Ausgabe 
2.3.1908 Zweites Blatt
 
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U.-B.

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4>a°/0 russ.Staatsaul. l*JUa 4)4"/o Japan, btaatsauleihe 4 >6 Couv. Türken von 19U3

in der närrischen jede besondere Tumm-

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f d) et bitng s ür Wirte lallte die S t r a f ka in in e r. Mehr als 70 Offenbacher Gastwirte waren vorn dortigen Schöffengericht aus Grund des § 282 des Str.-G.-B. wegen unbeingter Ausstellung von Spielautomaten zu je 3 Mk. Geld.ra^e verurteilt worden. Es handelt sich um jene vielfach im Gebrauch befindlichen Appa­rate, ans welchen nach Einwurf eines b-Pseunigslückes cme Niete oder eine Zigarre, bezw. eine Biermarke zum Vorschein koinmt. In Wirtekreisen ivar man allgemein der Ansicht, daß eine besondere toencljmiguiig zur Aufstellung dieser Apparate nicht erforderlich sei. Die meisten meldeten die Apparate einfach ziir Automatensteuer beim Kreisamt an, das diese Steuer auch ohne weiteres akzeptierte oder im Falle der Nichtzahlung zwangsiveise beitrieb. Später änderte aber jene Behörde ihre Auffassung und veranlaßte, weil feine Genehmigung erteilt sei, das Strafverfahren. Das Schöffen­gericht hatte nur einenrechtlichen Irrtum"^ der Angeklagten an­genommen, der sie nicht straflos mache. Die Strafkammer erachtete aber die Angeklagten als im guten Glauben, im entschuldbaren tatsächlichen Irrtum befmblicl) einem Irrtum, m welchem sie durch das Verhalten der Behörde bestärkt ivorden seien und sprach d i e Angeklagten frei, und lud auch sämtliche Prozeßkosten der Staatskasse auf. Wenn dieses Urteil rechtskräftig wird, so hat die Staatskasse, da den freigesprochenen Angeklagten alle Auslagen, auch für Zellversäumnis, sowie die Anwaltskosten zu ersetzen sind, das nette Sümmchen vön zirka 1000 Mk. zu tragen.

eine Aussprache über die sich stetig steigernden Gefahren und Schäden des A l ko ho lis mus. Die Veranstaltung ging von verschiedenen Seiten aus, ja, es hatte sogar bei einigen ftreng- gläubigen Gliedern der hiesigen evangelischen Gemeinde unlieb- lames Aussehen erregt, daß mein Name als der eines wegen seiner freieren Tenkrichtung bekannten Mannes, mit dem des Pfarr- assistenten Knodt zusammen unter die Einladung gekommen war. Das richtige ist aber doch ivohl, daß wir Menschen zu einem unzweifelhaft guten, praktischen Zweck stets zum Zusammemvrrken bereit sind, ohne Rücksicht auf die Unterschiede in unfern Ansichten über die letzten unlösbaren Fragen des Daseins. Gehören doch auch einige unserer israelitischen Mitbürger zu den eifrigsten För­derern der Maßigkeits- und auch der Abstinenzbewegung. Es ist doch wohl einfach Sache der Menschlichkeit, sich da eines jeben Mitarbeiters über alle Unterschiede Der Weltanschauung hinweg zu freuen. Demi so gar zahlreich sind leider die nicht, die es als dringliche sittlickw Pflicht erkannt haben, tätig an der Be­kämpfung des unheilvollen Dämons Alkohol mitzuwirken. Die wenigsten Mensckjen kennen die gewaltigen traurigen Zahlen, um die es sich auf diesem Gebiete handelt, daß z. B. jedes Fahr über 30 000 Trinker in Deutschland in Asylen unter gebracht werden müssen, daß ungefähr ein Drittel alter Geiftesiranrheiten, die Hälfte aller Verarmung und das Entsetzlichste! daß drei Viertel aller Verbrechen sich direkt auf Den Aicohol zurückjühren lassen. Dazu kommen die Verheerungen, Die er inDireit anrichtec durch Degeneration der Kinder ans Trinkerfamilien und durch HerabminDening der körperlichen und geizigen Leistungsfähigkeit auch bei solchen. Die nicht Direkt ausfallend Dem Trunk ergeben find. Als Redner des Abends sprachen Die Herren Missionar Michel, Pfarrassistent Knodt, 8iechlsanwalt Meufer und ich Eine Reihe von Lichtbildern zeigte, mit humoriftilchn Genrebildchen beginnend. Das allmähliche V.rwmmen Des Trinkers und Das Elend seiner An­gehörigen. Tann wurden Tabellen Dargestellt, Die Schädigung Der inneren Organe auigejeigt, zum Schutz aber erschienen wieder freundliche Tarftellungen des geiunücn bl.nl/enDen Familienlebens,

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i b t, 28. Febr. Eine wichtige'Ent-

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Los 1) khaussierunt itroäflerung

Los 2) öon Stimme mWiehlich

Los 3) M Schleuse

Los 4) 340 ftbm. ( 22 kbm. flli

Los 5) Steine oom Q kflen . .

Los 6) Sendung!

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auf Q "Gossen Einigung ^tniieifk ^'°Dteii bi

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Teudenz: schwächer.

Kapital in D.c Aliohoiinouprie zu stecken um) |ü ail iljvi ch Gekraute zu große Ausgaben zu macheu. Geio^, ift ocr eukohol^ mus häufig nur eine Folge des kulturellen Tiefstandes, wie z. L

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Eine nationalliberale Bloärebe.

Bad-Nauheim, den 27. Febr.

Am 26. Februar hielt der der nationalliberalen Partei aitge- hörende Rechtsanwalt Scriba von Bad-Nauheim, Mitglied Der lungliberalen Darteigruppe zu Darmstadt, einen VortragRück- blicke und Ausblicke" im Wahlverein der bürgerlichen Par> teien hier anläßlich deren Generalversammlung:

Redner erinnerte an die politisch bewegte Acra zur Zeit der

Das Zutreffen dieser Zahlen hinsichllich Der Konjunkliirverhältniss. wird befiallgl durch ihre Ueberein|iimmnng nut Dem im Reichs arbeitsblalt veröffentlichten Gejamlcrgebnisje Der kaufmännischen Stellenvermittlung, wonach sich im Ganzen unter Anrechnung der weiblichen Angeflellten ein Alehr von 4757 Balanz- anmeldungen ergibt.

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flingeln in allen Erilft oes Daseins hinein auch rinz Karnevals und seines Gefolges Schellenkappen.

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handel.

** KonkurseinHessen. lieber das Vermögen des Land­wirts Johannes Tinges II. von Mer kenfritz wurde am 13. Febr. das Konkursverfahren eröffnet Rentner Albert Söhnge in Ortenberg wurde zum Konkursoerwalter ernannt. Konkurs­forderungen find bis zum 6. März bet dem Amtsgericht Ortenoerg anzumelden. lieber das Vermögen des Bäckermeisters Wilhelm Mitze in Darmstadt, Inhabers der Arheilger Nudelfabrik m Arheilgen wurde am 15. Febr. Das Konkursverfahren eröffnet, Da der Gemeinschuldner seine Zahlungen eingestellt und Antrag auf Eröffnung des dwnkurses gestellt hat. St au mann Karl Techert in DarmstaDt wurDe zum dionkursverwalter ernannt. Konkurs- forderungen sind bis zum 5. März bei Dem Amtsgericht Darm­stadt I. anzumelden. lieber Das Vermögen Des Glafermeisters Georg Toll in Darmstadt wurde am 1/. Febr. das Konkurs-- veriahren eröffnet, da der Gemeinichuldner zahlungsunfähig ist und Die (Sröunung beantragt hat. Kaufmann Karl Techert in Tarmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursfor- Dcrungcn sind bis zum 7. Marz bet Dem Amtsgericht Tarmstadt L anzumelden. lieber das Vermögen Der ö rau Katharina Rie - dtger Wwe. zu Dar m st a D t, Soderstr. 44^,2, touroe am 18. Febr. das Konkursverfahren eröffnet, da Die Gemeinfchuldnerin ihre Zahlungen cmgefieLt und Der Konkiirsgläubiger L. u. W. Levy in Frankfurt a. M. Eröffnung des Kontursverfahrens beantrage hat. Rechtsanwalt Tr. Gestner zu Darmstadt wurde zum Konkurs­verwalter ernannt. KonkursforDerungen find bis zum 9. März bet bem Amtsgericht Darmstadt I. anzumelden.

Zur L a g e d e s k a li s rn ä n u i s ch e n Arbeits» markt es. Es ift von vielen Sellen berichtet worden, daß sich ein Sinken der Konjunktur eliva seit Mitte vorigen Jahres fühl­bar mache. Diese Beobachlung imrD ohne Zweifel richtig sein. Auf dem kaufmännischen Arbensmarkte Hal sich jedoch der Rückgang in der Konjunktur im abgclaufeiieit Jahre noch nicht bemerkbar gemacht, ivie nachstehende Zahlen der Slellenvernilttlnng des Vereins für Handlungs-Kommis von 1858 in Hamburg beweisen. Bet diesem Vereine wurden Vakanzen aiigemelbct

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in Rußland und in Den schnaps trinkenden Ostprovinzen des Vaterlandes. 11m so energischer soll aber Der Mensch, jemehr er auf eine höhere Kultur Anspruch erhebt, gegen ihn ankämpsen. So Dürfte es unserer Arbeiterschaft wohl zu denken geben. Daß der amerikanische Arbeiter nur Den zehnten bis höchstens den sechsten Teil der Summe durchschnittlich für Alkohol ausgibt, wie Der deutsche Arbeiter. Tie gebildeten Schichten unserer Gesellschaft sollten den unteren kein so trauriges Beispiel mehr geben und jedem guten Menschen, ob Christ oder Jude, sollte das Herz brennen vor Verlangen, einen Sumpf abziehen zu helfen, der soviel Tod und VerDerben, soviel körperliches unb sittliches Elend aus­haucht.

Ten Löhepunkt des politischen Lebens in dieser Saison be­deutete das Zusammentreffen unserer Drei großen Parteigruppen, der nakivnalliberalen. Der freisinnigen und Der Sozialdemokratie, in Der Versammlung am 9. Febr., in Der Professor Bier mer gegen mich zu Felde zog. Mit dem Erfolg waren merkwürdiger- weise alle drei Parteien äußerst zufrieden, wohl das Beispiel einer seltenen Harmonie, die man uns Nauheimern an anderen Orten so leicht nicht nachmachen wird. Zu dieser freundlichen Harmonie unserer Polituren schonen Seelen stimmte es auch, daß, Naiional- liberale und H-veifinnige zufällig das gleiche Tatum, den 26. Febr. für ihre Generalversammlungen wählten. In der einen sprach, Rechtsanwalt (Scriba über Den Wiesbadener Parteitag Der Na- t.onmlib.raten, in Der anderen Rechtsanwalt Dr. Brücher über das Verhältnis des Freifmns zum Nationalliberalisrnns.

Auf kommunalpolitischem Gebiet bewegte vor allem Die Frage des Kernsckjen Kohlensäurewerkes Die Gemüter. Tre Bür­gerschaft ist mit der Höhe ihres Steuersatzes so durchaus zufrieden, daß sie eine weitere Hinaiiffetzung für durchaus entbehrlich hält. Ten Gewinn, den der Staat aus Dem hiesigen BaDebetriebe zieht, hält man für groß genug, daß eine einmalige Mehrausgabe von bO UOU M. keine entscheidende Rolle ihm gegenüber würbe spielen können. Tas war Die Stimmung, Die in Der Bürgervereinsoeriamm- lung am 12. Februar zum Ausdruck kam. Die schickfalsschwangeren Wolken, Die eben über unterem ^tabtDaufe hängen, bergen die Klär­beckenanlage und die Wettertalbahn in sich. Darüber das nächste Mal, wenn sichdi Witterung er ft etwas geklärt hat, und die Bahn der Zukunfi" deutlicher vorausgeschaut werden kann.

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frei von dem schleichenden, verzehrenDen Gift des Alkohols. Auch erinnerten einige Bilder an befonders Mianuvonungsvolle Be­rufe, ^wd Der Aiwhol unbedingt ausgefchnosj n bleiben muß. Aus den Tabellen, Die Professor Aschaffenburg gibt, sei ms für uns Hessen besonders interessant Der Limitani hecvorgehoben, aast in dem weinfrvhen Rheini)esfen auf je LOuOO strafiuuvoige P t

Die Steuerprojekte des neuen Reichrslyatzfettetärs.

at TieMilitärisch-Politische Korrespondenz", die sich im füllgemeinen gut unterrichtet zeigt, weiß über die Steuerprojekte sdes neuen Reichsschatzsekretärs Sydow allerlei Jntereffantes zu melden. So soll nach ihr ans der Branntweinsteuervorlage des Frecherrn von Stengel der Monopolcharakter ausgeschaltet und sie zu einer reinen Fabrikatsteuer umgeivanbeit werden. So soll weiter die Banderolenstcuer für Zigarren ivohl ihren Monopol­charakter behalten, aber nur auf die befseren Sorten Der Zi­garren ausgedehnt werden. Anscheinend kommen diese Projekte Dem Willen der Mehrheitsparteien mehr entgegen, als Die Sten- gelschen Entwürfe. Umsomehr aber muß man sich wundern, Daß Herr Shdow das Heil Der Reichsfinanzen nicht in einer Erweite­rung Der Erbschaftssteuer ober einer Veredelung der Matrikular- beiträge, sondern, wie dieMilit.-Polit. Korresp." wissen will, in einer Erhöhung der Po st- und Telegraphenge- b ü h r e n erblickt. Der P o st t a r i f f ü r 3 e i t u n g e n soll eine Erhöhung erfahren und die Worttaxe für Jnlandtelegramme von 5 auf 7 Pfg. festgesetzt werden, wenn auch Die Grundtaxe von 50 Pfg. für ein Telegramm von 10 Worten erhalten bleiben soll. Auf diese Weise hofft der neue Staatssekretär, der Post- verwaltung für Die Aufbringung Der Reichseinnah.nen eine ähnliche Stellung zuweisen zu können, wie sie Die Eifenbahnverwaltung im Etat Preußens entnimmt.

Die Verantwortung für diese fast ungeheuerlich klingende Meldung müssen wir einstweilen der obengenannten Korrespondenz überlassen. Völlig in Der Luft aber scheint sie nicht zu schweben. Wurde doch Herr Sydow gerade aus dem Reichs-Postamt in Has Reichsschatzamt übernommen; es wäre daher nicht ausgeschlossen, daß er Neigung verspürte, bei der Sanierung der Rcichsfinanzen mit seinem alten Kalbe zu bfkgieu. Dazu kommt, daß Herr Sydow schon bei der Beseitigung des Ortsportos und Der ge­planten Erhöhung der Fernsprechgebühren, die als sein eigenstes Wert zu betrachten sind, so viel fislalischen Sinn gezeigt hat, daß man ihm auch weitergehende verkehrsfeindliche Pläne zu- trauen kann. . .

Ob die Angabe Der genannten Korrespondenz, daß die Poft- verwaltung bei einer Einnahme von 11 Millionen aus Den Zei- tuugsgebühren mit 45 Millionen Unkosten arbeitet, also jährlich etwa 34 Millionen zufetzt, ihre Richtigkeit hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Daß aber Die Erhöhung des Zeitungsportos und der Worttaxe für Telegramme geeignet sein soll, dem bieichs- säckel wesentliche Mehreinnahmen zuzuführen, wagen wir zu be­zweifeln. Gerade die Erfahrungen, Die man mit der Fahrkartcn- fteuer und mit der Verteuerung des Ortsportos für Postkarten und Drucksachen gemacht hat, sollten den Staatsfelretär davon überzeugt haben, daß der Verkehr kein geeignetes Objekt zur Aufbesserung der Reichseinnahmen bildet. Zudem ist Der Zei- tungstarif erst vor 10 Jahren ganz wesentlich erhöht worden, und die Telegrammgebühr ift auch heute noch in Deutschland höher als in Den meisten anderen Kulturstaaten. Hier wäre also eher eine Herabsetzung als eine Erhöhung Der Gebühren am Platze, will man es nicht dahin bringen, daß das Publikum in Zukunft sein Bedürfnis nach der Lektüre auswärtiger Blätter einschränkt und nicht unumgänglich notwendige längere Tele­gramme entweder durch den Brief ersetzt oder sie auf Die Zahl von 10 Worten verkürzt. Daß hierdurch die Einnahmen der Post sinken würden, und daß außerdem eine solche Erschwerung des Verkehrs eine kulturelle Schädigung Deutschlands bedeutete, liegt auf der Hand.

Es muß daher gegen solche Projekte aufs energischste Front gemacht werden. Gerade weil dem Reiche der Postverkehr als Monopol unterstellt ist, hat es Die Ehrenpflicht, Die Postver­waltung zu einer gemeinnützigen Anstalt, nicht aber zu einem Institut zu machen, das aus siskalischen Gründen ausgeschlachtet werden soll. Wohl soll auch die Post- und Telegraphenverwaltung, wie jedes geschäftliche Unternehmen, so geleitet werden, daß sie Ueberschüsse abwirft, aber sobald sie diese Ueberschüsse künstlich in Die Höhe schraubt unD somit Den Verkehr beeinträchtigt, schlägt sie ja ihrer eigenen Aufgabe ins Gesicht. Tie Post kann,und Darf ihre Ueberschüsse nur Durch Verbilligung, niemals durch Ver­teuerung der Tarife vergrößern. Tas sollte aber Herr Sydow wissen. Gerade ihm, der auS der Reichs-Poswerwaltung herüber- gelommen ift, sollte es doch bekannt sein, wie sehr Der Postverkehr und damit Die Posteinnahmen sich vergrößerten, als man Das früher je nach der Entfernung verschieden hohe Briefporto auf den Einheitssatz von 10 Pfg. herabsetzte und Die Postkarte ein- füforte. Deshalb kann nur Verbilligung Der Postgebühren die Losung der Zukunft sein. Und toenn, wie DieMilit.-Pol. Korresp." schreibt. Die Konservativen und das Zentrum Den an­geblichen Plänen des Staatssekretärs Sydow Sympathie entgegen­bringen, so ist das für die Liberalen erst recht ein Sporn, sich gegen jede Verteuerung des geschäftlichen und kulturellen Ver- llehrs energisch zu wehren.

letzten Auflösung des Reichstags, an den Sieg des liberalen Bürger­tums, das stetig gewachsen sei seit Den letzten Wahlen. Er be­richtete ausführlich über den nationalliberalen Parteitag zu Wies­baden vom 4. bis 7. Oktober 1907, insbes. über die Reden der Abgg. Bassermann, Osann und Strefemann; streifte dann das wahre unb in der Presse so oft falsch aufgefaßte Verhältnis der Nationalliberalen und Jungliberalen. Alsdann behandelte Redner eingehend die Jetztzeit, insbesondere die Blockpolitik und die Stel­lungnahme von Nationalliberalen unb den Drei linksliberalen Parteigruppen: Freisinnige Vereinigung, Freisinnige Volkspartei, Deutsche Volkspartei, zum Wellerbestande des Blocks. Redner stellte fest, daß die nationalliberale Partei als Der Kristallisations­punkt im Block fest an Der Blockpolitik halten werde, und meinte, daß Die Linksliberalen es ebenfalls tun müßten, wenn sie wahrhaft liberal, d. h. duldsam fein, nicht immer an dem starren Partei­dogma ohne gewisse selbstverständliche Nachgaben festhalten und stets das zunächst Mögliche und Erreichbare erstreben wollten. Was das Reichstagswahlrecht betrifft, glaubt Redner, daß, es nicht angängig sei, das Reichstagswahlrecht auf Preußen, dessen Treiklassenwahlrecht nebst öffentlicher Wahl unbedingt abgeschafft werden müßte, zu übertragen. Ties sei auch wiederholt in Wies­baden auf Dem Parteitage betont worden. Der Reoncr empjühll ein gemeinsames duldia.nes Vorgehen mit Den Linksllberalen, Die nur insoweit zu bekämpfen seien, als sie mit Der Sozialdemokratie liebäugeln unD ohne Weiteres aus politischen Eigennutz negieren wollen. Tenn es fei unmögllch, zu sagen:Alles muß mit einem Schlage anders werden." Es seien zwar die Schlechtesten nicht, die das aussprechen würden, aber Dieieiben Stürmer im Tages- kampse müßten nur zu bald bei ernstem Maßhalten und liebe­voller duldsamer Einsicht erkennen lernen, wie müfojani jedes bißchen Fortschritt errungen werden müsse. So würden sie mllder unD müßten Dann ihrerseits die wieder abwehren. Die von Domen nachdrängen würden. Also: Maßhalten, Ziel im Auge dabei! Tas sei Das Erfordernis Des Tages! Denn nur im Ausgleiche Der widerstrebenden Interessen liegt Das Heil Des Vaterlandes, des gesamten Volkes. Ter Redner gedachte dabei Der längeren Reden zweier einfacher nationalliberaler Arbeiter auf Dem Wies­badener Parteitage. Die nach mancherlei Irrfahrten auf ihrem Lebenswege Den richtigen Weg zur liberalen Idee gefunden hätten. Es gälte, das immer noch in der Arbeiterschaft vorhandene Miß­trauen gegen das liberale Element in langsamer und Piller Klein- unb Feinarbeit zu bekämpfen und zu besiegen. Rühmend gedachte der Redner Der organisierten Privatbeamten, die 800 000 Organi­sierte zählten unD von Denen ungefähr nur 6000 Der SozialDenw- fratic Schlepperdienste leisten. Redner behandelte bann weiter das Verhalten der Soziachemokratie und des Zentrums zur Zeit der Haupt- und Stichwahl 1907, erinnerte besonders an Die Mahn­worte Des Erzbischofs von Bamberg, Der in Die bayerischen LanDe gerufen habe. Daß es für einen Katholiken geradezu als eine Un­möglichkeit gelten müsse, einem Sozialisten Die Stimme zu geben.

Redner glaubte, daß der Liberalismus, der sich von allen ein­geschworenen Doktrinären sreihielle, das freiheitliche Bürgertum zur Höhe führen müsse. Damit das Bürgertum der großen Zeit die große und starke Männer verlange, nicht als kleines Geschlecht dastehe.

Zum Schlüsse ging der Redner auf Die Stellungnahme Nau­manns, derHilfe" des Berliner Tageblatts unb anderer größerer linksliberaler Zeitungen zum Block ein und glaubte, daß es so schiene, als wenn die Freisinnigen am Block festhalten wollten, wenn auch die Sozialdemokraten arg rumorten unb den Freisinn mit Sirenengesang betören möchten. Er führte lobend die Er­klärung des Abgeordneten Tr. Heckscher, Hospitant Der Frei­sinnigen Vereinigung, an, der sich imHamb. Fremdenbl." dahin ausgelassen habe, daß die Liberalen für den Fortbestand des Blocks eintreten müßten, Da ja Blockpolitik keineswegs Ausgabe politischer Eigenart bedeute unb gelegentlich Dabei Extratouren gestattet sein sollten, wenn nur der ernste eiserne Wille bleibe, bei ernsten nationalen Fragen unverbrüchlich zusammenzuhalten. Denn Die Liberctlen hätten keinen Grund zur Freude von Sozialdemokratie und Zentrum reale Werte preiszugeben. Ein ernstes Wort richtete Redner noch an den Wahlverein, nämlich daß er in den in Diesem Winter betretenen Bahnen weiter marschieren sollte. In ernster Arbeit müßten alle in stiller Klein- und Feinarbeit ihre Pflicht tun! Tenn es sei verfehlt, sich einem vertrauensseligen Optimis­mus hinzugeben unb es sei fraglich, ob bei künftigen Wahlen, wenn eine ausschlaggebende, den Wahlkampf beherrschende na­tionale Parole fehle, wieder ein so einmütiges Zusammenwirken Der Kreise des Bürgertums von den Konservativen bis zum Freisimr zu erzielen sein würde. Es sei auch eine Verletzung Der Bürger­pflicht und Der Bürgertugend, wenn man nur kurz vor Dem Wahl­tage anfangen wollte zu arbeiten, oder gar im Glauben, auf eine Stimme mehr oder weniger komme es nicht an, am Wahltage Der Wahlurne fernbleibe. Redner meinte, man könne nicht gut, scharf und freimütig reden, ohne niemanden auch nur Die Haut zu ritzen! Sollte er Dem Einen oder Andern Die Haut geritzt haben, so müsse das gelassen ertragen ober mit Der Waffe besserer Gründe erwidert werden. Er forderte Dann zu einmütiger Weiterarbeit aus, das Licht, das allmählich anfange zu leuchten, solle immer großer werden, wenn chpser gearbeitet würde! Junge wie Alle sollen ihr Teil dazu beitragen 1

Ter erste Vorsitzende Sanitätsrat Tr. Bauer Dankte dem Redner für seine klaren, warmen und patriotischen Ausführungen, für Die Die AnwesenDen lebhaften Beifall gezollt haben.

am Sonntag, 1. 9)i a wieoer hoch her, UM

ist es wohl am Platz, uns