat) hatte einen Strafzettel über 6 Mark erhalten, weil er des Abends bei seiner Tanznrusik, für di-

Sport.

D. Rudertag des Süddeutschen Ruder Verban­des. Am Sonntag fand unter sehr großer Beteiligung, darunter allein 41 Delegierte, in Frankfurt a. M. imHotel du Nord" der ordentliche Rudertag des S. R.-V. statt. Der 1. Vorsitzende, Herr O. Zimmermann, Offenbach, konstatierte in seinem Jahres­bericht eine zwar an Mühe und Arbeit reiche, aber dafür eine sehr erfolgreiche Saison. Die 3 in vergangener Saison abgehal- teiten Regatten in Frankfurt, hier und in Mainz seien bei einer guten Besetzung von einem großen Erfolge für den S. R.-V gewesen. Die Kassenverhältnisse sind ebenfalls günstig. Die nach- gesuchten Aufnahmen in den Verband fanden einstimmig die 4 aus dem Freien deutschen Ruderverbande im letzten Jahr aus­geschiedenen Vereine: Frankfurter R.-G.Borussia", Frankfurter RudersporrvereinAmicftia", Frankfurter Regattagesellschast 1903 uno der Mainzer Ruder-Klub 1903, sowie der VereinUferkrittk" 'Frankfurt. Der alte Vorstand hat durchweg eine Wiederwahl abgelehnt. Der neue Vorstand besteht ans: PH. Heidt-Frankfurter Borussia" erster, I. B. Hell, AiainzerFortuna" zwefter Vor­sitzender, R. Schultze, Frankfurter ,,Amicitia" erster, Br. Rei- dmrb, Frankfurter Regaltagesellschaft zwefter Schriftführer, Ad. Metten, Mainzer Rudev-Klub 1903 Kassierer, Ph. Bauer- Gie­ßenerHassia", Fr. Heß, FrankfurterAlemannia", Ph. Schmitt, OffenbacherGermania", Fr. Zimmer, MainzerFortuna" Bei-, sitzer. Beschlossen wurde u. <l, im Jahre 1909 wiederum drei Regatten und zwar am 13. Juni hiep, 4. Juli in Frankfurt

und tfm 25. Juli in Mainz. An den beiden letzteren Plätzen sollet alle Jahre eine Regatta stattfinden, hier und in Offenbach ofo wechselnd. Auch sollen an Orten, wo sich mehrere Verbands, vereine besinden, diese gemeinschaftlich die Regatten veranstalten, was für das kommende Jahr schon für Frankfurt und Mainz zutrifft. Zur Kenntnis wurde gebracht, daß in Rüsselsheim a. M. ein Ruderverein sich konstituierte, der j Ären falls dem S. R.-B. beitreten würde. Weiterhin sollen die Vereine dieses Verbandes ich weder an Regatten anderer Verbände, mit Ausgahme des Mitteldeutschen Ruderverbandes beteiligen, noch Vereine solcher Verbände zu den Regatten des S. R.-V. zulassen. Die Protest, gclder sind um das doppelte, auf 20 Mark erhöht worden.

* 'Die Dauerfa hrt der gestern bei Berlin aufgestiegenen Ballone hat kein besonders günstiges Ergebnis, da die meisten Ballone an der Küste Den Nordsee nieder gingen. Einige haben aller­dings ihren Flug fortgesetzt, wodurch mehrere Unglücksfälle zu verzeichnen sind. Der amerikanische Ballon St. Louis platzte über der Nordsee und ist bei Helgoland untergegangen, die beiden In-- assen konnten glücklicherweise gerettet werden. Der Ballon ist i verloren. Durch den dichten Nebel ist der Signalverkehr stark be- 1 hindert. Weitere Ballone wurden über der Nordsee gesichtet. Fischereidampfer und Torpedoboote sind auf der Suche. Von | den 22 Bewerbern um den Gordon-Bennett-Preis sind bisher 17 gelandet. Der spanische BallonCastllla" ist anscheinend ver­loren.

* Am Dolgensee in Hinter Pommern hat sich ein merkwürdiges. Jagdunglück ereignet. Der Jagdpächter Blankenburg aus Kleiir-Knedde hatte einen Hirsch angefchosseu, der in den See rannte. Um den Flüchtling einjufangen, bestiegen die Eigen­tümer Engfer und Fischer einen Kahn und ruderten dem Hirsch itadj, der sich gegen das Fahrzeug wandte und es zum Kentern brachte. Die Insassen ertranken.

* Brennendes Wasser. Aus Berlin kommt biei Nachricht, daß es dem dortigen Ingenieur R. Fiedler ge­lungen ist, ci;:e Flüssigkeit zu erfinden, die die Eigenschaft hat, sich bei . r.ihrung mit Wasser zu Heller Flamme zu entzünden, au, dem Wasser schwimmend weiter zu brennen! und sich durch Wasser ihre Gluten nicht löschen zu lassen. Der Kaiser ließ sich das Experiment vom Erfinder fünfmal im großen ausführen, meistens in den Wasserkünsten von Sanssouci. Dabei brannten große Strecken der Seen und die Flammen schossen unter dichter Rauchentwicklung bis zu 40 Kuß in die Hohe. Keine Berliner Feuerwehr hat sutz bisher die ausgesetzte Prämie von 1000 Mark verdient, die diejenige erhalten soll, der es gelingen würde, den Wasser- brand einer Seesläche zu löschen. Augenblicklich prüft das Kriegsministerium die Erfindung. Fiedler hat also das seit einem halben Jahrtausend verlorene Geheimnis des Griechi­schen Feuers wieder entdeckt. Mit ihm gelang es Kon« tantin VII. im Jahre 941, die aus 1000 Fahrzeugen be^ stehende Flotte der Russen vor ZLonstantinopel zu Vernichtern! obwohl er selbst nur 15' Schiffe besaß. Sie waren jedoch mit Druckpumpen ausgerüstet, um das selbstentzündUche Feuer zu schleudern. Bis in die Kreuzzüge hinein gatt es als eine gefährliche Waffe. Tie Bereitung war steüs Staatsgeheimnis. Auch die Zusammensetzung der Fiedler- schen Neuerfürdung ist ^roch nicht bekannt geworden, Außen großen Flammen und dichtem Rauch entwickelt die Flüssig^ teit eine so große Hitze, daß nicht nur Brücken in Bram)' geraten würden, sondern auch die gefürchteten Stacheldraht« Hindernisse glatt durchschmelzen.

* Tie bayerischen Marken. Bayern bcabsichi tigte bekanntlich anläßlich der bevorstehenden Jahrhuitdertz feier des Bestehens der bayerischen Staatspost neue Marke« herauszugeben. Zu-diesem Zwecke wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnisse vor einiger Zeit eintrafew Diese sind nicht so ausgefallen, wie die Regierung er­wartet hatte und sie konnte sich nach eingehender Prüfung für keinen der gemachten Vorschläge entscheiden. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, von einem Wechsel der bisher benutzten Marler: für absehbare Zeit Abstand zu nehmen Die bayerischen Marken wurden 1876 in dem gegenwärtigen Aussehen eingeführt und haben seit damals keine Wand­lung durchgemacht. Ta sftl) b.r Reliefdruck als unpraktisch' erwies, werden in nächster Zeit neue Marken ausgegeben werden, die bei gleichem Aussehen keinen Reliefdruck mehr

aufweisen.

* Der Triumph der Mutterliebe. Eine rührende Szene spielte sich dieser Tage vor dem Newyorker Obergerichk ab, als eine Frau namens Mrs. Amory, die aus Süd-Dakota hergereift war, in einem schlanken hübschen Mädchen von 14 Jahren ihre Tochter wiedererkannte, die ihr vor 13 Jahren ge­raubt worden. Tie Behörden des Findelhauses, in dem das Mädchen erzogen rtrurbe, seitdem es als hilfloser Säugling in den Straßen von Newyork aufgelesen war, machten der Frau ihre Muttervechle streitig, da sie es durch keinerlei Dokumente zu be« weisen vermochte. Vor dem Gericht, dessen Hilfe die Frau an* rief, erschien sie mit mehreren Freundinnen, und hier sah fit zum erstenmal das Mädchen, das nach verschiedenen, Indizien, die sie in Erfahrung gebracht hatte, ihr Kind sein mußte, .stanw hatte sie es erblick:, als sie in nefer Erregung zu dem Richter sagte:Das ist mein Kind. Ich erkenne es. Ich^e es hier," und damit drückte sie pie Hand auf ihr Herz. Das Ncäo« chen sah vor: dem Gebetbuch, in dem es las, auf und blickte bet Reihe nach die eintretenden Frauen an, bis ihr Blick dem chrer Mutter begegnete und wie gebannt an ihr haften blieb. Da eilte Mrs. Anwry, während ihr die Tränen über die Wang« liefen, auf sie zu und schloß sie in ihre Arme, und auch das Mädchei: rief immer wieder lucincnb:Ich fühle, du bist meine Mutter. . Die (Stimhne des Blutes hatte so ftorf in bat beide:: gesprochen, daß auch der Richter, der die Szene beob­achtet hatte, den Behörden des Findelhauses anheimgab, We Zweifel fairren tzu lassen und der 'Kutter die Tochter zurück«

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w. Frankfurt a. M., Der Verwaltiingsrat der Palmen- gartengesellschäft hat sich an die Stadt gewandt mit Der Bitte, ihm durch einen Zuschuß den Erwerb des bisher nur gepachteten Geländes von Leonhardsbrimn zu ermöglichen. , Der Kaufpreis betragt 500 000 Mk. Auf Antrag des Magistrats bewilligte heute die Stadtverordnetenversammlung der Palmen­gartengesellschaft ein zinslosesDarlehen von 150000 Mk., weil die Vergrößermig des Gartens auch im allgemeinen Interesse Der Bürgerschaft liege.

= Hanau, 13. Ott. Die Wetterau ische Gesell­schaft r die gesamte Naturkunde feierte am Sonn­tag ihr 10 0 j ä h r i g e s Be st e h e n mit einer Festversammluug in Hanau, dem Gründungsorte. Eine große Zahl Notuifor^chcr «ins den: Gebiete von Kaiburg bis Darmstadt, von Wiesbaden M Aschaffenburg gehört der Gesellschaft an. In der Reihe

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der ältesten Mitglieder finden wir Goethe, Alexander v. Hum­boldt, Wieland, Lavater, Cuvier, Decandolle und Karl Ritter. Eine Begrüßungsansprache hielt u. a. Prof. Dr. Schmidt aus Gießen im Namen der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Gießern Zn Ehrenmitgliedern wurden aus Hessen Prof. Stork (Offenbach) und Prof. Mes (Marnz) ernannt. Am Schlüsse der Feier wurde eine Bereinigung zur gemeinfanten Erforschung der geographischen Verbreitung gewisser T:erfvrmen des Acainstromgebietes gebildet. t .

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbar st aaten. In Hanau machte der Ausläufer Karl Selig einen Mordversuch auf seine von ihm getrennt lebende Frau. Er drang in die Werkstätle, wo die Frau beschästigt war, ein und feuerte einen Revolverschuß aus sie ab. An bem_ Versuch, weitere Schüsse abzugeben, wurde er verhindert, überwältigt und der Polizei übergeben. In Bingen wurde ein 4 Jahre alter Knabe von einem Automobil überfahren und so schwer verletzt, daß er starb. Der Chauffeur setzte seine Fahrt ruhig fort, wurde jedoch angehalten und sestgenommen. Wie der ,Kl. Pr." aus Wiesbaden gemeldet wird, spielte sich dort in der Kirchgasse eine Liebes lragödie mit tätlichem Aus­gange ab. Der Fabrikarbeiter Kochbaner aus Fechenheim lauerte seiner Geliebten, dem 23 Jahre alten Dienstmädchen Frankenbach aus Schloßboru auf, brachte ihr, weil sie ihm abgeschrieben hakte, mehrere Aiesserstiche in bte Brust bei und schoß sich dann eine Kugel in die linke Schläfe. Im städtischen Krankenhause starb er noch des Nachts. Das Alädchen liegt hoffnungslos darnieder.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 10. Otto der.

Bezüglich der Enteignung von Gelände zur Erwei­terung des Bahnhofs Hirzenhain hatte der Provinzial- Ausschuß mit Urteil vom 20. Juni ds. Js. die Zulässigkeit der Enteignung ausgesprochen. Nachdem inzwischen der Nachweis^ der erfolgten Hinterlegung oder Zahlung der zuerkannten Entschä­digungssummen durch bte Königl. Eisenbahiwirektion Frankfurt am Main erbracht worden war, wurde die EitteignunA des Geländes heute ausgesprochen.

Tas Gleiche geschah hinsichtlich des von der Stadt Fried­berg zur Durchführung des Ortsbauplans und des von der Königl. Eisenbahndirektion Fraüksurt a. Ai. zur Erweiterung des Bahn­hofs Zell-Romrod beanspruchten Geländes.

Was die Sache: Wirffchastsbetrieb des Jakob Eckert TV. zu Büdingen; hier Antrag auf Konzessionsentziehung betrifft, io war dieser durch Urteil der Sttaskammer zu Gießen wegen Vergehens gegen § 180 R. Str.-G. zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wock>en verurteilt worden. Das Großh. Kreisamt Büdingen stellte hierauf Antrag auf Entziehung der Wirtschafts- k o n z e f s i o n , titbent es gleichzeitig um vorläufige Schließung der Wirtschaft bat. Diesem letzteren Antrag entsprach der Pro- vinzial-Ausschuß untern: 2. Mai ds. Js. gab aber heute weiter auch dem Antrag auf Entziehung der Konzession statt, da er bei dem Wirt einen Mangel der Eigenschaften für erwiesen erachtete, die bei Erteilung der Konzession als vorhanden bei ihm vorausgesetzt wurden. Aus den: gleichen Grunde wurde auch dem Anttag des Großh. Kxeisamts Büdingen auf Entziehung der den: Otto C"m r i ch zu E ck a r t s b o r n erteilten Konzession zum Betrieb einer Gastwirtschaft entsprochen, der entmündigt wor­den war.

Die Enteignung von Gelände zur (Erbauung eines Schul Haus es zu Büdingen hatte den Provinzial-Ausschuß be­reits in seiner Sitzung vom 28. März ds. Js. beschästigt und zwar war damals auf Zulässigkeit der Besitzeinweisung erkannt worden. Alittlerweite find sämtliche Entschädigungsbettäge bezahlt wor­den bis auf einen, bei dem infolge Stcrbefalles eine Auszahlung nicht möglich war. Tie Stad: Büdingen als Unternehmerin wurde deshalb heute in bei: Besitz dieses Grundstücks eingewiesen und die Enteignung desselben ausgesprochen.

Mainz, 13. Okt. Der große Patronen dieb stahl inr 118. Infanterie - Regiment in Worms durch den Sergeanten Leineweber fand heute an der Strafkammer seine teilweise Sühne. Als Abnehmer und Hehler von etwa 50 000 Patronen und 20 Gewehren hatten sich der Heilkünstler Herm. Eduard Appel» h a n s aus Rottleben, wohnhaft in Worms, und der Waffenhändler H. Schuler aus Ludwigshafen zu verantworten. Appelhans hatte die gestohlenen Patronen an Schuler weiterverkauft. Das Gericht verurteilte die beiden Angeklagten zu je 1 V» 3 a h r e n Zucbthau 8.

Luxemburg, 14.Okt. Ter Assisenhos verurteilte den Domänen-Rendanten T h i l g e s wegen Unterschlagung in 500