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02/11/1908 Zweites Blatt
 
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geführt werden wird, wird wohl eine starke Anziehungskraft auSüben.

** Keine n e ue B an knied e r l a ssnn g. Die Nach­richt, daß die Dresdener Bank hier eine Niederlassung gründen werde, bestätigt sich nicht.

- Vorträge über Viehzucht. Der Zuchtinspektor Schwarz-Gießen wird hier kommenden Januar einen Dor- tragSkursns für Landwirte über Viehzucht abhaiten.

* * Schw ierig er Transport. Ein Riesendampf- kessel wurde heute früh unter schwierigen Verhältnissen nach den Neubauten der I r r c n a n st a l t geschafft. Am Neuenweger Tor vermochten 12 Pferde den Wagen nicht von der Stelle zu bringen, weit ein Rad sich in das Pflaster eingedrückt Halle, und cs mußte mit Winden nachgeholsen werden.

* * Diebstahl. Einem Dienstmädchen wurden am verflossenen Samstag 100 Mk. und eine Taschenuhr aus seiner Schlafstube gestohlen. Das Geld Halle das Mädchen in der Tasche eines an der Wand hängenden Rockes aufbewahrt. .

* * Unfall. Gestern morgen kam ein hiesiger Küser- bursche aus der Straße nach Annerod mit seinem Fahrrad zu Fall und zog sich eine Gehirnerschütterung zu Er wurde von Mitgliedern der Sanitätskolonne in feine Wohnung gebracht. Am Rad war die Vordergabel gebrochen, was die Ursache des Falles gewesen sein soll.

"Radaubrüder. Auf der Herberge zur Heimat machte gestern früh ein betrunkener Handwerksbursche Radau, well ihm keine Getränke verabreicht wurden. . Als er hinaus- gewiesen wurde, schlug er eine Fensterscheibe ein. Dem hinzu- gerusenen Schuhmann widersetzte sich der Bursche und drohte mit bem Messer; er wurde deshalb festgenommen. Ein weiterer Radaubruder wurde gestern abend tvegen fortgesetzter Ruhestörung in Polizeihaft genommen. . .

* * In Amerika verstorbene Hessen. Ein in Gietzen mrd Umgebung sehr bekannter Mann, der frühere Restaurateur von Wenzels Garten, Wilhelm Wenzel, ist fern von der Hei­mat gestorben. Die Hessen-Darmstädter Zeitung in Amerika wid­met ihm folgenden dcachruf:Herr Wilhelm Wenzel, ein unter dem OärmenDoulanger Wenzel" fast jedem Deutsch-New- Porker bekanntes Original, ist am letzten Samstag in F l a t b u s h, L. I., 68 Jahre alt, einer Komplikation von Krankheiten er­legen. In Gießen geboren, erlernte Wenzel das Lilhographen- geschäft, sattelte aber bald um und wurde Restaurateur. Als solcher betrieb er eines der größten ConcertloSale in der hessischeir Unir-ersitätsstadt, bis er vor ungefähr 30 Jähren sich zur Aus­wanderung nach Amerika entschloß. Zuerst ließ er sich in San Franeiseo als Wirt > nieder, nach lurzer Zeit siedelte er nach New Port' über, und wurde hier Kollektor für Ruppert's Brauerei, fpäter für August Lüchow. Vor einigen Jahren gab er seine Stellung auf und zog nach Saerainenw, Cal., zu seiner Schwä- 9erin, die 'dort eine Brauerei besitzt. Aber New Pork war ihm so an's Herz gewachsen, daß er es int Westen nicht lange aushielt uitb wieder nach dem Osten ging, um den Rest seiner Tage int1 be­haglichen Ruhestände bei seiner verheirateten Tochter zu ver­bringen. Wenzel loac die Gutmüthigleit selber und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Seine Aehnlichlkeit mit dem fränzösischen General trug ihm den ZunamenBoulaitger" ein, eine Benennung, die er keineswegs übel nahm. Schon in Gießen war er alsStudentenvater" eine populäre Persönlichkeit, in seinem Lokale wurde mancher Bär angebunden, manche blutige Mensur auf dem von ihm eingerichteten Paukboden ausgcsochten. Gern erzählte er in Freundeskreisen von seinen Erlebnissen, namentlich von feiner Luftballonfahrt nach Holland, sowie von seinen Reisen in Frankreich, England usm. In den Vereinigten Staaten war Bonlanger, oderGraf Litho", wie mian ihn auch nannte, fast überall, wo Deutsche leben, bekannt und beliebt. Seit Jahren war er Mitglied des Beethoven Mannerchors in New Port. Er lstuterläßt eine Witwe, eine Tochter und zivei Söhne." Weiter sind -gestorben Wilhelm Auer aus Weinheim b. Alzey, 71 Jahre alt, zu Brooklyn; Frau Magd. Bähr, geb. Frühauff, aus Pfeddersheim 311 Brooklyn.

Wleseek, 1. Roo. Mittels Erhängens machte heute nacht der im Alter von 65 Jahren stehende Landwirt Th. Sch. hier seinem Leben ein Ende. Sch., der seit längerer Zeit stark dem Trünke ergeben war, befand sich in geordneten Verhältnissen; das Motiv zur Tat ist unbekannt.

-b. Lich, 1. Nov. Heute feierte Herr Justus Trechs- ler sein 25jähriges Dienstjubiläum als Kreis- Straßenwart. Schon anläßlich seines 20. Jubiläums wurde ihm von S. K. H. dem Großherzog das arlg. Ehrenzeichen verliehen.

ch Friedberg, 1. Nov. Die Leitung der jetzt städti­schen Gewerbe-Akademie hat dieser Tage der neue Direktor Jantzen aus Ilmenau übernommen. Gegen die Erweite­rung der K r e i s s a m m e l w a s e n m e i ft e r e i im Süden der Stadt ist städtischerseits Einspruch erhoben worden. Die Errichtung eines Gebäudes für Zollabferti­gung ist am neuen Bahnhof geplant, lieber den Kosten­punkt werden gegenwärtig Erhebuntgen angestellt. Die Regierung hatte eine Verfügung gegen die O r l s 5 u l a g e n der Volksschullehrer erlassen. Die Angelegenheit soll auf dem nächsten Stüdtetag verhandelt werden.

-m. Friedberg, 2. Nov. Als der Postpaketbote Danneberg heute früh um 61/2 Uhr mit seinem Paket­karren das Gleis überschreiten wollte, wurde er von einem von Frankfurt kommenden. Güter Zugüberfahren und sofort getötet.

-x-. Rodheim a. d. Bieber, 1. Nov. Eine rege Bautätigkeit herrschte auch in dem nun wieder zu Ende gehenden Jahre hier. Sie würde noch weit größer gewesen fei», wenn es nicht so sehr an geeignetem Baugelände fehlte. Leider ist Jiodheim nicht in der Lage, neue Straßenlinien aufzuschließen, weshalb der Ort sich immer mehr in die Länge ausdehnt. Während bisher Bau- gclänbe noch zum Preise von 2 Mk. für den Ouadratmeter zu hüben war, kostet er jetzt schon 33,50 Mk. Der für nächstes Jahr in Aussicht genommene Schulhausneubau hat eine Er- wellerung des Schulgrundstücks zur Folge. Es wurden daher tu dreien -tagen von Seilen der Gemeinde mehrere Parzellen im Preise von 3,203,50 Mk. für den Quadratmeter käuflich erworben. Die neue Schule wird sämtliche Klassen, die bisher tn 3 Häusern untergebracht sind, in einem Bau vereinigen. Das Gebäude kommt unter Wegfall der Schulscheuer direkt hinter die alte Schule zu stehen, die auch von der Bildfläche verschwindet.

w. Wiesbaden, 2. )cov. Auf der Wiesbaden-Frank­furter Straße, zunächst dem Gasthaus zum Wandersmann fuhr ein Automobil gegen die Brüstung einer Chaussee­brücke. Dem einen Insassen, dem Fabrikanten Fritz Rein­hart von Worms, wurde der Brustkorb eingedrückt, ein anderer, Vinzenz Trumpler aus Worms, ist ebenfalls schwer verletzt. Siuci Wiesbadener Damen wurden getötet und der Chauffeur erlitt einen Armbruck>.

und Oberaufsicht dem Wohle der Anstalt ganz widmen zu können, ohne anderseits ihre Gemächer im Schloß aus- gegeben zu haben.

** Aus dem Militärwochenblatt. Scharnke, Bisher Studierender der Kaiser Wilhelms-Akademie, zum Unterarzt beim Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) IJcr. 116, Baumgärtner, Militär-Baumeister in Mainz, unter Ueberweisung als technischer Hllfsarbeller zur Inten­dantur dem 18. Armeekorps zum Militär-Bauinfpektor er­nannt.

** Eine Sitzung des Pro vrnKial aus schuf ses findet am Mittwoch, 4. Nov. d. I., vorm. 9 Uhr mll fol­gender Tagesordnung statt: 1. Polizeibefehl gegen Frau Heil Witwe jn Schlitz. 2. Enteignung von Gelände zur Verbreiterung des Mittelwegs in Gießen; hier Ausspruch der Enteignung. 3. Gesuch des Louis Heß zu L e i d h e ck e n um Erlaubnis zum Betrieb einer Gxifnvirt» schäft. 4. Gesuch des Jeremias Kirsch bäum IIL zu Helgersdorf um Erlaubnis zum Betrieb einer Gast­wirts cha ft.

* * Uebertmgcn wurde dem Lehrer Joh. Wendel zu Gadern, eine Lehr erstelle an der Gemeindeschule zu Weiskirchen; dem Schulamtsaspirautcn Aug. Schuch aus Worms eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule Essenheim; dem Schulamtsaspiranten Karl G u y 0 t aus Niedeo-Jngelheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bubenheim; dem Schulamtsaspiranten Will). Franz aus Seibelsdorf eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Appenheim; dem Schulamtsaspiranten Anwn May aus Aspis­heim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Elsheim: dem SchulamtsaGiranten Martin Schick aus Jugenheim (ftreis Bingen) eine Lehr erstelle an der Gemeindeschule zu Engelstadt. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bettenhausen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Solms- Braunfels steht das Präsentationsrecht zu.

AuS dem Schulleben. Eine höchst zeitgemäße itmb nachahmenswerte Verfügung hat die Kreisschulkominission Gießen erlassen. Diese Verfügung verbietet aus gesundheit­lichen Gründen ausdrücklich, daß die Schulkinder ferner­hin zum Kehren der Schulsäle, Schulhöfe und Flure, sowie zum Reinigen der Aborte und Pissoire benutzt werden dürfen. In Zukunft wüsten diese Arbeiten durch besonders bestellte Frauen oder in größeren Orten durch Schuldiener besorgt werden. Wer die Gefahren kennt, die dein kindlichen Orga­nismus durch die im aufwirbelnden Schulstaube usw. ent­haltenen Krankheitskeime drohen, wird die Verfügung nur mit Freuden begrüßen.

* * Naturw is senscha ftlich? Vorträge. Die natur­wissenschaftliche Abteilung der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ^veranstaltet im Laufe dieses Winters eine Reihe naturwissenschaftlicher Vortragsabende. Es werden folgende Herren sprechen: ;2Dnt 12. November Prof. König über die Verflüssigung der «Gase (mit Versuchen. Am 10. Dezember Prof. Kossel über koloniale Bestrebungen und medizinische Forschung. Am 14. Januar Prof. Fromme übet den gegen­wärtigen Stand unserer Kenntnisse von der Sonne. Am 11. Fe­bruar Geh. Hofrat Spengel über Darwin (zur Feier von Darwins 100. Geburtstage). (S. Inserat.)

** Stadttheater. Am morgigen Dienstag geht des '(Dänen Gustav Wied vieraktigesSatirspiel" 2x2 = 5 zum ersten Male in Szene. Die interessante und hochamüsaute Komödie die in ihrer Eigenart sich schwer in die bekannte Schablone, Lustspiel, Schauspiel oder Schwank einreihen läßt, denn sie besitzt von jedem Genre Einiges, geht augenblicklich fast über sämtliche Bühnen Deutschlands. Der Titel zeigt an, wie Wied genommen sein will. Seine Ko­mödie will im Wandel der Charaktere demonstrieren, daß das Unsinnige, das Unwahrscheinliche hier auf Erden atn meisten Aussicht hat, verwirklicht zu werden. Dabei ist Wieds Satire stets liebenswürdig und nie verletzend. Die hiesige Aufführung ist nach der des kleinen Theaters in Berlin, wo das Stück bereits die 200. Aufführung absolviert hat, inszeniert.

** Bürgerverein Gießen. Ein hochinteressantes, ff in; unsere Stadt geradezu aktuelles Thema wird nächstens im Bürgerverein zur Besprechung kommen. Prof. Hans Kampffmeyer, Generalsekretär der deutschen Garteu- stadtgesellschaft, wird einen Vortrag hallen überTie StadterweiterungimSiunederGartenstadt- üewegung". Gerade jetzt, wo die Stadtverordnetenver­sammlung stch mit einem Antrag betr. Aufstellung eines großzügigen Stadtertveiterungs- und Bebauungsplanes be­fassen wird, dürfte dieses Thema von ganz besonderer Bedeutung sein und seine Anziehungskraft aus unsere Bürgerschaft nicht verfehlen, zumal der Vortragende, eine Autorität auf diesem Gebiete, die hiesigen örttichen Ver- hällnisse besonders berücksichtigen und seine Ausführungen durch Vorführung von Lichtbildern unterstützen wird. Der Vortrag wird in Steins Garten am 12. oder 19. d. M. stattfinden. Näheres wird in den nächsten Tagen durch Inserat bekannt gegeben.

** Suftfd)iffahrt Zu einem hochmodernen, sensatio­nellen Vortrag ladet der Kaufmännische- und Orts-Gewerbe-Verein für Domrerstag, 5. fltov., abends 81/2 Uhr, in Steins Saalbau ein. Als Redner ist Hauptmann und Kompagniechef Härtel aus Leipzig gewotmen worden, der sich in vielen ersten Ber­euten Deutschlands bisher vorzüglich bewährt hm. Er wird über Dte Eroberung des Luftrneeres" sprechen, und dabei Lichtbllder höchster Vollendung vorsuhren, die in ihrem Genre SU den besten deutschen Leistungen gerechnet werden müssen. Haupt­mann Härtel wird das allcrneueftc aus dem Miete der Aero­nautik und Aviatik bringen: Vom Zeppelin, Parseval, dem Milüär- ballon, den niodernen Flugversuchen, Gordon Bennet-Fahrt usw. Daran schließt sich eine interessante Abhandlung über den heutigen Stand der meteorologischen Höhenforschung. Da Redner überall persönlich beigewohnt und sich eingehend informiert hat, ist er in der Lage, an der Hand von eigenen, sorgfältig ausgewählten Aufnahmen sachgemäß zu berichten. Geh. Rat Hergesell (Straß­burg) hatte die Güte, Hauptmann Härtel einige seiner wohlgelunge­nen Aufnahmen bewirkt von der vorderen Gondel des Zeppelin während der Fahrt zu überlassen. Darnach wird man ein- gelaben zur Teilnahme an einer Ballonreise von der Reichs- Hauptstadt nach dem Riesengebirge, wobei man Eindrücke und Empfindungen einer solchen eigenartigen Fahrt in sich aufnehmen wird. Prachtvoll farbige Landl chaftsbilder mit einem weiten Ge­sichtskreise wechseln ab mit Karten unb Zeichnungen wissenschaft­lichen Charakters, schließlich wirb man von einem formenretdjen Wolkenmeer im reinsten Glanz bes Sonnenscheins umgeben sein. Gegen Enbe sollen iwch einige von den wohlgelungenen Auf­nahmen, die Hauvtmann Härtel gelegentlich seiner Alpenfahrt bewirkte, als Lichtbilder gezeigt werden. Da gewiß mancher das Verlangen hat, einmal über dem Ganzen zu jckiweben, so sei der Besuch dieses Vortrages angelegeMlichst empfohlen.

** Das W oh ltätigkeitskonzert, das zum besten der Krankenschwestern am 21. November stattsindet, wird in sämtlichen Räumen beS GcseUschaftShauses begangen werben. Um möglichst allen Kreisen bet Bevölkerung den Besuch zu ermöglichen, wird das Fest in die Abendstunden gelegt werden. iZlußec verschiedenen Btlffets mit kalten Speisen sind allerlei kleine Ueberraschungcn vorgesehetl. Ein Promenadekouzcrt im Hause bes Gejellschaftsvereins, das unter Leitung des Musik­direktors Krauße so« der hiesigen RegmtenMapelle aus­

Airche unO Schule.

. . Darmstadt, 29. Olt. Keine Frage bewegt neben der wztalen uu,ere Zeit |o, wie die religiöse. Ob man die Reli­gion betonft und alle Kräfte ausschließlich für die materiellen '.(11 [gaben nutzen will, ooer ob man ihr ihre Verquickung mit einem vergangenen Weltbild zum Vorrvurf macht, oder ob man biqtgitotwii als ihre saftlose Frucht ansieht, es steht fest, daß Ue, die ttesste Quelle der Kraft fiu alle Zeiten ist. Tenn für umere CDoitgchiG christliche Religion ist der echh'che Gehalt maß- gebend. In ihm vor allem erleben wir Gott gegenwärtig. So ctroa leitete. Dtwftswr Berger die gestrige von der freien ip d e s 11 r ch l 1 a e u Ve re i n i g u n g für das Großherzogtum Heften eiNverusene i.vrfammlung ein. Pfarrer D. P reuscken- ^irfthhorn riferi.ele bor einer großen Verwmmlung von Laien, Lehrern, ^bretinnen und Psatrern über Zweck unb Ziel des ReligumsuntQwichts. .Gegenüber den Bestrebungen, die den Reli-

gionsünterrickrt (sei cs aus Frömmigkeit ober aus Ablehnung aus dem Schulunterricht entfernen niöchten, ftellle er die For­derung eines Religionsunterrichts auf, der mit religiöser Warmc die wissensckaftlichen Resullate der F-orschung verknüpft. Tie un­verlierbaren Werte frer biblischen Geschichte als Typen hervor­ragend religiösen Lebens, und KatechismuSuiiterricht, der christ­lichen Glauben und Weltanschauung so behandelt, daß sie als Harnwnie und Frieden der mit Gott geeinten Seele erfahren werde, sind die Mittel hierzu. Schulrut S ch e r e r - Büdingen führte auS, wie die Lehrersck'cst religiös bcfhm'mt ist, aber den Reli­gionsunterrick t als Schulsache behandelt und iede kirchliche Mit- teitung und Mitaufsicht beseitigt wünsckt. Ihm ist bie Religioir religiö^-silllick>es Erleben, das dem Kinde nach dem Maße seiner Fassungskraft int Unterricht vermittelt werden^ soll. Well die Religion zur harmonischen Entwicklung des Gei>tes gehört, wirb selbst der religionslose Staat notwendigerweise sie in seinen Schu­ten unterrichten lasten. Neben den biblischen Stoffen sind be­sonders auck" [o>ic deutschen Propheten und frommen Helden zu behandeln. Bei allem Unterricht sind die Mittel der experimeii- tellen Psychologie unb Pädagogik zu verwenden. Sie wird wie in der Geschichte der Völker auch im einzelnen Kinde der Fort­schritt von niederer Stufe zur höheren vollzogen. Eine Tiskuiston, in der besonders über die Freiheit und Selbständigkeit des Reli- gionSunterricksts gesprochen wurde, schloß sich an bte beifällig auf genommenen Vorträge aiu Im "November wird über den Religionsunterricht im alten Testamente wieder in breitester Oeffentlichkcft verhandell werden.

Gerichrstzaat.

Saarbrücken, 31. Ott. In dem Prozeß gegen 5 2 Beamte und Bergleute der Grube Reeden wurde um 6 Uhr abends das Urteil gefällt. Wegen fckstverer Beamtem- bestechung wurde der Fahrsteiger Riß zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, seine angeklagte Ehefrau lvcgen Beihilfe zu einer Woche Gefängnis. Schwere Bestechung wurde auch für den ver­storbenen Obersteiger Spengler nachgewiesen; seine mitangeklagte Ehefrau wurde fteigesprochen. Verurtellt wurden der Steiger Hock wegen einfacher Bestechuiig zu zwei Monaten Gefängnis, der Steiger Keßler und der Fahrsteiger Recktcnwald, gleicyfalts wegen einfacher Bestechung, zu einem Monat Gefängnis. Verurteilt wurden insgesamt acht Bergleute zu Gefängnisstrafen von einer Wvck)e bis sechs Monaten, lieber die Bestechungsgülder, welche bei den Steigern eingezahlt tourben, würbe bte Einziehung ver­fügt. Bei ben Steigern würbe von dem Antrag des Staats­anwaltes, ihnen auf die Dauer von drei Jahren die Befugnis abzusprecheil, ein öffentliches Amt zu bellcidcn, seitens des Ge­richts Abstand genommen. Die Kosten fallen den Verurteilten nach Maßgabe ihrer Strafen zur Last; für bie 38 Freigesprochenen trägt bic Staatskasse die Kosten.

Vermischtes.

* Das Ergebnis des Beunet-Rennests der Lüfte wurde am Samstag verkündet. Es erhielten: Der schweizer.. BallonHelvetia" <Führer Generalstabsoberst Schäck) den 1. Preis, der englische BallonSandte c" (Führer Dnn- ville) den 2. Preis und der belgische BallonB e l g i c a" (Führer Geerts) den 3. Preis.

* Brüssel 1910. Die belgische H a ndelswelt, namentlich die belgischen und die Vertreter der deutschen B r an e r e i c n veranstalten heftige Protestkundgebungen. Der Generaldirektor der Brüsseler Weltausstellung 1910 soll näm­lich mit einer Londoner Firma ein Abkommen getroffen haben, wodirrch der Firma das Monopol für den gesamten Verbrauch an Trink- und Eßivaren in der Ausstellung gegen eine Summe von 1250 000 Franks übertragen worden sei. Graf Adria Vanderbourg soll den Vertrag unterzeichnet haben.

LNeine Tageschrontk.

Tie Kasse bereit ter abfertig ung in Br euren ist um 24 000 Mark beraubt worden.

Die Haupllehrerni Elise Jung an der höheren Töchterschule in Gernershein wird vermiß t. Man beiürchtet, daß sie sich wegen eines Nervenleidens in ben Rheni gestürzt hat.

Der Untersuchungsrichter hat die llntersuchung gegen ben be­kannten Pariser D i a »n a n ten s ch w i n d l e r Lemoine eingestellt.

Die P e st in D a r e S Salaain beschränkt sich auf zwei Fälle, von deucii einer tätlich verlief. Seit dem 24. Oktober sind keine dleuerfrnnfungcn gemeldet worden.

Spielplan Der vereinigten frankfurter Stadttheater.

L'pernhaus.

Montag den 2. Novbi., abends halb 8 Uhr:Die lustige Witwe." Tieustag den 3. Novbr., abends 7 Uhr:Madame Butterfly/

Schauspielhaus.

Montag den 2. xod.:Nathan Der Weife/ Dienstag den 3. Nov.:Der Hüttenbesitzcr/ Hinang jedesmal abends 7 Uhr.

HcenSsl.

* * Obligationen der Rheinpr0vinz. Wie die Mitteldeutsche Credilbank, Filiale Gießen, mitieiü, hat die Rhein- provinz den Berkauf ihrer neuen vierprozentigen Obligationen wegen allzilgroßer Nachfrage eiiigestellt.

Märkte.

f c. Frankfurt a. M., 2. Acw. (Orig.-Telegr. desGieß Anz/) Aiiitliche 9lolieriuigen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen All. 19 5019.75, Kilrhessischer Wik. 20.2520.50, La Plata Dtt. 23.75-24.50, Kansas Pik. 23.0023.50, Dioggen (hiesiger) Pck. 17.2517.50 Gerste (Wetterauer) Mk. 21.5022.00, Franken- felder Mk. 21.50-22.25, Haser 16.5018.00, Mais Mk. 17.7518.00. Weizenmeht Bit. 31^032.00, 0000, 2. Qualität Pik. 30.50 bis 'Dif. 31.00, 3. Qualität Mk. 29.0030.25, Roggenmeht 0

Mk. 27.7528.00, l.Cunlitat Bit. 26.7527.00, Weizenkleie Pik. 10.00 bis Mk. 10.25, Roggenlleie Dik. 10.7511.00, Aiaiskelme Aik. 13.25 bis Aik. 13.50, Fianken, Pfälzer, Diieb 2)ik.00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

i c. F rank f u r t a. M., 2. Nov. (Tetegr. Orig. - Bericht beS Gieß. Aiiz.".) Amtliche i)lolicrungen der heutigen Biebmarkt- preise. Zmn Berkaiise flanbcn: 416 Ochsen, lul aus Oesterreich 35 Bullen, 1 ans^ Oesterreich, 868 Kühe Ferfeu, Stiere und Rinder, 220 Kälber, 544 Schare und Hammel, 1876 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 SchaÜcimmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 78 -80 Mk^ 2. Qiialität 70-72 Mk., 3. Qualität 56-62 Mk.; Bullen: 1. Qual. 6870, 2. Qual. 6466; Kühe 1. Qualität 70-72 All., 2. Qual. 6466 Mk., 3. Qual. 5254 Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlacht­gewicht : Kälber 1. Qualität 92 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 0556 Pfg., 2. Qualitäc 8590 Pfg., Lebendgewicht 50 - 63 Pig., Lchlachlgew. 6870Psg. Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 70 dis .6 Pig., 2. Qual. 52-56 Pfg. Schweine: 1. Qual. 7071 Pf., Lebenbgcwlchl 56,0-00 Pf., 2. Qual. 69-00 Pi., Lebendgewicht -pig., 3. Qual. 6365 Pig., Lebendgewicht 00-00 Pig. t>)cschait bet pornuicl) nuitelmäBig, Uebetftnnb unbedeutend, bei Klemvteh gut, lleberftnnb unbebemenb.

Gießelter Wetterdienst.

Voraussichtliche Wittcrnitg für Hesie» am Dienstag den 3. i'tovenibcr: ÜUorgcimebel, am Tage heiler. Trocken, nachts grost. schwache ältliche Winde.

Or'ögittaL-SrnhtittcLSttsrjzett.

Paris, 2. Nov. Die Aeußerungen, bie bie P a r 1) e r l u t t e r gestern über die Berltner Demifftvns- angelegenheit veröffentlichen, lafjen sich in zwei Gruppen teuer, .cach der einen, zu derAurore" undGil Blas" gehören und der auch derPetit Parisieu" sich ein wenig zuitetgl, Hal der Kanzler sich als Süudenbock für den Kaiser opfern wollen und mit dieser Ab sucht ztrg keuch