Ausgabe 
11.11.1908 Drittes Blatt
 
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Mg. Dr. P-üsche

kcanrrayi ti« Yespreckung der Jnterpellatioven.

Die Besprechung wird einstimmig bcschlost.n. } -

/ Abg. Frhr. v. Heriliug ^Zr:.),

nr ®er*aftlorbnuM: Ich halte <5 für unmoalt^, fc*?f in die Zc» fprcd'iir-g Dct Jnrerp<li.^?nen cinzulrelen, etje imr Kn Wortlaut der Aeußerungen veö ReichLkalizleri- tn Här-den haben. Ich bcar.* trage daher, jetzt die Lihung zu vertagen.

Für den Antrag stimmen Zentrum. Voten und Sozialdemo- traten, und einige wenige Mitglieder der freisinnigen Parteien und der Reichövartei. Tas tfuieau bleibt znniselhasr. T-ie Ad' stimmung must durch Hammelsprung wicorrholi w-rden. <Zit ergibt die Ablehnung des VertagungsanlcagcS mit 170 gegen 167 Stimmen.

In der Besprechung der I n t e r p e l I a r i o n e n er- hält das Wort

Llbg. Frhr. von Hertling (Ztr.):

Bestimmend für meinen Vertagungsantrag war die, Tatsache, daß ich es für außerordentlich schwierig hielt, die Erklärung des Reichskanzlers genau mit dem zu vergleichen. waS imDaüy Telegraph" gestanden hat, und von dem wir bisher glaubten, datz es authentisch war. Nachdem unS durch die Erklärung des ReichS- kanzlers diese Basis zu einem Teil entzogen worden ist, glaube ich. war es richtiger, die Vertagung auf morgen zu beschließen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Nachdem dies nicht geschehen ist, werde ich so tun, als ob die Erklärung des Reichskanzlers noch nicht abgegeben wäre. (Lautes Gelächter rechts und bei den Nationalliberalen.) Auch ich bin der Meinung, daß. wenn wir die Aeußerungen des Kaisers jetzt nicht imDaily Telegraph" ge­lesen hätten, wir sie bei einer anderen Gelegenheit erfahren hätten. Die unglückselige Verkettung von Um­ständen, die zu der Veröffentlichung geführt hat, beklagen wir auf das Hoffte. Immerhin nach ich sagen, da tz s o etwas nicht vorkommen darf. (Sehr richtig! im Zentrum.) Es ist unS deshalb auch nicht damit gedient, daß etwa ein Herr aus dem Auswärtigen Amt als Sündenbock in die Wüste geschickt wird. (Sehr richtig! im Zentrum.) Ich bin weiter der Meinung, daß der Reichskanzler die Interpellationen, auch die konservative, nicht richtig beantwortet hat. Zugestehen will ich ihm, daß er nach der Veröffentlichung die einzig richtige Konsequenz zog und seine Demission einreichte. Das war durchaus korrekt, und diese Angelegenheit ist deshalb für uns erledigt. Viel wichtiger sind für uns die veröffentlichten Tatsachen selbst. Ter heutige Tag ist ein Marksiein in der parlamentarischen Ge­schichte Deutschlands. Noch niemals ist der alte gute Brauch, die Person des Kaisers nicht in die Debatte zu ziehen, ist die Ansicht, wonach die Kritik vor der Allerhöchsten Person Halt zu machen habe, so vollkommen außer acht gelasien worden, wie heute. (Sehr richtig!) Wer, wie ich, den Wert einer an­gestammten Dynastie zu schätzen weiß, wer, wie ich, zur Monarchie steht, für den ist die Zwamislage, m der wir uns heute befinden, eine überaus unglückliche und beklagens, werte, aber ist eben, eine Zwangslage. Die Tage des französischen Sonnenkönigs und die Tage der englischen Stuarts liegen längst hinter uns Heute in der modernen Welt muß der Träger der höchsten Mackt es sich gefallen lasten, von der Volksvertretung einer Kritik unterzogen zu werden, wenn er mit feinen Handlungen dazu Anlaß gibt. So schmerzlich mir der h e u t i g e T a g i st, so bestimmt hoffe idh, daß solche Vorgänge nicht wiederkehren. (Na. na!) D'e gefährliche Situation, in der wir uns befinden, ist durch die Veroffent- lidmng imDaily Telegraph" wie durch einen grellen Blitz be­leuchtet worden. W'r sind nicht einverstanden damit, was der Kaiser gesagt hat und wir wollen auch nicht, daß seine Worte als die Ziele der deutschen Politik im Auslande angesehen werden. (Sehr richtig! im Zenirnm.) Es ist einfach nicht wahr, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes nicht englandfreundlich sei, und ich Hobe früher 'chon einmal ausaerührt, daß ich es mir gar nicht denken kann, daß zwischen zwei stammverwandten Reichen, wie England und Deutschland, auf die Dauer ernstliche Verstim­mungen vorhanden sein können. Tie englischen Historiker, die im August den internationalen Historikerkongreß in Berlin beiuckt haben, haben ihren Landsleuten erzählen können, welch herzliche Aufnahme sie bei den deutschen Gelehrten gefunden haben. Die Ueberfenbunfl des Feldzugsplans nach England hat der Reichs- kanzler dadurch zu entschuldigen gesucht, daß er diesen Plan als eine möglichst harmlose Sache hinzustellen suchte. Für uns bleibt aber auch, gesetzt, daß cs richtig, die Frage übrig, wie öS kam. daß der D'ut'che Kaiser sich in dieser Weise in einen Gegen­satz zu seinem Volke setzen konnte. (Sehr richtig! im Zentrum.) Die Mitteilung der Absichten Rußlands und Frankreichs an Eng­land beklagen wir aufs tiefste.

Selbst wenn der Wortlaut der Mitteilungen desDaily Telegraph" wirklich nicht ganz korrekt ist, so wird der Reichskanz­ler doch nicht in Abrede stellen, daß sie einen K c rn b e r e ch t i g - tenErstaunens enthalten. (Sehr richtig!) Es war zweifel­los nicht die Absicht des Kaisers, Mißtrauen zwischenEngland und Frankreich oder England und Rußland zu säen. Seine Absicht ift hier falsch gedeutet worden. Wäre sie es gewesen, so würde sie in schroffstem Widerspruch stehen Zu der Erklärung, die uns hier der Reichskanzler gegeben hat, daß wir nicht daran denken, uns zwischen England und Frankreich oder England und Rußland ein» mischen zu wollen. Mir dieser Erklärung des Reichskanzlers waren wir einverstanden. Und Sie begreifen das Erstaunen des Aus­landes. wenn es demgegenüber die Aeußeningen des Kaisers liest. Auch bezüglich Ostasiens ist es nicht unerklärlich, wenn die Worte des Kaisers Beunruhigung hervorgerufen haben, denn sie erinnern uns daran, daß der Kaiser auch früher schon auf d i e ge l b e Ge­fahr hingewiesen hat. (Sehr richtig!) Ta ist es nicht zu ver­wundern, daß man die fetzigen Worte mit jenen früheren Kund­gebungen in Zusammenhang gebracht hat. Nun kann es ja fein, daß einmal in ferner Zukunft von einer gelben. Gefahr gegenüber Europa gesprochen werden könnte. Aber eS liegt doch keine akute Möglichkeit vor und ich muß mich im Namen meiner Freunde dagegen verwahren, als ob wir für die Flottenvermehrung mit Rücksicht auf solche möglichen künftigen Verwickelungen ge­stimmt hätten. Diese Auffassung steht in schreiendem Widerspruch zu alledem, waS uns zur Begründung der Flottenvorlagen gesagt ist. Wäre uns das genannte Ziel unter den Gründen mit aufge- führt worden so würden meine Freunde niemals für den Ausbau der Flotte gestimmt haben. Am 25. Mai hat der frühere japanische Boischafter darauf hingewiesen, daß die frühere Trübung des Ver- hältnisies zwischen Japan und Deutschland beseitigt worden fei, daß man sich überzeugt habe, daß Deutschland lediglich die offene Tür in O st a s i e n suche. Diese Aeußerung des )ava- nischen Staatsmannes war die Antwort auf die gleichartige Er­klärung des Reichskanzlers. Wir wollen hoffen und wünschen, daß auch die Worte des Kaisers den friedlichen Ausbau der guten Be­ziehungen zwischen Deutschland und Japan nicht trüben mögen. Was die Mitteilungen desDaily Telegraph" besonders bemer­kenswert machte, war der Umstand, daß wir uns sagen mußten: Nun sehen wir endlich den Grund für das unbe­greifliche Mißtrauen des Auslandes unserer Politik gegenüber. Dieser Grund ist eben die scheinbare Zwiespältigkeit zwischen dem Reichskanzler und anderen autori­tativen Stellen. Wir haben oft von der Einkreisungspolitik Eng- lands sprechen Horen. Jetzt haben wir den Eindruck, als ob wir selbst eine Abstoßungspolitik getrieben haben, die uns Gegnerschaft eingetragen hat. (Sehr wahr I im Ztr.) Deutschland

:fi eine ®tm?e V?achi, die stch auf ein gutes Schwert stützt; ober a. rebe dies, Macht gellung «-adjt <8 no«we..d'g, daß alle impulsiven Aeutzerungen bairicoen werden sie das Vertrauen z.i ihm et- schüttem fciuucn. (Sehr r.ch.ig! im Zent um.) Auf bic Fragt, was "rer R-.icyLkanzler zu U.t ü-d-.ckt, mt ;ol V-* Vorlommmsicn künftig tof.hbeugcn, fjebe id* aus fetter Rede keine rechte 21 n t io o r I becauSg«-hort. ('«er-hisle Zust.mmn.'r ) ES tut not, daß wir auf das koi sutut'.onclle StautSl. ckr zu-»ckg-tifen; wir tön» nrn bm Kaiser nickt vcrantwoitl'ch maa)<.n, verantwortlich ih allein d < e R e i ch S ! a n r! e r. Die Ministetv-rantwort- Ijchck-.it tft die Formel, durch d - taj moderne Staettsre-Ht daS eigene Reckt des Monarchen m Etn'lang bringt mit den verfasiiingS- mäßigen Rechten, auf die etn mündiges Volk niemals verzichten kann. Deshalb dürfen nur folwe Handlungen des Monarchen staatsrechtliche Tiazwene heute besitzen, die von dem verantwort­lichen Mrn-ster bi. Unterschrift gedeckt sind. Die Ministerverant- wortlicvkeit hat aber auch oen Sinn, daß der Minister sagen kann: Bis hierher und nicht weiter (L'bhasie Zustimmung). und daß der Monarch dadurch genötigt w rd, andere Dahnen einzuschlagen. Wir wissen, daß der Reichskanzler tn wiederholten Fällen in der lonal- ften Weise diese Verantwortung übernommen hat. neben der für. mellen Verantwortlichkeit gäbe eS auch eine moralisdie, und daß ein dieser moralischen Verantwortlichkeit bewußter Reichskanzler (ei­nen An stand nehmen dürste, von seinem Amte zurückzutreten, wenn er das Reich dauernd schädigende Dinge nicht verhindern kann. (Hört! Hört!)

Auch nach den heutigen Erklärungen des Reichskanzlers muß ich annehmen, daß von den Mitteilungen desDaily Telegraph immer noch Dinge übrig bleiben, die auch von ihm nicht gebilligt werden. Ich nehme auch an, daß fein EntlassungSgefuch nickt er- folgt ist wegen der Veröffentlichung an sich, sondern im anderen Sinne. Tie Einlegung dieser Demission war der Moment, wo der Reichskanzler in der Lage war, das ganze Gewicht seiner Person- lickikeit einzusetzen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich will hoffen, daß der Reichskan-ler von feiner Stellung Gebrauch gemacht hat. Gegenüber der Ablehnung eines solchen Temisiionsgesuches ver­bleibt als einzige Möglichkeit, länger im Amte zu bleiben, für einen Reichskanzler nur der Umstand, daß er dieses weitere Ver­bleiben im Amte an bestimmte Voraussetzungen bindet. (Leb- haste Zustimmung.) Der Reichskanzler hat uns heute nur gesagt, daß der Kaiser von der Schädlichkeit der Veröffentlichungen über­zeugt fei und sich ähnlicher Aeußerungen enthalten werde. Ich weiß n i d) t, ob b ü § genug i ft. Ich weiß nicht, ob der Reichskanzler, als ihm der Kaiser, diese Zusicherung gab, die und die ganz bestimmten Garantien für die Zukunft gefordert hat. Wir haben nicht gehört, was geschehen ist, wir haben aber auch darüber sehr wenig gehört, was für die Zukunft geschehen soll, um solchen Dingen vor?nbeugen. (Sehr richtig! im Zentrum.)

Ich bin der Meinung, daß es sich in den Hohen, wo es sich um das Verhältnis vom Kaiser zum Kanzler handelt, nicht um neue Paragraphen handeln kann, sondern um die ?lenberunfl des Verhältnisses von Person zu Person WaS das deutsche Volk verlangen kann, ist. daß der Reichskanzler das ganze Gewicht seiner Stellung einsetzt, um ähnlichen Vorkomm, nisten vorzubeuaen. Redner verliest sodann eine Erklär u n g seiner Fraktion, in der es heißt:wenn in der Ver­öffentlichung desDaily Telegraph" gesagt sei, die Stimmung des deutschen Volkes sei gegen Deutschland unsreundlich, so be- ruhe diese Tatsache auf mangelnder Information. Die Zen­trumsfraktion hoffe., daß der Reichskanzler daS ganze Gewicht feiner Stellung einfetze, um ähnliche Kundgebungen von poli­tischer Tragweite zu verhindern. DaS Zentrum erkenne die aus den Frieden gerichtete Absicht deS Kaisers durchaus an, bedauere ober die Aeußerung. Die Bemerkung des Kaisers, daß die deutsche Flotte für ein Eingreifen im Stillen Ozean geschossen fei, stelle im Widerspruch mit den Angaben, die bei der Beratung deS Flottengcsctzes gemacht seien. Diese Bemerkung des Kaisers stelle eine ernste Gefahr dar. Aeußerungen wie die ver­öffentlichten feien geeignet, die staatsrechtliche Grundlage bes Reiches zu verschieben. Dadurch würden Zweifel an der föde­rativen und konstitutionellen Grundlage des Reiches erweckt. Für die Politik sei ausschließlich der Reichskanzler verantwortlich. Das Zentrum erwarte vom Reichskanzler, daß er dem Kaiser gegenüber denjenigen Einfluß zur Geltung bringe, ohne welchen die staatsrechtliche Verantwortung jede Bedeutung verliert. (Leb­hafter Beifall im Zentrum.)

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.):

Die Vorgänge, die wir hier besprechen, haben unser Volk geradezu aufgewühlt. Wir hätten unS gefreut, daß der Deutsche Reichstag in Ansehung der außerordentlichen Wichtigkeit der Fra­gen eine besonders feierliche Form gefunden hätte. Wir hätten gewünscht, daß man die Vertagung d°S Reichstages hätte bean­tragen sollen, als wir zusammentraten, damit wir die erste Sitzung mit der Besprechung, die wir heute haben, ausgefüllt hätten. Mit Freuden kann ich seststellen, daß ich mich in einer Erwartung getäuscht habe bei oer heutigen Besprechung. Ich hatte geglaubt, daß aus dem Munde deS sozialdemokratischen Redners die Schadenfreude herausftlingen würde über die Ver­hältnisse, wie sie sich in Deutschland herausqebildet haben. Er ist klug genug gewesen, das nicht zu tun. Er hat damit seiner eige- nen Partei einen Dienst erwiesen. Was er gesagt Hai, kann man nahezu in allen Punkten unterschreiben. (Hört! Hört! bei den Soz.) Ja, meine Herren, das ist der furchtbare Z u st an d im Deutschen Reiche augenblicklich, daß dw überzeugtesten Monarchisten, die nickst mit einem Gedanken früher dazu gekom­men waren, der Person des Kaisers entgegenziitreten. heute der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, und in der Auffassung, daß man jetzt reden muß, das Schweigen eine V e r - l e h u n g der Pflicht gegenüber dem Volke wäre, sich mit schwerem Herzen entscheiden müssen, sich in diesen Fragen sehr deutlich auszudrücken. Es muß den überzeugtesten Monarchisten nicht nur seelisch, sondern geradezu körperlich schmerzen, jedes Wort, das er gegen die Allerhöchste Person hier aussprechen muß, in bezug auf das, was das Volk so tief bewegt. Das Ver­trauen im Volk ist auf den Nullpunkt g c f u n = k e n. (Sehr wahr.) ES trifft nicht zu, wenn man hier von etwas gestörtem und geschwächtem Vertrauen spricht, ez ist schlimmer. Und leider können wir nicht glauben, daß der Reichskanzler die Verantwortung übernehmen fann, daß es besser werden wird. (Sehr richtig!) bis zum nächsten Male! Wir wissen ja auch gar nicht, wie viel noch in den Archiven des Auslandes zur Ver­öffentlichung bereit liegt.

Wenn wir dem Auslande unbequem werden, kann ab und zu eine ähnliche Aeußerung veröffentlicht werden, die zu einem Arne- rifaner ober Franzosen oder sonst einem Ausländer gemacht wor­den ist. Hätte das ausländische Amt cS verstanden, diese Ver­öffentlichung dintanzuhalten, dann war zwar die Aeußerung nicht unterbunden, aber man hätte bann von einer Jnbis'retion reben fönneru Höhnisch sagt em englisches Blatt, man soll bem Deutschen Kaiser solche Aeußerungen nicht übel nehmen, er sei eine so bewegliche Natur, baß er, wenn er mit einem Amerikaner spreche, ganz amerikanisch benfe unb wenn er mit einem Eng. länber spreche ganz englisch beule. Das ist *3 gerabe, was tn unserem Volke so furchtbare Mißstimmung unb Er­bitterung unb ein Gefühl bei allertiesstcn Trauer unb Nie- bergeschlagei heit erzeugt, baß ber Deutsche Kaiser nicht in jebem Augenblicke b.-utsch benkt unb beutsch fühlt. (Lebhafter Beifall.) Es sinb schwere Tage für uns in letzter Zeit gewesen, "(ber mit weichen Rebewenvungen macht man eS nicht bester. Vor wem sollen wir uns benn noch scheuen, zu gestehen, baß unter An sehen am Boden liegt? Vor dem Auslände? Tas weiß es ganz genau. Die Franzosen be» weisen es in ber Casal lanca-Angelegenheit. Das beutsche Volk

we'tz el auch unb ertoorte! wi- k- er d-uffkD

unb geistlich spnast. Der Re'chSkanzlcr Hit bte Aeußerrwgen dcS K.ni'crS z»yn T:il abgksckwächt. Er ist unS ab*r fut die Ab- sckwäckrung den Beweis noch schuldig pehlieccn Im xtriqcn waren eS auck nut itnbebe'.twr.de Ab.we-ckm'yen Mir bt.n T i» deS cdft.. oer England eine feindliche Sttmmnng gtofin-.l er ballen soll, scheint ber Kaiser bi? mir politisch nnfie fti*b?nscr Kreise ccmc;nt zu hallen. Ich muß mt! .er allergrößten E-ffl-eden^'t bestreiten, baß da eine fembrd e St nimung v-.-.^anb-^ <ft Wenn ick seinerzeit sckarfe Worte gegen England g^irau-tt lalle, so wolle man nickt vergessen, daß sie seinerzeit bter pfaütn si, d unter ber Mißstimmung beS Volkes unb ber Erregung darüber, t j{« unsere Armee von englischer Seite herallgrsetz: d'or. £ a_? Volk kochte seinerzeit und eS mußte hie, Notleine für bas Ventil gezogen werden. Wir haben an8 der Gcsck'ck'e nefernt, daß England wo es konnte. unS geschädigt fiat Diese Vorsicht gegenüber England ist bei uns allerdings bnrSanten. Dee-llaib schließt sich ber Teil deö Volkes den LiebenHwürdi'k"t-"i und FreundschaftSbeslichen nicht an. All-w w i r wünschen mit England durchaus friedlich o u S z n k o m m e n , so­lange es irgend gellt Die Stimmung ist <nidi bei uns so vt friedlich, daß England keine Angst zu haben braucht. Denn aller der Kaiser meinte, daß er in der Minderheit fei in bczyg cuf die Freundschaft für England, dann.mußte er die Stimmung im V'lke als Oberhaupt deS Volkes refbeft;eren. Wir.fühlten un? bluis» verwandt mit den Buren, und Blut ist bekanntlich b:d-r als Wasser. Darum haben wir auf der Seite der Buren gestanden, und deutsches Blut 'st dort m Strömen geflossen. Die Buren sind seinerzeit hier empfangen worden wie sonst niemand. Ich verstehe nicht, daß niemand dem Kaiser Kunde gegeben fiat von dieser Stimmung im Volke. Wäre eS oud) nicht am Platze ge­wesen. wenn der Reichskanzler das schöne Wort Friedrichs dcS (Großen an der höchsten Stelle zur Geltung gebracht hätte: Große Fürsten haben in der Politik! ei ne Ver­wandte. Damals war dies Wort am Platze. Die Meinung im Volke ist die, daß der Reichskanzler bei seiner großen Macht- und Vertrauensstellung sehr viel mehr hätte verhüten können, als er tatsächlich verhütet hat Daß nun gesagt wird, nickt wegen Ost- astens haben wir innere Flotte gebaut, kann jetzt nichts nutzen. Die Worte dcS Kaisers haben Mißstimmung erweckt und wir haben es nun glücklich fertig gebracht, daß w i r von aller Welt verlassen sind. Man hat kein Zutrauen mehr zu unserer Zuverlässigkeit, und die sagenberühmte deutsche Treu» wird alS doppelzüngig aufgefaßt.

DaS 23ort des Großen Kurfürsten in dem Testament an seinen Sohn:Gedenke, daß Tu ein Deutscher bist", ist nicht nur an seinen Sohn gerichtet, sondern an alle Nachfolger aus dem Hause Hohenzollern. (Beifall.) Ein Deutscher, Kaiser darf niemals anders denken als deutsch. Wenn Friedrich der Einzige von sich sagte, er sei nur der erste Diener seines Staates, und wenn er die Pflichttreue, bte sein Vater ihn gelehrt hatte, nun auch seinen Nachfolgern als leuchtenbes Bei­spiel hinterließ, so sollte auch heute in ber beutschen Politik bic friberizianische Einfachheit unb Schlichtheit gepflegt werben. DaS ist auch geschehen. Unser alter Kaiser war bie Pflichttreue selbst, unb ber große Kanzler rühmte sich, im Dienste deS Vaterlandes zu stehen. WaS mich gewundert hat, ist, daß gerade von den Parteien der Linken gegen eine Politik scharfe Angriffe gerichtet worden sind, die sie früher warm empfohlen haben. Denken Sie an Naumanns Aufsätze, in denen er schrieb, er sehe WotanS Heer vorüberziehen, wenn der Kaiserzug an ihm vorbeifahre.. (Heiterkeit rechts.) Er stellte die moderne Rcgie- rungöform mit Depeschen als die einzig richtige der alten Negie­rungsform gegenüber. (Hört, hört, rechts.) Wenn man die heu­tigen Zustände beklagt, so sollte man auch an die denken, die diese Rcgierimgsform einst als das Ideal gepriesen haben. (Sehr richtig! rechts.) DaS Wert von der Regierung im Umherziehen stammt von Eugen Richter. Ec hat richtig vorausgesehen, und wir er­leben cS. daß heute bei dieser RcgieruUgsform wir von so wich­tigen Plänen wie den Plänen Oesterreichs auf Bosnien nichts erfahren. DaS Manuskript hat einen wunder­lichen Weg genommen. Der eine Beamte hat's dem andern gegeben, unb wenn man den Witzblättern glauben konnte, wäre es schließlich bei ber Scheuerfrau angelangt. (Heiterkeit.) Ueberall taucht jetzt bie Frage auf, iv i c bas Auswärtige A m t 5 u reformieren i st. Daß cs einer Reformation bebarf, kann ja gar nicht zweifelhaft sein.

Es wäre zunächst wohl einmal nötig, baß man das ?luSwärtige Amt bei ber Etatsberatung nicht immer hintenan stellte. Es sinb eine außerordentliche Fülle von Klagen über mangelhafte Ver­tretung vorhanden. Freilich, als wir die erste Rede des Staats­sekretärs v. Schoen hörten, da bekamen wir lange Ausführungen zu hören, lieber Casablanca horten wir aller nichts weiter, als daß man damit im Auswärtigen Amt unenblick) viel zu tun hätte. (Große Heiterkeit.) Denn wir uns überlegen, was uns das Aus« li'ärtige Amt bem Auslande gegenüber genutzt hat, so bleibt ver­zweifelt wenig. Man könnte nur bringend raten, sich da recht sehr einzuschränken. Man könnte die Botschaften mit einem tüchtigen Portier unb Kanzlisten besetzen. (Heiterkeit.) Das beutsche Heer stellt eine große Menge von tüchtigen Unteroffizieren. (edjaUenbe Heiterkeit.) Ob bas Haus sich verständigen könnte über eine fcierlicheKnnbgebnng an die Adresse bcsMon- n r d) c n, darüber wird es noch später beschließen müssen. Mit einer Interpellation läßt sich bic5 nach § 33 der Verfassung nicht bereinigen. Es muß daher in anderer Form diese Kundgebung erfolgen. Das soll man über die grenzenlose und geradezu unbe. schreiblicke Taktlosigkeit der offiziösen Presse sagen? Wie ist es möglich, daß man nicht ein Gefühl dafür hat, wie i'oiajc Aeuße- rungen das Ansehen Deutschlands untergraben? (Präsident Graf Stolberg hat sich erhoben und steht längere Zeit unschlüssig da, ob er den Redner unterbrechen soll oder nicht, er tauscht auch mit den Schriftführern darüber Gedanken aus.) Wir muffen ringen um das Ohr, um die Seele des Kaisers, die sich dem Volke entfremdet hat. Der englische Nebel, der sich um den Thron gelagert har, hat sich immer mehr verdichtet. Es scheint c i n e u n ü b er­drück b a c c Kluft zwischen Kaiser und Volk zu sein. Ich hoffe, daß sie nicht unüberbrückbar ist. Aber,die Ze>t ist da. daß entschlossene PJiänner in die Kluft springen. (Sehr wahr!) Wenn jetzt künstlicki noch ein bekanntes Kabarett heran­gezogen ist, dann versagt geradezu die Kritik. Da muß man tief unglücklich werden. In den Schlußsätzen Bassermanns lag eine Art Vertrauensvotum. Unbeschadet der sonstigen Ver­dienste des Fürsten Bülow können wir un5 in diesem Augen­blicke einem solchen Vertrauensvotum nicht an­schließen. Wie sich die Verhältnisse entwickelt hüben, ist es ziemlich gleich, wer an der Spitze des Reichs steht. Im Innern liegen die Verhältnisie anders. Ta haben wir Gottseidank ein Viermillioncn-Heer. Wir wollen, glauoe ich, in ber Zukunft uns bescheiben, mit unseren Einmischungen in bie auswärtigen Ange­legenheiten auf das allergeringste Maß. 23 rr sollen b a 5 Festefeiern aufgeben, bas Klingklanggloria beiseite lasten, und in stiller Friedensarbeit unsere Finanzen in Ordnung bringen. Wir wollen das Pulver trocken halten, unb wenn dann das Ausland glauben sollte, wir seien durch die innere Krisis ge­schwächt, dann wird, was ihm an Begeisterung fehlt, deutscher Zorn ersetzen. (Beifall.)

Ein Antrag auf Vertagung wird angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Fortsetzung ber Besprechung ber Interpellationen.)

Schluß nach 6 Uhr.