Ausgabe 
13.1.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

dis uuilagepflichk'gcs rattl)wischaftk. DeLrk^bs- kapital aufzufassen ist, so lange das geplante Gemeindesteuev- gcsctz noch nicht vorhanden ist. Ter Vorstand entschied sich bafyin, daß borerft die Bestimmungen hierfür wie seither bestehen bleiben sollen. Es werden 300 Mk. für Abl>altung von Buchs üh- rungskursen bewilligt und beschlossen, eine einheitliche Buch­führung in mehreren, den verschiedenen Betriebsgrößen und An- sprächen angepaßten Stufen cinzusühren und im Anschluß hieran eine Buchsührungsstelle zur Beratung der Landwirte und zur Uebernahmc von Buchfüdcungsbeschlüssen einzurichten. Weiterhin werden Beschlüsse über die Ersatzwahlen für ausgeschiedene Ver> trauerismänncr gefaßt. Fäir die Forderung des Weinbaues rind Swar speziell für die Bekämpfung der Rebschädlinge soll ein Plan ausgestellt werden, zu dessen Beratung auch die Negierung und die Wein- und Obstbauschule herangezogen werden soll. Sodann wurde über die neu entworfene Ordnung über die Beschickung der Wanderausstellungen der deutschen Lmrdlvirtschaftsgesellschaft, sowie Über die Beteiligung an der Stuttgarter Ausstellung ver­handelt. Um die Benützung der lairdw. Versuchs st ation durch die Laiidwirte zu fördern, soll ein Abüimmen nut ihr getroffen tverden, wonach die Landwirte eine Ermäßigung 'von 75 Proz. der Untersuchungsgebühren für. Futter^ und Düngemittel, Boden­proben 2c. genießen sollen, indem die Landwirtschaflskanimcr die Eiitschädigung der Versuchsstation für die ausfallende Einnahme übernehmen will. Weitere Beschlüsse werden zur Preisnoticrungs- einruptung und anderen Unternehmungen der Landwirtschasts- kammer gefaßt und ein Antrag Fritsch angenommen, wonach die Regierung und die hessischen ReichStagsabgcordneten ersucht wer­den sollen, für den Fall der Einsühruiig des Branntweinmono­pols dafür eiirzutreten, daß Hessen wie die übrigen süddeutschen Staaten behandelt werden soll. Eine weitere Vorstandssitzung findet Montag, 13. Januar, statt.

* * Das Landeskomrtee der hessischen Zen- t rum spartet, das am Donnerstag hier zusammen- getreten war, beschloß, frühzeitig mit den Vorarbeiten für die Landtagswahlen zu beginnen und im Herbst d. I., jedenfalls noch vor den Wahlen, einen hessischen Partei­tag abzuhalten.

* * Aus dem Bu re a u des S t a d t t h e a t e rs. Wenn man die Spielpläne verschiedener Theater verfolgt, so kommt man öfters in die Lage von derDuplizität der Ereignisse" zu sprechen. So geht es mit Paul Lindaus SchauspielDer Andere", das am Dienstag hier in Szene geht. Das interessante Stück, in dessen Mittelpunkt ein Staatsanwalt mit doppeltem Bewußtsein steht, wur^e jüngst am Wiesbadener Hoflheater mit Ersolg wieder aus­genommen. Die Aufführung ist von Oberregisseur Bakof, der auch die Hauptrylle spielt, vorbereitet und erregt nach dem Vorverkauf zu schließen, lebhaftes Interesse.

* Die freiw. Gailsche Feuerwehr hielt am Sonntag abend imEinhorn" einen sehr gut besuchten Familie nabend. Die mit einer Ansprache des Haupt­mann-Stellvertreters Sauer eröffnete Feier bot mancherlei Unterhaltung, eine Verlosung brachte den mit einer Glücks­nummer versehenen Teilnehmern nachträglich ein willkom­menes Weihnachtsgeschenk und der folgende Tanz den Jüngeren die gewünschte Abwechslung.

* Eine Roheit. Gestern nacyt wurden in einem Hause der Bleichstraße 2 mit Schutzgitter versehene Keller- fenster oon bübischer Hand anscheinend mit einem Stocke ein gestoßen. Ob der Täter wohl geahnt hat, daß durch seine rohe Tat für zirka 200 Mark Aepfel, Kartoffeln und Pflanzen erfroren sind? Anzeige ist erstattet; hoffentlich gelingt es der Polizei den Buben der verdienten Strafe zu­zuführen.

$ Klein-Linden, 11. Jan. Ein großer Trauer- Kug bewegte sich heute durch unser Dors. Es galt einen alten Kriegsveteran, den Bahnarbetter Wilhelm Deibel!.,

Die Einweihung des neuen Hoftheaters zu Weimar.

(Spezialbencht des Gieß. Anz.)

In einer Zeit, in welcher Geschehniste ui,delikatester Art ab- geurteilt wurden, die das Volk tiefmnersi verletzt hauen, berührt die Theatereröffnung in Weimar um so wohltuender. Galt es doch heute ein Fest zu feiern, das den Anfang einer neuen Kunst­epoche für alle Diejenigen heißt, welche die Kunslbedeutung Weimars würdigen. Uederholl von der vorwärts strebenden Zeit, war das alte Theater Weimars ilnzulänglich geworden. Für em neues Hal der junge Großherzog Unsummen persönlich bewilligt, Stadt und Ctaat taten das Ihre.

Ter Münchener Professor L i t t m a n n hat mit Genie und praktischen Erfahrungen durch Umwertung aller Werke Herrliches neu geformt. Ter dem allen Ban anhaft intime Reiz ist auch über den Neubau gegossen, vor dem wie vor dem allen Hanse das Denkmal Schillers und Goethes, von Nietschel 1859 ge­schaffen, steht.

Am heutigen Festtage, dem 11. Januar, liegt Weimar in feier­liches schneeiges Weiß gehüllt, in heiligem Schweigen. Ein wunder­sam aninutendes, reizvolles Bild. Tie Häuser iind reich beflaggt. Deutsche, preußische, weimarifche Farben allüberall. Tas neue Theater schmückt eine einzige, riesengroße Fahne, ist es doch all­deutsche Kunst, der hier eine neue Stätte ward. Auf allen Ge­lichtern Spannung, Erwartung, Begeisterung.

_ Während die braunschweigischen und fürstl. Herrschaften von Reuß j. L. schon am Vormittag emtrafeii, wurde der kaiserliche Hofsonderzug um 6 Uhr abends' erwartet. Eme große Brenschen- menge umflutete um diese Zeit den Bahnhof. In'eleganter Gala­equipage fuhr der junge Großheizog vor dem wundervoll ge­schmückten Bahnhof vor. Punkt 6 Uhr durchzog der Rauch de - Hoizuges die ivinlerliche Luft. Ter Kaiser fuhr ein. Beim Äussleigen durch Umarmung herzlichst den Großherzog begrüßend, schritt der Kaiser mit leichten, elastischen Schritten dem Wagen zu. Hurrarufe durchziiterten die Lust, als die Pferde anzogen. Das Publikum war tast gar nicht abgesperrt. Tie Polizisten schienen in mir angenehm auffallendem guten Einvernehmen nut demselben tu jein. Im Großherzoglichen Schloß war nun Diner. 74? Uhr fuhren die Gala- und Hoteqinpagen im Schloßhof wieder vor. Ter letzte nahm den Kaiser und den Großherzog auf. Schön sahen zwei »Jäger" aus, berittene Diener, welche beim Heraustrcten des Kaisers aus dem Schloß ihre Magnesiumtackeln entzündeten. Tie schwierige kurze Parade am Schloßgitter gelang /Pferden wie Reitern vorzüglich. Im Ganzen ein poesievolles Stimmungsbild. Tas schöne Schloß mit dem weiten Schloßhof, schneebedeckt und schneeumweht m grünlich strahlender Fackelbeleuchtung.

Von Fanfarenklängen begleitet, betrat der Hof nm 8 Uhr das Theatrr, von einem Etitepubtikum ehrfurchtsvoll empfangen. Generalintendant von Vignau, der heute den TitelExzellenz" erhielt und vom Kaiser mit dem Kronenorden 1. Klasse dekoriert wurde, führte mit F-rhrn. v. Fritsch die Herrschaften nach der Hoslogc. Tas Innere des Theaters ist, unter Gewährung ange­nehmster Äurunwerhältnifse, dem Acußeren entsprecheiid antiki­sierend. Schöne, vornehme Linien, edle klassische Reinheit der Form. Tie Wände des herrlichen Raumes sind auf ein feines, zartes Grün gestimmt, das mit Gold verziert ist. Tas Ganze trägt würdigen, weihevollen Charakter. Wälzend für die tom- ncenden Tage die Festausführung dem Publikum freigegebcn ist, findet das l)eutige Eröfsnungsspiel nur vor geladenen Gasten des Großherzogs stall. Im Parquet haben hohe Würdenträger Platz gefunden, während die Balkons und Logen mehr von Tarnen besetzt sind, Alan sieht unendlich reizvolle Toiletten, wahre Spitzen- rounber und welche wunderbaren Brillanten. Was Weimar im Besonderen und Deutschland im Allgemeinen an Leuchten der Lite­ratur, des Theaters, der Kunst besitzt, sieht man hier fast vollzählig versammelt. Alan bemerkt den weimar. Slaatsmiuister Rothe, mehrere Gesandten, die Intendanten und Direktoren fast aller guten

tut letzten Ruhe zu Fetten. Voran schritt der Krreger- verein mit umflorter Fabne. Das Gießener Jnfanterre- Regiment, in dem Veteran Deibel diente, hatte vrer Tam­bours gestellt, die den Trauermarsch schlugen. Auch zahl­reiche Bahnarbeiter gaben ihrem Kameraden das letzte Geleite. Pfarrer Schulte-Großen-Linden hielt die Grab­rede. Der Vorsitzende des Kviegervereins, Lebtet Kerl, widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Dann nab die Gewehrabteilung des Vereins drei Ehrensalven ab. Im Namen der Bahnbehörde legte Assistent Müller einen prachtvollen Kranz nieder, im Namen der Mrt- arbeiter Bahnarbeiter H e c b-Allendorf. An der Bahn war W. Deibel nahezu 35 Jahre tätig. Derr Feldzug 1870/71 machte er im Regiment 9?r. 116 in der 4. Kompagnie mit, er nahm an den Schlachten von Mars la Tour, Gravelotte und Noisseville und an der Einschließung von Metz teil. Der Kriegerverein hatte ihn, als Mitbegründer des Vereins im Sommer 1907, gelegentlich seines 25 jährigen Stiftungs­festes zum Ehrenmitglied ernannt

+ Klein-Linden, 12. Jan. Die hiesige Heimat­vereinigung hielt am Samstag auf derBurg" wieder einen Familienabend ab. Der Saal war bis zum letzten Platz besetzt. Die Darsteller des TheaterstückesTie wilde Toni" ernteten für ihr wohlgelungenes Spiel reichen Beifall, ebenso die Mitwirkenden des Zitherkränzchens für ihre trefflichen musikalischen Darbietungen. Durch weitere Vorträge humoristischer Dichtungen im Wechsel mit all­gemeinen Volksgesängen wurde bei allen Anwesenden eine heitere Stimmung erweckt, die bis zum Schlüsse anhielt.

r, Allendorf Lda. d. L., 12. Jan. Der Landwirt Konrad Preis von Winnen, d,er am Donnerstag nachmittag einige Besorgungen hier erledigt hatte, erlitt auf dem Heim­wege einen Herzs chlag. Als er abends nicht zurückgekehrl war, beunruhiglen sich die Singehörigen und gingen mit einigen Nachbarsleuten nach Allendoif zu. Sie fanden ihn lobt, in einem Graben liegend. Preis war cm allseits sehr beliebter und geachteter Mann.

Ans Queckborn, 11. Januar, schreibt man uns zu dem in Nr. 9 desGieß. Anz." mitgeteilten Vorgang:

Nichtig ist, daß die Gendarmerie von Grünberg in Queckborn verweilte, um Erkundigungen einzuziehen infolge einer anonymen Anzeige über Wegbringen von Hunden. Zu der ganzen Angelegenheit können wir nur erwidern, daß dem Verbreiter des Gerüchts Gelegenheit gegeben wird, den Wahrheitsbeweis vor Gericht zn er­bringen. Hier wurde vor einigen Tagen ein Mädchen, das abends um 10 Uhr mit einer Kameradin nach Hause ging, von einem Junggesellen auf offener Straße in ge­meiner Weise belästigt. Jedenfalls wird das Vorkommnis von der Staatsanwaltschaft gerügt werden.

Hirzenhain (Oberhessen), 11. Jan. Gestern, Freitag abend, kurz vor 8 Uhr, entstand auf bem hiesigen Hütten- lu e r f in bem Zwischenbau, welcher die alte und die neue Gießerei verbindet und den Riddcrbach überbrückt, Feuer, daS ben Zwischenbau vollständig zerstörte und die anstoßenden Gießereigebäube beschäbigte. Dem Umflanbe, daß die Hydranten kurze Zeit nach der Ent­deckung des Feuers in wirtungSvoller Weise ihre Schuldig­keit taten, ist e§ zu verdanken, baß das neue Gießerei- gebäube nicht in Flammen zu Grunbe ging. DerMaterial- schaben wirb bie Höhe von 2000 Mk. nicht übersteigen

deutschen Bühnen (and) der Gießener Thealerbireklvr Stein' g o e t t e r ist anmesenb). Alan bemerkt ferner Agnes Svrma, Eugen b'Albert, Otto Ernst, Fulda, Halbe, Kabelburg, Lienharbt, Liubau, Ostini.

Tas Früh linqS - Märchenspiel beginnt. Dieses von bem Warlbnrgbichter Richard Boß verfaßte (Schicht hat zum In­halt ben Gebauten, daß bie alte uub bie neue Weimarer Zeit, burch Frauengesialsen personifiziert, einander ben Rang streitig machen. Tie alle Zeit will bann bekränzt weichen uub bie junge, neue Zeit beansprucht ihr sirahlenbes Jugenbrecht. Kinbergestalleii unischwebeii, umfpielen beibe.

Tie Lösung des Problems führt Apollo herbei, der mit beiden sinnreichen Gestalien und glanzvollem, allegorischem Gefolge in Weimar emzieht. Tie doinengeliönie alte Zeit weiht eine wnnder- am erblühte Blume bem kunstliebenben Fürsten, bem Großherzog. Sie spricht zum Fürsten des Laubes:

Ich seh ein Keimen, Knospen, Schwellen, Sprießen,

Ich sehe Frühlingsfluten sich ergießen, Seh fröhliches Gelingen und Gebeihn. Der holden Wnnberblume Himmel sjchein, Er möge sich, Dir Deine Hulb zii banfen, Als dufi'ger Kranz um Deine Krone ranken. Mit einem Lenz von Glück zu Deinen Füßen Möcht, teurer Herr, Dein trenes Lolk Dich grüßen/

Die Voßischc Tichtunq lost ihren problematischen Charakter voll aus. Die, Lißt'schen Motiven angeglieberte Musik von Wein­gartner ist ungemein stimmungsvoll und sinnreich. Beides ein ab­geschlossenes, formvollendeles, künstlerisches Ganze.

Tie Kosiüine waren, bem knnsigelragenen Empfinden folgend, in weiche, ineinanber sich er'üllenbe Farbensyinphoiue abgetönt und boten Bllber, bie dem knnsigeüblen Auge unvergeßlich sein müssen. Ten äußerst schwierigen technischen nnb dekorativen Fragen wurde glücklichste Lösung. Tas Verzaubern der minteriimhauchten, ranh- reifiimwobeuen Natur m wonnigen, beseligenden Akai ein Meisier- ftücf künstlerischen Denkens und Schaffens. Die schauspielerischen Leistnngen waren auch vorzüglich Tie Horen wurden von Damen der Weimarer Gesellschaft schön posiert. Ter choreographische Teil, Kinberszencn, waren künstlerisch burd)bacht.

Der große Beifall war reich verdient.

Glanzvolles Rebelzrehen, festliche Musik, leitete nun zumB o r- sviel von Goethes Fan st" über. Das Gewölk hebt sid) unb vor bem Vorhang--Goethe....

In atemlosem Schweigen vernehmen wir bie tiefen Gebanken besDichters", bem Goethes Maske gegeben ist.

Wieder sind Schauspieler unb Regie restlos zu loben.

Schiller kommt nun in vorzüglicher Darstellnng, Szenerie, Regie, zu Wort. Flottes Spiel Halle m schönen Kostümen, Szene­ueren, künstlerisches Beiwerk.

Eine Panse fügt sich an. Man bleibt in den Wandelgängen; die durch besonbere Karle zum Cercle Befohlelien folgen Diesem Ruf. Ter Kaiser zeichnete viele ber Persönlichkeiten mit An­sprachen aus unb unterhielt sich temperamentvoll unb angeregt.

Im letzten Teil des Festabends kommt Richard Wagner zu seinem Recht. Die Festwiesenszene ist ein Kabinettstück der Bühnen- kuust. Die Leistungen Aller sind sehr gut, der Chor verstärkt durch Damen der hiesigen Gesellschast.

Das Spiel war aus. In tiefer Bewegung löste sich das Publikum. Der Kaiser fuhr, vom Großherzog begleitet, sofort zur Bahn.

Prächtig nahmen sich die an städtischen Gebäuden ange­brachten, hell zum Himmel lohenden Schalen brennenden Pechs aus. Die Schneelust, bereifte winterliche Bäume und diese grellen Reflexe. Ein Abend wohl wert des Erlebtwerdens, des uirver- gänglichen Rückerinnerns.

Nach dem Theater waren die Herren der zur Theaterein­weihung geladenen Gesellschaft gpch zu einem Zusammensein

und ist durch Versicherung gedeckt. Eine Störung de§ Be­triebes ist durch den Brand nicht eingetreten.

-m Friedberg, 13. Jan. (Tel.) Ein Bürger vott Ober>Rosbach wurde im hiesigen Forst Haselhecken wegen Wilddieberei festgenommen. Der Schneidermeister A. Rampe hat sich gestern abend erhängt.

-t- Bad-Nauheim, 11. Jan. Die Rodelbahn am Johannisberg, jetzt in großen Strecken spiegelglatt unb vereist, erfreut sich fortwährend lebhaften Besuchs, namentlich auch von zahlreichen Zuschauern, die ihren Beifall für das neue, eigenartige Bild oft recht geräuschvoll bekunden. Leider war heute auch ein Unfall zu ver­zeichnen. Ein junger Mann ans Friedberg stürzte beim Fahren so unglücklich, daß er eine starke Gehirnerschüt­terung erlitt und in das hiesige Krankenhaus verbracht werden mußte. Wie ermittelt werden konnte, ist der ver­unglückte Fahrer ein Herr Knapp, der in der Gewetbe- afabemie zu Friebberg seiner Ausbilbung nachgeht. Sem Zustanb gibt zu ernster Besorgnis zwar keinen Anlaß, boch konnte ärztlicherseits bie von bem Patienten begehrte Verbringung nach Friebberg nicht gestattet werben.

Vadenrod (Kr. Alsfeld), 10. Jan. Mit Beginn des neuen Jjahrcs wurde die hiesige F e 1 d f^a g d wieder auf weitere 12 Jahre verpachtet. Pächter in ist die Oöerförstcrei Storn- dorf gegen eine jährliche Pachtsumme von 750 Mark. Der Mehr­erlös (in der vergangenen Periode wstete die Jagd nur 550 Mark) kommt der Gemeinde, die sonst nur geringe Einnahmen aus Ge­rne indeverinögen hat, sehr zu statten. Tie Jagd selbst ist nicht ein­träglicher geworden, sondern hat bei der Fcld^ereinigung, da­durch, daß die meisten Hecken und Raine verschwanden, an Wildreichtum cingebüßt. Seit mehreren Jahnen besteht hier ein Konsumverein, der sich von Jahr zu Jahr günstiger entwickelt. Auch die damit verbundene Spar- und Dar- lehnskasse wird jetzt reger und allgemeiner benutzt und be­sonders auch bei kleineren Beträgen mehr in Anspruch genommen. Es ringt sich nach unb nach die Einsicht durch, daß eine solche Kasse nur dann voll und ganz ihren Zweck erfüllt, wenn jeder Bürger ihr sein Interesse zuwendet.

sd. Darmstadt, 13. Dez. (Tel.) Hier verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß die bürgerlichen Parteien in Offenbach bei der diesjährigen Landtagswahl ben Stabtv. Kreisgeometer Porth als gemeinsamen Kanbi- baten gegen Ulrich aufstellen wollen. Der Sekretär ber Lanbwirtschaftskammer Oekonomierat Dr. Müller Hal einen Rus nach Karlsruhe erhalten.

h Offenbach, 13. Jan. Vorgestern nacht würbe in ber Turnhalle Goethestraße ber Kaufmann Karl See­holzer von bem Kaufmann Hans Vi e h l mit einem Re­volver erschossen. Der Stenographenverein Stolze- Schrey hatte ein Tanzvergnügen mit Tombola-Verlosung abgehalten. Nach ber Verlosung entstauben unter ben jungen Leuten Streitigkeiten, in beten Verlauf Viehl einen Revolver zog unb fünf Schüsse in den Saal auf bie Leute feuerte. Ein Schuß hiervon traf ben Seeholzer, ber sofort tot hinsank. Zwei weitere Personen würben verletzt. Viehl würbe verhaftet.

-b. Neu-Isenburg, 12. Jan. In einer hier ab­gehaltenen Versammlung nahm Pfarrer Korell Stellung zur v. Bülowschen Erklärung in ber Wahl­rechtsfrage. Die Blockpolitik habe so lange Zweck ge­habt, als man Fortschritte erwarten konnte; biese Voraus­setzung falle nach v. Bülows Erklärung fort. Wenn bie Fraktionen jetzt nicht bie Konsequnzerl zögen, werbe er sich nicht länger an ber politischen Arbeit beteiligen, benn

I durch Exzellenz v. Vignau in die Räume der Weimarer Arm- brustschützengesellschaft, die noch heutigen Tages mit der Arnr- brust schießt, eingeladen Das Büfett war sehr gut, exquisit, sehr chic, und es gab vorzügliche Malossol und brillante Sekt­marke und bis zum Erschlaffen . . .

Möchten alle heute hier zu Gunsten der deutschen Bühnen­kunst geäußerten guten Wünsche sich erfüllen!

*

Aus Frankfurt a. M. wird uns il d. 12. ds. ge­schrieben: Mit der gestern unter festlicher Teilnahme von zahl­reichen Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden, der Universitäten (Gießen war vertreten durch den derzeitigen Rek­tor von Gießen, Prof. Tr. Leist, dessen Redeleistung als die eindrucksvollste von allen bezeichnet wurde) und .Hochschulen, wissenschaftlichen Körperschaften und Vereine aus der, näheren unb weiteren Umgebung von Frankfurt und der wissenschaft­lichen und gesellschaftlichen Streife Frankfurts selbst erfolgten Einweihung des neuen Physikalischen Vereins-Ge­bäudes ist der Schlußstein zu den umfassenden Bauten des sog. akademischen Viertels gelegt, in dem viele die Keimzelle zu einer künftigenUniversität Frankfurt" erblicken. Aus dem kleinen privaten Verein, der vor 83 Jahren ge­gründet wurde, ist, dank der Leitung hochangesehener Gelehrter, ein. mächtiges wissenschaftliches Institut geworden, das mit seinen drei jetzt so reich ausgestaUeten Abteilungen, der physikalischen, der chemischen und der elektrotechnischen, den Neid mancher Universitäts-Institute erwecken kann. Jetzt, in dem Neubau, ist gar noch eine meteorologische und eine astronomische Abteilung hinzugekommen. Ter Verein hat große, mit allen Erfindungen unb Einrichtungen der modernen Temonstrationstechnik ausgestattete Hörsäle, geräumige Laboratorien, Ansstellungssäle, Experimen- tationsräume, und dient durch Vorträge und Praktika sowohl der Volksbildung, insbesondere der Fortbildung der Lehrer unb Schüler, wie auch der wissenschaftlichen Forschung, werden doch die in ben Arbeitsräumen des Instituts angefertigten wissen­schaftlichen Arbeiten von ben Universitäten oftmals als Toktor- Tissertationen angenommen und genießen doch die in Publika­tionen des Vereins veröffentlichten Abhandlungen den besten wissenschaftlichen Ruf. Tank der Energie des Oberbürgermeisters und seiner weitschauenden Politik ist cs gelungen, die drei großen, aus der privaten Initiative hochgesinnter Bürger ent­standenen wissenschaftlichen Institute, die Akademie für soziale und Handelswissenschaften, das Senckenbergifche Museum nebst der Bibliotheca Senckenbergi und den Physikalischen Verein, auf einem einzigen Skomplex zu vereinigen, und es ist wohl nicht zu zweifeln, daß sich nunmehr auch bald die Verwaltungen der drei großen Institute irgendwie organisatorisch zusammensinden^ Von hier freilich bis zur Universität ist noch ein weiter Schritt unb, wie man über die Organisationsschwierigkeiten Hin­wegkommen ivill denn private Universitäten gibt es in Preußen vorläufig nicht und staatlich werden die Frankfurter Bürger das ,ans ihrer Initiative erwachsene Institut nie werdeir lassen ist noch nicht cinzusehen. Aber über das Gedeihen dieser jetzt vollendeten drei großen wissenschaftlichen Institute wollen wir uns inzwischen freuen. An der gestrigen Feier nahm übrigens auch Graf Zeppelin teil. Dr. G. Z.

Kleine C h r o n i k a u s K u n st u n d W i s s e n s ch a f t. r^rank Wedekind hak eine neue bramalische Arbeit vollendet, die noch im Januar in ber Berliner WochenschriftMorgen" zur Veröffentlichung gelangt. W.'s packenber EinakterTer Kammer­sänger" soll im Gießener Stabltyeatcr bemnächst zur Aufführung kommen. In Genf ist am 9. Jan. Scott, ber Erfinber von ecotts Emulsion, gestorben.K a i s c r K a r l s (>) c i s e 1/ Lege»,benspiel von Gerhart Haiipt mann, ist in S. Fischers Verlag zu Berlin soeben in Biichsorm erschiencii.