Ausgabe 
9.3.1908 Zweites Blatt
 
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Zweites

Nr. 58

»glich mit Ausnahme de4 Sonntags.

betreffenden Brieftvechsel zu veröffentlichen.

Der F ürst von

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lor-Werii iegelei :

158. Jahrgang

Täubert

Qstr. 6.

Montag N. März 1008

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäis - Blich- und Stcindruckeret.

R. Lange, Gießen.

EI. Haas

TelephmK

4püiütr/ClK Lages-ehersr.

Neue Prüfungsordnung in Oesterreich.

Die am österreichischen Unterrichtsnunifterimn durchgesührte Mittelschnlenqiiete entschied sich für die Beihaltung der Maturitätsprüfung an Gymnasien und Realschulen, doch soll poch im laufenden Schuljahr eine neue Prüfungsordnung mit wesentlichen Erleichterungen in Kraft treten. So wird bei der schriftlichen Prüfung die mathematische Arbeit, außerdem em Gymnasium die Uebersetzung ins Lateinische und an der Realschule die aus dem Französischen fortfallen. Dw 93c» Nutzung eines Schulwörterbuches wird in erweitertem Umfonge gestattet sein. Die mündliche Prüfling wird sich nur auf vier Gegenstände erstrecken. Ein lingünstiges Ergebnis der schrift» lichen Prüfling soll die Ziilassimg zur mündlichen nicht mehr hindern, die überhaupt die Form eines freien Kolloqllinms annehmen soll. Außer diesen Blenderungen der Matutitüts- ppüfungSordnung wird die Revision der Lehrpläne und die Neuordnung des ganzen PcüfungS- und Klassifikationswescn in Angriff genommen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Vertag: e^s>51. Redaktion:^^H2. Tel.-Adr.: AnzcigerGleßen.

daß Zeine

Gießen, 9. März 1908.

** Tageskalender. Montag, 9. März, abends 9 Uhri im Einhorn: H a u p t o e r s a m in l u n g des B ü r g e r o e r c i n s^

®teSiebener ZamtlienblStter" werden dem ,Snzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das ^tottsbloh für den Kreis Siehrn" zweimal «SchentNch. DieLandwirtschaftlichen seit» fiegei** erscheinen monatlich zweimal.

Parlamentäre^^

Berli >l, 8. "März. Im p r e u fe. A b g eo r d n e t e n h a n s e wurde gestern die Beratung des Ei soll bahne tats iortgesetzt. Montag 11 Uhr Weiterberatling und Quellenschutzgesetz. Die Beamten-Jnterpeltatloneil werden Aiiltwoch beantlvortet iverden.

Die Nation (illiberale Fraktion des Ab­geordnetenhauses hat einen Antrag eingereicht, der für den nall, daß die B e a m t e >l - B e j o l d u n g s v o r l a g e nicht mehr kommt, den höheren Senniteit eine eine einmalige Teuerungs- zulage von 10 Proz., den mittleren 12 Proz. und den Unterbeamten eine solche von 15 Proz. gewähren will.

Frankfurt a. M., 8. März. Für den Landtagswahlkreis Gelnhausen-Schlüchtern wurde als Kandidat der tlntsliberalell Parteien Professor Arndt von der Frankfurter Handelsakademie ausgestellt.

Aus-LanN.

Rom, 8. März. Gin gestern ausgestelltes Jnquisittonsdekret verhängt über Abbe L o i s h, dem Hauptführer der M v- derniften, die große Exkommunikation. Gegen ihn wurde also die schärfste Battnesart geschleudert und zwar, luie das Dekret hrrvorgeht, auf besonderen Befehl d-.'s Papstes. Als Grund wird angegeben, daß Loish sich nicht nur unterworfen, sondern neue Bücher voller Irrtümer gegen die päpstlichen In­struktionen in seiner Seele Schlechtigkeit pupliziert habe.

DieAgenzia Stesani" meldet aus Salonik vom 7. März: Der er stc Drago man des griechischen Kon­sulats Askitis ist geftern abend auf offener Straße durch zwei Revolverschüsse tödlich verletzt worden. Wie gerücht­weise verlautet, wird das Verbrechen d e m b ul g a r is ch e n Ko­mitee zugeschrieben. Der Dragoman ist inzwilchen gestorben.

Biarritz, 8. März. Der König von England ist gestern abenb hier eingetroffen.

London, 7. März. Aus Peking wird berichtet, daß Japan der ch i n e s i s eh e n Regie r'u ng die Forderung übermittelt, ein: Eneschüdigung für die beschlagnachnte Tatsu Marn auszuzahlcn, sowie das Schiff sofort frei zu lassen. Sollte diese Forderung nicht berücksichtigt werden, so droht Japan Ge­ro a l t anzuwenden. Die Frist, welche Japan für die Aus- ft'chrung dieses Ultimatums setzt, läuft bereits morgen ab.

Petersburg, 8. März. Daß Präsident ^-alliöres im> Juli nach Petersburg fommt, um den Baren zu be­suchen, ist soeben bestätigt worden. Bi an erwartet eine Auf- frischung der etlvas in P.ngcsfenheit geratenen Allianz.

T-ie Todesstrafe des General Stössel ist vom Zaren i,r 1 0 j ä h r i g e F e st u n g s h a f t u m g e w a n d e l t w o r- den. Gerreral Fock ist begnadigt worden.

K o n ft a n t i n o p e l, 7. Mär;. Ter Sultan entsendet als­bald nach der Ankunft des deutschen Kaisers in Korfu eine Spezialmission zur Begrüßung des Kaisers dorthin. General­leutnant Nahmi-Pascha hat sich bereits nach dem Korfu gegen­über liegenden albanischen Distrikt begeben. Dies wird auch in Verbindung gebracht mit.einem vorausstchtlich erfolgenden Ausflug des Kaisers nach der albanischen Küste.

Peking, 7. März. Ter russische Gesandte Pokotilow ist plötzlich gestorben.

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Volkspartei werde um keinen Preis einen weiteren Schritt zurück­weichen.

Köln, 8. März. In einem offiziösen Telegramm erklärt die K. Z." zum Reichsvereinsgesetz: Die Neichsregie- rung sei fest entschlossen, wenn § 7 nicht mit einem ihr ge­nehmen Inhalt zur Annahme gelange, das ganze Gesetz zu­rückzuziehen. Die Reichsregierung bestehe darauf, daß klar und deutlich zum Ausdruck gelange, daß die Sprache in öffent­lichen Versammlungen deutsch sein müsse. A u s n a h m e n s e i e n nur den einzelnen Bundesregierungen über­lassen.

W i l h e l m s h a v e n , 7. März. In Gegenwart des Kaisers, des Großherzogs und der Großherzogin von Vaden und des Prinzen Heinrich der Niederlande lief das Linienschiff Ersatz Bayern um 12 Uhr glücklich von Stapel. Der Oberpräsident von Äengftenberg hielt die Festrede. Tie Großherzogin taufte das SchiffN a s s a u".

Bamberg, 8. März. Nachdem dieGeraer Ztg." auf Befehl des Erbprinzen von Reuß die Mittelung, daß eine D o p p e l t r a u u n g d e s F ü r st e n v o n B u l g a r i e n n i rh t statt gefunden habe, alsdreiste Erfindung" be­zeichnet hat, sah sich das hiesige Ordinariat veranlaßt, den

Bulgarien erklärt darin selbst, Doppeltrauung ftattgefunden habe.

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Deutsches Reich.

Berlin, 8. Marz. Nach dem vor kurzem den Bundes­regierungen zugegangenen vorläufigen Entwurf über eine Neu­regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe soll zunächst die Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen allgemein von fünf auf drei Stunden verkürzt werden und unter allen Um­ständen bis 2 Uhr nachmittags enden. Es sind zunächst hierüber von den Einzelregierungen gutachtliche Aeußerungen ihrer Nachgeordneten Behörden eingefordert werden, die ihrerseits die kaufmännischen Körperschaften befragt haben.

Das Urteil des Ehrengerichts gegen den Generalleutnant z. D. Grafen Wilhelm von Ho­henau, der in dem bekannten kriegsgerichtlichen Nachspiel zum Mol bke-Harden-Prozeßwegen nicht erwiesener Schuld" freigesprochen war, ist jetzt gefällt worden. Das Ehrengericht hat den Grafen Hohenau zur Entfernung aus dem Offi­ziersstande verurteilt, und hat ihm auch Orden und Ehrenzeichen abgesprochen. Das Urteil des Ehrengerichts ist bereits vom Kaiser bestätigt toorden.

Zu den Meldungen über eine Verständigung in der Sprach enfrage des Reichsverein sgesetzes meldet das «Serl. Tagebl." aus Stuttgart, daß der Abgeordnete von Payer jedes Kompromiß über den S p r a ch e n - P a r a g r a - -hen kategorisch in Aibrede stellt. Die süddeutsche

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das verlangt das beiderseitige Interesse. Ueberhaupt habe ich wäl)- rend meines langen Aufenthaltes in Deutschland in vieler Hinfictst meine Anschauungen geändert." Tie neuen Briefe an Vjörnson sind auch ein schönes Zeugnis der immer herzlrck>er werdenden An­näherung der beiden großen Dichter, die trotz ihrer verschiedenen politischen Anschauungen nm das Jahr 1880 nach langer Ent­fremdung wieder durckchrach. Von einem innigen Freundjcha.tsge- fühl getragen ist der Brief an Vjörnson vom 8. März 1882, in dem Ibsen für das mannhafte Auftreten des DickMrgenrssen m feinem Interesse dankt. Er habe immer an seinegroße mutige Haupt- llugsscele" geglaubt und habe ihn uät-rend seines Aufenthaltes in Amerika nie aus seinen Gedanken verloren.Ich war gerade in der Zeit ungewöhnlich nervös, und eine Amerikareise ist mir stets als ein unheimliches Wagnis erschienen. Tann hörte ich aucli, daß Tu drüben krank seiest, und ich las von Stürmen auf dem Meere, gerade als Teure Rückkehr zu erwarten stand. Da durchdrang mich blitzschnell und lebhaft die Er'enntnis, wie unendlich viel Tu mir, wie den andern allen bist. Ich fühlte: wenn Dir etlvas zu stieße, wenn ein großes Unglück unsere Länder heinvsuchte, dann würde alle SckMffenssreudigkeit von mir gewichen sein." Jntercfiant für Ibsens Charakter ist auch eine Briefstelle an Siebold vom 9. Mai 1869, in der er ihn bittet, einen lobenden Artikel über ihn mit Bud in Die Leipziger Illustrierte Zeitung" zu lancieren.Sie dürfen das nicht dahin mißverstehen, als ob ich Humbug treibsn wollte; das ist gegen meine Natur; man versichert mir aber, daß dergleichen ,wt- wendig ist."

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Man schreibt uns aus Darmstadt, 8. März: Im Hoi- theater kam heute abend in Gegenwart des Großherzogpaares und des Fürsten und der Fürstin von Solms-Hohensolms-Lich Engen d'Alberls MusikdramaTiefland" zur Ausführung. Durch die Gegenwart des Komponisten und das ausverkciuüe Haus wurden Langer und Kapelle zu hervorragenden Leistungen animiert. d'Alberl, der m der Pause zum Großherzog gerufen worden ivar, ivurde zum Schluß der Ausführung Gegenstand lebhafter Ovationen.

Heinrich L i l i e u f e i n: Ideale des Teufels. Eine boshafte 5tulturfahrt. Verlag von Egon Fleischet & (So. Berlin W. Preis Mt. 3.. pilientcin, der junge ichwabuche Achter, der auch einige Zeit in Heppenheim a. d. Bergstraße, dem langjährigen Wohnsitze unseres unvergeßlichen Hotzamer, lern Tominl auweschlagen hatte, ist den Gießenern von der Auffuhrimg seines vielverheißenden DramasMaria Friedhammer^ her bc- kannt. Sein neuepes Bühneustück,Der große -rag , em Wahlrechtsdrama, wird wohl noch m bie]ey Spielzeit hier zur Ailsführung gelangen. Sein jüngstes Buch, dieIdeale des Teufels" fangen die hervorstehenden Erscheinungen der modernen Kiiltur in einem satirischen Spiegel auf: die verworrenen und halbfertigen Ansichten, die sich als eine neue Togmauk dem recht­lichen und sittlichen, künstlerischen nnö tehgiojen Urteil der Einzelnen au'drängen möchten, werden der Lrennslache einer ein­heitlichen Weltanschauung ausgesetzt. Keck und mutwillig schlagt das Auch hier und dorr der herrschenden Tagesmemung ins Ge­sicht : 4>evneue" Mensch mit seiner vermeintlichneuen" Seele, seinemneuen" Weib, seinerneuen" Musik und seinerneuen Religion verfällt mitleidslos seiner lachenden Bosheit. Ter ernste Wille aber, der hinter der Maske des Schelmen steht, möchte daran mithetfen, das Empfinden und Denken der Gegenwart von theoreu- schen Perstiegenhellen und Ueberspamiungen zu kräftiger, indivi­dualistischer Einfachheit zu erlösen.

Die Galerien Europas leiden an Ueberfüllungj mit den dort aufgeftapeften Sck;ätzert, wie jeber Museuinslvan- derer schmerzlich bemerkt. Weniger überfüllt sind die Räume mit Besuchern, die sich die Zeit und Mühe nicht verdrießen lassen, jene Schätze gebührend zu bewundern. Nur zu Zeiten, wo die Fremdenströme sich durch die Hauptstädte wälzen, entwickelt sicht in den Hallen ein lebhafteres Treiben. Nicht alle Kunstfreunde!! können sich den Genuß und das Opfer an Gelb und Zeit,leisten, bie: Perlen den Malerei an den Aufbewahrungsorten anzusehen, ganz- besonders, wenn cs sich um von der Heerstraße weit abgelegene Künstzentren handelt, wie z. B. Petersburg und Madrib. Es ist nun der Verlagsbuchhandlung E. A. Seemann in Leipzig gelungen, die bekanntesten und bedeutendsten Gemälde in den europäischen Galerien an Ort und Stelle aufznnehmen'und in ihren Farben so getreu zu reproduzieren, daß der Besucher die Wirkung des Originals erhält und er sich mit Genuß in seinem Heim in das Studium dieser Kunstwerke ohne Reiscspesen und stnstren- gütig vertiefen kann. Tie unter dem TitelTie Gatcrwn Eu­ropas" im vorigen Jahre zu einem vorläufigen Abschluß gelangte große Sammlung von 200 Blatt scheint solchen Anklang gesnnden zu haben, daß der Verleger sich veranlaßt sieht, eine weitere Serie, eineNeue Folge der Galerien Eriropas", erscheinen zu lassen, von der in diesem Jahre 100 Tafeln, auf 20 Lieferungen! verteilt, zur Ausgabe kommen sollen. Von dieser neuen Reihe liegt uns das erste Heft vor; es bringt Bilder ans der Kaiser­lichen Eremitage zu St. Petersburg und zwar lauter erlesene Stücke (I. van R n i s d a c l, A. van Dyck, Jan Steen, Rasfael, I. van Ost ade). Tie einzelnen Blätter zeigen wieder die ganze Vollkommenheit der hier verivenoeten Technic der Dreifaibendrucireprodultion. Sie sind auf vornehm abge­töntem Karton aufgeklebt und zu einem auch äußerlich bestechen­den Hefte vereinigt. Erstaunlich ist dabei der billige Preis, der sich bei Subskription auf das ganze Werk auf 2 Mk. (einzelne Lieferung 3 Mk.) für die Lieferung stellt, worin immer fünf farbige Reproduktionen geboten werden. Wer Gefühl für das Schöne nnb Interesse für die Shin ft hat, der lann hier auf wohlfeilem Wege feinen Geschmack bilden und in der Betrachtung der Meisterstücke der Malerei ungetrübte Freude finden.

K l c i n e C h r o n i k a u s K u n st u n d W i s s e n s ch a f t. In B r e s l a u wurde aus Anlaß des B a In e o l o g en-Kon­gresses vor dem städtischen Wenzel-Hanckejchen Krantenhaiise ein! Denkmal für Dr. Hermann Bremer, den Gründer bet*' Lungenheilstätten zu Görbersdork, enthüllt. Pro'. Brieger übergab das'Denkmal der Stadt. Tie Wciherede hielt der Leiter der Görbersdorfer "Anstalten, Proi. Dr. straft. Ter König von Württemberg hat dem Professor Ad. I'-"Ar rouge ut Berlin aus Aulaß feines 70. Geburtstages daS Großkreuz deS Ordens der Würltemb. Slrone verliehen. Den Aerzteu Dr. Sirompecher und Goldzieher-^lnyan in Budapest ist cs gelungen, den Erreger des Flecktyphus zu finden. Die Sencken bergische Natiirforschenbe Gesellschaft in Frankfmc a. Ai. hat ben von R e i n a ch - P ie i s, ben sie alle 2 Jahre für bie beste Arbeit über Geologie, Paläotttologie ober Mineralogie aus der weiteren Um­gebung von Franksuri a. M. verleiben kann, einer Arbeit von Prof. Dr. F. St i n f el i n in Frankfurt a. M. und Pro?. Dr. H. Engelhardt in Dresden überOberpliozäne Flora und Fauna des Utnertnainlales, insbesondere des Frankfurter SUärbeckens"^ ziierkaunt.

Ätz sag, er mit

1 60 Pf

Lauüerversaminiuüg der öeulsch-Lozlüieil.

fc. Frankfurt a. M., 8. März.

Die erste Jahresversammlung des Hessischen Landes-' Verbandes der Deutsch-sozialen Partei wurde fhcute tm Storch" hier abgehalten. Der Vorsitzende des Ländesver- bandes, Amtsrichter Mayr-Darmstadt begrüßte die^ ErsHie- netiert, unter denen man die Stadtverordneten Laaß-Frantiurt am Main und Götz-Darmstadt, Oberlehrer Dr. Werner-Gießen, Psarrer Vernbeck^Okarben, Landtagsabgcordn. Bähr-Herrenhaag usw. bemerkte, und brachte ein dreifachesHeil" auf .Kaiser und Großherzog aus. Ans dem hierauf von bem Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ist , zu bemerken, daß das abgelaufene Geschäftsjahr überaus günstig gewesen sei. Die Mitglieder­zahl ist stark gestiegen. Ausgebatit und, organisiert wurden die Reichstagswahlkreise: DarmstadtGroß-GeLM, Offenbach, Gießen, Alsfeld, Friedberg und Frankfurt a. M. Für^ das kommende Jahr sollen Mainz, Erbach i. O., Hanau, WormS und Bingen bearbeitet werden. Mit der deutschen Reformpar- tei, dem Bunde der Landwirte, besonders aber mit den Christ­lich-Sozialen haben sich die Beziehungen sreundschaftlich und nutzbringend gestaltet. Ein neuer Stampf diesen Herbst, die hessischen Landtagswahlen^ steht bevor, alle Anzeichen deuten darauf hin so schloß Mahr, daß _ die deutsch-sozialen .Klingen mit Erfolg in diesem Stampfe drein schlagen^werden. Oberlehrer Dr. Werner-Gießen referierte alsdann über die Landtagswahlen in Hefsen. _(Sr glaubt, wenn einigermaßen ge­schickt gearbeitet iperde, daß die Teutsch-Sozialen die herr­schende Partei im Landtage iverden würden. Als Kandidaten seien vorläufig bestimmt: Dr. Werner für Grünberg; Lürgcr- meifter Zins er-Schlitz für LanterbacpSchlitzLandwirt Schmalbach für Herbstein; Bürgermeister V i e h l -Rminrod fitr LaubachNidda; Stadtverordneter Götz-Darmstadt für Darm­stadt. Für die anderen Skreise seien die Kandidaten noch nicht nomipiert. Welche Parole der Bund der Landwirte in dem Landlagswahllampfc ausgäbc, sei noch nicht sicher,wenn der Bund die Teutsch-Sozialen jedoch nicht unterstützt, dann , hat er den Krieg!" In der daran sich anschließenden Diskussion empfiehlt Stadtverordneter Götz-Tarmstadt solche Kandidaten für den Landtag aufzustellen, die nicht allein die Bauernintcrefsen, sondern die aller Stände vertreten. Ausgesprochene Charak- .tere täten außerdem Not. Amtsrichter Mahr lritisierte scharf die Tätigkeit der hessischen Volkspartei (Bauernbund) im Land­tage. Eine Disziplinlosigkeit herrsche, die erbärmlich sei. Da­gegen müsse im Interesse der Sache opponiert werden. Auch die Art und Weise, wie bauernbündlerische Abgeordnete über den preußischen Staat im Landtage losgezogen, sei un­verantwortlich. Ter Abgeordnete Slöhler, der in das schwarze bayerische Vaterland Arlilet lanciere, bie einen Gegen,atz zwischen akademisch Gebildeten und nicht Scudierlen lonftruierten, sei nicht deutsch-sozial. (Großer Beisall.) Oberlehrer Dr. Wer­ner stimmt den Aussührungm des Vorredners zu und be­dauert, daß Köhler nicht ei'schienen sei, nm ihm wegen seiner Seitensprünge und Querköpfigkeit mal gehörig die Leviten zu lesen. Redakteur R e u t h e r - Gießen und Lan^tagsabgeordneter Bähr nahmen Köhler in Schutz. Zum Schluß wurde der Entwurs eines Landtags-Programms der deutsch-sozialen Par­tei für das Großherzogtum Hessen durchberaten und genehmigt. Das Programm enthält Forderungen betreffend: Bottsrechte, innere Verwaltung, Steuern, Schule, Verkehr und Bodenrecht, Landwirtschaft, Handwerk, Kaufmanns- und Gewerkepand, Ar­beiterfrage, Beamten-Verhältnisw und Inden-Frage.

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Aus neuen Briefe« Henrik JbfenS.

Im Märzheft derNeuen Rundschau" (S. Fischers Verlag) ^eiöiientlid)t Julius Elias eine Nachlese bisher unbekannter Jbsen.- "öriese, die den nordischen Dichter vor allem in seinen politischen Anschauungen kennzeichnet. In einem Briese cm B j ö r n s o n

Amalfi vom 12. Juli 1879 äußert er seine Meinung zu dem ^genannten Flaggenstveit, der damals ganz Norwegen in Auf­regung versetzte. Tie Norweger, Björnson an ihrer Spitze, ver­langten, daß das schwedische Unionszeichen aus der norivcgischen Flagge entfernt werden folle, um damit ihre Unabhängigkeit zu khmben. Ibsen wendet sich gegen diesen Flaggenantrag, denn rr findet,man versündigt sich an unserem Volke, wenn man solche Fragen zu bremicnden macht, die es gar nicht sind. Mehr als eine Frage kann niemals auf einmal ernstlich ein Volk befchäftigen; kommen mehr zufammen, so jagen sie sich gegenseitig das Interesse ab.,Nun haben wir bei uns eine einzige ö-rage, die brennend sein arüßte, die cs aber leider nicht zu sein scheint. Wir haben bei aus nur eine einzige Sache, die ich eines Kampfes für wert halte, Md das ist die Einführung eines zeitgemäßen Volkss chul- unterrichts. Diese Sache faßt alle anderen Sachen mit sich; turch sic nicht durchgeführt, so Lönnen wir getrost all die anderen liegen lassen. Es ist völlig gleichgültig, ob unsere Politiker der gwßen Masse noch ein paar Freiheiten mehr verschaffen, solange fie nM den Individuen der Freiheit schassen. Es heißt ja, Nor- kvegen ist ein freies imd selbständiges Reich; aber ich lege keinen gwßen Wert auf diese Freiheit und Selbständigkeit, solange ich ^ech, daß die Individuen weder frei noch selbständig sind. Und das sind sie bei uns nicht. Es gibt im ganzen Mrniegerlande nicht mnfimdzwanzig freie und selbständige Persönlichkeiten. .Es kann ße geben. Ich habe versucht, mich mit unserem Unterrichtswcsen, den Schulplänen, Stundentabellen, Unterrichtsstofsen usw. ver­baut zu machen. Es ist cmpövend zu sehen, wie die Unterrichts- >eit, namentlich in den nie beigeren Volksschulen, auf die altjüdische '^botogie und Sagengeschichte und auf die mittelalterlichen Ver- Mhornungen einer Morallehre diaufgeht, die in ihrer ursprüng-

Gestalt zweifellos die reinste war, die jemals verkündet ^Den i|t Hier ist das Feld, wo alle wie ein Mann verlangen eilten, daß uns dieneue Flagge" gezeigt wirb. Laßt das uaiwusnial ruhig stehen, aber befreit bie Geister vom Mönchstums- wm; entfernt das Zeichen der Vorurteile und der K^urzfichtigkett und der Blödfichtigkeit und der Unselbständigkeit und des grundlosen Ä-uwritätsglaubens, so daß der einzelne in den Stand gesetzt wird, Mter eigener Flagge zu segeln. Tie Flagge, unter der sie segeln, äLr.» *bin 'wch ihre eigene". In den Augen Ibsens ist die whtit nicht das wichtigste Geschäft eines Bolles; sie nimmt be-

Norwegen einen breiteren Platz ein, als für die perfön- W Befreiung wünfck-enswert ist.Wo kc'ine Sehnsucht ist, die agenr Persönlichkeit zu befreien, da kann iwch weniger Sehnsucht inn, etwas so Abstraktes wie ein Gefellschaftssymbvl zu be- weren " In einem Briese an feinen ersten Ueberfetzer P. F. Sie- Dld spricht er am 6. März 1872 ein interessantes Bekenntnis aber Bismarck aus und seine Stellung zur preußischen Politik, Mr derendvillen er ein Jahr vorher von dentschen Patrioten ange- srcfsen worden war.Sie irren, wenn Sie glauben, daß ich das GWße an einem Manne wie Bismarck nicht anerkenne; aber ich leye m ihm ein ivesentliches Hindernis für gute und freundschaftliche Mehmigen zwischen Teutschland und Skanörnavien. Tie jetzige öwitumig ist unnatürlich zwischen zivei so nahe vevwandteii Völ- Müßte und sollte ein, engerer Zusammenschluß ftcrttfinden;

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