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4.12.1908 Erstes Blatt
 
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Meise die Konsumvereine befruchtend auf das soziale Leben ein= wirken. Ter '-liorn/urf, der in Gießen int Detaitliltenoerern er­hoben fei, daß cs fatsch sei, wenn die Beamten und auch die I feineren Handwerker sich den Konsumvereinerr anschlreßen, weu sie damit dem Sozialismus bienen, sei ganz und gar ungerecht. In der heutigen Zeit, in der die Lebensbedürmrsse teuer feien, und der Familienvater mit jedem Pfennig zu rechnen hab-', muifc der Beamte, der Bauer, be.r Hanowerler und der Arbeiter zu- amrncnstehen, wenn es sich darum handele, wirtschaftliche Vorteile, wie sie durch die Konsumvereine zu erringen sind, zu verschaffen. Tie Genossensünaften treiben keine Politik, dies überlallen sie den dazu berufenen Vereinigungen. Es sei bedauerlich, daß man jede Bewegung und jede Bestrebung, die dem Groß-Kapital ent- gegentrele, einfach damit niederzuhaltcn versucht, daß man er­klärt, sie diene der Sozialdenwkratie. Vernünftige Leute geben auch auf diese Redensart nichts. Der Redner schildert dann das Arbeitsfeld des Konsumvereins in Hamburg, der über 35000 Mitglieder verfügt. Stickä in den Arbeitseinstellungen, um bessere Ä)l)noe0ingungen zu erreichen, fei die wirtschaftliche Besserstellung Der Massen zu erringen. Dies beweisen die ergebn.slos ver­laufenen großen Streiks in Deutschland sondern durch ge- nossenschastlichen Zusammenschluß dec Massen allein sei etwas zu erreichen. Der Konsum eines Reichen, deren es im Verhalt- >iis zu den 2kruraudjcru von lOOUluOuO Pik. im Jahre nicht viele givt, ist im ganzen genommen, für unser Wirtschaftsleben nicht so ausichlaggebend, wie der Konsum der Millionen Arbeiter, Beamten, Handwerker und kleinen Bauern in Stadl und Land. Rur durch Organisation und Fort schreiten auf genossenschaftlichem Boden sei es mugiiu), die Faden des Groß-Vcapiials zu zer,chneiden, Die wie ein Alp auf unferem wirtschaftlichen Leben in Deutsch­land lasten. Stach einigen Bemerkungen des Redakteurs Vetters a j die Frage Der Besteuerung der Konsumvereine, erklärt Pro- idior Dr. Stauoingcr, eine Besteuerung für ungerecht, da es sich oei den Genosjeusüjiaften nicht um Geschäfte im eigentlichen Sinne Des Wortes l-andele, der Ueberschuß seien Ersparnisse, die im Verhältnis an Den einzelnen Genossen zurückgegeben würden. Wolle man aber die Besteuerung doch zum Gesetz erl-eben, wie dies -um Beispiel in Sachsen heute schon der Fall sei, so müßte Die Steuer­last so geartet sein, wie bei den Akoen-Gesellschaften. JedensallA seien die bisher gemachten Steuervorschläge, u. a. die Umsatzsteuer, uliannehmbar.

* Siebener Volk 4 bad. Jin November wurden 9267 Bäder verabreicht gegen 9856 im Oktober 1908 und 9361 im No­vember 1907 oder' im Turchichnilt am Tag 809 Baver gegen 31» im Oktober 1908 und 312 im Slovember 1907. Der Besuch Hal sich im einzelnen wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 4610 Manner, darunter 732 zu 10 Pfg.,

871 Frauen, , 125 , 10 ,

Wannenbäder 1. Klasie 265 Männer, 92 Frauen, , 2. 790 408

Brausebäder 1. Klasse «22 Männer, 144 Frauen, 2. 919 , 147

Dampf- u. Heißtuftbäder, soivie Alossage zus. 181 'Ulämier, 18 Frauen. Tie Persouemvage ivuvDe von 260 Personen benagt und dar Bad von 5 Personen besichtigt.

** Frauenbewegung. In dem gestrigen Bericht muß es heißen, der allg. deutiche Frauenoercin halte sich

schüttet. Es waren sofort hilfreiche Hande zur Stelle, die die Verunglückten au§ den Erdmassen wieder herausgruben, was keine kleine Aufgabe war. da es sich um etwa zehn Waggons Erde handelte. Die beiden Arbeiter schienen innere Verletzungen erlitten zu haben und wurden sofort in das städtische Krankenhaus geschafft. ES sind die Arbeiter Mark- wart aus Pfungstadt und Czamin aus Böhmen. Unter­suchung ist eingelcitet worden.

M a i n z, 3. Dez. Ob die vom Gewerbeverein angeregte In­dustrie-Ausstellung zur Ausfüllung kommt, erscheint zweifelhaft, da die Vertreter der bedeutendsten Mainzer In­dustrie, der Atöbelfabrikanten und des.Schreinermeistcrverbandcs, angesichts der ungünstigen Zeitverhältnisse sich gegen die Abhaltung einer Ausstellung ausgesprochen haben. Die Eingemein­dung von Kostheim soll so rasch zur Erledigung kommen, daß sic ev. noch am 1. April n. I. vollzogen werden kann. Bürger­meister Les sei von Kostheim und die übrigen Mitglieder der Dortigen Eingemeindungskommisfion werden mit Der lldDL Ein- gemeindungskommijjion auf der Basis der mit Kästel unv Mom- bach vereinbarten Bedingungen in Verhandlung treten. V e r - haftet wurde der Bücherrevisor Lustig. Es liegt eine auswärtige Anzeige wegen Betrugs gegen chn vor.

s. Marburg, 3. Dez. Bei Der Viehzählung in Marburg wurden gezählt 3UU Pferde gegen 352 im Jahre 1906, 245 (194) Rinder, 104 (69) Griffe und 407 (417) Schweine.

X. Hanau, 3. Dez. Tie Stadtverordneten- Versammlung beschloß in ihrer heultgen Sitzung, den Hinterbltebenen der auf der Zeche a b bo ö" oerunglückicn Bergleute 5 00 9)1 art zu bewilligen. Den städtischen Beamten wurden für das Rechnungsjahr 1908 Teu e ru ngS- 3 u la gen in Höhe von 150 und 100 Lik. bewilligt. Die 3000 bis 4560 Alk. beziehenden Beamten erhalten 100 Lik., die unter 3000 Mk. beziehenden Beamten 150 Lik.

** Kleine Mitte " n a e n <-: 5 >5 essen und den Nachbarstaaten. In Gettenbach feierten heute Johannes Wagner und F-ran geborene Pfaff, die diamantene Hochzeit. Der Gemeinderat in Zwingenberg a. d. B. beschloß mit allen gegen Die Stimme des Bürgermeisters, die Stadt mit Gas zu versel)«n, welches vom Gaswerk in Bensheim geliefert werden soll. Bei einer durch das Gewerkschaftstarteil in Weisenau cinberufenen Arbeitslosenversammlung waren zwei Arbeits­lose erschienen. In körperlicher und geistiger Frische beging dieser Tage Der Lehrer und Kantor Peter in Ehlen (Kr. Wolss- hagen) sein goldenes Dienstjubilaum.

Märkte.

Ausland.

In den politischen Kreisen Italiens hält man »ach den gestrigen Vorgängen in der Kammer die Stellung L i 11 o n i s als erschüttert.

Ter Papst ist vollkommen wieder hergestellt.

England und Holland. Tas Reutersche Bureau ist zu der ErUärung ermächtigt, daß von einem engeren Zusammen­schluß zwischen den Niederlanden und England nicht die Rede ist.

Aus Haiti wird gemeldet: Präsident 9lorb Alexis hat sich auk daS französische Cchiisichiff geflüchtet. Ter fPlob beschimpfte und bedrohte ihn. Man wollte ihn aut der Straße erstechen. Der Mob erbeutete die Koffer des Präsidenten mit 40 000 Mk. Inhalt Ein weiteres Telegramm aus Port-au-Prince meldet, daß die Ord- nung m der Stadl um 11 Uhr vormittags vollständig tvieder her- gestellt war. Mehrere Personen, die Plünderungen begangen hatten, wurden verhaltet.

Aus StaOt und Land.

Gießen, 4. Dezember 1908.

* * Tageskalender für Freitag, 4. Tez.: Stadt- 16 e a t c r. 2. und letztes Gastspiel der LchUerseer: »Der Paragraphenschuster". Anfang 8 Uhr.

- Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be- setzende erste Lehrerstclle an der Gemcmdeschule zu Ru pp e rt §=> bürg. Alit der Stelle ist Orgamsten- und Küslerdtenst ver­bunden. Dem Grafen zu SolmS-Laubach steht das Prasen- tationsrecht zu.

ßnr Teilnahme an den Sitzungen des Deutschen Evang. Kirchenausschusses, die gegen­wärtig in der Retchshauptsladt slattsinden, hat sich als Ber- treter der hessischen evangelischen Landeskirche Oberlonsistorial- präsident Nebel nach Berlin begeben.

Stadttheater, lieberD i e Pfarrerin^, deren Premiere am nächsten Dienstag hier stattfindet, schreibt dieTaimii. Zig."; Fellinger ist ein dramatischer Stopf, der die Schick,alsiuden wohl zu knüpfen und zu entwirreii weiß.Die Pfarrerin" enthält eine Fülle p ychologisch feiner und wirksamer nnd in der Turcli- führuug logisch auSgcbauter Züge. Ter Dialog ist flüssig und schlagfertig, die Zeichnung der einzelnen Charaktere ivohlgeltmgeii... Bühnenlectmik beiueiit der Ber-asser, fieberen Blick liir ivirtsame yiomente und packende Abschlüsse, benen er beisvtelswcise im ersten Akt nut ge|d)idtev Hand tieen Eindruck verliehen bat. Seme Be­gabung für Satire, der er ö'lers die Zügel schießeii läßt, gibt d-n, ganzen einen ersrischeitden und belebenden Zug, wie er sich denn übeiljaupt als ein aufmerksamer Beobachter eriveist. Kurz, Du? vielen Lichtseiten des neuen Schatispiels überwiegen die wenigen Schattenstreifen; dem Werk kann mit Geivlßbeit eine erfolgreiche Bühnenlaufbahn prophezeit werden . . . Tas Haus bcreitcie dein Stück eine warme und herzliche Allfnabme, die sich nach dem 2. uni) 3. Akt zu mehrereir Hervorrufen steigerte."

* K »i n stoere in. Wie aus dem Inseratenteil ersicht­lich ist, findet die Verlosung unter den Mitgliedern des Kunstvereins am Samstag, 12. Dezember, in den Räumen der Kunsthalle in Darmstadt statt. Es gelangen außer Kunstgegenständen u. s. w. auch Anrechtsscheme zur Verlosung, deren Gewinner sich m der hiesigen Ausstellung ein Gemälde anssuchen kann.

-Der Evang. Arbeiterverein plant für Endc Januar n. I. einen Volksunterhaltungsabend. Bei dieser Gelegenheit soll ein größeres soziales Schauspiel:Hie Söhne deS Arbeiters* zur Aufführung gelangen. Das Stück, bet dem ca. 40 Personen Mitwirken, wurde bereits vor un­gefähr 8 Jahren innerhalb des Vereins aufgeführt und fand damals großen Beifall.

* *N ieDc r mit bc n Konsumvereine n". Gestern abend hatten sich im Gewcrkschaflshaus bie Mitgliebcr des Gie­ße,rer Konsumvereins recht zahlreich cingcfunbcn, um ben ange- fünbigten Vortrag des Professors Dr. Staubinger aus Tarm stabt über bas ThemaRicbcr mii ben Lttmsumoercincn" mit an- Nuhören. Der Redner erklärte einleitend, baß nich-t etwa er diesen Rus halbe ertönen lassen, sondern die Gegner dieser Vereinigungen und ging bann auf bic Ausführungen bcs Vortrages wegen Grün­dung eines Rabattsparvereins ein, ber jüngst im Tetaillisten-- verein gehalten wurde. Er erklärte, daß. cs ben Kaufleuten nicht möglich sei, ben Käufern in Form von Scabatlsparmarken ü Proz.

- zu gewähren, es fei Denn, baß sie Diesen Rabatt vorher aus Den Preis Der Aaren ausschlügcn. Er bezog sich hierbei >-as Erklä­rungen von Kaufleuten, von benen er zugab, baß sie später doch einen fliabattsparverein gegrüiibct haben. Ter Rebner führte ferner aus, baß bie KHnsumvcrcinc nicht mit Handelsgeschäften wie sie Kaufleute machen, zu vergleichen seien, sondern daß es ihnen daraus auBommc, bic Bedürfnisse der Mitgliebcr im Großen hu beschaffen uiü> bann im Einzelnen zu verteilen. Selbstverständ- lich sei cs, baß bie hierbei sich ergebenben Spesen und Unkosten mitbczahtt werben müssen (beim Gießener Verein 10 Pwzcnt), baß aoer bei ber Mehrciimahmc sic über Die Selbstkosten zuzüglich Spesen von einem Vcrbicnst nidjt gesprochen werben Dunne; dieser Betrag sei als eine Rückvergütung an bie Mitglieder bestimmt und stelle in gewissem Sinne für sie eine Ersparnis bar. Hierzu komme, daß bic von ben Mitgliedern der .Konsumvereine be­zogene Aare für dasselbe Geld mindestens besser und frischer geliefert werbe, als von ben Kaufleuten, weil sic burch eine Gwß-Bezugsgenossensdjaft, deren Mitglied jeder Konsumverein ist, in gewaltigen Mengen bezogen werde. Diese Groß-Bezugsgc- nossenschaft, bic im Jahre in Deutschland 60 Millionen nmsetzt, kann für jeden einzelnen Artikel einen Spezialisten beschästigcn, der den Artikel gründlich kennt. Der Redner geht bann auf bic Tätigkeit unb bic Organisation ber Konsumvereine näher ein unb erklärt, daß abgesel>en von der Bildung von kräftigen 'Reserve fonds bie Gewinnung von Massen als Mitgliebcr cm Hauptsaktor jei, um bie Gcnosscnsll»aften zu einer Macht heranzubilben, die im Wirtsclmfilillren Leben ein gewidrtiged Wort mitreben kann, die auch sozial mitsprechen tarnt bei ber Prcisbilbttng notwendiger Bedarfsartikel. Der Handel sei gar nicht imstande. Die Waren so billig zu liefern, wie dies durch die zioilfnmgciwsfenschastcn gc- sdjel-e, weil Die Waren von Hand zu Hand gehen unb badurcb progressiv verleuert werben. Denn jeder, ber Agent, der Grossist unb schließlich ber kleine Kaufmann wolle von diesem Umsatz leben und Dabei noch etwas mehr vcrDiencn. Tie ganze Ge­staltung Des Handels, wie sie bei uns bestehe, sci iveiter nichts als eine Einrichtung, die dem Groß-zsapital Diene, das dadurch immer mehr gekräftigt werde und zur drohendcit Gefahr in un­serem Wirijch.rfisleben geworben sei. Stur infolge biefer Ber- bältitissc sei cs bahin gekommen, baß bie Ringe unb Kartelle bie Preise bulleren. 'Jiebner erntahitie bie MitgUebcr der Konsum- Vereine, besonders die Frauen, ja ihren Bedars beim Konsum zu decken. Ten Vorwurf, baß bie Konsumvereine nicht befruchtend auf bas wirtschaftliche Leben ber Station wirken, widerspricht der SieDncr auf das Entfchiebcnste. Es fei durch Professor Dr. Bicrmer statistisch nachgcwicsen, daß in einem gewissen Zeitraum die den Handel betreibenDen Personen an Zahl verhältnismäßig enorm gewachsen seien, so daß man hier von einem ungesunden Verhältnis auch int Interesse der siaufleuie selbst sprechen tonne. Es sei nachgcwicsen, daß m Leipzig mit seinen 40000 Konsum- vereinömilßiiederii, bie alten Gcjä äste sich über Wasser halten könnten und ganz gut wciterbcstK)en, währenb neue Koltkurt«tteii nicht cniftanben sind, weil eben bei der großen Zahl ber Koii,um vercinSmugliedct für Diese keine Eristeitzmogiiü>keit in Leipzig mehr bcst.lfC. Hier habe also der Konsumverein einer üocrgrvchm Vermehrung der Handelstrciocnbcn im 3ntcre,.: der bestesuden Geschäfte cntgegcngeiuirtT. Es werd, aber aitd von Äauflcuu.i in eint t Städtci.....

Summen, welche bic Genossenschaflen an uv Muglieber als Rückvergütung ausfchütkcn, sehr wohl im Haiive.sr.it : D. er Stabte zu spüren find unb bamu sei Dargetan, Daß auch m dieser

neutralkoniesfionell unb politisch", statt konfessionell und geistig.

** Ermittelt. Der Einbrecher, der in der Nacht vom 19. auf 20. v. Mts. in der Wirtschaft SDcaft in der Franl- furter Siraße ein Fahrrad und einen Ueberzieher usw. stahl, ist in ber Person Des Taglöhners Heinrich Reuter aus Lauterbach in Bad-Hauheim zur Hast gebracht worben. Er gibt auch zu, das in Bad-Nauheim gestohlene Dreirad am hiesigen Güierbahnhose zurückgelassen zu haben, bestreitet aber den Einbruch im Güterbahiihof. Renier Hal noch eine Zuchtl>ausstrafe von 6i& Jahren zu verbüßen, er war geistcslrank geworden und in der Irrenanstalt Ellen bei Bremen unlergebrackt. Hier entwich er vor 3 Wochen, juhr nach Franksurt a.« M. uiti) von da ging er nach Bad- Stauheim uni) richtete sich in der Billa Siegfried wohnlich ein. Don ba unternahm er seinen Slreiszug mit dem Drei­rad nach Gießen. Mit dem hier gestohlenen Zweirad begab er sich wieder nach Bad-Stauheim in die besagte Villa und ipurde darin daun auch ertappt, sestgenommcn unb gestern nach hier in Untersuchungshaft gebracht. Renker ljat in Bad-Siauheim auch noch andere Einbrüche in geschlossene Billen unternommen unb eingestanden.

** Feldarbeit im Dezember. Wohl selten dürste es Doriotnmen, daß int Dezember die Landwirte noch in solcher Zahl wie Heuer ihre F-cldarbeiten be,orgcn. Ueberall sieht man fleißige Leute vejchäitigt, die ihre Aecker düngen, umpflügen, stürzen, eggen. Auch in den Gärten wird jetzt das Versäumte nachgeholt, man gräbt, Pjlouzt Bäume und Sträucher. Im Ollober und Stooember luar es infolge der herrschenden Trockenheit und des barauffolgcnben Frostes nicht mögtich, bic Herbstbestellung von Feld und Garten zu beenden. Das jetzige milde und feuchte Wetter ist für Land­wirte, Gärtner und Obstzüchter von gleichem Stutzen.

-f- Nödgen (Kreis Gießen), 3. Tez. Unsere Wa sser - leitung, die im Jahre 1903 unter ber Leitung des Ober- Ingenieurs Müller-Gießen erbaut wurde, funktioniert vor­trefflich. Die nötige Feldarbeit, die in diesem Herbst durch die anhaltende Trockenheit noch im Rückstände war, ist nun infolge dc§ Eintretens anderer Witterung soweit beendet. Durch daS Anbringen von neuen Straßenschildern und Hausnummern an ben Häusern war es unserer Einquartierung in biesem Herbst eine Erleichterung, ihre Quarliergcber zu finben. Gegenwärtig liegt hier auf der Bürgermeisterei der neue Ortsbauplan zu Jedermanns Einsicht offen.

= Bad-Nauheim, 3. Dez. Die Handelskammer Friedberg widmet ihrem kürzlich verstorbenen 2. Vor­sitzenden, Hotelbesitzer Sprengel, folgenden Nachruf: Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, Daß Herr Ferdinand Sprengel auö Bad-Nauheim nach kurzem, schwetem Leiden im Sliter von 50 Jahren gestorben ist. Der Verstorbene gehörte unserer Kammer seit ihrer Gründung im Jahre 1898 an und war seil dcrn Jahre 1904 steUvertrelendei Vorsitzender. Wir betrauern in dem Heimgegangenen ein Mitglied, daS sich stets mit großem Interesse den Aufgaben Der Hammer gewidmet, und feine reichen Erfahrungen und Kenntnisfe selbstlos in den Dienst der Slllgememheit gcstelll hat. Als erster stellvertretender Vorsitzender hat er in Ver- Hinderung deS Präiidcnten die Gcjchäfle nut Umsicht und Gejch'ck geleitet, ©eine rastlose Tätigkeit auf allen Gebieten Des öffentlichen Wolffs unb seine liebenswürdige kollegiale Gesinnung sichern ihm im Herzen seiner Kollegen einen dauernden Ehrenplatz."

X Schwalheim, 3. Tez. Nun ist durch bie Veftäti- g u n g des neugewähtten Bürgermeisters van B a ß h u i f e n, der icitljcr Polizcibicner ivar, endlich wieder Ruhe in unserem Orte cingckehrt Tie Oriscinn^bner braditcn dem neuen LrtSober- bnupt eine Ovation bar. Georg van Vaßhuisen entstammt einer vor Japcen a..s cjjuüiu) c nguuu.utn.vii odiniic.

S)atm Habt, 3. Dez. Infolge umfangreicher Erb- riitschungen bei ben Gruudarbeiten an ber Ooenwalb- Bohn, nahe der Dieburger Straße, mürben heute früh un­vermutet von größeren Erdmaffen zwei Arbeiter ver-

fc. Frankfurt a. M., 4. Tez. Heu- und t rohmarkt Angekahren waren 10 Wagen Hen und 4 Wagen Stroh. Bezahlt iüuiDc für Heu Alk. 3.20-3.50, für El roh Alk. 2.60-2.65. Alafcbinenslrot) fehlt. Tie Zufuhren waren ans den Kreisen Dieburg, Friedberg und Gelnhausen. TeuDcnz still, Gejchäii ruljig.

* Der Parsevar i,t gencrn oour Kriegsminister ab genommen worben, nachdem sich die Abnahmetom- mission unter Vorsitz von Oberstleutnant Schmie decke einstimmig basür erklärt hatte. Die SRotorluftschiffahrt- gesellschast geht jetzt unverzüglich an die Zusammenstellung des großen SRolorballons.

* Von bet Bur eaukratie erzählt basB. ein neues Stücklein. Den Vereinen ber alten jchleswig-holsteinischen K'rregsveterancn vom Jahre 1848/51 ging kürzlich eine Verfügung zu, wonach sie bic erhaltene Genehmigung zur Führung ihrer Fahnen Nachweisen sollen. Seckfzig Jahre nach Der Erhebung Der Herzogtümer wirb bett jetzt 80 bis 90 Jahre alten Männern, die in patriotischer Begeisterung damals zur Befreiung Schles­wig-Holsteins zu den Waffen gegriffen, plötzlich zuge.nutet, fein säuberlich sich darüber ausznwcisen, ob sie wohl auch bie ben Belffirbcn nötig erjcheinenbe Berechtigung zur Füllung ihrer Fapncn in ben schleswig-holsteinischen Farben hübsch schwarz auf weiß erhalten haben. Statürlich ist ein solcher Slachwcis nicht zn erbringen, weil eben bei Anschaffung ber Fahnen in den Farben, unter denen sie getämtfft uuD gemutet, von ben Veteranen bie Ein­holung einer solchen Genehmigung von niemanb verlangt worden ist. S e i t I a h r z e h n t e n sind sie unbeanstandet und in Ehren gesührt worden, ben größten Teil ber Vercinsmitglicder deckt be­reits ber grüne Rasen, unb nur klein ist bas Häuslein ber alten Herren, bie heute sich noch um bie alten Banner fd)arcn tönnen. Jetzt erinnert man sich am grünen Tisch mit Schrecken, baß nach Schema F zur FlUwung dieser Fahne auch eine Genehmigung erforderlich sei!

* Heruntergekommene Ritter des Eisernen K r c u z e s c r st e r l a s s e. Ein von Pommern zugereister Land­streicher wurde durch bic Polizei, wie bie Allg. Fl.-Ztg. beridjtet, in Neusbabt in Westpreußen festgenommen. Aus den Papieren! des Arrestanten ersah man, baß er Stiller des Eisernen Kreuzes elfter Klasse ist. In Altona begab sich ein alter Mann in einer ber letzten Nächte in Schutzhaft. Anfangs ber sechziger Jahve ivar er Frernbenlcgionär, kehrte nach Teulsdffanb zurück und erwarb sich int Feldzüge von 1870/71 für bewiesene Tapferkeit das Eiserne Kreuz erster Klasse. Beide haben vor 38 Jahren bessere Tage gesehen.

* Die Träumcdcr Helen Keller. Helen Keller, bie junge Amerikanerin, bie es vermocht hat, bie hemmenden Sd>ranken zu überwinden, bie ihre Blindheit und bas Taubsein ihrer Geistes- cntwidlung entgegenstellten, veröffentlicht jetzt im Eentury Atöga- zme eine fesselnde Schilderung ihres Traumlebens. Sie beriä-tet von den wundersamsten Traumerlebniisen, vom Schioebcn über Wolken, von Wanderungen burdj fremde Länder, bic sic in Wirk­lichkeit nie betrat, von ber Begegnung mit Volkern, beten Sprache sie nie gehört, und die sie bennoch versteht. Sic fühlt sich mitten in bic Blutlage ber fran,zösisck>en Revolution unb bie furchtbarsten Szenen des indischen Anfstanbcs versetzt ober in die Schrecken eines Pwgvoms und fleht russische Soldaten an, bic Juden nidff niederzumetzeln. Zufannncnsassend sdfflbcrt unb crtlört sie biefen Zu staub folgendermaßen: Vielleidff sind cs bie Sd)immer fernstev idinbertagc, beten Abglanz mein Geist burd> den Sdffeiet des Schlafes wahrnimmt. Ich höre bas Rauschen vieler Wasser. SJiandimal kommt im Sckffasc ein wundervolles Licht zu mir. Welches Leuchten unb weich'« Schönheit! Ich schaue und starre es an, bis cs ciit)d>iöiiibet. Im Wachsein ist der Gcrud) unb ber Tastsinn mein Führer unb Dolmetsdz. Im Schlafe taste ich nie. Sliemanb führt miete Sid>er unb unbehindert gehe ich durch verkehrburchflutete Straßen, unb ich genieße eine llnabhängigkett, Die sonst meinem körperlichen Dasein nie gegeben ist. Mein Geist wird unabhängig von seinen Sinnesorganen. Wenn aud) nur im Sdffafe: ich bin glücklich, bas zu erleben, denn meine Seele breitet dann die Schwingen und vereinigt sick) froh mit der Schar glück­licher Wesen, iüüc jenseits ber Grenzen des Tastsinns leben . . . Vielleidft empfinde id) shirkcr als andere bte VcnvanDtsaiaft zivjsckien ber wirklichen Welt unb ber Welt ber Träume, benn bevor ich unterrid>tct würbe unb benFen lernte, lebte ich in einer Art stetem Traum. Tie Erzählungen Verwanbier uno von Freunbcn, Oie mich täglich sahen, sind oas einzige, was ich wirklich von jenen frühen buniien Kinbcrjahren weiß. D.e rem körperlichen Vorgänge Des ZubcKgehcns und Des Auistehens sino bie einzigen Marksteine, bie bamals rein äußerlich Die Wirklichkeit von «xr Traumwelt sdffeden....

* TieKrücken" der Sarah Bernhardt. Schon bei ihrem letzten Gastspiel in Deutschland war es ausge­fallen, so schreibt dasBerl. Tgbl.", in welchem Hohen Grade Sarai) Bernhardt, hie nunmehr in dem respetlablen Alter von »> Jahren steht, seii. ihrem letzten Au^relen in Berlin, gealtert. i|i. Jungst gastierte nun die Künstlerin. I in Budapest, und bei oie,er Gelegenheit gelang es einem