Ausgabe 
6.3.1908 Drittes Blatt
 
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158. Jahrgang

Drittes Blatt

Nr. 56

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Das hatte erst einige Heiterkeit und dann eine geräumige Rede des nationalliberalen Pfarrers H a ck e n b e r g zur Folge, der Herrn Breitenbach namens der vereinigten Natlcher Preußens und der Welt die Leviten laß. Indes Herr Hackenberg hatte es darauf an­gelegt, Herrn Breitenbach die Wahrheit des Satzes zu beweisen, den er dem Ministermort von den Raucher-Egoisten entgegenstellte, des Satzes, daß die Raucher ein gemütlicher Menschenschlag seien. Ungemütlich setzte er unter immer neiier zustimmender Heiterkeit des Hauses auseinander, wann, wo, warum, ivieso und weshalb den Rauchern auf der Bahn größere Rücksicht gebühre, als mein Hyien jetzt zubillige. Es dürfe, so schloß der passionierte Raucher und Theolog, nie und nimmer dahin kommen, daß die Anschauung sich einbürgere: Ist der preußische Berkehrsminister Nichtraucher, so gehts den Rauchern, ist er Raucher, so gehts den Nichtrauchern schlecht. Vielmehr müsse es heißen: Ist der Minister Raucher, so gehts nicht nur den Rauchern, sondern auch den Nichtrauchern gut, und umgekehrt. Herr Breitenbach Hörle sich die Mahnung lächelnd an; hoffentlich handelt er danach. Denn was Herr Hackenberg fordert, bedeutet noch lange keine Beeinträchtigung der gewiß durchaus begründeten Rechtsansprüche der Nichtraucher. Ein Vertagungsantrag machte der allgemeinen Aussprache ein Ende, und unter stürmischer Heiter­keit des Hauses überreichte der Zentrumsabg. Heisig, der nicht mehr zu Wort gekommen war, Herrn Breitenbach mit wehmütiger Geberde eine schriftliche Fixierung der Wünsche und Beschwerden, die er hatte vorbringen wollen. Dann machte man Schluß; am Freitag beginnt die Spezialdebatte.

aftttfietiei §aintltenblätter" werden dem ean»etoer* viermal wöchentlich beigelegt, das ^iretsMoti für den Krets Stehen" zweimal VScherulich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit* fmei" erscheinen monatlich zweimal.

Freitag 6. März 1908

Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Unwersiläts - Buch- und Steindruckeret.

9L Lange, Gießen.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:

Tel.-Adr^ AnzeigerGreßen.

Kostenaufwand von 415 030 M. bczw. J 33 000 M., hi.r n waren die Kosten für Geländeankans noch nicht einbegriffen. J.;.i von der Stadt Vad-Nauheim ausgcarbcitete Projekte erfordern 3 0 000 M. und 285 000 M. Tas erste Projekt wollte die Kläranlage an der jetzigen Stelle belassen und sah eine den Ansprüchen ge- nügendc Erweiterung und Verbesserung des mechanischen Klä- rungsverfahrcn vor. Die so gereinigten Wässer sollten mittels Hebcrleitung über den Bergrücken der Frankfurter S>traß? be­fördert werden und in der wasserreicheren Welter bei Schwalheim zum Einfluß gelangen. Sollte sich später Herausstellen, daß die so «gereinigten Wässer auch in der Wetter noch Unzuträglichkeitech verursachten, so sollte noch eine biologische Reinigung erfolgen, womit dem Wasset alle schädlichen Bestandteile genommen würden. Boim 2. städtischen Projekt wird beabsichtigt, die biologische Klä­rung gleich mit durchzuführen und dann das einwandfreie Wasser and) weiterhin der Ufa cinzuführen.

Tie Anlage nach dem 2. städtischen Projekt, zu dem sich die Stadtverordneten in zwei darüber stattgefundenen Beratungen sym­pathisch geäußert haben, soll 500 Meter unterhalb der jetzigenj Klärbeckenanlage erfolgen. Es soll noch untersucht werden, ob der Grundwasserspiegel an dieser Stelle günstiger als an der jetzt bestehenden Anlage ist. Was die Klärbeckenanlage selbst an betrifft, so soll sie aus zwei mechanischen Klärbassins bestehen, zu dem die Abwässer durch einen Sand fang, der dem Wasser die mitgeführten festen Bestandteile sowie großen und schweren Stoffe entnimmt, geleitet werden. Diese beiden Klärbecken erhalten eine Länge von 40 Meter und to erben mit einer Betondecke überdacht. Nachdem das Wasser die mechanische Klärung durchgemacht hat, gelangt cs in die Oxydationsfilter, wo es nach Durchdringen einer Ein­lageschicht tropfenweise zum Abfluß gelangt. Tie fiskalischen Pro­jekte hatten anstelle dieser Tropfkörper sogenannte Füllkörper vor­gesehen, in denen dem mechanisch geklärten Wasser durch eine Kokseinlage die noch enthaltenen Stoffe entnommen werden. Tas der Stadtverordnetenversammlung vorgelegte Saclwerständigen-Ur- teil hält das Tropfkörpersystem dem Füllkörpersystem überlegen.«

Die gesamte Känalisationsanlage der Stadt Bad-Nauheim soll nach bem Trennsystem durchgeführt werden; indem Kanäle für die Regenwässer erforderlich sind, welche in die die Stadt durchfließende Ufa münden, und Kanäle, für die Schmutzwässer, die zur Klär­anlage führen. Bisher besteht diese Kanalcrennung im allge­meinen noch nicht, Bad-Nauheim steht deshalb außer vor der Aus­gabe für eine Kläranlage noch vor der Ausgabe für eine durch­gehende Kanalisation fast der gesamten Stadt.

Tie Stadt Bad-Nauheim hat jetzt das Projekt 2 zur bach- gesetzlichen Genehmigung eingereicht. Hiermit haben schon Stim­men eingesetzt, die sich gegen die Ausführung der beabsichtigten Kläranlage wenden. Man glaubt nickst, daß mit den zwei Klär­verfahren eine ausreichende Reinigung der Schmutzwässer bewirkt werden könne. Tie Stadtverordnetenversammlung der Stadt Fried-

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Stimmungsbild aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 5. Marz.

Frhr. v. R h e i n b a b e n ist mit feinem Fähnlein von Rom- ansiaren von der parlamentarischen Wahlstatt, auf der um den preußischen Eisenbahnetat gekämpft wird, nach dem Verlauf des ersten Gesechtslages abgerückt, und Herr B r e i t e n b a ch hatte am Tonnerstaa den Strauß gegen das Abgeordnetenhaus allein zu bestehen. Man hat ihm nicht zu hart zugesetzt; der Minister er­freut sich beträchtlicher Beliebtheit und die Elatsdebatte richtete sich auch am zweiten Tage weniger gegen ihn als gegen den fern vom Schuß weilenden Finanzminister, dem man die Hauptmängel des Etats in die Schuhe schiebt. Wieder ging es in der Hauptsache um die Frage, ob man nur einen bestimmten Betrag der Bahnüberschüsse zur Bestreitung der allgemeinen Staatsausgaben hergeben solle oder nicht, um eine ftnanzpolitische Frage also, keine Verkehrsfrage. Auch die Forderung der Aufhebung der Vorzugstarife für die See­häfen geht mehr den Finanzminister und die übrige Staatsregierung an als den Eisenbahnchef, der hier doch nur a ussührt, was seine Herrn Kollegen für ratsam halten. Von der Eisenbahn selbst forderte man eigentlich nur technische Verbesserungen des Verkehrs: Be- 'eitigung des Wagenmangels, Erweiterung der Betriebsmittel­gemeinschaft, eine Eisenbahngemeinschaft mit Oldenburg und last aot least mehr Licht, mehr Luft und mehr Rücksichtnahme auf die Herren Raucher auf der Eisenbahn. Stach süddeutschem Vorbild verlangten ein paar Redner die elektrische Beleuchtung ber Abteile und die Freigabe der Speisewagen zum Rauchen wenigstens für bestimmte Stunden. Der Minister ließ sich in seiner Erwiderung das unbedachte Wort entschlüpfen:Die Raucher sind Egoisten'.

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(Originalbericht des Gieß. Anz.)

Seit ungefähr 15 Jahren besitzt die Stabt Bad-Nauheim eine Kläranlage. Sie wurde kurz nach Einführung der Wasserleitung mit ziemlich erheblichen Kosten auf der Pferdferweide (unterhalb der Gredierbauten) errichtet und bewirkt die Störung ber Schmutz- Wässer durch das einfache mechanische Klärungssystem. Tie so gereinigten Wässer werden durch einen alten Salinenkanal, bet zugleich bie Wässer des Bades führte, kurz vor Friedberg dem Usaflüßchen zugeführt. '

Ta Die Ufa in den Sommermonaten fast gar kein Wasser führt, mackste sich bald bemerkbar- daß das mechanische Klärverfahren' in diesem Falle vollständig unzureichend ist. Eine Badeanstalt, die sich in einer kleinen Vertiefung des Usabeltes befand, mußte wegen dieser Verunreinigung des Wassers den Betrieb einstellen. Weiter unterhalb an der großen Eisenbahnbrücke machten sich die Abwässer, wozu noch solche von Friedberg hinzugekommen waren, im Sommer sehr weit bermrkbar. Während der letzten Jahre wurde wegen dieses unhaltbaren Zustandes energisch Klage geführt; ein dortiger Anlieger beschritt auch den gerichtliche« Weg und trug in mehreren Instanzen gegen die Städte Bad-Nau- Heim und Friedberg ein obsiegendes Urteil davon.

Tarum nahm sich vor ungefähr Jahresfrist ber Fiskus der Sache an und arbeitete ein Kanalisationsprojekt aus, daß die Ab­wässer der Städte Bad-Nauheim und Friedberg gemeinsam zu einer Kläranlage nahe des Torfes Fauerbach leiten sollte. Die Anlage sah mechanische und biologische Klärung vov und beabsichtigte die Einführung des gereinigten Wassers in die nabe Wetter. In der Stadt Bad-Nauheim wav Geneigtheit zur Ausführung des staatlichen Projekts vorhanden; aber infolge ber damit ver­bundenen hohen Kosten lehnten die Stadtverordneten ein Zu­sammengehen mit der Stadt Friedberg ab und ließen em Projekt zur alleinigen Klärung der Abwässer Bad-Nauheims ausarbeiten. Tie beiden fiskalischen Projekte, die eine Klärung bei Fauerbach vornehmen wollten, erforderten von jeder der beiden Städte einen

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

berg hat in ihrer jüngsten Sitzung den Bürgermeister beauftragt, gegen das Bad Nauheimer Kläranlageprojekt Protest beim Kreis­amt zu erheben. Tie der Stadt Bad Nauheim zur Seite stehen­den Sachverständigen, u. a. Baurat O. Taaks aus Hannover, haben erklärt, daß durch die Oxydationsanlage eine vollständige Reinigung der Abwässer vorgenommen lverde. Es wurden Fälle angeführt, wo in dem so geklärten Wasser Forellenzuchi. gc- trieben wird. Ebenso werde es in Preußen genehmigt, daß die durch Oxydationsoerfahren gereinigten Abwässer in trockene Gräben geleitet werden können. Im übrigen hat Die Start Bad Nauheim bereits im Ansckstuß an der bestehenden mechanischen. Klärung Versuche mit einem Oxidationsfilter vorgenommen, die vorzügliche Ergebnisse gezeitigt haben sollen. Andererseits wurde vom Geh. Baurat Dr. .Eser in einer SladtverordnetensitzunL

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Stimmungsbild aus dem Reichstage.

.. Berlin, 5. März.

Eine sehr aufmerksam angehörle Rede des Grafen ranitz über Kartelle und Trusts und insonderheit das 'Hohlensyndikat stand im Mittelpunkt der heutigen Ver­handlung. Der einseitige Standpunkt des konservativen Red­ners ist bekannt, und was er heute zum Vortrag brachte, ivar weder in seiner Richtung neu, noch konnte sein mit . gewohntem Fleiße aus Kurszetteln und Generalversamm- iANgsberichteu, aus nationalliberalen Reden aus dem preutz. 'Abgeordnetenhause und sozialdemokratischen aus dem Reichstage zuiammen-gelragenes Be'weismaterial das Wissen der Abgeordneten und der Regierung erheblich bereichern. Die Forderung eines Kartellgesetzes und Reichskartellamtes bat diesmal daS Zentrum in einer Resolution des Abg. Spahn präsentiert, die vor dem Grafen Kanitz von dem Mg. Dr. Mayer, einem jugendlichen Rechtsanwalt aus dem bayerischen Schwaben, in gleichem Sinne begründet wurde. Ein Antrag auf Einholung gutachtlicher Aeuße- rungen der Handwerks- und Gewerbekammern rn der Frage der Mindestpreise gab dem nationalliberalen Abg. Fuhr­mann Gelegenheit, die Mittelstand- und Sozialpolitik seiner 'Kartei zu betonen und dabei die Grenzlinien^ aufzuzeigen, die zwischen politischem und Manchesterliberalismus be­stehen. Jin übrigen gab es einenRestertag". Reformpartei und Polen hielten die Beratung mit langen Reden auf, und Mm Schluß nahm, wie schon früher mehrfach, der Reichs- parteiteT v. Dir ksen das Wortin eigener Sache" gegen die Sozialdemokratie.

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