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6.2.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Donnerstag 6. Februar 1908

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158. Jahrgang

Nr. 31

Der Sietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag?. Beilagen: viermal wöchentlich SictzenerKamilienblätter; zweimal wöchenll.NieiL- vlatt für den Kreis Gietzen (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. Land­wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Verantwortlich

.. ,, General-Anzeiger für Oberheffen WW oo^mittagFiou^ RotatlonsdruS und Verlag der vrüh?schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Anze.gemeü-^^BeL

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Portugal.

Die Leichen des Königs und des Kronprin­zen sind nach der Schloßkapelle gebracht worden, deren Wände schwarz angeschlagen und mit Wappen und silber­nen Pruntsachen geschmückt sind. Die Leiche des Königs, in Admiralsunisorm, liegt auf einer Bahre, da der Sarg noch nicht fertig ist, die Leiche des Kronprinzen, die durch die Wunden entstellt ist, liegt, mit der Uniform eines Ulaucn- rittmeisters angetan, in einem prächtigen Holzsarg mit goldenen Handgriffen. Ueber beide ist die Nationalflagge gebreitet. Im Palais werden fortgesetzt Messen gelesen. Alle Viertelstunde erklingt das Totengeläut, das von der Kathedrale und anderen Kirchen ein düsteres Echo findet. Beide Königinnen verbrachten die Nacht bei den Leichen.

Die Verhandlungen zwischen Frankreich, Eng­land, Spanien und Italien über ein etwaiges Ein­greifen in Portugal waren, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, eingeleitet, sind aber abgebrochen worden, als man in Paris sah, daß Deutschland darin einen unfreundlichen Akt erblicke.

Tie Meldung desGaulois", daß König Eduards jüngstes Schreiben an Dom Carlos, das die Königin Amalie aus London nach Lissabon mitbrachte, ernste War­nungen zurVorsicht enthielt, ist dahin zu ergänzen, daß dem König auch von einem anderen Mon- a r ch e n und zwar einige Tage nach Ankunft der Königin in Lissabon deutliche Winke über den Bestand einer Ver­schwörung zugingen.

Das Madrider BlattEl Mundo" berichtet aus Lissa­bon, trotz scheinbarer Ruhe gäre es dort über- a l L Man befürchtet, daß Armee und Marine sich an den Unruhen beteiligen werden. Die Republikaner erinnern daran, daß der jetzige Kabinettschef Ferreira gelegent­lich einer Meuterei, die seinerzeit auf demVasco de Gama" und demDom Carlos I." ausgebrochen war, sein Versprechen, die Meuterer zu begnadigen, nicht ge­halten habe. Weiie berichtet das Blatt, daß die Auf­wiegelung der Bevölkerung in Portugal tat­sächlich denRepublikanern zuzuschreiben sei: die revolutionäre Partei habe nur die Verantwortung hierfür übernommen. Das BlattHeraldo" berichtet, daß der progresfistifche Dissident Alp uin aus Lissabon ge­flohen und am 30. Januar in Spanien eingetroffen fei. Alpuin habe erklärt, daß die Ermordung des Königs und des Thronfolgers die Folge eines spontanen Ausbruches der Volkswut ohne Intervention einer Partei sei; der Hauptschuldige sei Franco. Aus Lissabon kommende Reisende berichten, es sollen Graf Ribeira und an­dere aristokratische Flüchtlinge, deren Väter ein­gekerkert oder mit Deportation bedroht wurden, geschworen haben, Franco zu töten. Sie suchten ihn auf, konnten ihn aber wegen der guten Bewachung nicht erreichen. Sie schworen alsdann, den König und die Prinzen zu ermorden. Der Sohn des Grafen schoß auf den könig­lichen Wagen. Er befand sich an der Spitze der Königs­mörder. In seinem Palaste ist eine strenge Haussuchung

Hermann Zilcher als Komponist und ein Kolonialschwank.

Ans Frankfurt a. M. wird uns geschrieben:

Am Montag hat der Cäcilienverein (Dirigent: Prof. Grnter) an einem heimischen, aber schon trotz seiner Jugend weit über Frankfurt hinaus (in Gießen als Begleiter Dr. Wüllners am Klavier. D. Red.) bekannten Komponisten Patendienste getan. Er Hut Hermann Z i l ch e r s Oratorium ,R e i n h a r 1" zur Ur» Aufführung gebracht und mit dieser Aufführung den Frankfurter Mnsiksrennden Gelegenheit gegeben, ihrer Sympathie für den als Pianist und auch 'menschlich sehr hochgeschätzten Tondichter leb- haitesten Ausdruck zu verleihen. Das Konzert <ont) im großen Saale des Saalbanes statt, dem größten, den wir haben; aber es war fast kein Platz unbesetzt und der Beifall der zahlreichen Zn° Hörer war nach jedem der drei Teile ungemein stark, so daß Zilcher jedesmal aus seiner Loge herunter in den Saal kommen und am Podium den Tank der Zuhörer entgepennefanen mußte. Das Werk, bereits vor 4 Jahren entstanden, ist eine Art Tannhäuser' Legende: ein trotziger, selbstbewußter Ritter muß sein ungestümes Liebesverlangen und sein jähes Anstürmen gegen den Himmel in einem langen Leben ruhelosen _ Umherpilgerns büßen, bis endlich sein Sinn lotueit gcLäutiTt ist, daß er bet Gnade teil­haftig wreden kann. Als Symbol gilt ein Gottesurteil: der Ritter soll ein Fäßchen aus ixr heiligen Quelle mit Wasser füllen. So lange er unten fertig ist, gelingt es nicht. Als aber die innere Läuterung soweit vorgeschritten ist, daß seinem Auge die Träne entströmt, da wird das Werk vollbracht: Das Fäßchen füllt sich mrit dem heiligen Naß und der Ritter, der jetzt cm müder alter Pilger geworben ist, kann unter den Segenswünschen der einst so trotzig begehrten Frau zur ewigen Ruhe eingehen. Ter Stoff -ist einer bretonischen Legende entnommen. Ter Textdichter, Her- 'mann Stieglitz, hat aber lein sonderlich fesselndes Buch tzefäwicben. Die Verse sind oft holprig, der Sinn recht unklar. Zilchers an Wagner und Schumann gebildete Tonsprackie erhebt sich nament­lich int zweiten Teile zu bemerkenswerter Schönheit, zumal m den Chören und in einem Altsolo, starte persönliche Züge freilich »ermißt man an der Partitur, die das Werk eines mit allen Mitteln moderner Tonspraä-e vertrauten, vornehmen und ernsten Tonkünstlevs ist. T..C. Au,iührung war sehr respektabel, wenn mch besonderer Feinheiten entbehrend.

Daß d.r SchwankBei und d a brühen" von Max Reimann (dem beliebten Mitgliede unseres Schauspielhauses) inb Otto Schwartz, der am 4. seine sog. Uraufführung am Echaujpnihauie erlebte, einen Triunrphzug über die deutschen Aühnen antreten wird, kann man billig bezweifeln und man gehl launi fehl, wenn man ben lauten Erfolg der Erstaufführung zu duf Kosten des Verfassers, $u 1/i) aus ttoften des wohltätigen Zweckes, beim die Vvrs^Uüng biente* * ytti> nur zum letzten Fünftel

vorgenommen worden. Einer der getöteten Königsmörder ist Manuel dos Reis Silva, ein Feldwebel außer Diensten, der geschickteste Schütze Portugals, der viele Schießpreise gewonnen hatte. Die Haussuchung beim frühe­ren Minister Grafen Ribeira hat nach eine- ande­ren Meldung zwar Wahrscheinlichkeit dafür ergeb"n, daß er bei einem erwarteten Lissaboner Aufstande seinen per­sönlichen Anhang mit Waffen ausgerüstet haben würde, aber eine direkte Teilnahme an den Vor­bereitungen zum Königsmorde konnte bisher wenigstens dem Grafen nicht nachgewiescn werden.

Nach einer Madrider Meldung veröffentlicht die portu­giesische Regierung eine allgemeine Amnestie. Alle politischen Gefangenen werden frcigclasfen und alle dikta- toriichen Gesetze abgeschasst. Einer Lissaboner Meldung zufolge soll nach dem Leichenbegängnis des Königs und des Kronprinzen eine Anzahl der gefährlichsten Ver­schwörer hin gerichtet werden. __________

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 5. Febr.

Der Sch lüft der Mitttärdebatte.

Zum Schluß der General-Disrufsion über den Etat des Heerwesens hatte das Haus heute die Gelegenheit, zwei hervorragende Reden zu hören, die, obwohl die beiden Redner auf dem gemeinsamen Boden landwirtschaftlicher Berufstäcigteit und nationaler Gesinnung stehen, in ihrem Gci^e und ihrer staatsmännischen Ausfassung sich diametral widersprachen. Der Abg. v. Oldenburg suchte fast demonstrativ urbi et orbi zu Hirne zu führen, daß er die staatliche Wohlfahrt nur in der Richtung erblicke, wie er es als preußischer Gardeleutnant getan hat, als er nicht begreifen konnte, wozu neben einem Kaiser, König und seinem Kanzler noch ein Reichstag nötig sei; daß er selbst heute diesem hohen Hause angchöre, ändere nicht viel an seiner Auffassung.

Von denselben Gesichtspunkten ausgehend glaubte der Abg. Koehler-Langsdorf dasselbe Ziel auf einem ganz anderen Wege zu <rav\.';- In seiner vorrresjiichen Rede führte er aus, daß die Ziele staatlicher Entwick­lung und'Kultur nimmermehr unter dem Einflüsse des preußischen Junkertums zu erreichen seien, welches nicht einmal imstande war, das Vaterland vor der Aera Ca­privi zu bewahren, die es an den wirtschaftlichen und demzufolge auch an den politischen Abgrund gebracht hätte. Im Gegensatz hierzu erblickt der Abg. Koehler-Langs­dorf das Heil des nationalen Staates lediglich in der parteipolitischen Betätigung einer freiheitlich gefirmten volkstümlichen Bürger- und Bauernpartei. Diese Partei, welche in Herz und Sinn eines jeden praktischen und pa­triotischen Politikers läge, werde leider durch das gegen­wärtige Parteiwesen hintangehalten, aber sie wird kommen, weil sie kommen muß.

Was den Antrag der Kommission anlangt, in den Ka­sernen der Mannschaften landwirtschaftliche Vor­träge zu halten, so begrüßt der Redner denselben mit Freuden. Er erblickt hierin nicht nur den Versuch einer Fortbildung landwirtschaftlicher Technik für die junge länd­liche Generation, sondern eine Maßnahme, das Interesse,

auf Kvsten des Stückes setzt. Ja, von diesem letzten Fünftel geht sogar noch ein erkleckliches Stück lediglich auf die Rechnung der Darsteller, bic sich dem Kollegen zuftebe besonders anstrengten, an der Spitze Arthur Bauer in einer komischen Rolle. Neu ist dieses Milieu, ein Milieu, an dem die Schwankdichter bis­her seltsamerweise Oorociaegaiigcn sind, trotzdem es sehr dankbar ist: Tas Ko lo n i a 1-Milieu. Zusammengefägt ist der Schwank ohne viel Skrupel au5 gangbaren Schwan Uno civen und -Figuren. Der metier-kundige Reimann hat eine große Menge nnrfiiimcr Bühncnlrcks, zum Teil sogar für die besonderen Darsteller unserer Bühne berechnet, hier angebracht, und so ist ein Ganzes zustande gekommen, das man als anspruchslos lustige Gabe eines Abends ohne viel Nachdenken wohl hinnehnien kann. Ausstattung und Aufführung waren sehr wirkungsvoll. Dr. G. Z.

*

Aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages von D. Fr. Strauß batte der Historische Verein in Ludwigsburg dem Geburts- und Sterbe­ort des großen Kritikers eine Gedenkfeier veranstaltet, zu der zahlreiche Verehrer, zum Teil ans weiter Ferne, herbeigeeilt waren. Auch die Familie res Gefeierten war durch mehrere Mitglieder vertreten; il a. waren Strauß' Tochter, Frau Geh. Bergrat Georgine Heusler aus Bonn mit ihrer Tochter und ihren Söhnen, Dr. Fritz Heusler aus Dillenburg und Dr. Otto H. aus Bonn erschienen, ebenso sein Sohn, Unterarzt Fritz L-trauß, zurzeit an der Charite in Berlin, und seine Tochter Georgine.

Kleine Chronik aus Kunst undWissenschaft. Ter württemb. Siaatsanzeiger veröffentlicht em Ausichreiben des Finanzministerium und der Hoidomänenkammer zu einem Wett­bewerb für das neueOpernhaus und das neue Schau­spielhaus auf dem Platze des bisherigen Boiamschen Garlens zu S t u 11 g a r t. Zu dem Wettbewerb sind neben einer besonderen Aufforderung verschiedener im Theaierbau besonders erfahrener Architekten sänttliche württembergijche Archilekien emgelaben. füllt dem Neubau des Opernhauses soll wenn möglich 1009 begonnen werden. InLeipzig sand D i e W e 11 d e s S ch w i n ö e l 5 a, ein fünfakliges, bisher nicht aii'geiührteS historisches Lustspiel von Rudolf v. G o t t s ch a 11, das m erster Fassung bereits vor fünfzig Fahren entstanden ist, bei seiner Uraufführung eine sehr freundliche Aufnahme. Ter ööjähr. Dichter wurde wiederholt ge­rufen. Zur Begründung einer zweiten Frankfurter Gemäldegalerie fordert der Magistrat über eine halbe 'Million. ES sollen für diesen Betrag vorerst Werke von Tho>na, Burger und Trist ner erworben werden. Borerst sollen 52 000 Mark, im nächsten Jahre 100 000 Alk., in den folgenden Jahren je 50 000 2)IL auSgegeben werden.

Lust und Liebe zum landwirtschaftlichen Berufe zu er­halten, die nur zu häufig während der Dienstzeit, wenn nicht ganz verloren gehe, so doch stark geschmälert werde. Eine landwirtschaftliche Fortbildung hätten sie in Hessen allerdings schon Jahrzehnte besessen, wie sie andern Län­dern zum Muster dienen könnte. Dem Professor Gi- sevius in Gießen gebühre das Verdienst, ein System ausgearbeitet zu haben, an dessen praktischer Ausführung der Redner selbst seinen bescheidenen Anteil habe, das sich vorzüglich dazu eignen würde, von der Militär-Ver­waltung zu dem beab,ichtigten landwirtschaftlichen Fort^ bilduiigswcsen verwandt zu werden.

Der Redner schließt unter dem Beifall des Hauses seine Ausführung mit folgenden Worten:Wir starken Bauern werden die Fahne der Freiheitlichkeit und des deutschen Volkstums durch die Lande tragen. Dem Bauern nicht dem Sozialdemokrat gehört die deutsche Zukunft." Siirnriungsbild cus dem preutz. AbLeordnetenharrs.

Berlin, 5. Febr.

Herr Delbrück, der Herr über Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, hatte heule noch immer um feinen Etat zu ka.npfen. Der Kampf wurde ihm aber im Grunde recht leicht gemacht. Die Redner des Hauses gerieten fiel) nur gegenseitig ein wenig in die Haare und hatten nur wenige Vorwürfe für den Minister übrig, die dieser, der gern und viel reoet, mit aller Ausführlichkeck widerlegte. Dr. Beumer, der feine parlamentarische Kraft nur noch dem Abgeordnetenhause widmet, vertrat sehr geschickt den Standpunkt der Synditate. Es sei nicht so leicht, ein Kohlenbergwerk aufzutun, einfacher sei es schon, einen Laden in der Leipziger Straße in Berlin zu etablieren. Mit besonderer Schärfe wandte er sich auch gegen diejenigen, die in einer Verstaatlichung des Bergbaus das Heil erblicken. Bemerkenswert unfreundlich sprach er sich dabei gegen einzelne junge Ab­geordnete im Reichstage aus, die in den 70 er Jahren das Licht der Welt noch nicht erblickt hätten, und die nun alles besser wissen wollten. Diese jugendlichen Heißsporne sollten sich doch lieber erst ein wenig mit Volkswirtschaftslehre beschäftigen, statt mit großen Reden glänzen zu wollen. Im übrigen stellte er fest, daß die Arbeitslöhne schon vor der Steigerung der Betriebseinnahmen erhöht wurden. Herr G o l o s ch m i d t stimml in wenigen Punkten mit Herrn Beumer überein. Die Syndikate verdammt er zwar nicht in Pansch und Vogen, aber mindestens diejenigen, die sich trotzig weigern, mit den Arbeiterorganisationen zu verhandeln. Er überreichte dem Minister noch ein ganzes Bündel von Arbeiterwünschen und benutzte die Gelegenheit, ihn nach der Wahrheit der beunruhigenden Zeitungsnotizen über die Verschiebung der Beamtenbesoldungsvorlagen zu befragen. Herr Delbrück gab die beruhigende Erklärung ab, er wisse nichts von einer solchen Verschiebung. Die Braunkohlenfra§ei stand dann ein Weilchen zur Verhandlung, nachdem Wolfs- Lissa sich erkundigt hatte, wie es damit stehe. Herr Reck regte an, der chronischen Brennmaterialnot in Ostpreußen durch neue Bohrungen nach Braunkohlen abzuhelfen, was der Mi­nister zusagte. Dafür sprach ihm Herr Zindler besonderen Dank aus. Dr. Voltz klärte das Haus über oberschlesische Verhältnisse auf.

Dann wollte man sich mit einem Anträge des Zentrums­bergarbeiters Brust wegen Erhebungen über das Knappschafts­wesen beschäftigen. Man tat das aber nur nebenbei und stritt sich in der Hauptsache um den Kampf im Ruhrrevier, nachdem Herr Delbrück sich bereit erklärt hatte, die gewünschten Er­hebungen anzustellen. Er mahnte zum Frieden in Westfalen, und damit hatte er alle Redner auf seiner Seite, die sich meist ausführlich über die Sackte äußerten. Nur einer der Redner brachte es nicht übers Herz, sich in diesenhäus­lichen Streit" zu mischen. Dann wandte man sich den einzelnen Positionen des Etats zu und schüttete über den Minister ein Füllhorn von Wünschen aus, so daß die Sitzung zu einet Dauersitzung ersten Ranges wurde.

Berlin, 5. Febr. .Die Kommission bc$ Reichs­tages für das Scheckgesetz begann heute ihre Beratungen bei §2 (passive Scheckfähigkeit). Es wupde sestgestellt, daß auch die Spartässen Scktecksähigleit besitzen. § 11, der die Umlaufzeit d.s Schecks auf 10 Tagen festgesetzt, wird angenommen. Tas Gesetz soll am 1. Aprck 1908 in jltaft treten. Damit ist der Entwurf fast unpevänd-ert genehmigt. Die Kommission des Reichs­tages für das Viehseuchengesetz nahm einstimmig folgen­den Antrag an: Die durch das Verfahren entstehenden Kosten sind aus der Staatskasse zu bestreiten. Zwischen dem Reichs, ch a tz se k r e t ä r und Mitgliedern aller größeren Parteien des Reichstages fanden Besprechungen statt, infolge deren in der Frage der Zuckerve ntion folgende Einigung erzielt wurde: Tie Parteien nehmen die Regierungs­vorlage ohne Zusatz an. Dagegen wird gleichzeitig ein Gesetz­entwurf betreffend die Ermäßigung der Zuckersteuer von 1 4 auf 10 Mark eingebracht. Diese Ermäßigung soll einlreten, sobald durch andere Steuergesetze Ersatzeinnahmen für das Reich geschaffen sind. Nach den Aeußerungen des Reick)s-- schatzsttretars werden diese Abmachungen auch die Zustimmung der Verbündeten Regierungen finden.

ttiifc Flotte.

Trier, 5. Fevr. Generaiteuiiiant von Haus­mann, der Kommandant der 16. Division, hat der Trierischen Zeitung zufolge sein Abschiedsgesuch emgereichl.

Veutsehes Reicy.

Berlin, 5. Febr. An Stelle des Prinzen Friedrich Leopold wird Prinz Eitel Friedrich den Kaiser bei den Beisevmigs- feierlichkeiten in Lis,abon vertreten.

Tie JachtH o h e n z o l l e r n" hat, wie verlautet, Be­fehl erhalten, sich bereit zu halten, den Kaiser am 6. März in Wilhelmshaven zur Fahrt nach Korfu an Bord zu nehmen. Die Kaiserin und die Prinze,siii Viktoria Luise werden den Kaiser begleiten.

DieVoss. Ztg." meldet aus Görlitz: Auf den Opaleszen-» werken in Weißwasser ist ein allgemeiner Streik der Arbeiter nach Kündigung wegen erhöhter Lohnfordeiungen eingetreten. i

sJJi Und)en, 5. Febr. Der bayrischeLandesverbandi' des Deutschen Slot tert herein 5 farber* (eine Ortsgruppen