'Europäer eht, öerttyiTltete und plünderte die Kirche, einen Bücherladen mit religiösen Schriften, sowie daS Postamt und brannte die Schuppen der Auwmobil-Gesellschaft nieder. Bewaffnete Polizei zerstreute den Pöbel und Husaren patrouillierten die ©tragen ab.
— Ein Mann, welcher erklärte, ftanzösischer Nationalität zu sein, wurde gestern abend in Dover verhaftet, weil er zwei Soldaten mit einem Revolver bedroht hatte. Die Soldaten entwaffneetn ihn und hielten ihn solange fest, bis ein Pvlizeiagent herbeieilte. Bor dem Richter erklärte einer der Zeugen des Vorfalles, der Verhaftete habe die Absicht geäußert, das englische Königspaar bei seiner Rückreise nach London zu ermorden. Der Angeklagte erklärte aber, diese Wsicht nicht geäußert zu haben, und er sei betrunken gewesen.
Mailand, 4. Mai. Der Corriere della Sera veröffentlicht eine lange Unterredung mit dem ehemaligen französischen Minister des Aeußern, Flourens. Der französische Staatsmann betonte, daß der Angelpunkt der internationalen Politik in der Nebenbuhlerschaft zwischen Deutschland und England zu suchen sei, dessen König seine Netze im Mittelmeer ausspanne, um eine mächtigeKoalition gegen das deutsche Reich zusammen zu bringen. Daher sei König M>uard keineswegs, wie Manche behaupten, ein Friedensbote zu nennen. Vielmehr sei es sein Ziel, den unausbleiblichen Kampf zwischen beiden Mächten hcrbeizuführen, um nach Vernichtung der deutschen Seemacht die Hegemonie Groß-Britanniens auf immer zu sichern. Im Interesse der europäischen Mächte sei es gelegen, daß Englands Einfluß nickst übermächtig werde, damit es nicht eines Tages bei der Teilung des otwmauischen Reiches den Löwenanteil einstecke. England solle Deutschland auf dem ftied- licheu Felde des kaufmännischen Wellbetverbes bekämpfen und Europa solle denKönignicht in politischen Bestrebungen unterstützen, die in verhängnisvoller Weise zu blutigen Schlachten füllen.
Neue» p.us Rußland.
In Dorpat wurden bei einer Haussuchung 19 Bomben, vier Gewehre, viele andere Waffen und verbotene Schriften aufgefunden und mehr als 30 Personen verhaftet. Während der Haussuchung wurde ein Polizeioffizier von einem Manne in Studentenuniform getötet und ein anderer Polizeibeamter verwundet; der Mörder entkam Unter den Verhafteten befinden sich Frauen und Studenten.
In Moskau töteten 2 junge Männer, welche sich Einlaß in das Preobraschensky-Kloster verschafft hatten, vor dem Hochaltar den Prior durch Dolchstiche. Einer der Mörder konnte verhaftet werden, weigert sich aber, seinen Namen anzugeben.
Der Duma-Abg. Subarow wurde vom Ober st Mar- zinow sowie zwei anderen Offtzieren wegen Aeußerungen in der Duma über die Armee zum Duell gefordert. Nachdem jedoch die revolutionäre Partei ihre Zustimmung zum Zweikampf versagt hatte, lehnte Subarow die Herausforderung ab.
Aus Statt uut Laut.
Gießen, 4. Mai.
w Landwirtschaftskammer. Die 3. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer, die am 7. Mai zu Darmstadt stattftndet, wird sich u. a. auch mit dem Voranschlag für 1907 beschäftigen, der auf 400000 M. festgesetzt ist. Ein ebenfalls zur Beratung kommender Antrag von Kammermitglied Hensel in Dortelweil bezweckt die Verlegung der Unterrichtszeit an der obligatorischen Fortbildungsschule von 5—7 Uhr nachmittags auf 7—9 Uhr abends, was im Jntereffe der kleinen Landwirte und Arbeiter liege. Auch eine Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern über die Molkereischnle in Lauterbach kommt zur Verhandlung.
• * Personalien. Dem Lehrer Hch. W e g e l zu ^Grüningen wurde die 6. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schlitz übertragen. — Ernannt wurde der Fußgendarm i. P. Jak. Lamp zu Gießen zum Kreisamtsschreibgehülfen.
• * Einen weiteren Preisabschlag haben die hiesigen Schweinemetzger für verschiedene Wurst- und Fleisch fort en eintreten lasten.
• * Das Militärkonzert, das für morgen nachmittag tim Philosophenwald angekündigt war, fällt wegen der ungünstigen Witterung aus. Dagegen konzertiert die Regiments- nmsik um 5 Uhr im Neuen Saalbau.
*• Anlagemusik findet morgen mittag 12 Uhr in der Süd-Anlage mit folgendem Programm statt: 1.Hochzeitsmarsch und Brautgesang auS „Romeo und Julie*, von Gounod; 2. Schatz-Walzer von Strauß; 3. Finale aus ^A'lda* von Verdi; 4. Der Torgauer Marsch von F. v. G.
** Die gestern gelandete Leiche wurde als die der Frau Dillof ans Franken berg erkannt. Die Frau hatte sich hier bei Verwandten aufgehalten unb- wegen eines Nervenleidens hiesige Aerzte konsultiert. Gestern früh hatte sie sich ungesehen entfernt und im Zustande großer krankhafter Erregung die Tat ausgeführt.
** Hassiabezirkstage. Der Bezirk Gießen hält seinen 1. diesjährigen Bezirkstag am 12. Mai, nachm. 3 Uhr, auf dem Felsenkeller hier ab. An demselben Tag tagt der Bezirk Hungen in Rod heim, der Bezirk Vogelsberg in Schotten, der Bezitt Homberg a. d. O. in Homberg, der Bezirk Büdingen in Bind fach sen und der Bezirk Ortenberg in Ober-Seemen. Der Bezirk Grünberg hält einen Bezirkstag am ü. Mai in Saasen ab und der Bezirk Vilbel an demselben Tag in Klein-Karben.
** Gebrauchsmusterschutz wurde erteilt Zahnarzt Th. F r u t i g hier auf eine Kombmationsmatrize, bestehend aus einer Platte mit einer Reihe von Vertiefungen, die in der Weite ab und in der Tiefe zunehmen, mit dem dazu gehörigen Satz Stempel zum Auspragen fugen- und faltenloser Metallhülsen aus einem Stück für künstliche Kronen.
△ Grün berg, 3. Mai. Heute mittag fand die Beerdigung des so plötzlich durch Todessturz verstorbenen Spenglermeisters H. Kaiser statt. Dem Leichenzuge voraus ging der Musikoerein, der seinem langjährigen Mitglieds mit einem Trauermarsche das Geleite gab. Ihm folgten die freiwillige Feuerwehr, der Turnverein und der Kriegecoerein, alle mit ihren Fahnen, die ihrem früheren Mitgliede je einen Kranz am Grabe niedeclegten. Weiter legten Kränze nieder Bürgermeister Zimmer für den Stadtvorstand, Hch. Schmidt I für den VerkehrSoerein Grünberg, Ludwig Gehringer für den Aufsichtsrat des VorschußvereinS, Syndikus Engelbach von Darmstadt für die Handwerkskammer, Stadtverordneter Petri von Gießen für den Gewerbeoerein Gießen und den Bezirksoerband Gießen, der außerdem die letzten Grüße der Gewerbebank Gießen überbrachte. Der Verstorbene war nämlich auch stellv. Vorsitzender des Unter-Verbandes der Hess. Genossenschaften. Allgemein ist hier die Teilnahme für die Familie des so schrecklich Verunglückten, der auch in unserem Gemeindeleben eine empfindliche Lücke hinterläßt.
sd. Darmstadt, 3. Mai. Das Großherzogspaar machte gestern eine Automobilfahrt nach Mainz zur Besichtigung des dortigen Palais, in dem zurzeit verschiedene
Aenderungen getroffen werden. Die Herrschaften kehrten gegen 7 Übe zurück, um am Abend Gerh. Hauptmanns „Versunkene Glocke* im Hoftheater zu besuchen. Am Großherzoglichen Hofe ist heute abend Professor Stuck aus München cm» getroffen, um im alten Palais Wohnung zu nehmen. Der Großherzog hat vor einiger Zeit in München dem Maler einige Sitzungen bewilligt und nun soll auch die Großherzogin einige Sitzungen zu einer Aufnahme genehmigt haben. — Erhängt hat sich heute vormittag der gegen 40 Jahre alte verheiratete Weißbindermeister C. Reich. Der Mann ist durch ungünstige Umstände in der letzten Zeit in schlechte Verhältnisse gekommen. ___________________________
Verweigerung des Berficherungsanspruchs wegen unterlassener Anzeige bei Anschaffung eines Fuhrwerks
Man schreibt uns aus Leipzig:
Der Möbelhändler K. hatte sich in der O berr Heinisch en Versicherungsgesellschaft zu Mannheim im Jahre 1896 bis zum November 1901 für Unfälle versichert. Die Fragen, ob er ein eigenes Fuhrwerk habe und ob er selbst kutschiere, hatte er mit „nein" beantwortet. Ein halbes Jahr nach Eingehung des Versicherungsverttages schasste sich K. für seine Mobel- handlung eigenes Fuhrwerk an und behauptet die Versicherungsgesellschaft, daß er seitdem auch selbst kutschiert habe. K. will nur in einzelnen Fällen und immer in Begleitung des Kutschers mit dem Fuhrwerk gefahren sein. Obwohl der § 9 der allg. Versicherungsbeüingungen der Beklagten bei Aenderung der Verhältnisse oder bei Erhöhung der Gefahr für die Gesellschaft eine Anzeige des Versicherten verlangt, falls die Versicherung nicht ruhen soll, hat K. eine Anzeige über die Anschaffung des Fuhrwerks nicht erstattet. In Betracht kommt jedoch noch, daß K. bei derselben Versicherungsgesellschaft bald nach Anschaffung des eigenen Fuhrwerks Haftpflichtversicherung genommen hat. Hierbei hat er die Frage: „Sind Sie bereits für ihre eigene Person gegen Unfälle aller Art gedeckt?" dahin beantwortet: „Ja, bei der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft in Mannheim."
K. erlitt am 28. Februar 1901 in einem Hausflur einen Armbruch, weil ihm ein Hund durch die Beine gelaufen war. Die Versicherungsgesellschaft lehnle jedoch eine Unterstützung nach dem Versicherungsverträge aus Grund des § 9 ihrer Bedingungen ab. Dieser Paragraph lautet wie folgt: „Wenn der Versicherte seinen Berus oder seine regelmäßige Beschäftigung ändert, oder in Verhältnisse eintritt, nach denen die im Versicherungsanträge gemachten Angaben nicht mehr mit der Wirtlichkeit überein- Itinunen und daraus eine erhöhte Gefahr für die Gesellschaft entsteht, so ist der Gesellschaft schriftliche Anzeige zu erstatten; die Verbindlichkeit der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft aus der Versicherung ruht eventuell mit dem 15. Tage nach dem Eintritt der Veränderung, tritt aber mit dem Zeitpunkt, an welchem die Gesellschast zur Fonsetzuna der Versicherung schriftlich ihre Zustimmung erteilt, und der Versicherte die wegen Gefahrenerhöhung etwa eingestellten Bedingungen erfüllt hat, für später eintretende Unfälle wieder in Kraft . . . ."
Die Klage des K. auf Zahlung der Versicherungsunterstützung wurde vm Landgericht abgewiesen. Auf die Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht Köln unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Klage dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Dieses Urteil wurde von der beklagten Versicherung aber mit Erfolg vor dem "VH. Zivilsenat des Reichsgerichts angegriffen. Der erkennende Senat kam zur Aushebung des Vorderurteils und verwies die Sache zur weiteren Entscheidung an das Oberlandesgericht zurück.
Börsenwochenbericht.
Frankfurt a. M., 3. Mai.
Mit der Erneuerung des Stahlwerksverbandes ist von der Eisenindustrie eine gewisse Unsicherheit gewichen, die, wenn man an dem Zustandekommen des Verbandes auch nie ernstlich zweifelte, doch immerhin auf ihr lastete. Verschiedene andere Verbände, die von dem Stahlwerksverband abhängig gemacht wurden, insbesondere auch das internationale Schienenkartell, sind nun gleichfalls gesichert, und damit gewinnt die gesamte Eisenindusttie wieder eine sichere Grundlage. Die Folgen sollen bereits in die Erscheinung treten, indem die Kauflust sich neu zu regen beginnt. Auch der englische Eisenmarkt liegt etwas fester, aus Amerika kommen gleichfalls zuversichtlichere Slluations- berichte und da auch die Kohlenindustrie noch floriert, so darf man wohl annehmen, daß wir uns noch länger eines guten Ganges der Industrie zu erfreuen haben. Dies sollte der Börse eigentlich einige Anregung geben, aber sie kann den toten Punkt nicht gut überwinden, well die Lage des Geldmarktes noch immer einen Hemmschuh bildet. Diese Woche hat der Zinsfuß wieder etwas angezogen, Privatdiskonto erhöhte sich auf 45/8 Proz. und die Reichslande ist mit 47 Mill. Mark in die Notensteuer geraten. Allem darauf mußte man vorbereitet sein, denn der Ultimo und die Emission der deutschen Schatzjcheine stellten Ansprüche^ an den Geldmarkr, die auf den Zinsfuß nicht ohne Einfluß bleiben konnten; die Anspannung des Status derReichs- bank ist überdies, dadurch initücranlaßt, daß das Reich die Mittel der Bank stark in Anspruch nahm. Nun, nachdem heute die erste Einzahlung auf die Schatzanweisungen geleistet wurde, kann das Reich Rüazahlungen an die Bant vornehmen. Immerhin wird die Reichsbank noch etwas zusehen müssen, bis sie und ihre Dis- kontorate weiter herabgehen kann. Amerika bleibt nach wie vor ein unsicherer Faktor und kann den internationalen Geldmarkt stören, wenn die verschiedenen Eisenbahngesellschasten an ihn appellieren wollen. Diese Woche hat sich nur die Atchison Topeka und Santa Fß-Bahn mit einer Emission von 26 MUlionen Dollars gemeldet, wobei sie den 5proz. Zinssuß wählte. Neben der Un- sicherhett des Geldmarktes waren es auch noch die Ausführungen des Fürsten Bülow im Reichstage über die politische Lage, die Hinausschiebung der Eiuoruiguug der Börsengesetz-Novelle bis zuui verbst unb die bisher resultattosen Verhandlungen des Kalisyndikats mit den Outsiders, die der Börse Reserve auserlegten. Der Verkehr blieb ruhig. Zproz. deutsche Fonds schwächten sich noch einen Bruchieil ab, die 4proz. Schatzanweisungen wurden etwa V2 Proz. über Emissionspreis umgesetzt. Von fremoen Fonds waren Russen etwas besser auf die Annahme des Rekrutenkonlingenks durch die Duma. Bankaktien kaum verändert, auch Transportwerte blieben auf ihrem vorwöchigen Niveau, nur Lloyd 2 Proz. besser. Das Kursniveau der Monra nwerte hat sich dagegen durchschnittlich um etwa 5 Proz. gehoben, Deutsch-Luxemburger und Phrnie stiegen sogar 10 Proz. Von anderen Jndustriepapieren sind Mannesmann 6 Proz., Karlsruher Maschinen 7 Proz., Wittener Stahlröhren 20 Proz., Waldhof und Seilüidustrie Wolff je 5 Proz. gediegen, Kunstseide gingen neuerdings etwa 50 Proz,. zurück, well der Abschluß und die Dividenden von nur 2d Proz. gegen vorjährige 3o Proz. enttäuschien. Seit etwa mehr als Wochen- ftisk sllid die Aktien nahezu 100 Proz. gefallen. Die wilden Lkursschwanrungen oer letzten Zeit, die teilweise mit den Trusk- verharidlungen tn Zusammenhang gcitanöen haben mögen, hatte sie sich weniger zugeknöpft verhalten und über das Jahresergeonis die Verwaltung vermeiden oder wenig,tens mildern können, wenn früher Mitteilungen an die Oeffentllchkeit gebracht hätte.
Kandel.
**Konkur sein Hessen, lieber das Vermögen des Bäckermeisters Johann Beny III. in Gimbsheim wurde am 22. April, vorm. 11.30 Uhr, das Konkursverfahren eröfhiet, da die Wormser Kunstmühle, Gebrüder Fellei in Worms, welcher eine Schuldscheinsforderung in Höhe von 5109 Mk. und 30 Pfg. nebst 5 Proz. Zinsen vovi 18. Marz an zustehl, den Antrag .auf Eröffnung deS Konkursverfahrens gestellt und der Gemeinschuldner feine Zahlungsunfähigkeit und Zahlungseinstellung ein- geräumt hat. Rechtsanwalt Dr. Winkler in Oppenheim wurde 8um Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 18. Juni bei dem Amtsgericht Oppenheim anzumelden. — lieber das Vermögen des I a k 0 b I 0 u a u x , Zimmermann in N i e d e r- Jngelheim, wurde am 22. April, nachm. 6 Uhr, das Kön-
kursverfahren eröffnet, da der Gemeinschuldner zahlungsunfähig ist, insbesondere seine Zahlungen cinegeftellt hat und die Eröffnung des Konkursverfahrens beantragt hat. Rechtspraktikant Albrecht in Ober-Ingelheim wurde zum^ Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 25. Mai bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim anzumelden. — Heber den Nachlaß des am 17. Oft zu Darmstadt verstorbenen Fabrikanten Heinrich Hermann Orth wurde am 22. April, nachm. 61/2 Uhr das Konkursverfahren eröffnet, da die Ueberjchuldung des Nachlasses nachgewiesen ist. Nachlaßpfleger Heinrich Scharmann in Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 10. Mai bei dem Amtsgericht Darmstadt I anzumelden.
— Hohe Tabakpreise. Zu den Gewerben, deren Verhältnisse durch hohe Rohstoffpreife von Grund auf verändert worden sind, gehört auch das der Verarbeiter von Tabak. Dieser hat eine Preissteigerung erfahren, wie sie von den wenigsten der Beteiligten erwartet worden ist, und diese hat den ganzen Gewerbezweig in eine sehr verwickelte Lage gebracht. In diesem Augenblick wenden sich im Hinblick auf die außerordentlich kleinen Vorräte und hohen Preise für alten kubanischen mll> Sumatra-Tabak die Augen der Händler und der Zigarrenhersteller den Berichten aus Küba über die Entwickelung der dor- tigen Ernte zu. Wie es scheint, so fdxreibt die „K. V.-Z.", löirb die kommende Ernte von Nemedios-Tabak kleiner, diejenige von Vuelta Abajo dagegen etwas großer sein, als im vorigen Jahr. An einen Rückgang der Preise für Havana-Tabak ist aber dabei flaum zu denken, eher noch an das Gegenteil. Die Pflanzer auf Kuba klagen über Regenmangel, ermatten aber doch ein hinsichtlich der Güte schönes Ergebnis. Dem entsprechend erhosft man auch wieder hohe Preise, zumal da. bisher die Höhe derselben den Verbrauch nicht beeinträchtigt hat. Die großen Verarbeiter, an ihrer Spitze die American Tobacco Company, Können ihren Betrieb nicht einschränken, sonderii dehnen ihn vielmehr aus, da es ihnen an Abnehmern nicht fehlt. Ueberdies müssen die Kubaner ja ckuch mit höheren Selbstkosten rechnen. Aus ihrer Insel herrscht ebenso Av- beiter mangel, wie überall auf der Wett, und die Einwanderung genügt noch nicht einmal dem Ausgleich der Auswanderung. Was nun die diesmalige Ernte von (Sumatra betrifft, so kann sie als gut bezeichnet werden; bis jetzt zeigt; aber die angebotene Wate überreife und mürbe Blätter, welche also schwer zu verarbeiten sind und die Verwendbartell des neuen Tabaks beeinträchtigen, dagegen belle, Farbe, welche besonders dem Geschmack der Auierikaner entspricht, von denen erwartet werden muß, daß sie wieder als ebenso starke Läusep auftreten werden, wie für die letzte Ernte, wenn sie auch auf den ersten in Holland stattgefundenen Einschreibungen mit ihren Käufen noch sehr zurückgehalten haben. Die deutschen Käufer haben einen großen Teil ihres Bedarfes an Sumatra-Tabak mit geringerer Ware gedeckt, müssen aber schließlich doch auch um die bessere mit den Amerikanern in Wettbewerb treten. Die bisher in Deutschland beliebte Hamburger Zigarre hat ein prim- liches, fettes Aussehen: ja die deutschen Zigarrenhersteller rufen diese Farbe sogar absichtlich dadurch hervor, daß sie die Rückseite des Blattes zur Deckung der Zigarre verwenden. Indessen geht der Geschmack der deutschen Raucher doch allmählich mehr dem der Amerikaner nach, welche verlangen, daß das Deckblatt der Zigarre glänzt. So ist also auch für Sumatra-Tabak vorerst wenig Aussicht auf Nachgeben der Preise vorhanden.
Dermifdttee»
' Genickstarre. Wie das Offenb. Abendbl. meldet, ist im städtischen Krankenhause ein 11 jähriges Mädchen, das an Genickstarre erkrankt war, gestorben. — In W e n i g e n f e n a in Rückersdorf und in Reichenbach bei Saatfeld wurde je ein Fall von Genickstarre feftgefteüt — Jin Harburger Krankenhause siiid drei Kinder an Genickstarre gestorben.
* Explosionen. Auf der Kaligrube HelungenII. am Kyffhäuser erfolgte im Schacht eine Pulverexplosion, bei, welcher fünf Personen durch das entstandene Pulvergas den Erstickungstod fanden. — In Kanton (China) explodierte ein Pulvermagazin. 21 Leichen wurden bis jetzt gefunden. 15 Gebäude wurden vollständig zerstört, über 100 ernstlich beschädigt. Ein etwa 200 Fuß langes Stück der Stadt- mauer wurde zerstört. Die Explosion ist anscheinend durch Unvorsichtigkeit eines diensthabenden Offiziers hervorgerufen worden, deiin man hat feine Leiche mit einer Tabakspfeife in der Hand gefunden. Nach neueren Meldungen beträgt die Zahl der Explosion Verletzten mehrere Hundert.
* Die sizilischen Aerzte und das Duell. Fürs gewissenhafte Aerzte ist die Frage, ob sie sich in beruflicher Eigenschaft an Duellen beteiligen dürfen oder nicht, eine recht ernste Sache. ^Beteiligen sie sich, so bieten fie eine gewisse Garantie dafür, daß die Wirkungen der Zweikämpfe gemildert werden; lehnen sie aber ihre Beteiligung ab, so lassen fie vielleicht Leute, die ihr« Hllse nötig brauchen, in hilflosem Zustande liegen. Da in Sizilien" die Zahl der Ehrenhändel besonders groß ist, beschloß jüngst —. wie wir in der ,£)ra" lesen — die Aerztekammer der Provinz Palermo, sich an die Losung des schwierigen Problems zu machen. Es fanden zwei recht stürmische Sitzungen statt, schließlich aber trug nach einer heftigen Philippika des Professors Parla- vecchio die anttduellistische These den Sieg davon, und es wurde fast einstimmig ein Beschluß gefaßt, der also lautet: „Da die Anwesenheit des Arztes beim Duell in offenem Widerspruch steht mit dem Grundprinzip der Mission des Arztes, der Gebrechen, Wunden und Verletzungen nicht bloß kurieren, sondern vor allem verhüten soll; da ferner unter einem gewissen Gesichtspunkte die Anwesenheit des Arztes bei einem Duell sogar den Charakter der gesetzlich festgelegten Mitschuld tragen kann, weil in Abwesenheit des Arztes die Duellzeugen nicht die schwere Verantwortung übernehmen würden, einen Zweikampf zu gestatten, in welchem auch scheinbar leichte Verletzungen ohne sofortige ärztliche Hilfe die schlimmsten Folgen haben könnten: erklärt die Aerzte- tammer von Palermo die Mission des Arztes für unvereinbar mit der beruflichen Beteiligung am Duell und legt allen Aerzten die Pflicht auf, diese Beteiligung mit Entschiedenheit, ständig, unter allen Umständen und in nicht illusorischer Weise abzulehnen." Dieser Be.chluß soll jetzr dem in Rom residierenden Präsidium der italienischen Aerzteschaft vorgelegt werden, mit der Bitte, ihn edlen Aerzlekammern Italiens zu unterbreiten.
"KleineTageschronlk. Ju Berlin wurde an der Börse am Freitag bekannt, daß der Börsenvertreter einer Bankffrma, Wegner, auf den Namen der Finna größere Engagements an der Börje einging, die sich als verlustbringend erwiesen. Außerdem fall sich Wegner der Firma gehörige Wertpapiere angeeignet haben, mit denen er flüchtig geworden ist. Der Schaden, den die Firma erleidet, fall etwa 50000 Mark betragen. — Ein gewaltiges Feuer kam im Hamburger Frechaieugebiet zum Ausbruch. Der große Schuppen der Lagerhausgeselljchaft von I. H. Bachmann, in dem 10 000 Ballen Baumwolle lagerten, wurde ein Raub bei Flammen. Auch große Transporte von Rohzucker wurden durch Wasser und Feuer vernichtet. ÜUit mehreren Löjchdampfern gelang es, die durch Flugfeuer gefährdeten großen Spritlager von Herwig zu retten. Ter Schaden wird auf vier Millionen Mark geschätzt. — Auf der Elbe m 'JJt a g b e b u r g wurde der Schiffer Markmann in der Kajüte fernes Kahnes in der letzten Nacht nach anscheinend heftigem Kampfe ermordet und beraubt. Der Mörder ist unbekannt. — Einer Lloydmeldung zufolge ist der Dampfer „Siloerlip* mit einer Ladung Benzin, von Singapore nach London beftimmr, im Biskayischen Meerbusen am 1. Mai in Brand geraten und von der Maimjchast verlassen worden. Fünf Mann von der Besatzung sind u m g e f 0 m m c ti, der Rest, darunter vier 'Mann mit schweren Brandwunden, ist aufgefischt und m Plymouth gelandet. — In Berlin wurde die 25 Jahre alte Schriftstellerin '21 n n a I ü r g e n § in ihrer Wohnung erschossen ausgefunden. Tie junge Dame hatte sich durch eine Kugel in den Mund getötet Von Gläubigern bedrängt, machte sie ihrem Leben em Ende. — In Aiailand hat^der lynjche Sänger Rossi, welcher bei der Katastrophe in San Franzisko die Stimme verloren hat, sich m einem 'Anfälle von Geislesilörung s e l b st d 1 e Zunge ab- geschnitten und wurde schiver verletzt nach dem Hospital gebracht — In P 0 p 0 l t (Italien) stieß em Personenzug mit
Jacken, 2. ricktsoollztt gung amtlicher Iaht drei Ä
Breslau,c Biewald gegei wegen seiner, von spruche stellt, die gerechlferiigl evtl Revision den
Dresden Ztudenlend duells mit de Festung und drei Tagen Fest
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