Ausgabe 
1.6.1908 Erstes Blatt
 
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zur Verfügung gestellt werden kann. Dte geplante Reise soll in der Hauptsache Erholungszwecken dienen. Sie wird aber vornuSsichtlich unter anderem einen netten Besuch auf Schloß Windsor einschließen, zu dem, wie verlautet, König Eduard persönlich seinen kaiserlichen Neffen einladen will.

** Besitzwechsel. Die Dampfmolkerei Gießen Jak. Persyn ist von der Zentralmolkerei Gebrüder Grieb in Dorf-GillKirtorf, die seither Bahnhofstraße 43 hier eine Verkaufsstelle unterhalten hat, käuflich erworben worden. Der Besitz geht am 1. Juli d. I. über.

Autounfälle. Mit dem Sommer ziehen auch die Automobilunfälle wieder.an. Gestern überfuhr in Marburg ein Automobil einen Milchwagen und hier am Schiffcn- bergerweg wurde ein wertvoller Hund überfahren und sofort getötet.

** Unfug. In der Nacht vom Samstag wurden in der Plockstraße eine Anzahl Firmenschilder abgerissen und in die Südanlage geworfen.

Ausländische Arbeiter. Zu dem Artikel aus Elpenrod über die nach dem Selgenhof gekommenen Sachsengänger wird uns mitgeteilt: Die Leute sind, nachdem sie auf dem Selgenhof bei Ulrichstein angekommen waren, gespeist worden. Weiter haben sie noch Wegzehrung mit« bekommen. Außerdem war noch für freie Reise nach Köln gesorgt. Dort sind die Leute, wie uns die Landwirtschafts« kammer in Bonn mitteilte, wohlbehalten angckommen. Die milden Gaben in Ntippertenrod waren somit recht überflüssig. ~ ** Wteder in der Heimat. Der Geh. Oberbaurat Schm ick aus dem hessischen Finanzministerium ist von seiner im Auftrage des Deutschen Reichs unternommenen Reise nach Südwest - und Ostafrika zurückgekehrl. Er hatte die Aufgabe, diese Kolonien auf ihre wasserwirtschaft­liche Ausnutzung zu prüfen. Geh. Oberbaurat Schmict ist von dem günstigen Resultat seiner Reise überrascht. Jeden­falls werden Stauleitungsanlagen in den Karasberaen und in Ostafrika am Rosidji westlich von Rogoro und bei Tanga und Saßdani angelegt werden. Sch. war vier Monate unter­wegs; seine Reise ist ohne Unfall verlausen.

Heuchelheim, 31. Mai. Der Kriegerverein Heuchelheim darf sich rühmen, die älteste Kriegerfahne in Hessen besessen zu haben. Das altehrwürdige Banner stammte aus dem Jahre 1722 und trägt den Namenszug des da« maligen LandesherrnErnst Ludwig". Heute Nachmittag wurde nun im VereinslokalZum Treppchen^ die Weihe einer neuen Fahne vorgenommen. Sie wurde von der Lichec Fahnenfabrik angefertigt und trägt auf der einen Seite das Landes-Wappen mit der Jahreszahl 1908 und dem Namen des Vereins. Inmitten der andern Seite sehen wir in künstlerischer Ausführung das Bild der Gerntania mit der Widmung:In Treue fest, im Sturme treu", umschrieben. Die Feier wurde im einfachsten Rahmen und bei Konzert und Tanz abgehalten. Das neue Banner wird am zweiten Psingsttag, bei Gelegenheit des Kriegerfahnenweihfestcs im benachbarten Kinzenbach, ztun erstenmal dem Verein oocan- getragen.

X Friedberg, 31. Mai. In diesen Tagen sand hier eine Komitesitzung statt zwecks der Verwirklichung eines schon Jahre lang geplanten Unternehmens, nämlich dec Er­richtung eines Alumnats in Verbindung mit deut Gym­nasium Fridericianum in Laubach. Schon bei Grün­dung dieser Anstalt (1875) hatte ein Gönner zu diesem Zweck eine Stiftung von 10000 Mk. vermacht; durch weitere Zu­wendungen ist diese Summe auf 30 000 Mk. angewachsen. Man glaubt mit der Erbauung nicht länger zögern ztt sollet' und die Einrichtung zunächst für 12 Zöglinge zu treffen.

? Hungen, 1. Juni. Die provisorische Einweihung der hiesigen kat.holischen Kirche wurde gestern früh 9 Uhr durch Dekan Bayer aus Gießen vollzogen. Sehr zahlreich waren die Katholiken von hier und der Umgegend zu dieser Feier erschienen. Nach der Weihe wurde die hl. Messe ge­lesen. Als eine Stätte der Wahrheit, der Heiligkeit, der Kraft und des Trostes bezeichnete Dekan Bayer das neue Gotteshaus, welche Worte er auch seiner zu Herzen gehenden Predigt zu Grunde gelegt hatte und eingehend er­läuterte. Um 11 Uhr war die Feier beendigt. Die katho­lische Gemeinde besitzt nun ein Gotteshaus, das in seiner schlichten Einfachheit doch recht wirkungsvoll zur Geltung kommt.

yl. Ulfa, 30. Mai. Am Himmelfahrttage wurde bei der Haubenmühle ein Wald fest abgehalten. Trotz des zweifelhaften Wetters und der mancherlei Veranstaltungen ähnlicher Art in der Gegend hatte sich das Fest doch eines großen Zuspruches zu erfreuen. Au§ Nidda und seiner Um­gebung, selbst aus dem oberen Niddatale hatten sich viele Fremde eingefunden. Bald reichten die Sitzplätze nicht wehr hin, um die Gäste alle aufzunehmen. Bei Musik und Tanz entwickelte sich bald ein fröhliches Treiben, das er|t am späten Abend sein Ende fand. Dank dem Himmel, der an diesem Tage einmal ein Einsehen hatte, konnte daS Fest einen ungestörten Verlauf nehmen und der Wirt, befriedigt von dem

Geschäfte, nach Hause ziehen. ... 1

fc. Gedern, 1. Juni. Heute um 1 Uhr wird das su den berühmten General Eduard v. Fransecky, der im Kriege gegen Dänemark ruhmreich in den bei Schleswig und Leverse focht, entscheidenden Anteil als Kommandeur der 7. Division an den Schlachten o Münchengrätz und Königgrätz und 1870/71 als komma bierenber General des 2. Korps bei Gravelotte hatte, Yl errichtete Denkmal eingeweiht. Gedern ist der ' burtsort des Generals (16. November 1807). Er war Sohn des preuß. Hauptmanns Ernst v. F. unb der^harto v. Preuscheu, Tochter eines hessischen Rats in 3"riCi).1L Der Mutter Bruder wohnte als Gräflich, .StolbergM s

Die definitiven Ernennungen " konnten wegen der,

S. K. H. des Groicherzogs erst etwas später erfolgen. Aus St aktenmäßigen Tatsachen ergibt sich, das; die Versetzungen der Fh. lehrer Werner und Kraft keinerlei Zusammenhang haben <5" vielmehr die dem Oberlehrer Kraft übert rn\. Stelle zu Gießen erst volle biet Wochen nach Dh?c lehr er Werners Versetzung frei wurde, mittelbar buvriS den völlig unerwarteten Jimb ganz plötzlichen Tod des der Taubstummenanstalt zu Friedberg. ertotS

*" Darmstädter Bank. Die zunehmende Ausdehnung dieser Bank am hiesigen Platze hat Veranlassung gegeben die seitherige Form einerDepositenkasse" nicht mehr bciitt. behalten und der Abteilung eine erweiterte Bedeutung Äll gewähren, indem der Aufsichtsrat die Aenderung der Firma in Bank für Handel und Industrie, Niederlassung Gießen genehmigt hat. Die Direktion bleibt unverändert in den Händen der Herren Gustav Müller und Konrad Dietz.

** Wissenschaftlicher Fortbildungskurs für Volksschullehrer. Der diesjährige Kursus nimmt am nächsten Mittwoch seinen Anfang, worauf Interessenten hin« gewiesen seien.

Ausland.

Besuch der deutschen GeistlicheninLondon. Die deutschen Geistlichen besuchten gestern nach ihrer Audienz beim König die Frankobritische Ausstellung in Shephords Bush. Nachmittags waren sie beim Bischof von London im Fulham Palast zu Gaste.

General Caceras wurde als Präsident der Repu­blik Sandomingo wiedergewählt.

Besuch Falliöres in Reval. Dem Vernehmen nach wird Präsident Falliöres am 27. und 28. Juli mit dem Kaiser von Rußland in Reval Zusammentreffen.

Rußland und England. Entgegen anders lauten­den Meldungen wird informierterseits mit Bestimmtheit versichert, daß eine Verständigung zwischen Ruß­land und England über die Aktion in Maze­donien bereits erfolgt sei und demnächst eine ent­sprechende Kundgebung veröffentlicht werdet! wird.

Die österreichischen Slawen in St. Peters­burg. Infolge eines Berichtes des Hofministers über den politischen Charakter des Besuches der slawi­schen Delegierten aus Oesterreich lehnte der Zar den von Stolypin empfohlenen Empfang einer Deputation ab. Die Delegierten verließen gestern Petersburg und kehrten nach Prag zurück.

** Lehrerpersonalien. Üebertragen wurde dem Lehrer Karl Ganz zu Heegheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bobenhausen I; dem Lehrer Bernh. Menke zu Lorsch eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wies-Oppenheim.

Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Bretzenheim; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gememdeschule zu Friesenheim. Mit der Stelle ist Organisten­dienst verbunden.

** Nochmals die Werner-Anfrage. Mit welcher Sorglosigkeit bic Anfrage des Abg. Bähr über die Versetzung des Oberlehrers Dr. Werner vorbereitet wurde, kann man aus folgender offiziöser Mitteilung des Regierungsorgans ersehen. DteDarmst. Ztg." schreibt nämlich:

Herr Abg. Bähr hat am 26. d. M. wegen der Versetzung des Oberlehrers Werner von Gießen nach Worms bei der Zweiten Kammer eine Anfrage eingebracht, die dem Ministerium gestern in üblicher Weise unter dem Ansügen zuging, daß der Gegenstand aus die Tagesordumtg einer der nächsten Sitzungen gesetzt werden solle. Tie Anfrage enthält folgende Stelle:Hier kommt noch dte weitere Tatsache hinzu, daß Oberlehrer Dr. Krall, ein Neffe des Herrn Geh. Oberschulrats Nodnagel, von Worms nach Gießen,^ seiner Heimatstadt, versetzt worden ist, also mit Werner in der Stellung getauscht hat. Mau spricht davon, daß diese Ver­änderung den Wünschen des Herrn Kraft, der für eine Wirksamkeit in seiner Heimat eine Vorliebe hegte, sehr entsprochen habe. Ich gehe zunächst gar nicht so weit, Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel daraus einen Vorwurs zu machen, seinen Neffen begünstigt zu haben; ich möchte diesen Umstand nur in dem Zusammenhänge, Wünschen von Oberlehrern nach Möglichkeit gerecht zu werden, erwähnen."

Damit wird gegen den Großh. Hess. Oberschulrat N o d tt a g e I ein überaus schwerer Vorwurf erhoben. Da wegen der Kürze der Zeit die Anfrage möglicherweise nicht noch vor Pfiitgsten in der Kammer behandelt werden kamt, so muß im Interesse des angegriffenen Be­amten jetzt schon das folgende bemerkt werden: Das Allerhöchste Dekret, durch das Oberlehrer Werner von Gießen nach Worms versetzt ivorden ist, datiert vom 1. April 1908. Als Nachfolger Werners wttrde durch Dekret vorn 7. April 1908 der Lehrarnts- referendar Sandmann ernannt. Am 14. April 1908 verstarb plötz­lich infolge eines Schlaganfalles der Direktor der Taubstummen­anstalt zu Friedberg, Wodäge. Am 16. April lief die Anzeige des Todes bei der Schulabteilung ein. Tie erledigte Direktorstelle rourbe durch Dekret vom 22. April 1908 dem Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Gießen, Dr. Ritzert, der früher lang im Taub- stummenunlerricht tutig war, kommissarisch übertragen. Mit Ver- tvalluttg der Stelle Rttzerls in Gießen wurde durch Dekret vom 23. April 1908 der Oberlehrer Dr. Kraft zu Worms beauftragt.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 1. Juni 1908.

** Vom Großh. Hofe. S. K. H. der Großher­zog, der den Nachmittag des Himmelfahrttages mit der Großherzogin und dem Ervgroßherzog auf Jagdschloß Wolfsgarten verbracht hatte, empfing n. d.Darmst. Ztg." am 29. v. Mts., mittags, den Armeemspekteur General der Infanterie von Bock und Polach und den kommandie-- renden General von Eichhorn im Neuen Palais. An der darauffolgenden Frühstückstafel nahmen außer den beiden Generalen teil der Chef des Stabes des 18. Armee­korps, Oberstleutnant Ilse, der Major im Generalstab von Heuduck und der Adjutant Rittmeister von Hagen. Abends 8 Uhr fand im weißen Saal des Residenzschlosses eine Tafel zu 62 Gedecken statt, zu der die Mitglieder des erweiterten Vorstandes vom Verband der Kunst­freunde in den Ländert: am Rhein geladen waren. Nach beendeter Tafel begab sich S. K. H. der Großherzog mit seinen Gästen aus den Schloßwall, wo die Festlich­keit gegen 12 Uhr ihren Abschluß fand. An der Tafel hatten teilgenommen: S. K. H. der Großherzog, Minister d. I. Dr. Braun, Geh. Justizrat v. Reden, Geh. Hofrat Bracht, Geh. Reg.-Rat Dr. Boehm, Professor R. von Haug, Ge- heimerat Römheld, Professor Dr. Diez, Maler' G. Stos­kopf, Professor Hoelscher, K. E. Osthaus, Professor Dr. Kautzsch, Professor Dr. B. Müller, Professor Dr. Thoma, Oberstallmeister Frhr. Niedesel, Exz., Professor W. Trübner, Direktor Dr. Roediger, Geh. Hofrat Prof. Dr. Thode, Pro­fessor A. Hoelzel, Kammerherr Dr. Frhr. v. Schenk, Konsul A. Siebert, Professor Scharvogel, Dr. I. A. Beringer, Di­rektor Dr. Ostermann, Altbürgermeister Back, Oberst z. D. v. Bieber, Bildhauer I. Kowarzik, Gustav Klingelhöfer, Maler Rud. Löw, Professor Dr. Ehrenberg, Direktor Dr. Back, Professor Dr. Liesegang, Bildhauer R. Caner, Pro­fessor D'. Steinhaufen, Oberst Ulrich, Professor F. Brütt, Oberst Frhr. v. Heyl, Maler M. Buri, Regierungsrat Kam- lah, Kammerherr v. Hessert, Bildhauer A. Marzolff, Di­rektor Zobel, Oberkammerherr, Schriftsteller W. Schäfer, Professor Kleukens, Maler K. Küstner, Kammerherr Frhr. v. Leonhardt, Professor Riegel, Maler Hegenbart, Kabinetts- Sekretär Dr. Wehner, Maler Kempin, Ord.-Osfizier Lt. von Bissing, Hofmarschall, Professor Hartmann, Oberjägermeister Frhr. van der Hoop, Oberreg.-Rat Dr. Wagner, Professor A. Müller, Maler A. Beyer, Dr. Kienzle, Direktor Schnecken­dorf, Maler G. Altheim, Lt. v. Schroeder. DieTafel- Karte lautete: Kraftbrühe nach Nizzaer Art; Salm nach Richelieu; Nehrücken, garniert; Feldhühnerpastete in Gelee; Kaiserpunsch; Masthuhnbraten, Salat; Spargel; Ge­frorenes mit Früchten; Käsetörtchen.

inöchte auch darauf Unweisen, daß dank dem tatkräftigen Interesse Eurer Majestät heute übers Jahr eine neue Ver­bindung für den wirtschaftlichen Verkehr zwischen Deutsch­land und Schweben fertiggestellt sein wird, welche, wie ich zuversichtlich hoffe, eine weitere Brücke zwischen den Herzen zweier stammverwandter Völker bilden möge. In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl Semer Majestät des deutschen Kaisers, Königs von Preußen, Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, der gesamten Kaiserlichen und Königlichen Familie und des Deutschen Reiches!"

p0liiifd?c Sagesschau.

Ermordung eines Deutschen in Rußland.

DasB. T." berichtet, daß bei einer Haussuchung in Jekaterinodac drei Personen, darunter der deutsche Reichs­angehörige Truhn ermordet worden sind. Die Haussuchung fand bei dem Sekretär beS Vorsitzenden beS Kriegsgerichts Jekaterinodac Ugniwenko, seinem Bruder und seinem Schwager Truhn statt, welche alle beisammenwohnten. Alle Polizisten, welche die Haussuchung vornahmen, waren betrunken. Gegen 5 Uhr morgens wurden alle drei Hausbewohner verhaftet und unter militärischer Bedeckuug abgeführt. Auf dem Wege zum Polizeiamt gab die Bedeckung, wie es heißt, ohne Grund zwei Salven ab und schoß alle drei Gefangenen nieder. Die Zuschauer waren über den ganzen Hergang im höchsten Grade empört. Die Angabe der Polizei, daß die Arretierten fliehen wollten, wurde dadurch hinfällig, daß auch noch eine unbeteiligte Person erschossen wurde, und alle Getöteten Brustwunden hatten. Der ganze Vorfall ist ein schändlicher Gewaltakt, der auch in der Duma zur Sprache kommen wird. Wir sind neugierig, welche Genugtuung die deutsche Re­gierung fordern und erlangen wird.

Der Internationale Verlegerkongreß in Madrid hat den Wunsch ausgesprochen, daß die Berliner Konferenz zur Revision der Berner Konvention das Uebersetzungs-- recht dem Produktionsrecht gleichstelle und die Autoren und Komponisten gegen die Reproduktion ihrer Werke auf mechanischem Wege schütze. Letzterem Wunsche wurde gegen die Stimmen der deutschen Vertreter zu- gestimmt, die eine Frist von 30 Jahren vorgeschlagen hatten. Der Kongreß nahm dann die Einladung des holländischen Vertreters van Stockttm an, den nächsten Kongreß im Jahre 1910 in Holland abzuhalten. Zu Ehren der deutschen Ver­treter hatte der deutsche Klub heute abend eine Festlichkeit veranstaltet, der auch der deutsche Botschafter v. Radowitz mit dem Personal der Botschaft und der deutsche Konsul Dr. Schlieben beiwohnten. Der Kongreß der Verleger hielt vorgestern seine Schlußsitzung ab. Es wurde noch ein Bericht des nordamerikanischen Verlegers Bathum verlesen, der in diesem darlegt, welche Anstrengungen in den Ver­einigten Staaten gemacht werden, um den Schutz der Ur­heberrechte zu sichern. Er teilte mit, daß z. Zt. fün Gesetzentwürfe zum Schutz litterarischer Erzeugnisse ein- gebracht seien. ________________

Deutsches Reich.

Die Kronprinzessin ist gestern morgen im Marmor­palais eingetroffen.

Reichsapanage. DieNordd. Allg. Ztg/ schreibt: Wie wir derTägl. Rundschau" entnehmen, behauptet eine parlamentarische Korrespondenz, die Negierung habe im Früh­jahre unverbindlich im Reichstage die Frage angeschnitten, wie dieser sich zu der Reichsapanage für den Kaiser stellen würde. Aus den Besprechungen soll bann die Regierung die Ueberzeugung gewonnen haben, daß es besser sei, zunächst den Plan zu vertagen. Die Angaben sind unwahr. Der Reichskanzler hat in keinerlei Form wegen der Reichsapanage verhandelt und niemals an eine solche auch nur gedacht.

DasMarine-Verordnungsblatt" veröffentlicht eine Verordnung, betreffend die Zuständigkeit der Reichs­behörden zur Ausführung der Reichsbeamtengesetze vom 24. April 1908.

§ 63 des Handelsgesetzbuches. DerReichs­anzeiger" meldet: Der Bundesrat beschloß, dem Gesetz­entwurf über die Anwendung des § 63 des Handelsgesetz­buches in der vom Reichstage angenommenen Fassung seine Zustimmung nicht zu erteilen.

Zum Schutz der Landwirtschafts-Ausstellung gegen Seuchengefahr hat dec württembergische Minister des Innern vom 15. Ium bis 2. Juli jeden Handel mit Vieh im Stadtdirektionsbezirk Stuttgart verboten.

Die Hauptversammlung des Verbandes ber deutschen Beamtenvereine in München nahm mit 485 gegen 477 Stimmen den Antrag des Vorstandes an, zur Erbauung eines Erholungsheimes in Bad Liebenstein ein Grundstück zu erwerben. Als Ort der nächstjährigen Tagung wurde Eisenach bestimmt. Damit wurde die Hauptversamm­lung geschlossen. Sonntag mittag wird der Vorstand des Verbandes unter der Führung des Unterstaatssekretärs Wer­muth von dem Prinzregenten Luitpold in Audienz empfangen werden.

^om Hofe zu Bückeburg. Gestern vormittag ist die Fürstin Marie Anna von einem Prinzen entbunden worden. Die Fürstin steht im 44. Lebensjahre.

Im Falle Schnitzer ist eine interessante Wendung eingetreten. Professor Schnitzer hat in einem scharfen Schreiben jebe ihm nahegelegte freiwillige Verzichtleistung auf den Münchener Lehrstuhl abgelehnt unter Berufung auf fein Recht als Staatsbeamter.

Alle Offiziere des Beurlaubten st andes, die in Preußen zurzeit zu Dienstleistungen eingezogen sind, wurden auf besondere Anordnung des Ministeriums hin, am 30. Mai, von ihren Truppenteilen entlassen, um ihnen Gelegenheit zur Ausübung des Wahlrechts, am 3. Juni, zu geben. Die Hebungen einzelner Reserve- und Landwehrofsiziere erfahren hierdurch Abkürzungen bis zu drei Wochen.

Staatsminister a. D. v. Podbielski soll feine : Kandidatur für den Bund dec Landwirte im Kreise Diepholz- Spfe plötzlich aus bisher unbekannten Gründen niedergelegt haben.

Ein erneuter Aufenthalt des Kaifers an der . englischen Südküste ist attch für diesen Spätherbst in 1 Aussicht genommen. Beauftragte des Obechofmarschallamtes " ^aben sich bereits nach einem passenden Landsitz umgetan, da ! eS fraglich erscheint, ob Hrghcliff-Castle deut Monarchen wieder :

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