Ausgabe 
10.9.1908 Erstes Blatt
 
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Ke? Jahres von Zeit zu Zelt an Hand einer geordneten Buchführung davon überzeugt, ob ihm wirklich ein ent- sprechendes Einkommen in Aussicht steh:. Findel er, daß er trotz genügender Aufträge nicht soviel verdient, rote zu keinem Auskommen nötig ist, so roird es ihm nicht schroer fallen, an Hand der Buchführung die Ursache festzustrllen und Abhilfe zu schaffen.

Bei dem ' Gedanken an die Einführung einer Buchführung fim (veschäft.'betr»eb muß man vor allem berücksichtigen, daß den meisten Handroerkern zur Führung von Büchern Zehr wenig Zeit zur Verfügung steht. Er kann also nur eine Buchführung brauchen, deren JnstandhalMna wenig Arbeit und Zeit erfordert, anderseits aber auch )o leicht erlernbar ist, daß nutigenfalld die Angehörigen des Hand­werkers söhne, Tochter oder die Ehefrau- die Führung der Bücher übernehmen können

Ta Die Kenntnis der Buchführung auch bei den alljähr­lich abzuhaltenden Meisterprüfungen erforderlich, hat der Vorsitzende der Meisterprujuiigskommisjion für Oberhefsen, Baumeister Traber, vor längerer Zeil in Gemeinschaft mit .Handwerkern eine Buchführung Lusammenaestellt, otc es dem Handwerker ermöglicht, sich ohne große Arbeit jederzeit einen Ueberblick über feine Ein- und Ausgaben zu machen. Ta die Buchführung infolge ihrer Einfachheit (es sind nur 2 Bücher nötig- sehr leicht erlernbar ist, wurden bereits im vorigen Winter in Lr'sgeroerbevereinen usw. Buch­führungskurse abgehalten, die sehr gut besucht waren, selbst in £tten, in denen keine derartigen Vereine bestehen, wie z. B. in Holzheim, hatten sich eine Anzahl Handwerker, Landwirte usw. zusammengeschlossen, um sich diese Buch­führung anzueignen. Leider steht ein großer Teil der Hand- Werler noch auf dem Standpunkt, das, eine Buchführung für den Geschäftsbetrieb überflüssig, es können deshalb die vorteile einer derartigen Einrichtung den Gewerbetreiben­den nicht oft genug vor Augen geführt werden.

* Do m Grob herzoglichen Hofe. Der Groß- cherzog hielt gestern in dem Kranichsteiner Park eine erfolg­reiche Saujagd ab. In Jagdschloß Wolssgarten ist Prinzessin Ludwig von Battenberg mit Ihnbcrn eingetroffen, um einige Zeit dort zu verweilen.

Personalnachrichten. S. S. H der Groß- herzoa bat am 5. September d. I. den Kustos für die rninc- ralogische Sammlung des Landesmufeums Tr. Ernst Wit- tichauf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen. S. St. H. der Großherzoghdt am 29. August d. I. den Äroßh. tGeh. Oberforstrat Dr. W a l t h e r zu Darmstadt zum stell­vertretenden Vorsitzenden und den Großb. Lberforstrat Tr. Grünewald zu Tarmstadt zum Mitglied der Prüfungs­kommission für das Fvrftfach in Darmstadt ernannt.

Aus dem Jahresbericht der staatlichen Betriebskrankenkasse geht htTUOT, daß der Jahres­abschluß 1907 ein wenig günstiger ist, als der von 1906. Die Vermögensvermehrung beträgt gegen das Vorjahr ca. *21000 Mk. weniger Die Ursache liegt hauptsächlich in der |cnormen Steigerung der ttrankenziffer, die gegen 1906 bei den erwerbsunfähigen 26.58 Vroz., bei den enverbsfähigen Mitgliedern 11.52 Proz. und bei den Ehefrauen 14.17 Proz. beträgt, während die Mitgliederzahl durch die mit Wirkung Dom 1. April 1907 erfolgte Uebcrnahme der seither in der Krankenkasse deS Lnappschaftsvereins Bad-Nauheim ange­hörigen Personen in die Betriebskrankenkasse nur um 7.8 gegen das Vorjahr gestiegen ist. Als weitere Ursache kommt der zmrsverlust an den zu dem Vermögen der Betriebs- Krankenkasse gehörenden Wertpapieren hinzu, der indessen für die Folge dadurch wieder ausgeglichen roerben wird, daß ein großer Teil dieser Papiere in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Nennwert zur Auslosung gelangt. Daß bei dem Mangel aller Verwaltungskosten trotz der vorerwähnten un- aiinftigen ^Verhältnisse noch 21000 Mk. zurückgelegt werden sonnten, ist vor allem bai in den Staatsbetrieben eingetre­tenen Lohnerhöhungeii zuznschreibeii.

" Der hiesige Bezirk deS Vereins für Hand- LungS-KoniiniS von 1858 (Kaufm. Verein), Han,- bürg, hielt gestcrii abend im Hotel Schütz zur Neubelebung (bei, hiesigen Bezirks eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Außer Besprechung wichtiger VercinSangelcgenheiten würbe geschlossen, daß von fetzt aber wieder regelmäßig jeden Mittwoch VereinSabenbe stattfinden sollen. Ferner würben für ben kommenden Winter einige größere Veranstaltungen in Aussicht genommen.

Annerod, 9. Sept. Nächsten Sonntag findet auf dem schöngelegenen Festplatze, derPlatte*, unser Kirch­

weihfest statt, das sich bei günstigem Wetter wohl eines sehr starken Besuches erfreuen wird.

Trohe, 9. Sept. TaS 3 Jahre alte Kind des Müller- Rühl ist heute in einem unbewachten Augenblick ertrunken. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche und schleunige ärzt­liche Hilfe waren leider vergeblich.

Lollar, 9. Sept Gestern abend wurde von einem Radfahrer ein vierjähriger Zunge überfahren und schwer verletzt. Ohne sich um das stark blutende Stinb zu beküm­mern fuhr er davon, doch gelang es glücklicherweise feinen Namen fest zu stellen Es ist der Arbeiter Becker von der Main-Weserhütte.

Bad-Nauheim, 9. Sept. Cornelius Banderbilt lNewyork ist mit Familie hier zur Hur cuigrtroffen.

fc. Vilbel, 9. Sept. Ter ivemeinderat beschloß die Einführung der Wertzuwachs st euer vom 1. Oktober d. I. ab. Tie Hamster treten hier in solchen Mengen auf, daß der Gemeinderat für das Stück 10 P g zahlt

fc. Großkarben, 9. Sept. Ter 30,ahrige Handels­mann Moritz Grünebaum ist feit dem 6. September von hier verschwunden.

k. Von der unteren Sahn wird uns berichtet, daß sich schon seit Jahren ein großer Rückgang in dem Fischocstand bemerkbar mache. Tie Pacht, die den ein­zelnen Gemeinden zufloß, wurde von Jahr zu Jahr hrär- licher. Tie Stadl Nassau hat deshalb beschlossen, dieses Jahr die strornsischerei nicht mehr zu verpachten.

Darmstadt, 10. Sept. In Alsbach wurde gestern der 25 Jahre alte Zigarrenmacher C. Schwöbel verhaftet, der sich eines SittlichkeitSverbrechenS schuldig gemacht hat. Das früher Schncider'sche HauS am Schloßgraben, daS die Stabt f. Zt. geerbt hat und boS zu einem städtischen Museum eingerichtet werben soll, wird in seinem Innern einer gründlichen Umgestaltung unterzogen.

Offenbach, 9. Scpl. Tw Untersuchung gegen ben Magistratssekretär Grebe jun. ist eingestellt worben, ba sich ein Schuldbeweis nicht ergeben hat.

G. Krofborf, 10. Sept, (rm trauriger Vorfall spielte sich gestern nachmittag bei der Familie W. A. ab. Ter Mann, der noch nicht lange aus her Lungen Heilanstalt entlassen ist, ist dem Trünke ergeben; er geriet mit seiner Frau in Streit, in dessen Verlauf et ihr eine Hacke so über den Kopf schlug, daß sie blutüberströmt zusamm^ndrach. später bedrohte der Mann feine Kinder, worauf ihn die Polizei in Gewahrsam nahm.

8. Wetzlar, 8. Sept. Neue Schulhäuser werben noch bis zum Spätherbst zu Laufdorf und Schwalbach vollendet. Auch für Niedergirmes ist cm Erweiterungsbau beschlossen worben.

x Biebenkopf, 9. Sept. Tas gesamte obere Lahn­gebiet und seine Nebentäler, bis tief hinein ms Sieger- und Sauerland, stehen jetzt im Zeichen des Manövers Nach­dem in den letzten Tagen noch einige Regimenter mit der Eisenbahn ein getroffen sind, ist jetzt das ganze 18. Armee­korps vollständig im Felde. Tie Brigademanöver haben gestern begonnen: sie finden im Sauerlandc, im Tilltalc, besonders aber in der Gegend von Biedenlvpf statt. Panzer- Automobile und Arniee-Laslautomobile sind in Tätigkeit getreten. Durch das gebirgige Gelände haben die Truppen viel Schwierigkeiten zu überwinden. Tas Korpsmanöver zieht sich bis in den Kreis Marburg, wo südlich der Stadt im Lahntale daS letzte Biwak stattfindet.

C a m b c r a, 8. Sept. Tie 87. Generalversamm­lung des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte verbunden mit der gemeinschaftlich von der Landivirtschaftskamincr und dem Vereine veranstalteten Haupttierschau wurde gestern und heute hier abgeyalten. Aus dem Rechenschaftsbericht ging hervor, daß die Mit- gliederzahl 10683 erträgt, der 1. Bezirk (Kreis Biedenkopf) zählt die meisten Mitglieder, 1166, der 6. Bezirk (Obcrlahn- kreis) folgt mit 1142, Stadt- und Landkreis Wiesbaden mit 939 und bei 16. Bezirk (stabt- uno Landkreis Frankfurt am Main) ist mit der geringsten Zahl, mit 328, vertreten. Tie Gesamtausgaben beliefen sich im letzten Geschäftsjahr auf 60 254 Mark, der Kassendestano beträgt 3989 Mark.

Frankfurt a. M., 9. Sept. Ein heute als Zeuge vernommener Mann gab bei seiner Vernehmung an, daß ihm während der Untersuchungshaft ein Hundertmarkschein von einem Aufseher »»gesteckt worden fei mit der Weisung, in dem Termin günstig für den Angeklagten auszusagen, sofort angestellte Ermittelungen ergaben, daß der Zeuge bpii Hundertmarksck)ein von dem Aufseher Müller erhalten hatte. Der Beamte wurde fofort verhaftet.

Frankfurt a. M, 10. Sept. Im O-Zug Mann« bcim-Frankfutt wurde einem 85 Jahre alten Privatier ap Wien un Gedränge die Brieftasche mit etwa 600 Mack in Papiergeld gestohlen. Ter Ticb ist entkommen. Ein Italiener, dem auf dem italienischen Konsulat die Unterstützung rcnocigert wurde, drohte das Gebäude in die Luft zu sprengen. Ter Mann wurde biS zu seiner Ausweisung in Polizcigcroahrsam genommen.

Hanau, 6. Sept. Tif bier abgtballtne Wanderocriauwu» hing deS BeoemSauSichufseS der Landm-.rricba'r-kMmner für t<en Rrgierungs. rk Hanti bat a!« Crt für bi: «bbaltung der nädiftm Bezirksnersclau Wolfhagen gewählt und für 1910 Marburg \> Aussicht genommen.

Wiesbaden, 9. sept Tas ftäbt WeinberageläuM auf dem Neroberg ist so stark von der Pervnospcra besalle,. daß die ganze Weinernte in Frage gestellt ist.

Kleine Miktciliinge- n u « Hessen und de, Rack barstaalen. In Beerfelden brannten in der Nochr von TienStag auf Mittwoch zwei Scheimen nieder. An btr Liane tei Wiesbaden erbangte sich ent «üjäbnger El'endeu». lchuiyer au« Wiesbaden. In E n « h e t in fiel ein Landwirt von einem mit Pen beladenen Wogen und erlitt Io schwere Verletzungen, faß er verstarb. Am Montag erlitt eine yrau m Atesvave, durch ba-i Tragen eines Ringes beim schaukeln eine schwere Ver­letzung. AIS ne von der Schaukel nbiprang, blieb der Ring an einem Haken hängen und die Ar au riß sich durch ihr Körpergewicht den Ringer fall vollständig ab. Am £ten«tag mittag reute ernt schwer kranke <3rau in Begleitung eine« Mannes von Frankfatt nach L u d w i g « b a I e n. Ton ließ er sie am Bahnho« allein, angeblich um einen Wagen zu holen. Ta der Tlann ober nutt zurückkehrie, mußte die sirau in< Riankenhaus verbracht werden. Pan dem Manne ieblt noch jebc Spur. Er gab nur noch an, daß Die Frau eine Schwester in L'tannheim wohnen habe. Ter Fuhr» mann Weorg veilmaun, der am 16. April eine Handwirieiochjer m einem Hohlweg bei Teitelbach ermoibcte, ist von ben Irrenärzten al« dauernd unzuiechnungslahig erfannt worden. Er wurde außer Befolgung gesetzt und für zeitlebens einer Irren­anstalt übenoieien. Für Tonauelchingen hat die ^inm E. Kupjch in Qtanrurt a. M. 600 Rollen Tapeten nebjl zu­gehörigen Borden gespendet.

DcrmiWKSe

lieber ben Gejunvheitszustanb der Zar», macht der Petersburger florretponbent deS Panser .Journal deS TLbatS^ einige Mitteilungen, au0 denen hervorgeht, daß daS Befinden der jungen Kaiserin die russ. Hoskretse Inder ma Besorgnis erfüllt. Die kurz aufeinander folgenden Geburte» im Zusammenhang mit ben furchtbaren Aufregungen und den tragischen Ereignissen der letzten fünf Jahre haben, so be­hauptet wenigstens baS genannte Blatt, auf bet Kaiserin körperliches Befinden argen Einfluß auSgeübt, und sie scheint von Schwäche und Mattigkeit befallen. Immer wieder drängen sie die ÄlerLte zu einem mehrmonatigen Aufenthalt im 9lu6(anb; bie Zarin aber weigert sich in tapferer Hack» nädigfeü, ihren Gatten allein zurückzulassen. Um wenigstens mit etwas der wachsenden Schwache, der Appetitlosigkeit und ben Herzschmerzen entgegenzuwirken, haben bie ?leqte sie schließlich überredet, gemeinsam mit dem Geniahl und den Kindern bie kurze baltische Kreuzfahrt zu unternehmen. Man hofft, baß bie frische Luft bec sinnlänblschen Gewäffer unb du zeitweilige Abkehr von ben politischen Erregungen befl Tage« ihre Körperkräfte wieber finden wird. Alle, bie bie Situation kennen, stützen sich, so fährt baS genannte Blatt fort, auf diese Hoffnung, denn wenn man absieht von der kleinen Gruppe fanatischer Terroristen bie Zarin erfreut sich einer großen Popularität. Ihre natürliche Grazie, ihr stets lieben», würdiges Wesen unb der hmgebcnbe Ernst, mit dem sie ihre Mutter- unb Gattinpflichten betrachtet, ihr liberalen Tendenzen jimeigenbcc Einfluß sind im niff. Volke bekannt unb haben der Persönlichkeit ber jungen Kaiserin überall lebhafte Sym­pathie eingetragen. (In ihrer hessischen Heimat werden diese Meldungen mit lebhaftem Bedauern ausgenommen werden und die gesamte Bevölkening des Landes wird sich vereinen mit dem Großhcrzog in dem Wunsche, daß bie in bicjer Nachricht zum TluSdruck gebrachte Hoffnung auf Wiederherstellung der Gesundheit bec russischen Kaiserin sich recht bald erfülle« möge. D. Red.)

* Die Aera ber Aeronautik bars man mit Fug unb Recht unsere gegenwärtige Zeit nennen. Fast jeder Taz bringt neue interessante Meldungen von der Unterjochung de« LilftreichcS durch den rastlosen Menjchengeisl. Aul Amerika liegt heute eine besonders wichtige 9tachricht vor. I»

Vie freie Kunft auf der Landesausstellung.

i.

; ir 'V f aflf f.

' n bei uns gegenwärtig irnrkwiirdig ' - ' gcschassen unb man sprüht nicht mit

,Unred)t von einer Blüte;:n ber modernen Plastik. Freilich, es ist nicht alle» Kunst, was die Plastik seit Rodin, tUleumcr, X.'am- bttnix, Süibing, Klinger u. ü. dervorgcbrachl bat, aber es ist bodj red.i viel beachtenswertes Können zu vcr^ichnen, ivenngleid) das Meiste mehr technische (vrrtigfeit als künstlerische Gestaltungs­kraft auitveift Ihn so crfreulid?cr ist cS, daß in Darmstadt strenge Auswahl getrpikm muror, iuii> daß von der merkwürdig kleinen Anzahl von Plastiken ferne als wertlos und nur Verhältnis mäßig wenige als mdjt gelungen angeielxu n»erbat können ÄuS-

u. bai vauv weitaus größten <c.ic

vußt ist, wenn auch bei cüiigcn ein unsicheres Tasten uiü» Fühlen nicht gn verkennen »st '2lhcr auch das muß betont werden, daß feiner der aiwüdlenbcn Künstler sich in bi­zarren Darstellungen ergeht, um wenigstens Aufmerksamkeit zu erregen, wo ihm die iNrruwmidK Gestaltung der Linie zum Körper derjagt ist Möglich aber, daß hier die Leunug schon reinigend gewirkt bat und daß darum die Ausstellung so llcin ist Am zabtreichsteu und unstreitig auch am besten vertreten ist der Ber- lüter Tierplastiker A»gust Gaul, dessen küm'klerische C*ftal- tuugSkmft feiner starken Beobachtungsgabe vollauf gen»achfen ist Von ihm sind 1 t Werke ausgestellt und zwar ausnahmslos Tier- stucke, von denen bie Mehrzahl, die flletnbronjcn, von ungemeinem Reiz unb fxublidxr Aiunut find. Sein mächtiger Adler ist neben dem verlorenen Sohn Buschs vielleicht die beste Arbeit der ganzen Aussü'llung, in feintr kraftvollen und kühnen, jeder DiNinkS abbulben DxrdkeHung, nnt ber maiestüttschcn Stellung unb dem aiißervrdenktich drarakteristrschm Kvpf, der durch die eiiigesepten Augen auo rötlidzcm Stein oorzsrglich belebt wirb Auch die lebenSgri'ße Löwin aus Gips ist eui-' auerkeunenSweNe Leistung, wenn sie auch nicht an die uIngen Stücke Dci Hildneri btTajitcubi. Reizord sind btt Kleriwronzen, die neben einem bedeute,»den Können cinai liebemFnniitiigeii. wobltuenden Humor verratcii unb bie anerkannte Kunstlersaxttt mifi neue über- geugcnb bcfbüiga» Die Fasanen, die Schafe, die Fisch­otter, btc Büren, tne azchen sind ungemein anmutige Stücke, dre aber doch alle hniter dem borzüplich gdungaten Sttau 6 Kurückstehrir müssen.

Ihm nabcui gleichzustelleu ist der mit nur iroei Werken ber:rrtene Muncheuer Georg Busch beifen le.. ,roh.' Bron » , I ct verlorene Sohn' , tat.priorin in rer Auffassung der Bibel, eine nachb>ülig< Wirkung ou.-udr und u ,einem Borte»! ,- bau Adler 0*111 L- irm die Patipe ftrettet Die ganz L*-mp-

sindung iststn der Haltung bei schönen, nad, strengen anatomischen Regeln aufgtbauten rkörpers ausgedruckt, t-er sich in tiefer Reue ans die Shtie geivorsen hat unb bai iränenübcrihömtc Gesickü schmerzvoll in bie Hände vergräbt. Die Behandlung der Musku­latur unb der Haut ist von vornehmem Geschmack getragen, ohne in dem süßlichen Idealismus zu verflachcu, wie ihn bie bildlichen Darstellungen qu5 der Bibel häufig aunveisen. Tie Schenkel und der Nacken sind ganz vorzüglich behandelt Ungkid) idnvächer ist daS zweite Stück,St. Geory", das ui dem Gebäude für angeiiauble Kirnst untexgebradU ist unb Ziemlid) konventionell bleibt. Von den übrigen Nichtbessen erwähne ich drei Portrat- pücketteir von Fra« Vor cs in Stuttgart, die beiden Porträt- büften von Ä10 iS Metz m Berlin, von den

sehr beachtenswerte Leistung ist, und die werbliche Porträtbüste ron H. Persch in Berlin, bic einen sehr snmpathisd>en Eindruck madit. Tic Munchnerrn Marie Kern-Löfs; verfugt wohl über eine anerkennenswerte Fertigkeit, aber ihre Arbeiten lassen nicht nur kalt, sondern sic wirken ourd) bic erschreckende Häßlich­keit ber beiben Gesichter geradezu erkältend.

Wesentlich angenehmer a!S die zuletzt genannten ftuuftlcr zeigen sich unsere hessisckxn Plastiker, von denen der Darmstädter

. : ch I 0 b ft an erster Stellt

außer dem Retiei am Hochzeuseurm einige rcdn uuerniante Bronzen ovrprnden, von denen die beiden eigcnariigai, von dem Großhcrzog und seiner Gemahlin gekauften ArdeitoiTer Tag " undDie Siunder mir am gelungensten scheinen Aus hohen zierlichen Säulchen tollt der Tag in lastender Eile mit weit vorgeneigrem üxnrper auf einer Kugel dahin die Stunde wiederholt diese Hal- tung. Die beiden Akte, der liann tuid daS Weid, find in har-

»Icmbeit der Ocftalun sind die Körtvr erstaunlich fein aut- gearbeitet unb gegliedert. Auch der ornamentale Sckrmuck ber beiden Säulen ist UevenSwurolg unb aniprcdxnb. Zwiespältig

übertrifft baS Eriytnal die schlechte Abbildung int ..Führer" bei treuem, wie denn ber gar.

unglückliche Stellung der Beine bedingt ist Der £bcrtori*.T da­gegen ist von einer betau betitlet Anmut und Beweglichkeit Von den übrigen Werken JobstS ist nocti der mntelakterltche. nau>- iutnlubc Brunnen in dec für Bad-Nauheim bestimmten Wandel, halle atoäbnatfrxri, der an t<x T ugenddr imnen von Wurzel-

- uni .r betten dr.r-

l ästen. Nana b f: ut Darmstadt bat nnt ihrer lieblichen Otoiroc der fünf Dachshunde cui< Probe sicherer Beobachtung

eine tüchtige Studie l unter 1 Werden kann. Die allerdings einen denkenden und technisch firghrn Künstler verrät. Estn recht be­

gabte Künstlerin ist Luise S t a u b 1 n g c r aurf Tarmstadt. bs außer einigen niedlichen Kleinbronzen bie Sanbstembüstr ,,«ti gutes B u ch" und einen weiblichen Akt in Bronze ..Kauer»- des Mädchen' au6gdielH hat Die Sandsteinbüste ist n»e lobensiveric. überlegte Arbeit, bad Bildnis eines älteren Manne«, ber iid) über ein Buch zu beugen scheint. Der Mädchenakt it ebeniaUS ein gelungenes Werk, das irotz der ivtnig eigenartts« Tarstellung lnird> die schl onh.-tt des :

sehr für sich einnimmt. Am wenigsten glücklich behandelt f »> die ctnxri roten, nichtssagenden Hände, vornehmlich die sinke.

Schärfer im Ausdruck unb straffer in ber Komposition sind 6« Bronzen von Robert (Sauer, ebenfalls ein Kind der Ak» sidenz. benen 11 b n 1 ft a t u e 11 c de« Herrn im Jieitaiw mir alS sein glücklichstes Werk erscheint, dem sich der kleine Humor- volle ,D 1 e b" ciui anschsießt. Bon seinen übrigen .Werten ist nur noch bic Porträtbüste erwähnenswert. Seine größte Arbeit, b« St. (Ä e 0 r q « b r u 11 n e 11, der an iich schon nicht fonderttch on- gineU ist, wird von der wuchtigen Archuektur Clbnd)6 'ast co3- ständig erdrückt, wenn auch nicht oertanm werden darf, daß « tm einzelnen manche Schönheit aulzuweisen hat.

Zwei Bronzereliefa von A. S ch r ö b t e r, einem T.atiMÄ zeigen eine sichere, nicht gewöhnliche Lechnik, die sich »n i e d er- f ehen' am bedeutendsten erweist und in der Ehataktenslck der jiguren am ooüenöeiften etschemt. Tie »Auserweckung' oder halte ich, obschon auch fie flott und sicher gearbeitet ist. für toemgo bebeutenb. Die Behandlung bec Gewanber verdient in beiden lief® entfchfedene® 2od.

In mancher Beziehung ihm ähnlich ist bet junge, kaum 20- jährige Mainzer C. otetgerroalb, btfien Studium m Dtüie ton zwar technisch sehr gesörden, sonst aber in bie bombastisch» französische Schule gezogen hat. Auch er ist noch oorroiegen® Techniker, wie die beiben Stücke kme« dlifienrelid« ,(i p 1 b e m u beweisen, da® eine wuchtige abci bumpk Tragik ofienbari. So­wohl d»c Leichen, über die bic Epidemie auf dürrer Madre t* wegfetzt, al® auch die Gebenden, auf bie fie zurettet, finb rntt emn verolnfienden Realistik gegeben und zeigen ben jungen RünfUct alt em sehr viel versprechendes latent, beim cs will bti km« Jugenk mir wenig bedeuten daß die Idee sowohl al« auch ihre Behand­lung nicht neu ift. Tie ,Q ü 11 q 11 n g « b u ft ce au< ÖiN unterliegt bemfelben Urteil, während ber,Rinberfopt* tn teser Beziehung von Bedeutung ist. Tas kleine au« Marmor gektftgn Werk ist von bewunbmmg«werter Schlichtheit und Frische.

Schließlich ist noch eine B r 0 nj e p I a f e tt e der Groß' Herzogin von V. Götze, Groß - Gerau, zu erwähnen, d.t .engt und v?.i 'vrechender Aeßs- lichkeit tfL Eine gew'.fic Fahngke.t m ber Zeichnung ist aber trotz rer Zartheit und Feinheit nicht ganz zu verkennen

Karl Neurath