Ausgabe 
12.2.1908 Zweites Blatt
 
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Man

in unserem Kreise und in

mit einer kath. Lehrerin zu Genieindcschule zu Spons- Lehrcr zu besetzende Lehrer-

Deuttzctzss AeöeZr.

Hamburg, 12. Febr. Max Hinckel, der Geschäfts­führer der Norddeutschen Bant in Hamburg, bezeichnet im Hamburger Fremdenblatt" das an der Berliner Börse verbreitete Gerücht, daß er zunr Nachfolger Stengels auserwählt sei, als völlig haltlos.

Berlin, 11. Febr. In parlamentarischen Kreisen ver­lautete heute, daß zum Nachfolger des Freiherrn v. Stengel der Unterstaatssekretär Twele im Reichs­schatzamt ausersehen sei.

Frieden ruhen. .Herr Korell war am 27. Januar 1859 ge­boren, also am gleichen Tage wie der deutsche Kaiser.

Bingen, 10. Febr. Bürgermeister Neff ist auf 12 Jahre einstimmig wieder gewählt worden.

[] Marburg, 11. Febr. Ter Verein der Offiziere und Sanitätsoffiziere des Beurlaubten- und des Ruhestandes im Bezirk Marburg stiftete seinem Mitbegründer, dem Geh. Rat und Generalarzt ü la suite der Armee, Prof. Dr. Küster, eine prachtvolle Ehrenurkunde, die der bekannte Marine- und Hochlandschaftsmaler Prof. Mich. Lcni Diemer in München anfertigte.

(h.) Frankfurt a. M., 12. Febr. Landrat Ritter von Marx in Homburg wurde vom Kaiser zum Vortrage über die geplante Auto mobil--Rennbahn im Tau­nus nach Berlin berufen, wo ec heute morgen eintrifft. Man zweifelt nicht mehr daran, daß die Frage zu Gunsten des Taunus-Projektes ihre Erledigung finden wird. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde die Er­höhung des Zinsfußes der städtischen Sparkasse auf 31/2 Prozent ab 1. April beschlossen und sodann geneh­migt, daß zum Ankauf von Gemälden Frankfur­ter Künstler und von Bildwerken für die städtische Kunstsammlung zunächst 252 000 Mark aus dem städti­schen Kunstfonds verwendet werden. Gestern abend gegen 10 Uhr fuhr im Haupt-Güter b^ahn Hofe ein ein» fahrender Zug einem rangierenden Güterzuge in die Flanke. Drei beladene Wagen entgleisten; Personen wur­den nicht verletzt. Vergangenen Sonntag rannte der vom Feldberg kommende BobsleighRasender Ro­land" an einer scharfen Kurve in voller Fahrt gegen einen Baum. Sämtliche sechs Insassen wurden vom Schlit­ten geschleudert und erlitten starke Quetschwunden sowie Atuskelzerrungen. Auf dem Feldberg wurden den .Ver­letzten die nötigen Verbände angelegt. Taß die Rodler keine schweren Verletzungen erlitten, ist allem dem Um­

stelle an der Gcmeindeschule zu E i narts h auscn. 2)iit der Stelle ist Organisten-- und Vorlesedienst verbunden. Dem Grafen zu Solms-Rödelheim sicht das Präsentationsrecht zu.

** Besitzwechsel. Das Anwesen des Bautechnikers Grobe, Ludwigstraße 40, ist für den Preis von 44 000 Mk. in den Besitz der Frau I. T h ö r n e r W w e. über­gegangen.

** Kaiserpanoram a. Die Schweiz (eine Wande­rung in dem Berner Oberland), in die das Panorama in dieser Woche führt, bietet an Naturschönheiten Unver­gleichliches. Beim Beschauen dieser herrlichen Landschafts­bilder, zu denen menschlicher Schafsensgeift ein modernes Relief geliefert hat, muß es einem klar werden, warum die Schweiz alljährlich die größte Zahl Touristen in ganz Europa aufzuweisen hat. Die grotesken Gletscher, Schluch­ten mrd Wasserfälle ziehen im bunten Wechsel mit Bildern von Interlaken, Lauterbrunnen, Grindelwald usw. vorüber und machen den Wunsch rege, alle Herrlichkeiten in Wirk­lichkeit zu sehen. Der Besuch läßt sich jedem, besonders aber auch als belehrend für die Jugend, bestens empfehlen.

** 3um Typ huSfall in Lauterbach. Vor einigen Tagen berichteten wir, daß in Lauterbach ein Kind des Stadt­müllers Rinke an Typhus erkrankt sei. Wir erhielten darau von Herrn Rinke eine Zuschrift, daß es sich nicht um Typhus, sondern um Gehirnentzündung handele. Da wir die Richtig­keit dieser von dem Vater des Kindes erhobenen Behauptung für selbstverständlich hielten, machten wir in Nr. 34 eine entsprechende Mitteilung. Durch eine Zuschrift des Großh. Kreisgesundheitsamtes Lauterbach erfahren wir nun, daß die Angabe deL Herrn 'Rinke den Tatsachen nicht entspricht; eS

Korell, Leun und Wolf), 5 Zentrumsleute (v. Brentano, Horn, Molthan, Dr. Schmitt und Uebel), 3 Sozialdemo­kraten (Berthold, Dr. Fulda und Raab) und ein Wildlibe­raler (Noack). In Oberhessen haben zu wählen die Städte Gießen (Abg. Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch), Alsfeld (Rechtsanwalt und Notar Reh) und Friedberg (Bei­geordneter Tamm), sowie die ländlichen Wahl­bezirke 3. Butzbach -Bad-Nauheim (Bürgermeistera.D. Joutz in Butzbach) 6. Grünb erg-Gießen (Genossen- schaftsdicektor Hirschel in Friedberg), 9. Lauterbach- Schlitz (Bürgermeister Stöpler in Lauterbach), 10. Herb­stein-Ulrichstein (Bürgermeister Schmalbach in Crainfeld) und 11. Laubach -Schotte n - Ortenderg-Nidda (Oberförster Dr. Weber in Konradsdorf). Die Wahlen finden jeden­falls noch nach dem indirekten Wahlsystem statt.

*

** Landesuniversität. Das Vorlesungs­verzeichnis der Landesuniversität für das Sommer­halbjahr ist soeben erschienen. Von allgemeiner inter­essierenden Vorlesungen seien erwähnt: Militärstrafrecht von Dr. Günther, strafrechtliche Reformfragen von Dr. Mittermaiei', Einführung in die Psychologie des Rechts, mit Besprechung praktischer Fälle von Dr. Friedrich, foren­sische Psychiatrie für Mediziner und Juristen von Dr. Dannemann, die Lebensanschauung der großen Denker von Dr. Kinkel, Soziologie und Philosophie des Staats von Dr. Weidenbach, Geologie von Hessen von Dr. Kaiser, Wald­wegbau nach seinem Grundriß von Dr. Wimmenauer, deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert von Dr. Rachfahl, Kunstdenkmäler des Großherzogtums Hessen und der Nach- bargebiete von Dr. Sauer, Einführung in die Kunstwissen­schaft von Dr. Rauch, Lionardo da Vinci, Rafael, Michel­angelo von Dr. Rauch, Erklärung von Lessings Ham­burgischer Dramaturgie von Dr. Behaghel, Geschichte der deutschen Lyrik im 18. und 19. Jahrhundert von Dr. Be- haghel, die Sprache Shakespeares, mit Erklärung des Mac­beth von Dr. Horn, und Johs. Brahms und seine Werke der 2. Kompositionsperiode von Trautmann. Die Im­matrikulationen beginnen am 27. April und die Vorlesungen am 29. April.

** Lan dwirischaftskamm er. Oekonomierat Lei­th i g e r in Alsfeld ist anstelle des nach Karlsruhe gehenden Oekonomierats Dr. Müller zum Generalsekretär der Landwirtschaflskaminer gewählt worden.

** Volksbibliotheken im Großherzogtum Hessen. Die Gesellschaft für Verbreitu'ng von Volksbildung hat im Großherzogtum Hessen in den letzten fünf Jahren 619 Volksbibliotheken mit 15 216 Bänden begründet und unterstützt. Es erhielten Bücherzuwendungen in den Jahren

für die Verhältnisse, die wir unserer Provinz haben.

** Erledigt sind: Eine besetzende Lehrcrinstelle an der heim. Die mit einem evang.

handelt sich um einen echten U ntc rl c i b § l yp husfa l l.

8 Bauernbündler (Bähr, Brauer, Breidenbach, Erk, uöhler, I Schwuiu p'fcrwe n&e f an gt^reuT M in

bleiben im Landtag 3 Nationalliberale Anter, Best, Breimer, Büchner, Diehl, Haas, Pitthau mio lllllnanu.

Ares SLadt und Land.

Gießen, 12. Febr. 1908.

Die Landtagswahleu von 1908.

In diesem Jahre, voraussichtlich im Spätherbst, findet in Hessen die Ermeuerung der Hälfte der zweiten Kammer statt. Es scheiden aus die zehn Abgeordneten der Städte und 15 Abgeordnete ländlicher Wahlkreise (7 in Starken­burg, 5 in Ob er Hess en imi) 3 in Rheinhessen). Der Parteizugehörigkeit nach stehen zur Neuwahl 10 Ra­tio nallib er ale (Braun, Fänger, Dr. Glässing, Dr. Heiden­reich, Lang, Dr. Osann, Reinhart, Schönberger, Seelinger und Stöpler), 5 Bauernbündler (Hauck, Hirschel, Joutz, Schmalbach und Senßfclder), 4 Sozialdemokraten (Adelung, Dr. David, Orb und Ulrich), 3 Freisinnige (Damm, Dr. Gutsleisch und Reh), 2 Zentrumsleute (Dr. Frenay und Pennrich) und ein Wildliberaler (Dr. Weber . ES ver-

sünf Jahren 619 Bibliotheten 15216 Bände.

** Unterernährung auf dem Lande.

AttsZEH.

Wien, 11. Febr. Ter Unterrichtsminister Dr. Marchet teilte heute derNeuen Freien Presse" zufolge dem deut­schen Neunerausschusse mit, daß er eine italienische juristische Fakultät in Wien zu errichten ge­denke. Die italienische Fakultät soll räumlich und organisch von der Wiener Uiiiversitüt völlig gesondert bestehen.

Paris, 11. Febr. Ter ehemalige französische Ma­rinem in ist er Locroy liegt im Sterben.

Der Korrespondenz desPetit Paris ien" berichtet, es gehe neuerdings mit großem Nachdruck das Gerücht, daß, wenn die Duma, wie es wahrscheinlich sei, sich weigere ,die Marine-Kredite zu bewilligen, sie ausgelöst werden würde. Nach dieser Auflösung würde keine neue Duma mehr einberufen werden. Stolypin würde sich dann zurückziehen und einer Reaktionsregie­rung Platz machen, ap deren Spitze Akimow und Turnowo stehen wurden.

Petersburg, 11. Febr. Bei der Kaiserin von Rußland stellten die 'Aerzte eine Verengung der Speiseröhre fest, eine Krankheitserscheinung, die aus nervöser Basis beruht.

Der Bischof von London ist heute hier ein- getroffen und wird morgen vom Zaren in Audienz emp­fangen werden. Der Bischof konferierte längere Zeit , mit dem Metropoliten. Dem Besuch wird wegen der. Bestre­bungen, eine Kompromißeinigung zwischen der anglikanischen und der russisch-orthodoxen Kirche herbeizuführen, viel Bedeutung beigelegt.

London, 12. Febr. Tie Frauenrechtlerinnen setzten gestern nachmittag ihre Krawall-Kampagne fort. Nachdem mehrere hundert Frauen in der Caxton Hall eine Resolution angenommen hatten, worin die Gewährung des aktiven parlamentarischenWahlrechtsfür Frauen verlangt wird, begaben sie sich nach dem gerade ragenden Parlament, um die Resolution zu überreichen. Ter Ansturm der Frauen wurde jedoch von zahlreichen Poli­zeitruppen nach heftigem Handgemenge ab­geschlagen. 44 Frauen wurden verhaftet, der Rest zog sich nach der Eaxton-Hall zurück. Abends spät erneuerten die Frauen ihren Angriff, wurden aber wieder zurückge­schlagen und mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Gesamtzahl der Verhafteten beträgt 50.

Teheran, 11. Febr. Der türkisch-persische Grenzkonflikt ist als beigelegt anzusehen und zwar infolge der guten Dienste Deutschlands beim Sultan Abdul-Hamid, was auch durch eine Sympathiekundgebung des persischen Parlaments anerkannt wurde. Der neuer- nannte deutsche Gesandte Graf Quadi trifft Ende dieses Monats in Teheran ein.

Washington, 11. Febr. Staatssekretär Root und her französische Botschafter unterzeichneten gestern einen Schiedsvertrag für alle Differenzen, die zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten ent­stehen könnten. Dieser Vertrag wird dem amerikanischen Senat und dem französischen Parlament zur Sanktionie­rung unterbreitet werden.

Men Maschinengewehre anstelle unserer schweren und weniger praktischen Maximgewebre. .. . .

Eickhoff (Frs. Bvt.) bringt die Solinger Wassenmdustrie in Erinnerung, bic von den Behörden gestützt werden müßte.

Görcke (Natlib.) regt an, den akademisch gebildeten An­wärtern Erleichterung zu schaffen und ihnen für größere Ausfälle Remnnnerationen zu gewähren.

Sixt v. Arnim erflcrt, die int vorigen Jahre gemachte Zusage, für die Privatbeamtm eine GehatlSausbesserung herbei- zusülwen, sei bereits erfüllt worden. Auf die Bemerlang des Gencralleumant v. Liebert müsse er sich es versagen, auf die Vor­teile und Nachteile der einzelnen Systeme enrzugehen, um nmst eine Schädigung ber einzelnen Fabriken herbeizusühren. Er könne nur sagen, daß die Heeresverwaltung nach eingehenden Vrriuchen zu ihrem Modell gekommen sei. Er glaube bestimmt sagen zu können, daß die Verwaltung bei ihrem einmal gewählten System verbleiben werde. Wenn über vernachlässigtes Wohlwollen der Direktionen geklagt werde, so müsse er bitten, die vllnzelsälle anzuführen. Tie Wünsch ter Prwatindustrie gingen nachgerade soweit, daß es schließlich das Beste sei, Arbeüerentlaiiungen vorzunehmen oder Jnstüute überhaupt zu schließen. Tas Kapitel wird angenommen. . nr . 4

Sixr v. Arnim erklärt auf eine Anfrage des Werteren her Königsberg hätten die Arbeiten zur Entfestigur^ große Fort­schritte gemacht. Dagegen seien bei Danzig große Schwierigkeiten zu übeWinden. _

Die Neusovterung von 80003 Mark zur Schaffung von Kraftwagen wurde nach dem Vorschlag der Kommission bewilligt, ebem'o das ganze Kapitel. .

Der Rest ter fortdauernden Ausgaben wird bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben etilärt aus eine Anfrage Erzbergers ein Vertreter des Kciegsminisleriums, daß der Vertrag mit der Firma Mittler und Sohn rechtzeitig gekündigt und eine Sub­mission für leistungsfähige Firmen ausgeschrieben werten soll. Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Rest debattelos ge­nehmigt und ebenso der Rest des Etats.

Morgen 1 Uhr Fortsetzung der Beratung: Antrag Rtcyll hoferi betreffen!) Aeamtenyinteroliebenen-Versichermig und Antrag Schoenaich-CatDlath betreucnt> Automobilvertehr.

Schluß nach 61/» Uhr.

schreibt uns von geschätzter Seite: In einer Ihrer letzten Nummern war mit Recht darauf hingewiesen worden, daß die infolge einer gewissen Unterernährung entstandene Mili- täruntauglichkeit ländlicher Kreise in entern Zusammen­hänge stehe mit dem Anwachsen der Zahl der Molkereien, Wir sind der Ueberzeugung, daß dem Bauer jeder Nutzen und Vorteil zu gönnen ist, den er aus seinem Gewerbe ziehen kann. Wir freuen uns, daß er durch die Acolkereien ein gutes Absatzgebiet für seine Milch hat. Aber cs ist doch der Vorteil zu teuer erkauft, wenn die Volksgesundheit dadurch geschädigt würde. Ein Ausweg wäre und bei gutem Willen wäre das zu machen, wenn die Landwirte sich entschlössen, Sonntags nicht zu liefern und den Milch ertrag für den eigenen Haushalt zu ver­wenden. Das darf und kann sich jeder leisten. Zugleich wäre den Milchfuhrlcuten, die jahraus jahrein täglich sich und ihr Gespann abplagen, dazu noch die eigene Land­wirtschaft besorgen müssen, die Möglichkeit eines regel­mäßigen Ruhetages gegeben. Schon deshalb würde sich ein Versuch lohnen. Das Gesagte macht nicht den An­spruch, für alle Verhältnisse zu gelten. Es gilt aber sicher

Samstag bei dicht besektem Saale im Gambrüius sein. 53. Sttf- tungsfest. Als Gäste waren erschienen:, der Kriegerverein^ Turnverein, Gesangverein Eintracht Leihgestern (mit über 60 Mann'» und einige Herren vom Gesangverein toeitcrteit in G/ICbch. Der Vorsitzende hielt eine Ansprache mit einem Rückblick auf die Vorjahre mtb auf die Erfolge, die der Verein auf Wett­streiten errungen hatte: zum Schluß brachte er cm Hoch auf Kaiser und Großherzog aus, als die Förderer des deutlchen Mäirnergcsanges; alle Anwesenden stimmten begeistert ein. Im Programm kam eine Reihe vorzüglich vorgetragener Männer­chöre zur Ausführung, u. a.Tie Ehre Gottes aus der Nlttuü (Beethoven),Ich möchte fingen nur" (Dreischor, Richter),Ent­sagung" i Andre),Tes Kindes Sehnen" (Mitlicwtcz),<>u des Rheines Ufern" (Swllewcrv,Zwei Blümlein" (Pauli- rc. Nach­dem verschiedene Ehreitdiplome und dem Dirigenten ent kolt- barcs Geschenk überreicht war, trug der Gcsangoereiu Eintracht Leihgestern einige gut geschulte Lieder vor. Lehrer Buß hielt eine Ansprache, nzoriit er zur Pslege tes Volksliedes aussor- derte. Tann wechselten noch einige Couplets und Chöre, die mit lautem Beifall ausgenommen wurden.

Schotten, 10. Febr. Eine auffallende Erscheinung ist es, daß voriges Jahr in unserem Kreise der -Ty p h uS stark au ft rat, und zwar in den Orten Gonterskirchen, Schotten und Rudingshain. In Gonterskirchen erkrankten nach einer Hochzeit allein 39 Personen. Interessant ist es, daß in diesem Orte bereits 1865 eine schwere Typhusepidemie herrschte, von 136 Erkrankungen endeten 30 nut dem Tode. In Gedern brach voriges Jahr eine Scharlach-Epi­demie aus, es erkrankten 40 Personen. Die Influenza herrschte auffallend stark in Meiches, Diphtherie und Masern traten weniger heftig auf. Die Sterblichkeltsziffer ist trotzdem gering; es starben in 1907 im Kreise nur 421 Personen, denen 640 Geburten gegenüberstehen. Gerade die Gcbirgs- orte Breungeshain, Höckersdorf und Sichenhausen haben sehr hohe Sterblichkcitsziffcrn.

= L 0 rbach, 10. Febr. In den letzten Tagen ist hier ein Gesangverein ins Leben getreten, dem bereits 34 Mit­glieder beigetreten sind. Als Dirigent wurde der Musiker Jäger aus Himbach, der außer dem hiesigen noch mehrere Gesangvereine leitete, gewonnen. Das bereits für 1908 scsigesctzte Fahnenwcihfest des Kriegervercins wurde aus 1909 verschoben.

P. Schlitz, 11. Fevr. Ein nicht endenwollendev Trauerzug bewegte sich gestern durch die Straßen unserer Stadt. Von nah und |crn war man hcrgekommen, um dem so plötzlich verschiedenen Kammcrdirektor Korell aus Büdingen die letzte Ehre, zu erweisen. Unter Glocken­geläute setzte sich der Zug von der Poststraße aus in Be­wegung; vor dem Sarge marschierten die beiden Krieger- bereinc mit umflorten Fahnen, an der Spitze eine Ab­teilung mit Gewehren. Vom Sarge war vor Blumen nichts zu sehen. Ein fürstlicher Beamter trug bic Orden des Entschlafenen. Den nächsten Verwandten schloß sich ein nach Hunderten zählender Zug an, in dem man verschiedene Offiziere und höhere Forstbeamten bemerken könnte. Die Trauerrede hielt Dekan Schmidt von Schlitz; er hatte ihr den Text zugrunde gelegt:Wirket so lange es Tag ist, denn cs kommt die Nacht, da niemand wirken kann." In ergreifenden Worten schilderte er das arbeitS- und erfolg» reiche Leben des Heimgegangeneit, schwere Schicksalsschläge habe er erleben müssen durch den frühen Tod der Äcutter, ci)er jungen Gattin, des Vaters und jetzt, wo ihm nun "bald ein neues Glück blühen sollte (K. hatte sich vor kurzem mit einer Offizierswitwe verlobt) riß der Tod ihn selbst hinweg. Hierauf wurden mit entsprechenden Worten ca. 18 Kränze" niedergelegt; es würde zu weit führen, diese Nachrufe auch nur teilweise wiederzugeben. Jedenfalls war daraus zu ersehen, welch geschätzter Beamter und Berater, welch beliebter Kamerad und Kommilitone und welch humaner Vorgesetzter er war. Es lebten Kränze nieder: Ein Vertreter des fürstlichen Hauses, Exzellenz Genexalleutn. Hof im Namen des Kriege rv erb andoS Hassia, Hauptmann Giese int Namen des Ofsizierkorps vom Regiment Kaiser Wilhelm, Gießen, ein Offizier im Namen des Laudwehr- bezirlskommandos Friedberg, zwei Vertreter des Korps Hassia und des Köfener S. C., ferner Vertreter der Hypo­thekenbank Darmstadt, des Mathilhenstifts und der Kindcr- schule zu Büdingen, der Kreistag, der Sparkassenverband, der Kriegerverein Büdingen, die Eutspächtcr von Jsenburg- Büdingcu und die Stadt Büdingen. Eine Ehrensalve machte den Schluß der erhebenden Feier. Tas Andenken des Ver- Mchenen wird in seiner Vaterstadt nie erlöschen, und wir sind mit dem Herrn, der für das Mathildenstift redete, eines Sinnes, der das bekannte Wort zitierte:Wir haben einen guten Mann begraben, uns aber lvar er mehr." Möge der allzeit tätige, nun in der Heimaterde ferner Vaterstadt, von der sein verstorbener Schwiegervater Tieffenbach singt: Dort ruhen unsere Totcn im heimatlichen Sand, wir wollens treulich Pflegen und lieben unverwandt," in

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