Deutsches Reich.
— Der kommandierende General des neunten Armeekorps, General v. Bock und Polach, bot seinen Abschied eingcreicht. Dieser Schritt ist kein ganz freiwilliger. Durch den Spruch deL Ehrengerichts war ein Kaufmann aus Lochstädt aus dem 9ieserveoffizieritandc ausgeschlossen worden, weil er in einer Stichwahl sozialdemokratisch gewählt haben sollte. Dieser Beschluß war in Berlin rückgängig gemacht worden, und daraufhin hat der General demissioniert.
— Die Journalisten der Reichstags tri büne. Rach Schluß der gestrigen Sitzung versammelten sich die Journalisten der ReichStagstribüne im Lesezimmer, um ihre Organisierung zu beraten. Rach dem Referat Steinbatrer von der „Kölnischen Ztg." wurde nach unerheblicher Debatte folgender Beschluß gefaßt: ßu Beginn jedes Tagungsabschnittes wird ein Ausschuß von sieben Mit-- gliedern gewählt, der die Berufsinteressen der Parlamentstribünen nach außen unb innen wahrt.
Ausland.
— Die belgische Kammer nahm das internationale Berner Abtommen an, ivelches dieNachtarbeitvon Frauen üi industriellen Betrieben verbietet.
— Der Kö n i g und die Königin von Schweden werden am 31. Mai zu einem offiziellen Besuch des deutschen Hoses in Berlin eintrvffen» Die Abreise- erfolgt am 2. Juni. An die Berliner Reise wird sich der Besuch des dänischen Königs Hofes anschließen, der vom 3. bis zum 5. Juni dauern wird.
Ein Nachspiel zum Besuch der französischen Studente n in Deutschland. Als Professor Andrer, unter dessen Führung kürzlich französischee Studenten eine Reise nach Deutschland unternommen haben, gestern nachmittag an der Sorbonne seine Vorlesungen eröffnen wollte, veranstaltete eine An- zahl n a t i o n o l i ft i s ch e r und r o y a l i ft i s ch e r Studente n eine lärme ndc Kundgebung gegen ihn. Sozialistische Studenten veranstalteten neue Gegenkundgebung. Andere Stu- deirten ergriffen liir den Professor Partei. Schließlich wurde der Lärm so groß, daß Professor Andl'er die Vorlesung abbrcchen und die Polizei einschreiten mußte.
PländerndeSoldaten. Wie der „Wln. Ztg." aus Konstantinopel telegraphiert wird, hatte bei türkische Regierungsdampfer „Marmara", mit entlassenen Soldaten an Bord, den Hafen von Song ul da k an der Novdküfte Kleinasiens ange- lausen, um Kohlen zu nehmen. Tie Soldaten erzwangen die Ausschiffung und plünderten an Land die Lerlaufsbuden. In-. Laden eines Franzosen entstand Streit wegen einer gerauvtcn Flasche Branntwein, ivobei der Franzose dnrch einen Messerst cl und einen Revolverfchuß vertvundct wurde. Tas kleinere de. beiden sranzösischen Starionsickiffe ist nun in der Richtung zum Schwarten Meere in Sde gegangen.
— Die Lage a n der afghanischen Grenze hat sich gebessert, nachdem der Slnfchlag aus den Khaibcr-Paß mißlungen und der Safi-Mullah aus afghanisches Gebiet zurückgekehrt ist. Mr. Wilcox hat sich nach Peschawar zurückbegeben, um gegen die Mvhrnaubs vorJUgehen, inben'en ist damit die afghaniiche Gefahr nicht Beigelegt, die inneren Verhältnisse deS Emirats bleiben gLfahrdrvhend. x
Fürst Eulenburg und die Zeugen.
Dem „Berliner Lokalanzeiger" zufolge sand gestern im Schlosse Liebenberg um 6 Uhr nachmittags die G e g e n ü b e v ft c 11 u n g der Zeugen Riedel unö Ernst mit bem Für st e n Eulenbur g slalt. Die Konsro niaiioil war sehr eingehend und zog |idj bi5 in Die zehnte Abendstunde hin. Kriminalkommissar blasse reiste mit seinen Beamten nicht wieder zurück; er blieb zur Ueberwachung ^es Fürsten im Schloß. Ter Untersuchungsrichter will, wem, der Fürst daueriid lransporlunsähig bleibt, eine Alillion Kaution verlangen. — Wie der Zeuge Rtedel einem Mitarbeiter des „Berliner Lokalanzeiaer" erzählte, leugnet der F ü t ft alles, was d i e bei oen Zell geil in München ans- gesagt haben. Er behauptet, dte beiden Zeugen a a r n i ch l z ll k e n >r e n u n d f i e n i e g c s e h e it z 'n habe n. Riedel sagte: „Aber, Herr Fürst, ich tarne Sie doch so gut; ich habe das, ivas ich Hellie hier sage, schon achtmal wiederholt, da ist doch nichts daralt flu andern. Ich kamt es doch nicht aus der greifen." Tara tu habe der Ulitersnchungsrichter dem Fürsteii ebenialls vorgehallen, daß D-icbcl gestern, heute unb jedes Alal gleich ansgesagt habe, unö daß er ihnt unbcbmgt Glauben schenken müsse.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 8. Mai 1908.
* * Tagcstalcnbcr für Freitag, 8. Mai. Gastspiel der Darmstädter Hofoper im Stadtthcater: Der Waffen- schmicd. 2lnfang 7 Uhr.
* * Der heutigen Postauslage liegt der Taschenfahrplan bet, woraus wir die 5lbonncnten, bie den Gießener Anzeiger durch bic Post beziehen, anflnerksam tnachen.
* * Des Großherzogs Rückkehr. II. KK. HH. bet Großherzog unb bie Großherzogin kehren voraussichtlich am 21. Mal, nachmittags V,5 Uhr, direkt von Zarstöje Sselo nach Darmstadt zurück. Der Erdgroßhcrzog trifft n. b. Lärmst. Ztg. etiva zwet Tage vorher hier ein.
* * Der Kun st verctn für das Groß Herzogtum Hessen hielt gestern in Darmstadt seine Haupt-Versammlung ab. Nachdem Rechuungsrat Lang ben Jahresbericht über 1907, sowie den Voranschlag über 1908 erstattet hatte, fanden Ergänzungswahlen zunt Venvaltungsrat statt. Tie meisten Herren mürben wiebergcwählt. Anstelle des verstorbenen Kommerzienrats Michel-Mainz würbe Juslizrat Oppenheimer, für Offenbach Herr Lubw. Mayer wieder-, die Kommerzienräte Biohr und Hayne unb Geh. Kommerzienrat Stroh neugeivählt. Für Worms gehören die Herren Fritz Dörr u. Fabrikant M. Levy, für Gießen Geheimerat Dr. B reib ert unb Oberbürgermeister Rice um beni Aufsichtsrat an. Auf Antrag bc5 Ausschusses beschloß die Versammlung für das Jahr 1908 eine Abänderung der Verwendung der Reineinnahmen. Es sollen nicht wie seither % zum Ankauf zu verlosender Kunstwerke, y5 bem Denkmalsfonbs und für da§ Kunstblatt verausgabt, sondern für die gesamte Reineinnahme Anteilscheine beschafft und unter den Mitgliedern verlost werden. Die Scheine berechtigen den Gewitiner, in Höhe deS darauf angegebenen Betrages sich eins bei der Ausstellung des Vereins befindlichen Kitnslwerkes selbst auszusuchen, ein Modus, der sich in Karlsruhe, München unb Dresden bewährt hat unb wohl auch bat Beifall bei den Mitgliedern finden wird. Es mürben noch verschiedene Anträge des Kunstmalers Bayer-Darmstadt, die in der Hauptsache auf Hebung der Vereinstätigkeit gerichtet sind, erledigt.
* * $*oni Rude rsport. Lim Bootshaus der Gießener Rubergesellschaft 1877 e. V. herrscht, nachbem bie günstige Witterung deutlich eingesetzt hat, allabendl-.ch wieder lebhaftes Treiben. Das strenge Training hat bereits begonnen
unb bic Mannschaften zeigen schon gute Fortschritte. Wie ans dem Anzeigenteil des heutigen Blattes ersichtlich ist, lädt bic G. R.G. ihre Mitglieder unb bereu Angehörige für kommenden Sonntag an ihr idyllisch gelegenes Bootshalls ein, wo bie Taufe von zwei neuen Booten stattsinben soll. Bei einer sich anschließenden Auffahrt bietet sich ben Sportfreunden Gelegenheit, sämtliche Mannschaften gleichzeitig auf bem Wasser 311 sehen. Hoffentlich wirb bie Veranstaltung vom Wetter begünstigt. Abends werden die neuhergerichteten Räume des Bootshauses die Teilnehmer in gemütlichem Kreise vereinigen.
* * Gewerbeschulwesen. S. K. H. der Großherzog haben ben Hauptlehrer an der Landesbaugeivcrlschule zu Darmitadt Dr. Will). Schlink auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen unb den Architekten Christian Musel zu Mainz zuiii Hauptlehrer an der Kunstgewerbe- und Hand- werlerschule zu Mainz ernannt.
* • Z u r K o n s u m vere ins b eiv e gun g. Der Agitations- ausschiiß der hessischen Konsunwereine veranstaltet am nächsten Sonntag Nachmittag 3 Uhr in Darmstadt eine öffentliche Versammlung im Mathilbcnhöhsaale, bie gegen b,e beabsichtigte besonbere Besteuerung ber Konsumvereine Stellung nehmen soll. Rebner sinb Prof. Dr. Staudinger-Darmstabt, Dr. Rstnh. Riehn-Wiesbaden unb Verbandsbirektor Barth- München.
* * Von den Wandernden. Im Monat April kehrten in der „Herberge zur Heimath" 1477 Galle ein, von denen 785 gegen Arbeit Logis unb Verpflegung erhielten. 692 der Gäste ivaren Selbstzahler.
? Hniigen, 7. Mai. Heute Mittag riß sich ein Rind aus dem Stalle eines Landwirts los unb rannte auf bie Straße bireft auf eine Treppe, auf ber sich mehrere Kinder befanden. Ein 7jähnger Knabe erlitt hierbei eine erhebliche Verletzung am Bem, einige andere kamen mit geringen Verletzungen unb dein Schrecken davon.
Lauterbach, 6. Mai. Die Weberei Diehm ging durch Kauf an den seitherigen Prokuristen ber Finna Kentzer unb ben Teilhaber ber Firma Weberei Struth, Volprecht Struth über.
X Hochwalb ha usen, 6. Mai. Mehr und mehr empsindet man den lanbschaftlichen Reiz unserer Gegenb, ber auch im l. I. lüicber eine größere Anzahl Sommerfrischler angezogen hat. Weitere Kurgäste sind noch gemeldet, so baß das Hotel „Zum Felsenmecr" m einiger. Tagen vollstänbig besetzt sein wirb.
(sd.) Darm stabt, 7. Mai. Der Generaladjutant des Kaisers, General der Kavallerie von Scholl, ein geborener Darmstädter, der lange Jahre bei dem Dragoncrregiment Nr. 24 als Offizier stand, weilt seit einigen Tagen in seiner Vaterstadt zur Erholung. Er wphitt im Hotel zur Traube. Dieser Tage folgt er einer Einladung im biejigen Herrenklub zu gemütlichem Zusammensein mit früheren Regimentskameraden und Freunden.
X Mainz, 7. Mai. Einem hiesigen Hundezüchter war es gelungen, einen braunen Dobermann zu züchten. Er schickte das wertvolle Tier in ber vorigen Woche auf bie HunbeauLstellung in Straßburg, wo es mit den vier ersten Preisen ausgezeichnet wurde. Der Wert bes Hundes wurde auf 1200 Mk. taxiert. Als ihn der Züchter am Sonntag in Straßburg abholen wollte, fand er ben Pranger leer; ber Dobermann war geslohle n. Gestern stellte sich bas Tier völlig erschöpft bei seinem Herrn hier ein; er war offenbar den Dieben entronnen unb hatte ben Weg nach Mainz gesucht unb gesunden.
^.Frankfurt a. M., 7. Mai. AuS Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Frankfurter Handelskammer fand heute abend in ben Festräumen bes Rathauses ein glänzenber Empfang statt, an welchem bie Mitglicber ber Handelskammer unb die Spitzen der Zivil- unb Militärbehörben teilnahmen. Anwesenb waren ferner Prinz Ernst von Sachfen-Weimar, Oberpräsibent v. Hengstenberg, Finanzminister Frhr. von Rheinbaben, von ber Reichs- bank Direktor Dr. v. Glasenapp, sowie zahlreiche Vertreter bes Handels und der Industrie. Der Präsident der Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Andreae, hieß in einer Ansprache die Gäste herzlich willkommen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Gegen den Direktor der Nheinganer Winzer- vereine Hch. Werner ist ein Haftbefehl von der Staatsanivall- schaft erlassen iDorbcn. Die Gefainthöhe der von ihm begangenen Unterschlagungen beträgt l1/, A! illionen Al a r f.
GerSchtsßaaL.
)( Marburg, 7. Mai. Die sog. „Marburger 93er» schandelungsfrage" bezw. der „Offene Brief an Herrn Tobias Knopp" beschäftigte heute wieder einmal das Schöffengericht. Der Referendar Benda in Lübeck, der mehrere Semester in Marburg studierte, war wegen einiger in der genannten Broschüre enthaltener Wendungen, welche besonders das neue Kurhaus auf dem Frauenberge betrafen, wegen Beleidigung des Archfteklen Daubcr zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Als das Verfahren bereits schwebte, hatte Benda durch den Buchhändler Ebel hier, dem Herausgeber der Zeitschrift „Die Kunst unserer Heimat", Dr. Grainer in Jugenheim an ber Bergstraße die Erlaubnis zum Abdruck der Broschüre gegeben. Heute wurde nun die erneute Beleidigungsklage, die sich gegen beide richtet, verhandelt. Die Vertreter der Beklagten machten geltend, daß es sich hier nur um eine sachliche Kritik gehandelt habe, von der Absicht ber Beleidigung könne keine Rede fern. Tas Gericht kam zu dem Resultat, daß Benda als Mittäter nicht in Betracht komme und freizusprechen sei. Dr. Grainer hingegen wurde zu 20 M art Geldstrafe verurteilt.
P o ksda >n , 7. Mai. Tie Reichsdiszipliiiarkamniee hüt den R e g i e r un gs r a t Martin des Dienstvergehens für schuldig gesprochen unö auf Dienstentlassung und Erstattung der baren Auslagen erkannt. Martin war beschuldigt, bet verschiedenen Anlässen die seinen Borgesetzlen schuldige Achtung verletzt zu haben.
Setzttttg Ser Stadtverordneten.
Gießen, 7. Mai.
AnwesendOberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller, Georgi, Heyligenftaedt und die Stadtverordneten Dr. Bier- mer, Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Grünewald, Habenicht, Haubach, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jug- hardt, Stumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Plank, (Simon, Troß, Dr. Wimmenauer.
Mitteilungen.
Ter Vorstand des Vereins „Hundesport" hat für bic ihm für Ehrenpreise gestifteten 50 Mk. gebauit.
Der Stadterweiterungsfonds besitzt Grundstücke in der Stephansniark in Gemeinschaft mit anderen Besitzern und zwar besitzt er Vis- Er hat jetzt ein tveiteres Zwölftel von Felsing Erben zum Preis von 12,90 Mk. für den Quadratmeter gekauft unb außerdem eine kleine Wiese, die den Felsing'schen Erben allein gehört.
.Eine Eingabe von Bewohnern der Lisuiarckstraße und Goethe- straße bittet um baldigen weiteren Ausbau der beiden Straßen. Ter Vorsitzende teilt dazu mit, daß die Bismarckstraße am
Freitag, die Liebig strafte am Montag und bie Goethestraße ebenfalls in allernächster Zeit in Angriff genommen werden wird.
Stadtv. Dr. Ebel macht auf den Graben aufmerksam, der von der Eisenbahnwerkstätte nach der Bismarckstr. hinzieht. Er enthalte öfters eine schwarze Flüssigkeit, bereit Beseitigung aus sanitärem Interesse geboten sei.
Der Vorsitzende sagt Prüfung zu und bemerkt weiter auf Anfrage des Stadtv. Huhn, baß die Straßen zunächst bis zum alten Schifsenberger Weg gebaut werden sollen.
Verschiedenes.
Für die Einfriedigung an der Gewerbeschule ist Dispens erforderlich, da sie aus Holz gefertigt werden soll. Der Dispens wird befürwortet.
Einige Arbeitsvergebungen werden stach bem Vorschlag der Baudeputation genehmigt.
Für die W e i ß b i n d e r a r b e i t e n in der städtischen Kaserne lag ein Angebot vom 2. Batalllon vor, die Arbeiten selbst auszuführen, wobei bedeutend niedrigere Preise verlangt wurden, wie die sonst üblichen. Das Angebot wird abgelehnt.
In die Re b l a u s ko m m i s s i o n werden für ein. Jahr die Stadtv. Loder, Helfrich, Simon und Troß gewählt.
Die früher bestandene Einrichtung von Vertrauensmännern für ben Felbschutz soll wieder ins Leben gerufen werden. Es werden gewählt die Stadtv.: Troß für ärs Neustädter Feld, Simon für das Hammer Feld, Helfrich für das Walltor, Löber für das Schifsenberger Feld und bie Stadtv. Huhn und Winn für ben Seltersberg.
Stadtv. S i m o n brachte dabei den Umstand zur Sprache, daß bei allen Diebstahls- und Uebertretungsfällen die Feldschützen erst den Geschädigten fragen müssen, ob sie Anzeige erheben sollen. Das sei insofern ein Mangel, als viele der Gefragten auf die Verfolgung verzichten und die Schützen dadurch leicht mißmutig würden und keine Anzeigen mehr machten. Wenigstens bei Diebstählen sollte das Befragen wegfallen.
Nach Aussage des Beig. Keller beruht diese Bestimmung auf landcsgesetzlicher Vorschrift; auf Antrag des Stadtv. Löber wird sich die juristische Kommission mit der Sache beschäftigen.
Das in diesem Jahre zu feiernde Jugenbfest soll auf Vorschlag der Schuldeputation am 23. Juli stattsindeit.
Der Verwaltungsbericht von 190t» wird zur Vorberatung ber Finanzkommission überwiesen. Stadtv. Dr. Ebel bringt dabei eine Anregung des Vürgervereins zur Sprache, den Bericht Interessenten durch Kauf zugänglich zu machen. Der Vorsitzende gibt eine entgegenkommende Antwort.
Zur Beratung des
Voranschlags für 1908 findet zunächst eine Generaldebatte statt.
Stadtv. Löber fragt an, ob airläßlich des kürzlich an der Rodhcimer Straße vorgekommenen Unglücksfalls, bei dem ein Kind in den Graben gefallen und ertrunken ist, etwas geschehen sei, um für die Zukunft solche Unglücksfälle zu verhüten.
Der Vorsitzende hat sofort dem Stadtbauamt Auftrag gegeben, die Sache zu untersuchen und Vorschläge zur Abstellung des Mißstandes zu machen. Der Stadtbaumeister hat daraufhin vor* geschlagen, ein Geländer anzubringen.
Die Stadtv. Löber und Simon glauben, daß dies nicht viel Helsen werde, und schlagen Ueberwölbung vor.
Stadtv. Troß betont den Mißstand, der am Viadukt beim Neustädter Tor herrscht. Es müsse unbedingt eine Verbreiterung eintreten.
Wie der Vorsitzende mitteilt, wirb am Montag ein Dezernent der Eisenbahndirektion hier sein, mit dem auch dies besprochen werden wird.
Es wird alsdann in die Einzelberatung eingetreten. Wir haben die hauptsächlichsten Zahlen des Voranschlags bereits rnitgeteilt und beschränken uns deshalb im nachstehenden auf die Wiedergabe ber bei den einzelnen Titeln vorgebrachtcn Wünsche unb Anregungen.
Waldungen.
Stadtverordneter Krumm beanstandet, daß im Philosophenwald die für Fußgänger bestimmten Wege manchmal auch von Rettern benutzt werden, namentlich von Offizieren.
Stadtv. Petri rügt, daß am Aiontag im Philofvphenwald manövriert wurde. Hierdurch würden die Spaziergänger belästigt.
Ter Vorsitzende hat, wie schon früher, für einen Tag die Erlaubnis dazu erteilt und will dafür sorgen, daß keine verbotene Benutzung vorkommt, bezw. Anzeige erstattet wird.
Elektrizitätswerk.
Stadtv. Krumm fragt, ob die Strombezieher Nachzahlungen zu leisten hätten, wenn sich herausstelle, daß bie Zähler falsch zeigen.
Der Vorsitzende bejaht dies, soweit größere Tiffercnzen vorliegen.
Schluß folgt.
Kleine Tageschronik.
In Karlsruhe erschoß der 33 jährige Schlosser Egen- berget seine beiden Kinder und sich selbst. Der Beweggrund zur Tat soll darin zu suchen sein, daß bie Frau, die wiederholt in einer Irrenanstalt interniert war, eheliche Streitigkeiten hervorgerufen hatte. i
In Außerlohn bei Traunstein (Oberbayern) hat bie Bäuerin Marie Probst ihre beiben Kinder von 9 und 10 Jahren im Irrsinn mtt einer Hacke erschlagen, in den Wald geschleppt und bei ihnen einen Tag und eine Nacht zugebracht. Bei ihrer Berhastuirg zeigte sie Freude über ihre Tat und erflärte, sich gern einsperren zu lassen, weil die Kinder nun in den Himmel gekommen seien.
In S ch m a i t f e e in Oberbayern erschien am vergangenen Sonntag ein Ziegenbock während des Gottesdienstes in der Kirche, sprang über die Kirchenstühle weg auf die Andächtigen los und bestieg meckernd die Kanzel. Von dort vertrieben, rannte er auf den Altar zu und griff den inesselesenden Geistlichen an, bis es dem Nießner gelang, den Vock aus der Kirche zu bringen.
In Hameln wurde bei ememAusbruchoersuch zweier Verbrecher aus dem hiesigen Zuchthaus ber eine von dem Wachtposten von der Blauer hermttergeschossen und getötet, wahrend der andere von den Anwohnern wieder ergriffen werden konnte. _
In Oberhausen ließ das Ehepaar Siermann sein löjährtges Kind verhungern. Das Ehepaar ist flüchtig.
Tie Leiche des Kaufmanns Ecken aus Oldenburg, gegen dessen Frau ein Aiittelschüler einen Erpressimgsoersuch machte, wurde in der Hunte gefunden. Der Knabe hatte Schundliteratur gelesen.
In Hamburg ist die Polizei einer Reihe von Verfehlungen gegen s 175 Str. G. B. aus die Spur gekommen und hat den Schauspieler Ferdinand H a g i it verhaftet, der in Hamburg am neuen Opevetten-Theater engagiert war. Er hat eine Reihe Knaben mißbraucht, von denen einer ichwer verletzt worden ist. Es stehen iwch mehrere Verhaftungen oon Hamburger Kaufleuten bevor.
Auf dem früheren Anwefeu des wegen mehrfachen Mordes verhafteten Koch in Oberndorf (Thür.) ivieder an zwei stellen menschliche Knochen gesunden worden. ,
Bei Genthin (Provinz Sachsen) wurde im Wald ter ab- geschnittene Kopf einer anscheinend männlichen Leiche gefunden. Weitere Leichenteile wurden bisher noch nicht entdeat.
In der ruf). Stadt Wiln a wurde der verabschiedete Generalmajor B y ch o w s k i ermordet und seine Frau schwer uci* mundet. Die Mörder sind 3 Soldaten, die auch das Küchen- und S t u b e n m ä d ch e n ermordeten. Es handelt sich um einen Raubmord. Die Mörder fanden nur 100 Rubel, die sie noch während der Mitternacht verjubelten, woran' sie am Morgen m die Kaserne zmücklehrten. Sie ivutden verhallet.
Tie M ö r d e r i n u i n u cß in Laporte (Jndiama), von der gestern bereits kurz die Rede mar, soll nach den ncueimr Meldungen 15 Menschen ums Leben gcbramt h^eu. Neuerdings ivird behauptet, daß ber Farmknecht ihr HelfersiMei- war, baß dieser sie nicht tötete, sondern daß die Mörderin en^ sloh, nachdem sic ihre eigenen drei Kinder ermordet hatte, beiden unter verdächtigen Erscheinungen nms Leben gekommenen Gatten der Frau sind versichert. Die Frau hat wahrschttiuloi eine Europa reise angctretui, sie ftamjnt aus 9io rroegen.


