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dortigen Journalisten, einen Blick Hinter die Kulissen zu tun. Er war so ungalant, zu erzählen, mit welchen Hilfs- Mitteln die greise Künstlerin heute arbeitet, um immerhin noch so zu erscheinen, wie sie erscheint, und wir erfahren, thiB <varab Bernhardt tatsächlich nur noch sozusagen auf Krücken geht, daß cs der Anwendung aller nur denkbaren technischen Geheiinmiltcl bedarf, um ihr Auftreten über- Haupt noch zu ermöglichen. Tie Einzelheiten dieser Kunstmittel, die da zutage gefördert werden, erregen fast Mitleid für die Künstlerin, der es so schwer wird, von der Bühne zu scheiden, wie manchen anderen Menschen vom Leben überhaupt. Ter unbefangene Zuschauer kann sich lein Bild davon machen, welch peinliche Vorkehrungen getroffen werden, ehe Sarah die (Garderobe verläßt und die Bühne betritt. Mil gummierten LeinivaiU-streisen werden ihre schlaff herab- hangeuben Wangen hochgetlebt, mit dickjlüsiigem Creme die tiejen Furchen ihres Gesichts ausgefüllt; dann wird daS Ganze mit Fleischsarbe überstrichen, und die Kammerzofe vollende: ihr Werk, indem sie eine Walze nimmt, die sie über oas ganze Gericht der Künstlerin rollt, nm noch etwaige Unebenhei.en zu nivellieren. Aber auch in anderer Be- ziehnng gcijt Sarah Bernhardt gewissermaßen nur noch aus Krücken über die Bühne. Es darf aus der Szene, die Sarah betritt, keine Treppe vorhanden fein, da [ie nicht mehr fähig ist, die Stufen zu ersteigen. Keinen Hügel darf der Regifjeur ausbauen las,en, uuo auch der in der Wagram- Szene des „Ai ton" mußte kassiert werden, um Sarah Bernhardt die Beschwerde des Steigens zu ersparen. Wad) starten Szenen vermag Sarah Bernhardt nicht mehr allein ihre Garderobe zu erreichen, sondern sowie sie die Bühne verläßt, müsfen zwei starke Männer sie stühen und hinaus
geleiten. — Welche Energie, welcher Ehrgeiz mag dazu gehören, unter solchen Umständen noch Komödie zu spielen, dazu noch auf monatelangen anstrengenden TonrneeL.
Kleine TagcSchronik.
Infolge von Beschwerden würbe sehgesiellt, daß am 13. November auf der Strecke Nürnberg-München ein Pon- beutel, der über 3000 Pohhücke enthielt, darunter zahlreiche Postanweisungen, Abhanden qclommcn ist.
Wegen Wallendiebstahls m der Königlichen Gewehr- fabrit zu Erfurt sind bis seht sieben Personen verhaltet worden. Weitere Verhaftungen stehen bwor.
Durch den Bergrutsch, der dos Tors Pra bei Genua verschüttete, sollen 2 7 Al e n s ch e n um« Leben gekommen und neun Personen verwundet worden sein.
Infolge eines Taifuns schetlerten vorgestern in der Kawatiu-Bat) (Japan) 35 Fischerboote; 350 Fischer sollen den Tod gefunden haben.
Spielplan öes Neuen Siebener StaMtlieaters.
Sonntag den 6. Dez., nachnnuags 3'/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Madame Sans Gtzne." Ende 5"/, Uhr, Abends 71/, Uhr, bei kleinen Preisen: ,2x2 — 5.* Ende 9s/4 Uhr. Dienstag den n. Dezbr^ abends 8 Uhr: 9. Dienstag-Abonnement-VorHeilung. OloDiiät: ,Tie P'arrenn/ Schauspiel IN 3 Akten von Nichcnd Feilniger. Ende gegen 10'/, Uhr. Aiutwoch den 9. Dez., abends 7 Uhr : 8. Mitlwoch-Abonnemcnl-PorslcUung: .Die Piccolomini." Ende 91/, Uhr. Freitag den 11. Dez^ abends 8 Uhr: 9. Freitags- Abonnements-Vor Heilung. „(Siu Fallissement/ Ende nach 10',, Uhr.
Gießener Wetterdienst.
BoranSsichtllche Witterung Inr tpcitcu am Samstag den 5. Dezember: Trüb und neblig. Keine erheblichen Niederschläge Temperatur wie heute. Bleist windstill.
Grignral.vrahtttielöungen.
Wien, 4. Tcz. Im hiesigen RathauSkellcr kam e5' Nackt- zu einer aroszcn Demonstration gegen den tschechischradikalen Abg. Klofac. Er wurde heftig insultiert und unter den Rufen: Hinaus 2anbc3Dcrräter, mit seinen Begleitern, dem einmaligen tschcchisä>en Landmannsminister Prasckick und dem Staatsanwalt Dr. Slaroa das Lokal zu verlassen gezwungen.
Paris, 4. Dez. Gerüchtweise verlautet, daß gestern abend in der Mord-Affäre Steinbeil eine wichtige Verhaftung vorgenommen worden sein s ll ES h nfccl sich um einen Mann, der in letzter Zeit in der Presse viel genannt ivorucn ici_
Pari s, 4. Dez. Der Kabinctschef und der Marineminister einigten sich gestern über die Einbringung eines Gesetzentwurfes, wonach Marine-Offiziere, die den Unfall eines Schisses verschuldet haben, disziplinarisch bestraft werden können. Bisher war dies unmöglich in Fallen, wo die Kriegsschiffe völlig verloren waren.
London, 4. Dez. -lic Polizei in Knl kntta nahm scckiö HauSsuck)ungen vor, wobei verschiedene kompromittierende Dokumente über die indische Bewegung gefunden wurdetr.
London, 4. Dez. Daily News nreldet auS Konstantinopel: Der Sultan ljal alle ungeselstich erworbenen Konzc,sioncn betreffend Petroleum-Monopol, Strastenbahn-älonzcssionen ujw. dem Staat zurücker stattet.
Konstantinopel, 4. Dez. Die Regierung und daS jung- lürkische Suunti.ee sind dahin üuercingctommen, daß biejenigen Hafenarbeiter, die die Verladung österreichischer Schisse vornehmen, hierbei nicht mißl/andell werden dürfen. Die Pforte erklärte, daß sie sich aus die>e eine Maßnahme beschränke und int übrigen ihren Untertanen freie £>anb lassen müsse.
Port au P r i n e e, 4. Dez. Ein englisches Kriegsschisf sowie ein amerikanisches Kanonenboot sind hier eingetroffen, sodaß nunmehr 5 fremde Kriegsfchisfe im Hajen ankern.
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