Jagdschloß Wolfsgarten, 6250 Mk. für eine Wasserversorgungsanlage in Jagdschloß M v n ch b r u ch und 31050 Mark 'im Großh. Palais zu Mainz angefordert werden, lieber Kap. 12, direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen berichtete Abg. Reinhart. Die Veranschlagung der direkten Steuern konnte diesmal wieder um 612 000 Mark höher erfolgen und ihr Gesamtertrag stellt sich auf 14 298 000 Mark. Bei der allgemeinen Erörterung des Steuerkapitals wurden von den Ausschußmitgliedern verschiedene Anregungen gegeben, die bei der gemeinsamen Beratung mit der Regierung in Erwägung gezogen werden sollen, so die Bekanntmachung der Namen von solchen Steuerdefraudanten, die für ihr Vergehen bestraft worden sind, eine Vergütung für die Vditglieder der Steuer-Veranlagungskommissionen, eine Beschleunigung der Arbeiten der Landeskommission usw. Abg. Molthan beantragte bei dieser Gelegenheit u. a. auch eine Besserstellung der Schreibgehilfen. Die Verhandlung über dies Kapitel wird morgen fortgesetzt werden.
Der (Petit io ns-) Ausschuß der 2. Kammer beschäftigte sich heute weiter mit den Vorschlägen auf eine bessere Entschädigung der Schachtelmacher und hatte dann eine sehr eingehende Debatte über die Vorstellung des Gemeindevorstandes von Seligenstadt, betr. die Beseitigung der Konfe s s ionsschulen zu Seligenstadt. Der Gemeindevorstand richtete an die Kammer das Ersuchen, die Aufhebung der evangelischen Konfessionsschule daselbst als eine ungesetzliche Maßnahme der Regierung SU erklären und letztere zu ersuchen, die unter Protest des Gemeindevorstandes aufgehobene Konfessionsschule wieder in's Leben zu rufen. Die Aufhebung der evang. Schule erfolgte, weil der Gustav Adolf-Verein die weitere Aufbringung der Mittel dafür verweigert hatte und infolge der über 50 angewachsenen Schülerzahl die Uebernahme der Schulkosten auf die politische Gemeinde verlangt werden kann. Zu der heutigen Beratung war vom Ausschuß auch der Zentrumsabgeordnete Hebel hinzugezogen worden. Ein endgültiger Beschluß über die Sache soll jedoch erst am Freitag in gemeinsamer Beratur.«, mit der Regierung gefaßt werden.
Are Zerlegung der Fersonen-Kattcstcüe zu OaröenLeich.
Die schon erwähnte Eingabe an die 2. hessische Ständekammer von Bewohnern Steinbachs gegen die Verlegung der Personenhaltestelle Garbenteich lautet in der Hauptsache:
Die 175 unterzeichneten, zum größten Teil der werktätigen und arbeitenden Bevölkerung Steinbachs angehörigen Interessenten erlauben sich, Hoher Ständekammer die nachfolgende Bitte und Vorstellung zu unterbreiten: Seit einiger Zeit kursiert hier ein leider nunmehr auch von kundiger Seite als begründet bestätigtes Gerücht, das wir int Anfang kaum glauben zu dürfen vermeinten, das aber nunmehr, wie in unserem Nachbarorte Garbenteich, so insbes. auch hier in Steinbach, eine ganz außerordentliche und tiefgehende Entrüstung, ja Empörung, über die uns drohende Beeinträchtigung unserer Lebensinteressen hervorgerufen hat.
Wir betonen ausdrücklich: unserer Lebensinteressen! Denn nicht etwa bloß der Gedanke veranlaßt uns zu dieser Vorstellung, daß dasselbe Steinbach — seit Jahrhunderten der größte Ort der Umgegend — über das 1871 die Bahn Gießen—Gelnhausen zu führen geplant war, und dem dieser Vorzug infolge von allerlei hier nicht näher zu erörternden Vorkommnissen wieder abspenstig gemacht worden ist, nunmehr „noch weiter abseits" von derselben Eisenbahn zu liegen kommen solle, für deren Erbauung es seinerzeit mehr als 40 000 Mark beigefteuert hat und noch immer jährliche Beiträge zahlt: foiiöent vielmehr, daß Steinb ach seiner Personen-Ha ltestelle einfach vollständig verlustig gehen soll! .
Tenn darauf kommt schließlich die geplante Verlegung der Personen-Haltestelle an einen Ort, der ca. 20 bis 25 Minuten von den äußersten jenseitigen Häusern Garbenteichs entfernt liegt, hinaus: Sie bedeutet für unsere große und zahlreiche werktätige und in Gießen Arbeit und Lebensunterhalt suchende Bevölkerung den V e r- lust ihrer Eisenbahnstation und ihres Arbeitsverdienstes!
Diese schwerwiegende Tatsache kann und darf nicht übersehen werden. Sie darf vor allem nicht von feiten derer, die jenen Plan ausgedacht haben weil dieser Plan nun einmal entworfen ist, abgeleugnet werden. Denn es handelt sich um vitale Interessen einer ganzen großen Bevölkerung. Tenn indem sich der jetzt bereits' gegen 3y2 Kilometer lange Weg von Steinbach bis Garbenteich-Bahn- hos um 2 bis 2V2 Kilometer verlängert, bringt seine Benutzung in Verbindung mit der um 2 Kilometer verlängerten und entsprechend öcrlcucrfcn Bahnfahrt und dem Ab- und Zugang von und nach dem Bahnhof zu Gießen keinerlei Vorteil mehr! Wir „gehen" eben so bequem oder vielmehr unbequem den 8 Kilometer langen Weg nach Gießen direkt. Mit anderen Worten: gerade die älteren und gediegeneren Handwerker werden dura) die Länge des Weges -von jeher Arbeitsbetätigung und jedem Broterwerb in Gießen ausgeschlossen fein. Eine neue Chaussee aber von 4 Kilometer Länge von Steinbach nach der geplanten Station für 40000 Mark zu erbauen und dadurch wieder um einiger Vorteile willen, die die Bahnverwaltung vielleicht von der Verlegung der Haltestelle für sich erwartet, denjenigen Zustand aufs neue „erkaufen" zu sollen, welchen wir jetzt schon besitzen: solches von uns zu verlangen, würde uns fast wie ein Hohn auf jegliches Gerechtigkeitsgefühl anmuten. Zudem ist Steinbach nach Lage seiner Finanzen hierzu gar nicht imstande; auch ist solcher Weg- bau schon deshalb ein Ding der Unmöglichkeit geworden, weil durch die Feldbereinigung zu Garöenteich der seitherige, auf den Generalstabskarten unrichtiger Weise noch verzeichnete Weg von Steinbach nach Grüningcn in der bereinigten Feldgemartüng iaffiert worden ist. Die dem- nach erforderlichen Landantaufe würben toieberitm der- artige Summen verschlingen, daß sie mit jenen Baukosten zusammen rem unerschwinglich sein würden. Es wirb uns freilich erwidert, Steinbach erhalte zufolge des neuen Projekts ferne eigene Auslade-Rampe, die wie für Garben- terch, Watzenborn-Sternberg, DorsGilt und Grüningen, von großem Vorteil auch für unser Dorf fein werbe. Dem ist entgegenzuhalten: Wie für die anderen genannten Dörfer, fo sind diejenigen Beduesnisse, welche in ganzen Waggou- Ladungen bezogen werden, auch für Steinbach fo geringfügig, daß sich nm ihrer willen, die Aufwendung der
Hess. 1. Kammer. Der Fürst Jost Christian zu Stolberg-Noßla wird zur bis Vollendung seines 25. Lebensjahres, am 28. Dezember 1911, als Mitglied der 1. Hess. Kammer auch fernerhin durch seinen Oheim, Grafen Kuno zu Stolberg-Roßla vertreten.
•• Vom hessischen Briefadel. Der kürzlich erschienene 2. Jahrgang des Gothaischen Taschenbuches der briefadeligen Häuser weist gegen 300 neue Familien auf, nachdem der erste Jahrgang an 500 gebracht hatte. Unter diesen befinden sich folgende, die im Großherzogtum Hessen verbreitet sind: Bauer von Bauern, Bechtold, Becker, Boehmer, Buderus, Chrismar, Colomb, Grolinan, Hahn, Hclniolt, Herfß Hessert, Joeden, Kayser, Ktipstbln, Krug von Nidda, Le Coq' Niackensen, Nathusius, Ochsenstein, Öetinger, Olberg und Schaumann. Unter „Briefadel" werden die Familien verstanden, die die Führung ihres AdelSprädikats einem Er- hebungs- oder Bestätigungsdlptom eines der Herrscher des alten deutschen Reiches oder eines Landesfürsten verdanken.
Aus S.uoe uno Luno.
Gießen, 9. Jan. 1908.
Vad Nauheim und Bad Salzhausen im Staatsvoranschlag.
Der Etat der Badeanstalten Bad Nauheim und Bad Salzhaiisen führt die Einnahmen und Ausgaben jenes Bades auf mit 1301000 M. und 1165187 Mk. und die des letzteren mit 21812 Mk. und 57 625 Mk. Bad-Nauheim ergibt gljo einen Ueberschuß von 135 813 Mk., Bad Salzhausen verlangt einen Zuschuß von 35 813 Mk.; der bei Vergleich beider Abschlüsse, also nach Deckung des Zuschusses für Bad Salzhausen aus dem Ueberschuß von Bad-Nauheim, verbleibende Restüberschuß von 100 000 Mk. fließt wie bisher der Staatskasse $ur Deckung allgemeiner Staatsbedürfnisse zu. Daneben konnte in dem Bad-Nauheimer Etat bei den stetig steigenden Einnahmen des Bades eine Ablieferung an den Erneuerungsfonds Bad-Nauheim von 240 527 Mk., 44 923 Mk. mehr als in 1907, vorgesehen werden. Letzterer Fonds, der die Verzinsung und später auch die Tilgung der sich demnächst auf etwa rund 9 800000 Mk. belaufenden Anleihen für die großen Bad- Nauheimer Bauten und die Gruppenwasserversorgung Bad- Nauheim zu gewährleisten hat, wird sich Ende des Etatsjahres 1907 auf rund 1 111300 Mk. stellen, wobei zu beachten ist, daß ein schon früher er f al teuer Erlös aus Verkauf von Salinen gelände im Betrage von runb 40000 Mark direkt zur 'Deckung von Neubaukosten verwendet wurde. Die Bauausgaben werden sich bis zum gleichen Zeitpunkt (Ende 1907; auf etwa 6 000 000 Mk. belaufen und es wird bann ein dem entsprechender Anleihebetrag zu ihrer Deckung ausgenommen )cin. Im Zusammenhang hiermit sei vorgreifend bemerkt, daß im Vermögensteil des neuen Hauptvoranschlags als 5. Baurate für die Neubauten zu Bad-Nauheim 629 700 Mk. angefordert werden. In diesem Betrage sind die durch besondere Regierungsvorlage angeforberten Mehrkosten des Konzertsaales auf der Terrasse mit 195 500 Marr einbegriffen; sodann sind, zum Teil in Abweichung von dem ursprünglichen Bauplan, zum Teil auch als Erweiterungs- und Ergänzungsanlagen von dem Betrieb schon übergebenen Neubauten usw., vorgesehen : der Rohbau und innere Ausbau der Badehäuser IX und X (Süd) mit 86^Zellen, der Ausbau des Äfermal- röhrenkanals von der Sprudelkammer nach Badehaus VIII und von Sprudel XIV nach Badehaus IX (Nord), die Beschaffung von Reservemaschinen für die Tamvfwasch- anstalt, die Erweiterung der Eisfabrik durch Ausstellung einer zweiten Eismaschine usw. Infolge der veränderten Lage des Geldmarktes soll die Verzinsung dieser, sowie der auf Grund früherer Verwilliguugeu nach Schluß des Rechnungsjahres 1907 aus den Anleiyemittelu der Haupt- staatskaste dem Erneuerungsfonds je nach Bedarf weiter zu überweisenden Beträge r.tii 4 Prozent, statt bisher Zi/-» Prozent, vom Tage der Ueberweisung an aus dem genannten Fonds erfolgen.
hohen Kosten der Erbauung einer Rampe und der Verlegung des Bahnhofs nicht rechtfertigt. Watzenbom-Stetn- berg liegt fast näher nach Großen-Linden als nach der neu projektierten Auslade-Rampe; Dorf-Gill hat bereits seine Auslade-Rampe in dem nahen Hof-Gill bezw. Mu- fchenheim; das kleine, kaum 700 Einwohner zählende Gru- ningen müßte erst eine Chaussee in weitem Bogen durch ein tiefes Tal und über einen hohen Berg erbauen und bat bereits Rampe und Haltestelle zu Lang-Gons; und für Steinbach liegt die Sache so, daß die seither von uns benutzte 2luslade-Rampe zu Lich nach wie vor näher und bequemer zu erreichen sein wird, als die in der Nähe der Kreis-Wasenmeisterei im freien Felde projektierte neue Rampe. Die Wasenmeisterei aber kann ihre Steinkohlen so gut in Lich holen wie auf dem Umweg über Garbenteich von der projektierten Rampe.
Indem demnach deren Erbauung nur den Ackerbesitzern von Garbenteich, die ihre dort gelegenen minderwertigen Liegenschaften zu teuren Preisen losschlagen können, und den Garbenteicher Maurermeistern und Bauunternehmern zu gute kommen, für den Eisenbahnsiskus jedoch vollständig unnötige Kosten verursachen würde; indem vielmehr die nur mit weiteren hohen Kosten mögliche Verlegung der Personen-Haltestelle in jene angenehme Nachbarschaft der Kreiswasenmeisterei — angenehm auch für die Bahnbeamten — auch noch das im Gefolge haben würde, daß die mehr als hundert Fahrgäste aus Steinbach, welche täglich die Eisenbahn benutzen, unbedingt hinwegsallen würden; indem aber solche Verlegung schließlich im Grunde eine Verletzung der Lebensinteressen unserer ganzen über 1000 Seelen zählenden Bevölkerung bedeutete: |o erlauben wir uns, der Ständetämmer die Bitte zu unterbreiten: sie wolle der geplanten Verlegung der Personen-Haltestelle Garbenteich ihre Genehmigung versage n.
Soll und muß wirklich eine Auslade-Rampe erbaut werden, so kann fie bei gutem Willen sehr wohl auch in der Nähe der gegenwärtigen Personen-Haltestelle ihren Platz finden, um fo mehr, als letztere in den jüngst vergangenen Jahren durch so und so viele kostspielige Neu- und Anbauten er ft erweitert worden ist, und als eine Auslade-Rampe wohl kaum im Interesse der Kreis-Wasen- ineifterei in deren Nähe zu sein braucht, da bekanntlich Tierkadaver mit der Eisenbahn nicht befördert werden. Soll und muß sie indessen in dieser Gegend errichtet werben, so ist wenigstens zu erwarten, daß die Personen- Haltestelle dort, wo sie «ich zurzeit befindet, verbleibt und nicht, um etwa einen Bahnbeamten zu sparen, Kosten verausgabt werden, die für den Eisenbahnfiskus wie für sämtliche interessierte Gemeinden keinerlei Nutzen, im Gegenteil nur unermeßlichen Schaden bringen.
** Der Voranschla g des staatlichen Braun- kohlenberg Werks Ludwigsho f f nung enthält nach erfolgter Einstellung des Betriebs auf dem alten Werk jetzt nur noch die Einnahmen und die Ausgaben des neuen Werks mit Preßsteinfabrik bei Wölfersheim, er beziffert jene auf 237 976 Mk. 50 Pfg., diese — einschließlich einer Abführung an den Erneuerungs- und Geländeankaufsfonds von 39 040 Mk. — auf 197 068 Mk. und schließt sonach mit einem Ueberschuß von 40 908 Mk. 50 Pfg. ab. Das Anlagekapital des Werks von 929 200 Mk. verzurst sich danach zu 4,4 Prozent und bei Berücksichtigung auch einer 3i/2prozentigen Rente des zu 390 000 Mk. angenommenen Werts des Kohlenlagers zu 2,93 Prozent.
** Pfarrpersonalien. Ernannt wurden: Pfarrvikar Müller zu Lampertheim zum Pfarrassistenten in Heppenheim, Dek. Zwingenberg; Pfarrverwalter Mayer zu Altenschlirf zum Pfarrvikar in Münzenberg; Pfarrvikar Gö11ert zu Judenburg-Zeltweg zum Pfarrverwalter in Altenschlirf; Pfarrverwalter Siebener zu Groß-Gerau zum Pfarrverwalter in Büttelborn; Pfarramtskandidat Widmann zu Darmstadt zum Psarrassistenten' in Osthofen (mit dem Wohnsitz in Rhein-Türtheim) ; Pfarramtskandidat Winkelmann zu Darmstadt zum Pfarrassisten- ten für Griesheim und Arheilgen (mit dem Wohnsitz in Griesheim); Psarramtskandidat Reichert zu Nieder- Wiesen zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle in Groß- Gerau; Pfarramtskandidat Kl i n g e l h ö f f e r zu Lich zum Pfarrvikar in Hühnlein; Pfarramtskandidat Döll zu Offenbach zum Pfarrassistenten in Mühlheim; Pfarramtskandidat Stadler zu Friedberg zum Pfarrverwalter in Fauerbach, Dekanat Friedberg; Pfarrassistent Wöriß- h off er zu Neuhausen-Worms zum Psarrassistenten in Dietzenbach; Pfarrverwalter Reichert zu Westhofen zum Pfarrverwalter in Ober-Lais; Pfarrverwalter Glock zu Wallenrod zum Psarrassistenten in Worms; Pfarrvikar Sic. Gaul zu Beedenkirchen zum Pfarrverwalter daselbst; Pfarramtskandidat Doering zu Breungeshain zum Pfarrverwalter in Wallenrod. Die Schlußprüfung im November 1907 haben bestanden: Wilh. Döll zu Offenbach a. M., Hch. Doering zu Breungeshain, Ludw. Klingelhöf- f e r zu Lich, Karl R e i ch e r t zu Nieder-Wiesen, Jos. Stadler von Handzell zu Friedberg, Wilh. Trautmann von Hangen-Weisheim zu Kettenheim, Rud. Widmann von Büdingen zu Darmstadt, Erich Winkelmann von Danzig zu Darmstadt. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evang. Pfarrstelle zu Bauschheim; die evang. Pfarrstelle zu Jugenheim, Dekanat Mainz.
•• Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirtorf.
** In der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrich- stein befanden sich am Jahresschluß 104 Arbeits- bezw. Stellenlose, darunter 14 Hessen. Nicht weniger als 40 davon Waren Arbeiter, ferner 7 Schlosser, 7 Maurer, sechs Schreiner, je 3 Kaufleute, Knechte, Schuhmacher, Schneider, Schweizer und Zimmerleute, je 2 Landwirte, Anstreicher, Korbmacher, Klempner, Schreiber und Weißbinder, je ein Spengler, Bäcker, Gärtner, Dreher, Uhrmacher, Friseur, Hausdiener, Schornsteinfeger, Lehrer, Buchbinder, Vergolder, Brauer, Stellmacher und Steinbrecher. Der Zugang im Dezember betrug 26, der Abgang 14 Mann. Entlassen Würben auf eigenen Wunsch 6, in Arbeit gingen durch die Kolonie 2 und durch eigenes Bemühen einer, 2 wurden Wegen Kontraktbruchs und ebensoviel wegen Arbeitsscheu entlassen, ferner einer Wegen Krankheit. Seit Bestehen der Kolonie wurden 6255 Leute in sie aufgenommen.
** In Am erika verstorbene H e f f e n. Frau Katharina Trebert aus Romrod, 74 Jahre alt, zu Rochester, N.-Y. — Baufchreiner Krnr. Haas aus Bensheim, zu Akron, O. — Jakob Knapp aus Heppenheim, zu Akron, O. — Joh. Hockfpeier aus Gundersheim, 49 Jahre alt, zu Alta Vista, Iowa.
4- Klern-Li nden, 8. Jan. Die hiesige Heimatvereinigung veranstaltet nächsten Sanlstag abend 8l/i Uhr auf der „Burg" einen Volksunterhaltungsabend mit Theater, deklamatorischen Vorträgen und musikalischen Darbietungen des Zitherkränzchens.
X Weickartshain, 8. Jan. Unsere Gemeinde, die dem Verband der evang. Pfarrei Merlau und innerhalb dieser beftt Kirchspiel Flensungen angehört, wird am 1. April eine selbständige Filialgemeiude werden. S. K. H. der Großherzog hat der Aenderung schon zn^estimmt und an der noch ausstehenden Genehmigung der Landessynode ist nicht zu zweifeln.
-t-Friedberg, 8. Jan. Eine ungewöhnliche Verminderung der Zahl der Singvögel ist hier wahrzunehmen. Auf Futterstellen, die in früheren Wintern von Schwärmen der verschiedensten Vogelarten ausgesucht Waren, haben sich trotz der weitausgebreiteten Schneedecke nur Wenige Sänger eingefunden; wo früher 16 bis 20 Buchfinken und Amseln sich Futter holten, sind deren jetzt nur 2 bis 3 vorhanden. Die schlanken, lebhaft gefärbten Bergfinken fehlen gänzlich, ebenso die Drossel und die muntere rundliche Blaumeise. Die Haubenlerchen und die Goldammern, sonst in kleinen Trupps auf den Straßen anzutreffen (wo sie beim Aufsuchen des Futters nicht sehr wählerisch vorgehen), sind jetzt nur ganz vereinzelt sicht- bar. Auch im Wald, in dem um diese Zeit die kleinen beweglichen Bergmeisen die Nadelgehölze mit dem leise gepfiffenen wie? Wie? abzusuchen pflegten, ist es auffallend still und leer. Welche Ursache dem zu Grunde liegt, ist nicht bekannt.
** Aus dem Kreis Alsfeld, 7. Jan. Mit Genehmigung der Ersatzbehörden ist ein neuer Ausheb - u n 3 $ * u u d Musterungsbezirk Homberg mit folgenden Orten gebildet worden: Appenrod, Bernsfeld, Blei- denrod. Büß selb, Burg-Gemünden, Dannenrod, Deckenbach, Erbenhausen, Gleimenhain, Gontershausen, Haarhausen, Hö- Hamberg, Lehrbach, Maulbach, Nieder-Ofleiden, Ober- Oflerden und Schadenbach. Die übrigen Orte des Kreises bltnben bet dem Musterungs- und Aushebungsbezirk Alsfeldt < axn$' 7- Jan. Der seitherige Vorsitzende der Handelskammer, Herr Dr. Otto Ga stell, hat der Kammer mitgeteut, daß er infolge zu großer geschäftlicher Jnan- lpruchnahme und mit Rücksicht auf seine Gesundheit sich veranlaßt sehe, den Vorsitz nieder zulege n und mit beni 1. Januar aus der 5tammer auszuscheiden. Gleich- zetttg gab er seiner Anhänglichkeit an die Kammer dadurch Uusdrnck daß er in hochherziger Weise als Grundstock für die Errichtung etnes be,onderen Gebäudes für die Harrdelslehranstalt ein Kapital von 50 000 Marl iur Verfügung stellte.


