Ausgabe 
6.2.1908 Erstes Blatt
 
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itt einer Kundgebung auf, treu am Flottenverein seft- zuhalten. Das Rundschreiben rechtfertigt die bereits gemeldete Vertagung der auf den 2. d. Mts. angesetzten Delegiertcn- Bersammlung.

Ausland.

Paris, 5. Febr. Die r u > s i s ch e Regierung hat der Er- ftennung des Vize-Admirals T 0 uchard zum französischen Botschafter in Petersburg die Genehmigung erteilt.

Nachmittags war an der Börse und in den Wandelgängen des Palais Bourbon das Gerücht verbreitet von einem neuen Kampf i n Marokko, bei dem die französischen Truppen 163 Lote und zahlve.'che Verwundete gehabt haben sollen. Ter Minister des Mentzern Pichon, erklärte diese Nach­richt mit größter Entschiedenheit für unrichtig., Tie letzten Telegramme des Generals de Amade berichten ausschließlich be­kannte Details über den Kampf bei Dark Sibar.

Petersburg, 5. Febr. Zum HandelSminister ist der frühere Finanzmimster Schipow ernannt.

Ter Nowoje Wremja wird aus Tiflis gemeldet, daß die Lage dort sehr bedrohlich sei. Das die Türkei zum Kriege rüste, sei eine Tatsache, die sogar die Türken selbst nicht ableugnen. In militärischen Kreisen im Kaukasus herrsche nur eine Stimme, daß ein bewaffneter Zusammen stoß mit der Türkei unvermeidlich sei. Tie Türkei soll für den Fall eines Krieges bereits einige große Transport-Dampfer des österreichischen Lloyds mit Kriegsvorräten für Anawlien be­frackten. In Tiflis wird von einem bevorstehenden Krieg offen gesprochen.

Washington, 5. Febr. Im Senat erklärte Senawr Be­vor i d g e in einer Rede, die er zu Gunsten der Ernennung einer Tarstwurmission hielt: Deutschland habe das beste Ta­rifsystem der Welt. Es sei bester als jedes andere dazu ein­gerichtet, sich den veränderten Zuständen anzupassen. Aus diesem Grunde sei Deutschland der übrigen Welt m der Steigerung des Außenhandels überlegen.

Aus S»aot uiio xan®.

Gießen, 6. Febr. 1908.

* * Landw. Unterricht beim Militär. Wie aus nnserm Reichstagsbericht hervorgeht, nahm der Reichstag gestern eine von unferm Reichstagsabg. Köhl e r--Langs­dorf beantragte Resolution, landwirtschaftl. Unterricht beim Militär einzuführen, mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten an. Abg. Köhler ersuchte bei der Beratung, den ersten Versuch im Kaiser Wilhelm- Regiment zu Gießen unter Prof. Dr. Gisevius zu unter­nehmen.

* * Landesuniversität. Ter Pastor und Privat­dozent Lie. Dr. Martin S ch i a n in Breslau hat den Ruf als Ordinarius der praktischen Theologie an unserer Landesuniversität angenommen.

* * Besitzwechsel. Das Geschäftshaus der Firma E. Bloedner, Seltersweg und Plockstraßen Ecke, mit dem Lagerhaus dahinter wurde an die Witwe A. Dokter für 90000 Mark verkauft. Das in der Plockstraße liegende Anwesen der Firma E. Bloedner erwarb Schneidermeister Engelhard für 84 000 Mark.

** Gießener Rodel bah n. Erfinderisch, wie die Jugend ist, haben die Kinder zuerst entdeckt, daß zwischen dem Leihgesterner Weg und der verlängerten Wilhelms- straße, also am Nordabhange des Seltersverges, die denkbar schönste Rodelbahn vorhanden ist. Fleißig wurde gestern dort gerodelt und die Sache ging so vorzüglich, daß -gegen abend sich auch eine größere Anzahl Ecivachsener beteiligte. In der Dunkelheit sorgten die Straßenlaternen für Be­leuchtung der Abfahrt- und Ankunftsstelle, so daß gegen 10 Uhr abends noch gerodelt wurde.

(w.) Watzenborn,J5. Febr. Die Gemeind estagd in der Gemarkung Ober-Steinöcrg wurde an den Chemi- fer K. Felsing in Gießen für einen Jahrespachtpreis von 370 Mark verpachtet. Seither betrug die Pacht 400 Mk.

th. Leihgestern, 5. Febr. Die Verpachtung unserer Wald- und Feldjagd, für die bisher Bankier Zobel- Gießen jährlich 1500 Mark Pacht zahlte, wurde heute bei der Neuverpachtung an den Rentner Schmücker- Gießen als den Meistbietenden mit 1095 Mark Jahrespacht zugeschlagen.

Alten-Buseck, 5. Febr. Am Sonntag hielt hier Friedrich P a n n e ck e - Klein-Linden einen Bortrag über die Bedeutung der Kaninchenzucht im wirtschaftlichen Leben. Er führte auch verschiedene Rassetiere vor. Der Bortrag fand lebhafte Zustimmung. Es wurde darauf zur Grün­dung eines Geflügel- und Kaninchenzucht­vereins geschritten. Nächsten Sonntag wird Herr Pan­necke abermals hier sprechen.

w. Roethges, 4. Febr. Unsere Gemeindejagd ging bei der gestrigen Neuverpachtung an With. Albus in Laubach für 540 Mark Jahrespacht fort Bisher brachte die Jagd jährlich 355 Mark. Die Jagdbeute bestand seit­her im Jahr aus 6070 Hasen, 1520 Stück Rehwild, 120150 Rebhühnern, 510 Fasanen und 23 Füchsen.

x Etting sh ausen, 5. Febr. Von den Grund­besitzern wurde die Einführung der Feldbereinigung beschlossen; das zu bereinigende Gelände umfaßt 470,7 Hektar. Die Arbeiten werden gleichzeitig mit der zu er­bauenden Bahnlinie LichFriedberg im Frühjahr begonnen, ebenso in den Gemarkungen Münster, Lich und Queckborn.

-t- Friedberg, 4. Febr. Zwecks Ermittlung über Beteiligung der Gemeinden an dem geplanten Elektri­zitätswerk zu Reichelsheim fand auf Einladung des Großh. Kreisamts heute hier eine Besprechung mit den Bürgermeistern der in Betracht kommenden Orte statt. Eine für das Zustandekommen des Werks hinreichende Beteiligung ist anscheinend vorhanden; zu wünschen wäre, daß sie zahlreich und allgemein erfolgte. Wenn es ja auch richtig ist, daß die Anforderungen, die derzeit an die Gemeindesäckel gestellt werden, sehr zahlreich und hoch sind, so daß die Abneigung gegen Neuausgaben jegliche Art von vornherein schon begreiflich ist, so ist doch der Nutzen der geplanten Anlage ein im eigentlichen Wort- sinn soeinleuchtender", daß sich alle beteiligen sollten, denen dazu Gelegenheit geboten ist. In nächster Nähe be­sitzen die Orte Butzbach, Meder-Wöllstadt und Ilbenstadt elektrische Zentralen. Wer Gelegenheit hatte, dort oder anderen Orts durch einfachen Truck auf einen Knopf hell­strahlendes Licht zu erhalten, dem wird die Petroleum­lampe, die Stallaterne mit ihrer . Umständlichkeit und Feuersgefahr ungefähr in dem Abstand rückständig er- scheinen, wie einst der Kienspan hinter der Stearinkerze, und Zunder und Feuerstein hinter dem Streichholz zuruck- standen. .Eine mnsallende Laterne, ein Licht in der Hand

unzuverlässiger Dienstboten kann mehr Schaven verursachen, als die Kosten für den Anschluß der ganzen Gemeinde ausmachen.

OLaubach,5. Febr. Aus die ziemlich unwesent­lichen Bemerkungen des Oberlehrers Dr. Werner über den Bericht der Laubacher Versammlung wird folgendes erwidert: 1. es ist nicht wahr, daß die Versamm­lung von über 100 Zuhörern besucht war. Bei Beginn der Rede des Herrn Oberlehrers waren 75 Zuhörer an­wesend, zu denen während des Vortrags noch einige aus den Nebenräumen herzukamen; keineswegs waren es 100, viel weniger über 100 Personen. 2. Es wird zugegeben, daß Herr Pfarrer Nebel es war, der die abfälligen Aeußerungen über das Judentum einzuschränken versuchte, indem er davon die Juden, die bereits übergetreten und für Missionszwecke bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt hätten/ ausgeschlossen wissen wollte. Tagegen fand der Redner auf eine Erwiderung des Pfarrers Nebel den von ihm gebrauchten Ausdruck von der Kaninchenvermehrung der Polen in Westdeutschlandunpassend".

'"Alsfeld, 5. Febr. Am Freitag, 7. Febr., feiern der hier im Ruhestand lebende Lehrer Würtenberger und Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar,! der vor zroei Jahren sein 50jähriges Lehrerjubiläum feierte, I ließ sich damals pensionieren und zog von Reibertenrod hierher, iim hier seinen Lebensabend zu verbringen. Beide Eheleute sind noch bei guter Gesundheit. Mit ihnen feiern fünf er­wachsene Kinder das Fest mit.

4- Lauterbach, 5. Febr. Einer Anzahl halbwüchsiger Bürschchen, d.e unserer Vogel well in erheblichem Maße nachstellte, ist die Polizei habhaft geworden. Besonders Blut- finfert, Distelfinken und Hänflinge sielen den Frevlern in die Fallen. .

x Landenhausen, 5. Febr. Trotzdem bei der gestrigen Bürgermeislerwahl die beiden Parteien sich sehr be­kämpft hatten, nahm die Stimmung nach der Wahl einen ver­söhnenden Charakter an. In Begleitung einflußreicher Persön­lichkeiten besuchte der neugewählte Bürgermeister Henkel die W-rtslokale der Gegenpartei und der Friede wurde wieder her- gestellt. Hoffentlich bleibt er unterer Gemeinde erhalten.

sd. Darmstadt, 5. Febr. Ter h e s s i s ch e B a n e r n- v er ein hielt heute unter dem Vorsitz des Landtagsabg. Uebel seine Generalversammlung hier ab, die sehr gut besucht war. Am Vormittag sand eine Konferenz der Vorsitzenden der Lokalvereine und der Bezirksleiter statt. Der Vorstand wurde wiedergewählt und die Rechnungs­ablage genehmigt. Das Verhältnis des hessischen Bauern­vereins zum Lagerhaus in Lorsch wurde aufgeklärt. Nach einem längeren Vortrage des Herrn Dr. Stegner- Regensburg wurde der Anschluß des hessischen Bauern­vereins an die Zentralgenossenschaft der bayerischen Bauernvereine (Dr. Heim) in Erwägung der damit ver­bundenen Vorteile gutgeheißen. Sekretär Hofmann be­richtete dann über die Organisation der gemeinschaftlichen Bezüge von Saat, Futter und Düngemitteln in den Lokal­vereinen.

LLniVerzitaLs-Nachrichreik,

Ter ordentliche Professor der Physiologie an der Uni« versität München, Geh. Ober-Mepizinalral Dr. Karl v. Bort, dessen Tod wir am Samstag meldeten, gehörte zu den großen Förderern der medizinischen Wissenschaft, der zusammen mit Max ü. Petlenkoser und Bischoff die Lehre vom Stoffwechsel und der Ernährung experimenlett begründet hat. v. Boit war der Vater des Gießener Direktors der mediz. Klinik Pros. Dr. F. Voit. Er war am 31. Oktober 1831 zu Amberg geboren. 1856 Assistent am physiologischen Institut zu München, habilitierte er sich 1857 iur dieses Jach, wurde 1860 außerordentlicher, 1863 ordentlicher Professor und Borsland des physiologischen Instituts in München. 1863 begründete er mit Petteiikofer und Buhl dieZeitschrift für Biologie". Mu Bischoff schrieb erTie Gesetze der Ernährung des Fleischfressers". In Hermanns Handbiich der Physiologie i|t die AbteilungHandbiich der Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels in der Ernährung" von Voit bearbeitet. Außerdem sind noch uon selbständig erschienenen Werken VoUs zu erwähnenUeber die Theorien der Ernährung im tierischen Organismus",Unleriuchung der Kost in einigen öffentlichen Anstalten" undUntersuchungen über den Einfluß des Kochsalzes, des Kaffees und der Muskel- bewegung auf den Stoffwechsel". Bekannt mid lange Jahre maß- gebeild gewesen ist das von Voit aufgeslellte Kostmaß, das eilt bestimmtes Verhältnis von Eiweiß, Fett und Kohlehydraten fest- stellte, um den Bedarf des Menschen an Nahrungsstoffen zu decken.

* Von Schnee stürm en wird jetzt täglich aus den ver­schiedensten Weltgegenden gemeldet: Im Sauerland liegt in- solge starken Schneetreibens der Schnee fußhoch und verursacht starke Verkehrsstörungen. Aus Algier berichtet man jetzt noch das Verschwinden einer weiteren Abteilung Soldaten der Frem- ven-Legion bestehend aus 14 Mann unter dem Befehl eines Sergeanten und zweier Unteroffiziere. Wie die 21 Ver­mißten, von denen am Montag die Rede war, sind auch diese während des jüngsten Schneesturmes umgekommen. Aerzte und Krankenwärter sind nach Fort Hassa abgegangen, wohin auch General Vigy unterwegs ist. Ferner wird aus Blidah ge­meldet, daß eine Abteilung von 13 Soldaten, welche zu einer in der Nähe von Ferruca lagernden Expedition gehören, vermißt wird. Die Ortschaft Ferruca, irdcbe 1500 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist infolge des Schneesturmes vollständig von der Außenivelt abgeschnitten. Von den auf dem Wege nach dem Fort Hassa in Schnee Geratenen sind die meisten Leichen bereits gefunden worden. Die Zahl der ermittelten Opfer beträgt 34. Mehrere Legionäre werden noch vermißt.

* Schnellzug nach Paris und London. Eine neue Schnellzugverbindung aus dem Mosel- und Saargebiet nach Lon­don unb Paris wird zum 1. Mai mit der Einführung des Sommerfahrplans projektiert. Nach London wird man so drei Stunden früher als über Brüssel gelangen. Nach den vorläufigen Plänen wurde man morgens 8.12 Uhr von Trier und 9.17 Uhr von Luxemburg abfahren. Man erhalt so Anschluß an den Schnellzug der Ostbahn nach Paris, so daß man schon 4.24 Uhr nachmittags dort eintrifst. In Merzieres ist Anschluß an den Schnellzug nach Calais. Man trifft in London schon abends 7.05 Uhr ein. Die Reise stellt demimch eine reine Tagesver­bindung dar. Das Zustandekommen des Planes hängt von der Frage ab, ob anbere Anschlüsse nach Luxemburg aus Deutsch­land, insbesondere von Berlin über Gießen und Koblenz, erhalten bleiben können.

Kleine Tageschronik.

In Wesseling bei Köln stieg ein betagter Bäckermeister in den Keller, als er von einem Spitzbuben angegriffen und durch sechs Revolverschüsse getötet wurde. Der Mörder enttarn. Als verdächtig wurde alsbald in Remagen der Arbeiter Emil Welter festgenommen. Nach längerem Verhör gestand Welter die Tat ein. Angeblich wollte er in dem Keller, in welchem er überrascht wurde, übernachten.

Im A n t w e r p e n e r P e t r 0 l e u m h a f e n Hoboken erfolgte gestern eine kolossale Explosion. Ein Dampfer der American Petroleum Company war int Begriffe, seine Qelladung durch eine unterirdische Leitung in einen großen, 80 Tons fassenden

Tank am1 Ufer einzufüllen, als das tast gefüllte Reservoir mit furchtbarem Getöse explodierte. Die Trümtner wurden Hun­derte voit Metern in die Luft geschleudert. Der Tank ist noch in Brand. Die Feuerwehr ist erfolgreich bemüht, die benach­barten Tanks zu schützen. Der Materialschaden ist sehr groß. Tausende von Fenstern sind im Hafen zertrümmert. Verunglückt ist niemand.

In dem Bergwerk Przebinia in Galizien ist ein großer Brand ausgebrochen, dem mehrere Personen, darunter der Direktor der Grube, zum Opfer tiefen. Aus Nordwest­böhmen, besonders der Graslitzer Gegeird, toerbcit heftige Erd­stöße gemeldet.

Kronprinz Georg von Serbien, der betannte höchst rabiate junge Herr, macht ivieber einmal von sich reden. Er erprobte am 4. d. Mts., so wird offiziös gemeldet, in Topt- schider ein Hinterladerjagdgewehr. Da es nicht gut funktionierte, schlug er das geladene Gewehr, um die Gewehrläufe in eine normale Sage zu bringen, gegen einen Bannt, wobei sich beide Patronen enlluden. Durch den starken Rückstoß wurde er am rechten Fuße verletzt. Er kehrte sofort nach Belgrad zurück.

In Newyork rief der schroffe Temperaturwechsel unter der armen Bevölkerung eine e r s ch r e cke nd6Sterb- lichkeit hervor. An Lungenentzündung unb Gehirnhautent­zündung sterben fast viermal soviel Personen wie zu dem gleichen Termin früherer Jahre. Die Krankenhäuser für epidemische Krank­heiten sind überfüllt. Die Sage wird noch dadurch verschlimmert, daß nach oberflächlicher Schätzung 25 000 Personen völlig mittel­los und in Gefahr sind zu verhungern. 10 000 Obdachlose liegen in den engen Hintergassen ohne ein Dach über ihren Häuptern.

handel.

** Die T armstädter Bank hier gibt bekannt, daß Tte im Verein mit anderen Banken Nom. Mk. 25 000 000 5 proz. Teilschuldverschreibungen der Deutsch-Ueberseeischeu Elektrizitätsgesellschaft, rückzahlbar zu 103 Proz., amj Dienstag, 11. d. Mts., zum Kurse von 100 Proz. zur Zeichnung auslegt. Wir verweisen auf die im Jnseratentell unseres morgigen Blattes erscheinende Bekanntmachung unb erwähnen, daß an dem mit einem Kapital von 72 Millionen Mk. aus- geftatteten Unternehmen fast alle Berliner Großbanken und ersten Bankhäuser interessiert sind. Die letzte Dividende betrug 9y3 Proz. Die vorhergehende Emission erfolgte am 26. Juni 1907 zum Kurse von IOV/2 Proz., die jetzige ist daher um iy> Proz. billiger.

Märkte.

Gießen, 6. Febr. 9)ianileiia)t. Auf heutigem Wocken- mailte kostete: Butter pr. Pfd. 0.901.00 Mk., Hühnereier 1 @L 8-9 Pfg., Käse pr. St. 68 Pf., Käsematle 2 St. 56 Pfg., Erbsen p. Pfd. 1824 Pfg., Lilisen p. Psb. 2540 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80- 1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Gänse pr. Pfd. 6070, Emen pr. Stück 1,80 bis 2,20 Mk., Ochsenfteisch pr. Pfd. 8288 Pfg., Kuh- unb Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 6680 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6184 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.506.00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,006,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 0-00 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Aepfel per Ztr. 1025 Mk., Birnen per Ztr. 1025 Mk. Nüsse 100 Stück 4000 Pfg., per Ztr. 000 Pik. Marklzeft von 82 Uhr.

Limburg a. d.L., 5. Febr. Fruchlmarkl. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (nass.) 18,00 Mk., weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 15,00 Mk., Gerste 11,10 Mk., Hafer 8.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 5,00 Mk.

Bed. Himmel

761,0

761,1

763,1

2

4

2

W NNW

W

5.

5.

6.

3,9

4,1

3,8

2ui

92S

7 36

Höchste Temperatur

Niedrigste

0,9 C.

2,6 0 C.

82

94

86

0,5 0,6 0,5

am 45. Februar

4.-5.

Februar

1908

ß ZI

.2 er. o

60

Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße».

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 7. Februar 1908: Keine erheblichen Niederschläge. '-Temperatur wie heute. Westliche Wlnde.

Origisrat-DrahtttreLSungerT.

Berlin, 6. Febr. Reichsschatzsetretär Freiherr von Stengel hat derGermania" zufolge gestern sein Abschiedsgesuch ein gereicht und zttgleich gebeten, schon von jetzt ab von allen Dlenstgeschäften entbunden zu werden.

Wien, 6. Febr. In den Kreisen der Abgeordneten macht sich zunehmende Mißstimmung gegen Aehren- thal wegen seines Exposes geltend, das angelegentlichst be­sprochen lüiub. Wie cs heißt, ist Aehrenthal selbst ver­stimmt und regierungsmüde. Als sein eventueller Nach­folger wird der Botschafter in Konstantinopel, Pa ll a o ic ini, genannt.

Rom, 6. Fedr. Ter Korrespondent der Trrbuna in Pisa hatte mit dem portugiesischen Prätenden­ten eine Unterredung, der ein Billett nach Neapel gelöst hatte und erklärte, iu einem Nionat zurück zu sein. Auch die Gattin des Prätendenten ist mit unbekannter Bestim­mung abgereist.

Venedig, 6. Febr. Der historische Palast Fondaco bei TedeschI, in welchem die Hauptpost und das Telr- graphenamt untergebracht sind, droht einzustürzen. Die Behörde mußte das Gebäude sofort räumen und Stütz» arbeiten vornehmen lassen.

Paris, 6. Febr. Die Regierung ordnete angesichts bet Sage in Marokko für alle Fälle die 9)t 0 b i I i f i e* runß der Kolonialarmee an.

Paris, 6. Febr. Wre aus Lissabon gemeldet wird, erstteckr sich die von König Manuel e r l a s s e n e A m - n e st i e auf a l l e p 0 l i t i s ch e n V e r b r e ch e r mit Aus» nähme derjenigen, die während der letzten Ereignisse Der« haftet worden sind und schließt auch die Meuterer der Kriegsschiffe VaSeo de Gama und Carlos I. ein. Außerdem erwarte der König seinen Verzicht auf die von Franco verfügte Erhöhung der königlichen Apanage von 800000 Francs. Diese Beschlüsse des Königs werden begreiflicherweise mit großer (Genugtuung ausgenommen.

Madrid, 6. Febr. Wie aus Lissabon gemeldet wird, soll der ehemalige Alinisterpräsident Franco wegen Uebertretung dec Verfassung gerichtlich belangt werden.

Lissabon, 6. Febr. Alle Gouverneure und fast alle Behörden haben ihre Aernter niedergelegt.

Blidah, 6. Febr. Eine Abteilung von 30 Sol­daten, die sechs Tage lang vom Schneestur m ein ge­schlossen war, wurde von einer Rettungsexpedition wohlbo« halten aufaefuuden und nach Blidah gebracht.