Ausgabe 
14.7.1908 Erstes Blatt
 
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Ans Stadt und Land.

Gießen, 14. Juli 1908.

L. U. Landesuniverj ität. Herr Tr. phil. Erich Beschkc, der sich für das Fach der Chemie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Mittwoch, den 15. Juli, 5 Uhr pünktlich in der kleinen Aula eine öffent­liche Probevorlesung über das Thema: Tie physikalisch- chemischen Methoden in der organischen Chemie, und Herr Dr. Anton Sitze ns re y, 1. Assistenzarzt an der hiesigen Fraucntlinik, der sich für das Fach der Geburtshilfe und Gynäkologie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, um 6 Uhr daselbst eine öffentliche Probevorlesung über das Thema: Tuberkulose der Placenta.

Landtagswahlbewegung. Der hessische Landesverband der deutsch-sozialen Partei er­läßt zu den Landtagswahlen folgenden Aufruf: .Im kommen­den Herbst finden im Großhcczogtum Hessen Neuwahlen zur Zweiten Kammer der Landstände statt und zum ersten Male soll hierbei mit selbständigen Partcikandidaturen unter deutsch­sozialer Flagge vorgegangen werden. Schwere Kämpfe stehen und bevor; Feinde, offene und verkappte, ringsum! Wir aber streiten für die nationale Zilkunft unseres geliebten Hessen- landeö, unsere Partei mit den» neu geschaffenen bcslimintcn Landtagsprogramm muß unter politisch einsichtiger Führung und ii» strenger ParteidiSziplin der Her» und der Kristalli- sationSpunkt der rechtsstehende»» Kreise »verden. Eine t»ef-

-Auch eine weitblickende Berke hrspoliNr ist von weii- tragenber Bedeutung. Die Aufwüchse der Spekulation, denen man entgegentreten muß, bestehen in der Beschränkung des Marktes, statt der Bedienung desselben, in der Hinderung Her Bautätigkeit, statt ihrer Förderung, und in der Lahrn- legnng des Wettbewerbes, also in der Monopolbildung und im Bodenwucher.

Es ist eine offene und viel »:mstrittene Frage, ob man den Stadtbebauungsplan geheimbcuten oder osfenlegen soll B:de Atethoden haben sachverständige Verteidiger, und beide haben Licht- und Schattenseiten. Gemeinsam ist »hnen nur das eine, /daß sie dieBodeni'pekulation nicht verhindern können. Auf dem !einen Wege nrirb man vielleicht Die Zahl der Spekulanten vermindern können, und gleichzeitig erhöht man deren Risiko And zeitigt sprunghafte Ueberraschungen, deren Folgeerschei­nungen mit einiger Sicherheit nicht vorher zu sehen sind. Bei der anderen Methode vermehrt man die Spekulanten, aber mixt) deren Wettbewerb, und antizipiert die Grundwert- «erhöhuna, die sich unter anderen Umständen erst später zeigen tvürde. F-reilich kann ja die Kommune selbst mit beit Mitteln ihres Stabterweiterungsfonbs ben allgemeinen Wettbewerb mitmach en und bis zu einem gervissen Grade regulierend ein greifen. Durch Um- und Zusammenlegung und noch mehr durch Enteignung werden diese Machtmittel .der Kommunalverwaltung ungemein gestärkt. Außerordent­lich viel hängt aber von oer Bauordnung ab. Sie hat die allergrößte wirtschaftliche und soziale Bedeutung, nicht nur, wie viele meinen, eine technisch-künstlerische und

aIIen ^ten mterkanut, daß die Bauordnung des Großherzogturns Hessen von 1881 in hohem Grade reformbedürftig ist, und dasselbe gilt von den städtischen Bauordnungen, die sich im Rahmen des veralteten Ge> setzes bewegen müssen. Eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Stadtbauordnungen und Stadtbaupläne, Herr (Seheimevat Dr. 5tüb ben, hat im vorigen Jahre in Darmstadt einen höchst interessanten Vortrag über dieses Thema, allerdings in besonderer Berücksichtigung des Baues von Kleinhäusern gehalten. 5tübben gilt als Vorkämpfer für die Kleinhäuser und damit im Zusammenhang für die Ein­richtung von besonderenW o h n st r a ß e n" im Gegensatz zuBerkehrsstraßen". Stübben hat die hessische allgemeine Bauordnung einer eingehenden Kritik unterzogen und zahlreiche tvertoolte Abänderungsvorschläge gemacht. In der Debatte hat der Vertreter des Finanzministeriums eine Revision der Bauordnung, die, wie man hört, inzwischen in Angriff genommen worden jst, in Aussicht gestellt und, was besonders toidjtig ist, nach der Losung:Nicht scha- blonisieren, sondern differenzieren und in­dividualisieren" eine größere Bewegungsfreiheit der Gemeinden verheißen. Damit wäre schon sehr Diel gewönnet».

Hessen ist ein Land mit einer fortschrittsfreudigen Gesetz­gebung. Man denke nur an »die Wohnungsgesetz­gebung, die Wohnungsfürsorge und die Legis­lative über die W e r t z u w a ch s ft e u e r. Es wäre verwun­derlich, wenn die Verhältnisse und Erfahrungen unserer blühenden Nachbarstadt Frankfurt, die unter den Groß­städten des Reichs seit jeher eine exzeptionelle Stellung ein­genommen bat, auf das Hessenland ohne Einfluß bleiben sollten. Ich denke in erster Linie an die lex A d i ck e s, die die Ich denke in erster Linie ap die lex Adickes, die die Grundsätze der Zusammenlegung und Umlegung der Feld­bereinigung auf das städtische Terrain ausdehnen soll. Der rührige zlveite Bürgermeister der Residenzstadt Darmstadt, Dr. Glässin g, der auch Mitglied der Zweiten Kammer ist, hat dort bereits den Erlaß einer hessischen lex Adickes angeregt und sich kürzlich in einem Vortrag, ber im übrigen äußerst vorsichtig und gemäßigt gehalten war, sogar 1 ür ein gewisses kommunales En tet gnungsrecht ben ' ogenaniltenSch i ka i»»e r st r ei fe n" gegenüber ausge- prochen. Wir stehen ajso gegenwärtig mitten im Boden- woblcin. Eine neue Bauordnung, neue städtische Regulative baupolizeilicher Art, die Erweiterung des Stadtbauplans, eine UmlegnngS- und Zusammenlegungsgesetzgebung für die Städte sind zu erwarten und vorher gründlich zu beraten. Für diese Zwecke ist die neue städtische Kommission, die demnächst zusammentretei» soll, bestimmt. Ihr blühen also recht schwierige, aber and) sehr dankbare, Aufgaben. Hoffen wir, daß sie ihre Arbeiten von Erfolg gekrönt sieht!

der Abteilung für Handel und Gewerke im Ministerium des Innern wohnte'Oberregierungsrar Tr. Wa g n er der Beratung bei, der für die den behördlichen Vertretern vom Vorsitzenden gewidmete Begrüßung dankte. Er wies dabet auf die schönen Erfolge hin, die das hessische Handwerk und Gewerbe auf ber jetzigen Landesausstellung feiern könne. Ten Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes entartete ber Syndikus ber Handwerkskammer, Engelbach, ber bic vielseitige, umfangreiche Arbeit des Vorstandes schllderte, bie namentlich auch burch bie Wahl zum Mitglied des Be­zirkseisenbahnrats in Frankfurt und in bie Kommissionen für Gewerbe recht unb Unterrichtswesen des deutschen Hand­werks- und Gewerbekammenages stark erhöht wurde. Im Berichtsjahre haben 1892 Lehrlinge die Gesellenprüfung be­standen, seit Bestehen der Kammer fast 10000 Lehrlinge. Bei ben letztjährigen Prüfungen konnte ein Fortschritt in den allgemeinen Leistungen festgcstellt werden, zu dem nament­lich ber jetzt in mehr als 15 000 Stabten verbreitete Leit- faden bcigetragen haben dürfte. Auch in sanitärer unb sozialer Hinsicht hat ber Vorstanb eifrig bie Interessen ber Innungen und der Hanbtverksangeyörigen vertreten. Es wurden an die Aufsichtsbehörde 45 Gutachten erstattet unb von benBeauftragten" ca. 1500 neue Revisionen von Ge­werbebetrieben unternommen. Zurzeit bestehen in Hessen 123 Lrtsgewerbeoereine, 74 Innungen, Darunter 15 Zwangs­innungen unb 39 Fachvereine. Stabte. Petri- Gießen erstattete barauf Iahresrechnung unb Kassenbericht; bie Einnahmen stellten sich darnach für 1907 auf 34 847 Mark, bw Ausgaben auf 32 538 Mark, ber Vermögensstand belief sich Enbe 1907 auf 11670 Mark. Der alsbann von Stadtv.

Rockel erstattete Haushaltungsplan für bas neue Jahr würbe in Einnahme und Ausgabe mit 29300 Mark ge­nehmigt. Es folgte bann noch eine Reihe von Berichten, so von M a u b t - Lauterbach über bie freie Schneiderin nun g in Offenbach, die freien Kuferinnungen in Tarrnftabt, Bens­heim unb Groß-Gerau, fomie über ben Ortsgewerbeverein zu Bürstadt. Stadtv. Lautz-Darmstadt erstattete über das Lehrlingswesen Bericht und die Versammlung stimmte dem Anirag zu, die Lehrzeit für Elekcro-Mechaniker auf vier Jahre festzusetzen. Syndikus E n g e l b a ch sprach noch über bic Tätigkeit der Ausschüsse des deutschen Handwerks- unb Gewerbekammertages und nach weiteren Berichten fanb noch eine Aussprache über gewerbliche Fragen statt. Tann folgte gemeinsames Mittagessen unb ein Besuch ber hessischen Lan­des-Ausstellung.

Die Zahl ber einzelnen Grundstücke im Großherzogtum Hessen beträgt nach den Steuerkatastern nicht »veniger als 3 926 723, wovon 1 239 474 auf Starken­burg, 1 786 538 auf Oderhessen und 910 711 auf Rheinhessen entfallen. Die geringste Anzahl weist merkwürdigerweise ber Steuerbezirk Mainz I auf, in welchem Die Stadt Mainz liegt, nämlich 20 234, während die größte Anzahl von Grund­stücken, nämlich 241 856, im Steuerbezirk Nidda zu finden ist.

* * Au8 dem Bureau de§ StadttheaterS. Die japanischen Gäste, die bereits hier eingetroffen und im Hotel .Großherzog" abgestiegen sind, sind von ihrem eng- lischen Manager gezwungen worden früher nach London abzureisen, so daß daS Gastspiel am nächsten Donnerstag Ausfallen inuß.' Der Preis der gelösten Billetts wird in den Kassestunden (von 11 bis 1 Uhr) im Bureau des Stadt­theaters zurückoergütet.

Theaterbauverein, G. m. b. H. DaS Theater­unternehmen in unserer Stadt hat, wie nicht anders zu er­warten war, für den Theaterbauverein günstig abgeschloffen. Die Abgabe des Direktors Steingoetter beträgt rund Mk. 22 000., von denen der Stadt Gießen für die Hergabe von Mk. 200 000 Darlehen zu den Baukosten eine Ver­zinsung von 4 Proz. Mk. 8000 zuflossen. Für Abschreib, ungen wurden 2 Proz. an Gebäuden und 10 Proz. an Utensilien u. s. w. zusammen Mk. 19 000. vorgenommen, die allerdings nicht gedeckt wurden. Unter der Bedingung, daß die Stadt den» Theaterunternehmen »vie seither den jähr­lichen Zuschuß von Mk. 3000. gewährt, »voran wohl bei den Leistungen unserer Stadttheaterbühne und den Vorteilen, ivelche die Allgemeinheit durch den Theaterbetrieb im neuen Hause hat, nicht zu zweifeln ist, bleiben Mk. 5000. ver­fügbar für Neuanschaffungen und kleinere Reparaturen. Der Bau des Theaters unb die Herstellung der Bühneneinricht- ungen :c. hat sich »m Rahmen des Voranschlags gehalten. Es wurden dafür aufgcwendet Mk. 600 000. . Für anfäng­lich nicht vorgesehene Aufwendungen, u. a. für reichlichere Anschaffung von Dekorationen und bessere Ausstattungen deS inneren HauscS waren noch Mk. 50 000. erforderlich.

Eine oberbayrische Singspiel-Gesellschaft, Die luftigen Tölzet/, konzertiert heute abend im Einhorn.

*' Emen sonderbaren Begriff von Reinlich­keit hatte dieser Tage eine auswärtige Frau in einem Gießener Restaurant. Die Frau hatte mit ihrem Mann, nachdem die Geschäfte besorgt waren, eine Wirtschaft auf- gesucht, um sich dort bei einem GlaS Bier durch einen Imbiß zu stärken. Nachdem dies geschehen war, erhob sich die Frau, ging nach dem Buffet zu und »vusch sich die Hände in dem am Buffet befindlichen Spülkasten, in dem die Gläser gespült werden. Der Wirt hatte es sofort bemerkt unb rief in seiner Aufregung:Um Gotteswillen, was machen Sie denn, das dürfen Sie doch nicht tun/Ach", erwiderte die Frau nut herablassendem Lächeln,uns könne Se des emol crlaroe". Der Wirt holte rasch ein Handtuch, damit sie sich die Hände abtrockene, jedoch wehrte sie »hm ab, indem sie bemerkte:Ich putze's an mei Sacktuch".

gehende politische Einwirkung der großen Jntereffengruppen deS Bauern- und Mittelstandes, aller ehrlich arbeitenden Be­rufe in Stadt und Land, eine wirklich freiheitliche unb volks­tümliche Vertretung der kleinen und mittleren Existenzen wird für die Zukunft nur durch uns zuverlässig zu gewährleisten sein/ Der Aufruf, der mit der Bitte um Beiträge für ben Wahlkampf schließt, ist u. a. unterzeichnet von Amtsrichter Mahr-Darmstadt, Rechtsanwalt Geßner-Darmstadt, Lehrer Kling-Gießen, Laaß-Frankfurt a. M., ben Landtagsabgeord­neten Bähr unb Köhler, Stadtverordneten Götz-Darmstadt, Oberlehrer Dr. Werner-WormS. In Schotten-Laubach wird von den Deutsch-Sozialen aufgestellt Lehrer Link- RuddingLhain (seither Forstmeister Dr. Wcbcr-Koncadsdorf). In Grün berg »interstützen die Deutsch-Sozialen den Kandidaten des Bundes der Landivtrte Oekonom L^tz- Elpenrod.

* Die Hessische Handwerkskammer hielt gestern vormittag unter Vorsitz des Gewerberats Falk- ygaüij in Darmstadt chre 12. Sitzung ab; als Vertreter

Ein Gießener Kind als Arzt für verletzte Leoparden. Unser seefahrender Landsmann Karl S ch m e h l, von dem schon manche beherzte Tat über den Ozean zu uns gedrungen, hat wieder in Amerika bie Presse beschäftigt. Die Philadelphia Gazelle berichtet unter dem 14. April d. I.:

Der gestern aus (Salcntta, Indien, hier emgeirofiene deutsche TampierBraunfels", welcher am Fuße der Chnstian-Slraße liegt, führte eine ganze Menagerie mit an Bord.

Fünf Tiger, acht Xieoparben, zwei Tapire, 24 Käfige mit Affen 12 Kisten nut Schlangen, sowie 12 Wasserbüffel machten die 41 tägige Reise nut. Wie stets bei derartigen Transporten, ging es auch bei demjenigen auf derBraunfels" nicht ohne Zwischenfalle und Ver­luste ab. Im indischen Lzean z. B. halte man Die Käfige eines Tigers und Leoparden zii Vicht nebeneinander gestellt unb »m nächsten Augenblicke war durch die (Sitterftäbe hindurch die schönste Katzbalgerei im Gange. Al- man die Bestien vonemander trennte, war die rechte Vorderpranke beS Leoparden bis auf den Knochen bloßgelegt. Innerhalb kurzer Zeit schwoll da- ©lieb dermaßen an, daß ber Bändiger p. E. ©nunermann bei» Kapitän Wehlmann, wie ben Ersten Offizier Karl Schmeht unverzüglich von der Gefahr informierte, m der das auf löuo Dollar bewertete Tier schwebte, da icbtn Augenblick Blutvergiftung einzusetzen drohte. Kurz ent-

schloffen schritt Omzier Schmehl, der die Stelle eines SchiffsarzteS vertritt, zur antisepiuchen Behandlung des verletzten Gliedes. Ta4 war leichter getagt, als getan, denn mit einem verwundeten Leo­parden ioll nicht gut Kirschen essen sein. Doch unter Assistcn mehrerer kräftiger Seebären und fachverständiger Anwend»mg_ der Strangulations-Methode gelang das schwierige Werk. Oifizier Schmehl desmnnnerie die Wunde mit Karbol unb legte einen regel­rechten Hospital-Verband an. Tie vollständige Ausheilung durfte die Frage nur noch weniger Tage sein.

-a«. Heuchelheim, 12. Juli. Tie Gemeinde ist in der Lage, ihre Wiesen flächen m der ,Kaan* durch den Bieberbach unter Wasser zu setzen. Infolge dieser reichlichen Bewafferung haben wir selbst bei großer Dürre auf eine gute Grummcternte zu rechnen. Wie mit dem zeitigen Frühjahr auf den Lahnwiesen der Kiebitz sich regel­mäßig als Gast einstellt, um dort zu nisten, so treffen mit der Berieselung ungeheure Scharen Störche daselbst ein. DaS Wasser fördert ihnen reichliches Ungeziefer an die Oberfläche, was ihr »naffenhafteS Erscheinen begründet.

Büdingen, 13. Juli. Gestern fand hier daS 4. Bundesfest des Bundes der Landivirte für den Wahlkreis Friedberg-Büdingen statt, das sehr gut besucht war unb einen schönen Verlauf nahm. Ansprachen hielten ReichStagsabg. Graf Oriol a, Lanbtagsabg. Schrempf - Stuttgart, der Fürst zu Isenburg-Büdingen, Land- wirtschaftslehrer Anbrae, Abg. Köhler, LanbtagSabg. Korell, Beig. Fendt-Büdingen und Wahlkreisvorsitzender M ö l ler-Marienborn.

Von der Ohm, 13. Juli. Ten heißesten Tag dieses Jahres mit 24R im Schatten hatten wir gestern. Es war, als ob eine amerikanische Hitzwelle unsere Gegend überflutet hätte. Die Hitze war so groß, daß selbst in den Jnnenräumen der Häuser das Thermometer auf 21 und 22° R lieg. Starke Gewitter entluden sich in der Nacht nach Nord- osten; sie brachten die ersehnte Abkühlung. In den Häusern herrscht aber heilte noch eine ungewöhnlich hohe Temperatur.

Darmstadt, 13. Juli. AuS dein Wal ter Strich wurde gestern eine männliche Leiche gelänget. Nach dem Befunde scheint Selbstmord vorzuliegen. ES »ft der frühere Maurer Georg Aßmuth von Besiungen, der verheiratet war und in den fünfziger Jahren stand. Er hatte sich schon vor mehreren Tagen von seiner Familie entfernt.

X Krofdorf, 13. Juli. Der Schützenverein hielt am Sonntag sein PreiSschießen ab. Die Beteiligung war recht gut und bald entwickelte sich ein recht regeS Treiben auf dem Schießstande. Gegen 8 Uhr fand die PreiSverteilung tatt und zwar erhielten: 1. Preis H. Gerlach, 2. W. Abel, 3. und 4. Th. Gerlach, 5. L. EckaciuS, 6. K. Bittendorf, 7. K. Schmidt, 8. W. Wagner, 9. K. Bittendorf, 10. W. Abel, 11. Ad. Nickel, 12. W. Wagner, 13. I. Appel, 14. W. Krom­bach, 15. Ad. Nickel, 16. H. Gerlach, 17. Th. Wagner, 18. Ed. .Nickel. Für den 26. Juli »ft der Verein nach Aßlar zum Schützenfeste eingeladen.

Wetzlar, 12. Juli. Ein Großf euer brach im nahen Industrieorte Burg-SolmS in der landwirtschaftlichen Maschinenfabrik von Heinrich Hollntann & Co. au8. DaS Feuer entstand nachts 2 Uhr. Die Eisengießerei unb mit ihr wertvolle Modelle wurden ein Raub der Flammen. Gegen 5 Uhr konnte man schon deS Feuers Herr werden. Der Betrieb der Maschinenfabrik erleidet keine Störung.

W Frankfurt a. M., 13. Juki. XL Deutsche, Turnfest. Der Regen hatte in» Laufe beS Nachmittags aufgehört unb nun entwickelte sich dann zum Abend auf dein Festplatze em lebhaftes Treiben. Während zwei Kapellen konzertierten, fanden auf erhöhten» Podium turnerische Vorführungen statt, desgleichen u» ber Festhalle, die wiederum bis auf den letzten Platz gefüllt »var. Heute kamen die Freiübungen zur Geltung. Die Vorführungen wurden eröffnet mit Keulenschwingen burch eine gemischte Riege von Turnern und Turnerinnen; eS folgten Fechtübungen, zuerst von einer Männcrriege mit italienischen Säbeln, bann von einer Damenriege mit Floretts. Hieraus folgte ein Stab- »eigen, ausgeführt von Turnerinnen. Sämtliche Ucbungen waren mit liebevoller Sorgfalt einstudiert und wurden »nit peinlicher Exaktheit auSgefüljrt, wofür reicher Beifall die AuS- führendcn belohnte.

<Berid?UfaaL

fc. Reichelsheim i.' Odenwald, 14. Juli. TaS hiesige S ch ö 1 f e n g e r i di t verurteilte den Redakteur Thomas Reuther in Gießen wegen Beleidigung der Tierärzte rn Babenhausen, Höchst ». O. und Reichelsheim ». C. zu drei Monaten G e f ä n g n t i unter Versagung mildernder Umstände. Reuther hatte im Februar d. I. in der Hessischen Wochenzeitung die drei Zierärjte beschuldigt, sie hätten in einem Prozeß des Pferdehändlers Meyer in Reichelsheim i. O. zu dessen Gunsten em falsches Sachverständigen- Gutachten abgegeben.

Der Lulenburg-prozetz.

Hd. Berlin, 13. Juli.

XU.

Um 11 Uhr begann heule die Verhandlung. Tas Des in den des Angeklagten hat ftd) feit Samstag wesentlich verschied) tert, jo daß die Aerzte, wie der Fürst selbst einem Berichterstatter mit­teilte, ihm die Teilnahme an der Verhandlung untersagen wollten. Er habe indessen Dagegen protestiert. In der ersten halben Stunde wurden der Handelsmann Borchardt und der Tischler Burgat ver­nommen, der 15 Jahre lang »in Hause des Fürsten tätig war, ferner der frühere Diener des Angeklagten, Barthold, und der jetzige Kammerdiener und Leibjäger Barsch, die sämtlich nichts !öe- lastendes bekunden.

Kriminalkommissar v. Tresckow »ourbe dann über seinen Besuch in Liebenberg und über die Gerüchte befragt, die bet der Kriminalpolizei über den Fürsten un Umlauf sind. Tie Kriminal- kommlsiare v. TreSckow und Tr. Kopp sind von ihrer Behörde er- machtigt, alles auszujagen, was ihnen über den Fürsten amtlich bekannt geworden »st. v. Tresckow soll erklärt haben, daß er mancherlei über die homojexnelleu Neigungen des Fürsten Eulen­burg gehört habe, aber eS jet ihm n t dj t zu Ohren gekommen, daß er sich gegen §17 5 vergangen habe. Er machte dem Ge­richt davon Mitteilung, daß der Hoiichauipieler Arndt mehrere Alale ihm gegenüber die Aeußerung getan habe, Ernst habe zu ihm gesagt, wenn der Für st Ihn» 1 u 0 0 0 0Ul (. gezahlt hätte, hätte er ihn nicht verraten. Ter verstorbene Poluei- direktor v. Meerjd)eidt-Hüllessem habe 3 Packele mit Briefschauen hinterlassen, von denen e»nS dem Kaiser ausgeantwonet werden sollte, das zweue dem Polizeiprästdente>» v. Wuidherni, und das dritte ihm, dem Zeugen. Aut einer harte, die sich unter diejen Briefschaften befand, habe gestanden: .Fürst Eulenburg ist in Wien bekannt als Homoserueller. Er verkehrt hier in Berlin bei Podeyu, steht auch in Beziehungen z u üonyay/ (v. Meerscheidt hat sich »m Dezember 1900 erschoßen, als zutage kam, daß er von Sternberg Geld entliehen halte.)

Der Angeklagte ioll erwidert hüben, daß viele Gerüchte, die über ihn in Umlauf gaoejen fein sollen, sich ivahrschciultch auf einen Anderen seines Raincns beziehen.