Ausgabe 
5.10.1908 Zweites Blatt
 
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Handel

des

192.75

Italien. Bento .

4%

3% Portugiesen Serie I

Portugiesen

III

3%

99.10

167.90

128.50

Bochum Guss , Buderus E. W.

140.00

51.50

87.00

64.40

123.00

121.00

203.90

207.00

82.30

141.00

178.50

146.50

200.50

62.80

96 75

91.20

23.20

148.50

126.00

3% 3^°/a Ö% Wo w«

Harpeuer Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . i'ürkenlose . . .

Industrie, Giessen.

ISörfee, 5. Oktober, 1.15 Uhr.

92.701 Elektriz. Lahnieyer . .

Elektriz. Schuckert . . . Eschweüer Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte 2\ordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommandit .

Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio-

Eisen Lahn Gotthardbahu Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbahu

. 176.20 . 128.00 . 236.55 . 59.75

146.25

Canada E. B. . . .

Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .

Tendenz: schwach.

203.70

206.70

23.10

82.00

140.50

83.9U 92.65 83.80 90.30 90.10 97 80 98.90

und

Frank tnrter

Reichsanleihe . . do. . .

Konsole . . .

do. . . .

Hessen . . . .

Oberhessen . .

Bürgermeister Kromm (Schotten) schloß sich : (Lich) und

4% Oesterr Goldrentc. . 4l/5°6 Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . .

P1 utus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). Inhalt vom 40. Heft des 5. Jahrganges: Passage-Kaufhaus. Mittelstands- kureN und Pfuschkuren. Bon I. Wiener (Berlin). Revue der Presse. Aus den Börscnsälen. Bon Bruno Buchwald. Finanzre,ormredner. Liquidation von Trustbanken. Be­richtigung. Jnseratenbcttel. Prospekt-Reform. Eine ge­fährliche Sparkasse. Ein Bund der Aktionäre. Gedanken über den Geldmarkt. Von Justus. Plutus-Merktafel. Ant­worten des Herausgebers. Waren des Welthandels (Tabak). Chefs und Angestellte. Neue Literatur. Generalversamm­lungen.

Tochter des Herzogs von Sutherland in einem etwasideali­sierten" Kostüm auf der Bühne tanzen sah. Man wird den Schrecken der in ehrwürdig alten Ueberlieferungen er­zogenen schottischen Matrone nicht unverständlich finden, wenn man in einzelnen englischen Blättern liest, daß die Herzogin von Sutherland an Grazie und Freiheit der Be­wegung die berühmte Pariser Tänzerin Gcnec erreicht und bei fortgesetztem Eifer sehr bald die erste Tänzerin Europas werden könne.

. 223.50

. 113.00

Teiefosiiscäie Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für

Es ist ein Jammer, wenn man oft siebt, wie teures feines Scbubwerk durch falsche Behandlung grau und glanzlos aussiebt, wie das bartgewordene Leder springt und bricht, während der­selbe Schub bei einer Behandlung mit Schuhcreme Erdal doppelt^so lange gehalten hätte und dabei in seinem strahlenden Hochglanz die tägliche Freude seines Eigen­tümers gewesen wäre. Erdal überall erhältlich aber ausdrücklich Erdal verlangen!

General-Vertreter: Fritz Julimann, Bahnhofstraße 59.

Origittal-DrahtmeLdnngen.

(Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Sofia, 5. Okt. Bulgarien wurde zum unab hängigen Königreich in Ternova proklamiert.

Meteorologische Beodirchtnugen

der Station Gießen.

4 XA °(6 russ. Staatsaul. 1905 4A°JO japau. Staatsanleihe 4% Couv. Türken von 19U3 Türkenlose 4% Griech. Monopol-Aul.. 4% äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . .

4 A % Chinesen . . . .

Aktien:

Gerrchtssaal.

Schöffengericht. Eine prinzipiell wich^igcEnt- lscheidung für den den Angelsport hatte am Freitag das Gießener Sawfsengcrid.it zu entscheiden. Unterhalb der Wicseck- mündung in der Lahn, also für deren schiffbaren Teil, i|t das lAngcln mit der einfachen Handangel für Jedermann freigegeben. Es ist in letzter Zeit häufig vvrgekommcn, daß Angler mit einem Strafbefehl bedacht worden Und, weil sie mit einer einfachen Handangel, die sie mittels einer Bleikugel beschwert halten, ui jenem Teil der Lahn betroffen wurden. Tie mit 3 Mk. bestraften Angler bezahlten öie Strafe, um keine Weiterungen zu haben, hielten sich aber für zrl Unrecht bestraft, meil sie nur mit einer Handangel dem F-ischfang obgelcgen hatten. Am Freitag nun wurde, nachdem ein Angler, uni die Angelegenheit gerichtlich znm Aus­trag zu bringen, gegen den Strafbefehl Wider,pruch erhoben hatte, in einer solchen Sache verhandelt. Der Sachverständige Krauß haar erklärte, er habe unterhalb der Wieseck genau wie der An­geklagte geangelt und er habe bisher geglaubt, dies sei erlaubt. Der als Sachverständiger weiter vernommene Rechtsanwalt Grü­newald erklärte, daß eine einfache Handangel, wenn sie von dem Angler mit einer Bleibeschwerung versehen werde, aufhöre, eine einfache Handangel zu sein. Ein so behandeltes Fischfang­gerät werde durch diese Beschwerung zu einer Grundangel, die im freien Teil des Wassers der Lahn nur von dem Pächter der dortigen Fischerei benutzt werden dürfe. Der dritte Sachvcrstän- dige Gerichtsvollzieher Geißler, der Vorsitzende des Angler­klubs, hatte an Gerichtsstelle eine förmliche Musterkollektion von Äugeln mitgebracht, an denen er dem Gerichtshof klar machte, was eine einfache Handangel und was eine Grundangel .ist. Dieser Sachverständige war ebenfalls der Ansicht, daß eine einfache Hand­angel aufhöre, eine solche zu sein, sobald der Angler sie mit einer Bleikugel beschwere und dadurch^ihre, Gebrauchsfähigkett für die Grundangelei ermögliche. Tas Schöffengericht stellte sich auf den Standpunkt der Sachverständigen Grünewald und Geißler und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 Mk. und Tragung der Kosten.

R. B. Darmstadt, 3. Okt. Eine Erpress u.n g s s a che, ähnlich dem sensationellen Fall Imhof-München, beschäf­tigte gestern die Strafkammer. Zwei Burschen ans O f f c n b a ch , der 15jährige Jak. risch und der 14jährige Kaufmaiuts- lehrling Walter Katzum, hatten eine Erpressung gegen den ^Offenbacher 'Fabrrkamcn Moritz Krumm verabredet. Görisch

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Reichsbankausweis. Nach den Erfahrungen, die in den ersten drei Wochen des Monats September gemacht wurden, war angenommen worden, daß die Reichsbank auch in der letzten Woche nicht besonders in Anspruch genommen werde. Aber es bewährte sich das alte Börsensprichwort: Es kommt immer anders! Die Anforderungen waren recht erheblich, wenn auch weitaus nicht so erheblich wie in den Vorjahren. Während sie im Vorjahre mit 513.38 Mill. Mk. in die Notensteuer ge­raten war, beläuft sich die Ueberschreitung der Notengrenze auf 320.64 Mill. Mk., was allerdings gegenüber der Vorwoche eine Verschlechterung des Status um nicht weniger als 567.68 Mill. Mark, während diese Verschlechterung sich im Vorjahre auf 554.42 Mill. Mk. belief. Es war unter diesen Umständen sehr gut, daß die Bank für den Quartalswechsel besser gerüstet war als in den Vorjahren. Der Wechselbestand ist uni 276.61 Mill. Mark angetvachsen; im Vorjahre betrugen die Wechseleinreichungen 302.24 Mill. Mk. Die Zunahme der Lombarden um 96.66 Mill. ^Jlarü ist- erheblich schwächer als im Vorjahre. Die Regierung hat die Bank, wie wir schon vor einigen Tagen mitteilten, ziemlich tark in Anspruch genommen, und der Efseklenbestand stellt sich auf 239.854 Mill. Mk. Er ist nur um 60.44 Mill. Mk. ange­wachsen. Beträchtlich war die Zurückziehung der Depositen, die ich um 150.087 Mill. Mk. verringerten, gegen nur 44.33 Milt. Matt' im Vorjahre. Trotzdem geht der Gesamtbetrag der De­positen um rund 50 Mill. Mk. über den vorjährigen hinaus. Die Abnahme des Metallbestandes mit 110 Mill. Mk. war an sich beträchtlich aber doch weniger stark als in den Vorjahren (1907 139.64 und 1906 168.03 Mill. Mk.). Der Metallbestand teilt sich jetzt auf 1033.55 Mill. Mk.

Der Handel mit Kleie. Zwischen den Müllern und Kleiehändlern ist ein Streit ausgebrochen. Die Sachlage ist folgende: Die Mühlenbesitzer haben sich geeinigt, daß die Kleien mir brutto vertäust werden, d. h. Kleien mit Sack werden zu- ammen gewogen, und, trotzdem der Käufer den Sack liefert, zum ganzen Gewicht bezahlt. Bei je 100 Kilogramm Kleie bezahlt also der Käufer 11 Vs Kilogramm für Ware, die er gar nicht erhalten hat. Die Händler wollen nur eine Ver­einigung Süddeutscher Kleienhändler ins Leben rufen, der be­zwecken soll, daß der Handel in Kleie einschl. des Sackes erfolgt. Wer also in Zukunst nach den Absichten der Händler kaust, soll mit der Kleie gleichzeitig den Sack mitbezahlen. Auch hier soll der Handel brutto für netto erfolgen. Was der Landwirt mit den Säcken machen will, ist seine Sache. Wir machen die Landwirte daraus aufmerksam, daß für sie nur das eine Interesse besteht, die Ware netto zu laufen, also auch nur die Kleie zu bezahlen, die sie wirklich erhalten. Bei den landw. Genossenschaften ist der Handel in dieser Weise eingeführt und wird schon seit Jahren gehandhabt.

picht mehr, daß besonders eine elektrische Leitung höchstens zum Spielwerk für Großindustrielle diene. Manches traf zusammen, wie z. B. im Kreise Friedberg die Bedenken der Großmüller usw., Uvas den Bewohnern den Entschluß erschwerte. Doch allgemach wurden auch diese Bedenken überwunden, nadzdem die Kreistage von Büdingen, Alsfeld, Lauterbach, schotten und Gießen sich ein­mütig für t'lic geplanten wirtschaftlich bedeutsamen Projekte er­klärt hatten. Vor kurzem nahm man die Vorarbeiten für bas Wasserwerk bei Inheiden, das auch der Handelsmetropole am Alain Wasser zuführen soll, in Angriff und heute waren hier in Nidda aus allen Kreisen der Provinz Berwaltungsbeamte, Land­wirte und Gewerbetreibende zusammengekommen, um über die Vorarbeiten des Elektrizitätswerks L i ß b e r g zu beraten! und festzustellen, loelche Gemeinden, Industrielle usw. sich an dies großzügige Werk, das so recht das Ringen des Menschengeistes mit der Macht der Elemente jedem vor Augen führen, die heimische, ländliche Bevölkerung aus ihrem wirtschaftlichen Stilleben reißen und in ihre Lebensgewohnheiten gewaltig eingreifen wird, anzu­schließen gesonnen sind. Die Versammelten begrüßte Kreisrat Boeckmann -Büdingen. Provinzialdirektor Dr. Breidert führte aus, daß Forstineister Dr. Weber-Konradsdors vor zwei Jahren mit den Plänen hervorgetreten sei, die Wasserkräfte des Nidda- tals und des Hillerbachs bei Lißberg zu einer elektrischen Kraft- uni> Lichtanlage zu benutzen, um die in einem Umkreis von 30 Kilometer liegenden Ortschaften mit Elektrizität zu versehen. Der Plan wurde von Oberingenieur Schöberl-Darmstadt geprüft und für ausführbar gesunden. Nachdein der Staat Abstand genommen hatte, sich an dem Werke zu beteiligen, wurden im Verein von Provinz, Kreisen und Gemeinden die Borarveiten in die Wege geleitet. Um die Kosten des Werkes mit zu decken, war man damit einverstanden, oie Ueberschüsse des geplanten Wasserwerks Inheiden, dessen Prosperität durch die Abgabe von Wasser an die Stadt Frankfurt a. M. außer Frage steht, anfänglich dem Lißberger Werke zuzuweisen. An das Werk können angeschlossen werden sämtliche Gemeinden der Kreise Schotten und Büdingen, Teste des Kreises Gießen bis Büdingen und Grünberg hin, von den Kreisen Alssew und Lauterbach [leine Teile vis Groß-Fcloa, Windhausen, Hopsmannsseld und Altenschlirf, vom Kreise Fried­berg, bis zu den Orten, die in der Linie von Büdesheim-Butzbäch- Friedberg liegen. Bürgermstr. S t ö p l e r - Lauterbach besprach zu­nächst die Vorteile, die oie elektrische Kraft besonders den Handwer­kern bietet und ne konkurrenzfähig macht. Auch für den Land- ivirt, der unter der Leuteitot leidet, ist die elek­trische Straft ein inimenser Vorteil. Er spart Zeit, Geld und Arbeiter. Die Kühe sogar kann er elektrisch melken. Der Preis für elektrische Kraft und Licht ist nicht wesentlich höher wie für Gas und Petroleum wenigstens in Lauterbach. Dort wurde früher für die Straßenbeleuchtung Petroleum verwendet, das stn Jahre 1500 Mk. kostete. Jetzt hat die Stadt für ba3* selbe Geld das 2V2fadje Licht. Der Redner plädierte entschieden für das Zustandekommen des Lißberger Werkes. Oberingenieur Müller (Gießen) teilte mit, daß Lißberg für die Kilowatt­stunde für Licht 40 Psg. und für Kraft 20 Pfg. berechnen werde. Oberingenieur Schöberl (Darmstadt) führte sodann ans, die Wasserkräfte, die im Großherzogtnm Hessen gewonnen werden, können nur dienen dem Industriellen, dem Handwerker und dem Landwirt, nicht aber, und bas muß hier offen ausgefprochen werden, für den Betrieb elektrischer Bahnen. Die Wasserkräfte des Vogelsberges, speziell hier des Niddertales, sind demnach nur für Handwerk und Landwirtschaft zu benutzen. Die Strafte jint) hierzu reichlich vorhanden. Zunächst ist geplant, die Linien Lißberg, Glashütten, Gedern, Schotten; Lißberg, Büches, Bü­dingen; Nidda, Hungen, Langd, Lich, Steinbach uno Glauberg, Lindhcim, Altenstadt auszubauen. Die Talsperre im Hillcrö- bachtal bei Lißberg wird mindestens zwei Millionen Stübikmeter Wasser eitthalten, kann aber nach Bedarf bis auf ein Vielfaches (6faches) dieser Menge gesteigert werden. Hierauf wurde die Diskussion eröffnet. Gemeinderat Sehrt (Grün­berg i. H.) trat für das Lißberger Werk entschieden ein, zumal die Gemeinden keinen Pfennig Risiko haben; er ersuchte die Anwesenden Mann für Mann sich an­zuschließen und erklärte den Beitritt der Genieindevertrttung der Stadt Grünberg. x c.a

dem Vorredner an, ebenso Bürgermeister Dörmer .

Bürgermeister Roth ('Nidda). Bahnhofsvorsteher Fiedler aus 'Nidda bat, sich mit der Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. in Verbindung zu setzen, um die Bedingungen zu regeln, unter benen den Staatsbetrieben das elektrische Licht abgegeben wird. Bei­geordneter Fendt (Büdingen) erklärte, daß die Stadt Büdingen lim Verein mit der Fürstlichen Verwaltung eine elektrische Kraft - und Lichtanlage projeftiere, sollte nichts daraus werden, dann wäre es sicher, daß Büdingen dem Projekt sich anschließe. Ober­förster Brohl (Ortenberg> hält, nachdem er die heutigen Vor­träge gehört, das Werk tür gefidjert und günstig, bittet aber, daß die Bürgermeister ober bcrCn Vertreter teilte Erklärungen heute abgeben, fonbern erst das heute Gehörte im Gemeinderat vortragen und sich dann erst schlüssig machen. Bürgermeister F citbt (Hungen) wünschte, daß baldigst mit dem Werke be­gonnen werde; Hungen schließt sick) an unter allen Umständen. Oekonomierat Hofmann (Hof-Güll) erblickt in der Lißberger Anlage für die landwirtschaftlichen Betriebe große Votteile und erklärte seinen Beitritt. Bürgermeister Nieolaus (Steinheim) trat mit zwei Drittel aller Grundeigentümer dem Werke bei, ebenso Beigeordneter Weil (Bad-Salzhausen). Das Gleickie er­klärten die Gemeinden Ulrichstein, Inheiden, Trais-Horloss, Eichel­fachsen, Rainrod und Hof Gras. Verschiedene große Gewerbe­betriebe hatten schon vorher ihren Beitritt erklärt, sowie eine Anzahl Gemeinden. Also ist des großen Werkes Zu­standekommen gesichert. Gegen 4L,i Uhr schloß Kretsrat Boeckmann die überaus anregend verlaufene Versammlung.

schrieb ihm uittcrm 16. Juni einen anoithnien Brief, worin er ihn aufforderte, sofort die Summe von 1000 Mk. an einer naher bezeichneten Stelle niederziilegen; wenn bas nicht sofort geschehe, o werde er sein jüngstes Kind verlieren. Als der Fabrikant auf dieses Schreiben nicht reagierte, schrieb Görisch angeblich auf An­raten des Katzum am 19. Juni einen zweiten Brief, worin er fein Verlangen wiederholte und forderte, daß der Geldbrief mit 1000 Mark Inhalt im Wäldchen aiv einer näher bezeichneten Stelle des Tennisplatz niedergelegt werben solle. Nun ging bie Sltimutah Polizei vor. Es frurbe ein Brief mit Papierschnitzeln an der ver­langten Stelle niedergelegt und bas Terrain mit Beamten um- lellt. Während bas erstemal niemand erschien, kam diesmal Görisch vorsichtig herangeschlid)en, um den niedergelegten Brief einzustecken. Er wurde vom Gericht als Täter erkannt, währeiid Katzum der Mithilfe schuldig befunden wurde. Staatsanwalt Dr. Curttnann beantragte gegen den ersteren eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und gegen letzteren eine solche von 4 Monaten Gefängnis. Nachdem aber Justizrat M e fr für Görisch eine mil­dere Strafe und Justizrat Lob für Katzum auf Freisprechung plädiert hatte, verurteilte das Gericht den Ersteren zu 2 Mo­naten, Ucn Letzteren zu 3 Wochen Gefängnis. Das Gericht nahm.'als strafmildernd die große Jugend der beiden An­geklagten in Betracht, sowie den Umstand, daß dieselben ^burd) Schundromane und die Zeitungslettüve über bcn Fa 11 Imhof zu ihrer Straftat angeregt worben seien. Wie Imhof, so war auch der Offenbacher Fabrikant burd) die Drohbriefe in nickst geringe Erregung gebracht worden, da er ja nickst ahnen konnte, daß sich die Sache als ein Bubenstreich entpuppen würde.

R. B. Darmstadt, 4. Okt. Das Schwurgericht ver­handelte in der Sitzung am Samstag gegen den 52 Jahre alten Müller, Landwirt und Gemeindeeinnehmer Ludwig R ö d e l s p e r - g e r aus Heubach i. O. wegen Verbrechens im Amte nach 8 35 1 Str.-G.-B. und fortgesetzter Unterschlagung von Kassen­geldern im Gesamtbeträge von 8498 Mk. und Verschleierung dieser Unterschlagungen durch unrichtige Buchführung. Der An­geklagte hatte im Jahre 1887 auf dem Submisftonswege , auf dem ftch die Gemeinde bedauerlicherweiie einen Rechner beschaffte, für eine Vergütung von 250 Mk. jährlich den Posten erhalten. Die Summe wurde nach 10 Jahren au? 500 Mk. uno vor einigen Jahren auf 700 Mk. erhöht. Ein Gehalt von 800 Mk. wäre, wie von Sachverständigen oeftätigt wiro, das Mindeste gewesen, da die Gemeinde einen Waldbestand besitzt, der 3,4 Stillionen Mk. Wert hat und 30 000 Mk. für Holz vereinnahmt. Rödelsperger geriet durch schlechten Geschäftsgang und burd) Familienverhält­nisse fdjon gleich zu Anfang in eine gewisse 'Notlage und griff deshalb die Kasse ian. Schaden hat die Gemeinde nidst erlitten, da der Angeklagte die veruntreuten Gelder durch Aufnahme einer Hypothek ersetzt hat. Die Geschworenen billigten-bem Angeklagten mildernde Umstande zu und verurteilten ihn zu einem Jahr Gefängnis, wovon drei Monate für erlittene Untersuchungs­haft abgerechnet werben.

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Bau von fünfzig wrightschen Aeropianr.

Wilbur Wright wird in einigen Wocyen seine Probeflüge in Frankreich beendet haben und dann nach den Vereinigten Staaten wieder zurüctiehren. Er hat bekanntlich seine Er- indung an Frankreich für den Preis von einer Million Mark verkauft, und Lazar Meiller, der Präsident des Syn­dikates, das den Wrightschen Flugapparat ankaufte, er­klärte, daß er Wright's Erfindung niemals zu kommerziellen Zwecken ausbeuten würde. Nach seiner Ansicht ist der Aero- jlan berufen, in den Kriegen der Zukunft die bedeutendste Rolle zu spielen. Der Aeroplan bedeute entschieden den Ruin der Flotten der Großmächte. Für den Preis, der ür ein modernes Kriegsschiff gezahlt iverden muß, kann man fünfhundert Aeroplane bauen, und keine der Flotten wäre imstande, dem Angriff von bloß fünfzig Aervplane zu widerstehen, die durch Herabwerfen wirkungsvoller Ex- ilofivstofse sämtliche Schisse in kurzer Zeit vernichten könnten. Hätten die Russen in Port Arthur statt ihrer Schiffe die" gleiche Zahl von Aeroplans gehabt, so wäre Port Arthur niemals genommen worden. Weillers Ver­trauen in die Erfindung Wrights ist so groß, daß er einer französischen Fabrik den Auftrag gab, fünfzig Aeroplane des Wrightschen Systems zu bauen, deren Herstellungskosten sich auf nicht ganz dreißigtausend Mark für den einzelnen Flugapparat belaufen, eine entschieden sehr geringe Summe, die dem Anschaffungswerte eines guten Automobils in Kürze entsprechen dürfte.

----. - ...... . . .... ......

VernrischLe».

* Ein seltener Fall von Cholera. Im Jsmailow- Hospital in Moskau lenkt die Aufmerksamkeit der ärztlichen Welt eine Frau auf sich, btc vor zehn Tagen zur Beobachtung ein- gelicfcrt wurde. Obgleich ihr ganzer Organismus, so schreibt dasBerl. Tagebl.", von echten Eholerabazillen durchsetzt ist, ist sie selbst nicht cholcrakrank. Auf Beschluß des bekannten Baiteriowgen Pros. Beresnew wird die Frau nock; zwei Wod)en beobachtet werben. Er nimmt an, daß im Lause dieser Zeit die Bazillen aus dem Stör per der Fran verschwinden werden. Nach Ansicht der Aerzte liegt hier eine glänzende Bestätigung der Theorie Pettenkosers vor, ber bie Behauptung aufstellt, daß einzelne Organismen in keiner Weise aus Cholera reagieren.

* Auch eine Frauenbewegung. Wie dieM. 'N. N." berichten, haben die zunehmenden Vermählungen von Mitgliedern der englischen Aristokratie mit Damen vom Theater unter den heiratsfähigen Töchtern der englischen Gesellschaft nicht nur Beunruhigung wegen getrübter Zu­kunftsaussichten, sondern auch tiefgehende Entrüstung her- vorgerusen. Um diesem fortschreitendenUebel" zu be­gegnen, haben sich der genannten Zeitung zufolge eine Reihe von Damen der englischen Gesellschaft entschlossen, selbst die Bretter zu besteigen, um auf diese Weise das Geheimnis zu ergründen, das die Mitglieder der jeunesse üoree den Sän­gerinnen und Tänzerinnen gegenüber so widerstandslos macht. Einige dieser Damen, die übrigens nur sehr selten einzeln auftreten, haben sich das Gebiet des modernen Schau­spiels zur Ausübung ihrer Fähigkeiten gewählt, andere aber schreiten energisch auf ihr erstrebtes Ziel zu und pflegen mit Vorliebe die Künste des Variätetheaters. In Irland wie in Schottland haben junge Damen vom ältesten Adel durch den Vortrag von Volksliedern, die sie mit 'Na­tionaltänzen begleiten, große Erfolge erzielt, besonders unter den männlichen und vor allem den jüngeren Zuhörern. Die älteren Mitglieder der Aristokratie sind begreiflicher­weise über dieseFlucht in die Oeffentlichkeit" nichts weniger als begeistert; vor einiger Zeit ereignete sich sogar der F'all, daß e.ine schottische Gräfin in Ohnmacht fiel,, als. fie die

Tendenz: sehr schwach.

Berliner Börse, 5. Oktober. Antangskurse.

Oktober

1908

Barometer nu? 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

WindAchtmig

Windstärke

Wetter

4. 2"

752,8

20,1

12,8

74

SSE

4

Souneuscheiu

4. 95

752,1

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11,0

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S

2

Bew. Himmel

5. 726

752,2

13,3

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still

still

9lebel

Höchst

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am 3

.-4.

Oktober

+

20,2 ° C.

Niedrigste

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