Ausgabe 
13.10.1908 Erstes Blatt
 
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Gleis für die Strecke Hcnwnoergen Hanau angelegt Bon Heldenbergen bis Ofthnin ist das zweite Gleis schon fertig imb wird befahren. Bon Ostheim bis Bruchköbel ist noch viel zu tun. Bei Ostheim. wird die Böscknmg erweitert, ebenso die Straßenbrücke. Gleichzeitig erhält die hiesige Station eine Güter­verladestelle und Anschlußgleise. Die Fertigstellung des zweiten Gleises soll bis 1. April erfolgen.

Vilbel, 12. Oki. Bei der Beigeordnetenwahl machten von 969 Wahlberechtigten darunter 120 Steuer­restanten, die infolgedessen nicht wählen konnten 717 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es waren 3 Kandidaten auf­gestellt und erhielten: KreiSpfandmeistec Herget (national­liberal) 207, Aepfelwein-Produzent Hinkel (linksliberal) 146 und Lagerist Armbrust (Sozialdemokrat) 360 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt.

R. Babenhausen b. Mücke, 12. Okt. Herr Karl Dörr aus Weikartshain, der daselbst eine Molkerei besitzt, beabsichtigt, eine Milch entra h mu n gS sta t i o n in der hiesigen Gemeinde zu gründen. Der Plan ijl bereits ent­worfen und genehmigt worden. Bereits vor einigen Jahren wurde der Gemeinde, hier eine Molkerei zu gründen, an­geboten, jedoch wurde das von einigen Einwohnern vereitelt. Welchen Schaden dadurch die Gemeinde erlitten hat, weiß setzt jeder zu schätzen. Heute trägt die Gemeinde sehr viel dazu bei. Auch die umliegenden Dörfer sind sehr dafür, daß dieselbe zustande kommt. Mit dem Bau soll sobald als mög­lich begonnen werden.

R. Schlitz, 12. Okt. Stadtpfarrcr Hotz, der nach sechsjähriger Tätigkeit von uns scheidet, um in Dietzenbach die Pfarrstelle zu übernehmen, hielt gestern seine Abschiedspredigt. Die Kirche war überfüllt, jeder wollte den so überaus be­liebten, feinsinnigen Redner noch einmal hören. Zum Text hatte er gewählt Psalm 111, Vers 13. Pfarrer Hotz, der sich um unsere Stadt sehr verdient gemacht und durch sein leutseliges Wesen sehr beliebt war, sieht man sehr ungern von hier scheiden. Der Abend versammelte noch einmal seine Freunde in der Turnhalle. Seine Verdienste wurden durch verschiedene Ansprachen (Dekan Schmidt, Bürgermeister Zinßcr und Lehrer Gomps) gefeiert, worauf Herr Hotz in sehr be­wegten Worten dankte und versprach, sein liebes Städtchen, m welchem er eine zweite Heimat gefunden, nie vergessen zu wollen. Geh. Justizrat Wahl gedachte in warmen Worten der Gattin des Scheidenden, die es so gut verstanden habe, sich in die hiesigen Verhältnisse einzugewöhncn, und nun wieder scheiden müsie, um sich an anderer Stelle ein neues Heim zu gründen. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Scheidende. Der Kirchenchor, sowie der Männergesangverein, dessen Ehrenmitglied Pfarrer Hotz war, verschönten den Abend durch prachtvoll vorgetragene Lieder. Dem Scheidenden, der sich seiner Gesundheit halber aus unserem nördlichen Hessen versetzen ließ, der ja auch den Lesern dieser Zeitung durch seine öfteren Beiträge und Er­zählungen bekannt ist, wird man hier ein bleibendes gutes Andenken bewahren.

X Reichelsheim L Od., 12. Okt. Um die Mitte dieses Monates scheidet aus Ort und Bezirk einer unserer Besten, Ger.-Assessor All wohn, der als Amtsanwalt nach Büdingen berufen worden ist. Allgemein und aufrichtig ist das Bedauern, mit welcher die Versetzung in der Bevölkerung ausgenommen wird; scheidet doch von uns ein Mann unseres Vertrauens, ein hochachtbarer Beamter und edler Mensch. Auch nach seinem Weggange wird man seiner noch mit An- hänglichkeit und Dankbarkeit gedenken.

-ch. Krofdorf, 12.Okt. Gestern hielt der Schützen­de re in sein letztes diesjähriges Preisschießen ab. 17 Preise und ein Ehrenpreis ivaren vorgesehen. Das Schießen begann bei lebhafter Beteiligung um 3 Uhr und endete um 6 Uhr. Folgende Schützen erhielten Preise: Ed. Nickel 1., W. Abel 2 W. Wagner 3., K. Bittendorf 4., H. Gerlach 5.. W. Schmidt 6 L. NöhrSheim 7., W. Krom­bach 8., K. Heyer 9., Th. Gerlach 10., I. Appel 11., K. Will 12., K. Leib 13., Th. Wagner 14., K. Kreutz 15., PH. Leib 16., Lud. Rinn 17.; den Ehrenpreis erhielt W. Wagner mit der höchsten Ringzahl. Nach Schluß hes Schießens fand noch ein gemütliches Zusammensein in der Krone" statt, woselbst die Schützen lange beisammen blieben. Es wurde beschlossen, an einem der nächsten Sonntage einen gemeinschaftlichen Ausflug zu machen. Auch der Krieger- oerein hielt auf seinem nebenan liegenden Schießstand sein Abschießen ab, zu welchem Zwecke Dr. Seipp und Apo­theker Ruhl Preise gestiftet hatten. Die Preise bestanden aus einem prachtvollen Bilde des Kaisers Wilhelm I., des Fürsten Bismarck und des Grafen Moltke und drei Flaschen Wein. Das Bild erhielt Landwirt Wilh. Bender als bester Schütze. Den gemütlichen Teil bildete ein gemeinschaftliches Kartoffelnbraten. Die Krieger ließen sich die im Feuer ge­bratenen Kartoffeln recht gut schmecken.

** Kleine M i 11 c ü u n g e n aus Hessen und den Nachbarstaate v. Im Frankfurter Güterbahnhof wurde beim Ueberschreiten der Gleise der 43jährige K'ohleuarbecker Reck la von einer Rangiermaschine erfaßt und sofort getötet In Heldenbergen kam der Landwirt Philipp Görtz I. unter die Räder eines mit Diclivurz schwer beladenen Wagens, die ihm ckm Kopf und der Brust erhebliche Verletzungen &ufügten, an denen er fur; oawnf g c st o r b e u ift.

Bürgermeister Knaf vor dem Verwaltungsgerichtshof.

F. C. Dar m st a ö t, 10. Oki.

Vor niedereren Fahren benötigte die Stadt Büdingen für Er­richtung der Kanalisation rc. ein Kapital von Vs Million Mark, das ihr das Bankhaus Baruch Strauß in Marburg a. d. Lohn stellte. Bon dem Betrage wurden die bereits fälligen Posten an den Unternehmer abgeführt, während man den Rest auslieh. Un­ter Anderen erhielt Bankier Rothschild in Büdingen 100 000 Mark, für die er gute vollwertige Wertpapiere der Stadt Bü­dingen als Sicherheit gab. Die Papier: wurden beim dortigen Vorschuß- und Kreditoerein deponiert. Zu diesem Wertpapieren- beftanbe hatte der Rechner des Vorschuß- und K'reditvereins, Ge­meinderat Rullmann, einen Schlüssel, während Bürgermeister Knaf 1 bestell zur Kassette, in der die Papiere verwahrt waren, die übrigen Schlüssel besaß. Sobald die fälligen Coupons abzu- schnäden oder ansgeloste Papiere heransznnehmen waren, ucm sie gegen andere gute zu ersetzen, meißle Bürgermeister Käiaf bei diesen Maßnahmen selbstverständlich zugegen sein. In den letzten iVs Jahren jedoch hat Knaf einfach die Schlüssel zur Kassette dem Rothschild oder dem Beauftragten des Rothschild, dem Kommis Müller, eingehündigt. Rothschild ließ die Kassette beim Kredit­verein holen unb manipulierte, ohne, daß der Bürger­meister zugegen war, an den Papieren. Darnach wurde die Kassette verschlossen dem Verein wieder abgeiiefert, die Schlüssel erhielt ÄNaf zurück. Bei dieser Gelegenheit nun entnahm Roth­schild nach und nach dcku Depot für 82 880 Mt. 10 >Pfg. gutD- Pa. piere und fügte für 40 000 Ml. Stockheimer Zuckerobligationen, für 35000 Mk. LairdglMich Hessen-Phtltppschalsche- und für 5000

Mark Limburger Schiefer-Schuldverschrefbungen, also fast wert­lose Papiere, an. KnafhatteleineAhnung von. die fein Umtausch, wurde aber in einer Gemeiirderatssitzung gelegentlich gefragt, wie es mit dem Depot stände, er antwortete, alles fei in Ordnung. Auch anfangs ds. Js., als vom Gemeinderat be­schlossen wurde, das Depot durch eine, Kvmmifsion zu revidieren, berief Knaf diese Kommission nicht sofort, ließ zirka 10 -tage verstreichen, unb als endlich am 2 4. Februar der ert - Papierenbestand nach gesehen wurde, T an b man, daß die guten Papiere, gegen die obengenannten fast wertlosen durch Rothschild vertauscht waren. Rothschild bekam in Frankfurt a. M. int Pariser Hof von dem Vorfälle Wind und flüchtete. Der Stein kam ins Atollen und zeitigte die unheilvolle Affäre Rothschild, die inzwischen an den ordentlichen Gerüchten ihre Sühne gefunden. Gegen Bürger­meister Knaf, der, wie sogleich seslstand. keinerlei Vorteile von Rothschild gehabt hatte, wurde das' Disziplinarverfahren von Amts­wegen eröffnet und en von dem Posten suspendiert, weil er die Schlüssel zum Depot dem Gauner eingehändigt hat, wider beperes Wissen auf Befragen dem Gemeinderat mit geteilt, daß das Depot und was sich darauf bezog, in Orvüung sei und die Kommission zur Depotprüfung nicht rechtzeitig zusmnmenberufen habe. Heute stand die Disziplinarstrassache vor dem Verwaltungsge- richtshos in Darmstadt zur Verhandlung. Knaf, der Vor­steher des Großh. Ortsgerichts und Standesamtes ist, steht ün 62. Lebensjahre, war früher Metzger und Gastwirt unb hat sich aus kleinen Anfängen emporgearbeitet, er wird als ein ehr­licher, braver Mann bezeichnet, der sich in feiner 21jährigen bür- germcisterlichen Dienstzeit nichts hat zu Schulden kommen lassen. Er wurde 1905 zum dritten Male zum Bürgermeister bet, Kteis- stadt Büdingen mit ca. 100 Stimmen Majorität, nach scharfem Wahlkampf, gewählt.

Den Vorsitz in der Verhandlung führte Geheimerat EmMer- l i n g, als Richter fungierten die Oberlandesgerichtsräte Keller, Forch, Berchelmann und Fabricius, Obersinanzrat Fuchs unb Oberbürgermeister Morueweg. Die Anklage, die kurz auf grobe Vernachlässigung der Dienstpflichten lautete, vertrat Ministerial­rat Best. Die Verteidigung lag in den Händen des Justizrats Metz-Nidda. Zwölf Zeugen: Kreisrat Boeckmann, Beigeord­neter iyenbt, die Gemeinderitte Rullmann, Dotter, Albert, Mttc- kind, Ratsdiener Hüter, Komlnis Alfred dNüller (Belastungs­zeugen), Kvmmerdirektor Müller, Steinhauermcister Goeckel, Ae- zirtssparlassenrechner Türck unb Gerichtsvollzieher Heuzenröber (Entlastungszeugen), sämtlich aus Büdingen, waren zu hören. Die Belastungszeugen, von denen der Gemeinderat Albert zwei­mal, der Beigeordnete Fendt und Gemeinderat Wittekind je ein­mal dem Angeklagten bei der Burgermeisterwahl als Gegner gegen.» überstanden, konnten das tatsächlich oben angeführte nur bestätigen, hielten Knaf aber nicht mehr fähig, das Bürgermeisteramt zu be­kleiden. Die Entlastungszeugen bezeichneten den Angeklagten als eilten Mann von Charakter, oer Achtung verdiene mid Vertrauen, bas er heute noch in der Bürgerschaft besitze.. Gegen 5 Uhr waren bic Zeugenvernehmungen beendet. ES ergriff Ministerialrat Best- Darmstab t das Wort als Ankläger. Er führte aus: Bürgermeister Kinas ist nicht allein bei der Bürgerschaft Büdingens, sondern auch bei seiner vorgesetzten Behörde des Vertrauens verlustig gegangen. Eine Sorgelosigleit, eine Außerachtlassung der Pflichten, einen Mangel an Gewissenhaftigkeit habe er bei der Hergabe der Schlüssel an den Tag gelegt, bic unsagbar war. Büdingen habe da­durch ca. 7 3 0 0 0 Mk. verloren, denn höchstens 6 bis 7 00 0 M k. von der von NothfHilc> veruntreuten Summe seien einbringbar. Ueberlaftung mit Dienstgeschäften, sei nicht an­zunehmen, benn je 20 Minuten drei- bis viermal int Jahre, die das Couponabsch.neiben beansprucht unbegen Widegene uneben müssen. Ein Opfer bes Rothschild sei der Angeklagte nicht, ein Opfer der eigenen Sorglosigkeit sei er. Mitgefühl könnte man ihm nicht versagen, aber der Mangel an Gewissenhaftigkeit sei bei Knaf so groß gewesen, daß auf Dienstentlassung erkannt werden müßte. Der Verteidiger Justizrat Metz hielt ben Antrag des Anklägers für weit über das Ziel hinausgeschossen. Ein Opfer des ^Nothschild sei sein Klient, ein vertrauensseliger Mairn. Nicht allein genoß der Betrüger Rothschild das größte Vertrauen bei dem Bürgermeister Knaf, sondern er hatte das größte Vertrauen ganz anderer Leute, großer Verwaltungen, des Landgräflich Hessi­schen Hauses, des Vertreters dieses Hauses, des Geheimen Justtz- rats Renner-Kassel, ja sogar des Oberlandesgerichts daselbst, das bei verschiedenen Maßnahmen des Hessischen Hauses mit Roth­schild unterhandelte. Alle diese feien gröblich getäuscht worden. Warum nicht Knaf? Arbeitslast habe den Angeklagten abgehalten, beim Couponabschneiden zugegen zu fein. Nicht könnte gesagt werden, daß die Antwort, die Knaf dem Gemeinderat auf die Frage gegeben:Ist das Depot in Ordnung?" Ja, wider besseres Wissen geschah, auch die Berufung einer Kommission zur Depotprüfung fei nicht int .Sinne der Gemeindeordnung. Knaf tonnte die Hbntntiffion nicht nach dem Gesetz berufen. Daß er die Berufung nicht rechtzeitig vornahm, kann ihnt deshalb nicht zum Vorwurf gereichen. Der Angeklagte, ein achtbarer Mann, der heute itod; das Vertrauen des größten Teits der Büdinger Bürger­schaft besitzt, kann wegm des ihm vorgetvorfenen Versehens nicht mit Dienstentlassung, mit dieser harten (Strafe, belegt werden. Nach kurzer Replik des Anklagevertreters zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach einer halbstündigen Beratung ver­kündete der Vorsitzende das Urteil: Bürgermeister Knaf ist schul­dig, die Pflichten verletzt zu haben, die ihm sein Amt auferlegen. Es wird deshalb auf Dienstentlassung und Tragung der Kosten des Verfahrens erkannt. In der Begründung hieß es: Der Gerichtshof ist von der Ansicht ausgegangen, daß bet ~bem "Angeklagten, weil er unterlassen hat, die allergewöhnlichste Sorg- falti m Dienste anzuwenden, auf die höchste Strafe erkannt werden mußte. Der Angeklagte nahm ruhig und gefaßt den Spruch hin, sagte nur leise: ,Jch bin härter bestraft worden, wie Roth­schild!"

*Die Dauerfahrt der internationalen Ballon­woche, zu der die gemeldeten Ballons in vier Klassen starteten, in die sie je nach der Größe eingekeilt waren, fand gestern von Schmargendorf bei Berlin aus statt. Von 38 gemeldeten Ballons starteten 32. Vor Antritt der Fahrt wurde den Führern der Luftschiffe mitgeteilt, daß sich eine deutsche Torpedoflotille zur eventuellen Hilfeleistung im Kanal befinde. Von der gestrigen Fahrt ist ein zweiter bedauer­licher Unglücksfall zu verzeichnen, denn der spanische Ballon Montana* zerriß in der Höhe von 2000 Nietern und landete bei Meitzendorf in Sachsen; die Insassen blieben un­verletzt. Der BallonVille de Bruxelles" landete infolge einer Beschädigung der Ventile bei Golzow in Brandenburg.

* Die Honorare der Advokaten. Eine inter­essante Statistik über die Honorare der Advokaten in ver­gangenen Jahrhunderten veröffentlicht der Graf G. d Avenel in derRevue des Deux Mondes". Ums Jahr 1300 war das höchste Honorar, das ein grechtsberstand für eine ein­tägige Sitzung beanspruchen konnte, etwa ach! Sols, ungefähr 16 Franks. Für eine Rede wurden 11200 Franks bezahlt. ,^Zean 1c Coq und Henri de Marle, die 1338 als Testaments­vollstrecker des Erzbischofs von Reims fungierten, erhielten 85 bezw. 130 Franks. Im 15. und 16. Jahrhundert steigt die Zahl der Advokaten, und bamu sinken aufch die Honorare. Noch zu Beginn des 14. Jahrhunderts gab es in Puris 50 Advokaten, 1562 bereits 400. Es gab wenig Juristen, die bei ihrem Berufe reich wurden, und da es meist Leute aus dem kleineren Bürgerstand waren, die sich der Advokaten- lausbahn zuwandteu, so geschah es auch fast nie, daß ein Advokat öffentlich. A.unter über Ehren empfing. Im 17. und 18. Jahrhundert en die Honorarsätze saft die gleichen. Es gab Konsul! i für 150 oder gar für 200 Franks in Paris, aber auch für 12 Franks und weniger, und die meisten standen bi?,.-, kleineren Zahl näher als der hohen."

Heute mag es "nach der Schätzung d'Avenels in Paris wohk mehr als zehn Advokaten geben, die mehr als 100000 Mk. int Jahre verdienen, gegen 50, die 100 000 Mk. verdienen, unb einige dreißig, deren Einkommen zwifchen 30 000 und 50 000 chwankt. Die meisten aber nehmen weniger ein, und viele; erreichen wohl kaum ein Jahreseinkommen von 10 000 Fr. Dagegen aber hat sich die öffentliche Wertschätzung des In- ristenstandes völlig verschoben, der Advokatenberuf ift die beste Anwartschaft zu hohen Staatsämtern, und man schätzt heute den Juristen eben so sehr, wie man ihn vor der Revo­lution zu unterschätzen liebte.

Kleine Tageschronik.

Der nach U n t e r i d) l a g u n g von 8000 Mk. Amtsgelderrr flüchtig gewordene Oberposlafsisteut Rempt aus Zeulenroda, auf dessen Ergreifung eine Belohnung von 500 Mk. ausgefetzt worden war, ist in Algier verhaftet worden.

In Breslau trat gestern der Verband der Krankenpflege­anstallen des Roten Kreuzes zusammen. Im Mobilmachungs­falle stehen 630 felddienstmäßige Kriegsausrüstungen bereit.

Ter Sekretär des Fack)vereins der Mafchinenarbetter iii Buda­pest, Karl Paper, wurde verhaftet, weil er bei den Straßen- unntben am Donnerstag Revolver verteilt und die Leute auf- gefordert hat, die Polizisten niederzuschießeii.

Auf dem Gute des Oberamtmanns Druckenbrodt bei Als­leben a. d. S. fanden bei einem S ch e u n e n b r a n d zwei Mägde den Tod in den Flammen, zwei Knechte erlitten Ser­ie u n g e n.

Bei Wiborg im finnischen Meerbusen sind infolge falschen Manövrierens der DampferKoivisio" und der Festungsdanwfer Jodio" zu samm en g e st o ß e n. Beide Dampfer find g e- unken. Die Mannschaften wurden gerettet.

Die C h o l e r a ft a t i st i k verzeichnet in Petersburg 65 neue Erkrankungen und 24 Todesfälle. Die Zahl der Kranken be­trägt 1168.

MM

Die Liebe höret nimmer auf. Tranenttarsch für Piano forte. Komponiert von Hermann Metz Im Berlage von Erlist Challier in Gießen ift soeben eine neue Ldom- position von Hermann Nöetz erschienen, ein Trauermarsch von tiefempfundener Eigenart. In orchestraler Besetzung wird dieser Trauermarsch jedenfalls nicht ohne große Wirkung sein.

HanöeL.

Dresden, 12. Okt. Der Aufsichtsrat der Mühlenbau­anstalt unb Maschinenfabrik, vorm. Gebrüder Seck, beschloß in der heutigen Sitzung, für das ab gelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 12 Prozent wie im Vorjahr vorzuschlagen. , Der Umsatz und der Gewinn weisen saft die gleichen Ziffern wie im Vorjahre aus.

Markte.

(c. Frankfurt a. M., 13. Olt. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 10 Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.303.06, für Stroh (Kornlangstroh) Mk. 2.40-2.50. Bei lebhafter Nachfrage war der Markt rasch geräumt. Tendenz 'oft.

Voraussichtliche Witterung für Hesjen am Mittwoch ben 14. Oktober: Fortdauer der trockenen Witterung, vielfach 'Jlebel. Temperatur wie heute. Oestliche Winde.

Grigittal-DrahtkneL0un§en.

Berchtesgaden, 13. Okt. Die Herzogin-Mutter von Anhalt ist hier im 70. Lebensjahre gestorben.

Paris, 13. Okt. Der Marin meldet aus Sofia, es ei wahrscheinlich, daß Bulgarien ein Ultimatum an die Türkei richteit werde, worin die Türkei aufgefor­dert wird, binnen brei Tagen die Unabhängigkeit Bulgariens auzuer'cennen. Sollte die Türkei dieser Aufforderung feinrL Folge leisten, so würde der Krieg erklärt werden.

Paris, 13. Okt. Nach einer Konstantinopeler Ateldung-. des Matin gehen jeden Augenblick Züge mit Munition und Kriegsmaterial nach den Konzentrationsortcn und den verschiedenen Festungen ab.

Paris, 13. Okt. Petit Parisien schreibt: Der provisorische Text der Note, worin das Programm der Balkan-Kon­ferenz festgeftellt wird, soll in den nächsten Tagen befanitt ge­geben werden. Tie Unterredungen zwischen Iswolski und Gre» sind auf gutem Wege uni) Frankreich ist fortwährend über ben Stand der Unterhandlungen auf dem Laufenden. Die Tagesord­nung der Konferenz wird weder die szckcrge von Novibazar, noch die albanesische, enthalten. Tripolis wird ebenfalls unter feinen Um­ständen ben ^Gegenstand- der Debatte bilden, ebenso auch feine andere Frage, welche von der einen oder anderen Macht in Vorschlag ge­bracht würde. Dagegen glaubt das Blatt zu wissen, daß die frrage der Eröffnung der Dardanellen nicht ausaeschaltet werden dürfe. England luetoe in dieser Hinsicht ein Opfer bringen. Es bleibe jedoch festzustellen, ob Rußland von der Eröffnung der Dar­danellen stutzen haben werde unb ob man nicht zwei Eventuali­täten ins Lluge fassen, müsse, nämlich die Eröffnung bei Kriegs- »eiten unb bei Friedenszeiten.

Paris, 13. Okt. Ein Mitarbeiter des Echo de Paris hatte gestern mit dem französischen Botschafter, nachdent dieser eine Rücksprache mit dem französische rr Minister des A e u ö c r n gehabt hatte, eine Unterredung, wobei der Botschafter erklärt 'haben, 'soll, er habe mit Pichon über drei Fr a geider Fr em- den-Legionäre in Casablanca gesprochen und seine Ansicht dahin geäußert, daß dep deutsche Konsul einen über­triebenen Eifer an den Tag gelegt habe. Oesterreich iuerbc sich keineswegs um Landesangehörige kümmern, welche in die Fremdenlegion eingetreten sind.

Saloniki, 13. Oft. Die Lage in Albanien be­ginnt sich ernstlich zu verschlechtern. Die Strömung unter den muhamedanischen Albanesen gegen die Bersassung ist im Wachsen begriffen. Das jungtürkische Komitee sowie die Be- börden haben jede Autorität verloren. Auch beginnen wieder 6ie Reibereien zwischen mohamedanischen und christlichen Albanesen.

Saloniki, 13. Okt. Der Llohddampier Tirol konnte hier seine Ladung nicht löschen, da die Arbeiter sich weigern, österreichische Waren auszuladen. Ebenso wird hier wie in Konstantinopel jeder Muser verhindert, in österreichischen Geschäften einzukaufen.'

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