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Erftss Blatt
188. Jahrgang
Freitag 8. Mai 1908
Dle heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
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Nr. 108
Der Gtetzener Anzeig. erscheint täglich, außi
Vie Huldigung der deutschen Sundersürsten in Schönbrunn.
Die Ansprache des Bürgermeisters Dr. Lueger lautete: Mv. kaiserliche Majestät: 'Ich fühle mich berufen, der Freude bet Wiener darüber Ausdruck zu geben, daß Elv. kaiserliche Majestät sich entschlossen hoben, au der Lpiße der Deutschen ÄrrndeSfürsteu perjönlich die Glückwünsche unjecem geliebten Kaiser zu über» bringen. M'.t diesem A.-Ldril^. der Freud: werbixibe ich ven ilii»» druck herzlichen Tankes, sowie die innigen Grüße an Ew. kaiserliche Maiestät der alten Kaiserstadt Wien und ihrer getreuen Bewohner.
Der deutsche Kaiser erwiderte: Ich banfe Ihnen für die freundlichen Worte der Begrüßung. Insbesondere danke ich Ihnen für den warmen Appell, den Cie an die Wiener Bevölkerung gerichtet Haden. Win Kvmmen soll ein Beweis sein sür die außerordentliche HochschützstNlg und Verehrung, welche lch Er. Majestät, Ihrem Kaiser, entgegenbringe und welche mit mir das gesamte deutsche Volk teilt.
. Nunmehr begab sich Kaiser Wilhelm in das reich
Beiüjnütdte EmpfangSzeli, begrüßte dort ourch Händedruck die Erzherzog innen unb unterhielt sich mit jeder einzelnen. Der
Kaiser stellte ihnen den Prinzen August Wilhelm vor, der jeder Erzherzogin die Hand küßte. Tie Allerlzöchsten Herrschaften bestiegen die Wagen. In denk ersten der a la Taumont mit vier
Schimmeln beibannten Wagen saßen die beiden Kaiser, in dem
zweiteil die Kaiserin mir der Erzherzogin Maria Anriuuziata, in denk dritten Prinz August Wilhelm mit dem Erzherzog Franz tjcrbinanb und in dem vierten die Prinzessin Viktoria Louise init der Erzherzogin.
In weiteren Wagen folgten die übrigen Herrschaften. Auf den Straßen vom Bahnhof bis Schönbrunn halten sich die Truppen der Garnison mit fünf Musikkapellen aufgestellt, welche bei der Vorbeisahrt die preußische Hymne spielten. Die fett den frühesten Morgenstunden zu vielen Tausenden angesammelte Menschenmenge bereitete enthusiastische Ovationen, für die die Majestäten durch Kopsnicken^und Salutieren banften. Bei der Ankunft im Schönbrunner Schloß wnrdeu die Majestäten durch den zweiten Obcrsthofmeister und den Oberz-eremonienmeister cmp- sangeu: sie begaben sich mit den Erzherzogen und den Erz- ^t’ioginncn durch die große Galerie in Öen blauen Salon. Hierauf land im Marie Ther^ia-Zimmer der Empfang dc§ Ministers des Wniglicheu Hauses, der obersten Hoscharge-i, der Gardckapitänc, des österreichischen und des ungarischen Ministerpräsidenten, sowie der .übrigen gemeinsamen Minister, des Hofmarschalles in Ungarn, des Hofdienstes usw. statt. Nachdem die Majestäten in Sd-önbrunn cingcfrorfeii waren, ging strömender Regen nieder, bunlt 12 Uhr fuhren die anwesenden deutschen Aundesfürsten m der Blauen Stiege vor t'.nd wurden am Fuße derselben von tem Oberzeremoriienmeister empfangen. Unter Vorantritt desselben über die Stiege geleitet, im Laternen-Zimmer der Bundes Ersten von dem zweiten Oberhosmeister empfangen und in das kroße Nosazimmer 'geleitet, ivoielbst |ie sich versammelten. Der »veite Oberst Hofmeister begab sich in die Wohnungsdepartemenks ids deutschen Kaisers, um Meldung zu erstatten, und führte ihn fsodann in das grvßee Rosazimmer. Inzwischen liatce der Ober- ierenionieiinieifter Kaiser Franz Josef Üreldung erstattet, luorauf Ich Se. Majestät in das Maria Antoinetten-Zimmer begab.
Die deutschen Bundesfürften versammelten sich nunmehr in cem Empsangsappartemen', wo Kaiser Wilhelm bei der Gratulation tet deutschen Buntxsfürsten folgende Ansprache hielt:
„Eine erhebende Fügung der göttlichen Gnade und Vorsehung ü es, die UNS am heutigen Tage uni die erhabene Person Eurer kaiserlichen und Königlich apostolisck>en sJJiaje|tät vereinigi. Sechzig Lahre, zwei Menschenalter, haben Eure Kaiserliche und Königlich apostolische Majestät in nie rastendem Eifer und treuester, edelster Aslichterfüllnng bem Wohl und dem Glück Ihrer Völker getvidmet. Ait berechtigtem Stolz und hoher Genugtuung mag es das Herz eurer Majestät erfüllen, wie von allen Seiten die Untertanen d»ml in Ehrfurcht geliebten Herrscher die landesväterliche Treue !®it hingehender Liebe und Dankbarkeit zu vergelten bemüht smd. Aber nicht nur Millionen eigener Landeskiuder jubeln in 1 -ober Festesstimmung ihrem heißgeliebten Kaiser und König zu, jtin, auch weit hinaus über die Grenzen der Monarchie beugt inch die Welt in Verehrung und Bewunderung vor der ehrwürdigen Gestalt Eurer Majestät. Eure Majestät sehen hier
Nach der Gratulacionseour nahm Kaiser Franz Josef die Glüctwünschei der deutschen Kaiserin entgegen. Unter dem Voran- tritt der. Gräfin Harruch J.jab sich cie beut|d)e Kaiserin in die Privatgemächer des Kaisers, nm diesen zu beglückwünschen.
Um 121/2 Uhr folgte ein Dejeuner in Schönbrunn. An demselben nahmen auch die Erzhevzöge und die Erzherzoginnen teil. Zn oetn Dejeuner geleitete Kaiser Franz Josef die deutsche Kaiserin, der deutsche Kaiser die Erzherzogin Maria Annuneiata, Prinzregent Luitpold von Bahern die Erzherzogin Alanta, der Wuig von Sachsen die ErzhcrzoHiu Isabella, der König von Württemberg die Erzherzogin Maria Theresia. Gleichzeitig fand für ine Suite Marschallsoiner in Schönbrunn statt und um 1 Uhr in der Hofburg.
Nachmittags fuhr Kaiserin Auguste Viktoria beim Vvlksgarten vor und begab sich zum Denkmal der Kaiserin Elisabeth, luo sie einen Palmenwedel, Den sie vom Achilleion mitgebrachk l)atle, nicdcrlegte. Der Kaiser begab sich nachmittags um 2 Uhr von Schönbrunn in die Hofbikrg, wo er den dort lvohnenden deutschen Bundesfürsten und dem Bürgermeister Dr. Burck-ard Besuche ab» stattete. Kaiser Wilizelni und Prinz August Wilhelm statteten am Nachmittage dem bayerischen Gesandten, Frhrn. von Tücher, einen etwa eine halbe Sttlnde wiihrenden Besuch ab. Der Kaiser besichtigte die Sammlungen des Barons Tücher ciiigeljcno. Nach 2 Uhr fuhren das deutsche Kaiserpaar sowie Prinz August Wilhelm von Preußen bei der Kapuziuerkirche vor, wo sie vom Guardian Pater Esak und dem Großmeister Pater Bauer begrüßt und in die Kaiscrgruft geleitet wurden. DaS Kaiserpaar legte auf den Särgen der Kaiserin Elisabeth und deS Kronprinzen Rudolf Kränze nieder.
Bei der Festtafel brachte Kaiser Franz Josef folgenden Ttillkspruch aus: „Der Besuch, den mir meine treuen Alliierten, Eure Kaiserliche uitb Königliche Majestät, Seine Königliche Hoheit der Prinzregent, Ihre Königliche Majestäten, die dnrchlauchtigsten Fürsten sowie den Vertreter der freien Hansa- städte heute abftatten, erfüllte mich mit der größten Freude. Ich heiße Sie herzlich in unserer Mitte willkommen. Sie haben durch Ihre Hierherkunft die Gefühle wahrer Freundschaft anläßlich der Erreichung meines 60. Regierungsjahres in einer Weise ausdrücken wollen, die meinen innigsten Dank wachrust und in mir die Ueberzeugnng festigt, daß die so engen zwischen uns bestehenden Beziehungen uns allen ein ivahres Herzensbedürfnis sind. Von diefer Zuversicht durchdrungen, möge es mir gestattet sein, dieses Glas auf Ihr Wohl sowie auf unsere unerschütterliche Frenndschast und BnndeSgenossenschaft zu erheben und dabei ausznrufen: Meine erlauchten und hohen Gäste leben hoch!"
Auf den Trinkfpruch Kaiser Franz Josefs erwiderte Kaiser Wilhelm mit einem kurzen Toast, worin er seinen herzlichsten Dank anSsprach und mit einem Hoch auf Kaiser Franz Josef schloß. Nach dem Galadincr fand eine Serenade des nieder- österreichischen Sängerbundes und der vereinigten Kapellen der Militärmusiken der Garnison Wien statt. Auf dem Piave vor der Gloriette hatte sich cm zahlreiches Publikum angesammelt, aber auch außerhalb deS Schlosses sowie in den Zufahrtsstraßen bildete eine nach Tausenden zählende Menschenmenge Spalier. Nach Schluß der Serenade desilierteu die Sänger, voran 260 Fahnenträger, an den Fenstern des Kaisers unter den Klängen der Volkshymne und des „Heil dir im Siegerkranz" vorbei. Die Fahnenträger senkten die Fahnen und die Sänger sowie das Publikum brachen in Hoch- und Heilruse aus, für die die Majestäten wiederholt dankten. Der Kaiser äußerte sich gegenüber dem Vorstand unb den Delegierten des Sängerbundes, daß ihn die Huldigung tief gerührt habe. Um 9 Uhr 20 Minuten fuhren Kaiser Wilhelm und PrinzAugust Wilhelm nach ihrer Verabschiedung zum Penzinger Bahnhof, um sich nach Donau- eschingekk zu begeben. Prinzessin Viktoria Luise fuhr um 10 Uhr o Min. vorn Nordbahn Hof nach Wildpark.
Bei einer Fahrt tm Augarten-Palais scheuten die Pferde der Hofcquipage, in der der Großherzog von Baden saß: < am Franz Josef-Kai rannten sie auf den Donaukanal zu unb überrannten einen Arbeiter, der schwer verlebt würde. Der Leib-
jäger wurde vom Bock geschleudert; der Großherzog blieb un* verlebt.
Vom König von Italien ist an Kaiser Franz Josef folgendes Telegramm eingelausen: „Im Lause deS Jahres, in welchem Eure Majestät das 60 jährige Jubiläum Ihrer glorreichen Regierung feiern, vereinigen alle Herrscher und Staatsoberhäupter ihre Glück- und Segenswünsche mit den loyalen Kundgebungen der Völker der Monarchie. Beseelt von der alten und treuen Freundschaft, die ich für Eure Majestät empfinde, nehme ich den innigsten Anteil an diesem freudigen Ereignis unb schließe, mich den herzlichen Gefühlen an, welche Ihnen heute Seine Majestät bei-, deutsche Kaiser, unser erhabener BunbeSgenossc und Freund, persönlich aussprechen wird. Viktor Emanuel."
Die telegraphische Antwort des Kaisers Franz Josef lautet folgendermaßen: „Ich bin außerordenllich geriiljri von der großen Aufmerksamkeit Eurer Majestät, mir Ihre Glückwünsche anläßlich der Erreichung meines 60. RegierungSjahreS an demselben Tage auszusprechen, an welchem Seine Majestät Kaiser Wilhelm, unser erhabener Bundesgenosse und Freund, und die deutschen Fürsten um mich versammelt sind. Indem üb Witter Majestät herzlich danke, beglückwünsche ich mich zu diesem neuen Zeichen der engen Bundesgenosseiischait und der innigen Freund!chast, die uns verbindet. Franz Josef."
Bei der Besprechung des Besuchs der deutschen Bundesfürster! in Wien führt das ,,F r e m d e n b l a 11" aus: In den hoher! Gästen, die unserem Kaiser mit huldigendem Glückwunsch Italien, werden, begrüßen wir die Dolmetscher ihrer Völker, die itaifer Franz Josef Dank wissen, daß er eilt Friedenssürst, einer der mächtigsten und treuesten Hüter des europäischen Friedens ist. Die unerschütterliche Treue, mit der der Kaiier an den bestehenden Alliancen festhält, ist ein wichtiger, nicht himvegzudentender Faktor in der europäischen Politik, und in der Huldigung, die ihm morgen zuteil wird, ist der Dank auch für diese Treue, emg schlossen. Der Dank, mit dem unser Kaiser die Herzlichkeit ieiner jürstlicheu Besucher erwidern wird, findet millionenfachen Widerhall durch den Chor seiner Völker, von dem ein besonders zarter, inniger Ton hinübcrklingt zu der erlauchten Fran, die den deutscheit Kaiserthron mit den Tugenden der dentschcn Haussran schmückt, und ein brausender Huldigungsruf zu Kaiser Wilhelm uud zu den Königen und Fürsten des mit uns verbündeten Deutschen Reiches.
Die „N e u e Freie Presse" bezeichnet den heutigen Tag als einen festlichen, frohen sür uns alle, an Dem wir sehen, wie Deutschlands Fürsten dem Kaiser huldigen. Die Fürjtenver- sammlung in Schönbrunn gebe vor allem dem Gefühl des Dankes Ausdruck für die durch dreißig Jahre Dem Deut|chcu Reiche gehaltene Treue.
Sonntags. - Beilagen: viermal ruöcbentlid) viehenerFamiNenblätler; Iroeiinalroödicntl.KtciSi latt für öen Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal moncitl Landwirtschaftliche Settfragen Uernlprecb - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Udresse tfk Depeschenr Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.
drei Generationen dcntsckier Fürsten um sich versammelt und keinen darunter, dem Eure Majestät nicht schon ein Vorbild gewesen wären, bevor er selbst berufen war, die Pflichten seines hohen Amtes zu üben. Und allen haben Eure Majestät in sechzig- mhnger Arbeit ein herrliches Beispiel aufgestellt, an dem sich noch die Kinder und Enkel der Jüngsten unter uns erbauen werden. So sind wir denn, die treuen Freunde und Verbündeten Eurer Kaiserlichen und Königlich apostolischen Majestät, und mit uns Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, meine Gemahlin, hierhergeeilt, um Zeugnis abzulegcn von den herzlichen Gefühlen inniger Freundschaft und Anhänglichkeit, die uns für Eure Majestät beseelen. Aus bewegtem Herzen bringen wir unsere Huldigung dar dem edlen Herrscher, dem treuen Buitdesgcnossen, dem mäch- tigen Hort des Friedens, auf dessen Haupt wir den reichsten Segen Gottes herabflehen."
Käiscr FranzJo scf erwiderte: (Shire Kaiserliche unb Königliche Majestät haben int Verein mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzregcnten von Bayerm, Ihren ötajeflätcn den Königen Von Sachsen und Württemberg, den hier anwesenden Durchlauchtigen deutschen Bundcsfürsten und dem Vertreter der freien Hanse- städte beit liebenswürdigen Entschluß gefaßt, mir au3 Anlaß der Erreichung meines 60. RegieruugsjahreS persönlich Ihre Gluck- wünichc darzubringen. Tiefer Beweis Ihrer mir überaus teuren Frenndschast der zu dcu koshbarstru Erinuerungcu meines Lebens gehören wird, hat mein Herz aus das freudigste berührt uud ich bitte Sie, hierfür meinen innigsten, tiefempfundenen Dank cnt-- gcgenzunehmcn. Ich darf in diesem mich in so hohem Maße beglückenden Akte herzlickfer Zuneigung wohl eine feierliche Kundgebung des monarchischen Prinzips erblicken, dem Deutschland feine Macht und Größe verdankt. Auch Oester- vttch-Ungarns Kraft liegt in diesem Prinzip, und in der treuen unb unwandelbaren Liebe meiner Völker habe ich stets neue Zuversicht geschövft, um den mir obliegenden schweren Pflichten gerecht zu iverden. Die Tatsache, daß eö mir heule vergönnt ist, eine so gwße Anzahl Deutscher Fürsten um und) versammelt zu scheu, ist auch die ausdrucksvollste Bestätigung des zwisckfen und seit beinahe. 30 Jahren bestehenden engen und unerschütterlichen Bundesverbältnisscs. Dieser Tag bestärkt mich in der frohen Ec- wartung, daß dieses nur friedliche Ziele verfolgende Bündnis deut gleichen Bestreben der anderen Mächte wirlsam znr Seite stehen und seine Aufgabe bis in die fernüe Zukunft wohl ec- füllen wcroe. Ich bitte die göttliche Vorsehung, sie möge Eure Majestäten unb alle deutschen Bundesfürften, sowie aud) Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, bereit Anwesenheit mich tief viihrt und zu wärmstem Tank verpflichtet, für alle Zeiten in ihren gnädigen Sd-uß nehmen.
. Ter denttche Kaiser begrüßte nunmehr durch
, herzlichster Weise die Erzherzöge unb küßte ben Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Die Gemahlin bcs deutschen Botschafters v. Tschi.rschky und Bögendorf überreichte der Kaiserin em RZenbukett, ihre Tochter, Fräulein v. Tschirschly, der Prinzessin Viktoria Louise ein Maiglöckcheubukttt. Der deutsche Kaiser schr.it sodanu die Front der Ehrenkompagnie an der Seite des Kaisers Franz Joseph ab und oegrüßte alle zur Aufwartung lirschirnencu. Hierauf hielt Bürgermeister Dr. Lügcr eine Ansprache an den Kaiser, worauf Kaiser Wilhelm antwortete.
Astern, um 9 Uhr 35 Min., langte der Sonberzug mit dem Kinser, ber Kaiserin, dem Prinzen August Wilhelm uud der Prinzessiu Vlkwrta Louise von Pola in ber Station Meidling an. Dort hatte sich Kaiser Franz Josef eiugefuiiben, ber ben ÖononbcriDagen bestieg unb mit nach Penzing fuhr. An der
-,twn Benzlng hatten sich zur Begrüßung sämtliche in Wien tveilenbe Erzherzöge, der Kvrpskommandcur Feldzeugmeister Fiedler, öcc Stadtkommandant Generatmajor Hofmann, Staatssekretär Graf Kielinannsegg, der Polizeipräsident Brzewoski, der Bürger- Nieister Tr. Lüg-er, der den bentfcben Fürsten zugeteilte Ehrendienst die Ehrenlompagnte des 51. Infanterieregiments mit der rüchile, der Acu)ik und den reglcinentömäßigen Vorgeseßten und der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön eilige» funden, ferner die Herren der deutschen Botschaft, der öfter- relchlsch-ungarifcye Botschafter in Berlin, Graf v. Szögcnyi- Marich, der deutsche Generallousul Freil>err v. Liebig, der deut)che Konsul, v. Viviiwi, die Vertreter der reichsdeutsd>cn Vereine in Bien, die Offiziersvercinigung des Beurlanbteil- ftaiides unb zahlreiche andere Persönlichkeiten. Tie Erzherzoge trugen beutsche Uniform. Punkt 10 Uhr langte ber Soudcr- 6ii0 auf bent Penzinger Bahnhofe an. Die Musik spielte „Heil Dir tm Slegerkranz!'^ Als erster entstieg dem Wagen Kaiser o-rauz Joseph m der Uniform des Kaiser Franz Garde-Grena- bierregimcnt5, hierauf Kaiser Wilhelm in österreichischer SNar- schalliiniform mit dem Bande des Stepl-anordens, sodann hals Kaifer Franz Joseph der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria beim Ausftcigcu. Der deutsche Kaiser begrüßte nunmehr durch Händedruck m herzlichster Weise die Ei'zherzöae und lüstte den
.. ü.as „Neue Biene: Tagbla11" sagt: Kaiser Wilhelm ist der Inspirator und Verwirklia er des (Gedankens von rem Huldigmigszuge der dentschcn Bundessürst.'il nach Wien. Nicht Beratungen am grünen Tische, nicht Könferenzen der Dipll'- inaten und StaalSmänner, sondern in reit bem Gefühle des deutschen Rcid)öobcrhauptcs eniftammc diese feinsinnige, heute zu imposantem Leben gelangende Idee. Im Schönbrunner Eckstösse wird die stolze, wird die glänzend.' fürstliche Korona unmittelbare Zeugin sein des innigen Verhältnisses, das zwischen den beiden obersten pieprasent.rnten der zivei großen Nad)bar» reiche besteht. Kaiser Wilhelm war während zweier Dezennien im äÄrsip des Rates dev deuischen Fürsten der beste unb treueste Frcunb Oesterreich-Ungarns und seines BeherrfckierS. Unsere Monarchie aber hat Treue mit Treue oergohen.
Die ,^Zcit" nennt das heutige Fest eine Familienfeier der deutschen Lrouveräne. Sic gedenkc dec gestrigen Borte Des Präsidenten des deutschen Rcichsmges und sagt, den Deutschen Souveränen gebühre der Bvrtriri vor den anderen Herrschern, die wir im nächsten Monat am Wiener Hofe sehen werden, denn Kaiser Franz Joseph ist dcr Schöpfer des Deutsch.-öfter■ reichlichen Bündnisses, der treue, nie wankende Freund. Auch die Bevölkerung lfeißt die Fürsten ans dem deutschen Reiche herzlick) willkommen.
Die „Reichspost" sagt: So leuchtet der 7. Mai 1908 weit hinaus. Dec Belt verkündend, daß hier die neu besd)worene Treue ein sicherer Hort der Ruhe Europas ist. Tas Fest Des IriedenskatserS ist aud) ein herrliches FrieD-enSsesl.
Die „N o r d d e u t s ch e Allgemeine Z c i t u n g" schreibt »u den Iubiläunisfelerllchkeitcu in Wien: Ein Vorgang von welthistorifd) einziger Art spielt |idj heute in dem an Erinnerungen io reichen Schönbrunner Schlosse ab. Kaiser Wilhelm mit den dentschcn Bundcssürsten und der Bürgermeister von Hamburg als Vertreter der drei freien Städte sind erschienen, um Kaiser 6-ranz Josef zum bevorstehenden Abschluß seiner sech-igjährigen Rcgiernngszcit zu beglückwünschen. In dieser Kiiiidgebung 'in- nigltcr Sympathie gelangt die hohe Verehrung zum weithin vernehmbaren Ausdrilck, die der ehrwürdige Monarch auf dein Thron der Habsburger bei den deutschen Fürsten wie bei dem deutschen Volke genießt. Als leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung, als Verkörperung einer auf die umfassendsten Erfahrungen beruhenden abgeklärten Lebensweisheit, unb als Tröger vornehmer Gesinnung, die strenge Anforderungen gegen sich selbst' mit Milde gegen andere vereinigt, steht Franz'Josef seit Jahr zehnten vor ben Augen ber Welt ba. Eine erhabene Herrscher- crscheinung! Unserem Volke, ohne Unterschieb des Stammes, ist ber Monarch des habsburgischen Reiches längst nicht mehr allein der feit vielen Jahren bewährte, treue Verbündete und Freund rnscrcs Kaisers, vielmehr verbinden viele Millionen de« beut - dien Volkes mit ber Persönlichkeit bcs Kaisers und Königs zranz ^osef innige Empsinbungcn, aus bic gestern auch ber Präsident des deutschen RcidfstagcS Hinweisen konnte. Freude und Leid, die in so reichem Maße daS Leben des erlauchten Herrschers erfüllten, haben nirgends außerhalb der Douaiimvu- archre einen wärmeren Anteil gefunden, als in Deutschland. So oft Franz Josef den deutschen Boden betrat, wurde ihm von der Bevölkerung ein Empfang bereitet, der über den Rahmen konventioneller ©erflogenbetten weit hinausging und von der aufrichtigen Hcr-llchrnt beseelt war, die bei und ber oerebrungd- würdtgen Persönlichkeit biefed Monarchen entgegengebracht wird So weilen auch heute mit bem Kaiser und den Hänptcm der putschen Bunbesflaalen Millionen Deutsche im Geiste in bet Katicrftabt an ber Donau unb erbitten von ber Vorsehuna bah fie auch fernerhin über bad Leben unb Wirken des erhabenen
L (KnÖ^hret?tfrUnfla/ti^f 11 Monarchie walten und K XÄ.Ä @TeÄ "LÄ Ä &e
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