Ausgabe 
12.3.1908 Erstes Blatt
 
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fct Nieder-Oymen; Marie Jäger aus Hirzenhain, 2o Jahre bt der Familie Max Sander in Darmstadt; Magdalene Kreß cnie Altenstadt, 25 Jahre bei Frau Ph. Jak- Mcholl Wtw. in Offenbach; Elisabeth Langlitz fcmS Burg-Gräfenrode, 30 Jahre bei Herrn Jakob Jacob in Burg-Gräfenrode; Elisabeth Mag old aus Bersrod, 25 Jahre bei Frau Justizrat Dr. Schwarz in Meßen; Elisabeth Rocker aus Deckenbach, 25 Jahre bei Herrn Gustav Preußer in Friedberg. Gesuche um Verleihung desGoldenen Kreuzes" zum 11. Mär z 19 09, Lenen eine Bescheinigung der zuständigen Bürgermeisterei ^oder Polizeibehörde beigefügt sein muß, aus der her- porgeht, daß die Bedingungen für die Verleihung des ^Goldenen Kreuzes" erfüllt sind, müssen bis längstens den 15. Februar k. Js. bei dem Oberkammerherrn Frei­herr Riedesel zu Eisenbach in Darmstadt eingereicht sein.

-Tageskalender für Donnerstag, 12. März, abends 8 Uhr in Neuen Saalbau: Zigeunerkonzcrt.

Freitag, 13. März, vormittags 9 Uhr, Losziehung Ler Militärpflichtigen, die in Gießen sich zur Musterung stellen mußten, in der Turnhalle des Turnvereins.

** Personalveränderungen im höheren lJustizdienst. Der langjährige Senatspräsident am Oderlandesgericht, Herm. Schäfer, tritt am 1. April in den Ruhestand. An seine Stelle tritt Landgerichtspräsr- L^ent Kull mann aus Gießen. Nachfolger von Kull- mann wird Landgerichtsbirektor Güngerich in Darm­stadt, der durch Landgerichtsdirektor Dr. Zimmermann in Darmstadt ersetzt werden wird.

* * Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten 'lHch. Ham mann aus Biebesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bad Nauheim.

* * Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß- Steiuheim.

-Die hessische Handwerker-Zentralgenossen- sschaft, die in Form einer Aktiengesellschaft gegründet worden ist, hat soeben ihren vierten Geschäftsbericht veröffentlicht, woraus hervorgeht, daß sich das Unternehmen in jeder Hin­sicht gut entwickelt. Aktionäre sind der Staat, die Handwerks- skammer, der Landesgewerbeoerein und eine Anzahl von Hand­werksmeistern. Der Umsatz auf Warenkonto erreichte die Höhe won 151,859 Mk. gegen 147,092 Mk. im Vorjahre, obgleich (in diesem Jahre von dem gemeinsamen Benzinbezuge, der sich im Vorjahre auf 19 000 Mk. bezifferte, ganz abgesehen werden mußte. Es sind also fast über 24 000 Mk. mehr an Maschinen, Geräten und Werkzeugen abgesetzt worden. Das (Nettoerträgnis stellt sich auf 10493 Mk. Das Betriebskapital '(Staatsdarlehen und gezeichnetes Aktienkapital) beträgt 200 000 Mark.

An der Großh. Turnlehrerbildungsan st alt jin Darmstadt findet vom 30. März bis 18. April unter ^Leitung des Großh. Turninspektors ein Unterweisungs-Kursus un Mädchenturnen statt, der zunächst - für Handarbeits­lehrerinnen bestimmt ist. Auch andere Damen, die sich für diesen Zweig der Turnkunst interessieren, können sich betei­ligen. Der Zentralausschuß für Volks- und Jugendspielc in Deutschland veranstaltet zur Zeit statistische Erheb­ungen über die Ausdehnung der drei wesentlichsten Gebiete der Leibesübungen in freier Luft (Spiele, Schwimmen und Eislauf).

** FrankfurterOberdessen" in Gießen. «Wie man uns mitteilt, beabsichtigt die Sektion Frankfurt des LZogelsberger Höhenklubs, die im vorigen Jahr gegründet Wurde und jetzt schon über 200 Mitglieder zählt, am nächsten Sonntag unserer Stadt einen Besuch abzustatten. Die Sek- tion veranstaltet einen Ausflug von Münzenberg über Kloster Arnsburg und den Schifseuberg (Ankunft etwa um 1/28 Uhr, Abmarsch Uhr) nach Gießen, woselbst int Hotel Einhorn tettoa um 5 Uhr Einkehr gehalten werden soll, um in Ge­meinschaft mit hiesigen Freunden des Vogelsbergs einige Stunden zu verleben. Da der Sektion viele Oberhessen und jauch Gießener angehören, wird für manchen Gelegenheit sgeboten sein, alte Bekannte begrüßen zu tonnen. Die Frank­furter Landsleute würden eine Beteiligung hiesiger Wander- freunde bei dem Ausflug oder dem geselligen Zusammensein Nrit Freude begrüßen.

** D i c t e ch n i s ch e n P r i v a t a n g e st e l l t e il haben 1907 eifrig an dem Ausbau ihrer Organisation gearbeitet. Infolge­dessen konnte der Bund der technisch-industriellen Beamten Ende Oktober, nach kaum dreijährigem Bestehen, die Aufnahme des '10000. Mitgliedes verkünden. In den beiden letzten Monaten hat der Bund noch 1000 neue Mitglieder geworben, so daß er das Jahr 1908 mit 11000 Mitgliedern beginnt. 11 000 Mitglieder jin Zr/2 Jahren, dieser Erfolg dürfte seine Erklärung neben der >er^eugungskraft des sozialpolitischen Programms wohl in der Tatsache finden, daß der Bund versucht hat, alle technischen An­gestellten ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung und ohne Ansehung der Branchen zusammenzuschließen. Zum ersten Male haben sich hier Ingenieure und Techniker mit Ehcmikern, Architekten und Grubenbeamten zu gemeinsamer Arbeit zusommengefunden, und dabei sind neben den jüngsten Angestellten leitende Beamte ver­treten. Der Vorbildung nach dürften die Mitglieder des Bundes fast zur Hälfte akademische Lehranstalten besucht haben, wahrend die übrigen aus technischen Mittelschulen oder direkt aus der Werkstatt hervorgegangen sind. Dem Mitgliederzuwachs ent­sprechend hat sich die Zahl der Verwaltungsstellen im verflossenen Jahr beinahe verdoppelt. Während der Bund Ende 1906 erst 68 Verwaltungsstellen hatte, verfügte er am 31. Dezember über 78 Ortsgruppen und 34 Zahlstellen, das sind zusammen 112 Verwaltungsstellen. Tie größte davon ist Berlin mit 3461 Mit­gliedern, danach kommen Frankfurt a. M. und Köln mit je rund 500 Mitgliedern. Am Samstag, 14. ds. Mts., veranstaltet der Bund auch am hiesigen Orte einen öffentlichen Vortragsabend, zu dem alle technischen Privatangestellten, als Architekten, Che­miker, Ingenieure und Techniker erscheinen sollten, um so ihr Interesse an dem aktuellen Thema kundzugeben. Alles Nähere ersehe man aus dem Inseratenteile.

** Die alljährliche Passionsaufführung des Evang. Kirchen ge sa n g ve r eins wird am Sonn­tag, 22. März, abends 6 Uhr, stattfinden. Außer einer sehr interessanten neuen Choralkantate von Max Reger, Meinen Jesum laß ich nicht", wird dabei I. Hahdn's berühmtes Werk:Die sieben Worte am Kreuz", das hier seit 35 Jahren nicht gehört worden ist, zur Aufführuttg gebracht werden.

** Wer hilft? Wir erhalten jclgenbe Zuschrift: Au meine Bitte für die schwer notleidendett Deut­schen an der Wolga, und besonders für die Durchfüh­rung ihrer Wiederansiedelung in Deutschland sind mir fol­gende Gaben zugegangen: Von B. 2 Hs 2 Mi'., Es 1 Mk., S. 3 Mk. Ich ntöchte gerne mit einem etwas größeren Betrag kommen, und erneuere daher meine Bitte.

D. Schlosser.

** Der Konfirmationstermin. Man schreibt .'lind vom Lande: Im vorigen Jahre hat man in vielen Kirchspielen die seither auf Pfingsten stattfindende Kon-

fiümation auf Ostern d. h. acht Ta^e nach Ostern verlegt. Diese Verlegung rechtfertigt der Schluß des ^Schuljahres acht Tage vor Ostern in erziehlich-sittlicher Hinsicht und in praktisch-sozialer Richtung. In letzterer Beziehung ist aber die Verlegung der Konfirmation nach Ostern unan­gebracht, weil sie den Eltern der Konfirmanden doppelte Kosten verursacht, die bei den neuerdings immer größer werdenden Konfirniationsfeiern keineswegs unerheblich sind. Die Stichhaltigkeit kirchlicher Gründe, statt dem zweiten Ostertag den Sonntag nach Ostern nt nehmen, kann nicht maßgebend sein, da die Bedeutung des Pfingstfestes durch die Konfirmation am zweiten Pfingstfeiertage niemals ge­litten, wie das auch niemals der Fall sein würde mit dem Osterfest durch die mit chm verbundene Konfirmation. Wohl aber leidet letzterer festlicher Charakter, weihevolle Stim­mung und hehre Bedeutung durch eine Verlegung nach dem Osterfeste, wie das vorige Jahr klar dargetan. Mithin ist der zweite Ostertag als Konfirmationstag in weltlicher wie kirchlicher Beziehung der bessere.

** Kriegerverein. In der am Dienstag abgehaltenen Monats V ersammlung sprach Lehrer Ke il- Klein-Linden Über die Lehrer fahrt, die er gemeinsam mit etwa 300 deut- chen Lehren im Juli v. I. an die Wa sser kante unternahm. Mit einer Rundfahrt iinl Hamburger Hafen begann dte eigentliche Studienreise, rvobei den Lehrern em Anschauungsunterricht geboten wurde, wie er besser und übersichtlicher kaum geboten werden konnte. Ein Sonderzug brachte dann die Lehrer nach Kiel. Hier erregten die im Hasen. liegenden deutschen Kriegsschiffe, von denen eins besucht wurde, große Bewunderung, während bei der Werftbesichtig­ung die Teilnehmer einen Einblick in deit Werdegang eines deutschen Kriegsschiffes bekamen. An die Kieler Tage schloß sich eine Vcr- .gnügungsfahrt nach Helgoland an, die wohl bei manchem, der auf dieser Fahrt des Meeresgottes Tücke kennen lernte, in nicht gerade angenehmer Erinnerung sein wird. Jedoch wurde man durch die herrliche Lage der Insel und das dort Gesehene für die über­standenen Strapazen reichlich entschädigt. Eine Fahrt nach Bremen bildete den Abschluß dieser zweiten dentscljen Lehrerfahrt. Mit den Worten:Sein Vaterland sehen, heißt cs noch mehr lieben lernen" schloß der Redner seinen interessanten Vortrag, der den lebhaften Beifall der Zuhörer fand. Danach kamen noch einige geschäflliche An gelegensten zur Erledigung, u. a. wurde auch aus die Sterbekasse derHassia" hingewiesen und der Beitritt zu dieser Kasse allen Mitgli^ern warm empfohlen. Nachdem noch Herr Well im Anschluß an den Todestag Kaiser Wilhelms I. (9. März) des deutschen Vaterlandes gedacht hatte, schloß der 2. Vorsitzende, Karn Dickork, mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog die sehr anregende Versammlung.

** Von der Eisenbahn. Die den größeren Teil der nördlichen Strecke der Oberhessischen Bahnen, die Linie Fulda Burg- und Nieder-Gemündcn, sowie die Ohmtal-Bahn u. a. verwaltende König!. Eisenbahn - Betriebsinspektiou Fulda II wird, Blättermeldungen zufolge, am l.Jttli d. I. nach Lauterbach verlegt werden.

** Internationale Hunde-Ausstellttng. Der Verein Httndesport für Gießen und Umgegend veranstaltet für Sonntag, 26. April d. I., in der räumlich ausgedehnten ehemaligen Faßhalle der Aktienbrauerei auf dem Seltersberg eine Ausstellung von Hunden aller Rassen, die von allen Spezial-Klubs anerkannt worden ist.

** <Die Ausführung des Taunusrennbahn­projekts ist wie folgt gedacht: DaS Planum in gerader Strecke ist auf zehn Meter festgesetzt und als Trennung für Hin- und Rückfahrt ein Wall von 1 Meter gewählt. Die Länge beträgt genau 50 Kilometer, in der Achse von der Straße gemessen. Als Befestigung wurde die übliche Straßcn- bauform im Taunus gewählt. Steinpackung mit Quarzit oder Basaltkleinschlag. Eine lange Strecke ist mit 8 t>. H. Steigung, eine kurze mit 1012 v. H. geplant. Alle Tri- büncnanlagen werden konzentriert auf einen Platz von 3040 Morgen. Für Garagen 'und Reparaturen ist eine andere Stelle, voraussichtlich die südliche Schleife, vorgesehen. Die Bahn wird vorläufig mit Stacheldraht eingezäunt, später mit lebender Hecke.

Allendorf a. b. Lda., 11. März. Wie bereits gemeldet, hält der Kriegeroerein am 12. und 13. Juli l.J. das B ez i rk s k r i e g e r- s e st des Bezirks Gießen der KriegcrkameradschastHassia" hier ab. Er verbindet bannt bie Feier seines 2 5jährigen Bestehens. Aus biesem Anlaß wirb ihm bie vom Kaiser gestiftete Fahnen-- schleife verliehen. Es ist also ein breifacher Ehrentag, ben der Verein am 12. Juli begeht. Man klagt nicht ganz mit Unrecht über unsere an Festen so reiche Zett. Aber Feste müssen sein, schon um ein Gegengewicht zu schaffen gegen bie Mühsalen bes Lebens und ben Menschen für einige Zeit dem schweren Kampf ums Dasein ni entrücken. Doch schadet auch hier ein Zuviel. Man muß einem Fest immer ein freudiges Ereignis oder einen idealen Zweck zu Grunde legen. Gerade aus letzterem leiten nun unsere Kriegerfeste ihre Berechtigung ab, wo dös erstere hrnzukommt, da gibt es einen guten Klang. Rationale Gesinnung, Vaterlandsliebe pflegen unsere Kriegervereine, Begeisterung sollen ihre Feste erwecken. Und wer ginge wohl zu einem Kriegerfeste, ohne daß ihm jene glorreiche Zeit von 1870/71 wieder vor Augen stände, ohne etwas zu ahnen von der Größe seines Vaterlandes? Und wer wollte nicht ein ganz klein wenig danken dem, der uns diese Feste in Ruhe feiern laßt, unserem Friedensfürsten Kaiser Wilhelm II. ?

= Stockhausen, 11. März. Im hiesigen Eisenstein­bergwerk trug der Bergmann Rück von hier einen ernsten Unfall durch den Abfall von Erdmassen davon. Ihm wurde der linke Oberschenkel zerquetscht und innere Ver­letzungen zugefügt.

Friedberg, 8. März. Ein Kriegerfest wird am 4., 5. und 6. Juli hier auf der Seewiese stattfinden. Der neue Artillerie- und Pionier-Verein begeht nämlich sein Fahnenweihfest. Da der Verein dem Kriegerbund Hassia angehört, so ist ein starker Besuch zu erwarten.

O Lanbach, 10. Mürz. Aufs neue ist von einem ab scylägigenBe scheid zu melden, dep die Kgl. Eisen­bahndirektion einer Eingabe der hiesigen Bürger­meisterei und vielen Geschäftsleuten zuteil werden ließ. Es handelte sich um Früherlegung des ersten Zuges nach Mücke, um dort den 15 Minuten früher dort nach Alsfeld abgehenden Zug zu erreichen, da jetzt jedesmal eine 23 stündige Wartezeit dort erforderlich ist. Als Gründe für die Ablehnung wird die geringe Zahl ber Uebergangs- reisenden in Mücke angegeben. Diese entzieht sich jedoch der Beurteilung der Direktion, da die bei dem Kreisbauamt oder der Amtsanwaltschaft in Alsfeld Verkehrenden zu Fuß oder Wagen die 6 Kilometer entfernte Station Grünberg zu erreichen suchen, was sie der Eisenbahnfahrt nach Mücke und den mehrstündigen Aufenthalt dort vorziehen. Die übrigen angeführten Gründe bezeugen recht deutlich den Mangel des guten Willens, uns wenigstens einmal den Anschluß in Mücke in der Richtung nach Alsfeld zu ver­schaffen. Die geäußerten Bedenken lauten: 1- Verlängerung oes Aufenthalts für die nach Gießen verkehrenden Passagiere um 20 Minuten, was will dies bedeuten gegenüber einer 2 bis 3 stündigen Wartezeit nach der anderen Richtung? 2. Früherlegung der Morgenzüge um 15 Minuten von Bü­dingen, von Friedberg, von Gießen aus, letzteres um die Kreuzung in Lich beizubehalten. Sehr leicht ließe sich diese ermöglichen, da diese genannten Frühzüge nirgends mit

den Mgangszelten anderer Züge kollidieren. Das andere Gesuch Betraf die Weiterführung des Zuges 1060 nach Lau­bach und zurück; es wurde mit der Begründung abgelehnt, daß die Zeit von 62 Minuten nicht ausreiche, um einen Zug von Hungen nach Laubach und zurückzuführen. Nun befahrt Zug 1065 diese Strecke in 27 Minuten, diese Zeit verdoppelt in 54 Minuten; da wirft sich die Frage auf: ©inb die reftierenben acht Minuten nicht hinreichend, um einen Zug in Laubach ivcnden zu lassen? Da sämtliche Gründe nicht stichhaltig sind, hat der hiesige Ver­treter der Handelskammer um eine Unterredung bei der Direktion nachgesucht.

Ortenberg, 11. März. Dem Lehrer Schmidt in dem nahen Usenborn wurde das Patent als Leutnant der Reserve gestern zugestcllt. Vor einigen Jahren diente er beim Hess. Jnf.-Regt. Nr. 115 zu Darmstadt.

k. Grebenhain, 10. März. Hier wurde vom 7. bis 9. März das Fe st spielDer deutsch-französische Krieg von 1870/71" im Faitzschen Saale aufgeführt. Wenn auch unter der ungünstigen Witterung der Besuch zu leiden hatte, so ward mit der Aufführung dennoch ein voller Erfolg, auch in finanzieller Beziehung erzielt. Sichtlich wirkte die Darstellung auf die Zuschauer irnb rauschender Beifall belohnte stets die über 60 Mitwirkenden, die mit tiefem Verständnis und vollster Hingabe sich mit ihrer an­spruchsvollen Aufgabe allzusinden wußten. Nur durch den ivundervotten, auch architektonisch hervorragenden Saal mit großer, den neuzeitlichen Anforderungen gerecht werden- der eingebauter Bühne war die trefflich gelungene Auf- führung möglich. Am besten besucht war die Schülervor­stellung von gestern nachmittag, zu der sich 395 Schüler und über 100 Erwachsene, also im ganzen 500 Personen, ein­gesunden hatten. Von dem Reinertrag ist die Hälfte mit 147 Mk. ber Kasse bes hiesigen Kriegervereins zugefühtt worden. Die Leitung des Festspiels war den bewährtev Händen des Direktors Fiori anvertraut.

§AusdemOhmtal,11. März. Wie sonst im Herbste, so ist gegenwärtig das Ohmtal in einen See verwandelt Die Ohm ist über ihre Ufer getreten, und brausend wälzen sich die Wassermassen den Brüdern zu, die nicht alle die Wassermassen fassen können. Das benachbarte Felda- und Seental ist gleiuifalls überschwemmt. Die Mühlen haben so starke Ueberwasser, daß sie die Wassermassen vor den Wehren hemmen müssen.

A u s d e m V 0 g e 1 s b e r g, 11. Vttirz- Das nun schon im zweiten Monat anhaltend dauernde Sudelwetter hat in seinem Gefolge die Influenza. In den Dörfern und Landstädtchen befinden sich viele Kranke, die davon be­fallen find. Die Aerzte sind vollauf beschäftigt. In man­chen Talorten, wie z. B. Homberg a. O., genügen kaum zwei Aerzte, um den Kranken zu genügen. Das naßkalte Wetter begünstigt die Krankheit sehr.

V Vom Vogelsberg, 11. März. Bei den gegen­wärtigen Holzversteigerungen herrschen auffallend hohe Preise; so wurden 111 der Gegend von Grebenhain und Bermuthshain für Buchenscheityolz pro Meter 7 bis 8 Mk. bezahlt, während man vor etwa 58 Jahren da­für fast zwei Meter erhielt. In den ausgedehnten Wal­dungen zwischen Schotten und Laubach jmb die Preise für Buchenscheitholz noch höher, es kostet ber Meter 8.50 bis 9.50 Mk- Die Waldungen werfen seit Erbauung der Vogelsberger Bahnstrecken bedeutend höhere Preise für die Gemeinden ab. Auch das Bauholz ift beträchtlich im Preise gestiegen.

Offenbach, 11. März- Eine gefährliche Explo­sion erfolgte heute vormittag 1/211 Uhr in der Metall- roarenfabrif von P. Schlesinger. In der Fabrik steht in einem glasüberdeckten Arbeitsraum ein mit eisernen Türen verschlossener großer Ofen zum Trocknen von Zelluloid. Die sehr feuergefährliche Masse geriet nun aus bisher völlig unaufgeklärter Ursache in Brand, so daß durch den gewalttgen Druck die Türen gesprengt wurden und ungeheure Stichflammen aus dem Ofen schlugen. Die in der Nähe befindlichen Arbeiter konnten sich glücklicherweise durch eiligste Flucht retten. Das Zelluloid war natürlich in wenigen Sekunden verbrannt, aber unterdessen hatten bereits die 5)vlzwände, Türfüllungen usw. Feuer gefangen, welches jedoch von den Arbeitern durch reichliches Wasser- gießen bald gelöscht werden konnte.

Wetzlar, 11. März. Gestern abend sand hier eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung der freisinni­gen Volkspartei statt, in Der der Vereinsvorsitzende Fabrikant Leitz, Parteisekretär Schwarz-Frankfurt und Reichstagsabg. Kopsch sprachen; an der Diskussion beteiligte sich nur der sozialdemokratische Reichstagskandidat Kremser- Frankfurt. Folgende Resolution sand An* nähme:Die heutige, vom Verein der Freisinnigen Bolks- partei für den Kreis Wetzlar einberufene öffentliche Ver­sammlung im Schützengarten zu Wetzlar bedauert die vom Fürsten Bülow am 10. Januar 1908 im preußischen Abgeord­netenhaus abgegebene Erklärung zu dem von den freifinnv gen Fraktionen eingebrachten Antrag auf Einführung des Reichstagslvahlrechts in Preußen als im Widerspruch stehend mit der Zusage, mehr als bisher liberalen Anschauungen Rechnung zu tragen. Sie erwartet von der Frakttons' gemeinscyaft der freifinnigen Parteien im Reichstag und m preußischen Landtag, daß sie auch ferner mit allem Nachdrua für die Einführung des allgemeinen, gleichen, ge­heimen und direkten Wahlrechts in Preußen eintreten und alle verfas s un gsmäßigenMitte 1 an - wenden wird, um die Zwingburg des Dreiklassenwahb rechts zu Fall zu bringen. Sie fordert die freiheitlich ge­sinnten Wähler auf, bei den bevorstehcmden Landlagswahlen alle Kräfte einzusetzen, um Männer in das preußische Ab- ^eordinetenhaus zu entsenden, bie für eine grundlegende Reform des ungerechten und veralleten Landtagswahlrechts eintreten."

]] Marburg, 9. März. Die Eisenbahnverwaltung beabsichtigt jetzt, langjährigen Wünschen entsprechend, am Südbahnhof eine Heberführung anzulegen nm gleichzeitig eine Güterabfertigungsstelle bort z errichten. Stadt und Kreis ist bereits um freie des Geländes angegangen worden. (Merkwürdig daß die Eisenbahnverwaltung dem Marburger Suo bahnhof so viel Interesse und Wohlwollen entgegenbrmgl. während sie sich beim geplanten Gießener Nordbahnhof ] passiv verhält. Red.) Der Voranschlag des Ärei» Haushalts beläuft sich auf 314 494 Mk. ,

s. Aus benx Ebsdorser Grund, 11. März. Dc. seltene Fall, baß eine Braut mit Hilfe von Gendarmei von dem Bräutigam geholt luirb, ereignete sich 9^ unweit von Ebsdorf. Ein Gutsbesitzer wollte nicht zugeben daß seine Tochter feinen früheren Verwalter, einen jungem Mann aus Westphalen, heirate. Kürzlich reiste das Mädchcl heimlich zu seinem Bräutigam, wurde aber mit Hilfe dc. Polizei wieder zurückgeholt. Der Bräutigam machte es gestern