Ausgabe 
13.10.1908 Erstes Blatt
 
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Dienstag L 3. Oktober 1908

Erstes Blatt

Kreta.

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gramm aufgestellt, wie es erlesener auch in der Großstadt

Mwuna )(i)reu)t, eine neue z>aLtan»jtOiqereii$ jei aufgestellt werden kann. Wobl könnte dort an Menge UTttiernreibhä) und durch feint Zntrigum mehr zu hintcr- > '> abec Schöneres nicht. Es fällt schwer,

treiben. Frankreich, England, Rußland, Deutichland und a ' , , . ' ' *7\ ,

galten verlangen sie als das einzig mögliche Mittel, Ber- °>n°s -°r dem andern h-ro°rzuh-d-n; allem das dar doch Wickelungen fem zu halten. 'gesagt werden, baß auch Veranstaltungen m Aussicht stehen,

158. Jahrgang

Sabah zufolge melden sich iit den Provinzen zahlreiche grie- lhische, armenische und serbische Kriegssreiwillige. Rach 'Zlättermeldungen ist ein englisches Kriegsschiff in Smyrna

Die vier kretischen Schutzmächte erklärten der kretischen Regierung, daß ohne ihre Zustimmung eine Aenderung in der staatsrechtlichen Stellung Kretas nicht möglich ist. Fünf englische Kriegsschiffe find vor Kreta eingetroffen.

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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üotmTt?agTiomu^ Rotaffoitsbm» und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. NnzeigenteiU H." Beck.

Nr. 241

Der «letzener Anzeiger rrfchetnr täglich, außer LonntagS. - Beilagen: dt er mal wöchentlich i-ietzener§amilitnblätter; zweimal wöchentl.Nreis- olatt für den UreisGietzen (Dienstag und Freitags; zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen tzernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,

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L F. 1885.

oe, den 15. Oktober, total Holet Schütz In*? gesOrdnuug:

& Borftandes; soblage;

des Vorstandes:

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»tag, den 15. d. M" abeniis 9 Uhr,

' Reslmmm »Einhorn', taiL

'ages-Ordnllng: gSänderung.

reiches Erscheinen ersuch! Ter Vorstand.

iir ihre Zustimmung zur Einverleibung Bosniens nicht ge­lben hätten, entsprechen der Wahrheit. Aber Tatsache ist, Oesterreich auch niemals diese Zustimmung verlangte.

Ser Grundgedanke des Vorgehens des Frhrn. v. Aehrenthal taar der, daß er Oesterreichs Entschluß drei Mächten als gefaßt ankündigte und die Verantwortung dafür nieman- d rm aufhalste. Seine Unterhandlungen verfolgten nur den Aveck, daß weder Rußland, noch Italien nach der Einver- lTibung Schwierigkeiten machen würden. Oesterreich ver­langte keine Zustimmung, wohl aber eine gewisse Hilfs- bcreitbschast, mindestens aber Neutralität. Tatsächlich er­wiesen ist, daß Rußland und Italien der österreichischen Politik durch ihre Ratschläge in Belgrad gute Dienste leiste­ten, wofür Kompensationen ausbedungen worden sind. Diese realistische Politik ermöglichte Oesterreich einen Erfolg, den anderen Mächten ihre den Türken angenehmen Verwah­rungen.

Die Meldung derFrankfurter Zeitung" über ein Glück- nmuschtelegramm des Präsidenten Falliöres an König Fer­dinand wird amtlich dementiert.

Die Tribuna schreibt, eine neue Balkan-Konferenz sei

Die englische Regierung steht fortwährend in Unterhand­lungen mit der türkischen Regierung. Letztere wird an­dauernd über die Lage der Unterhandlungen mit den Mäch­ten auf dem Lausenden gehalten. Es scheint gewiß, daß England sich bemühen wird, eine Verständi­gung zwischenOe st erreich und der Türkeiher- beizuführen,bevoreineKonferenzderMächte zustande gekommen sein wird, so daß die Konferenzmächte nur noch das türkisch-österreichische Einvernehmen im Namen Europas zu ratifizieren haben werden. Sir Edward Grey hat auch die Botschafter Deutschlands und Italiens in Audienz empfangen und es verlautet, daß Italien sich dem englischen Standpunkte angeschlossen habe. In englischen amtlichen Kreisen legt man neuerdings großen Optimismus an den Tag.

Einzug des Fürsten Ferdinand in Sofia.

> Fürst Ferdinand hielt gestern nachmittag seinen feier­lichen Einzug in die Residenz. Die Stadt war auf das prächtigste geschmückt uno Militär bildete Spalier. Der Bürgermeister bot dem Fürsten mit einer Begrüßungsrede Brot und Salz. Hieraus bewegte sich der Zug nach der Kathedrale, wo der Fürst von dem Metropoliten von Sofia und der gesamten Geistlichkeit begrüßt wurde. Nach Anhören einer feierlichen Messe begab sich der Fürst nach dem Schlosse und nahm dort den Vorbeimarsch der Truppen der Garni­son ab. Der Fürst wurde während seines Einzuges von dem auch aus der Umgegend herbeigeströmten Volke enthu­siastisch begrüßt.

die für Gießen teils gänzlich neu, teils seit vielen Jahren nicht gehört wurden. Für Gießen sind neu: N. Kothe, Lieder zur Laute; die Böhmen, das berühmteste Streichquartett; ein Vokalquartett in Form auserlesener Besetzung und Schumanns Manfred mit Ernst v. Possart in der Titelrolle! Dann Henri Marreau, der Meister, der Josef Joachims würdiger Nach­folger ward. Dazu Erika Wedekind mit Orchester im Theater, und Beethovens größtes Werk: Missa solemnis! Wie wir hören, werden die Konzerte mit Orchester wiederum im Theater stattfinden und ebenso aller Voraussicht nach da§ Chorkonzert mit Schumanns Manfred. Die Missa solemnis gehört naturgemäß in unsere Stadtkirche, deren Akustik un­übertroffen ist. 9(Qe anderen Konzerte finden in der neuen Aula statt. Da das zweite Orchcsterkonzert zusammen mit den beiden Chorkonzerten als eine Art Musikfest zu Ehren des 90jährigen Bestehens des akademischen Gesangvereins veranstaltet werden, so wird man sich bei Zeiten im Abonnc- ment einen guten Platz sichern müssen. Wir werden seiner Zeit aus diese Jubelfeier zurücklommen.

** Kaiserpanorama. Einen neuen, sehr hübschen Zyk« lus bietet bat» Institut diese Woche, indem cs die Residenzstadt Potsdam mit ben Königlichen Schlössern zeigt. Nicht nur das Aeußere, foniern auch das Innere der meisten Schlößer bekommt man au Gesicht. Borge führ c 1 verben insbesondere das Stadtschloß mit der mächtigen st'uppel umir Lustgarten umgeben, ferner Sansonei, die Schöpfung Friedrichs des Großen, die Orangerie und das Schloß Glienicke, welches Feldmarschall Prinz Friedrich Karl bewohnten, Schloß Babelsberg, die Lieblingsresidenz Kaiser Wilhelm I., cnolich sehen wir das Marmor-Palais, unter Kaiser Wilheln^I.Neues Valais" und unter Kaiser Friedrich Schloß Friedvichskron benannt.

** V. H. C. Gießen. Eine wundervolle Herbsttvande- rung vereinigte am Sonntag die Angehörigen des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs in überaus statt­licher Anzahl. 46 Wandergenossen fuhren um 10 Uhr nach Edingen, von wo aus in etwa halbstündigem Anstieg die Ruine Greifenstein erreicht wurde. Die hochragenden Ruinen der ehemaligen stolzen Feste und die Kirche wurden besichtigt und nach Gebühr bewundert. Tann ging es auf guten Waldwegen über den Waldhof Elgershausen nach der Dia na bürg. Es war bei dem prächtigen Wetter ein reizvoller Genuß, in froher Gesellschaft den in den schönsten Farben prangenden Herbstwald zu durchwandern, der immer wieder neue hübsche Bilder bot. Auf der Tianaburg dachte man den am Freitag atieub voraus bestellten Kaffee fertig vorzusiuden, aber ber Wanderer denkt und die Post lenkt. Tie Karte war erst wenige Minuten vor dem Eintressen der Wanderer gekommen. Dennoch ging die Speisung ziemlich rasch vor sich und wurde dann Vom Turm die bunte Wald­landschaft bewundert. Auch einZeppelin"-Ballou stieg auf, der der Touristen Grüße weit in die prächtige Layngegend hinaustrug. Der weitere Weg führte über den Bahnhof nach der Stadt Braunfels unb bot eine Reihe hübscher Aus­blicke. Es war schon dunkel, als das Endziel der Wanderung, Burgsolms erreicht wurde, dessen beiden Gasthäuser die vielen Gäste in bester Weise bewirteten. Der Neunu.hr- zug führte die Schar nach der Heimat zurück.

** Tie Rhein-Main - Lahuzone des deut­schen Kellnerbundes hielt heute int Hotel Schütz ihre H a u p t v e r s a m m l u n g ab, in der die Ortsgruppen Co- blenz, Tarmstadt, Frankfurt, Gießen, Hanau, Mainz, Mann­heim, Marburg, Wiesbaden unb Würzburg vertreten waren. Verhandelt wurde u. a. über die Beseitigung des Animier­wesens unb die Verminderung der Stellenlosigkeit int Ver> bandsgebiet.

** Zuber gestrigen Noti-,Kriegs spiele" teilen wir mit, daß der verletzte Junge geflunkert und sich die Verletzung selbst bei gebracht hat. Er hatte selbst mit einem Teschm geschossen und sich die Kugel ins Bein gejagt, zu seiner Beschönigung niad)te er aber die unwahre Angabe, ein Wiesecker Junge haoe ihn geschossen.

** Ueber fahren. Gestern abend wurde in der Moltke- straße ein 11 jähriger Junge von einem Radfahrer über­fahren und dabei an einem Knie derart verletzt, daß ärztliche Be- haitdlung erforderlich wurde.

** Maikäfer im Oktober. Tie ungewöhnlich milde Witterung zeitigt manche Merkwürdigkeiten. So brachte man uns heute eine Anzahl munterer Maikäfer, die auf dem städtischen Baumstück am Trieb gefunben worden waren.

* Die Maul - und Klauenseuche ist erloschen im Schlacht-Viehhofe zu München am 9. Oktober.

-r ßid), 12. Oti. Die vor drei Jahren gegründete Acker­bau schule für den Kreis Gießen beginnt am 3. No­vember ihren 4. Winterkursus. Im ersten Jahre besaß die Schule nur eine Klasse Unterklasse mit 22 Schulern, int Meilen waren <s bereits zwei Klaffen mit 32, im dritten mit 34 Schülern. Ohne Zweifel wird der Besuch auch im kommenden Herbst wieder ein guter fein. Sehr schöne Leistungen erzielte die .Schule auf der kürzlichen Ausstellung zu Lich. Es war dies ein Zeichen dafür, daß die Schule nicht nur theoretisch, sondern aüch praktisch tätig ist tnird) ihre Anbanv.ersuche. Tas neue Gebäude, das die Stadt voriges Jahr errichtete, hat sich sehr gut bewährt. Zmn weiteren Aufschwung werden beitragen, die jetzt erfolgte Erwei- terung der Sammlungen, die Anschaffung einer Getreidesortier- maschme, einer Getreideputz- und Tresch-Einrichtung, die auf dem Hos Kvlnhausen mit Wasserkraft betrieben wird.

Utphe, 10. Okt. Dem Werksschmiedemeister F. Schmitt von hier wurde für seine 25jährige ununterbrochene Arbeitstätigkcit auf der Grube Friedrich von den Beamten und Arbeitern ein Regulator gestiftet, ein Zeichen, daß Sch. sehr beliebt ist.

x Friedberg, 12. Okt. Die Kampagne an ber hie­sigen Zu cker fabrik ist in vollem Gang. Am Bahndamm liegen ganze Berge Rüben, in vielen Eisenbahnwagen treffen täglich ans allen Teilmr ber Wetrerau die Rüben ein. Einen 9)1 a - schin en defekt erlitt heute mittag der Persvnenzng nach Hanau. Er nmßte wieder in den hiesigen Bahnhof zmückfahren und eine andere Maschine vorsetzen, was eine größere Verspätung verur­sachte.

x Ostheim b. Heldenbergen, 12. >Oktz Rege Tätigkeit herricht gegenwärtig am hiesigen Bahnhof. Es wird das zweite

Aus Stadt und Land.

Gießen, 13. Oktober 1908.

Landtagswahlbewegung. Die in Groß-Gerau abgehaltene Wahlkreiskonferenz der Freisinnigen für den Wahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau stimmte der auf dem Wormser Parteitag beschlossenen Resolution zu den Land­tagswahlen einstimmig zu. Als freisinniger Kandidat für den Wahlkreis Griesheim wurde Fabrikant Rink-Dorn­heim aufgestellt. Der Bund der Landwirte hat beschlossen, bei der kommenden Landtagswahl im Wahlkreise Michel­stadt die Kandidatur des seitherigen Vertreters Fr. Lang zu unterstützen. Im Wahlbezirk Oppenheim stellten die Freisinnigen anstelle des von der Kandidatur aus persönlichen Gründen zurückgetretenen Weingutsbesitzers Sittmann Pfarrer Korell-Königstädten auf.

** Lehramtspers o n alien. S. K. H. ber G r o ß - Herzog haben den Oberlehrer an bein Realgymnasium zu Darmstabt Professur Tr. Will). Zimmermann auf sein Na-chsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in ben Rul)estanb versetzt unb ihm die Krone zum Ritterrreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

Lehrerpersonalien. Uebcrtcagen wurde dem Schulamtsaspiranten Otto Walter aus Jagstzell lWürttem- berg) eine Lehrcrstelle an der Gemeindcschule zu Viernheim.

* Erledigt ist die Stelle des Bezirkssteuer- anfsehers zu Oder-Ingelheim.

Die Steuer-Aufseher mittlere Beamte. Im hessischen Regierungsblatt werden die den Blllitär-An- wärtern vorbehaltenen Stellen veröffentlicht, in welcher Auf­stellung die Steuer - Aufseher zum ersten Male unter den Mittleren Beamten" angeführt werden.

" Hessische Handwerkskammer. Die Ver­handlungen der auf den 16. Oktober im Kaisersaal zu Darmstadt geladenen Prüfungsausschüsse und ge­setzlich geprüften Meister werden vormittags 10% Uhr beginnen. Die Tagesordnung wird ein Referat über das Anleiten von Lehrlingen im Handwerk nach den Be­stimmungen des am 1. Oktober in Kraft getretenen Gesetzes bringen. Ferner ein Referat über die Bedeutung der Ge­sellen- und Meisterprüfungen nach den jetzt geltenden gesetz­lichen Vorschriften, sowie eine Besprechung Über bie Frage des Schutzes des Meistertitels. Die Verhandlungen dürften gegen 2 Uhr ihr Ende erreichen und der Besuch der Landes­ausstellung so zeitig erfolgen, daß jeder Teilnehmer am gleichen Tage noch in seine Heimat zurückreisen kann. Zu den Verhandlungen ist jeder Handwerksmelster willkommen.

Silberne Hochzeit feiern morgen Obst- und Kartoffelhändler Johann Hankel und Frau.

Stadttheater. Rita Sacch etto feiert fortgesetzt Triumphe bei ihren Gastspielen, so am vergangenen Sonntag am Hoftheater in Wiesbaden. Am Donnerstag nach ihrem hiesigen Auftreten wird die Künstlerin die heute schon zu Proben hier eingetroffen ist wieder in Frankfurt a. M. gastieren. Es sei noch ausdrückkich daraus hingewiesen, daß die Gastvorstellung am Mittwoch erst um 8 Uhr beginnt unb daß für auswärtige Besucher ein Omnibus in der Süd- Anlage vor dem Theater hält, ber spätestens 3/<10 Uhr nach bein Bahnhof abfährt.

Gießener Konzertoerein. Wie unsere Leser aus bein gestrigen Anzeigenteil ersehen haben werben, hat der Verein für ben forninenben Winter 1908/09 ein Pro-

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cingetroffen, weitere englische Kriegsschiffe roerbeu erwartet.

Nach Meldungen türkischer Bläirer stimmten Ni'.ßlanb, Zirglanb, Frankreich unb Italien der beabsichtigten M- ^lmng einer Orientkonferenz offiziell bei.

Die Verwahrrmgen Rußlands unb Deutschlanbs, baß

Stadttheater

Giessen.

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Die Krifis im Grient.

Die Stimmung der Serben

; rtrb immer kriegerischer. Als eine Gefahr für Serbien rirb das leidenschaftliche Auftreten des serbischen Kron- i irinzen betrachtet. Der österreich-ungarische Gesandte Graf ^orgacs ist in Belgrad eingetrosseu. Er dürste berufen i ein, Vorstellungen über das Verhalten des Kronprinz:

!.u machen, für den schon int vorigen Jähre ein Aufenthalt r einem Grazer Sanatorium in Aussicht genommen war. I Ms SchabaÜ wird telegraphiert: Die der Stadt gegen- Fj i'rber liegende Insel Bujuklits, die ungarisches Territorium V. ist, unb wo ungarische Zollbeamte die Grenzwache aufrecht »erhalten, wurde heute durch serbische Zollbeamten besetzt. I Eine Gruppe von serbischen Finanzbeamten, verstärkt durch

serbische Gendarmerie, griff die ungarischen Beamten, 30 I bls 40 an der Zahl, mit Gewehren an und trieb sie fort.

In Schabatz l>errfcht großer Jubel wegen des Vorfalls.

Jon einem österreichischen Dampfer wurde die Fahne D l»eruntergerissen unb verbrannt. Große Freude ruft I rach in Belgrad die Meldung hervor, daß drei der serbischen

Nationalität angehörende österreichische Offiziere in Dol- uatuzla (Bosnieir) desertierten und sich in Serbien im Orte Zogatitsch beim bortigen Platzkommandanten meldeten mit Iber Erklärung, für Serbien in den Krieg gehen zu wollen.

Auch eine Reihe russischer Offiziere, da- I r unter zwei Generäle, hat dem Kriegsminister Beurlau- Ä b ungsgefuche unterbreitet, um in serbische Dienste einzu- aeten und als Freiwillige gegen Oesterreich zu kömpfen.

DasBert. Tagebl." meloet aus Wien: Es ist möglich, Id König Peter zur Abdankung gezwungen wird fjii (fünften feines Sohnes.

Die Semliner Polizei hat große, für Serbien bestimmte z Mu n i t i o n s s e n d u n g e u beschlagnahmt.

Zur Lage in Montenegro.

Ern Telegramm aus Cetin.je meldet, daß in Antivari 1 ernste Zwischenfälle stattgefunden haben. Die Kund- U'ber rissen das Wappen am österreichischen Konsul«t herunter und verbrannten es. Alsdann drang bie Menge in das Konsulatsgebäude ein. Die Aufregung 1 ui Antivari und Cetinie ist sehr groß. Kundgeber durch- ,iehen die Straßen. Der größere Teil der Bevölkerung ift kriegerisch gestimmt. Es geht das Gerücht, Oesterreich W l-eabsichtige zlvei Kriegsschiffe nach dem Hafen von Anti- Al ari zu entsenden.

Der Fürst Nikolaus von Montenegro empfing gesterm eine 2lbordnitng der Abgeordneten, lvelche ihn aus Anlaß . ber Parlamentseröffnung begrüßen wollten. Der Fürst be- I dauerte in sehr lebhaften Worten die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich unb fügte hinzu, diese Annexion versetze Montenegro einen solchen empfind­lichen Schlag, daß oas Land bereit märe, feinen letzten Scopsen Blut herzugeben, um diesen Zuständen ein Ende ,u machen, für den Fall, daß die dahingehenden friedlichen Zerhandlungen scheitern sollen.

In Konstantiuopel

nehmen die Demonstrationen gegen Oesterreich ihren Fort­gang. Auch in Janina, Beirut, Skutari und in anderen Orten fanden Protestversammlungen statt, die von den lo- ictfen Behörden oder dem jungtürkischen Komitee veran- fbaltet tourbeu. Durch den Boykott österreichischer Waren . jhtfinbet sich Oesterreich bereits in einem Kriege mit der W Türkei. Ter Boykott soll weiter auf den Zucker-Import I ausgedehnt werden. Die Konstantinopeler ungarischen Händ- lec, darunter das größte Waffengeschäft, verteilen Flug- bNtter, in denen sie darauf Hinweisen, daß Ungarn nicht mit Oesterreich verwechselt werden darf, da ja bereits v.or 60 Jahren Ungarn in der Türkei Schuß gesucht hat.

Die Haltung der Mächte.

Der amerikanische Botschafter dementiert, daß Ame­rika die bulgarische Unabhängigkeit anerkenne. Dem Iedam infolge wird bie Pforte der hiesigen griechischen Gesanbt- ;d)aft eine Note überreichen, worin erklärt wirb, baß wenn lAriechenlanb ben Anschluß Kretas aceeptiert, bie Pforte däes als aggressive Aktion betrachten werbe. De?n Blatte

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