Ausgabe 
6.3.1908 Drittes Blatt
 
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fl&tgft mjrtgetci.lt, daß die Badedirektion die Ufa durch den großen Smmnelleich bei Bad Nauheim leiten wolle, und damit beab­sichtige, die Ufa auch in den trockenen Sommermonaten mit et- \ was Wasser zu versehen. Tie staatliche Genehmigung .und da­mit auch eine Ausführung des städtischen Ktäranlageprojekts erscheint darum als gewiß._________ ___________

Regelung der GehaltrverWLnM der mittleren ReichzposLbeamLen.

Von allen Fragen, die zurzeit das große Heer der Be- mnten, insbesondere die mittleren Postbeamten, beschäftigen, ist unstreitig die Gehaltsfragc die, die das weitaus grösste Interesse beansprucht. Und dies mit Recht, denn fie ist dre Lebensfrage, mit ihr steigt oder fällt das in vielen Äeamten- familien heute nur noch künstlich festgehaltene Niveau ihrer Lebenshaltung.

Wenn sich alle anderen Bevölkernngsklassen aus dem großen wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre ihre Vorteile gesichert, bzw. ihre Einkommensverhältnisse ver­bessert haben, so gebührt fraglos auch dem Verkehrsbeamten, der sein gutes Teil zur Erreichung dieses Aufschwunges bei­getragen hat, eine einigermaßen den herrschenden ^.eue- rungsverhältnissen entsprechende Gehaltserhöhung. Mit der im vorigen Jahre bewilligten einmaligen Teuerungszulage von 150 Mark ist das dringende Bedürfnis auch von maß­gebendster Stelle anerkannt worden, jedoch hat dieses Aus- Hilfsmittel den fortschreitenden Rückgang in den Lebens­gewohnheiten dieser Beamtengruppe nicht aufzuhalten ver­mocht. Die mannigfachen Auslassungen in den Fach­zeitungen, die verschiedentlich veröffentlichten Haushalts- rechnungen aus Postbeamtenfamilien gewähren mit er­schreckender Deutlichkeit einen leider oft nur zu traurigen Einblick und beweisen, wie dringend hier. eine Besserung der Verhältnisse notwendig ist, soll nicht ein mit dem Mit­telstand eng verwachsener Volksteil und nicht der schlech­teste dem Proletariat anheimgegeben werden. Gerade der Umstand, daß die mittlere Postbeamtenlaufbahn ihrer: Zuzug allein aus der Bevölkerungsschicht erhält, die er­fahrungsgemäß das größte Kontingent der bürgerlichen Par­teien stellt, und mit ihr durch gesellschaftliche und ver­wandtschaftliche Bande stets verbunden bleibt, sollte Grund genug sein, die geeigneten Mittel zur Erhaltung und Kcäs- ttgung dieser für unser Staatsleben so wichtigen Gruppe pi schaffen. .

Jedoch avgesehen von dem politischen Interesse wird auch das wirtschaftliche Ingresse zahlreicher anderer Kreise von dem dauernd ungünstigen Stande der Bram^enbesochung in bedenklicher Weise gefährdet. Ter Beamte hat stets und mit Recht als ein guter, sicherer Mieter und flotter Käufer ge­golten; ob ihm diese Eigenschaften heute noch im allge­meinen beizulegen sind, dürfte füglich zu bezweifeln sein. Dre Not des Lebens fordert gebieterisch die alleräußerste Einschränkung in der Befriedigung des Wohnungs- und des Kaufbedürsnisses, ja es wird bei letzterem nur zu häufig von der weitgehendsten Inanspruchnahme des Kredits Gebrauch gemacht zum Schaden sowohl des Verkäufers wie des Käufers. Die große Zahl der Handwerker, der Handel- nnd Gewerbetreibenden, si» alle haben wohl mit gemischten Gefühlen die im Verlaufe der Jahre eingetretene Verände­rung im Bestände ihres Kundenkreises und in deren Zah­lungsfähigkeit wahrgenvmmen. Es kann und wird dem Geschäftsmanne nicht gleichgültig sein, wenn die Kaufkraft eines Teiles des Publikums in bedenklichem Maße zurück­geht, wenn seine Erzeugnisse oder Waren immer weniger Abnehmer finden, wenn seine Angebote unbeachter im Winde verhallen und er infolge dessen den zum Fortbestand seines Geschäfts iwtwendigen Gewinn nicht mehr erzielen kann.

'Aber auch in der Betätigung geistigen und gesellschaft­

lichen Lebens ist in Beamtenkreifen ein merklicher Rückgang unverkennbar. Der Familienvater opfert, der Not gehor­chend nicht dem eigenen Triebe, seine sonst zur Befriedigung des Wissensdurstes oder zur Förderung der Allgemeinbil­dung verwandten Mußestunden seiner Familie; der ganze Verkehr beschränkt sich auf die vier Wände des eigenen Heims. Und doch erfordert gerade die heutige Zeit von dem Manne mehr, als nur die Fähigkeit, einen guten Haus­vater spielen zu können, er muß jicl) im öffentlichen Leben betätigen.

Die Postbeamten hegen das Vertrauen, daß ihnen bal­digst geholfen wird und daß ihre Wünsche auf eine durch- areifende Besserung ihrer ungünstigen wirtschaftlichen Ver­hältnisse in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen werden. Mögen ihre Hoffnungen nicht zu herb enttäuscht werden, damit auch ihnen sich das Leben wieder von einer schöneren Seite zeigt, als es in den letzten sieben mageren Jahren der Fall war. ___________________

*Dasb laue Band des Ozeansl Dasjenige Schiff, welches auf der Strecke KanalNewyork oder Newyork Kanal die größte Durchschnittsgeschwiudigkeit erzielt, gill als Inhaber desblauen Bandes des Ozeans". An dem Wettkampfe haben sich bis heute nur englische, deutsche und französische Schiffe beteiligt, während die amerikanischen sonderbarerweise gar nicht den Versuch gemacht haben, einen Schnelligkeitsrelord aufzustellen. Bis 1892 waren englische Schiffe die schnellsten, mit einer Höchst-Durchschnittsgeschwin- digkeik von 20,35 sm auf der Ausreise und einer solchen von 20,03 sm auf der Heimreise. 1892 schlug der auf der Vulkan- Werft gebaute DampferFürst Bismarck" der Hamburg- Amerika-Linie die beste Heimreise der Engländer mit einer Geschwindigkeit von 20,14 sm. Ende 18931897 war dann das englische Schiff ,,-Lueania" der Cunard-Linie das schnellste mit 22,01 sm. Im Herbst 1897 eroberte der wiederum von der Vulkan-Werft erbaute DampferKaiser Wilhelm der Große" des Norddeutschen Lloyd das blaue Band mit einer Geschwin­digkeit von 22,29 sm und im Jahre 1901 brachte er es auf 23,0 sm. Volle zehn Jahre war dann dasblaue Band" in Händen deutscher Dampfe r. Der Rekord desKai­ser Wilhelm des Großen" wurde von drei Dampfern, die ebenfalls auf der Vulkan-Werft erbaut waren, gebrochen. Es waren die DampferKronprinz Wilhelm" (N.-D.-L.) mit 23,47 sm,Deutschland" (H. A. L.) mit 23,51 sm undKaiser Wilhelm II" (N.-D. L.) mit 23,58 sm. Im Sommer 1907 ist es England wiederum gelungen, das Ziel zu erreichen. Die beiden Dampfer der Cunard-LinieLusitania" und Maureania" haben mi 24,002 sm (Lusiania-Ausrttteise) und mit 23,9 sm (Mauretania-Rückreise) dasblaue Band" für England zurückerobert. ______________________

HAereorolvgisme Veovachnsußen der Station Gießen.

März 1908

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MrchUche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 8. März 1908, Invokavit: Gottesdienst.

In der StaüMrchc.

Vormittags 9V2 Uhr: Professor D. Drews.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Abends 6 Uhr: Siehe Iohanneskirche.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthänsgemeinds.

Dienstag den 10. März, nachmittags 4 Uhr, im Matthäus- saal: Frauenmissionsverein.

Nächslkünftigen Sonntag, den 15. März, findet im Abendgottes­dienst Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markus- gemeinde gemeinsam statt. Anmeldung dazu vorher bei'bem Pfarrer seder Gemeinde erbeten.

In der Iohanneskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer B e ch l o l s h e i m e r.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.

Pfarrer Bechtotsheimer.

Abends 6 Uhr: Pfarrer A u s f e l d.

Abends 71/, Uhr im Konfirmandensaale: Vereinigung der fon- firmierten männlichen Jugend der Iohannesgemeinde.

Mittwoch den 11. März, abends 6 Uhr: 2. Passions-Andacht.

Pfarrer A u s f e l d.

Nächstkünftigen Sonntag, den 15. März: Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Iohannesgemeinde im Vormittags- gouesdienst. Anmeldungen vorher bei dein Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Uathollsche Gems'mde.

Gottesdienst.

Samstag den 7. März:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 8. März 1908,

1. F a st en - S o n n 1 a g.

Vormittags von 67. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

u um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.

um 8 Uhr: Die zweite heilige Blesse.

um 9% Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 5 st Uhr: Christenlehre; darauf Passions-Andacht.

Mittwoch abend um 6 Uhr ist Fastenandachr.

Myatt. lleberficht der CodessöLe in der Stadt Gießen.

Monat Januar 1908.

(Einwohnerzahl: angenommen 511 30 400 linkt. 1600 Mann Militär.) Strrblichkeitsziffer: 22,l%0, nach Abzug von 19 Ortsfremden: 18,0 n/oo.

Kinder

Anm.:'Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle m der betreffenden Krankheit auf von auSivärtB nach Greßen gebrachte Kraicke kommen.

Es starben an: Zusammen:

Erwachsene:

im

vorn

Masern

2

1. Lebensjahr:

1

2.-15. Jahr 1

Diphtherie

3d)

7 (2)

1

2(1)

Tuberkulose

4(1)

1

2(1)

Lungeneiltzündung

13 (1)

5(1)

3

5

Herzkrankheiten

5(1)

5(1)

Gehrrnschlag

5(1)

4

Kl)

Magendarmkatarrh

1

1

Blmddarm-Ent- zündling

Kl)

-

1(1)

anderen Unterleibs- krankheiten

2(2)

2(2)

Nierenentzündung

1

1

bösartigen Neu­bildungen

6(4)

6(4)

Verunglückung

3(2)

2(2)

1

anderen Krankheiten

7 (4)

4(2)

2(1)

1(1)

Summe 56 (19)

33 (13-

10 (2)

13 (4)