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10.7.1908 Erstes Blatt
 
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seine Acndcrung d<?L Wablgcse des bringen bürftc. 'Danach soll ein Oberhaus begrün bet werden, das sich ausschließlich aus Geistlichen und Gutsbesitzern zusammensetzen soll- Mack aus Tlibvis eingetronenen Meldungen l?rricht dort ein furcht- varer Aufstand infolge der Hungersnot. Artillerie ist gegen di- rasende '.Oienge ausgerucki. Tie russischen Bewohner erhielten den Reicht, lohn bie 2tcot zu verlassen. Taraus begann ein "heiliges <Rsa'atzscuer, wobei über hundert Person en gc- t u t -1 luurb'n.

Eisenbahn-Zeitung.

Nach einem Petersburger Telegramm wird von derQlorooje Wremja' bestätigt, bny die russtiche Regierung dem Giitroutf eines Bahnballes R u s s i s ch - K r o i l, u a e u iLandesgrenzei Di u r a iv j e w o ihre vorläufige Zustimmung gegeben habe. Ta- Nlit wird die nördlichste deutsche Stadt, Memel, die feit vielen Jahren durch den benachbarten ruft. Hasen Libau und dessen gute Bahnverbindungen mit dein Innern des Landes arg beeinträchtigt war, wohl neuem blühendem Leben entgcgengefübrt. Sie ift in den letzten Jahrzehnten voll mehreren ofipr. Städten, von Tilsit, Insterburg, Alleustein, lveit überflügelt morden.

Aus Ktabt und Land.

Gl eben, 10. Juli 1908.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Tie gestrige Sitzung bei Stadtoerordnettn-Persannn lung begann mit einer erfrettlichcn Mitteilung: Die Stu Lemenverbindung Hasso-Rhenanrn, die in den nächsten Tagen ihr 25jähriges Bestehen feiert, hat aus diesem Anlaß für die Stadtarmcn 200 Mk. gestiftet, eine Art, Vereinsfeste zu feiern, die gewiß in den weitesten streifen Anklang und gewiß auch 'Nacheiferung finden wird. Tie große ^rage, die gegenwärtig die Gemüter unserer Bürger bewegt, die elektrische Straßenbahn, ist seit der letzten Sitzung eifrig weiter betrieben worden. Tie Berkehrslommission hat die Verhandlung wegen Bestellung des zu berufenden Sachverständtgen eingeleitet und ihr Beschluß, zur rascheren Bearbeitung der Pläne einen aus diesem Gebiete erfahrenen Techniker anzunehmen, fand die Zustimmung der D.'rsamm lung. Der Vorsitzende machte noch Mitteilungen aus dem Ergebnis der Besichtigungsfahrt nach Dvrms, aus denen man entnehmen konnte, daß ein Straßenbahn-Unternehmen um so besser rentiert, je mehr Fahrgelegenheit gevoten ist. Eine Anregung des Stadtv. Grünewald, die Bahn anstatt in die Licher Straße in die Kaiser-Allee nach dem Trieb zu zu bauen, fand verschiedentlich Zustinrmung und luirb zunächst die Perkehrskommission beschäftigen. Ein Antrag der Stadtv. Winn u. Gen. auf Erlaß eines Preisausschrei­bens zur Erlangung eines großzügigen der Entwicklung der Stadt, ästhetischen, gesundheitlichen und sozialen Ge­sichtspunkten gerecht werdenden allgemeinen Bebauungs­plans sollte nach dem Vorschlag der Bau- und der Finanz­deputation abgelehnt werden. In der sehr ausgedehnten, fast durchweg von großen Gesichtspunkt, a getragenen Aus­sprache stellte sich aber heraus, daß der Antrag ein besseres Schicksal verdient. Man beschloß, ihn einer Sonderkom- mission zu überweisen, da insbesondere der Gedanke, unfern Stadtbauplan von einem tüchtigen Sachverständigen prüfen w lassen, viel Anklang fand. Die Sonderkommission wird sich außerdem mit anderen Baufragen, insbesondere der allgemeinen Bauordnung beschäftigen, um zu der demnächsti- gen Revision derselben die Wünsche und Bedürfnisse der Stadt festzustellen, damit nicht schließlich bei der neuen Ordnung die Arbeit des grünen Tisches in Darmstadt allein maßgebend ist. Ein Angebot, Steins Garten für 225 000 Mk. zu erwerben, sand einstimmige Ablehnung. Der Umbau des Etablissements würde, wenn es einigermaßen ollen Wünschen entsprechen soll, noch einmal 200000 Mk. erfordern, und man glaubt, daß man zu gegebener Zeit für 425 000 Mk. etwas zweckentsprechenderes bauen kann. Der schönste Punkt der Tagesordnung war der letzte: die Festsetzung der Ferien der Versammlung. Man beschloß, etwa in 4 Wochen Schluß zu machen und bis baljin noch 3 Sitzungen abzuhalten. Die nächste soll schott in 8 Tagen stattfinden.

* In Audienz empfangen wurde von S. K. 5). 'dem Groß Herzog am Mittwoch tu a. Geh. Justizrat Wahl, Lberarntsrichter in Schlitz.

** In der gestrigen nichtöffentlichen sSitzungderStadtverordneten- Versammlung wurde beschlossen, dem Oberbürgermeister eine Ge- haltserhöhungv o » 200 0 M k. zu gewähren, die nicht ruhegehaltsberechtigt ist. Ei» von Oberbürgermeister Mecum mit Hch. Roll VII. am Dienstag abgeschlossener Vergleich wegen Abtretung von Gelände zur Dur ch füh­r' u n a der großen M ü h l g a s s e fand die Genehmigung der Versammlung.

"Die öffentliche Lesehalle ist 1898 gegründet lüorben. Ihrer Aufgabe »den weitesten Kreisen der Bevöl­kerung gediegene Lektüre unentgeltlich zugänglich zu machen", hat die Anstalt unter schwierigen äußeren Verhältnissen nach Kräften gedient. Doch ivic weit sind mir noch von dem Ziele entfernt, das damals näher schien, als heiite, »in der Bücher- fammlung alles zu vereinigen, was auf dem Gebiete der schönen Literatur, der Geschichte und Biographie, der Erd- und Völkerkunde, der Volkswirtschaft und der Naturwissen­schaften allgemeines und dauerndes Interesse besitzt". Möge daS zweite Jahrzehnt uns weiter bringen durch regere Teil­nahme der Bürgerschaft. Wer Mitglied des Lesehalle-VereinS wird, der hilft geistigen Hunger stillen und fördert selbst- tätige Bildung.

'* Gießener Regatta. Die Meldungen zur dies- jährigen Regatta der Gießener Rudergesellfchaft sind nicht so zahlreich ausgefallen wie bei den früheren Regatten. Dies hat seinen Grund in dem Fernbleiben der Franffurter SDlann» schäften, die wegen des 8 Tage vor der Regatta stattftnden- den deutschen Turnfestes von ihrer Betiiligung Abstand nehmen mußten. Immerhin haben 14 Vereine 38 Boote mit 191 Ruderern gemeldet, während es bei der letzten Regatta 19 Vereine, 45 Boote mit 215 Ruderern waren. Es sind, da in jedem Rennen nur 3 Boote gleichzeitig starten können, 11 Vorrennen erforderlich, die am Regattatag (Sonntag, den 26. Juli) vormittags ausgefahren werden. Es haben ge­meldet zu:

Rennen Nr. 1. Jean K irch-GedächtniS-R enn en. Vierer. 1. Weilburger Ruderverein, 2. Gießener Ruder- Gesellschaft 1877, 3. Limburger Ruder-Verein, 4. Wetzlarer Ruder-Klub. Rennen 9tr. 2. Einer-Lahnpokal. 1. Offenbacher Ruder-Verein »Hellas", 2. Frankfurter Ruder- Gesellsch. »Germania". Rennen Nr. 3. Dreier. Wander- preis gestiftet von S. K. H. Prinz Eitel Friedrich v. Preußen. 1. Mainzer Ruder-Gesellsch. 1902, 2. Gießener Ruder-Ge­sellschaft 1877. Renne n Nr. 4. Achter für Lahnverein. 1. Gießener Ruder-Gesellsch. 1877, 2. Wetzlarer Ruder-Klub.

Rennen Nr. 5. Doppelzweier ohne Steuermann. 1. Offenbacher Ruder-Verein »HellaS". Rennen fällt aus. Rennen Nr. 6. Gast-Vierer. 1. Mainzer Rnder-Ge- sellschast 1902, 2. Ruder-GesellschaftRhenania" Koblenz, 3. Frankfurter Ruder-Verein, 4. Ruder-Gesellfchaft Heidel­berg 1898, 5. Würzburger Ruder-Verein 1875. Rennen Nr. 7. Junior-Vierer. 1. Ruder - Gesellschaft Worms, 2. Frankfurter Ruder-GefcllfchaftSachfenhaufen", 3. Lim­burger Ruder-Verein, 4. Rudcr-Gefellfchaft Heidelberg 1898. Rennen Nr. 8. Junior-Einer. 1. Offenbacher Ruder- VereinHellas"; Nennen fällt aus. Rennen 9lr. 9. Akademische r-V ierer. 1. Gießener Ruder-Gesellfch. 1877; Rennen fällt au5. Rennen Mr. 10. Großer Vierer, Wanderpreis gestiftet von der Stadt Gießen. 1. Mainzer Nuder-Gefeilsch. 1902, Frankfurter Ruder-Gesellsch.Sachsen- hausen". Nennen Nr. 11. Junior-Vierer für Lahnocrein. 1. Wetzlarer Ruder-Klub, 2. Weilburger Ruder-Verein. 3. Gießener Ruder - Gesellschaft 1877, 4. Limburger Ruder-Verein. Rennen 91r. 12. Junior- Achter. 1. Ruder-Gesellschaft WormS; Rennen fällt aus. Rennen Nr. 13. Erm unter ungs - Vierer. 1. Ruder- Gesellschaft Heidelberg, 2. Ruder-Ges. Worms, 3. Frankfurter Ruder-Verein, 4. Gießener Ruder-Ges. 1877, 5. Ruder-Ges. Trier, 6. Limburger Ruder-Verein, 7. Weilburger Ruder- Verein. Rennen 9lr. 14. Großer Achter (Großherzogs- Preis). 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877.

♦♦ Gastwirte-Versammlung. Gestern tagte im Saale des Gastwirts Sauer am Oswalbs Garten eine außer­ordentlich stark besuchte Gasrwirte-Dersammlung, ein&cruien von einem Teil der Abnehmer der Brauerei Frie­del L Asprion, der sich der hiesige Gastwirteveriftn angeschlossen hatte unter dem Vorsitz des Gastwirts Jas- k o w s k y, um Stellung zu den vom Brauereioerband Gießen und Umgegend gefaßten Beschlüssen hinsichtlich der Kund- chaft der Brauerei Friedel L Asprion, die bekanntlich an die Pfungstädter Brauerei verkauft ist, zu nehmen. Nach einem kurzen, die gegenwärtige Lage sachlich beleuchtenden Referat des Vorsitzenden setzte die Debatte, die sehr lebhaft war und in der zum Teil recht scharf das Vorgehen deS Brauereiverbandes kritisiert wuri:e, em. 2i' g pfeLe bei allen Anwesenden in dem dringenden Wunsch, daß der sog. riunden- schutz, der vom Vorsitzenden als unmoralisch und gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnet wurde, und der wie ein Alp drückend auf dem gesamten Gastwirtsgewerbe ruht, geradezu daS Gewerbe erniedrige und den Fbnehmern der Brauereien aller Freiheit beraube, aufgehoben werde. Eine Teilaufhebung dieses Kundenschutzes sagte der anwesende Syndikus des Brauereiverbandes, R.-A. MüHcr, zu. Ties war den Anwesenden aber nicht genügend und das Resultat der Versammlung war die eirtftimmige Annahme folgenden von Gastwirt W e l le r-Wieseck eingebrachten Antrags:

Tie heute, am 9. Juli 1908, statt findende Gast­wirteversammlung ist nicht eine Protestversammlung gegen die Brauerei Friedel L Asprion, sondern vielmehr eine solche gegen den Brauereiverband Gießen, dessen Vorgehen bei dem Verkauf der Brauerei Friedel & Asprion gegen­über der Kundschaft letzterer und insbesondere gegen den Kundenschutz. Tie Versammlung nimmt Kenntnis von den Mitteilungen des Syndikus des Brauereiverbandes und ersucht den Brauereiverband, innerhalb 3 Tagen dem Vorsitzenden des Gastlvirtevereins mitzuteilen, daß der gesamte K u n d e n s ch u tz im Bezirk und Kreis Gießen seitens des Brauereiverbandes und der mit diesem in Konvention stehenden auswärtigen Brauereien in jeder Weise aufgehoben ist. Sollte wider Erwarten dies nicht geschehen, so ist sofort eine neue Gastwirteversamm­lung emzuberusen, in der über die weiteren einzuschla- genben Maßregeln beschlossen werden soll."

= 1p e u d) e 11) e i m, 9. Juli. Heuchelheim bedarf immer mehr Schulen. In Ermangelung weiterer Unterrichtsräume hat man im Hofe der neuen Schule wieder einen statt­lichen Neubau für zwei Klassen und zlvei Lehrerwoh- nungcii aufgeführt, der bis zum Herbst bezogen werden kann. Allerdings scheint der freibleibende Spielplatz für fünf Klassen dem Kenner etwas zu beengt.

Diebstähle. Aus einem Hofe der Friedrichstraße wurde in den letzten Tagen ein Durkopp-Fahrrad ent­wendet. AuS einem HauSgarten in der Marburger Straße loiirbe in der Nacht vom 8. auf den 9. I. MtS. eine Partie zum Bleichen aufgelegte Kinder wäsche und cm Frauen­kleid gestohlen.

" Aufgefundene gestohlene Räder. Heute früh wurde im Besitze eines hiesigen Arbeiters ein vor einiger Zeit gestohlenes Rad bemerkt und beschlagnahmt. Em Siebener will es von einem jungen Burschen gekauft haben. Ein weiteres hier gestohlenes Rad wurde in Nieder-Weisel in einer Wirtschaft entdeckt. Zwei junge Burschen, angeblich aus Gießen, hatten es dort in Versatz gegeben und nicht wieder abgeholt.

Verhaftet wurde ein Metzgerbursche, der seinen Schlafkollegen einige Kleidungsstücke entwendet hatte und damit abreifen wollte.

" Schwindlerin. In einem hiesigen Putz-Ge­schäft erschien am 6. I. 2JL eine Frauensperson im Alter von etwa 25 Jahren, gab sich als die Ehefrau eines Assi- llcnten aus und wollte einen Hut kaufen. Nachdem sie mehrere Hüte probiert hatte, verlangte sie zwei Hüte im Werte von 50 Mark mit nach ihrer Wohnung, um ihrem Manne eine Auswahl treffen zu lassen. Weder die Frau Assistent noch die Hüte kamen wieder zum Vorschein.

+ Reiskirchen, 9. Juli. Bei dsm heute über unsere Gegend ziel-enden Gewitter schlug der Blitz zweimal ein, ohne zu zünden. Tas erstemal in eine Telegrapheustange und demo­lierte sie. Zufällig hier anivesende Tei.graphenaroeiter besserten den Schaden sofvrr aus. Tas yvciiemal schlug der Blitz in die Scl-euer eines Landwir.s.

o BurkhardSlelden, 9. Juli. Der Knecht des hie­sigen Bauunter-iet-iners Schepp geriet heute mit seinem Fuße unter einen Zementivagen, )o daß ilM ein Fuß gedrückt wurde.

ni. Holzheim, 9. Juli. Gestern wurde hier, wie es alle zwei Jahre üblich ist, cm MissionSfest abgchalten. Das Fest, daS auf dem Kirchhofe stattfand, hatte sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen. Zuerst wurden einige Lieder unter Mitwirkung deS hiesigen PosaunenchorS ge­sungen. Daun begrüßte der OrtSpfarrer Freitag die An- wesenden und predigte darauf längere Zeit über Apostel­geschichte 3. Hierauf schilderte Pfarrer Saul aus Frank­furt a. 9JL die Leiden und Verfolgungen der Missionare unter Anschluß an die Geschichte Daniels. Nachdem noch der Gesangchor cm Lied vorgetragen hatte, erzählte Missionar H o f f in a n n aus Meidrich von seinen Erlebnissen auf Neu- Guinea. Es folgte eine Predigt von Pfarrer A u s f e l d auS

Gießen. Nachdem der Gesangchor noch einige Lieder vor- getraqcn hatte, sprach Pfarrer Freitag da» Schlußwort.

Ma i n z, 9. Juli. Ter Landwirtschaftliche Ge­noss e n s ch a f t s t a g, der heute hier unter dem Ehren- oräsidtum S. >L H. des Großhcrzog^ seine Tagung begann, wählte als nächsten Tagungsort Stettin. Ter Reichsverband überreichte dem Präsidenten des Landw. Genossenschaftstages, Haas, den der Großherzog heute zum Geheim erat ernannte, den Betrag von 7 0000 Mk., »er als Haas-Stiftung wissenschaftlichen Zwecken im landwirtschaftlichen Jnteresie dienen soll. .Heute abend and eine Festtafel im Großh. Schloß statt. (Ausführlicher Bericht folgtJ

Falkenbcrg Kurhessen , 9. ^uli. Dem «vorster Kraus­haar in Falkenberg wurde die v.'i.'ürgte Nachricki übermittelt, daß er von einem m Amerika verstorbenen Verwandten 2 70000 Dollars geerbt habe. .

(ficricbUfaaL

Vilbel, 9. Juli. Vor dem Schöffengericht spielte sich gestern ein großer Milchprozeß ab, der bei einem Auf­gebot von 30 Zeugen von 8 Uhr morgens bis in die 2lbcndstundcn dauerte. Angcklagi tvaren der Gutspächter Gg. Dietz aus Nicder- Erlenbach, dessen Ehefrau und der Schweizer D r e ß l e r. Tie Beweisauinahmc ergab, daß die Angeklagten der Milch bis zu 30 Prozent Wasser zusetzten. Frühere Schweizer be­kundeten, daß Tietz gesagt habe:Für die dunuuen Franksutter sei die Mitch gut genug." Interessant war auch bieJBcmerhing, die man sich im Volksmunde über Tietz erzählt :Seine beste Kuh stehe muten auf dem vof: das sei bte Wasser pumpe." DaS Gericht verurteilte Tietz zu 3 Monaten Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe, bic Frau zu 500 Mark Geldstrafe und den Schweizer zu 100 Mark.

Zwickau, 8. .Juli. Der Gemeindevorsteher Volke in dirschseld wurde wegen U it t e r b r ü d u n q einer Straf­anzeige zu 3 Monaten GeiängniS verurteilt.

Der Lulendurg-prozetz.

Hd. Berlin, 9. Juli.

Zufolge Beschwerde des Oberstaatsanwalts Jsenbiel, der ebenso wie die Verteidiger von einem Geisteskranken belästigt worden sein soll, sind mehrere Kriminalbeamte hcrangezogen, die sich unauffällig unter das Publikum mischen.

Beim Zeugenausrus mürbe ein Zeitungsberichterstatter vom Vorsitzenden aufgesordert, mit in den Saal einzutrcten. Der Vorsitzende bemerkte, er werde in der Presse an­gegriffen, daß er den Angeklagten, weil er ein Fürst sei, anders behandle als jeden andern Angeklagten. Er müsse diese Beschuldigung mit Entschiedenheit zurück­weisen. Vor dcin Richterstuhle sind a l l e M e n - schcn gleich, ob Fürst oder Bettler, er nehme lediglich Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Angeklagten.

Nach dem Zeugenausruf trat der Fischer Jakob Ernst vor und bemerkte, er bitte dringend, ihn nach Starnburg reisen zu lassen. Er habe alles gejagt, was er ivisse, mehr könne er nicht sagen.

Tie Verteidiger erklären, daß sie an der weiteren Vernehmung des Zeugen Ernst kein Interesse haben.

Ter O b e r st a a t s a n w a k t bemerkt, er bedauere, in die Entlassung des Ernst nicht einwilligen zu können. Heute und morgen wird der Zeuge nicht vernommen werden, am Samstag fällt die Sitzung aus. Der Zeuge könnte sich daher bis .Montag ausruhen. Tr. Jsenbiel fährt fort: Ich habe das tiefste Mitleid mit den seeli­schen Qualen des Zeugen Ernst. Ich bedauere es sehr leb­haft, daß er in der ganz unbegründeten Furcht lebt, wir wollten ihm etwas tun. Ich halte die Anwesenheit des Ernst für unbedingt erforderlich, und erkläre hier, daß ich mich nur mit der Entlassung des Zeugen einverstanden er­klären kann, wenn der Herr Angeklagte jetzt zu­geben wollte, daß alles wahr ift, was Ernst hier ge­sagt hat. Wenn Ernst nach Starnberg fährt, und uns von dort vielleicht ein Attest einschickt, daß er nicht mehr vor Gericht erscheinen ka^tn, so haben wir hier umsonst ge­arbeitet und die Sache muß vertagt werden.

Der Angeklagte erwiderte hierauf nichts!! Er sieht heute surchtbar schlecht aus, so daß die Aerzte fürch­ten, er werde die ganze Verhandlung nicht aushalten.

Als medizinische Sachverständige sind heute zur Stelle Gerichtsarzt Mcdizinalrat Tr. Hoffmann, der Hausarzt des Angeklagten, Sanitätsrat Tr. Gennrich und Tr. Magnus H i r s ch f e l d. Es sind außerdein vier Arbeits­genossen des Riedel aus München als Zeugen eingetroffen, Qsie sollen über den Eharakter und die Glaubwürdigkeit des Riedel Auskunft geben.

Als die Zeugen den Saal verlassen wollten, tritt Hofrat Nistler vor und will eine Erklärung geben. Ter Vorsitzende erwidert, daß jetzt dazu nicht die Zeit ist und seine Zeugen­aussage ihm Gelegenheit geben wird, sich zu äußern. Als­dann werden mehrere Zeugen über die Glaubwürdigkeit des Riedel vernommen. Sicherheilslommissar Schöpf nennt Riedel einen Menschen, der sich etwas ausdenke und dies dann mit seinem Eid bekräftige.

Mehrere frühere Wirtschaiterm.lcn des Angeklagten be­kunden, daß sie niemals etwas Abnormes bei dem Angeklagten wahrgenommen hätten. Er sei ein sehr gütiger Arbeitgeber gewesen.

Als erster Zeuae am Nachmittag wurde Tr v. Wilke vernommen. Tas Beweisthema, über das er Auskunft geben soll, betrifft den Ruf des Frhrn. v. Äendelslatl in München. Tr. v. Wilke bestätigt, daß Frhr. v. Wendelstatt aus kleinen Verhältnissen empvrgegangen sei, m einem thüringischen Staate geadelt wurde und als homosexuell gelte. Der Vor­sitzende konstatiert, daß Baron v. ^.ndelstatt und Fürst Eulenburg intime Duz freunde waren.

Fürst Eulenburg de st reitet auf das entschiedenste, daß ihm von der homosexuellen Veraiilagung des Frhrn. v. Wendelstatt ctnxia bekannt geworden sei.

Hierauf wurde der bekannte Bries des Fürsten Dohna zur Sprache gebracht. Ter Verteidiger Tr. Ludwig Ehodzißner protestierte sehr lebhaft dagegen, daß dieser Brief, der augenscheinlich von einer dem Angeklagten femo- lich gesinnten Seite verbreitet worden sei, l)Lr ohne nähere Grundlage Denucrtet lutrue. -ter Vorsitz nd. und Lbersiaats- aiuvalt Tr. Jsenbiel bemerkten, es wv.re festge,.ellt wor­den, ein Standesgenosse des Angcklagteii habe ihn uffcntlid) der Lüge und der U um a i) r ij a f 11 g t e i t bezichtigt-

Rentier Ludwig S ch w u s e - Berttn bikandet, in '-Berlin und München sei es in homosexuellen Jireqcn allgemein bekannt, daß der Angeklagte sich 1jomofe£ucll betätige, daß er viel in unzüchtiger Weise mit Soldaten und anoeren jungen Leuten aller Stände verkhre. Er kenne den AngeNagten nicht persönlich, er habe dies nur erzählen hören. Ter Angeklagte sei mit oem ehemaligen öfterr. Botschaftssekretär Grasen Lonyay und dem irahercn Botschaftsrat Lecomte von Frankreich, die ihm Zeugen persönlich als homosexuell betannt jeien, eng befreundet gewesen.

Danach wird noch der Rechtsbeistand des Angeklagten,