Ausgabe 
8.2.1908 Erstes Blatt
 
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«die Zeche zu 'begleichen, wurde gestern verhaftet. Festgenom- mcn wurde auch ein Ar Reiter von hier wegen Unter- 1^°^* Evang. Bund. Wir machen nochmals auf den Vwrgen abend in Steins Garten stattfindenden Familien- LLbend des hiesigen Zweig-Vereins aufmerksam. Außer Musikalischen Darbietungen von Musiklehrer Gernhardt und g^ntamtmann Schäfer werden zwei Vorträge gehalten wer­den. Pfarrer Fritsch-Ruppertsburg wird die Frage be­antworten:Was lehrt uns das Luther-Denkmal zu Worms?" Außerdem wird Seemannspastor Pil­gram-Antwerpen überDeutsche Seemanns fürs orge" K. Dieser Vortrag dürfte besonders die Atitglieder tten- und des Marine-Vereins interessieren, die, wie wir hören, durch besondere Einladungen auf das Thema aufmerksam gemacht worden sind.

O Burkhardsfelden, 7. Febr. Ein Trauer- z u g, wie man ihn hier seit langer Zeit nicht gesehen hat, bewegte sich gestern durch unseren Ort. Es galt, die sterb­lichen Ueberreste des Werkmeisters Wilh. Wagenbach zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Dank der großen Beliebt­heit, die der Verstorbene hier wie in der ganzen Umgegend besaß, durch die Biederkeit seines festen Charakters und seiner Leutseligkeit war die Beteiligung überaus zahlreich; umsomehr, als der Verblichene ein Veteran von 1870/71 war und, wie and) unser Pfarrer Gombel in seiner tief ergreifenden Rede hervorhob, den Feldzug von Anfang bis Ende ohne Unterbrechung mitgeinacht hat. Eine be­sondere Ehrung wurde ihm deshalb auch vom Kommarckwur unseres benachbarten RegimentsKaiser Wilhelm II." zu­teil, indem er acht Spielleute unter Führung eines Feld­webels hierher gesandt hatte, um dem verstorbenen Kame­raden die letzte Ehre zu erweisen, und einen prachtvollen Kranz im Rainen des Regiments niederzulegcn. Der hiesige sowie die benachbarten Kriegervereine hatten sich eben- falls angeschlossen und ehrten sein Andenken durch die üblichen Salutschüsse und Kranzspenden. Fabrikant N o l l- Gießen, der <CH«f des Verstorbenen, legte mit bewegten Worten einen Kranz am Grabe nieder, ebenso auch die Arbeiterschaft. Da die Familie Wagenbach erst vor etwas länger als einem Jahr den einzigen Sohn, der beim Art.-Regt. Nr. 25 diente, durch einen unglücklichen Schuß bei einer Manöverübung verlor, ist jetzt das Mitgefühl all­gemein. Möge ihm die Erde leicht sein!

? Queckboru, 7. Febr. Dein Vernehmen nach wird die Bahn Lich Grün berg vorerst nur bis Queckborn gebaut, da man sich mit der Gemeindevertretung in Grim­berg über die Bahnhofsfrage in Grimberg nicht einigen kann. Auf der übrigen Strecke wird bereits eifrig gearbeitet. Hoffentlich erfolgt die Einigung so rasch, daß die Fertig­stellung der Bahn nicht verzögert wird.

w. Climbach, 7. Febr. Täe Meldung von der Jagdverpachtung ist dahin zu ergänzen, daß Oberst Freiherr v. Röder in Darmstadt die Jagd, für die er bisher 274 Mk. bezahlte, mit 460 Mk. gepachtet hat. Die Gemeinde er­zielte also bei der Neuverpachtung innerhalb der nächsten sechs Jahre ein Mehr von 1116 Mk.

Inheiden, 8. Febr. Unsere Gemeindejagd, die seither jährlich 260 Mark einbrachte, wurde für nun­mehr 500 Mark an den Pächter Weiß von Hof-Graß in Gemeinschaft mit 2 Frankfurter Herren verpachtet.

A Grünberg, 6. Febr. Bekanntlich siegte bei der letzten Landtags wähl im Wahlkreise Grünberg der anti­semitische Redakteur Hirschel von Offenbach gegen den Kauf­mann Moll in Grünberg mit einer Stimme Majorität. Hirschel wird nicht mehr kandidatieren und von seiner Partei wird der Oberlehrer Dr. Werner in Vorschlag gebracht, mit welchem Vorschläge man im Wahlkreise aber nicht allent­halben einverstanden ist. Von verschiedenen Seiten beharrt man auf der Kandidatur Moll und will sich auf eine von außerhalb des Wahlkreises betriebene Agitation nicht einlassen. Von sozialdemokratischer Seite wird auch noch ein Kandidat gebracht werden, der aber bei der jetzigen Wahlkreiseinteiliing keine Aussicht auf Erfolg hat. Zu einer rechten Agitation ist man mit Ausnahme der Antisemiten im Wahlkreise noch nicht gekommen; jedoch scheint ein heftiger Wahlkamps auch diesmal bevoczustehcn. Hierzulande wird in diesem Winter das Schlittenfahren von Groß und Klein, jetzt mit dem Ausdruck ,Rodeln" bezeichnet, recht eifrig betrieben, wozu die Bergabhänge hier sich vorzüglich eignen. Die erwachsene Jugend betreibt den Sport teilweise im nahen Lauter oder in Grünberg am sogenannten Steinweg. Von Unfällen ist noch nichts bekannt geworden.

-1-. Friedberg,?. Febr. Die Jagdverpachtungen in hiesiger Gegend, namentlich der mit Hochwild bestandenen Taunusjagden, ergeben ganz außerordentliche Preis­steigerungen. Die drei Jagden der Gemeinde Rod­heim v. d. H. (zwei Feldjagden, eine Waldjagd im Taunus), seither verpachtet für zusammen 7200 Mk., erzielten 11 960 Mark, also ein Mehr von rund 5000 Mk. Die heutige Ver­pachtung zu Ober-Rosbach, obivohl bei dem Höchstgebot von 5450 Mk. eine erhebliche Mehreinnahme gegen früher vorhanden ist, ist dem Vernehmen nach noch nicht genehmigt. Man rechnet, um sich ungefähr das Verhältnis vorzustellen zwischen den Aufwendungen für eine solche Jagd und den Ertragnissen derselben, daß ein erlegter Hirsch 1000 Mark kostet.

+ Lauterbach, 7. Febr. Wiederum haben wir einen Dpphusfall in einem Hause an dem bereits früher be­schriebenen berüchtigten Graben zu verzeichnen. DaS vier­jährige Söhnchen des Stadtmüllers Rinke ist von der Krankheit befallen. Trotzdem von den Behörden wiederholt vor der Benutzung des Waffers gewarnt wurde, kann man immer wieder sehen, daß es von Anwohnern zum Aus­waschen von Kleidungsstücken re. benutzt wird. Die Stadt wird nicht umhin können, durch Kanalisierung oder sonstige Maßnahmen Wandel zu schaffen.

X Ilbeshausen, 7. Febr. Unter unserer Schaf­herde ist die Räude ausgebrochen. Ganze Transporte kommen deshalb zum Verkauf.

Büdingen, 7. Febr. Heute verstarb in Bad Nassau der in iveitcren Kreisen bekannte langjährige Kammer­direktor des Hauses Psenburg-Büdingen, Herr I. Korell, ein geborener Schlitzer. Ec hat dem hiesigen Mathilden- hospttal 20 000 Mk., der Kleinkindecschule 3000, der evange­lischen Kirche 2000 Mk. testamentarisch vermacht.

# Nieder-Gemünden, 6. Fevr. Zu einem wir­kungsvollen Feste gestaltete sich die am letzten Sonntag vom Ersenbahnverein Burg undNiedergemünden ab­gehaltene Geburtstagsfeier Sr. M. des Kaisers in den festlich geschmückten Räumen des Gastwirts PH. Schäfer hier. Recht zahlreich hatten sich die Vereinsmit­glieder nebst Angehörigen, desgleichen aud) Freunde und Gönner des Vereins eingefunden, so daß alle Plätze be­setzt waren. Der Vorsitzenoe des Vereins gedachte in seiner markigen Ansprache auch des ernsten Berufs der Eisen­bahner und schloß seine Rede mit einem begeistert auf­genommenen Hoch auf den K iser, worauf die Musik ein- ftimmte. Hierauf begann die Feier in der fröhlichsten Stim­mung. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen. Besonders anerkennenswert war die gute Bewirtung und Bedienung des Gastwirts Ph. Schäfer. Eine vom Bahnhofsaufseher Erbe angeregte Tellersammluig zum Wohle des Eisen­bahntöchterhorts ergab den Betrag von 4 Mark.

-tz H a s s e n h a u s e n (Kr. Marburg), 7. Febr. Ein trau­riger Unglücks fall ereignete sich heute hier im Walde beim Holzfällen. Der schon bejahrte Holzhauer Heinrich Pieh wurde von einem niederstürzenden Äst dermaßen getroffen, daß er bewußtlos liegen blieb. Der sogleid) herzugerufene Arzt verordnete die sofortige Ucberführung des Unglücklichen in die Klinik nach Marburg.

X. Hanau, 7. Febr. Die Bemühungen des Oberbürger­meisters Dr. Gebeschus, die geplante Verlegung pes hier gar- nisonierenden Infanterie-Regiments Hessen-Hom­burg Nr. 16 6 rückgängig zu machen, sind erfolglos geblieben. Vom Kriegsministerium wurde mitgechilt, daß die Verlegung des Regiments aus militärischen Gründen zum 1. Oktober 1909 nach Bitsch erfolge. Die in Bitsch liegenden Jägerbataillone werden jedenfalls ebenfalls ihre Garnison wechseln. Als Ersatz kommt nach Hanau ein Bataillon der 87 er oder 88 er aus Mainz. Die Budgetkommission des Reichstags hat die Mittel für den Bau einer Kaserne für das 1910 nach Hanau zu verlegende 3. Eisenbahnregiment genehmigt. Die Stadt Hanau baut die Kaserne, der Staat verzinst das Baukapitäl. Weiter verlautet, daß auch das noch zu bildende weitere Eisen­bahnregiment als Garnison die Stadt Hanau erhalten wird.

Verbarrds-Anssteüung oberhess. Gcftügelzuchtvereitte.

= Gießen, 8. Febr.

Der Windhof steht schon seit einigen Tagen unter dem Zeichen der Hühnerzucht. Aus allen Kreisen unserer Provinz haben die Züchter das Vorzüglichste hierher geschickt, um bei der großen Geflügelschau mit ihren Zuchtresultaten Ehre einzulegen. Es sind int ganzen in der Prämiierungs-Abteilung 187 Stämme Hühner, 25 Stämme Wassergeflügel, 75 Paar Tauben und 20 Kollektionen Hühner usw. ausgestellt. Außerdem umfaßt die Aus­stellung noch eine große Verkaufsabteilung sehr schönes Nutz­geflügel.

Ein flüchtiger Besuch, den wir heute vormittag dem Windhof machten, ließ uns die Preisrichter eifrig und gewissenhaft bei der Arbeit finden, und es wird ihnen gewiß nicht leicht werden, unter den vielen hervorragenden Tieren das Beste herauszu­finden.

Von den ausgestellten Hühnerrassen ist das Whandotteshuhn unter den Fleischhühnern am stärkten vertreten, denn es um­faßt in seinen verschiedenen Farbenschlägen 70 Nummern, darun­ter Tiere, die sich auf der größten Aufstellung sehen lassen können. Unter den Eierlegern nimmt, was die Zahl der Stämme anlangt, den ersten Platz in der Ausstellung das Jtalienerhuhn ein, das in wundervollen Exemplaren in schwarz, weiß, reb­huhnfarbig, gesperbert und silberhalsig vertreten ist. Tann folgen schwarze Minorka und Hamburger, Gold- und Silbersprenkel usw. Den Schluß der Abteckung Hühner bilden die Zwerghühner, die in zahlreichen Spielarten vertreten sind. Die ausgestellten Tauben geben ein anschauliches Bild der verschiedenen Lieb­habereien auf diesem Zuchtgebiet. Vorherrschend ist allerdings die Brieftaube vertreten, deren Haltung und Zucht aber auch für, den Tierfreund des Interessanten viel bietet. Unter dem Wassergeflügel, das auf dem Hofe seinen Platz erhalten hat, sind die Enten zahlreich und in wahren Prachtexemplaren ver­treten. Die indischen Laufenten, die als fleißige Eierleger ge­schätzt sind, zeigen, daß man diese Rasse in unserer Provinz in den letzten Jahren vorzüglich herausgezüchtet hat.

Es sind jetzt gerade 10 Jahre vergangen, seitdem der damals noch junge. Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen mit seiner ersten Ausstellung in der Turnhalle an der Nord-Anlage an die Oessentlichkeit trat. Man hatte die Turnhalle mittels einer Laufbrücke mit dem Lahnstein verbunden und in diesen Räumen eine glänzend durchgeführte Vogelausstellung untergebracht. Aber mit der Hühnerzucht war man damals in Oberhessen noch weit zurück und nur wenige Züchter konnten auf jener Ausstellung gutes Material vorzeigen. Seitdem ist es anders geworden, das zeigt nicht nur die Hühnerhaltung in Stadt und Land, sondern besonders auch die Verbandsausstellungen, deren mehrere in den letzten Jahren stattfanden. Es sind kräftig entwickelte Tiere, in denen Rasse steckt, und die auch eine gute Nachzucht gewähr­leisten. Es sind nicht mehr wenige Züchter in Oberhessen, die sich auf. dem Gebiet der Geflügelzucht auszeichnen, sondern ihre Zahl ist von Jahr zu Jahr gewachsen, dank der Anregung der Geslügelzuchtvereine.

, In den drei Tagen der Ausstellung werden hunderte von Geflügell;altern von nah und fern die Ausstellung besuchen, um dort zu lernen. Aber auch der Laie, und besonders der Tierfreund wird gern die Veranstaltung besuchen, um sich an. dem dort vorgeführten reichhaltigen Material zu erfreuen. Be­lehrend aber ist die Veranstaltung auf dem Windhof besonders für Kinder.

Verni-setzres.

Berlin, 7. Febr. Fürst Eulenburg hat gegen Justiz­rat Bernstein aus München wegen dessen Aeuß.'rungen im Moltke-Hari)en-Prvzeß Strafantrag gestellt. Seitens der Staatsanwaltschaft zur Erklärung hierüber aufgefordert, hat Jii- stizrat Bernstein geantwortet:Nach meiner Auffassung ist ein Verteidiger nicht berechtigt, wider besseres Wissen in unlauterer Absicht oder leichtfertig die Ehre eines Zeugen anzugreifen, wohl aber bat er das Recht und die Pflicht, Alles vorzubringen, was ihm nach gewissenhafter Prüfung zur Sache gehörig er­scheint. Wenn Fürst Eulenburg behauptet, daß ich über ihn be­leidigende,. unwahre, strafbare Aeußerungen getan habe, so mag er diese seine Behauptung beweisen. Dem Versuch jenes Be­weises sehe ich mit vollkommener Ruhe entgegen." Ein ver­heerender Sturm hat heute in der dritten und vierten Mor­genstunde in Berlin und Umgebung gehäuft. Allenthalben wur­den Dachziegel herabgeschleudert, so daß mehrere Passanten Ver­letzungen erlitten. Zahllose Fensterscheiben wurden zertrümmert. In der Rvsenthaler Straße wurde ein Kaufmann, als er seinem Hut nachlief, in eine Schaufensterscheibe hineingetrieben. Diese ging in Trümmer, wobei sich der Mann schwere Verletzungen zuzog. Am Oranienburger Tor rannte ein alter Herr blind­lings gegen einen Nacht-Omnibus und schlug mit solcher Ge­walt mit der Stirn gegen die Wand des Gefährts, daß er eine Gehirnerschütterung erlitt. Unter den Telegraphenleitungen sind gleichfalls erhebliche Zerstörungen verursacht worden. In der Nielbvckschen Mordsache ist auf Anordnung des Unter­suchungsrichters gestern nachmittaa eine ziveite Verhaftung er­folgt. Die frühere Geliebte des Mannes der crmiorbekn Witwe N.elbock namens Marie Trehl ist unter dem Verdacht der Mit- wffsenschaft und wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verhaftet wor­den. Smt ungefähr drei Jahren prieien Anzeigen in vielen deutschen Zeitungen ein geheimnisvolles M ittel zur Ergründung der Zukunft an. Die Leute, die ihr künf­tige Geschick erfahren wollten, tourben aufgefordert, eine Post­karte an Professor Maxim in London zu schreiben. Als Antwort erhielten sie Drucksachen, die den Kaut einer sog. Maxim-Plan- . dielte, eines ganz wertlosen Apparates zur Selb st Hypnose,

empfahl, der mit 10 Mk. berechnet wurde. Erst im Lause her Jahre und nach langen Bemühungen gelang es, so viel Be» weismaterial zu sammeln, daß jetzt der Urheber des Schwindels, der 38 Jahre alte Schriftsteller William Scott, in seiner fürstlich eingerichteten Wohnung in Schmargendorf verhaftet wer­den konnte. Zugleich wurden an fünf Stellen Haus, suchungcn vorgenomineu, die Berge 'von Material zutage för­derten.

Svtcine Tageschrouik.

In der Ziehung der Preuß. Klassenloklerie am 7. d. Mts. fielen 15 000 Mk. auf Nr. 168314, 3000 Alk. nm Nr. 133713, 50 000 Mk. auf 9lr. 189600, 3000 Mk. auf Nr. 18-106L

Unter denn Verdachte seine Kontoristin namens Isa Roth vergiftet zu haben, ivuudc der Teilnehmer einer Firma in Kreuzthal, Zimmenneister Bald, verhaftet.

Ten heutigen Berliner Morgenblätter zufolge schloß der In­haber der Bank- und Hypothekenfirma Sigmund Friedberg in Berlin sein Bureau und flüchtete nach London. Die Verbindlichkeiten sollen sich auf 2 Millionen Mark belaufen. Er war Herausgeber der ZeitungDer Ratgeber auf dem Kapital­märkte".

Arn 6. d. Mts. vergiftete sich im Damenzimmer des Bahn­hofes zu I n st e r b u r g (Ostpr.) eine junge Dame aus Königs- berg mit Lysol. Ter Bräutigam der jungen Dame, der von dem Selbstmord berichtigt worden war, trat von Königsberg ein und wurde von einer Krankenschwester an die in der Leichenhalle auf« gebahrte Leiche der jungen Dame geführt. Als die Schwester sich turze Zeit enlsernle, j ch o ß sich der B r äu t i g a m, eine Kugel in den Kop, und starb bald darauf.

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag herrschte in V o r- p o m m ern em heuiger Orkan, der viele Häuser und Dächer bei igte. Auf dem Gute Krrschbaggenerdors bei Triebses stürzte ein ^.chstall ein. Sämtliches Vieh wurde unter den Trümmern begraben; über hundert Stück Rindvieh sind teils ge­lötet, teils schwer verletzt. Bis jetzt wurden 25 Stück lebend hervorgezogen.

Aus verschiedenen Teilen Oesterreichs werden orkan- artige S (.; iiccftürnue gemeldet, die an Waldungen großen Schaden bei r.achten und Verkehrsstörungen hervorriefen. Tele­phon-- und T.tegraphenleitungen wurden mehrfach unterbrochen; der EisenbahtibLtrieb auf einzelnen Strecken eingestellt.

Bei Podwaloczyska in Galizien sind zwei Bauern mit einem) Sc.stllten im Schnee versunken und konnten bisher nicht aus den Schneenrassen herausgegraben werden.

GersehtskaaL.

[1 Marburg, 6. Febr. Wegen einer seltsamen Betrugs» a n f 1 a g e stand heule der Kausinnnn S ch l o o ß aus Jesberg vor der Strafkammer. Ihm wurde zur Last gelegt, ein Haui verkauft zu haben, das sich später als nicht dem Kaufpreis ent- Iprcchend herausslellte. Das Urteil lautete, dem Antrag des Staats­anwalts gemäß, auf Freisprechung.

Leipzig, 7. Febr. Im Spionage-Prozeß hat das Reichsgericht Hawerländer und Niemann zu je 5 Jahren Zuchthaus und Mierendorf zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Petersburg, 7. Febr. Heute abend wurde bie erneute Verhandlung des Prozesses wegen des Auslaufs der Kaiser- u a ch tStandart" abgeschlossen. Tas Gericht erkannte an, die Havarie sei infolge eines unbekannten, außerhalb des Riffes liegenden Felsens erfolgt, der auf der Marinekarte nicht vermerkt gewesen sei. Dem Ausstoß auf dem Felsen wäre weder vorzubeugen, noch zu vermeiden gewesen. Nilow sei schuldig, nicht persönlich die Richtig­keit des ihm seitens eines Untergebenen abgeftatteten Rapportes über die Passierbarkeit der Rilaksbucht geprüft zu haben. Das Gericht erkannte gegen Nilow auf einen Verweis. Die übrigen Angeklagten wurden f re i g e s p r o ch e n.

Seinen 70. Geburtstag feiert am 10. Februar bet ord. Prof, für Forslmalhematik und Vermessungskunde an der Forst- alademie zu Tharandt, Geh. Hofrat Dr. Max Friedrich Kunze. Kunze studierte an den Universitäten Gießen und Leipzig.

Reichrtagsrede der Adg. ltöhler-Langsdors.

Die Rebe, die dcrAbg. Köhler-Langsdorf am 5. Febr. ds. Js. im Deutschen Reichstage gehalten hat, liegt jetzt im Wortlaut vor. Wir veröffentlichen ihn im nachstehenden:

Köhler, Abgeordneter: Meine Herren, gestatten Sie mir ein paar Worte zur Resolution unter 9h:. 569 der Drucksachen betreffend den landwirtschaftlichen Unterricht bei den Soldaten. Zuvor will ich bemerken, daß ich meine eigene Ziesolution zurück­ziehe und an deren Stelle die Resolution wünsche, wie sie in der Kommission angenommen wurde/ Diese Resolution lautet: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, Erwägungen zu veranlassen, ob im Einvernehmen mit den landwirtschaft­lichen Behörden und Organisationen, sowie unter Beiziehung der Schulbehörden in den einzelnen Bundesstaaten, für frei­willige Teilnehmer aus den 9Nannschaften des zweiten Jahr­ganges int Reichsheer Unterricht int landwirtschaftlichen und gewerblichen Fortbildungsschulwesen eingeführt werden kann. Ich bitte Sie, diese Resolution anzunehmen, obgleich sie meinen Intentionen nicht ganz entspricht.

Meine Herren, es sind lange Jahre her, da habe ich angefangen, im hessischen Landtag dieselbe Materie zu beljanbeÜL Schon zu Neujahr 1903 reichte ich zum ersten Male den Antrag: ein: die Großh. Regierung zu ersuchen, beim Bundesrate zu. bewirken, daß er gestatten möchte, daß in den Garnisonen, in erster Linie in Darmstadt, weil dort alle möglichen Hilfskräfte vorhanden sind, solcher Unterricht erteilt werde. Leider ist es, mir damals nicht gelungen, bei der hessischen Regierung durch­zudringen, man sagte mir, weil ich zu agrarisch-radikal Dow gegangen wäre. Ich bedauere es.

Die lange Begründung, die ich damals bent Antrag ge­geben habe, will ich nicht vorlesen; aber vielleicht gestattet bei Herr Präsident, daß ich nur ein Stück davon vorlese. Es war im Jahre 1903, und die Notlage der Landwirtschaft war noch mehr vorhairden als jetzt. Freilich, sie ist noch nicht be­seitigt, die Notlage der Landwirlschaft besteht noch, wie ich betone, und zwar in bezug auf den Arbeitermangel. (Sehr wahr! rechts.) Die Begründung meines Antrags begann mit den Worten:

Die gegenwärtige 9h)tlage im landwirtschaftlichen Gewerbtz - hat

darin gehe ich einig mit allen Parteien

zu allermeist ihren Grund darin, daß die große Masse des Bauernstandes zu ihrem Berufe theoretisch nicht genügend vorgebildet ist, vielmehr träge und interesselos im alten Schlendrian den Spuren einer vergangenen Zeit folgt, die andere Ziele und Interessen hatte als die gegenwärtigen Tage radikalster Umwälzung auf allen Lebensgebieten. Die vermehrte Erkenntnis in Anwendung der Naturkräfte, des Dampfes, der Elektrizität usw. hat im nun abgeschlossenen 19. Jahrhundert ungeahnte Umwälzungen im öffentlichen Ver­kehr, in Handel und Wandel herbeigeführt. Anders sind alte Lebensbcd.ngung^n und Beziehungen geworden. Anders mußte der einzelne Mensch, der einzelne Beruf, die gesamte kulturelle Menschheit sich einrichten, um den anders ge­arteten Verhältnissen sich anpassen zu können. Dem öf feilt» lichen Wesen wurden mit dem aufs gründlichste umgestalteten Verhältnissen andere Bahnen gewiesen. Wie ein reißender Strom brach die neue Zeit über die alte herein. Und alles mußte stürzen, n>as ihm entgegen sich stellte. Am besten aber verfuhren diejenigen, die ihre Zeit begriffen hatten, die den Strom der neuen Zeit nicht allein nicht hemmen, son­dern ihn sich dienstbar zu machen suchten, weise seine immensen Kräfte ausnützend.

So war es denn erstlich der Handel, der Welthandel und die Industrie, die, ausgeübt von den Unterrichtetereni der Nation, alle Stätte der neuen Zett zu Httfe nahmen.