Ausgabe 
2.3.1908 Zweites Blatt
 
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Caspar.

Präsident Graf Stolberg

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(Beifall.)

Abg. Werner (Nfp.)

»» .«eßeun LamllienblStter- werden dem jMnaetfler* otermal wöchentlich beigelegt, das ^gnubieti fftt »tu Kreis Lietzen" zweimal WAchr"ch Die ^LandwMschastlicheo Seit-

Imr erfcheinen monatlich zweimal.

(Zweiter Tag.)

Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vgg.)

Montag 2. März 1908

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Min.

eingegangen sind die Novellen zum GerichtSverfaffungS., Gerichtskostengesetz und zur Anwaltsgebührenordnung. ,(Z r v r t-

prozetznov elle.) ;

Die große Gewerbenovelle. *

Naive Märchen-Sicherheit und Selbstverständlichkeit, echte Mävchenstimmung in Wort und Bild, dazu Spiel und Tanz und hübsche Beleuchtungseffekte, das alles zu einer wirhamcu und anheimelnden Einheit zu gestalten, ivar des Bühnennrarchen- machers Aufgabe, die Steingoetter aufs glücllichlte gelöst hat. Und die Inszenierung lieg gleichfalls l'aunr einen Wunsch oiren. Ein farbenprächtiges Büd, erfüllt von Leben und Licht, lolgie dem anderen. Tas lKbsck-este, poefievollste war das zweite. Tie Szenen im Fürstenschwsse sind iveniger gelungen, ivemg'er originell und wie sich das von selbst versteht, auch wenig von edit deutscher Märcl)enstuwmung erfüllt. Recht nett aber wat das anmutige Kindermenuett, bestrahlt von maguck-cn Lichtern, und über manches Bild hatte sich die leistungsfähigste Ans- stattungsbühne nicht zu schämen gebraucht, ödem Wunder, dach das mit kleinen Besucherii dicht gefüllte Haus sehr beisalls-

Bad-Nauheimcr Briefe. IL

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedillon und Verlag: e^ä>61* Redaktion. «L4AII2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

deiner Kritikus, daß das hübsck>e Mädchen nicht auch die an-1 killte. Tas schlechte Weller >nis seine,l Jnstuenza-BaMen und «einer >ririluv,,vuv..o i r .. .. I heimtückischen Waffen reißt aber doch manche Lucke m die

Reiben der (Setreuen. Unser bekannter hessischer Künstler warnet Greiner sprach an einem Abend über Hennalkunst, gewisjer- maßen als Ergänzung zu der unter Führung von Proi. Sauer nnternomnienen Kunslreise ans Mittelmeer. Zn dein vollstnnnich klaren Vortrag berührte einerseits das Eingehen ans den modernen Berni deS Handwerks wohllnend, anderseits verblüffte der gut be­gründete Hinweis auf die auch rein vollSwirrschaitlich nachwelsbars Bedeutung der Kunst für das Volksleben. Tas W a n d e r t h e a t er des Rhein-Mamischen VerbandeS brachte uns in diesem Monat zwei Vorstellungen, ein ernstes und ein heiteres Volksstück. Das erstere (am 8. Febr.) waren ^Die Rantzau" von dem elsässischen Dichterpaar Erkmann-Chatrian, die Geschichte von Romeo und ^ulla ms Deutsch-Bäuerliche mit Glück und geschickter Charakterlltlk über­setzt. DaS andere märenDie zärtlichen Verwandten" des guten alten Haiistheater-Dichters Roderich Benedix (am 27. tfcbr.). ö'ue das Publikum des dritten Platzes halte offenbar die,e letztere, leichtere Kost die meiste Llnziehungskrall. Sie knüpft ja auch am ehesten an daS an, was so in den Vereinen geboten zu werden pflegt, setzt nicht viel voraus und ist wohl so naturgemay die erste Stufe, um den Geschmack zu fördern. Wie ivird es uns gehen, wenn GrillparzersMedea" kommt? Solchem ernsthaften Wirken gegenüber spürt man doch gar deutlich, wie alle ^lks- dildungsarbeit, mag sie als Ergänzung der Volksichulbildung auch heule schon noch so notwendig und dankenstverl iemx doch leine sehr großen Schritte vorivärts machen kann, wo die schule

die Phantasie der Zuhörer miwiderstrhlich mitgerissen. T-ie bo scheiden zurückhaltende Klavierbegleitung tat_bad Ihrige, die Wir­kung zu erhöhen. Tus Publikum, das Den Saal bis in Den letzten. Winkel füllte, verhielt sich so lautlos aiifmerlsam, daß selbst von, nur gefLüftcrten Worten des Rezitawrs nicht eine Silvc verloren ging.

Deutscher Reichstag.

112. Sitzung, Sonnabend, den 29. Februar. Arn Tische des Bundesrats: v. Bethmann-Holltoeg,

Was die Zahl der Veranstaltungen betrifft, so war in der letzten Zeit unser B i l d u u g s v e r e i u obenan. In den lite­rarischen Abenden wurde mit der Lektüre von SchillersW al len­st e > >»" begonnen, und die Zahl der Teilnehmer war groß genug, neil ebienso gut besetzt, doch konn.e r.ian mit dem Besuch, m An- um selbst alle Rollen im .Lager" zu besetzen, das den ersten 'Abend I betracht des ernsten Themas, auch so zusrieoen sein. Es galt,

den Boden nicht bearbeitet hat.

Am 1. April ist der Bildungsverein in der glücklichen Lage, sein Lesezimmer mehr in das Zentrum der Stadt verlegen zu können. Wir hoffen, daß das der Benutzung förderlich sein wird.

Ter Vortrags verein veranstaltete am 22. Februar einen RezitationSabend mit £recm von Possart. Tcr bekannte Acüti- cEicner Mm stier trug erst eine Ballade vor (Graf Walther und die Waldsrau), die weniger durch ihren Ideengehalt, als durch iljre guten dramatischen Eiftkte toirkte. Nach einer durch die Eis-moll- Sonate von Beethoven ausgefüllte Pause folgte dann die Rezitation von Tennisons bekannter, ergreifender DränungEnoch Arden". Possart hatte seine Stimme prächtig in der Gewalt. Bis zur voll­sten Anschaulichkeit malle er alte einzelnen Szenen in iljrcni be­sonderen Charakter, die treuherzigen Kinderspiele, das Eheglück, die Trennung, den Schisfbriich, die Heimkehr bei allem wurde

freudig war. , . , . , .. r.

In der Darstellung mackste sich ja noch gar sehr die Erst­ausführung bemerkbar. Trotz des Ausbietens der ersten Kraste unseres Schauspiels klappte es 'wch nickst recht, und mehreren mackste der überflüssige schwäbische Dialekt, der auch den meisten der kleinen Gäste unverständlich bleiben mutzte, große Schwierig­keiten. Im einzelnen war Dor le Maifarth em niedliches Plappermänlcheii, mit dem Munde stets voran, Re i mer- Schlege l ein possierlicher Nrarchenfurst, v. d. Beckc ein dekla­matorischer Märchenprinz, Steingoetter und Sui je Bons wildkomische Waldgeister, Sachs cm ttberaus tprmg ästiger Hof­narr und iSteckenpserdtuminler. Gan- vorzüglich war G a r ei s als dicker Vetter Laible, eine köslliche Epifodenngur in fernem PrufMi mid Husten und Schnaufen, in ferner wunderlichen Beweglichkeit eine prächtige Illustration einer Grmunsck)en Marchcngeftatt. Tie musikalische Zukost inar mit Geschick .arrangiert und trug cm gutes Teil zum Erfolge bei, der un lauten Entzuaen der Meinen seinen Ausdruck fatid. W.

spricht sich für die Einführung obligatorischer Arbeiterausschüsse auS.

Abg. Fleischer (Ztr.)

hält einen Vortrag über die internationalen Berner Abkommen. Er hebt ihre Bedeutung für die nationale Industrie hervor; von einer allgemeinen Gleichmacherei könne keine Rede fein. Das Hauptverdienst habe die erste Berliner Konferenz und der Kaiser.

Wg. Tr. Eontze (natl.)'

bespricht die Heimarbeit der Z i g a r r e n i n b n st r i e, be. sonders in demklassischen Kreise der Tabakindustrie", Herford. Leider seien die Löhne in der Tabakindustrie duffer ft niedrig, die Hausindustrie sei aber nicht schuld daran. Die Kontrolle dürfe nicht allzuscharf gehandhabt werden, sonst würde die Wohltat bald zur Plage werden. Tie historische Entwicklung der Heimarbeit in der Tabakindustrie mutz in Rücksicht gezogen werden. Die Leute hängen mit ganzem Herzen an der Heimarbeit, obwohl sie natürlich Schäden im Gefolge hat. Die Kinderbeschäftigung ist von er. zieherischem Wert; die Kinder werden durch die Arbeit an Fleiß und regelmäßige Tätigkeit gewöhnt, aber dieses nur, wenn die Be­schäftigung in gewissen Grenzen geschieht. Möge das Gesetz den sozialen Wert der Hausindustrie der Zigarrenindustrie genügend berücksichtigen. stBeifall bei den Nationalliberalen.),

Abg. Geyer (Soz.):

behandelt ebenfalls die bausindustrielle Z i g a r r e n f a b ri. k a t i o n. Das richtigste ist ein Verbot dieser Hausindustrie. Sie ist nur eine Folge der niedrigen Löhne, und diese sind wieder her. borgerufen durch die hohe Tabakbesteuerung. Tie Hausarbciler haben selbst jenes Verbot gefordert, es hat aber schon Jahre ge­dauert, ehe auch mir eine Enquete durchgesetzt werden konnte. Nicht nur für die Arbeiter selbst, sondern auch für die Zigarrenkonsu. menten ist diese Hausarbeit geradezu gesundheitsgefährlich.

Die Vorlagen sind nur ein weiterer Schritt auf dem Dege der unwürdigen Gesetzgebung, die den Spott der Oeffentlichkeit hervorruft.

Das HcmS vertagt sich.

Montag, 1 Uhr: Fortsetzung, Reichsamt des Innern.'

Schluß 6 Uhr.

MarimalarbeitZtag wird der Industrie keine großen Wunden schlagen, da wir ihn schon vielfach haben. Es muß aber bei Arbeitsüberhäufungen nicht schwer gemacht werden, die Arbeits­zeit zu verlängern.

Oldenburgischer BundeSratsbevollmächtigter Dr. v. Eucken-Adden- hausen:

In bezug auf die Verbreitung vonMitteilungenüber Bundesvorlagen seitens der Neichsregiennig sind Nach­richten verbreitet worden, denen ich widersprechen mutz. Es konnte vielleicht die Meinung aufkommen, als ob die N e i ch s r e g i r u n g gegenüber Oldenburg irgend etwas versehen habe. Ich muh daher erklären, daß durch das Vorgehen der Neichsregierung in bezug auf Mitteilungen von Bundesangelegenheiten die olden- burgnche StaatSregierung sich in keiner Weise benachteiligt, ge­schweige denn verletzt fühlt. (Hört! Hört! links.) Am wenigsten ist das, obgleich eS behauptet wurde, der Fall beim Entwurf zum ArbeitSkammergell'tz, der ja der öffentlichen Kritik anheimgegeben wurde, und zwar auf Veranlassung der Reichsverwaltung. Diese hat also gerade in diesem Fall mehr getan, al5 sonst üblich ist, denn nicht nur die Bundesregierungen, sondern auch alle öffentlichen Z^örperschaften wurden ausgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Nach meiner Erfahrung hat die NeichSverwaltung die Absicht und den guten Willen, bei jeder Gelegenheit die einzelnen Bundes- regietungen so bundesfreundlich zu behandeln, und so entgegen- kommend ihnen die Vorlagen mitzuteilen, wie es nur möglich ist. Sollte hier und da ein Fehler vorgekommen sein, so glaube ich nicht, daß es sich der Mühe verlohnt, irgend welchen Wert darauf zu legen. EskommtaufdenGeistan.indemdteVer- handlungen deS Bundesrats geführt werden. Ich kann versichern, daß im Bundesrat alle Bundesstaaten, die größeren und die kleineren, im beften Ei nver- nehmen handeln und im bundesfreundlichen Verkehr stehen.

>ie an- l deren" sechs Frösche küßte, dann wären doch auch deren Frvsch- köpfe davongeflogcn. Ja, aber dann hätten sie nicht ihren | Fwschtanz aufsühren können und das Ware doch auch schade

Am Wend des oa raus folgenden Tages war der gleiche Saal ij | acht ebienso gut besetzt, doch könnt d I betracht des ernsten Themas, au

So ists denn altes Märchenland, das uns aus dem All­tagsleben in die geheime Geisteovelt hrneinzieht. Und die Geistertoelt ins Alltagsleben . . . Denn alle Geisterwelt ist Miär- chen und an des Waldes Spukgcstalten glaubt ein herzhaftes

Der Schwerpunkt dieser Beratungen kann nur in der Kom­mission liegen. Arbeiterfeindlich sind die Bestimmungen der Vorlagen nicht. Wenn die Sozialdemokraten das behaupten, dann lassen sie jede Objektivität vermissen. Der Entwurf über­trifft an Bedeutung alle Arbeiterschutznovellen seit 1890. Mit der Blockpolitik hat die Vorlage nichts zu tun. Wir werden uns nichts vergeben und unseren Grundsätzen immer Geltung zu verschaffen suchen. (Gelächter der Soz.) Es geht auch ohne die Sozialdemokratie. Seit ihrer schweren Niederlage hat die Sozialpolitik nicht geruht, sondern an Energie sogar zugenommen. (Lachen der Soz.) ,

Der Redner bespricht nun die Vorlagen. Wollte die Regie­rung jetzt wieder die Initiative errgeifen zur Einberufung einer internationalen Arbeiterschutzkonferenz, sie würde einen besseren Erfolg erzielen, denn inzwischen ist der Boden geebnet In der Erörterung der Frage der Lohnbücher bemerkt der Redner: das war ein Lieblingsgedanke deS Zentrums und besonders deS Wg. Hitze, aber hier zeigt sich so recht, daß die Gesetzgebung, auch die sozialpolitische, weniger mit dem Herzen, als mit dem Kopse zu machen ist. Gegenüber den Vorschriften über die Regelung des Verhaltens der Arbeiter in gewissen Betrieben befürchtet Herr Molkenbuhr, daß Gehorsamspflichten wie bei der SeemannSoronung mit Strafen eingeführt werden könnten. DaS mutz ganz auSgeschloffen fein; aber es ist gut, wenn das hier ausdrücklich gesagt wird. ES kann nur dec sanitäre Gesichts­punkt in Betracht kommen.

Dr. Pachnicke beschäftigt sich sodann näher mit der Frage de» Maximalarbeitstages. Nicht nur daS Moralische, sondern auch daS Hygienische versteht sich immer von selbst. Tie Gewerebaussichtsbeamten haben schon lange den Z e h n st u n d e n. t a g gefordert, wenn auch mit Uebergangsmaßnahmen, und jetzt hat ja auch die Industrie, die am längsten widerstrebte, die Textil- Industrie, sich gefügt Der Zehnstundentag wird sich genau so ein» führen, wie die bisherigen Verkürzungen der Arbeitszeit. Was die Ueberzeit anlangt, so kann ich dem Vorschläge der Ber­liner Handelskammer nicht zustimmen, die sechzig Tage so zu be- handeln, daß lediglich eine Anzeige bei der Polizei genügen soll; das würde die Ausnahme zur Regel machen. Tie Polini könnte heute schon manches, wenn sie nur wollte. Freilich, oie Orts- polizei muß künftig an Voraussetzungen gebunden werden. Sie ist nicht das qualifizierte Organ für Sozialpolitik, sondern die Gewerbeaufsicht, der Gewerberat. Notwendig ist aber da eine sehr starke Personalvermehrung. Hilfskräfte werden im großen Matzstabe herangezogen werden müffen, auch aus den Ar­beiterkreisen. In der Frage der Konkurrenzklausel be­trachten wir uns nicht als Anwalt einer Jnteressentengruppe. Ganz wird man sie nicht entbehren können. Die vielleicht mit Opfern erworbenen Betriebs« und Geschäftsgeheimnisse bedürfen eines Schutzes und das liegt auch im Interesse der Ausbildung der Angestellten, da man sie sonst vielleicht nicht so in die Einzel­heiten des Betriebes hineinsehen lassen würde.

Der Redner bespricht bann die Verhältnisse in der Heim, arbeit, die durchaus verschieden wären und bald einen rückstän. - bigen, bald einen fortschrittlichen Charakter zeigten. Die Tabaks, rnb bie Konfektionsinbusttie hätten ganz moberne Betricbsformen, währenb bie Verhältnisse in ber Heiminbustrie der sächsisch.schlesi- schen Gebirge sehr büster seien. Die neuen,Bestimmungen nehmen auf bie Verschiedenheiten des Betriebes Rücksicht. Es sind Kam p f- v o r s ck r i f t e n, die energisch zur Turchführung kommen müßten. Tcr Redner fordert obligatorische ArbeilerauSschüffe, Ausdehnung der Gewerbeaufsicht auf Eisenbahnuntcrnehmungen aller Art, eine Neuredaktion der Geiverbeordnung und eine Kodifitatiou des Ge.

Gieszener SLadtLhecrter.

Die verzauberten Frösche oder Marie das Plappermäulchen. ftmbcrni;ird/:ii in 6 Bildern mit Tanz und Gesang von Hermann Steingoetter.

Tes weisen Nathan Wort:Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" hat unsterbliche Giltigkeit. Wie dies Wort sjürs Leben gilt, das nüchterne Wahrheit nicht verträgt, so gilts erst recht für die Bühne. Und wenn , ihr Märchenzauber­licht auch nur unter besonders günstigen Umständen die geheimen Zugänge der menschlick)en Seele uns offenbart, so erfüllt sie doch nicht seltep wenigstens d i e Schillcrsche Forderung, als eineSchule der praktischen Weisheit" sich zu zeigen. Zumal wenn sie uns ein Märchen vorführt. Dieser Dichtnngsart sagt man sehr mit Recht nach, daß sic dem kindlichen Herzen am eindringlichsten etwas zu sagen weiß. Nun sind ja V o l k s - Märchen und K'n n st -Märchen sehr wesentlich von einander verschieden. Ten meisten der letzteren fehlt gar ofc die Zauber­formel, die das Herz der Kleinen für die Wunderwelt erschließt. Aber die von Görncr oder Anderen dramatisierten Volksnrär- chen sind fast allesamt übele Verhunzungen, die dem aus Mythos und Geschichte entstandenen Original alle Poesie und alle Naivität raubten, und alle Herzinnigkeit. Doch nicht in erster Linie mit dem Verstaiw, sondern mit dem Herzen erleben die Kinder die geheimnisvolle Wonne einer Theateraufsührung. Darum tun die Theaterbcrektoren ganz recht, wenn sie vor den Verballhor­nungen unserer besten Märck)en nnsere Kinder bewahrvn; und sie verdienen den wannen Tank jedes ernsten Kindar- freundes, wenn sie ciu.mai, in dem vollen Bewußtscin bey er­zieherischen Wertes der Schaubälpte, ihre kostspielige Zeit nicht allein der Inszenierung, sondern sogar der selbständigen Sck)äp fung eines Bühnen-Ntärckiens widmen. Tarum gebührt Direk­tor Steingoetter der Lorbeer des Abends.

Steingoetters Bühnenmärchen, das wir gestern kennen lcrm- tcn, sucht den kindlichen Gemütern klar zu machen, dav, um mit Börne zn reden, nichts zu fürchten ist als bie Furcht! Wer sich vor ber Furcht bewahrt, wirb von Hexen picht ge­narrt. Hast Herz unb Mund bu aus reckstem Fleck, laufen selbst Riefen feig von bir weg. Gruselig laß ich mich nimmer machen, Angst ift Unsinn unb macht mich lachen. In solche Minöci> reime läßt ,ich die Weisheit bes Steingoettersck)cn Atärchens zn- fammcnfassen. Der SckMssel des gestrigen Steiugoelterichen Er­folges aber auch bei den Eltern der kleinen Theatergäfte liegt in dem heimelig tyeitccen Tone, der aus dem Ganzen dringt, liegt mehr noch in dem zarten Hauche graziöser Poesie, der diesem netten Märchen entquillt. Ta plaudert der Walbauetl zum artigen Siinbc, bas Echo tritt leibhaft hervor hinterm Baume, im Wolkenivagen burchfährts bann bie Lüfte, ber Walb- hexe Seele verschwcbr in dem Raume, der Riese fällt durch Vst.cklojeu Bogen und des verzauberten Prinzen Frofchniaote kntlveicht in die Winde durch 'chiädchenkuß. Schade, sagte ein

Werberechts. Unsere Sozialpolitik müsse energisch weitergeführt werden, sie habe den glänzenden Aufschwung der In- dustrie nicht, wie früher mehrfach befürchtet wurde, gehemmt, sondern gefördert. (Beifall.)

Direktor im Reichsamt beS Innern Caspar stellt fest, daß die Ausdehnung^ der Verordnungsbefugnisse bcS Bundesrats hinsichtlich des Arbeiterinnen, und Jugendlichenschutzes sich bisher nicht auf bie reinen Familienbetriebe bezogen habe, d. h. auf bie Familienbetriebe ohne gleichzetige Beschäftigung fremder gewerblcher Arbeiter.

Abg. Schmidt.Allenburg (Rp.):

Wir sind im allgemeinen mit der Vorlage einverstanden. Dem Bundesrat sollen aber sehr große Befugnisse zugestanden werben Es werden daher zunächst die Beteiligten gehört werben müssen ehe man einschneibenbe Verordnungen erläßt.

Ter Bundesrat ist ohnehin schon mit seinen Forderungen über daS Ziel hinausgegangen, zum Beispiel bei der Bestimmung über den Rauminhalt ber Arbeiisräume. In Räumen, in benen füher 100 Arbeiter beschäftigt wurden, dürfen jetzt nur noch 70 Arbeiter tätig sein, obgleich gar kein Grund zu dieser Beschränkung vorliegt. Warum bat man ine Industriellen a I 5 Sachverstän. dige nicht gehört. Die neuen Vorlagen bedeuten für bie In- buftrie einen Mehraufwand von rund 500 Millionen Mark. Der Rebner bespricht bie Heimarbeit. Sie müsse aufrecht erhalten werben, wett sie sich zur Notwenbigkcit herausgebildet habe, beson. ders in der Tabakindustrie. Zu Unzuträglichkeiten muh die Be­stimmung führen, daß wohl die eigenen Kinder zur Hausarbeit herangezogea werden können, aber nicht die fremden, die aus Gnade unb Barmherzigkeit von ber Familie ausgenommen werben.

Abg. BehrenS (wirtsch. Vgg.):

Wir begrüßen die Vorlagen, weil sie die Arbeiterverhältnisse verbessern und den Arbcilerschutz erweitern. Die Frauen be. dürfen des besonderen Schutzes bei ber Arbeit, damit sie ihre Pflichten als Mütter voll erfüllen können. Die Industrie muh außerordentlich Bedacht darauf nehmen, daß ihr« Arbeiterschaft gesund erhalten bleibt. Bisher war daS platte Land ein Jung­brunnen, eine Quell« für gesunde Arbeitskräfte. Diese Quelle beginnt aber für die Industrie bereits zu versagen, weil die Land, wirtschaft sich anschickt, durch ländliche Wohlfahrtseinrichtungen die Arbeiter an die Scholle zu fesfcln. Viele ,Kann"-Vorschriften in den Vorlagen müssen daher in ,Muß".Vorschriften umgewandelt werden. Die Heimarbeit ist bered, igt. Bedenklich ist aber ihre überstarke Ausbreitung zum Schaden anderer wichtiger Pflichten.

Mißstände der Heimarbeit lieger. auf dem Gebiete der Wohn- und Lohnfragen. Darum müssen hi:r die gesetzlichen Maßnahmen einsetzen. Mehr Dampf in der WohnungS- und B o d c n r e f o r m fr a ge auf der ganzen Liniei Der Versuch in den Vorlagen in dieser Beziehung ist noch zu schüchtern. Tie Heimarbeiter wünschen dringend die Einführung des Re- giftricrzwangs. Arbeiten dürften dann nur an registrierte Arbeiter vergeben werden. Zu bedauern ist, baß die Vorlage nicht einen Schutz für Wöchnerinnen vorsieht. Bei dem weiblichen Forr- bilbungsschulunterricht wünschen wir eine kräftige Berücksichtigung des HauShaltungsunterrichts. Notwendig ist auch ein Schutz gegen Arbeitssperren unb schwarze Listen, sowie gegen geheime Ab­machungen der Unternehmer. (Beifall.) , . '

Abg. Manz freis. Vp.) i

Wir fallen über die Vorlage nicht ein so absälliaeZ Urteil, wie Herr Molkenbuhr, der auch wieder einmal den Block heran- gczogen hat. Was wird nicht bloß alles dem Block zugemutet I Ich hoffe, daß wir bei diesen Vorlagen einen Block bilden zur Erweiterung des Ardeiterschutzes, bei dem auch Herr Molkenbuhr positiv mitarbeiten wird. Eine Besserung in dem Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird nur durch die Arbeiterausschüsse herbeigeführt werben. Die Fort- bilbungsschulen für weibliche Personen heißen wir gut. Viel­leicht empfiehlt es sich aber, den Termin von 18 Jahren etwas herabzusetzen, ba schon viele weibliche Personen mit 18 Jahren heiraten. Tas Hauswesen muß in diesen Schulen genügend be. rücksichtigt werben. Die polizeilichen Kompetenzen dürfen nicht sehr erweitert werben. Die Konkurrenzklausel wttb schwerlich ganz zu beseitigen sein, vor allem nicht in der chemischen In­dustrie. Aber sie muß abgeschwächt werden. Ter zehnstündige

Nr. SL Zweites Blatt L 58. Jahrgang

------Siebener Anzeiger

Eemral-Anzeiger für Gberhessen