Ausgabe 
5.10.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 234

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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DieGiehener Lamilienblatter" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das KrcisMatl ffir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

MÄKjchvnmAn.

*1. äÄ fiS

" Ruhestandsversetzung. S. K. H. der Groß- Herzog haben den Bahnmeister 1. Klasse in dec Hessisch. Preußischen Eisenbahngcmcinschaft Peter Schad zu Mainz auf sein Nachsuchcn wegen geschwächter Gesundheit in den Ntihestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Nach Kamerun. Am konnnenden Dienstag werden der Professor der Botanik Dr. Büsgcn und der Professor der Forstwissenschaft Dr. Ionisch von der Forstakadeniie Münden, sowie ForstassessorWolprecht Niedesel Freiherr von Eisen- bach aus Darmstadt im Auftrag des Kolonialamts eine sechsmonatige Forschungsreise nach Deutsch-Kamerun und Togo unternehmen, um einen zirka 10 Millionen Hektar fassenden Urwald auf seine Nutzbarmachung zu untersuchen.

** Die Maul-und Klauenseuche ist auSgebrochen in dem Kreise Saargcmünd am 1. Oktober.

? Butzbach, 4. Okt. Der am SamStag in Gießen entsprungene Strafgefangene Wilhelm Schmidt von hier ist schon Samstag nachmittag durch die hiesige Gendarlnerie verhaftet worden.

X Renzendorf, 2. Okt. Mit bem 1. Oktober änderte, auch die fahrende Landpost Renzcndorf-Storn- dorf ivieder ihre Fahrzeit. Es i|t eigentümlich, daß auch in den, neuen Plan die Post bei ihrer Fahrt zur Bahn nur Anschluß an Züge hat, die in der Richtung nach Fulda fahren, während der meiste Verkehr aus den von der Post berührten Orten in der umgekehrten Richtung (nach Alsfeld- Gießen) sich bewegt. Gern würde mancher, der von der oberen Schwalm nach Alsfeld oder Gießen reisen möchte, mittags die Fahrpost bis Renzenbach benutzen, doch ist diese Möglichkeit ausgeschlossen, da die Post erst 7 Minuten nach Abgang des Zuges (Abgang des Zuges 1.23 Uhr An­kunft der Post 1.30 Uhr) eintrifft. Es wäre sehr zu wünschen nnb läge im Interesse des Publikums, wenn die Fahrzeit der Post so gelegt werden könnte, daß man den Anschluß an den Zug erreicht.

Bad Salzhausen, 3. Okt. Mit dem heutigen Tage ist hier die Saison geschlossen worden. Es wurden heute zum letzten Male Bäder abgegeben. Die, Frequenz des Bades war in diesem Sommer stark beeinflußt durch das regnerische Wetter. Durch das prachtvolle Herbst- weiter in den letzten Tagen begünstigt, war die Zahl dec ab­gegebenen Bäder wieder etwas gestiegen. Ueberhaupt bietet der Park mit den sich daran anschließenden Wäldern eben in ihrer Herbstpracht einen reizenden Anblick.

O Lau bach, 3. Ott. Wie üblich tagte am 1. DfL die General-Versammlung der Bezirks-Spar­kasse, zu der außer 7 naheliegenden Ortschaften noch in der Wetterau die Orte Wohnbach, Utphe, TraiZ-Horloff und Inheiden gehören. Die 12 Orte des Bezirks waren durch: 43 Personen vertreten. Die Kasse vollendet ihr 75. Gc- schäftsja hr, aus welche»»! Anlässe das Vorstandsmitglied Ober- amtsrichter Z iin m e rma n n einen mit Beifall ausgenommenen Vortrag über die Entwickelung der Kasse während dieser Zeik hielt. Die Versammlung, die von etiva 70 Personen, darunter Geh. Regierungsrat Schönfeld aus Schotten, besucht war, beschloß, das Gehalt des Rechners auf 1850 Mk. zu erhöhen.! Aus dem Ueberschusse kamen zur Verteilung 1397,10 Mk. und zwar an die Gemeinden 407,10 Mk., an milde Stif­tungen 420 Mk., an die Erheber der Pfennigspackassen 200 Mk., an die landwirtschaftlichen Vereine in Gießen,! Schotten und Friedberg 200 Mk., an die Dekanats - Er-i ziehungsoereine Grünberg und Schütten 90 Mk., zur Dienst-, boten - Präiniierung 80 Mk. Das Vermögen der Kasse ist 1759417 Mk., die neuen Einlagen betrugen 371021 Mk., die zu 38/4 Proz. verzinst werden; demgegenüber wurden- nur 132 272 Mk. Einlagen zurückbezahlt. Der Reingewinn ist auf 8615 Mk. berechnet, dem jedoch ein Kursoerlust der! Wertpapiere mit 6646 Mk. gegenübersteht. Den Beratungen folgte ein solennes Mahl, an dem etwa 70 Personen teil­nahmen.

(v.) Dorlar, 3. Okt. Dorlar hat trotz, der überreichen Aepselernte von seinen iroch ziemlich jungen Ob stbaum- pslanzungen einen schönen Ertrag erzielt. Die Ge- meindeobslversteigerung ergab einen Erlös von 860 Kar 5 der ausschließlich aus Aepfeln erzielt wurde.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Tel.»Adr.:AnzeigerTießen.

Dar Kuitarmeri Litzberg.

Kyr. Nidda, 4. Oktober.

Mit Begeisterung »vandte sich vor Jahresfrist der Provinzial- drrektor der Provinz Oberhessen, Gcheimerat Dr. Breidert, dem Plänen zu, bte eine große Wasser- u. Elektrizitäts-, Versorgung der Provinz O b e r h e s s e u betrafen. Durch einen geiitvollen Förderer und Sack-verständigen, den Forstmeister Dr. Weber-Konradsdorf, war Gcheimerat Dr. Breidert auf die Anlage jener Kulturwerke, deren Basis in Inheiden und den» romantischen Lißberg gefunden »vurde, hingewieseü. Unermüd- ttch, lebendig unb anschaulich behandelte der erste Berwaltungs- beamte der Provinz diese volkswirtschaftlichen Fragen. In manchen. -Lenen der Provinz stand man anfänglich den Projekten zauderns gegMübcr, doch klärten sich bchd d.ie WemungM und man rnnfefr

rtd- ^aarscbinucl 0#c6>her Auswahl [»/» in reicher

- ttiiers. ^Programm,

^'Geschäften, n.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. Oktober 1908.

In Audienz empfangen wurde von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog am Samstag u. a. Geh. Forstrat Haber'korn von Romrod.

** Justizpersonalien. S. K. H. der Großher­zog haben den Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandes- gerrcht Darmstadt Dr. Ernst Wer le aus sein Nachs. unter Anerkennung seiner langj. treuen Dienste bis zur Wiederher­stellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt; den Aktuar bei dem Amtsgericht Wörrstadt Karl Pfeiffer zum Aktuar bei dem Amtsgericht Worms, den Aktuar bei )em Amtsgericht Herbstein Wilhelm Hch. Schäfer zum Aktuar bei denr Amtsgericht Michelstadt, den Aktuar bei )em Amtsgericht Reinheim Wilh. Steller zum Aktuar bei dem Amtsgericht Laubach, den Aktuariatsassiftenten bei )em Amtsgericht-Langen Hch. Th-omas zum Aktuar bei dem Amtsgericht Bingen, den Attuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Darmstadt II Gg. Neunobel zum Aktuar bei dem Amtsgericht Reinheim und den Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Mainz Joh. Jak. Ambach zum Aktuar bei dem Amtsgericht Wörrstadt ernannt.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde der Schulamtsaspirantin Wilhelmine H e l l m e i st e r aus Gau-Alges- heim eine Lehrerinstclle an der Gemeindeschule zu Heidesheim. Entlassen wurde der Lehrer an der kath. Schule zu Engellhal Anton Sauter auf sein Nachsuchen.

**Post°iPerso,nalna^chri.chten. Verliehen: Das Allg. Ehren-., mit depJnsHr. ^.Für' treue Dienste" am Bande des

Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung.

R. B. Dar m st a d t, 4. Ott. In der Sitzung des Zen - tralausschusses, die der Hauptversammlung der Ge­sellschaft für Verbreitung von Volksbildung vorausging, ttmrdo unter Vorsitz des Reichstagsabg. Dr. Schrairer über innere Angelegenheiten verhandelt und über die Ge- shäftsftihrung berichtet. Es stehen der Gesellschaft im Laufenden Jahr ein Etat von 2/6 500 Mark zur Verfügung, ^urzett sind von dieser Summe 237 000 Mark vereinnahmt und 227 000 Mark verausgabt. Der größte Teil der Aus­gaben entfällt auf die Volksbibliotheken, für die in den ersten Monaten des Jahres 145000 Mk. verausgabt wurden. Es wurden im Ganzen 99 000 Bände au 4870 Bibliotheken abgegeben. Ferner wurde die Vortragsvermittlungsstelle l>er Gesellschaft erweitert und die Lichtbilder- und Apparate- Berleihan statt ausgebaut, auch nntrbe in Gemeinschaft mit der Schiller-Theatergefellschast das Wandertheater selbstän­dig gemacht. Es konnte somit über Heu Fortschritt der Wirk- sLinkeit der Gesellschaft nach allen Seiten hin erfreulich ü-erichtet werden. Besonders erfreuen sich die Wander- dibliotheken steigender Anerkennung und Inanspruch­nahme. Das Vermögen der Gesellschaft beträgt 600000 Mk., ars einer Stiftung und aus dem Dispositionsfonds S. M. des Kaisers flössen ihr im Laufe des Jahres 19 000 Mark zu. Neben ihrer praittschen Arbeit hat die Gesellschaft auch für die Entrvicklung der Volks- und Fortbildungs­schule anregend zu wirken. Geh. Rat Kelle-Wiesbaden mrnscht besonders daß di« Einführung des hauswirtschafh-

pünkllichem Zinszahler

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mich auch abgeholl.v. (5766 au Louis 3teitz Wv., tr. 3L D., Neub. »r. reibst

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ttchen Unterrichts in der Zeitschrift oefürwortet werden möge. Verdienstordens Philipps bis Großmütigen dem Postagenten Schäfer in Steinberg (Kr. Gießen-, dasselbe Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" dem Ober-Post­schaffner Emig in Gießen und dem Landbriesträger Kind in Grebenau beim Scheiden aus dem Dienste. Versetzt: Tie Postdirektoren Fla sche n t r ä g er von Butzbach nach Bad Nau­heim und Jaeger von Bad Nauheim nach Memel; Postinspektor Zimmer von Gießen nach Butzbach unter Uebertragung der Verwaltung der Vorsteherstelle des Postamts daselbst; Ober-Post- praktilant Scelig von Dortmund nach Gießen als Postinspel- tor; Oberpostassistent Wigand von Gießen nach Mainz: die Postassistenten Jost boii Duisburg nach Nidda, und Reinhardt voll Nieder-Jngelheim nach Butzbach; die Telegraphengehilsinuen W i e g m a n n von Darmstadt nach Bad Nanhüin und Wolff von Bad Nauheim nach Darmstadt. Etatsmäßig ange­stellt : Telcgraphengehilfiu 9tub e in Gießen. 'Angenom­men : Oberrealscyüler F r a n k in Lollar. Freiwillig aus­geschieden : Ella Heimburg in Friedberg. Entlassen: Postgehilse Birkenstock in Homberg.

Frau Hofrat v. For ster-Nürnberg berichtet über die Tätig­keit der Frauenvereme und deren Gatte über die ständige Pflege der Naturwissenschaften.

Zu dem Begrüßungsabend im großen Turn­ballensaal am Woogsplatz waren bereits lange vorher alle Eintrittskarten vergeben. Nach einem sttmmungsvollen Männerchor der Singmannschaft der TurngemeindeO Schutzgeist alles Schönen" von Vdozart trug Frau Käthe Enders-Kuhlmann unter Mitwirkung mehrerer Herren einen schwungvollen Festprolog vor, worauf der Vorsitzende des Ortsausschusses, Gymnasiallehrer Lorch, eine Begrüßungsansprache hielt. Tann folgten Chorgesänge und Solovorträge des Frl. Gusti Rabenau und Opern­sänger Franz Geßner, Hofschauspieler Willy Loehr, Kammermusiker Mehenel u. a. und nach der Vorführung vortrefflicher turnerischer Darstellungen durch Mitglieder der Turngemeinde hielt der Vorsitzende des Zentralausschus­ses, Reichstagsabg. Dr. Schrader-Berlin, eine Ansprache an die Festversammlung.

politische Cagesfcbau»

Zum Fall Schücking

wird derDeutschen Journalpost" geschrieben: In Sachen des Bürgermeisters Dr. Schücking in Husum, hatte der Bruder des Angeklagten, Dr. Walther Schücking, ordentlicher Professor des öffentlichen Rechts in Marburg, um Zulassung zunr mündlichen Verhandlungstermin gebeten. Er beabsichtigte, neben dem Ju- stizrat Storm aus Husum (dem Sohne des berühmten Dichters und gleichzeitig einer der angesehensteir Persönlichkeiteir der ganzen Provinz Schleswig-Holstein) als Verteidiger seines Bruders auf- zutreten. Nunmehr ist von dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses zu Schleswig mitgeteilt worden, daß er auf eine Zulassung als Vetteidiger nicht rechnen könne, da nach § 37 des Disziplinar- gesetzeö die Verteidigung nur durch einen Rechtsanwalt geführt werden dürfe. Die Bestimmungen der Strafprozeßordnung, nach welcher in § 138 deutsche Rechtslehrer als Verteidiger zugelassen sind, finde keine analoge Anwendung.

Ersparniffe bei der Eisenbahn.

Im Eisenbahndienst soll die Geschästsvereinfachung und Per­sonalersparnis weiter fortgesetzt werden. Die Vorstands stellen der Bettiebsinspektionen, namentlich der minder wichtigen, sollen in Zukunst durch mittlere technisck-e Beamte besetzt werden, während sie zurzeit nur von akademisch gebildeten Bauinspektoren verwaltet werden. Eine ähnliche Einrichtung besteht zurzeit schon bei den Eisenbahn-Verkehrs-Jnspektionen, deren Vorstände meist ehemalige Kontrolleure, also praktisch erfahrene und geeignete mittlere Be­amte sind. Nur einzelne Verkehrsinspektionen haben Assessoren, also Juristen, zum Vorstande. Dergleichen Stellen sind ledig­lich Durchgangsposten für den Betteffenden. Wichtigere Betriebs- inspektioiren sollen nach wie vor von Bau- und Betriebsinspek­toren besetzt bleiben. Auch für den Vureaudienst stehen, nach derFranks. Ztg.", weitere Reformen in Aussicht. Für die Arbeitsraten erster Klasse, die lediglich durch Eisenbahn)ettetäre und deren Anwärter ausgefüllt werden, sollen, soweit es irgend­wie tunlich ist, Assistenten, und für Arbeitsraten ziveiter Klasse, für die Betriebssekretäre und Assistenten zurzeit vorgesehen sind, Unterbeamte und im Bureaudienst geschulte Damen Verwendung stnden. Auch im unteren Eisenbahndienst werden nach und nach Hüfsbeamte und intelligente Arbeiter die Geschäfte der jetzigen Beamten, wie Lade- und Schirrmeister usw., besorgen. Die Er­sparnisse, die durch die in Aussicht genommenen Reformen er» fricK werden, zählen bei dem Riesenumfang der preußisch-hessischen Gemeinschaft nach Millionen Mark.

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Die Hauptversammlung, die heut vorm. 11 Uhr im Kaisersaal begann, war auch von zahlreichen Ehren­gästen besucht. Wir bemerkten u. a. Minister des Innern Dr. Braun, Geheimrat Dr. Eis en Huth und mehrere Ministerialräte, Generalmajor v. Eckenbrecher, 'Ober­bürgermeister M o r n e w e g, Rektor W a l b e von der Tech­nischen Hochschule u. a. Reichstagsabg. Dr. Schrader führte den Vorsitz ; er begrüßte die Erschienenen und verlas dann ein Schreiben der Kabinettsdirektion, in dem der Gr o ß - Herzog den Besttebungen der Gesellschaft warme Sym­pathien ausdrücken läßt. Minister Dr. Braun hielt dann eine längere Ansprache und betonte, daß die Großh. Regie­rung die Bestrebungen nach Verbreitung der Volksbildung stets aufs Eifrigste unterstützen werde. Oberbürgermeister Morneweg hieß die Versammlung namens der Stadt willkommen, ebenso Rektor Wal b e namens der Technischen Hochschule und Kommerzienrat Langenbach namens der 5)<mdelskammer. Im Auftrag des Verbandes Mittelrheini­scher Bildnngsvereine sprach Schulrat Scherer-Büdingen, dcrnn sprach Oberlehrer Lösch für den Darmstädter Lehrer­verein, Lehrer Huff für den deutschen und den hessischen Lwndeslehrerverein, Pieper-München für den südbaye­rischen Verband der Volksbildungsvereine, Prof. Hensing für den Verein der Lehrer höherer Lehranstalten und den Alldeutschen Verband, Geh. Obermedizinalrat Dr. Neid­hart für den Verband gegen den Mißbrauch geistiger Ge­tränke uff. Ist dem alsdann vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht wurde u. a. bemerkt, die preußische Re­gierung habe gegen gewisse Schriften in der Bibliothek der Gesellschaft Einwendungen erhoben. Der Vorstand habe nichts dagegen unternommen, nicht weil er die Einwen­dungen für berechttgt hielt, sondern »veil er die fernere Mit­arbeit der preußischen Behörden und Beamten nicht ent­behren wolle. Erwähnenswert ist ferner, daß auch Militär­behörden für die Mannschaften der Wachtstuben usw. Bücher aus den Bibliotheken beziehen. Die Gesellschaft hat eine immer größere Verbreitung im Volke gefunden; sie zählt gegenwärtig rund 11000 Mitglieder. Wenn sie auch nicht alle an sie herangetretenen Wünsche erfüllen kann, fo habe sie sich doch nach Möglichkeit beftrebf, allen Anfor­derungen zur Pflege und Unterstützung der Volksbildung gerecht zu werden, yftrch weiteren geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden der Ortsgruppe begannen die Vorträge. Zuerst sprach Direktor Dr. Pa v ft-Leipzig über das Thema: Die Erziehung zur Arbeit und durch die Arbeit in der Schule". Dann sprach Geh. Rat Prof. Fritz- Kalle-Wies­baden über: Der hauswirtschaftliche Unterricht in der Volks­schule", worauf die Versammlung eine Resolution annahm, in welcher die hauswirtschaftliche Vorbildung der Mädchen aller Volksklassen durch die Schule als ein dringendes Be­dürfnis der Neuzeit erklärt und es gls Pflicht von Staat und Gemeinde bezeichnet wird, diese Vorbildung tatkräftig zu fördern. Zu biefem Zwecke müsse in allen Staaten der obligatorische hauswirtschastliche Fortbildungsunterricht als obligatorischer Lehrgegenstand für die Volksschule durch­geführt werden. Dieser Unterricht müsse vor Verlassen der Schule mindestens ein Jähr wöchentlich einmal von befähig­ten Lehrerinnen erteilt werden und schritttveise erfolgen, daneben müsse auch für bessere hygienische Belehrung in allen Schulen gesorgt werden usw. Den dritten und letzten der heutigen Vorträge hielt Lehrer Hilsdors-Darmftadt überDie Bedeutung des Arbeirsunterrichts für die Schule der Zukunft". Am Nachmittag fand ein gemeinsamer Besuch der Landesausstellung und am Abend ein Fest­essen im Kaisersaäl statt.

Das Befinden der Kaiserin von Rußland.

Das Befinden der Kaiserin Alexandra von Rußland ist recht ungünstig, viel schlechter als aus den kurzen offizielleir Mit­teilungen hervorgeht. DieWiesbad. Ztg." erfährt von zuver­lässiger Seite folgendes: Kaiserin Alexandra (geb. Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein) war immer eine zarte Natur, sie hat fünf Kindern das Leben gegeben. Vor der Geburt der Groß­fürstin Anastasia, der vierten Tochter, wünschte Rußland (wie auch schon früher) einen Thronfolger. Die Ideen des Prof. fSchenck rumorten umher, sie kamen auch nach Peterhof; Kaiserin Mexandra lebte streng nach den Schenckschen Anweisungen, die »ihre Gesundheit mindestens nicht gefördert haben. Hermetisch jin Zarskoje Selo und Peterhof abgeschlossen aus Angst vor Attentaten mußte ihre Verdauung wegen Mangel an Bewegung lleiden, künstliche Anregungen gehen ja meistens nicht ohne Nach- «cil vorüber. Selbstverständlich wurde bei der furchtbaren 2ttls- regung das Nervensystem stark erschüttert. Die Neuritis äußert lich ja so verschieden, bei der Kaiserin stellten sich Zuckungen ein. Die Kaiserin war mit der Zeil, zumal da sie tmederholentlich Briefe mit Androhungen aus.ihrem Schreibtisch fand, recht miß­trauisch geworden, sie traute Niemanden ihrer Umgebung; bei icm geringsten Geräusch schreckte sie zusaiicmen, oft verbrachte sie ihre Nächte schlaflos. Hin und wieder verschmähte auch die Kaiserin die Nahrung; häufiger saß sie in tiefer Melancholie da. Die Nachrichten, daß die Sozialrevolutionäre ihr entsetz­liches Treiben eingestellt haben, sind total unbegründet: erst in len letzten Tagen sind Aufsehen erregende Verhaftungen erfolgt. Obgleich die Kaiserin in der letzten Zeit nie etwas hiervon erfahren stllte, erfuhr sie es doch. Wenn die Kaiserin von jeder Auf­regung verschont bleibt, so ist in verhältnismäßig nicht zu langer Zeit sicherlich vollständige Heilung zu ertoartcn; aber die Kaiserin längt abgöttisch an ihren Kindern; Kindererziehung ist nicht leicht; Krankheiten bleiben nicht aus und allerlei Sorgen stellen lich daher ein.

*

Ein französisches Kriegerdenkmal auf deutschem Boden.

Gestern fand bei Noisseville auf den östlichen Schlachtseldern, mo am 31. August und am 1. September 1870 Marschall Bazaine «ms dem rechten Moselufer durchzubreche»» versuchte, in blutigen Sämpfen aber zurückgeworsen wurde, die E»»thüllmig eines fran- göfifcben Kriegerdenkmals in der Nähe der Brauerei L'AnitiS statt. Am Samstag sand ein Gedächtnisgottesdienst in der protestantischeir Kirche in Metz, in der katholischen Kathedrale und in der jüdischen Epnagoge statt. Gestern folgte die eigentliche Feier. Tas Denk- nal erhebt sich auf der Höhe an der Straße Metz-Saarbrücken. Es ist das Werk des 1855 in Dietz geborenen, nach dem Kriege nach Frankreich a>»sgewanderte»r Bildhauers Hannaux. Auf dem Sockel aus rot geschliffenem Granit steht eine Frauengestalt, die einen Krieger in die Arme nimmt, der im Kampfe um die Fahne tätlich verwundet fällt.

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Zweites Blatt 1S8. Jahrgang Montag F. Oktober 1908

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