Ucbcrfüyrung
ab»
Tagen verpflichtet, keinen anderen Ausweg mehr sah. Trotzdem hatte jein Auftreten ganz das gewohnte Gepräge vornehmer Ruhe, als er jetzt nach dem Chef der Kriminal» Polizei fragte und dann bei desjen Abwesenheit den Souschef um eine Unterredung und um sofortige Aufnahme eines Rapports ersuchte, in dem er seine dis zum Jahre 1894 zurückreichcnden Veruntreuungen eingestand. Er hat die, Wertpapiere der von ihm aeleiteten Seeländischen Baucrn- stands-spar lasse und des Lutterexportvereins verkauft und au sehlgeschlagenen Spekulationen in überseeischen.Papieren, hauptsächlich Goldminenaktien, verwandt. Alberti überreichte dem Souschef einen auf neun Millionen Kronen lautenden Depositenschein, ausgestellt von der Privatbank in Kopenhagen und versehen mir dem Namen'ihrer beiden Direktoren. „Dieses .Papier ist falsch," sagte er dabei, „ich habe es selbst mit den Namen der beiden Bankdirektoren versehen." Vor den .Polizeiinspektor geführt, verlor er seine Haltung und sank mehr und mehr zusammen. Nach vor
genommener Leibesvisitation erfolgte seine Ueberführ in eine Zelle, vor der eine besondere, sich regelmäßig lösende Wache postiert wurde. Er empfing hier nachmittags den Besuch seiner .Gattin, die gleich seinen übrigen Angehörigen von seiner Lage und seiner Absicht, sich der Polizei, zu stellen, feine Ahnung hatte. Alberti, 1851 geboren als' Sohn eines ObcrrechtsprvturcttorL und Abgeordneten, später selbst NechtSanwalt beim höchsten.Gericht und 1892 Mitglied oes Reichstages, war von seiner ersten Frau geschieden, seine zweite Gattin war vorher zweimal verheiratet. Die allgemeine Sympathie gilt seiner Schwester, einer ausgezeichneten, auf dem Gebiete der Frauenbewegung rühmlicyst tätigen Dame.
Ausland.
Die Unruhen in Persien haben das türkische Frauenkomitee in Konstantinopel veranlaßt, an alle euro-- päischen Herrscherinnen zu telegraphieren und sie anzu- flehen, sie möchten gegen das Morden des Schah von Persiew Einspruch erheben. Inzwischen wird auch einem Londoner Blatte aus Teheran telegraphiert, daß dem Schah eine gleichlautende britische und russische Note überreicht worden sei, die ihn auf die Ruhestörungen tu den Provinzen und namentlich auf die dem Leben und Eigentum der Ausländer in Täbris drohende Gefahr aufmerksam macht. Tie Note empfiehlt dringend, daß der Schah die von ihm versprochene Kundgebung über die Wahlen sobald wie möglich erlassen solle, um das Volk darüber zu beruhigen, daß er sein Versprechen, die Verfassung zu wahren, auch halten wolle, und daß er das neue Parlament Mitte November einberufen solle.
Arbeiterdemonstration. In Newyork hat an-» läßlich des Labor Tay der arößte Demonstrations-Umzug von. Arbeitern stattgestlnden, dessen man sich erinnert. Nicht weniger als 40000 Arbeiter, die 46 verschiedenen Or- aanisationen angehörten, zogen in 8 Abteilungen an einer Tribüne vorüber, auf der neben anderen Arbeiterführern auch das englische Parlamentsmitglied Keir Hardie Platz genommen hatte. Ein anderer englischer Sozialistenführer,' James Craig, ein hervorragendes Mitglied des Caledonian- Klub, wurde während der Veranstaltungen vom Schlage gerührt und starb sofort.
Deutsches Aeteh.
R e i ch s s ä ck e l u n d Z e p p e l i n s p e n d e. Tie „Nordd. Mlg. Ztg." schreibt: Unter der Ueberjchrift „Die Zeppelinspende versteuert schreibt das „Berl. Tagebl." am 1. Sept.: Auf der Suche nach neuen Steuerquellen ist dem ©teuer» fisruS ein unverhofft großes .Heil widerfahren. Tie von dem deutschen Volke durch freiwillige Beiträge ausgebrachte Millionensvende für den Grafen Zeppelin erscheint den zuständigen Behörden als ein sehr willkommenes Objekt, um es zu Gunsten des leeren Reichssäckels zur Ader zu lassen. Diese Meldung ist unrichtig. Tie Absicht, die Zeppelinspende für die Reichssinanzen nutzbar zu machen, besteht nirgends.
Schncking. Tie „Neue Hamb. Ztg." will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Verhandlung, gegen den Bürgermeister Schücking, die auf den 19. September in Schleswig angesetzt worden war, wieder ab gefetzt worden ist.
Für die Reichstaascrfatz wähl in Memel- Hey d e k r n g stellten die Konservativen den Besitzer Sutt*' gereit-Paschioschen als Kandidaten auf.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. Sept. 1908.
Buchführung für Handwerker.
Wenn der Handwerker im Sommer mit Arbeit überlastet ist, kann es ihm wohl niemand verdenken, wenn er fich wenig oder gar nicht um feine Buchführung kümmert. Trotz» dem ist eine geregelte Buchführung für einen geordneten Geschäftsbetrieb unerläßlich. Wohl jeder Handwerler ver-i ügt über sog. faule Kunden, die meistens in Güte ncht zur Zahlung zu bewegen sind. Geht er Nagend gegen ie vor und fehlt es ihm an sonstigen Betveiscn seine Forderung zu begründen, so wird ihm eine geordnete Buchführung aute Dienste leisten. Aber auch bei der Steuerveranlagung kommt dem Handwerker die Buchführung sehr zu statten. Wird er zu hoch eingeschätzt, so kann er gegen die Veranlagung nur dann mit Erfolg reklamieren, wenn er nachweisen kann, daß er wirklich ein niedrigeres Einkommen hat. Ist dies auf Grund der Buchführung des betr Handwerkers festzustellen, so erfolgt die Herabsetzung in die richtige Klasse; andernfalls aber wird er vielleicht jahrelang zu hoch eingeschätzt sein, ohne etwas daran ändern zu können.
. man die vorstehenden Ausführungen vollständig, außer Betracht, so darf man nicht verfehlen sich darüber klar zu werden, daß es für jeden Hantüverker und Gewerbe- tretbenben unumgänglich notwendig ist, daß er sich im Laufg
Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 10. September 1908
rrtcheim täglich, außer ’w^" ä Vezug-pretsr
Sonntag». - Beilagen: W monatlich 7b Ps., viertel»
11 WtAMS
1I IHIC88 IC 1. ZI ll^tü 119^1
kvlrllchalllichrSettsragcn A ’kX tiä Sg ML TS »• Xflbr,^X gLr Ze'lenpretS:lokal.IbPs.
Uernsprech - Anschlüße r ■ ▼ W audroärtfl 20 Pfennig.
w» dir Redaktion 112. ®y Jby Verantwortlich
MU General-Anzeiger für Oberhessen WM
K Rofotionsörud nnö Verlag der BrfiblWn Unlv.-Vuch. nnö Steinbruderel. H. lang«. Rcöaftiott, Grpeöltfon und Druckerei: Schulftratze ?. 7
»iinciQcnic1i vCu«
standsvermehrnng, deren Deutschland int lettzen Mensck^enalter sich erfreuen durfte, cs den Privatwirtschaften nwglich macht, die nötigen Opfer zu bringen. Dabei wird enti'pred?enb den Ergebnissen der nwbenten Fmanzwirtschast die Besteuerung in Formen durchzuführetl sein, die die Kvnsunrsbeuer des Cliarakiers einer Svndcrgcwcrbesteuer entkleiden. Sodann sind die Ansorde- rungenausgleiche ndersozialerGercchtigkeitkei- nen Augenblick aus dem Auge zu verlieren, sondern bei der Ausgestaltung der einzelnen Gesetze durch geringere Be- festung des Mnsums der Mtnderbemiltelten und durch höhere Besteuerung des kostspieligen Luxuskonsums zur Geltung zu bringen. Aus derselben Erwägung heraus erfdreint es ferner geboten, neben dem Verbrauch auch den Besitz in kntsprechcn- bem Umfang zur Deckung des Mehrbedarfs heranzuzieben. "Die historische Entwicklung führte wie in anderen Bundesstaaten, so auch in Deutschland eine Scheidung zwischen den Steuersystemen des Reid)cs, der Einzelstaaten und der Kommunen herbei, die in Friedenszeiten nicht willkürlich erschüttert iverbcn darf. Ta der Bedarf der Einzelstaawn und der Gemeinden gleichfalls in bejtanbigem Steigen begriffen ist, so verbietet e 5 sich, b i c direkte Einkommen- und Vermögensbesteuerung ihren bisherigen Nutznießern zu entzieheii. Ihre finanzielle Selbstständigkeit würde sonst den schwersten Gefahren ausgesetzt und damit die finanzielle Gesamtlage Deutschlands nicht verbessert, sondern mir verschoben werden.
Uebcr die Lohe der Belastung durch Einkommen- und Vermögenssteuern sind umfangreidx Erhebungen, vorgenommen worden. DaS gesammelte Material, dessen Veröffentlichung die statistischen Stellen vorbereiten, wird unwiderleglich bartun, daß bei Berücksichtigung von kommunalen und firdjlidjcn Abgaben bereits jetzt in zahlreichen Gemeinden die direkte Steuern eine Höhe erreichen, die eine weitere Belastung durch Einkommen- und Vermögenssteuern für Zwecke des Reiches unmöglich machen. Aus denselben Gründen, die gegen eine allgemeine Reichseinkommensteuer sprechen, verbietet sid> auch die Heranziehung des Einkommens oder Vermögens in besonderen Erscheinungsformen. Der notwendige Ausgleich zwischen Verbrauchs- und Befitzesbelastung kann nur in dem weiteren Ausbau der Institution der Nachlaßbestcuerung gefunden werden, welche bereits das Finanzgcsetz von 1906 für das Reich zu entwickeln begonnen bat. Außerdem gibt es auch bisher schon eine Form, in welcher das Reich durck) Vermittelung der Einzelstaaten aus den direkten Steuern Vorteil gezogen hat: Die Matrikularbeiträge, die von den Bundesstaaten im wesentlichen durch direkte Steuern aufgebracht werden müssen. Eine Steigerung derselben ist nur in Grenzen möglich, welckie gleichzeitig der Finanzgebarung der Bundesstaaten genügend freien Spielraum lassen und vermeiden, daß durch eine sprunghafte Steigerung der direkten Steuern die notwendige Kapitalbildung eingeschränkt und der Sparsinn erschüttert wird. Schließlid) gibt 5 einzelne charakteristische Erscheuiungen des modernen Aufwandes, die eine Steuerbelastung vertragen können, ohne daß damit nach dem Urteil der berufensten Sachkenner eine Gefahr für Handel und Wandel verbunden ist. Das gilt natürlid) nickst von Umsatz- oder eigentlichen Verkehrssteuern, die in dem gegenwärtigen Zeitpunkt den glatten Lauf der vollÄvirtschaftlichen Maschinerie hemmen und beeinträchtigen würden. t
Die Reichssinanzreform würde unzulänglich bleiben, ivenn nicht neben die materielle auch eine formelle Neuregelung träte. Es ist vor allem eine Stärkung des Betriebsfonds des Reiches durch Beseitigung der Vorschußwirtfchast erforderlich. Sodann erscheint geboten, unter Wahrung des budgetären Bewilligungsrechts der Volksvertretung die Bezielstingen des Reiches zu den Einzelstaaten von dem Gintern der alljährlich sclüvankenden ungedeckten Matrikularbeiträge loszulösen und auf eine feste Grundlage zu stellen. Tie Einführung eines beweglichen jeweilig für eine Reihe von Jahren neu seftzustellenden Faktors unter den Einnahmen wird hierzu anzustreben sein. Die verbündeten Negierungen werden in kurzem mit Vorschlägen für eine solche organische Reform der gesamten beutfdien Finan^ebarung vor den Reid)stag treten. Trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller den Stencrtzahlern zugemuteten unvermeidlichen Opfer darf das deutsche Volk vertrauen, daß feinem! in leltener Einmütigkeit ausgesprochenen Verlangen nad) Regenerierung der Finanzen Rechnung getragen und dein deutsck-en Reich zur Erfüllung seiner großen Aufgaben das notwendige frieblidje Rüstzeug eines wohlgeordneten Staatshaushalts geschaffen wird.
Was die s)2orbb. Allg. Ztg. int Obigen über die Reichsfinanzreform mitteilt, geht, wie man sieht, über mehr oder weniger dunkle Andeutungen nicht hinaus. Sympathisd) berührt in dem Artikel allein das Prinzip der größten Sparsamkeit in der Verwaltung, aber schon die Franks. Ztg. meint mit Recht, daß diese Ersparnisse bei deut Mikliardendefizit nrdst sehr erheblich ins Gewicht fallen würden. Man ntufj jedenfalls erst die neuen Steuer- Pläne der Regierung abwarten, bevor man ein Urteil über die ReichSfinanzreforM abgeben kann.
politische Tagesschau.
Hunde- und Pferdefleisch.
Nach den Angaben des Kaiserlichen Statistischen Amtes mürbe die Schlachtvieh- und Fleischbeschau im 2. Vierteljahr 1908 an 2 6 3 7 0 Pferden und 970 H u n d e n vor-1 genommen. Davon entfielen auf Hessen 225 Pferde, auf Preußen 17 989 Pferde, auf Bayern 2013, auf Sachsen 2226. Hunde wurden in Heften dagegen nicht geschlachtet. In Preußen wurden 324 Hunde untersucht, in Bayern 82 und in Sachsen sogar 492. Hat man es allgemein gewußt, daß im deutschen Reiche so viel Pferde- und Hundefleisch genossen wird? Zmn Vergleich sei hier noch die Zahl der übrigen Schlachtliere angegeben, die im Berichtsvierteljahr der Beschau unterworfen wurden: 139 112 Ochsen, 122 274 Bullen, 388 572 Kühe, 232 940 Jungrinder, 1 392 603 Kälber, 3 710 201 Schweine, 441 346 Schafe, 179 264 Ziegen.
Ein nationales Uugliick.
Die Millionenutttcrschlagungen des früheren dänischen Justizministers Alberti — es soll sich um 16 Millionen Mark handeln — werden in Dänemark als ein grotzes nationales Unglück empfunden. Tausende von jütischen Bauernsamilien sehen sich um ihr Hab und Gut gebracht. Die Erregung über die Verfehlungen Albertis, der bisher der Abgott der seeländischen Bauern war, wächst von Stunde zu Stunde. Alberti entschloß sich zum schwersten Schritt seines Lebens, zum Gang zur Polizei, so läßt sich der „Tag" berichten, als er, zur Rückgabe der seiner Sparkasse vom Finanzministerium im Juli geliehenen anderthalb Millionen ui diesen
Endlich!
Endlich läßt die Regierung durch die Nordd. Mlg. Ztg den Grumwlan ihrer bevorstehenden Reichsfinanzresorm bekannt geben Dort herm cs: Die uirbedmgle Notwendigkeit, das Finanzwesen des deulichen Reiches einer entscheidenden, auf lange Jahre wirk- sanren Reform zu unterziehen, ist seit Monaten Gegenstand der v'ienllichen Befprechung. Sie wird von Vertretern der Wissenschaft und der verschiedensten Erwerbskreise, sowie von Männin uich Organen aller politischen Parteien mit seltener Einmütig- feit anerkannt. Die eingehende, immer erneute Erörterung der gegenwärtigen Schäden unseres Finanzwesens hat, so sehr sie auch über die möglichen Abhilfsmittel im einzelnen auseinander- gehen mochte, erkennen lassen, daß es sich hier um eine For- i^ung des gesamten deutschen Volkes handelt. Es ist nun wohl begreiflich, daß in bet bisherigen Debatte die Betradstungen über bie C-ueUen, aus denen die notwendige Einnahmecrhöhung fließen mutz, tm Vordergrund gestanden haben. Doch hieße es die Ge- lamtlage un)creö Finanzwesens burdjauS verkennen, wollte man ui der Einführung einiger neuer Abgaben die einzige oder auch nur die beherrschende Ausgabe des kommenden Winters suchen. Gcwitz würde dieser Teil der Reform nicht befriedigend gelöst, so mußte alle übrige Arbeit unzureichendes Stückwerk bleiben. Weil darüber hinaus bedarf es aber einer großen und umfas- lenden Reorganisation der gesamten Finanz- gebaruna. Das Fehlen des Gleichgewichtes zwischen Ein- nabmeu und Ausgaben seit Jahren hat Deutschland eine hohe Schuldenlast aufgebürdet. Es erfordert schwere sinanzielle Opfer durch die Notwendigkeit der Zinszahlung, hennnt und schädigt >eine Volkswirtschast und setzt durch Ersdpitterung des nationalen KpedileS seine politische Stellung unnötigen Gefahren aus. Die schulden des Deutschen Reidas sind zwischen 1877 und 1900 von 16 auf 2300 Millionen Mart, in den letzten acht Jahren aber allein um weitere, 2000 Millionen Mark gewad)sen. Sie betragen heute einschließlich der langfristigen Schatzanweisungen 4 'i Milliarden Mark. Jedes der letzten Jahre hat Muleiben s>on mehreren hundert Mlllionen Mark in Form von Schuldver- ckireibungen ober langfristigen Schatzanweisungen notivendig gc< niadn. Tie ursprünglich nur als' Verstärkimg der Betriebsfonds der Reidishauptkasse gedachten kurzfristigen Arnveisungen sind durch das dauernde Desizit teilweise zu einer verdeckten Anleiheschuld geworden. Die durckj dies alles veraiilaßte Ueberlafhing des 'Kapitalmarktes hat ein Sinken des Kursstandes bewirkt. Ties sck>äbigt die Finanzen des Reiches. Denn bei jeder neuen Ausgabe von Schuldverschreibungen wird ter Käpitalerlös für die küchSkasse geringer. Es fd)äbigt die Einzelstaaten und S£om= niünat bei her Ausnahme von Anleihen zum Ausbau ihrer Verleihs- und Erwerbsalistalten; es schädigt in Zeiten der Geld- .liappheit durch Steigerung des Zins- und TiskontosatzeS alle Produzenten, es sdzadigt endlich alle diejenigen, die mimbeliüberc “tulagen in Reich^anleihen gemacht haben. Cs bedeutet für den fall eines ausbrechenden Krieges eine nationale Gefahr, wenn «in derartig boljer Bestand von Obligationen mit niedrigem Kurs- itanbe im Umlauf ist, weil alsdann eine leichte und sichere Unter» ".rmgung der Kriegsanleihen erschivert wird. Mle diese Schäden nid Gefahren müssen sick) in Zukunft noch verstärken, wenn nicht ÜdHilfe gesd-affen wird. Die Summe der bereits gegenwärtig bewilligten oder seststehenden offenen Kredite beläuft sich auf -nahezu eine Milliarde. Setzte sich darüber hinaus das Tempo Lcr -Lchuldeuzilnahine in derselben Meise wie bisher fort, so wäre iiinerhatb des itächsten Jahrfünsies eine Steigerung von über zwei Milliarden Mark zu ermatten. Demgegenüber ist die Stabilisierung des Anleihewesens und des Kursstandes eine unbedingte Verpslickstung der Reichspolilik. Die Einleitung ein« stetigen 'Sdpildentilgung, sowie Vorkehrung gegen die Heitere Vermehrung der Schulden für unproduktive Anlagen müssen daher mit im Vordergründe der Äesornl stehen. Beides ist aber nur möglich, wenn cs gelingt, Mi einer bauernben Herstellung des Gleick-gewichtes zwischen Bedarf uiid Deckung zu gelangen. Seit Beginn deS Jahrhunderts haben nad) den Grundsätzen einer gesundeii Finanzpolitik die Ms lausenden Mitteln zu deckenoenAusgaben die Einnahmen regel- iuaßig bei weitem überstiegen. Wird nicht Einhalt geboten, so muß das Mißverl-älinis immer größeren Umfang annehinen. Wählend die Ausgaben in beständiger Steigerung begriffen sind, zeigen s ch die Einnahnien verhältnismäßig stabil. And) die mit dem Gesetz vom 3. Juni 1906 erstrebten Mehreinnahmen bliebcii er* tzeblid) hinter den Erwartungen zurück. Nehinen die Ausgaben und Einnahinen im Laufe des nächsten Jahrsünfts dieselbe Ent- Iwickelung, leie im vergangenen, so müßte alljährlich mit einem Uhl betrag von mehreren hundert Millionen gerechnet werden. Einer Weiterentwickelung in dieser Richtung muß unverzüglick) Einhalt geboten werden. Es bedarf einer systematischen Be° s yränkung der Ausgaben auf das unbä)ingt Notwendige, sowie üiner planmäßigen Erhöhung der Einnahmen.
So sckfwer es ist, die Greitzen des zuküiistigen Bedarfs aud) nur cintgcrmaBcn genau abzustecken und die EnNvickelungslinien bxr Einnahmen vorher zu bestimmen, so muß dock) der Versuch snnacht werden aus eine längere Reihe von Jahren, SU m mindesten ein Jahrfünft, bie Grundzüge e i - ne s Finanzplanes festzulegen. Aus her Ausgabeseite ist u-sbesondere geboten, mehr wie bisher auf die bewährten Grunb- ' tzc altpreußisck-er Sparsamkeit zuruckzugehen. Insbesondere muß sch bei der Ausführung von Bauten unb anderen Neuan lagen eine (rinfdjränfung der Ausgaben erreichen lassen. Dem teftanbigen A nwachsen des k o st s p i e l i g en Beamten- Dp parat es muß vorgebeugt werden, indem in der Verwaltung Nirdj weitere llebcrtragung der Befugnis oberer Behörden an Nachgeordnete Jnstanzeii Verein fachnng e tr erreicht werden mrd überdies ein Teil der Gesck)äfte der höheren Beamten auf b :e mittleren, von mittleren auf die unteren übertragen werden. Sie Formen des Gesck>äftsverkehrs der Behördeii müssen sich mehr btuen des modernen Verkehrs anschließen. Bei der Prü- fing der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen, Vergebung ber Sie» feningen nsw. müssen bie Erwagungeii eines sorgfältigen itüuf» d anns an die Stelle bes buveaukratisdien SdNvergcwichtes treten. Sie Sckieidung zwischen Wünschenswertem und 9iohpenbigen mutz zum Eintritt besserer Zeiteii sd-arfer durchgeführt werden. Auch bei Anwendung äußerster Sparsamkeit läßt^sich eine BerfMrfung oer Eiimahmen durch sehr erhebliche Steuer- r:hö Hungen nicht umgehen; denn bie zuverlässige Erfüllung but Staatszwecke hinsichtlich der militärisd-en Sicherheit und des hJturellcn und sozialeii Fortschritts darf unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Wesentliche Opfer werden jedem einzelnen Staatsbürger unvermeidlich. Insbesondere wird, wenn br finanziellen Schwierigkeiten nicht verewigt werden sollen, der SXa i | c ii to n fu m gewisser Genuß mittel, wie in anderen Ländern, mit starken Abgaben herangezogen werden müssen. Ltrsäuminsse gerade nach dieser Richtung vci uns haben nicht ä-tu toenigite-.t die gegenwärtigen Nbißstände hervorgerufen. Ander- jc^ls kann kein Zweifel darüber bestehen, baß die gewaltige Wohl-
Vcrrcn. • 8 Muni. x.8. u $/
ÄLt1 cm’8cn iah an üeteihgeiL
Jftl. Slttoebote unter er
'Hschafi
»-tätigen Leuten soim/ o» pachten gejucht. LtfL. SlHflebotc untci fff. » Giegener An;eiüti^
Mater. rbeschäst. sos.ges. Benr erf. Edetitt/
Sdtljpcngir »gleich im Jiista!l°i-. bewandert in, kann«: i gründenden oder ta^.: nähme einet-alten (jli:. gen, evcnt. könnte ein > . It errichtet werden. len linier 9h\ 07456.1 'S (Siebener 'Untei/n'.
»saut
oft ein r,
b-lieslWeW lu
।
nzösische Stundei nt erteile ich m ®r: 'X.\ I. Tewaaa, igerieeldach iDillkm
tritt miS6iiitliii!
er erhält Äelohnung. 1
auptW
.--t-Üirrelii*
ISpiZ Dame«
ig, ScbwesternhiB
lelWo» iObiMW®' t
lupi-Uebung
:ltn pünMi «
Sonntag nachm. routit t Nege v. d. üicbißSUöte ► 1 Gunuui'Latnnnza. lbM.SelterswcgÄ.!., Seid. Ktuderbaudch.:-: i, geg.Äel, Landgram^/ , Halt liimitiii -rbr. erhält Belohn, '.'.i,


