Ausgabe 
10.7.1908 Erstes Blatt
 
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polHtfcbe Ssgcssetzttu.

Tie Krisis im Flottenverein.

Die angekündigte Sitzung des Gesamtvorstandes dcS Deutschen Flottenvereins hat in Berlin gestern statt­gefunden und dauerte vier Stunden. Bezüglich der Ver­handlungen wurden die Teilnehmer zu strengstem Still­schweigen verpflichtet.

General Keim hat, wie dieDeutsche Ztg." berichtet, seinen Austritt an§ dein Flottenverein erklärt. Der Landesverband des Flottenvereins für Schwarzburg- Rudolstadt motiviert seinen Austritt damit, daß er ein gedeihliches Zusammenwirken mit dem derzeitigen bayerischen Landesverbände nach dessen Kundgebungen auf seiner letzten Generalversammlung in München der Danziger Friede in Frage gestellt sei, für ausgeschlossen halte. Bis zu einer Neilbegründung mit anderen Landesverbänden behält sich der Landesverband vor, im bisherigen Sinne aufklärend weiter zu wirken.

Wie dieRhein.-Wests. Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfährt, beträgt die Zahl der Austritte aus dem Deutschen Flottenverein bis jetzt 140 00 0.

In einer Mitglieder - Versammlung des wücttem- bergischen Landesverbandes z>l Stuttgart, die zum Vorsitzenden den Erbprinzen Ernst von Hohenlohe-Langenburg ivählte, sprach man die Hoffniing aiis, daß Großadmiral v. Köster die Wahl annehmen werde. Eine Anregung, an den Fürsten Salm ein Sympathie-Telegramm abziisenden, fand keine Unterstützung.

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Delitsch-Südwestafrika.

Hauptmann Franke ist von seiner Mission in das Ovauiboland soeben zurückgekehrt. Alle fünf Häupt­linge des Ovambolandes haben die deutsche Oberhoheit bedingungslos anerkannt und sich unter den Schutz der deutschen Regierung gestellt; ferner haben sie sich verpflichtet, die Arbeiteramverbiing in jeder Weise zu unterstützen und ihr Gebiet dem deutschen Handel zit eröffnen.

Ausland.

Nach einet Meldung -LUili) Sie.x» hat der kommandierende Admiral bet englischen Herma.Sflotte, Lord Charles Beres­ford, eine formelle Mitteilung an die englische Admiralität gelangen lassen, daß er nicht intftonbe sei, die Sicherheit Englands vor einem auslänbischeu Ueberfall zu gewährleisten, weil die Flotte, die unter seinem Kom­mando steht, nicht genügend stark sei. Er hat an die Ad­miralität eine ernste Warnung über den Zustand der Heimatsflotte gerichtet, indem er auf die verschiedenen Schwächen hiniveist und die Fehlet aufzählt. Trotzdem will man nach ministeriellen Er­klärungen im Unterbau je offiziell immer noch nichts von der Sache wissen.

Im französischen Senat beantragte Flaissiöres (So­zialist) als Protest geg eit die Reise des Präsidenten Falliötes nach Rußland eine S t r e i chu n g an dem Kre­dit, erkannte aber das Bündnis mit Rußland als dem Frieden dienend an. Der Präsident d-es Senats wies den Redner darauf hin, daß er nicht das Recht habe, sich in die innere Politik Ruß­lands, dessen Bündnis für die Erl-altung des Weltfriedens so bedeutungsvoll sei, einzumischen. Minister Pichvn fügte hinzu: Die internationale Politik Franlreicl-S habe die wesentliche Grund­lage der Allianz mit Rußland, die nicht aufgel-ört habe, den Interessen der beiden 9cationen, ihren Bestrebungen nach Frieden zu dienen. Darauf wurden die Kredite in Höhe von 400 000 Frank mit 282 Stimmen gegen 1 Stimme bewilligt.

In Wien wird die Ankündigung viel besprochen. daß int Lause des Sommers eine W i e de r b e g eg n u n g des Kaisers Franz I o s eph mit seinem Bruder, dem Erzherzog Ludwig Viktor, stattfinden i'oll. Erzherzog Ludwig Viktor lebt seit 3 Jahren^ fern vom Wiener Hofe in Klestz.im bei Salzburg.

Zn Persien erwartet man einen Erlaß des Schahs, der

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Nr. 160 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 10. Juli 1908

Sonntags. - Beilagen: fV M W monalltch75Pf.,viertel-

viermal wöchentlich Ä Jk Al Jk A jA JL jährlich Mk. 2.20: durch

SlehenerZainllirnblatter; M uS Abholv- u. Zweigstellm

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TLL- General-Anzeiger für Gberheffen WZZ

Annahme von Anzeige» V V 6 V F u.Land- und,Gerichts-

Kl oranu?agTiouö NotaNsnrdiiiS und Verlag der vrahrschen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. B. Lange. Bedattian. Erpeditisn und Druckerei! rchulftratze r.

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

Bouernpolitif.

Der Kongreß des Nativnalvereins in München hat in einer Resolution der Ueberzeugung Ausdruck gegeben,daß nur auf liberalem Boden deutsche Landwirtschaftspolitik be­trieben werden kann". Er setzte, wie wir meldeten, eine Kommission ein mit der Aufgabe, dem nächsten liberalen Kongreß Richtlinien für eine liberale Wirtschaftspolitik vor zulegen. Tie agrar.Deutsche Tagesztg.*' macht ihre Glvssen dazu, gesteht aber, daß auf jenem Kongreß der Gutsbesitzer Fischer in Landsberg zur Agrarfrageeinige nicht ganz unvernünftige Gedanken" vorgebracht habe, weil er erklärte, daß die deutsche Landwirtschaft ohne einen Zollschutz nicht bestehen könne, und weil er sich nur scharf gegen ^über­triebene" Schutzzollforderungett wandte. Der Münchener Kongreß würde sich ein Verdienst erwerben, tuenn er bei­trüge zur Verbreitung der Erkenntnis in landwirtschaft­lichen Kreisen, daß die politischen Ziele und wirtschaftlichen Interessen der mittleren und kleineren Landwirte durchaus nicht mit den Vorteilen der konservativen Großgrundbesitzer übereinstimmen, vielmehr zwischen den Interessen des land- ivirtschaftlichen Kleinbesitzes und des Großgrundbesitzes eia Gegensatz besteht.

Bis zum Ende der siebziger Jahre sind nicht bloß die kleinen Landwirte, sondern auch zahlreiche Großgruud- besttzer Gegner von landwirtschaftlichen Schußzöllen ge­wesen. Es ist ein viel verbreiteter Irrtum, als ob Fürst Bismarck zu jener Zeit auf stürmisches Drängen der Land­wirtschaft die Schutzzollpolitik cingelci-et hat. Als Bismarck im Jahre 1878 in seinem Weihnachtsbrief mit einem Schutzzollprogramm an die Oeffentlichkeit trat, lernte der Deutsche Land Wirtschaftsrat einen Antrag zu Gunsten dieses Programms mit 46 gegen 11 Stimmen ab, und eine sehr starke Minderheit von 23 gegen 34 Stimmen wollte sogar bestimmt erklären, daß die Einführung von Schutzzöllen sowohl für die Landwirtschaft wie für die Industrie fein geeignetes Mittel iei, deren No tlage zu beseitigen, weil die wirk­liche Ursache dadurch nicht gehoben toerbc,. vielmehr nur eine Schädigung aller Konsumenten und eine Ver- Ichiebung der natürlichen Produktionsverhältnisse zu be- -fürchten sei. Wenige Wochen darauf erklärten sich auch die ^rovinziallandtage der agrar. Provinzen Ostpreußen und st Preußen gegenGetreidezölle und ebenso die landwirtschaftl. Vereine in den agrarischen Staaten wie -Oldenburg und Lippe. In anderen Landesteilen vermochten Lie Landräte als Vorstandsmitglieder landwirtschaftlicher Vereine nur mit Mühe, ähnliche Erklärungen gegen die Schutzzollpolitik zu verhindern. In der heutigen Generation -ist die Erinnerung an die Tatsache vielfach ausgelüscht, daß xerade die Konservativen früher begeisterte Slpostel des Zrei- »landels gewesen sind und sich erst zögernd und allmählich zur Schutzzollpolitik bekehrt haben. Noch im Jahre 1879, als Bismarck seine Wandlung zur Schutzzollpolitik längst vollzogen hatte, erklärte beispielsweise der konservative Li e i ch s t a g s a b g. F r e i h e r r v. M a l tz a h u - G ü l tz, der im September 1898 zum Reich sschatzsekretä r ernannt mürbe, daß er ein ganz ents chi ebener Gegner b c r 5t o rnzölle sei. Er billigte bic Anschauung, baß die Kvrn- zölle sich bem Jbeal einer Abgabe näherten, wie sie nicht sein solle, und als er schließlich doch für einen geringen Korn- Zoll sich erklärte, machte er die charakteristische Einschrän- Eung:

Wenn ich wirklich für Kornzölle stimmen sollte, so geschieht dies in der ganz bestimmten Hoffnung, daß, wenn 1 ter die Agitation gegen diese Verteuerung der notwendigen Lebensmittel des Volkes, die zweifellos ein-

Kkinci Feuilleton.

Vom Gießener SradttHeater. Herr Direktor § t e i n g o e l t e r schreibt uns: Aui die Zuschriit aus dem Publikum im der Allttwoch-Rummer erwidere ich: Niemand kann ankrichtiger nmnschen, als der Unterzeichnete, daß nn Stadttheater mehr kleine Klähe vorhanden wären. Zn den Soimtags-Vorstcllnngen des Winters und jetzt zu den Operetten-Vorstellungen lausen die Vor- b>!stellungei: für die Billetts des 2. Ranges jo zahlreich ein, daß hange nicht allen Wünschen entsprochen werden kann. Für die am L5. Juli Itatlftndende Vorstellung von /W a l z e r t r a u m' z. B. finb bereits seit 14 Tagen dopvelt so v i e l e 2. Rang- Liilletts bestellt worden, als Plätze vorhanden finb. Die Vorbestellungen, ob sie nun mündlich'oder schrtstllch ein- luusen, werden der Reihe nach in eine Liste eingetragen und mn parteiisch ohne irgend eine Bevorzugung erledigt. Wenn d°!r Einsender der Zuschrift also bedauerlicher Weise schon wieder- l olt die erwähnten Plätze nicht erhalten konnte, so hat dies seinen iÄrund einzig und allein in den überaus zahlreichen und früh- ».ätigen Vorbestellungen. Für den Winter ist übrigens eine mn d e r e Regelung der V o r b e st e l l u n g e n vorgesehen, da eine Vormerkegebühr eingeführt werden soll. Bei dieser Gelegen- ^rit sei die Bitte ausgesprochen, daß schristliche Villcttbestellungen nicht an die Direktion, sondern an die Kasse des Stadttheaters ge­achtet werden mögen. Hermann S t e i n g o e t t e r,

Direktor des Stadtlheaters.

Dem Großh. Landes museum in D a r m st a d t ! I durch Vermächtnis des weil. Dr. Röder, Augenarzt in Dar-m- studt, desieii^ reichhaltige Sammlung europäischer Käser zu- iHÜallen. Diese wird in einzelnen Abteilungen, mit den Lauf- k-cfern beginnend, nach und nach in den Alltielpulten der eanim- lang hessischer Tiere (Zoologische Abteilung) ausgestellt.

Dem Saatburg-Museum l>at der Kaiser eine räche Sammlung antiker Fibeln überwiesen, jener nmnnigfach 6 Palleten Gewandnabeln, die in ihrer Wichtigkeit für die chrono- logiiche Bestimmung immer mehr erkannt werden. Die Fort- .jung bei Gcschützforschung ist nach dem Jahresbericht durch die Lewllligung von 10 000 Mk. seitens des Preuß. Lanblages ev- n löglicht. Damit konnten zwei rociicre Geschütze, eins in Ori­ginalgröße, eins in halber Große, vom Oberst E. Schramm in 'Metz gebaut, und bic philologischen Arbeiten des Pwfessors Dr. Nidolf Schneider in Heidelberg lveilergeführt werden. Rekon- .fcnriert wurden von griechisch-rönr. .Geschützen: ein Mehrlader­

treten wirb, anfängt und die Kornzölle roicber fortschafft, baß sie bann bei bieser Gelegenheit einen Teil ber Schutz­zölle ber Jnbustrien ebenfalls mit sortschwernrnen wirb."

Frhr. v. Maltzahn-Gültz ging babei von ber Ansicht aus: Für einen Staat wie bas Deutsche Reich, mit einer Küste von Memel bis Emden, gibt es meiner Meinung nach nichts Falscheres als eine konsequent burchgeführte Schutzzoll­politik." Wie Frhr. v. Maltzahn-Gültz dachten bamals zahl­reiche Konservative.

lNatzregelung eines preußischen EymnasraldireKors.

Ter, loic bas ,B. T." bchauptet, in pädagogischen Kreisen hochangcsehene Direktor des kgl. Wilhelnts-Gykn- nasiumS in Berlin, Geh. Negierungsrat Dr. Leuchten- berger, der bei ber am 17. Mai in bet Aula ber Anstalt abgehaltenen Jubiläumsfeier des ®i)mnafiumS eine be­deutungsvolle Rede über die Modernisierung des Gym­nasiums hielt, ist, so erfährt das ,B. T." aus Anlaß dieser Rede gemaßregelt ,vordem Schon 14 Tage vor Beginn ber Ferien reichte Geheimrat Dr. Leuchtenberger ein Gesuch um sofortige Pensionierung und zugleich ein Urlaubsgesuch für sechs Wocheil beim Schulkollegium ein. Obgleich er durchaus nicht krank mar, wurden beide Ge­suche ohne weiteres bewilligt. Tie Gesuche waren äußerst kurz gehalten und umfaßten nur wenige Zeilen. Geheimrat Dr. Leuchtenberger verblieb von Stunde an in seiner Woh­nung und hat die Schulräume nie mieber betreten. Erst am Tage der Ferien reifte er mit seinen Kindern nach dem Süden ab. Der Vorgang rief unter dem Lehrerkollegium des Gymnasiums große Bestürzung hervor, da Geheimrat Tr. Leuchtenberger unter der Lehrerschaft sehr angesehen und und beliebt war. Aian rechnet damit, daß der verdienst­volle 9)tann überhaupt nicht mehr an die Anstalt zurück- kehren, sondern noch Nachurlaub nehmen wird. Es heißt, daß die Tirektorstelle bereits am 1. Oktober neu be­setzt werden soll.

Und welcher Natur waren dieStraftaten^ de§ Gym- uasialdireltors? Geheimrat Leuchtenberger wachte in feiner Festrede in bezug auf notwendige Reformen für das Gymnasium etwa die folgenden Ausführungen:

Die innere Entwicklung des königl. Allhelms'-Gymnasiums ist sehr stetig und gleichmäßig. Niemals bestanden Ziveifel, welcher Schulart bie Anstalt angehören sollte. Sie hatte und sie behielt ihren durchaus gymnasialen Eharäkter. Aber gerade deshalb hat sie auch tcilgenommen an der Geschichte des Gymnasiums. Ter Zeitraum der letzten 50 Jahre enthält überhaupt das bedeutsamste Stück preußischer mit) deutscher Schulgcschichtc. Bedeutende Alänner haben sich in diesem Zeitraum beschäftigt mit der Umgestattung oder Neiigestaltung der hohen Schulen, insonderheit der Gymnasien. Es fragt sich: Wie muß die höhere Schule eines Volkes aussehen, das nicht bloß em Volk der Dichter unb Tenker, sondern auch ein Voll des Weltverkehrs, der Technik und der Industrie jein will'? Tas jetzige Gymnasium ist im Gegensatz zu dem alten vielseitig. Diese Vielseitigkeit hat jebod) für viele Menschen von durchschnitt­licher Begabung etivas Bedeiikttches, die Oberslächlichkeit liegt nahe dabei. Daher die fortwähreiiden Atahnungen Der Behörden. Viel ändern läßt sich aber meiner Meinung nach nicht, ivenn das Gymnasium Gymnasium bleiben soll. Tas Griechische wird man nicht a n t a st e n können, e b e n s o iv e n l g das L a te i° n i i ch e. Wollte man das Englische obligatorisch machen, so habe ich nichts dagegen, nur muß es auf Kosten des F r a n z ö f i s ch e n geschehen und zwar Der Grammatik, nicht Der Lektüre. Wollte man Das Wissen in Der Natu r bei Der JugenD steigern, was sehr zu ivünschen ist, so müßte man es tun auf Kosten Der Mathe matik, m Der es Teile gibt. Die weniger bildend sind. Wollte mnit schließlich, ivas ich dringeiid wünsche, das geographische Wissen in Der Jugend vermehren, so kann es nur an K o st e n Der Geschichte geschehen, bei Der leicht ganze Partien ausscheiden können. Tie Hauptsache bei allen höheren

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Pfeilgeschütz nach Philon, ein Keilfpaiincr nach Philon, ein Erz- fpanner nach Philon, ein Bügelspanner (Blitzbailiste) nach dem Anonymus, alle diese in halber Größe; in Originalgröße ein Bauchipanner nach Heron unb eine Steinschleuder. Alle diese Geschütze sind bereits nach der Saalburg geschafft. BeimErz­spanner" sind Die beiden Büchsen angeoracht, die Philon nicht erwähnt. Dadurch hat, wie Prof. Dr. R- Oehler hervorli-bt, das Gci'chütz eine große Aehnlichkeit mit den auf der Trawnsfäule dargestellten Geschützen erl-alten. Rach brieflicher Mitteilung von Oberst Sä/mmm an Prof. Oehler ist ein Aerotonon neu in Arbeit.

Ein deutsches Operettentheater iii Paris. Paris wird von, nächsten Frühjahr ab ein Operettentheater be­sitzen, und dies Theater wird deutscher Initiative seine Entstehung verdanken. Der Berliner Verleger Adolf Sttwinsky hat mit Dem Direktor Des Gynmasetheaters, Alphonse Franck, einen Vertrag abgeschlossen, nach dem von Akärz an DieLustige W i t w e" auf Der beliebten Boulevardbühne ausgesührt werden soll. Andere Verhandlungen sind im Gange, Die, wenn der Erfolg Der »Lustigen Witwe" so groß wie in Deutschland, Shnertfa und England ist, zur Errichtung einer ständigen Bühne für die deutsche Operette führeii düriten.

Rosegger als Heiliger. Kürzlich wurde, wie ge­meldet, in Kapfenberg im Mürztale (Steiernrark) ein Rosegger- Denkmal enthüllt. Es stellt den Dichter in fitzender Stellung dar, wie er einem Reh, das bei ihm steht, Geschichten erzählt. Rmr ereignet sich das Merkwürdige, daß bäuerliche Frauen und Mäd­chen zum Denkmal des Dichters gehen, vor ihm nieberfnien und inbrünstig beten. Neulich fragte eine Bäuerin, lver dieser Heilige sei.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. In dem Wettbewerb um Skizzen für ein Geschäftshaus des Vorschubvereins in Tilsit haben erhalten den 1. Preis (1500 All.) R. Herold in Berttn-Halensee, den 2. Preis (900 Alk.) Fritz und Wilhelm Hennings in Berlin, den 3. Preis (600 Mk.) Karl Warner und Wilhelm Müller in Frankfurt a. Al. Zun, Ankauf für je 500 Mk. wurden empfohlen die Entwürfe ,Jm Stadt­bild" von Heinr. Bangemann in Kassel, ,Auf sicherer Basis" von E. Hermann Senf in Frankfurt a. M. undU V. T." von Alois Baur in Alainz. Dem großen Humoristen Wil­helm Busch soll in seinem Geburtsorte Wiedensahl (Provinz Hannover) ein Denkmal gesetzt iverden.

Schulen ist: G e g e n g e iv i ch t s ch a f i eii gcgeii d e n Z e i t- q e i ft, und den Ideatism u s in die Herzen Der Jugend pflanzen! Es gilt, gegenüber der materialistischen Teiikweise Eharakiere zic bilden imD Jünglinge, die nicht mir in ihren Neigungen, sondern" auch in ihren Pflichten ihre Diichtfchnur finden, den Kenn zur Freiide am Wissen zu ivecken imD ihn zum Wahrheitsstreben zu entwickeln."

Benterkt sei, daß bei der Jubiläumsfeier der Kaiser durch den Gencralstldmarschall v. Hahnke, und der Kultus­minister Holle durch den Unterstaatssekretär Dr. Wever vertreten war. So meldet dasB. T."

Was sagt der gesunde Meiischenverstand dazu? Mail schlägt die Hände überm Haupt zusammen! Denn so etwas ist un5 völlig unbegreiflich. Soviel wir wissen, amtiert jener Berliner Schultyrann, der den Selbstmord eines braven Schülers sofern man den Pressemeldungen darüber Glauben schenken darf veranlaßt hat, noch munter fort. Ein ernsthafte Gymnasialreforinen anregender Gymnasial­direktor aber rvird unter dem ruhmreichen Regime Holle in', den Orkus versenkt wegen einer äußerst maßvollen Schul­rede, die obendrein von den meisten Schülern nicht verstanden worden sein dürfte. Schon Prof. Gur litt, der nach Re­formen strebende Schiilmann in einem der Berliner Vororte, ist aus dem Lehrerstande gestoßen worden. Der allerdings^ ist erheblich schroffer, zielbewußter, wenn man will: revo­lutionärer vorgegangen als Direktor Leuchtenberger. We­nigstens lveiß die Oeffentlich' ll von diesem Manne nichts weiter als diese Rede. Lstan wird vorerst authentische 9tach- richten abwarten müssen, um diese neueste preußische KultuS- ministerial-Affäre vollkommen überschauen zu können. Immer­hin genügt dicseS schon, um das Hollesche KultuSregiment in Preußen mit noch erheblich mißtrauischeren Augen hinfort anzusehen als bisher bereits.