fcSem Quadratmeter bebaute Fläche). Nach diesem Vorschlag würden 1980 000 M?. einmalige und 89 000 Mk. dauernde Gebühren eingehen und die Stadtkasse nntb 13 550 Mk. jährlich zuzu- Echießen haben. Ferner sei mit gegen 4 Stimmen be- chlossen worden, wenn sich die Meyrhe der Versammlung gegen iie Erhebung einmaliger Gebühren ausspreche, vorzuschlagen, die dmiernden Gebühren nur von den Grundbesitzern zu erheben hierbei nicht den Mietwert der Gebäude zugrunde zu legen, der etwa 3 690 000 Mk. betrage, sondern 3Vr Psg. von jedem Quadratmeter Fläche und 2 vom Tausend des Brandversicherungswertes, wobei sich eine Jahreseinnahme von 188 000 Mk. ergibt Gegen die Erhebung der Gebühren nach dem Mietwert hätten sich erhebliche Bedenken geltend gemacht; der Mietwert sei nur schwer, vielfach nur schätzungsweise, fesizustellen, die Art der Erhebung sei kostspielig und teilweise, z. B. bet Umzügen, recht schwierig usw. Ferner sei beschlossen worden, bet neuen Straßen die Kanalisationsbeiträge mit den Straßenbetträgen zu erheben und die dauernde Gebühr von dem aus den Anschluß folgenden Monat ab zu erheben.
Stadtv. Wallenfels ist bei den Ausschußberatungen dagegen gewesen, daß die Kvsten nur von den Hausbesitzern getragen werden sollten. Hausbesitzer und Mieter hätten in gleicher Wnse Vorteil von der Kanalisation, deshalb sollten sie auch die Lüften gemeinsam tragen. Wenn nur die Hausbesitzer die Kosten tragen sollten, werde viel Verdruß entstehen' bis Mieter würden ruckst gutwillig die Kanalgeüühren an dte Vermieter bezahlen wollen, deshalb würden Mietsteigerungen nicht ausbleibcn und der Zuzug steuerkräftiger Mieter werde unterbunden werden. Auch dte Mieten kleinerer Wohnungen würden erheblich gesteigert werden. Dazu sei zu bedenken, daß die Hausbesitzer bereits durch die Her- tellung der Hausanschlüsse sehr belastet seien. Die Erhebung ,ct Gebühr von den Mietern werde hier gerade so gut möglich ein, wie in anderen Städten. Er denke an eine Gebühr von 4—5 Proz. des Mietwertes und sei überzeugt, daß sich aus dieser Grundlage die Sache sehr einfach gestalten werde.
Nach einer kurzen Gesä)äftsordnungsdebatte wird sodann beschlossen, zunächst eine Generaldebatte über den Erhebungsuwdus (einmalige Gebühr oder nur dauernde Gebühr) zu eröffnen.
Stadtv. Kirch meint, der erste Vorschlag der Bürgermeisterei habe ein gewisses Mißfallen erregt, well der .Vorschlag, eine einmalige Gebühr in dieser Höhe, wie die Vorlage vorge,chlagen habe, ungerecht fei Er wolle daran erinnern, daß der frühere Oberbürgermeister Gnauth bei der Beratung der Kanalisations- Einsührung im Jahre 1899 auf eine Anfrage des Stadtv. Huhn wegen der Kostendeckung erklärte, daß zu den Kosten des Kanals, der eine allen Eimvohnern der Stadt zugute kommende gemeut- nützige Einrichtung sei, auch alle Steuerzahler beitragen iolUen. Ans Grund dieser Erklärung sei bann die Einführung der Kanalisation einstimmig beschlossen worden. Lluch sei es ein Unrecht, auf einmal einen so großen Betrag, der die Kanalbaukvsten ganz decke, zu erheben, da doch die tonnnenben Generationen, vielleicht Jahrhunderte hindurch, denselben Nutzen von der Einrichtung hätten wie die jetzige Generation. Aus diesen Gründett bitte er, den Antrag auf Erhebung einmaliger Koiten abzulchnen. Die Hausbesitzer hätten infolge der Kanalisation so schon große Lasten au tragen, namentlich wenn der Antrag Haubach-Petri (dem er zu dem {einigen mache) Annahme finde, daß die Hausbesitzer noch die Kosten der Anschlüsse von den Straßenkanälen bis zu den Grundstücken tragen sollten. . , -
Oberbürgermeister Mecum bemerkt, daß er eine ähnliche Notiz, wie sie Stadtv. Kirch als Aeußerung seines Amtsvor- gehers erwähnt habe, in den Allen gefunden habe. Auf Befragen stinersells habe Exz. Gnaull) erklärt, er erinnere sich einer solchen föemeriung nicht und jedenfalls sei er heute nicht mehr dieser Ansicht. t
Stadtv. Petri schließt sich den Ausführungen des Stadtv. Kirch an unb bestätigt die Richtigkeit von dessen Mitteilung von der früheren Stellungnahme des Oberbürgermeisters Gnauth. Er (Redner- sei Gegner der gänzlichen Abtragung der Kanalbaukosten und beantrage mit Rücksicht darauf, daß die Beschlußfassung der Kommission nicht einstimmig erfolgt sei und inhaltlich nicht all- fettig befriedigt habe, mit den Kosten den Anschlüsse von den Hauptstragenlanäien bis an die Häuser die Hausbesitzer zu belasten. Dies werde im Ganzen rund eine halbe Million einbringen. Die Zinsen des auf rund 2 000 000 Mk. anzunehmenden Anlagekapitals sollten bis zu 6 Proz. und ebenso die Äetriebstoäen durch dauernde Gebühren auf die Mieter bezw. Wohnungsinhaber ausgeschlagen werden.
Stadtv. H a u v a ch schließt sich den Ausführungen der Vorredner an und bemerkt, er habe die Vorlage der Bürgermeisterei von Anfang tun nicht gebilligt. Zu bedauern sei, daß der Oberbürgermeister nicht schon vor einem Jahre einen prinzipiellen Beschluß herbeigeführt habe, in welcher Weise die Kanalvaukostell zu decken seien. Wenn dies geschehen und ammals beschlossen worben sei, die Kosten nach dem Miet.vert der Wohnungen von deren Inhabern zu erheben, so hätte man inzwischen Zett gehabt, den Mietwert der Wohnungen festzustellen. Gegen die Erhebung einmaliger Gebühren von den Hausbesitzern sei er unbedingt, aber für den Antrag des Stadtv. Petri. Der Kanal sei genau so wie das Wasserwerk, das Elektrizitätswerk usw. als geschäftliche Einrichtung anzusehen und nach diesem Gesichtspunkt seien auch die Koiten aufzuvringen. Der Grund, baß die Stadt die zwei Mlllionen brauche, berechtige noch lange nicht dazu, sie einfach von den Hausbesitzern zu erheben: der einzige Grund hierfür fei vielleicht die Wertsteigerung der Häuser durch die Kanalisation, aber so sehr trete diese nicht in Erscheinung, um den Ausschlag der ganzen Summe zu rechtfertigen. Bezüglich der dauernden Gebühren sei er der Ansicht, daß es nicht ratsam sei, einen sehr erheblichen Betrag auf die direkten Steuern zu legen. Der Ausschlag auf die Hausbesitzer sei allerdings felyr bequem, aber bei öen hiesigen Verhältnissen nicht richtig. Man müsse die Gebühr nach dem Mietwert der Wohnungen von deren Inhabern erheben und zwar eo. mit einer geringen Aufrundung. Ter Mietwert sei hier keineswegs im Verhältnis zu der Steigerung der Kosten der Häuser gediegen und bas Angebot von Wohnungen sei größer als die 'J^adifrage, weshalb die Kanalgebühren, wenn man die Hausbesitzer sie tragen lasse, nicht in Fällen auf die Mieter aftge- wälzt werden könnten. Dasselbe sei ja vielfach bezüglich des Wassergeldes der Fall. Die Erhebung der Gebühren werde hier gerade so gut von den Mietern erfolgen können wie in anderen Städten, z. B. in Wiesbaden, dessen Besllmmungen hierüber der Redner verliest. Vieisach seien übrigens auch die Mieter ganz bamit einverstanden, die Gebühren nach dem Mietivert auszu- fchlagen.
Stadtv. Löb er erklärt, er sei dagegen, eine Summe von der Döpe, wie sie die Vortage der Bürgermeisterei vorsehe, von den Hausbesitzern zu erheben. Es werde für viele Hausbesitzer unmöglich sein, die Kosten zu tragen, selbst wenn, wie in der Denkschrift des Oberbürgermeisters vom Februar 1906 vorge- schlagen wurde, Stundung erfolge. Viele Hausbesitzer wären nicht ui der Lage, den für die Gewährung der Stundung erforderlichen Bürgen zu finden und würden Wucherern in die Hände fallen. Für den Antrag der Stadtvv. Petri und Haubach icerbe er stimmen. Uebrigens sei es, wie er durch Einziehung von Erlandi- gungen erfahren habe, auch vielen Mietern angenehmer, ihren Anteil an den Kanalbaukosten durch einen Aufforderungszettel der Stadt zu bezahlen, anstatt durch eine Mietsteigerung.
Stadtv. Huhn führt aus, die Erbauung des Kanals sei nicht im alleinigen Interesse der Hausbesitzer erfolgt, sondern um die gesundheitlichen Verhältnisse der Stadt zu heben. Deshalb füllten_ auch alle, die von der Einrichtung Vorteil hätten, zu den Kosten beitragen. Besondere Vorteile für die Hausbesitzer wolle auch er nicht, und ber Antrag Petri schließe solche besonderen Vortelle vollkommen aus. Den Äusführungcn des Stadtv. Haubach schließe er sich vollkommen an. Zu beachten sei auch, daß die Kosten der Hausanschlüsse zusammen ebenfalls wohl 2 000 000 Mk. betragen würden und 4 000 000 Ml. seien unmöglich für die Äunaliiation aus der Bürgerschaft zu ziehen..
Beig. Georgi war bei den Kommissionsberatungen gegen die Erhebung einer einmaligen Gebühr von den Hausbesitzern. Der Kanal gehöre doch nicht dcn Hausbesitzern, sondern der Allgemeinheit, deshalb ^abe letztere auch die Kosten zu tragen. Die einmalige Gebühr route gewissermaßen als em kleines Zwangs-
anlehen, das die Ssabt' bei den Hausbesitzern aufnehme. Jetzt schon falle es vielen. Hausbesitzern schwer, dm Kosten ber Kanalisation in den Häusern zu tragen. Gerade die großen Hausbesitzer roürben in vielen Fällen sich bei der Zahlung einer einmaligen Gebühr besser stehen als bei einem einmaligen Beitrag und dauernden Gebühren. Uebrigens sei er der Ansicht, daß man bei der Ausführung des Kanalisationsprojekts vielfach hatte sparen können, Gieyen sei noch nicht so groß, daß es alle Einrichtungen in so moderner und großartiger Weise haben müsse, wie dies bei Großstädten nötig sei. Auch der frühere Oberbürgermeister habe dies nicht gewollt und ebenso nicht die Deckung der Kosten, durch die Hausbesitzer. Der Antrag des Stadtv. Petri bedeute, schort ein großes Entgegenkommen für dte Ansicht des OberbüaNermeisters, denn auch^ bei der Gas-, der Wasser- und Clektrtzsttätsleitung trage die Stadt die Kosten des Anschlusses bis zum Haus. , . .
Der Vorsitzende bemerkt, auf die Erhebung emes etn- maligen Beitrags vo>n nur 500000 Mk. könne er keinen Wert legen. Im Verhältnis zu den Gesamtkosten fei der Betrag zu gering, um die Höhe der dauernden Gebühren wtrksam zu beeinflussen und ferner werde dadurch die Gefahr hervor- gerufen, daß die Mieter doppelt bezahlen müßten.
Stadtv. Gab riest hält den Vergleich mit Frankfurt für unangebracht, da dopt die Verhältnisse wesentlich anders lägen, und erklärt sich für die» Erhebung dauernder jährlicher Abgaben von allen Wohnun^sinhabern. Wenn gesagt sverbe, die Erhebung der Gebühr- -von den Mietern sei wegen der vielen Umzüge zu schwierig, fd meine er, daß diese gar nicht so groß sei, jedenfalls sei die Zahl der Umzüge mit jährlich 14 00O viel zu hoch angegeben. Auch die Feststellung des Mietroertes sei nicht so schwer, wie, ber Oberbürgermeister meine, vielleicht könne man die Stadt tn Bezirke einteilen und besondere Eiw- schätzungskommissionen vAden. Wenn man rund 7000 Familien annehme, könne vttlleMtt. auf folgender Grundlage die Erhebung erfolgen. Bei 2000 Mahnungen im Mietwert von 101 brs ■250 Mk. 6 Mk. KanaMühren, bei 2000 Wohnungen von 251
bis 450 Mk. 20 Mk. Gckühren, bei 2000 Wohnungen von 450
bis 600 Mk. 35 Mk., bei 500 Wohnungen von 600 bis 900 Mk.
50 Mk., bei 3uO Wohnungen von 500 vis 1200 Mk. 80 Mk. und
bei 200 Wohnungen von über 1200 Mk. 100 Mk. Diese Skala, auf die, er sich im einzelnen nicht festlegen wolle, ergebe rund 190 000 Mk., sei also für die Kostendeckung ausreichend. Die Erlfcbung der Gebühren von den Wohnungsinhabern set das naturgemäße, denn auch' °Gas- und Wasjergeld werde von den Mietern direkt erhoben.
Stadtv. Eichenauer weichet sich ebenfalls. gegen die Erhebung einmaliger Geboren und ebenso gegen die Ansicht, daß die Uebernahme der Kwvalgebühren auf die Allgemeinheit ein Geschenk für die Hausbesitzer bedeute. Dies sei schon deshalb nicht der Fall, weil die Wohnungsmieten hier sehr gedrückt und niedriger wie in alten anderen hessischen Städten seien. Die Berechnung des Wohnmngsmiellvertes sei nicht schwer, man könne es ähnlich machen wie in Wiesbaden unb durch ein Ortsstatut die Hausbesitzer dazu anhalten, den Mietwert jeweils anzugeben. Auch die jetzigen schwierigen Geldverhältnisse sprächen dagegen, den Hausbesitzern einen hohen einmaligen Beitrag auf- iuerlegen.
Stadtv. Krumm spricht sich, wie auch schon in der Kommission, für die Erhebung einmaliger Beiträge aus. Die Beiträge für den einzelnen Hausbesitzer würden vielleicht 300 bis 1000 Mk. betragen, von einer solchen Leistung werde niemand ruiniert, zumal die Kommission für ein weitgehendes Entgegenkommen hinsichtlich der Bezahlung der Beiträge an die Stadt fei durch Stundung, niedrige fBeijiniung und Amortisationszahlung in 8 bis 10 Jahren. Die, durch die Einführung der Kanalisation hervorgerufene Wertsteigerung komme doch hauptsächlich den Hausbesitzern zu gute. Gegen die vom Stadtv. Gabriel vor- geschlagene Skala habe er einzuwenden, daß die Inhaber kleiner Wohnungen dabei viel zu hoch belastet würden (bis zu 6 Proz.). Der Erhebung der Kosten von den Anschlüssen bis ans Haus könne er nicht zustimmen, denn eine nennenswerte Verringerung der dauernden Gebühren werde dies nicht bedeuten. Jetzt schon seien unter Hinweis auf die Annehmlichkeiten der Kanalisation die Wohnungsmieten vielfach gesteigert worden und es liege bei Erhebung dieses Teilbetrages von den Hausbesitzern die Gefahr nahe, daß dann die Mieter doppelt belastet würden. Wenn die Erhebung der einmaligen Beiträge abgelehnt werde, bitte er den Antrag der Kommission, die dauernden Gebühren nicht von den Mietern zu erheben, anzunehmeu. Dies empfehle sich schon aus steuertechnischen Gründen und man solle den Hausbesitzern auch nicht alle Lasten abnehmen. Wenn die Erhebung von einmaligen Beiträgen als ungerecht bezeichnet würde, müsse man auch die Beiträge zu den Straßeuherftettungs- kosten abschaffen, denn sie fej.^t dann ebenfalls ungerecht. Bei der feinerzeitigen Bewilligawg des Kanals habe eine förmliche Kanalbegeisterung geherrfchr ifub nach feiner Aeußerung fei die Kanalisation auch genehmigt worden, wenn der damalige Oberbürgermeister Gnauth die iAn zugeschriebene Erklärung nicht abgegeben hätte. Uebrigens Kime heute die vor fast 10 Jahren abgegebene Erklärung angesichts der jetzigen gänzlich verändercen Lage der städtischen Finanzen nicht mehr maßgebend sein.
Stadtv. Wallenfels 'bemerkt, die Erhebung der An- schlußtosten der Häuser habe kcünen großen Wert. Er denke sich die Erhebung der KanalgebühiLn so, daß die Hausbesitzer und Mieter zugleich je nach dem Wert des Mietpreises die Zinsen und Amortisation tragen.
Stadtv. Dr. Entfleisch ist der Ansicht, die Deckung ber Kanalkosten werde der immerhin beschränkten Anzahl von Leuten, die sie zu bezahlen hätten, wehe tun, einerlei, nach welchen Grundsätzen man die Beratung einrichte. Er sei für die Erhebung einer einmaligen Gebühr gewesen, wenn man auch nicht die gesamten Baukosten crwf diesem Wege zu decken brauche. Maßgebend hierfür sei bei ihm gewesen, daß unbestrettbar mit und durch die Kanalisation für die Gelände und Grundstücke ein gewisser Wertzuwachs entstauben sei. Damtt empfinde er eine gewii.e rechtliche unb morDi.cüe Verpflichtung, zu den Kosten der Einrichtungen, die diesen Wertzuwachs hervorgerufen Haven, beizutragen. Hefter die Höhe der einmaligen Beiträge könne man ja verschiedener Meinung: fein. Auch er halte eine halbe Million für zu gering, vielleicht, könne man eine Million nehmen. Sicher sei, daß der Miettvert. der Wohnungen mit der Ettr- sührung der Kanalisation unftebärgt steige, allerdings sei nicht im voraus zu bestimmen, wie hoch die Steigerung sein werde. Die Berechnung des Mietwerts zum Zweck der Gebührenbemessung sei vieisach sehr schwierig, was «zumeist an der hier vorhandenen oft ungesunden Bauspekulation liege. Wenn man durch eine entsprechende Gebührensestsetzung ungeeignete Elemente von der Bauspekulation ausschließe, sei es gewiß fein Fehler. Er sei der Meinung, daß es ein Gebot der Gerechtigkeit unb Billigkeit sei, wenigstens bis zu einem gewissen Grade die Kosten den Hausbesitzern aufzuerlegen. Bezüglich der Hausbesitzer, denen die Bettragsleiftung schwer falle, könne man ein weitgehendes Entgegenkommen walten lassen. Wenn gesagt werde, man solle die Kosten auf eine lange Reihe von Jahren verteilen, so komme dies auf eine Erhöhung der Umlage hinaus und es sei doch Tatsache, daß man in dieser Beziehwng schon scharf an die Grenze des Möglichen herangegangen sei. Durch eine Erhöhung der Umlage werde man leistungsfähige Leute nicht zum Zuzug nach Gießen bewegen und durch deren Wegftleiben würden schließlich gerade die Hausbesitzer geschädigt inerben. Wenn hier der Ausdruck Zwangsanleihe gefallen fei, fo könne er nur sagen, daß man sich durch das Wort Zwang nicht beirren lassen solle. Zwang sei schließlich alles, auch die Erhebung dauernder Gebühren von allen Wohnungsftenutzern.
<Schluß folgt.)
Ans SiaSt iiii$ Land.
Giepen, den 5. 2(pril.-
" Die Einladungen zur dritten Jahrhundertfeier der Universität Gießen juiö soeben verschickt worden. In außerordentllch vornehnier und slllooller, man
möchte sagen: ehrwürdiger Form beraeftetlt, besagen fle wesentlichen, daß die Universität vom 31. Juli bis glnn 3. August ihre dritte Jahrhundertfeier begeht und Antworten auf die Lnlladungen bis zum 15. Wlai zu geschehen haben. Die vorläufige Ordnung für das Fest ist die folgende:
Mittwoch den 31. Juli.
1. Abends 7 Uhr: Empfang durch den Rektor (Gehrock).
2. Abends 9 Uhr: Beteuchluicg der Stadt.
3. Abends 10 Uhr: Empfang der Gesamtheit der Gäste in der Festhalle.
Donnerstag, den 1. Aug u st.
1. Vormittags 9 Uhr: Festgottesdienste (Talar bezw. Frack): a) Evangelischer Umvecsitäts - Festgouesdienst in der Johanneskirche.
ft) 5Mtliollscher Festgottesdienst in der katholischen Psarr- kirche.
2. Vormittags 10 Uhr: Imbiß in der alten großen Aula.
3. Vormittags 11 Uhr: Festakt in der neuen Aula: Begrüß, ungen.
4. Nachmittags 2% Uhr: Festesten in der Festhalle (Frack).
5. Abends 8 Uhr: Festoorstellung im neuen Stadttheater (Frack). Freitag den 2. A tt g u ft.
1. Vormittags 10 Uhr: Festakt, vorausstchtlich in der Stadt- ktrche (Talar bezw. Frack):
a) Festrede.
b) Eprenpromotionen.
2. Nachmittags 4 Uhr: Ausflug auf den Schiffenberg.
3. Abends 9 Uhr: Fesikonmters in der Festhalle.
S a m s t a g der: 3. August.
Vormittags IP/z Uhrt Äbschtedsiruhschoppen.
Dte Briefumschläge tragen auf der Rückseite in Form eines Siegels das Bildnis des Gründers der Universität.
* * Empfangen wurde am Mitttooch von S. K. H. dem Groß Herzog Professor Dr. Schott von Bad-Nauheim.
* * Personalien. S. K. H. der Grvßherzog haften beit Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Badenhausen Rektor Franz Bock und den Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen Phil. Gütlich zu Oberlehrern an der Viktoriaschule unb den: Lehrerinnen,eminar zu Darmstadt, der Beterinärarzt Dr. Phil. Schweickert aus Schwanherm zum Asiistenzveterinärarzt mit dem Wohnsitz in Gießen, den Kreis. iLTaßennteister Gg. Mich. Kabep ^u Rimbach zum Bauassistenten der Straszenbaubehörde für den südlichen Odenwald ernannt. Ernannt wurde Karl Ritzel in Gießen zum Kcmzleigehilfen an der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Oberhessen.
* * Neue Steuerkommissariate wurden mit Wir- kung vom 1. April d. Js. ab in Reinheim, Mainz und Ossenbach gebildet. — S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben den Steuerkommissär des Steuerkommissariats Seligenstadt Re- gieruitgSiat Karl Schneider in gleicher Diensteigetllchaft in das Steuerkommissa-riat Worms 11, den Steuerkommissär des Steuerkommissariats Ober-Jngelheint Regierungsrat H. Kriegl in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Reinheim, den Steuerlömmissär des ©teuerroniiniffariatd Zwingenberg Re gserungsrctt Ferd. Weicker in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Offenbach Ii und den Steuerkommissär des Steuerkommissariats Heppenheim Jul. Walther in gleicher Liensteigenschaft in das -steuerkommissariat Mainz Hl versetzt — Erledigt sind die Steuerkommissariatsstellen ber Steuer- kommissariate Heppenheim, Seligenstadt, Zwingenberg unb Ober- Ingelheim.
* * Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gre- b e n h a i n.
* * Homburg und Wiesbaden rüsten sich zum Be- s u ch des Kaisers, der wie im Vorjahre wieder einige Zett dort weilen wird. In Homburg trifft das Kaiser paar schon Mitte April ein. Der Aufenthalt soll der Erholung gewidmet fein. Der Kaiser bleibt bis zum 1. Mai in Homburg und besucht von dort aus den Großherzog von Baden. In Wiesbaden wird die Ankunft des Kaisers zur Einweihung des neuen Kurhauses vor aussichtlich am 13. April erfolgen. Der zweite Besuch des Kaisers in Homburg erfolgt aus Anlaß des großen Automobilrennens im Taunus am 14. Juni.
* * Das Museum des Oberhess. Geschichtsvereins ist für das Publikum am 1. Sonntag nach Ostern (7. April) nachmittags von 2 bis 4 Uhr geöffnet, die Besichtigung an diesem Vormittag fällt aus.
* * Ein trauriger lln g 1 üa§f a11 ereignete sich gestern abend in einem Hause der Schützenstraße. Die Familie des Sabal» spmners Siebert saß am Tisch bei einer Stehlampe. Als die Fran die Lampe nahm und bamit ins Nebenzimmer gehen wollte, explodierte die Lampe und die Frau nebst einem ein Jahr alten K in de standen sofort in Flammen. Der Ehemann löschte zunächst das Feuer am Kinde und die Frau stürzte in ihrem Schreck ans Fenster, riß dies auf und rief um Hilfe. Dies war ihr Verderben, das Feuer hatte Zug bekommen, und es bauert: deshalb lang, bis es dem Ehemann mit Hilfe ber herbeieilendm Leute gelang, die Kleider der Frau zu löschen. Die Vertetzteü wurden durch die Sanitätskolonne, deren Mttglieder Schmidt und Karnftach ihr noch die erste Hilfe leisteten, in die Klinik gebracht; am Auskommen der Frau wird gezweifelt. Der Zimmerbrand hatte auch Feuerlärm verursacht, die Feuer- lvchr stand zum Ansrücken bereit, brauchte aber nicht in Tätig- feit zu treten.
* * Selbstmord. Gestern abend wurde der Student toet. med. Eugen Zorn aus Fürth i. B. in seinem Bett tot aufge» fanden. Es wurde Vergiftung mit Morphium feftgeftellt Zorn hatte sich am 2. 1. M. abends 10 Uhr za Bett begeben unb feint Stube von innen verschlossen. Da er sich nicht sehen ließ, lies die Polizei gestern abend die Tür öffnen und fand die Leiche. Zwei leere Opiumfläschchen fanden sich auf dem Nachttisch, bette waren erst am 2. I. M. in der Apotheke gekauft. Zorn wm Herz leidend und Eonmte auch nicht über das Examen hinaus kommot, was luoftl bte Ursache bu$ Selbstmordes gewesen sein mag.
" Eine Ausstellung, die die allgemeine Aust merksamkeit verdient, wird vom 6. bis 8. b. M. in den Lokalitäten der Stadt Aiarburg" am Ende der Marburger Straße stattfinden. Obwohl sie abseits vom Verkehr veranstaltet wird, sollte doch niemand versäumen, sie zu besuchen. Sie wird Jedem Interessantes bieten, z. B. auch unseren Tarn en. Da sieht man näinttch u. a. eine Menge prachtvollen Pelzwerks fast jeglicher Art, elegante Umhänge, Boas, Atusfs, Pelzkragen, auch sehr hübsche, elegante, reizend kokette Damenhüte, ferner Teppiche, Bettvorlagen, Ftchschemel rc. rc., alles aus Pelz gefertigt, und zwar aus — Kaninchenpelz! Es ist nämlich eine KaninchenauS- Stellung, durch deren Veranstaltung der Verein Volks- wohl sich ein Verdienst erwirbt und die Jedermann, oft reich, ob arm, Sehenswertes bietet. Und welche Freude werden, neben den Kennern, unsere lieben Klemen haben an den vielen vermeintlichen »Osterhasen^. Unter den ausgestellten Tieren, die wohl sänitlich bereits zur Stelle sind, sieht man sehr hübsche Exemplare, Tiere von entzückendem, reinstem Weiß und roten Guckäugelchen, ferner schwarz und weiße, ganz schwarze, graue 2c. 2c. — Mit dieser Ausstellung ist eine Verlosung von Kaninchen, Pelzsachen 2c. verbunden. Lose hierzu sind in mehreren Geschäften zu haben. Die von den Kaninchenzüchter-Vereinen von Nah und Fern gestifteten Ehrenpreise waren gestern in dem Schaufenster des Zigarren- geschästs Lindau u. Winterfeld, Seltersweg, ausgestellt.
** 3ur Kählerschen Millionenerbschaft wird uns heute auS Bad Salzhausen geschrieben:
Bezugnehmend auf die tu Nr. 75 des »Gieß. Anz." gebrachte


