'verfassungsmäßigen Rechte hinausgehen. Das will begreiflicherweise die Volkskammer nicht zugeben. Red. d. Gieß. Anz.)
hessische zweite Kammer.
R. B. Darmstadt, 14. Jan.
Die erste Sitzung nach den Weihnachtsferien eröffnet Präsident Geb. Rat Haas um 10 Va Uhr mit den besten Wünschen auf eine rasche, erfolgreiche Arbeit. Am Ministertisch: Staatsminister Ewald, Minister des Innern Braun, Ministerialrat Tr. U s i n g e r.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Lesung des
Gesetzentwurfs über die Jagd.
Abg. Bähr stellt zur Geschäftsordnung den Antrag, diesen Gegenstand heute von der Tagesordnung abzusetzen, da sich seine Partei noch nicht darüber schlüssig machen konnte.
Abg. Reinhart, Tr. Schmitt und andere sind gegen diesen Antrag, während Abg. Köhler ihn unterstützt.
Minister Braun bittet, heute die Jagdgesetzvorlage zu beraten. Die Regierung habe sich darauf, vorbereitet und Material und Mitarbeiter zur Stelle gebracht; für die Beratung anderer Gegenstände sei sie nicht genügend vorbereitet.
Abg. Ulrich schließt, sich dem Antrag auf Vertagung an, da die Herren vom Bauernbund wahrscheinlich noch nicht Herrn Lacke (den stellverttetenden Vorsitzenden des Bundes der Landwirte) um Erlaubnis gefragt hätten. (Große Heiterkeit.)
Abg. Hirsche! entgegnet, die Sozialdemokraten müßten ja immer erst Herrn Singer oder den Vorwärts in Berlin fragen.
Nach weiterer umständlicher Debatte entscheidet das Haus mtt 20 gegen 17 Stimmen, daß mit der Beratung des Jagd gesetzes begonnen werden soll.
Präsident Haas teilt darauf mit, daß der Ausschußreferenl Abg. Reh sein Amt niedergelegt habe und an seine Stellt Abg. Dr. Fulda getreten sei.
Abg. Wolf macht zu Art. 1 der Vorlage allgemeine Ausführungen und beantragt, den zweiten Absatz des Artikels, nach dem Jagdberechtigungen auch insoweit, als deren Ablösung nicht bereits nach Art. 2 zulässig ist, von den Gemeinden oder Grundbesitzern durch Ablösung erworben werden können, zu streichen.
Minister B r a u n weist dagegen darauf hin, daß es sich hier nur um Jagdberechtigungen auf fremdem Boden drehe und darnach eine Verkürzung des Rechts der Großgrundbesitzer, aus die der Anttag doch wohl hinziele, gar nicht erreicht toerde.
Abg. Bähr spricht sich für den Anttag Wolf aus und erklärt nach längeren Darlegungen, sich die Entschließung über' die wichtige Sache bis Art. 19 Vorbehalten zu wollen.
Die Abstimmung über Art. 1 wird darauf zurückgestellt, da nach der Verständigung in der Geschäftsordnungsdebatte die Beschlußfassung über alle Artikel, bei denen Abänderungsanträge gestellt werden, erst später erfolgen soll. Zu Art. 2, der vom Jagdrecht der Gemeinden handelt, stellt Abg. Wolf einen Zusatzantrag, nach dem, wenn die Gemeinde eine Jagd frei- Andig vergeben will, zu dieser VeraÄung der einstimmige Beschluß des Gemeinderats erforderlich sein soll.
Minister Braun bemerkt, daß die Regierung gegen diesen Antrag nichts einzuwenden habe. Er wolle jedoch das Haus darauf Hinweisen, sich darüber llar zu werden, daß man damit den Gemeinden etwas vorschreiben würde, was bisher noch aus keinem anderen Gebiete vorgeschrieben worden sei. (Zuruf: Tas schadet nichts!)
Der Anttag Wolf wird darauf mit allen gegen vier Stimmen angenommen.
Art. 3 bestimmt, daß die Gemeindejagden auf neun Jahre verpachtet werden sollen. Die Kammer Hit in der ersten Le- süng die Pachtzett auf sechs Jahre festgesetzt und stimmt heute diesem Beschlüsse zu.
Ohne Debatte werden auch Art. 4 und 5 nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen.
Bei. Art. 6 hat die Kammer in erster Lesung mehrere Zusätze beschlossen; so soll die Genehmigung nur versagt werden, wenn das eingelegte Meistgebot die Schätzung „oder den Durchschnittserlös der beiden letzten Pachtperioden, falls dieser höher war, tote die Schätzung", nicht erreicht. „Soll die Genehmigung einem Neichsausländer erteilt werden, so ist die Zustimmung des Kreisamts erforderlich." „Wer bei einer Verpachtung mitbieten will, hat sich auf Verlangen bei dem Leiter der Versteigerung über leine Zahlungsfähigkeit auszuweisen. Die Stellung von Bürgen ist zulässig."
Abg. Köhler wün cht Stteichung der Bestimmung des Artikels 6, nach der die Gemeindevertretungen in gewissen Fällen gezwungen toerden sollen, die Genehmigung nicht zu versagen.
Minister Braun erklärt sich gegen den Anttag Köhler, ebenso Ministerialrat Dr. U s i n g e r.
Ern Anttag des Abg. Finger, in der Nähe der Festungen Ausländer nicyt zur Jagd zuzulassen, wird wieder zurückgezogen, nachdem Abg. Dr. Schmitt erklärt bat, daß die Kammer da-
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dieser unglückselige Zmeiseelenmensch auf- und angefaßt und so ward denn dem Darsteller mit Recht der volle Beifall des Publikums zuteil. Eine ausgezeichnete Leistung bot auch Reimer-Schlegel als ^dicker Karl". O, welche Ironie, dieses Epitheton! Man sah in der Wirtschaft zur „Lahmen Ente" ein Schild mit der lockenden Aufschrift „Bratheringe". Reimer-Schlegel bot die lebendigste menschliche Illustration dazu. Er gab eine ganz köstliche Gaunerstudie frisch nach dem Leben, ebenso wirksam als „gemütlicher" Kneipkumpan und gelassener Friedensstifter von unbetrüglicher Lebensschläue, wie als pfiffiger Komplize beim Einbruch und als galgen- humoristischer und äußerst gefährlicher Rächer seiner scheinbar überlisteten Spitzbubenkünste. Neben ihm zeichnete sich Toni Sylva aus, der die dankbare und interessante Rolle der „roten Male" zugefallen war. Die schließlich nur etwas zu rührselige Gestalt des schwer geprüften braven Mädchens aus dem Volke machte den besten Eindruck und war des ihr zu teil werdenden Beifalls würdig. Auch die übrigen Mu- wirkenden, namentlich die Hrn. Lotz (ein vorzüglicher Spelunken- wirt),Sachs u.Waldeck, sowie Schmidt-Pauly u.Goll (der eine Wilde-Maske gemacht hatte), und die Damen Cardung (die recht vorteilhaft aussah) und Sauter = mann, wußten ihre Aufgaben aus der guten Gesellschaft und der Verbrecherwelt mit Glück zu lösen, so daß der Besuch der Wiederholungen warm zu enipsehlen ist. Weniger gelungen waren ja Frl. Mo rett und Herr Gsell, sie zu indifferent, er nicht von der erforderlichen geistigen Ueberlegenheu und suggestiv wirkenden überragenden Willenskraft. Doch geschah dem ganzen dadurch kein erheblicher Eintrag. P. W.
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— Am 14. Januar ist der dänische Dramatiker und Lyriker Holger ^rachrnannin Hornbaek, wo er sich seit einiger Zeit wegen einer Nervenkrankheit in einer Nervenheilanstalt aushielt, g eft orben. Dr. war 1846 zu Kopenhagen geboren. Er widmete M m jungen Jahren der Malerei, wandte sich aber schon als 25iährcger der Literatur zu uno bezog von der dänisck>en Negierung em ^ichtergehalt. Am bekanntesten wurden in Tcutschlaiü» seine Sttandnovetlen und die MarclienkomAxen „Es war einmal" und «Lausend und eine Nacht".
— Kleine Kunstchronik. In Nürnberg hatte Frank Wedekinds Sittcngemalde „Musik" (Buchoevlag von Aw Langen in München) bei der Uraufführung einen lauten Erfolg Jedes der vier Bilder wurde lebhaft beklaljchl. Am Schlüsse wurde «der Verfasser wiederholt stürmisch gerufen.
rüber nicht beschließen könne; eS sei das Sache der Militärbehörde.
Nachdem sich bann Abg. Wolf in längeren Ausführungen für den Antrag Köhler ausgesprochen hat, wird Art. 6 nach den Beschlüssen erster Lesung einstimmig angenommen, ebenso der Anttag Köhler mit allen gegen zwei Stimmen.
Art. 7 bestimmt: „Ist durch rechtskräftige Entscheidung ein Verwaltungsstreitverfahren festgestellt worden, daß eine nach Art. 6 erforderliche Genehmigung zu Unrecht versagt worden ist, so kann sie, falls die Gemeindevertretung sich noch weiterhin weigert, von der Aufsichtsbehörde erteilt werden."
Abg. Köhler beantragt, den Artikel ganz zu streichen, da er nach Annahme seines vorigen Streichungsanttages erledigt )ei. Tas Haus nimmt den Antrag auf Streichung des Art. 7 an.
Art. 8 bestimmt, daß für ein Jagdgebiet, oder, wenn dieses in Bezirke eingeteilt ist, für einen Bezirk nicht mehr als drei Pächter zugelassen werden können. Auch bieten Artikel will Abg. Köhler gestrichen wissen, während Abg. Bähr den Antrag stellt, für ein Jagdgebiet, welches größer ist, als 300 Hektar, für jede weiteren 100 Hektar einen weiteren Jagdpächter zuzulassen. Einen ähnlichen Antrag hat Abg. Finger gestellt mit dem Zusatz, daß hierzu die Genchmigung des Kreisamts erforderlich iein soll.
Abg. Wolf spricht sich sehr nachdrücklich für die Annahme dieser Anttäge aus, und meint, der Rheinhessische Jägerbund .würde sich für das ganze Gesetz bestens bedanken, wenn Art. 8 in der jetzigen Form bestehen bliebe.
Minister Braun führt aus, mit der Annahme des Antrags Köhler würde ohne Zweifel das ganze Gesetz zum Scheitern kommen, ebenso, wie durch die in erster Lesung beschlossene Streichung des Art. 17. Wenn der Artikel gestrichen würde, so könne schließlich ja das ganze Dorf auf die Jagd gehen. Die Streichung würde unfehlbar zu einer Ausschießung der Jagd und damit zu einer schweren Schädigung der Gemeinden führen, zu der die Regierung unter keinen Umständen die Hand bieten kann. Ter Mmister spricht sich dann auch gegen den Anttag Finger aus.
Nach weiterer unwesentlicher Debatte werden die Art. 8 und 9 auf Antrag des Abg. Dr. Schmitt bis zur Besprechung über Die Art. 36 u. ff. zurückgestellt. Art. 10 und 11 werden in der Fassung erster Lesung angenommen.
Art. 12 war in der ersten Lesung ganz gestrichen worden. Auf Anttag des Abg. Bähr und Genossen wird heute der erste Teil dieses Artikels und auf Empfehlung des Ministers Braun noch ein Zusatzantrag angenommen, so daß der neue Art. 12 jetzt lautet:
„Jagdpächter dürfen unabgeerntete, landwirtschaftlich benützte Grundstücke während der allgemeinen Hegezeit nur zur Erlangung erlegten oder angeschossenen, von der Hege nicht bettoffenen Wildes betteten. Die Vorschriften über die Verpflich- tung zum Schadenersatz (Art. 11) bleiben unberührt."
Die Art. 13 und 14 werden darauf in der Fassung der ersten Lesung angenommen.
Nach der erfolgten Abstimmung wird aber auf Anttag des Abg. Ulrich die Beratung des Art. 14 wieder aufgenommen und ein Anttag der Abg. Köhler und Gen. auf Stteichung des Abs. 1, wonach für ein Gebiet, von 1200 Hektar höchstens fünf Mitglieder und für weitere je 600 Hektar höchstens drei Mitglieder und für weitere je 200 Hektar ein weiteres Mitglied zugclassen werden soll, mil allen gegen drei Stimmen angenommen.
Tas Haus nimmt dann ohne Debatte die Artikel 15 und 16 an, die auch in der ersten Lesung in der Regierungsfassung genehmigt worden waren.
Zu Art. 17, zu dem verschiedene Anttäge vorliegen, cnt- spinitt sich eine längere Debatte und schließlich wird die Sitzung abgebrochen und bis morgen früh 9 Uhr vertagt.
In einer weiteren Fraktionssitzung des Bauernbundes am Dienstag mittag wurden zu der in Beratung begriffenen Vorlage des Jagdgesetzes nicht weniger wie 13 neue Anträge gestellt. Einige weitere stehen noch in Sicht.
Ans Lta-t nsiS Cand.
gefaßt, die Bestimmungen über die Errichtung von Saatbau st ellen vorerst für ein weiteres Jahr bestehen zu lassen und alsdann ihre Revision in Aussicht zu nehmen. Weitere Beschlüsse wurden gefaßt über die Ausstellung von einheitlichen Preisurkunden durch die Landwirtschaft^ kammer und die Provinzausschüsse bei den Prämiierungen, sowie über die Ergänzung der P r e i s Notierungskommission. Sodann wurde der Entwurf einer Ordnung für die Beschickung der A u s st e l l u n g e n der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft beraten und angenommen, und gleichzeitig beschlossen, eine gemeinsame Beschickung der Stuttgarter Ausstellung mit Pferden, Rindern, Ziegen, Wein, sowie mit Saatgut der Saatbaustellen zu veranstalten. Ferner entschied sich der Vorstand für die versuchsweise Ausbildung von geeigneten Personen für die e r st e G e b u r t s h i l f e bei landw. N u tz t i e r e n, möglichst für jede Gemeinde; dieselben sollen zugleich für die Seuchenbekämpfung, für die Zwecke des Viehverkehrs, eventuell auch für dre Fleischbeschau und andere Funktionen im Einvernehmen mit der Großh. Regierung nutzbar gemacht werden. In Bezug auf die Durchführung der Sortenanbauversuche will die Landwirtschaftskammer die seither vom landwirtschaftlichen Provinzialverein für Oberhessen ausgeübten Funktionen übernehmen und nicht nur den allgemein üblichen Zuschuß von 50 Mark n'ir jeden Versuch leisten, sondern auch die Bewirtschaftungskosten der Schulversuchsfelder, soweit sie nicht durch eigene Einnahmen gedeckt werden, bis zur Höhe von 400 Mark pro Schule tragen.
** Vortrag. Auf den von der Freidenker- Vereinigung morgen, Donnerstag, abend veranstalteten Vortrag sei hiermit nochmals hingewiesen. (Näheres s. Inseratenteil.)
— Leihgestern, 13. Jan. Am letzten Samstag abend hielt Lehrer Keil, Klein-Luiden, hier einen Vortrag über: „Eine Reise nach Hamburg, Kiel, Kaiser Wilhelm- Kanal, Helgoland, Nordsee und Bremen". Der Abend ipar als V o l k s u n t e r h a l t u n g s a b e n d gedacht und vom hiesigen Kriegeroerein arrangiert. Ter Vorsitzende des Kricgervereins Häuser begrüßte die zahlreich Erschienenen. Herr Keil entledigte sich mit Geschick seiner Ausgabe; zahlreiche Ansichten, die während des Vortrags zirkulierten, erleichterten das Verständnis sehr. Ter Gesangverein „Eintracht" trug prachtvolle Eböre vor und zivischendurch erklangen Volks- und Vaterlands- lieder in vollem Ehore. Lehrer Buß charakterisierte oie Verschiedenartigkeit des Erwerbes der durchtvanderlen Landesstrecken lind brachte ein Hoch auf unseren obersten Kriegsherrn und unseren Landesfürsten cut$,_m das die Versammlung begeistert emftumnte und „Heil dir im Slegerkranz" erklang durch die Nacht. Hieraus 'cicrte Herr Keil die Veteranen, die an der Wiederailfrichtimg des deutschen Reiches den relchlten Anteil haben. Ten Tank der Ver- sammelten übermittelte Herr H ü ii j e r dem Redner, sowie dem Gesangverein Eintracht. Sehr befriedigt über den Verlauf des Abends trennte man sich erst in später Stunde. Ter Vorsitzende und Ehrenvorsitzende des „Hassia-Bezirks Gießen", die Herren Fischbach und Atayer, waren eingeladen, aber am Erscheinen verhindert und hatten ihr Ausbleiben eiltschuldigt. — Der Gesangverein Eintracht, Bundesverein vom Wetterau-Lahngau-Sangerbund, beabsichtigt, sich un nächsten Sommer an einem Gesangs- lüettftreit in Büdingen zu beteiligen. Die Kosten werden von wohlsituierten Mitgliedern des Vereins getragen. Ter Verein zählt nur 23 aktive Sänger, steht unter der Leitung des Musikers Riemann von der Kapelle des Kaiser Wilhelm Il.-Rcg. tu Gießen und ver'ügt über ent gutes Stimmaterial. Auf sichern Erfolg des Vereins und thres rührigen Tingettiett glauben wir hosten zu bürfen.
Gießen, 15. Januar.
** Vom Großh. Hofe. Die Großherzoglichen Herrschaften spielten n. d. „Darmst. Ztg." am Montag nachmittag mit ihren Gästen von 1/23—5 llhr auf dem K'ranichsteiner Teich Hockey. Zur Frühstückstafel im Neuen Palais waren am Dienstag geladen: der Graf und die Gräfin zu Isenburg und Büoingen in Meer holz. Am Nachmittag liefen die Herrschaften auf dem K'ranichsteiner Teich wieder Schlittschuh.
** Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Groß Herzog haben dem Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts B. D e r n b u r g zu Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großherzog von Oldenburg verliehenen Großkreuzes des Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erteilt und dem Direktor der Vereinsbant Worms, e. G. m. b. H., Gg. Müller zu Worms das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
*• Die Prüfung im Huf beschlag bestanden im Jahre 1907 : Heinrich Bäus cher aus Lauterbach, Peter Bill aus Büdesheim (Kreis Friedberg), Karl Phil. Im hum ans Rodheim v. d. H., Karl Schmidt aus Ltßberg, Wilh. Seipp aus Bemsfetd und Kart Hch. Worner aus Ober- Rosbach. Sie sind berechtigt, selbständig den Hufbeschlag auszuführen.
**Für dieSitzung derStadtverordneten-
Versammlung am Donnerstag, 16. Jan. 1908, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt:
1. Auslosung von Schuldverschreibungen; 2. Mitteilungen; 3. Bmigesuch des Ludwig Rühl für die Marktsttaße; 4. Desgl. des H. W. Rinn für bm Wismarer Weg; 5. Bebauungsplan für die Marburger Straße und die Sttaße nach dem Friedhof am Rodtbcrg; 6. Erwerb von Gelände zur Kttissttaße Gießen—Wis- mar; 7. Erwerb des Grundstücks von Heinrich 9coll VII. in' der Großen Mühlgasse; 8. Verkauf von Gelände an Franz Klenker. 9. Verkauf eines Bauplatzes an den Verein Adelphenhaus ; 10 Gelänoeaustausch am Bahnhofsvorplatz; 11. Tausch von Gelände zwtfchen der Stadt und Jakob Happel Eheleute; 12. Feststellung von Grundeigentum am Grundstück Schloßgasse 19; 13. Verlegung des Vwhmarktes; 14. Ortsstatut, betreffend Gebühren für die Benutzung der städtischen Kanäle; 15. Einführung einer We r t z u w a chs steue r ; 10. Schulgeld für die iWrc und erweiterte Adädchenschule; 17. Verpachtung der Ge- meuweiagb; 18. Ankauf eines Grundstückes in Großen-Buseck; w Verlegung bttJMjetieitung ton der V°hnhosstr°be nach bem Volks bad, 20. Beschwerde des Albert Rappmann wegen des Preises Hr elektrischen Strom; 21. Beleuchtung des Schlacht Hof es; 22 Beftellung eines Hilfstrichinenschauers; 23. Beleuchtung des Po- lizeigefangnilies; 24. Berftitlung der überwölbten Strecken des Stadtbachs: 25 ^teferlegnng eines Entwässerungsgrabens bei der Irrenanstalt; 2b. Gesuch des W. ,Kill)inger um Genehmigung jur lleberbruckung des Schoorgrabens in der Süd-Anlage- 27 Wcrtfch-faftsgedäude auf dem Friedhof am Rodtberg; 28 Vicbaäb- luug; hlcr : Vergütung an die ZMer; 29. Rechnung der Wernen- taue für 190o; 30. etiyeitoicn^tifümg; 31. Genehmigung von der Gail'ichen freiwilligen Feuerwehr;
33. Gesuch des PH Hemr. Keller um Erlaubnis zum Schankwirt- IchaÜsbett.ebe auf der Eisbahn; 34. Desgl. des Aivritz von Zwerger für das Haus Burggraben 9; 35. Desgl. des Karl Ro- finger für das Haus West-Anlage 64.
** Land w i r t s ch a ftskammer für das Groß- h erzog tum Hessen. In der am Montag, 13. Jan. abgehaltenen 18. Vorstandssitzung wurde ' außer' den bereite mitgeteilten Beschlüften weiter ein Beschluß
^Münster bei Lich, 13. Jan. An den Unrichtigen waren drei Burschen von hier geraten. Sie waren beim Neubau der Eisenbahn beschäftigt und hatten scheinbar einen zu viel getrunken. Auf dem Heimweg suchten sie den Bürgermeister von Ettingshausen anzugreifen. Der setzte ihnen so zu, daß sie ihr Hell in der Flucht suchen mußten. Sie sollen später demütig Abbitte geleistet haben. Schade ist nur, daß sie einer ordentlichen Tracht Prügel sich durch Flucht entzogen.
(:) Alsfeld, 13. Jan. In der Mitgliederversammlung des Freisinnigen Vereins sprach am 10. Januar der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Reh, über das Vereins- und Versammlungsrecht in Hessen und das Neichsvereinsgesetz. Er führte aus, daß in Hessen bis zum Jahre 1816 irgend welche Normen für das Vereinsrecht nicht bestanden und gegebenenfalls polizeiliche Willkür aushelfen mußte. Erst mit dem Beitritt Ludwigs I. zu dem deutschen Bund begann die Entwicklung des hessischen Vereins- und Veriammlungsrechts. Es folgten nun die Verordnungen der Jahre 1819 und 1832, die Ver- ! ündigung der Buudesbeschlüsse des Jahres 1832 und damit eine gesetzliche Einschränkung des Vereins- und Versamm- lungsrechts. Einen Umschivung und die Grundlage für bic freiheitliche Entwicklung brachte das Jahr 1848 mit dem Gesetz vom 16. März desselben Jahres, welches die freie Betätigung von Versammlungen verfassungsmäßig garantierte. Dieses Gesetz ist heute noch in Geltung. In Hessen besteht also dermaßen ein freies Vereins- und Versamm- lnngsrecht, wie es auch Baden und Württemberg hat. Der Redner besprach sodann eingehend das Reichsvereinsgesetz und betonte, daß dasselbe, wenn es in der vorgelegteul Form Gesetz werde, für Hessen einen Rückschritt von nicht zu unterschätzender Bedeutung zur Folge haben werde. Es fehle insbesondere die Definition, was ein „Verein" und eine „Versanrmlnng" ist und was man unter ^öffentlichen Angelegenheiten" versteht, auf die sich die Sonderbestimmungen des Gesetzes beziehen. Die Anmeldepflicht der Versammlungen werde Gelegenheit zu allerlei Schiranen bieten. Zu beanftanden sei die Genehmigungspflicht der öffentlichen Versammlungen, die zu weitgehenden Auftösungsbefugnisse der Polizei und ganz besonders der Sprachenparagraph; man sollte das Recht in Wort und Schrift, sich frei zu äußern, mcht antasten. L-bhafter Beifall lohnte den Redner. Auf Antrag des Referenten wurde folgende Resolution eig* * stimmig^ angenommen: „Der freisinnige Verein zu Alsfeld erhebt Protest gegen die im Reichsvereinsgesetz für Hessen enthaltene Verschlechterung des Vereins- und Versammlungsrechtes und fordert die Vertreter Hessens im Reichstage auf, gegen jede Beeinträchtigung unseres bewährten hessischen Vereins- und Versammlungsrechts einzutreten."
O Laubach, 14. Jan. .Heute verweilte Geh. Oberschulrat Nodnagel aus Darmstadt hier und wohnte dem Unterricht in verschiedenen Klassen des Gymnasiums bei. — Die gestrige Mitteilung „aus dem Vogelsberg" kann durch verschiedene hiesige Beobachtungen bestätigt werden. Das Raubzeug wird täglich kecker und dringt in die Straßen und Höfe ein. So konnte in einer Straße ein Sperber noch zur rechten Zeit verscheucht werden, als er gerade beschäftigt war, eine Amsel zu zerreißen. Ein anderer Sperber drang in einen Hoj ein, in dem sich, ein


