püßen. (2fM)dfle Zustimmung Tinf8.) Die Assar« $ttf rst auch »on unS lebhaft bedauert worden, weil sie unsere guten Bcziebungen tu den Vereinigten Staaten, auf die wir großen Wert legen, au trüben drohte. Ter Zwischenfall ist ja inzwischen zu unserer Freude beigelegt worden, aber drüben hat man in der Erörterung das Wort gesprochen: »Unsere Vertreter im AuSlande sollen nicht Scheckbücher, sondern Manner fein." (Allgemeine lebhafte 31N stimmung.) Ter Gedanke vaßt für uns. Nicht wirtschokilich mb sozial hockstehende, oder reiche Leute, brauchen wir zu Tiplo» ^naten, sondern Männer, deren Veiähigung jeder Ausgabe im vollen Umfange gewachsen ist. (Sehr richtig! links.) Dem Kaiser ist ein Gesandter beigegeben, um ihm während seiner Reisen über die ruSwärtigen Angelegenheiten Vortrag zu halten und die Verbin« düng mit dem Reichskanzler aufrecht zu erhalten. Ter Gedanke der Einrichtung ist ja ganz put. aber — ich weiß nicht, ob eS an der Perfon liegt — in diesem Faste hat sie vollständig versagt. Wir sind weiter der Meinung, daß eine gedeihliche Führung der (ffe« schäfte durch die häufige gleichzeitige Abwesenheit der leitenden Per. sonen von Berlin sehr erschwert wird. Wahrscheinlich wäre die Veröifentlichung verhindert worden, trenn in jener Feit der Staats- sekretär oder der UnterftaatSiekretär hier gewesen wäre. Aber von den leit'-nben Periönlichkeiten war die eine im Norden in No- minten, die andere in Norderneti, die dritte in Berchtesgaden. W-e sost daS erit werden, trenn künftig auch daS Luftschiff in den Tienst der Regierung im Umherziehen gestellt wird. (Große Heiterkeit.) Aiinoft hat der Botschafter eines befreundeten Staates den Kaiser stundenlang in Romiuten suchen müssen. Wenn erst die Luftschiff» reifen baut kommen, wird er ihm wobl bis zum Norbvol nach- fahren mästen. (Heiterkeit und Beifast.) Wir gönnen dem Reichskanzler gern eine ausgiebige Erholung, aber er muß d e Zäael fest in der Hand behalten und einen Vertreter haben, der wichtige Entscheidungen in seinem Geiste treten kann. Durch Telegramme und Kuriere kann der mündliche Meinungsaustausch nicht ersetzt und eine peinliche Ueberraschung nickst vermied-n werden. Für aste diese Nnztiträalichkeiten im ttteschäftsbetrikbe ist der Reick>skanzler verantwortlich. Er bat auch die Macht, Besserung zu schassen, und wir verlangen mit unserer Interpellation einen Wandel, der der Wiederkehr solcher Vorkommnisse gründlich vor- beugt. (Lebhafter Beifast.)
Ten schwersten Mißstand sehen wir ober in dem fortgesetzten Hervor treten des persönlichen Regiments. (All- gemeine Zustimmung.) Ter konstitutioneste Grundsatz, d"N Träger der Krone nickt in die parlamentarische Erörterung zu ziehen, ist gewiß gut und von unS jahrelang befolgt worden, aber heute ist eS unmöglich, ihn anzuwenden. (Sohr wahr! links.)
Bei diefer Sachlage bat die BolkSvertretuna die Pflicht. auch ihrerseits dazu Stellung au nehmen. (Sehr ricktial links.) Wir sind berufen, mit aster Ent''' iodenheit das zu faaen, was uns nickt gefästt und dadurch dafür zu soraen daß Deutschlands Interesten und AnscKim in der Welt nickt Sckaden l"idet. (Bei» säst links.) Ter Vorstand der konservativen Vartei bat eine Er- Häruna veröffentlicht. Tas ist sein gtites Reckst. Wenn aber die „.Qreuiaf'i." >oat. b:e (?rTTnrnr*n aob^ nickt von Parlamentariern mfS. » Hnn den ermzhsten Führern einer monarchisch ae. fi nuten Vol'^Partoi. so l'eat unserer Anstckst nach in diefer Be. merlung eine H^rahleKung des Parlamentarismus. (Lebhafte Zustimmung l'pks.) Auch wir Mosten nickt, daß diele Sacken zur Ma-^stsra-re amjschen Thron und Parlament werden. Aber mir westen, daß das vcm deutfcken Vatke gewählte Parlament ein- mütm und "stt Nackdruck sein" Stimme ergeht. Wir erinnern bei dieser Gefeaenheit daran, daß das d--ntfck- Kaisertum und der Deutsche Reickstag an ein unh dem''efben Dane aeboren sind (Sehr r^ckstia! links.l Auck mir haben keine Freude daran, daß persönliche Kund"ehunaen des Mouarckeu in hi" Erörterung gezogen und' ziim Geaenstand einer abfälligen Krstik gemacht werben. "a?nn aber schwere II u » u t r ä a l f ck k e i t e n entstan. den stnd. Menn e? sich um Deutschlands Stestiing und seine Zu- funrt handelt, dann müsten aste Rücksichten sckw"igen, die der Sacke im We^e steben. (Sehr wahr! links) Vor zwei Jahren hat der ReickSkanaler gesagt, daß ein gewissenhafter, feiner moralischen Verantwortung sich bewußter Reickskanaler nickt im Amte bleiben dürfte w"nn er nickst Dinge au ve-hindern vermag, die nach seinem vflicktaemäüen Ermesten dem Reicke wirklichen ttnb daiiernden Sckaden zusüaen können. (Hört!Hört! links.) Er bat gesaat, daß er Redewendunaen wie ..persönlickes Reai. ment". „Absolutismus" sich nur durch die bei unS herrschende Neiaung zu llebertreibunpen erklären konnte. Ich möchte den Reichskanzler fragen, ob er auch heute nock sagen wist, daß eS sich bei den Klagen, die mit seltener Einmütigkeit jetzt erhoben werden, um Nebertreibungen handelt? (Sehr gut! linfö.) Ick meine, es kann gar feine Rede davon fein: es find ernste Tat. sacken, Zustände, die uns aste mit tiefer BesoraniS erfüHen müsten. (Zustimmung links.) Was das deutsche Volk beute be- wept. im tiefsten Sinn erregt, ist die klare Erkenntnis, daß das persönliche Reaiment bei uns in einem Umfang vorhanden ist. und in einer Art geübt wird, wie es weder dem monarchischen nock dem StaatSintereste entlprickt. (Lebhafte Zustimmung links.) Impulsive Aeußerungen eines Monarch i. scken Subjektivismus find nirgends weniger angebracht als auf dem Gebiet der answärt'gen Politik. Deutschland hat Neider und Gegner genug, die alles verfolgen, und jede unüber, leote Handlung und Aeußerung in ihrem Sinn gegen uns aus» lenen. WaS im vorliegenden Fall am meisten beunruhigt hat ist der augenfällige Mangel an Klarheit über die politische Tragweite der Aeußerungen. (Sehr wahr! links.) Eugen Rickter bat 1903 gesagt: „Unsereins greift sick nach der Stirn und fragt sich, wie ist es möglich, daß fo etwas publiziert werd"n kann?" Dieses Wort trifft beute noch in aller Sckärfe zu. Man fragt stck aber nicht bloß, wie es möglich war, daß so etwas publiziert werden konnte, sondern auch, daß eS überbaupt gesagt werpen konnte. (Lebhafte Zustimmung links.) Von dem Geheimrat im AuSwärtiaen Amt wird verlangt, daß er ein Urteil abaeben sollte über die Traaweite des Artikels, um den e3 sick hier bandelt. Mit vollem Reckt.
Der Reickskanzler hat fein Abfck edSgefuck einyereicht, weil er die Veröffentlichung nickt für ratsam gehalten hat. Muß man do nickt Verlar gen, daß die Stelle, hie solche Aeußwungen in die OeffenUickkeit schickt, sich auck klar fein muß über die not- wendigen Wirkungen. (Sehr gut! links) Das Bestreben de? Deutschen Kaif-rS, die Beziehungen zu England freundschaftlich flu gestalten, billigen wir burcfiauS. Für meine politischen Freunde kann ich mit aller Entschiedenheit er'lären, daß wir gute und freundschaftliche Beziehungen zum britischen Volk und Land von Herzen wünschen. (Lebst. Beifall links.) Wir haben es begrüßt. daß me Besserung der Beziehungen in letzter Zeit offensichtlich hervorpetretcn ist Wir haben den lebhaften Vimsck, es möchte hüben und drüben die Erkenntnis sieaen. daß beide Nationen ein lebhaftes Interesse an der Aufrechterhaltung guter Beziehungen ans politischen, geistigen und wirtschaftlichen Gründen staben. (Lebst. Beifall links.) ES ist nickt richtig, wenn der Kaiser sagt, in feinem Lande feien diese Gefühle in der Minors- tat. In den breiten Schichten bcS deutschen Volkes ist eine England freundliche Stimmung vorhanden. Der Kaiser ist eben nicht richtig informiert. ES gibt gewiß alldeutsche und einige chauvinistische Kreise, die anb.r-3 denken. Aber diese Kreise hoben keinen Einfluß. Es ist gefährlich, wenn nach dem Auslande solche Aeußerungen geschickt werden, die dort über die Stimmung des deutschen Volkes ein falsches Bild Hervorrufen können. Durch solcke Aeußerungen wird das Gegenteil von dem erreicht, was man erreichen null. (Sehr richtig? links.) Es ist ja überhaupt das Charakteristische bei diesem Fall, daß die guten Absichten in die gegenteilige Wirlung umschlagen. Wenn es in den Aeußerungen des Kaiser? heißt, daß er einen Feldzugsplan nach England geschickt hat, so können wir uns mit dieser Handlung in keiner Weise einverstanden erklären. Ick will ganz absehen von der Frage, ob eine derartige Handlung nicht unsere Neutralität verletzt; aber wir haben nicht die Ausgabe und nicht das Reckt, für irgend eine Nation einen Kriegkplan auszuarbeiten und unsere Finger in Angelegenheiten zu stecken, die uns nichts angchen. (Lrbh. Venall links.) WaS war denn der Erfolg? Der
(Bebtmfe Bai fn England Verstimmung hervorgemfen, baß der Sieg über die Buren eigentlich d"m Deutschen Kaiser und dem deutschen Generalstab zu danken maren._ Weiter heißt eS in den Aeiißerungen. daß der Kaiser die Vorschläge Rußlands und Frankreichs. England zu demütigen. England mitgeteilt habe.
Die K'untniS btefi8 Liebesdienstes bat die englische Politik nickt abgehalten, eine Entente cordiale mit Rußland und Frank- reich zu finden und leine ..splendid Isolation“ aufzugeben. Wir sind mehr und mehr in eine Ifol erung hirieinaeraten, nur daß wir sie nicht all glänzend bezeichnen könn"n. Der Reickskanzler hat selbst früher h:er in bezug auf die auswärtige Politik gesagt: „Korrekt, ober nickt überschwänglich höflich, nickt klein ober gar sich m-atoerferh/ Das ist außerord^ntlick antreffrnb. Wir hoben keine Veranlassung, irgenb einer Mackt nackzulaufen, ihr Freund. fckaf'Sdienste anzubieten, die sie nickt schätzt unh nickt au erwidern bereit ist. Die Folg n der l'tzren Voraänge haben fick fckon in bedauerlich^ W?jfe gezeigt. Eine Verstimmung ist in den Stag, fen b"rvorgerufen worden, die jene Handlunien als feindfeliae Akte gegen sie auffasien mußten. Die Verstimmung zeigt sick bereits in w'rifckaitlicken Maßnahmen gegen Deutfckland. (Hört? hört?) In Holland haben mir fckan Revanche-Maßregeln. Ein Fackblatt schreibt darüber, daß «ererb»* in b"r jetzigen Feit, wo die deutsche Industrie mit ihrem Absatz im AuSlande wegen der Zoll- Politik ohnehin au kämpfen bat, die letzten Voraänae aiißerordent- lick schwer empfunden werden. Treu und Glauben geaen die b'utfcke Pol-tik sind nach diesem Fackblatt 'm AuSlande erschüttert. Es ckt nrrr fein Zweifel, daß das Vertrauen zur Wahr, beit und Zuverlässigkeit der deutschen Valstik durch berortine Mitteilungen erschüttert werden muß. (Sehr ritztig! links.) Auck wir sind über die Aiiffgsiunaen deS Kaisers Über brn Ausbau der deutschen Flotte im hohen Grade erstaunt. Wenn meine politischen Freunde tn der letzten Ze>t miwewirst tmbm. um die deutsche Flotte technisch aus die erforderliche Höh.' zu bringen, so haben wir auck nickt entfernt daran gehackt, daß unsere beutfdhen Sckiffe im Cften im Kampfe gegen Ehina ober Japan verwendet werden können. (Sehr richtig! links )
Diese Wirkung bedauere ich außerordentlich. Ich habe mich gefreut, daß die Besserung der Beziehungen zu Japan ein. g treten ist, und ich würde es für nickt unklug krackten, wenn man dieser jungen aufstrebenden Mackt die Stellung zuteil werden ließe, die ihr zukommt. Ick bedauere daher, daß man dort ohne sachlichen ßlrunb Mißstimmung und Erbitterung erzeugt hat. die den bemühen Interessen nickt förderlich fein kann. Wir haben in unterer Interpellation zum Ausdruck gebracht, daß wir Abhilfe nur erwarten von der Herstellung einer wahrhaft konstitutionellen Slgatsverfallung. (Sehr richtig! links.) Vir sind der Meinung, daß die heutig«* Verfassung in sehr vielen Punkten nur Schein einer Konstisiition ist und nicht den Anforderungen entspricht, die ein modernes Staatswesen fordern muß. (Sehr wahr! links.) Meine Freunde haben einen Antrag auf volle Durchführung der Minister- "erau'wortlickkeit einaebrackt, und wir hoffen, bei der Beratung diefeS Antrages demnächst noch Gelegenheit zu haben, die Notwendigkeit einer solchen vollen Ministerverantwortlickkeit eingehend darzulegen. Vir wollen aber schon jetzt keinen Zweifel darüber lallen, daß diese wirkliche, ernsthaft durchgeführte Minister» verantwortlich keitder Angelpunkt des konstitu- tionellen Lebens ist. (Sehr richtig! links.) Ter Träaer der Krone ist dem Lande nickt veranlwortlick. sondern allein die Staatsmänner. Daraus ergibt sick ohne weiteres, daß wirkliche Staatsmänner on der Spitze des Staates stehen muffen, die ihre Anschau'!u'>en über die Entwickelung der S'aatSaesckäfte auch znrn AusdrucF bringen können. Vir erneuern die Forderung, daß unsere Ratgeber nicht biegsame unb schmiegsame Häslinge sein sollen, die hinterher die Verantwortung übernehmen, auch wenn sie vorher nicht gefragt sind, Biireaukraten und Eiviladjutan'en, die sick nickt erarbeiten können. Es sollen wirkliche Staatsmänner fein, die sick ihrer Verantwortlichkeit auch dem Lande gegenüber bewußt sind. (Lebhafter Beifall.) Auf der anb-ren Seite muß auch der Träger der Krone sich bewußt fein, daß er Zurückhaltung üben muß. Tie komplizierte Staatsmaschinerie ver^räat keine ungeschickten Eingriffe. (Sehr richtig! links.) Es gibt keinen Monarchen und Staatsmann, der diese Maschine in allen Teilen richtig einstellen kann. Napoleon T. hat einmal gesagt: „Ich brauche mehr Köpfe unb weniger Zungen." Tas gilt auch heute noch. Vir können kei- neu Subjektivismus gebrauchen. Nickt impulsive Wallungen sollen die Politik beherrschen, sondern da? richtige Erkennen dellen, was not tut und Erfolg verspricht. Die Frage der Verfassungsänderung muß mit allem Ernst aufgerollt werden. (Sehr richtig! links.) Darüber wollen wir unS nicht täuschen: das monarchische Empfinden ist leider im deutschen Volke im Rückgänge begriffen. (Sehr richtig! links.) Herr von Kardorff bat vor Jahren schon über die Abnahme des monar- ckiscken Gefühls geklagt. Seit jener Zeit hat es nicht an Vor- cängen gefehlt, die weite Kreise veranlaßt haben, über Vorzüge und Nachteile monarchischer Staatseinricktunaen nackzudenken. (Sehr richtig! links.) Ich bedauere als Anhänger der monarchischen Staatsverfassung dies aussprecken zu müllen. Ich trete aber auch zugleich der im Auslande verbreiteten Auffassung entgegen, als ob der Dragee der Krone der ausschlaggebende Faktor in Deutschland sei. Tie firart des Lande? liegt an anderer Stelle: in der geistigen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, in der Wehrhaftigkeit und Einmütigkeit seiner Bürger. (Lebhafte Zustimmung unb Beifall links.) Ich bedauere, daß c5 nicht möglich gewesen ist, der einmütigen Anfickt des deutschen Volkes in einer einmütigen Kundgebung Ausdruck zu geben. In ITebereinftimmung mit den Kollegen und mit den Parteigenossen im Lande kann ich meine Ausführungen dahin aufammenfassen: Der Wiederkehr dieser vom ganzen deutschen Volke schwer empfundenen Mißgriffe kann wirksam und bau» einb nur vorgebeugt werden durch die Herstellung eines wahrhaft konstitutionellen Verfasiungswesens und durch die Kräftigung der Reckte der Volksvertretung. Vir krackten insbesondere den Erlaß eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes und die Unterstellung von Zivil« und Militärkabinett unter verantwortliche Regierungsbehor. den für geboten. (Lebhafter Beifall.) Tas deutsche Volk, dem die Aufgabe zufällt, mit Gut und Blut für die Folgen der Regierungs- Politik einzutreten, erwartet in voller Einmütigkeit, daß das Prä- fibium des deutschen Bundes, das verfaffiingsmäßig dem König von Preußen zufteht, in allen politischen Fragen diejenige Zurückhaltung beobachtet, die das Arni unb das Reichsintereße erfordert. (Lebhafter Bekfall.)
Abg. Singer (Soz.):
Der Abg. Ballermann hat davon gesprochen, baß diese Vorgänge maßloses Erstaunen unb tiefes B dauern hervorgerufen haben. Er hat aber vergeßen, hinzuzufügen, daß sie auch einen berechtigten Sturm der Entrüstung hervorgerufen haben unb ein Gefühl der Beschämung aufkommen ließen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tas Ausland hat uns mit Hohn und Spott überschüttet, die Stellung, die das Deutsche Reich sich in bet Velt erworben hat, ist infolge dieser Vorgänge noch um einige Grade tiefer gesunken als durch die bisherige Politik. Verwun- bcrliaj sind diese Vorgänge übrigens nicht; wenn in Deutschland die verantwortlichen Minister für Handlanger erklärt werden, dann braucht man sich über solche Tinge nickt zu wundern. Venn wir in Deutschland Zustände hätten, in denen Lächerlichkeit unb Unfähigkeit sich nickt breit machen bürfen, bann würden wir heute einen anderen Mann an jenem Platze sehen. (Unruhe.) Tie M a j o r i t ä t b i e se S Reichstages ist mitschuldig an diesen Vorgängen (Widerspruch), denn sie hat die Verherrlichung des persönlichen Regiments nicht hintangehalten. Wenn man mit Ernst daran gehen will, diese Zustände zu ändern, bann muß man sich über ihre Ur- fachen klar werden. Es handelt sich nicht darum, den Finger au) die Wunde zu legen, sondern mit fcharfem Mester die Wunde auS- zuschneiden, damit die Gesundung erfolgen kann. Nur infolge der Entsagung, die der Reichstag sich in der auswärtigen Politik bisher auferlegt hat, indem er sie als ein noli mc tangere
behandelt, sind solche Dinge möglich geworden. In den Ländern,' in denen die Parlamente Selbstachtung unb Würde prästieren, sind solche Zustände unmöglich. (Unruhe. Zuruf recht?: Gehen Sie doch hin!) Von wem hat der Kaiser denn Kenntnis von der angeblichen englandfeindlicken Stimmung der mittleren und unteren Klassen? Daß der Kaiser sich in der Minderheit befindet, mutz ich ohne weiteres zugeben, denn die breiteren Masten deS Volke- gehören nicht zu denen, die in höfischem Byzantinismus unb in Speichelleckerei ben Kaiser umgeben. Seine Worte unb Hand, kungcn gegenüber ben unteren Schichten, worunter er bie deutsche Arbeiterschaft versteht, verdien"n es wahrlich nicht, daß man den Kaiser als ben Vertreter der Majorität hinstellen kann. Daß bet Kaiser sick in der Minberheit befindet, hat er eben seinen Aeuße- rungen und Handlungen gegenüber der Majorität, der Arbeiterschaft, zu verdanken. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es läßt sich aber nicht leugnen, daß bie Behauptung, bie mittleren unb unteren Schichten seien englanbfeinblick, ben tatfächlichen vor* hältnisten geradezu ins Gesicht geschlagen hat. (sehr richtig!) Man muß erstaunt fragen: Ist denn ber Kaiser von allen Vorgängen in den letzten Jahren absolut ununterrichtet? Hat er denn gar nichts von allen Bemühungen von hüben unb drüben vernommen, um jedes hetzerische Kriegs^elüst zu beseitigen? Weiß et nichts von all den Deputationen und Kongresten, die zu diesem Zwecke itattfanden? Und das gilt nicht nur von ben oberen, daS gilt auch von ben Arbeiterklassen. Gerabe bie Arbeiter haben eS auf bas Entschiedenste betont, daß keine Rede davon fetn könne, daß England und Deutschland stck feindlich gegenüberstehen Auf dem Internationalen Kongreß zu Stuttgart ist daS in feierlichster Farm zum Ausdruck gekommen. ES ist ja fl er a b e f o , a l 3 ob ber Kaiser in ben Wolken schwebt. (Heiterkeit.) Wie kann er angenehm solcher Tatfachen von einer englanbfemb- liehen Stimmung im Volke sprechen?
Ick halte eß für notwenbP. auch von unterer Seite eneranch. ften Protest geaen bie Aeußerunaen einzulegen. _ D>efe Aeiiße- runpen wiber^precken ben tatsächlichen Verhältnissen. Der D"utfcke Kaiser war nicht hier daS berufene Munbstück beS beut.
Volkes (Sehr richtig! bei ben Soz.) AIS wohlerzogener Enkel hat ber Kaiser 'einer Großmutter wirkliche Hilße leisten wollen (Heiterkeit) unb hat ihr einen KriogSplan entworfen. Ist dann b"m Kaifer in feiner Stellnna nicht einen Augenblick zum Bowußtfe n gekommen, welcke Schäden er damit für Je,n. fhm fn aeliebteö deutsches Volk herbei führen könnte? ES ist da kein Wunder, wenn die fremden Regierungen sich mit TcintrauCn ncn brr b-ut^en fernhaften, wenn in dem europäischen Konzert der dentfcken Reaienina fo oft bie Notenblätter horenfhalKn wer- ben. Es handelt sich frrr nicht um einmalige G? n tg Teilungen, es ist das S h ft e tn d e S p e r » 5 n 11 ch e n R e g t - n e n t §. Vir haben es hier mit einem Glied in der Kette bei Aeußerunaen zu tun. bie aus dem Größenbewußtsein deS Monarchen rnt'tmmnrn finb. Durch biefe Aeußerunaen ist DeiMch. lnnb stänb'g in Schwierigkeiten aekommen, unb daraus erwacmen uns die ewigen Riistunaen. (Sehr richtig! bei ben Soz.) Der ‘Pniitif des persönlichen Regiments macken sick alle Mitglieder der Reaiernng von oben bis unten schuldig weil sie n'cfit den Mut haben, bagearn offen anfzutreten. (Lebhafte Zustimmung bet den SoaJ Es ,st die Politik, die heute dem deutschen Volke uner- fc>minas''cke Gelbopfer aiiferleot. uud es morgen in schwere Krieae stürzen kann. (Sehr richtig! bei den Soz.) Die Aeuße« rnnaan des Kaiser? erinnern mich an die Veröffentlichung des Tagebi'ckes Kaiser Friedrich TTT. durch Prof. Geffken vor zwan. zig Jahren. In einem Immediatberickt wurde die Einleitung bpa Hockv"rratsvarfahrens gegen Prof. Geffken gefordert. Der König fall ber erste Diener bes Staates fein — so heißt e8 ja wohl. Ich alauhe mit Reckt sagen zu dürfen, wenn einem Staats- diener etwas Aehnlickes passiert wäre, das Reicksaerickt Ware tn Funktion getreten. (Lebhafter Beifall bei ben Soz. unb Zuruf des- Abg. Ledebour: Ins Zuchthaus käme er!) Ick kann nut wün'cken, daß in maßgebenben Kreisen enblick einmal bas Lickt bar über aufaeht, baß. wenn biefe Praxis weiter geführt wirb, da? beittfche Volk in ben Abarund gerät. In ber Ver- öffertTichuna ber „Norbdeiitfcken Allgemeinen" befinben sich be» benff'cfe Lücken. Es wirb allseitig zugeaehen, baß es sich um verschiedene Gespräche mit verschiedenen Herren zu berfch'cbenen Zeiten hanbelt. Vielleicht gibt brr Reichskanzler Aufklärung darüber, wie denn nun der eine Mann, der das Manuskript bet» offeutlickt hat. zur Kenntnis der übrigen Gespräche gekommen ist. (Sehr gut!; bei b"n Soz.) Ich weiß nicht, ob ber Herr frrne Informationen an offizieller Stelle geholt hat. Ich w"iß nickt, ob die Herren eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Veräußerung kaiserlicher Aeußerungen gebildet haben (Heiterkeit), unb als erste Einlage biefe Aeußerungen emgebracht haben. (Groß^ Heiterkeit.) Vielleicht nennt uns auch bet Reickskanzler den Mann, der das Manuskript veröffentlicht hat. Vielleicht wäre auch eine Feststellung möglich, ob der betreffende Herr noch Kenntnis von anderen Interviews hat. In Amerika ist ja noch glücklich ein Interview nicht veröffentlicht worden. ?lbcr nach einiger Zeit werden wir auch zur Kenntnis dieses Interviews kommen. Unb was sonst in ber Welt umherfchmirrt. kann kein Mensch wißen bei ber Fruchtbarkeit, mit ber Reben unb Aeuße- rungen und Briefe von jener Stelle in die Welt gesetzt werben. Bei ben bekannt gegebenen Unterhaltungen zeigt sich eben bie Neigung, allerhand phantastische Ideen äu vertreten. Mit dieser Politik des Augenblicks, ber schwankenden Ge. fühle, sind die früheren Erklärungen des Reichskanzlers nicht in Einklang zu bringen. Es handelt sich nicht darum, daß der Reichskanzler nicht die Veröffentlichung verhindert hat, sondern daß er feine Schritte getan hat. um solche Aeußerungen zu verhindern. Das Anerbieten seiner Demission war ein Entschluß, der korrekt war. Aber, wo er die fraglichen Aeußerungen nicht billigt und sie sogar für schädlich hält, mußte er, wenn seine Demission nicht angenommen wurde, ohne die Annahme dieser Demission seinen Posten verlaßen. (Sehr richtig! bei den Soz., Gelächter rechts.) Jetzt hinzutreten und die Verantwortung für diese Politik zu übernehmen, ist eine Politik, für die im Volke fein Verständnis vorhanden ist. Die Sacke wird zur Som ob le, wenn berselbe Mann, der diese Aeußerungen ebenfalls ^mißbilligt hat, nun hier vor aller Welt die Verantwortmig übernehmen will.
Der Kanzler übergibt des Manusfript dem Auswärtigen Amt. Das ist bezeichnens für die Position des Reichskanzlers einerjeits und für die Wertschätzung, die der Reichskanzler einem kaiserlichen Bericht beilegt (Heiterkeit). aus der anderen Seite. Wußte denn der Reichskanzler nicht, daß das Auswärtige Amt verwaist war? Wenn ja!, hat oer Reichskanzler diese Situation nur als die gewohnheitsmäßige aufgefaßt? Unsere Negierung und der Kaiser befinden sich ja dauernd auf Reisen. Es ist eine Regierung im Umherziehen. Da kommt nun ein verunglückter preußischer armer Geheimrat, der muß das Manuskript lesen, und der arme Mann ist jetzt derjenige, dem Deutschland die Blamage verdankt. (Heiterkeit.) Wenn solche Vorgänge in einem große« Handelöhause vorgekommen wären, der Prokurist würde, auch wenn ihn der Chef bäte, zu bleiben, die Verantwortung nicht übernehmen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für unS handelt es sich nicht darum, daß der Reichskanzler die Verantwortung für die Veröffentlichung, sondern für die Aeußerungen übernimmt. Die ganze Aktion des Reichskanzlers war eine verfehlte. Er hat nur das Drama in eine Posse verwandelt. Ein Helles Gelächter ist in der ganzen Welt entstanden, und Deutschland ist unter diesem Gelächter mit Spott und Hohn überschüttet. DaL dankt das deutsche Volk dem Reichskanzler. Wie soll man solchen Vorgängen begegnen? Aus dieser Politik deS Leichtsinns, der Briefe und Telegramme muh man herauskommen. DaS müßen wir verlangen gegenüber dem Kanzler und gegenüber dem Kaiser. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hier ist auch der Augenblick, wo wir uns von den bürgerlichen Parteien aller Schattierungen trennen. Wir müßen bedauern, daß die bürgerlichen Parteien nicht die Konsequenzen ziehen. Was Dr. Wiemer wollte, war brauchbar, aber Herr 18a'।ermann hatte eö schon vorher abgelehnt. Herr Baßermann darf eS uns nicht übelnebmen, wenn ich der Empfindung Ausdruck gebe, dah seine ganzen Forderungen bestellte Arbeit für den ReichSianzler gewesen sind. (Wider>


