Ausgabe 
13.6.1908 Zweites Blatt
 
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Ue Tagesordnung lautet: Erstattung der Jahresberichte für

Wahrnehmung gegeben hat, die auch nur den Verdacht

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ließe, daß der Mann geistig nicht normal wäre.

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kommt noch, daß die zahlreichen Opfer, die Rothschild hinein- gelcgt hat, übereinstimmend erklären, daß cs nur die hervor­ragend geistige Intelligenz des Hofrats Rothschild zuwege gebracht habe, daß sie bei dem Zusammenbruch des Bank­hauses M. Wertheimer u. Co. in.Büdingen als Leidtragende beteiligt seien. In der Sache selbst ist die ziemlich schwierige und umfangreichr Voruntersuchung noch nicht beendet, es hat damit auch noch nicht so große Eile, da die Anklage doch erst in der Oktober-Tagung des Schwurgerichts zur Verhand­lung kommen wird. Dagegen soll inzwischen der Fall des ebenfalls in Haft befindlichen Rotschild'schen Prokuristen Acker von der Sache Rothschild getrennt verhandelt und, sobald die Anklage spruchreif ist, vor die Strafkammer zur Aburteilung verwiesen werden. Es handelt sich bei Acker, der 18 Jahre lang bei dem Büdinger Bankhausc tätig war, darunter 15 Jahre bei Hofrat Rothschild, nur um Betrug und Beihilfe zu dem Vergehen, aber um keine Fälschungen, wie sie sich sein ehemaliger Chef schuldig gemacht hat.

** Jubiläum eines Gießeners in A in c r i k a. Vor kurzem feierte das Brvotlyn Jndepetent Schützen- K'orps sein 50 jähriges Jubiläum. Mit dem Verein konnte noch einer der 14 seinerzeitigen Vereinsgründer sein goldenes Schützenjubiläum begehen, nämlich Herr Karl Löb er aus (Meßen (in der Weidengasse geboren^, der jetzt 76 Jahre alt ist und seit 49 Jahren Feldwebel des Schützenkorps ist. Herr Löber kam 1852 nach Amerika, er erfreut sich großer geistiger und körperlicher Frische, so daß er heute nvch

prov. angestellter Krankheitsfällen, das Jahr 1907. für 1909. Be- Anträge. Nach Mittagessen und

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* Ein Urteil über einen Gießener Künstler. Herr Ernst Krauße in Berlin, der Sohn unseres Reginients- Musikdirektors, wirkte kürzlich bei dem Festkonzert zur Ein­weihung der Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche zu Liegnitz mit. DasLiegn. Tagebl." schreibt über den Künstler:

Weiter lernten die Konzertbesucher einen jungen Künstler Violoncellisten Herrn Ernst Kranße ans Berlin kennen, der einen vollen, weichen und süßen Ton in der Cantilene, eine reine Intonation und eine elegante Bogenführung mit einem geschmack- und empfindungsvollen Vortrage verbindet. Er spielte zuerst ein Largo" im antiken Styl von Hugo Becker, dann dasAbendlicd" von Schumann und eineRomanze" wieder von Hugo Becker sehr tonschön und ausdrucksvoll. Technik konnte hierbei der Künstler nicht zeigen, doch zeichnete sich sein Triller durch runden Klang und gleichmäßigen Fluß aus; die Stimmung traf er in allen drei Nummern ganz vortrefflich." Auch die übrigen Liegmtzer Blätter sprechen sich sehr lobend über Herrn Krautzes Spiel aus.

** V e r ö 1) ii t e Ha usburs chen. Die beiden Haus­burschen eines hiesigen Restaurants wurden in den letzten drei Wochen häufig betrunken gefunden, sie kamen auch ihrer Arbeit nicht mehr pünktlich nach, obgleich sie von dem ihnen zur Verfügung stehenden Bier wenig Gebrauch mach­ten. Wie es sich nun herausstellte, hatten sie eine bessere Quelle entdeckt. Sie hatten in dem ihnen zugänglichen Bierkeller in der Zwischenwand eine Oeffnung erspäht, durch die sie hindurch in den Weinkeller auf das Flaschengerüst reichen konnten. Diese Gelegenheit nahmen sie dann auch häufig wahr und taten sich an Wein und Kognak gütlich. Allerdings war nach Entdeckung für sie keine bleibende Stätte mehr, es wurde auch Strafantrag gestellt, dg Ge­tränke im ungefähren Werte von 200 Mark in den Paar- Wochen von ihnen vertilgt worden sein sollen.

** Diebstahl. In der Nacht vom 11. auf 12. l. M. wurde eine Bauhütte an dem Bönningerschen Fabrik- Neubau erbrochen und daraus ein blauleinener Arbeits­anzug und ein paar Arbeitsschuhe gestohlen.

** Beschlagnahmt wurden gestern von der Kri­minalpolizei eine größere Partie Zündhölzer in einem hiesigen Geschäft, die als phosphorhaltig befunden worden waren.

** Ein unwahres Gerücht. Wie uns die Brauerei Jhring in Lich mitteilt, ist das Gerücht, daß der Verkauf der Brauerei bevorstche, unrichtig. Herr Jhring denkt nicht daran, seine Brauerei zu verkaufen.

** 3 ii in Fall Rothschild teilt man uns mit, daß Rotschilds Verteidiger, Rechtsanwalt Raab, beantragt hat, seinen Klienten auf seinen Geisteszustand hin in einer Anstalt von einem Spezialisten untersuchen zu lassen, um fcstzustellen, ob Rothschild geistig normal ist. Dagegen steht fest, daß Rothschild, so lange er in Haft ist, keinen Anlaß zu einer

seinem Geschäft er ist Blechschmied vorsteht. Bei. der Jubelfeier gedachte der Ehrenpräsident Dr. Schildge in einer Ansprachedes ewigen Feldwebels und einzigen leben­den Gründers der Schützen, dessen wahrhaft deutsche Ge­sinnung trotz seines langen Auenthaltes int Lande nicht verloren gehen konnte." In einem mit einer Widmung geschmückten Etui, in dem sich fünf neue Zehndollar-Gold­stücke befanden, überreichte er ihm ein Andenken der Damen der Schützen. Im gleichen Augenblick ließ Dr. Schildge ein gut getroffenes lebensgroßes Bild Löbers herunter und es erhob sich ein Sturm von Begeisterung.

0 HeuchelHeim, 12. Juni. Während unser Kriegcr- verein sein Fahnenweihfest am Sonntag vor Pfingsten ganz im engsten Kreise feierte, gedenkt der GesangvereinGer­mania" sein 35jähriges Bestehen am 21. und 22.Juni durch eine groß angelegte Jubelfeier festlich zu begehen. Da- bei gilt es auch, eine neue Fahne zu weihen, zumal die alte für solch starken Verein nicht mehr entsprechend ist. Nach der Zahl der angcmeldeten Vereine zu urteilen, verspricht das Fest großartig zu werden, zumal wir hier in Heuchel­heim bei solchen Gelegenheiten auch auf einen starken Besuch aus der nahen Stadt zu rechnen haben. Der älteste hiesige Gesangverein ^Teutonia" feierte vor 3 Jahren unter großer Beteiligung sein 60jähriges Jubelfest.

X Allen d o r f a. d. L n m d a. Das am 12. und 13. Juli dieses Jahres stattsindende 15jährige Jubiläum des hiesigen Krie g erv ereins, verbunden mit dein Be­zirk s f e st e des Kriegervereinsbezirks Gießen, sowie der feierlichen Ueberreichung der dem Verein von 3: M. dem Kaiser gestifteten Fahnenschleife scheint recht bedeutend zu werden. Es haben bis jetzt bereits 30 auswärtige Vereine ihr Erscheinen zugesagt; weitere Anmeldungen stehen noch bevor. Tie Vorarbeiten sind in bestem Gange, auch hat der Verein zwecks Einschaltung von Extrazügen bet der Eisenbahndirertion Frankfurt a. M. die nötigen Schritte getan. Der Festplatz befindet sich etwa drei Minuten vom Bahnhof auf den idyllisch gelegenen sogen. Jhlwiesen. Tie Festmusik wird vom Kaiser Wilhelm-Regiment ausgeführt. Der hiesige M än n er g e s a n g v e r ein, der unter der Leitung seines tüchtigen Dirigenten Lehrer Bandaß unter sehr scharfer Konkurrenz im vorigen Jahre zu Marburg einen Preis errang, beabsichtigt am 5. Juli d. I. an dem Gesangswettstreite zu Büdingen teilzunehmen.

Villingen, 12. Juni. Gestern abend ereignete sich hier ein b e d a u e r l i ch e r U n g l ü ck s f a l l. Ein Schwager des vor einiger Zeit von einem Pferd geschlagenen und in der Gießener Klinik verstorbenen 27jähr. Fender war mit einem Pferd im Felde beschäftigt. Auf dem Heimwege scheute das Pferd dadurch, daß iym der Kastenwagen, vor den es gespannt war, auf die Hinterbeine auffuhr. Ter Lenker des Gefährts, der sich die Leine um die Hand ge­wickelt hatte, wurde herabgeschleudert und eine große Strecke geschlcist, wobei er schwere Verletzungen erlitt.

[] Biedenkopf, 12. Juni. Der schon vielfach vor­bestrafte Maurer Arechall ans Walzhausen, ein tut ganzen Hinterlande berüchtigter Einbrecher, befand sich jüngst wieder auf freiem Fuß. Nachdem mau ihn kürzlich in Mar­burg bei einem versuchten Einbruch festgenommen, aber wieder frcigelassen hatte, deuteten mehrere in letzter Zeit hier vor­gekommene Diebstähle darauf hin, daß er in seiner Heimat sein altes Handwerk wieder aufnimmt. Gestern gelang es, den deshalb steckbrieflich verfolgten Brechall auf frischer

Kaiser Wilhelms I. in Wiesbaden kam mir bei diesem Vorschlag in den Sinn. Es müßte ein Komitee gebildet werden, und dann würde ein herzlicher Aufruf an alle, die sür die hohe Dulderin Sympathie haben es sind ihrer viel I die Mittel wohl zn- sammenbringen.

liebet- allein Erzählen von dem Leben und Treiben bei uns ist diesmal die Erinnerung an das Wichtigste, an unsere blühende, frühlingsduftige Natur, zu kurz gekommen. Sie so recht ausgiebig zu genießen, hinderte ja leider auch oft die Witterung. Stach der Zeit der furchtbaren Regengüsse kam die der nicht weniger un­angenehmen schwülen Hitze, über die nur die Schuljugend eine ungemischte, reine Freude empfand. Gab es doch in der Woche vor den Pfingstferien tagtäglich hihsrei! Von den hohen Feiertagen, die m dieser Jahreszeit sonst ganz besonders die Menschheit zum Genuß der schönen Statur einladen, waren der Himmeljahrllag und der erste Pfingsttag noch zu zweifelhaft und kühl. Erst der Pfingst- Montag machte ein so vertrauenerweckendes Gesicht, daß sich die Frühlingslust auch bei den Menschen völlig entfaltete. Ta war denn in der Tat an unseren schönen Plätzen, aus der Terrasse, wo Militärkonzcrt war, am Teichhaus, am Waldhaus, auf dem Jobannisberg u. s. w. ein fröhliches Gewimmel, wie es bei solcher Gelegenheit zur rechten Stimmung gehört. Wer aber die Sülle vorzog, brauchte nur etwas weiter in die schattige Waldkühle ein> zudringen. Und von den höher gelegenen Punkten aus bot sich eine so klare, weite Aussicht wie selten. So weil und klar möchte man in Bad Nauheims Zukunft Vorausschauen!

Gießener Kun st verein. Die Gemälde-Ausstellung am Brand, welche wegen vollständigen Wechsels der Gemälde Vier- Tage geschlossen war, ist von morgen (Sonntag) an wieder ge­öffnet. Die reichhaltige und intereisante Ausstellung weist nahe­zu 100 Bilder auf und zwar Kollektionen von Salomon C o r r o d i- Rom und I. G. Mohr-Frankfurt. Beide Kollektionen haben in verschiedenen größeren Städten allgemeines Interesse hervor­gerufen. Außerdem umfaßt die Ausstellung noch ein größeres Gemälde von dem bekannten Karlsruher Künstler Prof. Hans v. Volkmann. Auch Emil P r o ch - Worpswede, der im Gie­ßener Künstverein in kurzer Zeit schon 10 Bilder verkaufte, hat die Ausstellung wieder mit zwei schönen Gemälden, Worpswcder Motiven, beschickt. Ferner sind noch 60 Originalzeichnungen von bekannten Künstlern und Mitarbeitern des Simplicissimus, Th. Th Hetne, Frhr. v. R e z n i c e k, A. Eng ström, R- Wille- München und E. Heilemann-Berlin ansgestelli, jo daß die Ausstellung auch manches humoristische Bildchen aufzuweisen hat. Tie Ausstellung ist Sonntags von 11 bis 3 Uhr un? an Wochen­tagen, mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 Uhr geöffnet, Mittwocks auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags.

Vom O b e r h e s s i s ch e n A u s st e 11 n n g s h a u s e i n Dar m st adt. Aus Oden Hans en wird uns initgeteilt, daß (waS die Ausstellungskataloge, unter Anführung anderer Basalt-

anschließend ein gemeinsamer Besuch der Landes-Ausstellung für Freie und Angewandte Kunst stattfinden.

** Die Hess. Lehrerwitw^en und -Waisen. Man schreibt uns: Arn 2. b. M. beriet der Fiilanzausschuß der Hessischen Zweiten Kammer den Antrag Schmidt-von Brentano über die Witwen- und Waisenversorgung der Vvlksschullehrer. In Verbindung hiermit wurde auch Stel­lung genommen zu der Eingabe des Landes-Lehrervereins, in der um Annahme des Antrages Schmidt-von Brentano gebeten wird. Der Finanzausschnß ivar einstimmig der Ansicht, daß eine Regelung der Verhältnisse nicht zu um­gehen sei, aber man war verschiedener Meinung darüber, wann diese Aenderung erfolgen solle. Die Minderheit wollte das Gesuch der Regierung zur Berücksichtigung überweisen, die Mehrheit hielt es für besser, den Antrag Schmidt-von Brentano vorläufig für erledigt zu erklären und die Hinter­bliebenen der Lehrer später mit denjenigen der übrigen Staatsbeamten gleichzustellen. Sollte dieser Beschluß des Finanzausschusses auch in der Zweiten Kammer Zustim­mung finden, so bedentete das Mr die hessischen Lehrer eine große Enttäuschung. Sie erwarten von der Zweiten Kammer, daß sie die Regierung ersucht, den in der Ein­gabe des Landes-Lehrervereins enthaltenen Wünschen bald zu entsprechen. Die Mehrausgabe für den Staat beträgt in den nächsten Jahren nur einige 1000 Mark. Die von anderer Seite angegebene Summe von 92000 Mark könnte höchstens nach einem vollen Menschenalter in Betracht kom­men. Wer die Verhältnisse der Lehrerwitwen kennt .in den größeren Orten reicht die ganze Pension etwa für die Wiohnung, wer ferner weiß, wie ans diesem Gebiete Hessen hinter Bayern und anderen Staaten zurücksteht, kann nur dem Anträge der M i n d e r h e i t zustimmen. Tie Zuversicht der Voltsschullehrer hat sich schon öfters bewährt. Deshalb hofft der Lehrerstand einmütig, daß auch diesmal die gesetzgebenden Faktoren für die berechtigten Wünsche eintreten werden.

Von den Weiden des Landivirtschafts- kammer-Ausschusses. Der Auftrieb auf die Weiden hat in diesen Tagen stattgefunden und gezeigt, daß die Wcide- einrichtungen als nützliche Institute seitens der Viehzüchter anerkannt sind. Die Zahl der auf den einzelnen Weiden aufgenommenen Fohlen und Rinder beträgt: für die Fohlen­weide in Tiergarten 67 Fohlen, für die Rinderweide in Wernings 80 Rinder, für die Rinder- und Fohlenweide in Zell 51 Rinder und 25 Fohlen und für die Rinder- und Fohlenweide in Lauterbach 55 Rinder und 15 Fohlen. Es wird also im ganzen für 107 Fohlen und 186 Rinder Weide­gelegenheit geboten. Anerkannt wurde allenthalben, daß die Qualität des Weideviehes gegen früher sich wesentlich ver­bessert hat und die oberhcssischen Zuchtbestrebungen in den Weiden sehr wichtige Förderungsmittel erhalten.

** Aus dem Bureau des StadttHeaters: DieLustige Witwe", die wir am kommenden Dienstag hier sehen werden, erzielte gestern Abend zur Eröffnung der Operettenspielzeit im Nauheimer Kurl he ater ein aus­verkauftes Haus und einen durchschlagenden Erfolg. Die So­listen, namentlich Frl. Großkopf und Herr Kammersänger Hildebrandt, aber auch Frl. Klerwin und Herr Bauer wurden durch zahlreiche Hervorrufe ausgezeichnet. Auch die Aus­stattung fand bewunderndes Lob. Sehr zu wünschen ist, daß auch die besseren Plätze zur hiesigen Aufführung besetzt werden. Nur bei gutem Besuche ist eine Fortsetzung der Operettenaufführung zu ermöglichen, da die Kosten durch hohe ?Aufführungshonorarc Beförderung des Personals per Extra - 1 sug, Transport der Spezialdekorationen usw. sehr hoch sind.

** Die Anlagemusik fällt morgen Sonn­tag aus.

** Das Jugendfcst findet, wie auf verschiedene Anfragen mitgeteilt sei, am 23. Juli statt.

nwvfc und Steinbrüche, merkwürdigerweise verschweigen), die meiste SteimNetzarbeik, vor allen Dingen für die ganze Ostseite, einen großen Teil der Südseile, sowie die große Westgaube und die der 4 großen Vorbaupfeiler aus dem Gemeindesleinbruch zu Oden- Haufen stammt und durch das Baugejchäit BirkenstockL S ch n e i d e r ausgeführt wurde, welches Pächter ist, unter Lei­tung ihres Parliers M ii H e r ans Allertshausen, sowie des Archi­tekten Wetter ans Gießen. Tie Steine wurden mit Ausnahme von einem Wagen sämtlich auf Bahnhof Odenhaufen verladen.

Vom Coburger Hoftheater. Aus Coburg meldet man derL. A.-Z.": Am hiesigen Hoftheater hat sich Seltsames ereignet. Der langjährige, jetzt beurlaubte Hoftheater-Jnlendant von Ebart kehrt, (.roie wir bereits meldeten, nicht wieder auf seinen Posten zurück, lieber die Nachfolgerschaft ist noch nichts be­kannt. Ter Grund des Rücktritts des Intendanten sind Ver­stimmungen zioischen dem Herzog und Herrn von Ebarl. Ter Herzog hat in der jüngsten Zeit eine Reihe von seitens der Intendanz verfügten Verabschiedungen wieder- rückgängig g e m aaj t und teilweise auch eine E r Höhung der Gehälieyder Theatermitglieder eintreten lassen. Das wor­unter anderem der Fall mit dem Hofschauspieler Schäffer, den der Herzog unter Verleihung der Medaille für Kunst und Wissenschaft jüngst gegen den Willen der Intendanz «engagierte. Herr von Ebart ivar bei den Mitgliedern des Hostheaters überhaupt wenig beliebt. Mit dem Hofopernsänger Schützendorf von der Maar führte er sogar einen Prozeß, der schließlich dadurch beigelegt wurde, daß von Ebart eine Erklärung äbgab, in der zugegeben wurde, daß dem Länger mehrere Rollen z n 11 n r c d) i ent­zogen worden seien. Verschiedenilich wurde auch die Geschäfts­führung von Ebarts in der Oefsentlichkeit getadelt. Tas Publikum ist mit dem Urlaub und dem nunmehrigen Micktritt des Intendanten sehr zufrieden, da inan in der Verabschiedung EvartS den Entschluß des Herzogs erblickt, die in letzter Zeit recht unerquicklich gewor­denen Zustände am Hostheater gründlich zu reformieren.

Kleine M n n ft cf) r o n i f. In Weimar scheint es wieder einmal zu kriseln. Wenn auch Prof. Ludwig v. Hofmann die Meldungen, daß er Weimars Kunstakademie verlassen werde, wider­rufen und mitgeteilt hat, daß er nur feine dortige Lehrtätigkeit im wesentlichen aufgebe, so läßt die heutige Nachricht, daß Prof. Sascha Schneider aus der Weimarer Kunstschule austrete und fid) in 9iom niederzulasien gedenke, darauf schließen, daß dock) Umstände eingerieten sind, die den Künstlern die dortige Äirljamkeic verleiden. Ter Intendant des König!. Hoftheaters zu Hannover, Kammerherr v. Lepel-Gnitz, ist, 64 Jahre alt, in Berlin gestorben. Wie aus München berichtet wird, hac Franz von Schönthan sich anr Attersee einen neuen Sommeriitz gebaut, in dem er die letzte Hand an sein neues Lust­spiel Georgina legen iüirb. Das Stück spielt zur Zeit Georgs III. in England und wird gleichzeitig am Kleinen Theater in Berlin und am Deutschen VollStheaker in Wien zur erstmaligen Auf- führung gelangen.

[] Marburg, 12. Juni. Arn Dienstag scheuten hier am Rotenberg die Pferde eines Wagens aus Ockershausen. Der 29jährige Landwirt Konrad Blaufus stürzte dabei so unglücklich, daß er gestern abend gestorben ist.

F.C. Frankfurt a. M-, 12. Juni. Den Teilnehmern des ersten Internationalen Kongresses für RettnngSwesen wurde heute nachmittag auf dem Griesheimer Feld-e bei Frankfurt eine Hebung Badisch er, Bayerischer, H essi s ch c r und P rcnßischcr fr c i iv i l l i g e r 2 ä n i t ä t s k o l o n n e n vom Roten Kreuz vor­geführt. Zahlreiche Mirglieder des Kongresses hatten sich ein- gefunden, foivic der Vorsitzende des Badischen Landesvereins vom Roten Kreuz, General-Major z. T. Limberger-Karlsrnhe, der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes, Exzellenz D. Puchner- Tarmstadt, LandgerichrSrat Wiener-Gießen, der stellveriretendeVor- sitzende des Zentralkomitees des Bayerischen LandeshilssvercinS General-Major z. T. Hoffinann-Milnchen und der steUverlretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, General der Infanterie! z. T. v. Viebahn-Meiniugen. Außer­dem waren erschienen Prinz Friedrich Kari von Hessen und der kommandierende General des 18. Korps v. Eichhorn. Tie Kolonnen unter dem Kommando^ deS Major d. L. Schweickhardt-Franken- thal ioaren in zwei Tressen anfgestellr mit der RegimentSmusik der 81 er ans dem rechten Flügel. Im ersten Treffen standen die freiwilligen Sanitätskolonnen der Provinzen Hessen-Nassau, Han­nover und Westfalen, die Kolonnen aus dem Großherzogtum Hessen (aus Mainz, Tarmstadt, Ofsenbachi und die Badischen Kolonnen (aus Karlsruhe, Pforzheim, int zweiten Treffen die

Kolonnen ans dem Königreich Bayern »aus Unterfranken und der Pfalz >. Tahinier waren die Krankenivagcn bespannt mit Pferden des 63. Artillerie-Regiments postiert. Gegen 51;? Uhr nahm zunächst der Inspektor der Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz, der General der Infanterie v. Perthes-Berlin, die Parade und den daran fid) schließenden Parademarsch ab, wo­rauf fid) die Kolonnen auseinanderzogen, um ihre Tätigkeit prak­tisch vorzuführen. Am westlichen Teile des Griesheimer Exerzier­platzes war eine chemische Fabrik markiert, in der in dem Moment als die Kolonnen sich auseinanderzogen, eine Explosion erfolgte. Der Bezirksinspekteur der Freiwilligen Sanitätstolonnc Dr. Roth- Frankfurt a. M. erhielt den Auftrag, die 3040 tödlich ober mehr oder minder schwer verletzren Arbeiter zu bergen und zwar auf dem schnellsten Wege, da eine weitere Explosion, namentlid) von Benzin- yorräten, zu befürchten ist. Die Kolonnen, besonders die Mann­schaften deS ZweigvercinS Offenbach a. M. und der Sanitäts­kolonnen Griesheim, Höchst und Hochheim erhielten den Auftrag, die Verletzten aus den Trümmern der eingeftürzten Fabrik zu bergen. Mit der größten Schnelligkeit wurden die Tragbahren in Bereitschaft gesetzt, die Verletzten daraufgebettet und nach dem auf dem Exerzierplätze von den Badischen und Preußischen Kolonnen inzwischen hcrgerichteten Verbindeplatz, mir Zelten für Leicht- nnd Schwerverletzte getragen. Hier verband man die Verletzten, je nachdem am Kopf, Rumpf und den Gliedmaßen, erquickte sie und überführte sie sodann per Automobil ober per Wagen, teils nach den in der Rebstöckerstraße stehenden, für den Verwundeten- TranSport eingerichteten Trambahnwagen, teils in die an dem Eisenbahndamm der Taunusbahn bereitstehenden Eisenbahngüter­wagen und Wagen vierter Klasse, die man ebenfalls für die Auf­nahme der Verletzten nmgewandelt hatte, um von da, wie man annahm, in die verschiedenen Krankenhäuser Frankfurts über» führt zu werden. Das Abnehmen der Verletzten von den Wagen und das Niederlegen in die Tram- und Eisenbahnwagen, ma5 be­sondere Hebung und Sorgfalt erfordert, führten die Bayerischen Kolonnen vornehmlich ans. Gegen 6 >;2 Hhr war die interessante Hebung zu Ende.________________ ________

GeriehtssaaL.

Berlin, 12. Juni. Vor dein Kriegsgericht der 1. Garde- divisiou wurde heule nachmittag das Urteil int Soldaten- mißhaud 1 ungsprozeß geiälll. Dasselbe lautet gegen ben Sergeanten B a l£ aus 1 Jahr, 3 Monate und einen Tag Gesänge