Ausgabe 
30.12.1907 Zweites Blatt
 
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Einen in den Arm versetzte. Vor weiteren Angriffen rettete sich Strauß durch einen Sprung aus dem Fenster. Strack L'egab sich darauf in sein Zimmer und tötete sich durch einen Gewehrschuß in den Kopf. Die Verletzungen des Strauß erwiesen sich als so schwer, daß er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. Am Montag, 23. Dez., hatte sich erst in Bonbaden ein schweres Un- glück ereignet. In einem Steinbruch wurden zwei Ar­beiter durch abstürzende Gesteinsmassen verschüttet. Der 23 jährige Bergmann Hermann Zimmer wurde dabei ge­tötet, während der andere mit leichteren Verletzungen davonkam.

h. Frankfurt a. M., 30. Dez. Im Hauptbahn­hof fuhr eine Lokomotive gegen einen Postwagen, der e n t g l e i ft e und die Ausfahrt nach der Main-Weser-Bahn eine Stunde lang sperrte. Verletzt wurde niemand.

L Hanau, 29. Dez. Nach einem Bericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung hat die Steuerveran­lagung für das Etatsjahr 1907 ein für die städtischen Finanzen günstiges Resultat gezeitigt. Teils sind die gewerblichen und industrieellen Betriebe gegenüber dem Vorjahre erheblich in der Steuer einaeschätzt worden, weil ihr Gewinn bedeutend höher war, teils sind die kleinen Einkommen dadurch entweder steuerpflichtig geworden oder höher in die Steuer gekommen, weil die Ar­beitgeber über das Einkommen der Arbeitnehmer Auskunft er-' teilen mußten und somit das Einkommen der Arbeitnehmer schärfer erfaßt werden konnte. Ter Magistrat bemerkt hierzu, es sei zu wünschen, daß, nachdem für sämtliche Beamten die zuständigen Behörden und für sämtliche Arbeitnehmer die Arbeit­geber nunmehr Einkommens-Nachweise bezw. Auskünfte geben müssen, ganz allgemein der Deklarationszwang, der jetzt ent bei 3000 Mk. beginnt, eingeführt werde, so daß ein jeder mit einem Einkommen von mehr als 900 Mk. seine Einkünfte der Steuerbehörde mitzuteilen hätte. Die Mehreinnahme des Rech- nungsja^es 1907 aus den vier Steuerarten (Einkommen-, Grund-, Gewerbe- und Hundesteuer) bettägt gegenüber dem Voranschläge voraussichtlich 94 300 Mk. Zu diesem Bettage treten noch 14 000 Mark Mehreinnahmen an Zinsen aus vorübergehend angelegten Kapitalien, so daß mit einem Ueberschuß von 108 000 Mk. gerechnet werden darf. Auch für das Etatsjahr 1908 wird sich eine Balancierung des Etats ohne Erhöhung der Steuern er­möglichen lassen.

Fcojch Karden.

München, 30. Dez. Das Mün chener Amtsgericht hat zur Vernehmung des Geheimrats Schwenninger einen Gerichtsschreiber delegiert. Es wohnten der Vernehmung also bei: Assessor Lange als amtierender Vertreter des Berliner Landgerichts, Staatsanwalt Rasch als Vertteter des Oberstaats­anwalts, Justizrat Bernstein als Vertreter Hardens und der Münchener Gerichtsschreiber. Die Herren trafen um 10 Uhr vormittags in Schwaneck ein und fanden Geheimrat Schwenninger im Bett. Schwenninger, der sich vor 14 Jahren auf einer gemeinsam mit Krupp unternommenen Ozeanfahrt durch einen Sturz auf dem Verdeck eine innere Verletzung zuzog, leidet gegenwärtig wieder an den Folgen dieses Unfalles und ist be­reits seit mehreren Wochen bettlägerig. Geistig ist er voll­kommen frisch. Seine Vernehmung dauerte insgesamt zehn Stunden. Er bestätigte im Wesentlichen die Darstellung des Harden. Insbesondere erklärte Schwenninger, daß Frau von Elbe die Dinge ihm und seiner Frau wie auch Harden selber s. Zt. in durchaus glaubwürdiger Weise erzählt habe. Sie habe ungefähr dasselbe mitgeteilt, was sie bei ihrer ersten Vernehmmig vor dem Schöffengericht über ihre Ehe ausgesagt habe und ihr Gesundheitszustand habe zu keinem Zweifel au ihrer Gedächtnis- und Geistesttast Anlaß gegeben. Geheimrat Sck)wenninger bestätigte ferner, daß er und seine Gattin Frau von Elbe auf ihren besonderen Wunsch mit Harden bekannt ge­macht habe. Ueber seine und seiner Gattin Beziehungen zu Frau von Elbe befragt, erklärte er, daß sie alle drei einander duzten und sehr befreundet gewesen seien. Schwenninger sagte aus, es sei seine feste Ueberzeugung, daß Harden absolut nicht aus ttgendivelchen unlauteren Atotiven, sondern aus politischem Interesse jene Dinge fünf Jahre nachdem Frau von Elbe sie ihm mitgeteilt, in seinen Artikeln zur Sprache ge­bracht habe. Schwenninger hätte übrigens beim Lesen der Artikel die betteffenden Anspielungen gar nicht verstanden. Auch bie Äußerungen Bismarcks über die schädliche politische Tätigkeit Eulenburgs bestätigt Schwenninger. Ebenso erklärte er, daß er im Hause des Fürsten Bismarck über die anormalen Nei­gungen des Liebenberger Kreises sprechen gehört habe. Er er­innert sich, daß Bismarck tatsächlich jene Äußerung über die Kamarilla getan hat, in der es hieß: Wenn die Sache so dumm gemacht würde, daß der regierende Herr es merkte, könne eine Kamarilla sich nicht halten. Schwenninger bestätigte auf Anfrage ferner, daß er die SpitznamenSüßer Kuno" undTnetne" schon lange vor dem Erscheinen der Hardenschen Artikel gehört habe. In Bezug auf einen Teil der Tatsachen, bei denen Harden sich auf ihn berufen hat, erklärt Schwenninger, daß er sich nicht daran erinnere, er halte die betreffenden Aeußerungen oder Vorgänge aber der ganzu Situation nach für wahrscheinlich. Dann begann die Vernehmung der Frau Geheimrat Schwenninger, geb. Gräfin Moltke. Sie dauerte nicht so lange. Die Zugin betonte, daß sie sich von jeder Ani­mosität gegen den Grafen Moltke frei wisse.

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Ein Brief Hardens^

Berlin, 28. Dez. Herr Maximilian Harden übersudei demL.-A." nachstehenden Brief:

ImMakin" von gestern ist ein aus Nizza datiertes Inter­view veröffentlicht worden, in dem mir die Behauptung zu­geschrieben wird, die Frau Prinzessin von Sachsen- Meiningen habe mir neue Tatsachen mitgeteilt, durch die Graf Kuno Akoltke belastet wird oder werden soll. Tie Behaup­tung ist unwahr und ebenso unwahr ist jeder Satz, der in diesem Interview über meine Aussage steht. Weder über den Erbprinzen und seinen Abschied aus dem Breslauer Kriegskvm- mando, noch über das Verhältnis der Erbprinzessin zu ihrem Bruder, dem deiilschen Kaiser, habe ich ein Wort gesprochen. Gegen eine objektiv falsche Deutung meiner Aeußerungen habe ich (in nicht öffentlicher Sitzung) geltend gemacht, selbst eine Dame, die so hoch steht und dem Grafen Moltke so huldvoll gesinnt sei, wie es (meines Wissens) i)ic trroprinzessiN von Sachien- Meiningen ist, habe mir im Verlause ihres Gesprächs gesagt, sie begreife nicht, daß man meine Darstellung, die ihr zu- treffenb scheine und an deren patriotische Absicht sie nicht zweifle, verzerren und vergröbern konnte. Was ich gesagt habe, sei unbestreitbar. Was man mich sagen lasse, sei von mir nicht gesagt worden. Der Aufforderung, diese Angaben zu einem Ve- weisanttag zu formulieren, glaubten meine Verteidiger folgen zu müssen. Durch die Veröffentlichung dieser Zeilen würben Sie mich zu Dank verpflichten."

* Sensationelle B i ld e r f a l s ch u n ge n. Die Mün­chener Staatsanwaltschaft hat verschiedene Verhaftungen von kleinen Händlern und Agenten von Kunsthandlungen vorgenommen, die mit angeblichen Bildern berühmter Meister einen schwung­haften Handel getrieben hatten. Zuerst glaubte man, Hunderten von falschen Lenbach-Bildern auf die Spur gekommen zu sein. Wie aber verlautet, handelt es sich auch nm' fast ebenso viele ge­fälschte Werte vvu Böck l in, Menzel, Defreggers und Grützner. Auch von französischen Gemälden wurden geschickt angefertigte Imitationen in den Handel gebracht. Tie Fälschungen sollen auf Jahre zurückzuführen sein. Tie Bilder und Namenszüge dieser sind so täuschend nachgeahmt, daß auch angesehene Kunst Händler in München, Berlin, Wien, Prag, Paris, Brüste! Fwank- furt a. M. usw. getäuscht wurden. Die Fälscherbande hat, so­

weit bis jetzt eruiert werden tonnte, ihr Hauvtgucrrtier in Oesterreich, und Filialen in Berlin, München und Wien.

Das Opfer eines amerikanischen Duells sollte nach den bei ihm vorgefundenen Angaben ein junger Mann geworden fein, der dieser Tage in Budapest feinem Leben ein Ende gemacht hat. Vor ein paar Tagen erschoß sich dort auf offener Straße der zwanzigjährige Zahntechniker Paul Buchwald. In feinem Besitz fand man Tagebuch­blätter, wonach er vor dem gelungenen Selbstmord bereits neben Selbstmordversuche, teils mit Gift, teils mit dem Re­volver verübt haben wollte. Unter den Habseligkeiten Buch­walds entdeckte man auch einen angeblich vor drei Jahren geschlossenen Vertrag mit einem Wiener Zahntechniker, wo­nach die beiden wegen eines Mädchens ein amerikanisches Duell ausgekämpft und Buchwald die schwarze Kugel gezogen hätte. Letzterer hätte sich in diesem Vertrag verpflichtet, sich im November dieses Jahres zu erschießen. Als er dies nichi ausgeführt hätte, habe er von seinem Gegner eine Aufforder­ung bekommen, seine Verpflichtung zu erfüllen, sonst werde er ihn wie einen Hund niederschießen. Daraufhin will Buch, wald dann Selbstmord verübt haben. Der Onkel des Selbst­mörders hat jetzt aber der Polizei mitgeteilt, daß er in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise festgestellt habe, daß sein Neffe keinem Duell zum Opfer gefallen fei. Buchwald sei ein außerordentlich überspannter Mensch gewesen, der die Tochter eines Tanzlehrers damit habe erobern wollen, daß er sich zum Helden von Duellen machte. Aus diesem Grunde habe er auch die Geschichte von dem amerikanischen Duell erfunden. Es wurde ailch sestgestellt, daß die sieben Selbst­mordversuche, von denen in den Aufzeichnungen Buchwalds die Rede ist, nicht stattgefunden, haben.

* Derverheiratetste" Mensch. Dieser ist Herr Kottmann, ein Bürger von Greilingen in Württemberg. Er war nicht weniger als elfmal verheiratet. Seine drei ersten Frauen sind jung gestorben, die beiden folgenden kamen durch Unfälle ums Leben, die sechste brachte sich um, die siebente ertrank, die achte und die neunte starben bald nacheinander, die zehnte rannte ein Stier um, so daß sie ums Leben kam, und bie, elfte hängte sich auf. Unser mutiger Schwabe stand im Begriff, sich zum zwölften Male auf den Gang zum Standesamt mit einer noch mutigeren Landsmännin zu rüsten, als er das Opfer eines Eifenbahnunfalles wurde, nach dem er sich beide Beine ampu­tieren lassen mußte. Nun war sein Glück zu Ende, und jetzt, wo er hilflos und am meisten liebreicher Hand bedürftig ist, bekommt er keine Frau mehr. Sonst wäre das Dutzend voll. So erzählen süddeutsche Blätter, aber wir wollen's nicht recht glauben.

* Eine Frau, bie sich über den Tod freut. Auf einem Gute in der Nähe von Elbing lebt eine Frau, die sich eine hübsche Summe Geld erspart hat und sich einen Sarg mit Sterbeausstattung gekauft und ein Kreuz mit Inschrift hat un­fertigen lassen, so daß nur der Todestag auszufüllen bleibt. Vor einiger Zeit soll die Frau auch schon bei einem Geistlichen getvesen sein, um die Leichenpredigt vorher zu bestellen und schon im voraus zu bezahlen. Oesters besieht sie sich die schönen" Sachen, probiert auch den Sterbeanzug an und er­zählt überall, was sie angeschafft habe und wie gut alles sei. Der Fall erinnert an Chamissos bekanntes Gedicht:Die alte Waschftau".

* Ein französisches Musterdorf. Fort Mardyck bei Dünkirchen, so schreibt Dr. Bertillon imMatin", ist ein großes Fischerdorf von 1700 Einwohnern; vor 50 Jahren hatte es nur 650 Einwohner und im Jahre 1821 nur 300. Tie Einwohnerschaft hat sich also in 80 Jahren trotz einer starken Auswanderung fast versechsfacht. Wieviel Orte gibt es wohl in Frantteich, die von sich dasselbe sagen können? In Fort-Mardhck haben die Familien viel Kinder, und da diese Kinder unter den denkbar günstigsten Verhältnissen aufwachfen, ist die Sterblichkeit nur gering. Es gibt in dem ganzen Orte keinen armen Mann; es kann gar keinen geben. Das ist . auf eine Verordnung aus Colberts Zeiten zurückzuführen. Sie bestimmt, daß jede neu­gegründete Familie als Hochzeitsgeschenk die Nutznießung aber nur die Nutznießung einer Mitgift von 24 Ar Land zu bean­spruchen hat. Diese Mftgift ist unveräußerlich und unteilbar. Wenn ein Ehepaar gestorben ist, fällt das Land wieder an die Gemeinde zurück, die es dann einer neuen Haushaltung zu­weist, am liebsten einem der Kinder des verstorbenen Ehe­paares. Die Einwohner von Fort-Mardyck wissen, daß die Zu­kunft ihrer Kinder gesichert ist: jedes von ihnen bekommt am Hochzeitstage seine 24 Ar Land und muß sich mir verpflichten, im Orte zu bleiben. Die Eltern können sich also ruhig eine zahl­reiche Nachkommenschaft leisten, und das tun sie auch. Es kommen in Fort-Mardyck auf 1000 Einwohner 41 Geburten im Jahre (in Deutschland kommen auf 1000 nur 36 und in Frankreich gar nur 21). Man kann sich nichts Hübscheres denken, als dieses Musterdorf. Es ist in eine Menge Gartenanlagen von je 24 Ar geteilt: in jedem Garten steht ein einstöckiges weißes Haus und fast alle Häuschen sind in der Bauart gleich. Vor Colbert war hier nichts als flacher, sandiger, unwirtlicher Strand. Ein kleines Fort beherrschte den Zugang zu einem Fluthafen, in dem nicht selten Korsaren eine Zuflucht suchten. Um dieses Fort mit treuen Wächtern zu füllen, beschloß Ludwig XIV., hier Seeleute von französischer Herkunft anzusiedeln. Er ließ aus Cucq in der Picardie vier Familien kommen und schenkte diesen Fischern 125 Hektar Dünenland als unveräußerliches Eigentum. Aus dieserassociation de matelots pöcheurs" entwickelte sich bann das heutige Musterdorf mit seiner 24 Ar-Aussteuer. Ganz wert­lose und öde Dünen sind kulturfähig gemacht worden und werden von einem glücklichen Völkchen bewohnt, das die Not kaum vom Hörensagen kennt. Fort-Mardyck ist von dem Doktor Lancry aus Dünkirchenentdeckt" worden. Es gibt noch mehrere solcher Musterortschaften; wir nennen nur Kimpen de Loon, Bray-Dunes, Hemmes d'Ohe, Marck (bei Calais) usw., aber Fort-Mardpck nimmt doch den ersten Stang ein. Was hier geleistet worden ist, erkennt man erst, wenn man Fort-Mardyck mit einigen Nachbarorten vergleicht. Da liegt z. B. ganz in der Nähe, zwischen Dünkirchen und Calais, der Ort Grande-Synthe. Hier gibt es feine lachenden Häuschen, keine Gärten mehr, und die Zahl der Kinder ist weit kleiner, als in Fort-Mardyck. Auf die Frage, woher das wohl komme, antwortete der Maire von Grande-Synthe:Unsere Nach­barn haben ihre Konzession, und darum brauchen sie nicht zu rechnen. Im übrigen Frankreich rechnet man zuviel, darum kann die Bevölkerung nicht zunehmen . . ."

* Vom Druckfehler. Wer heutzutage in einer Zeitung einen Druckfehler findet, der sagt dann wohl, falls tzr eine Ahnung vom Zeitungswesen hat:Der Setzer ober der Korrektor hat Schuld" und liest bann ruhig weiter; vor einem halben Jahrhundert aber machte man offiziell für jeden Druckfehler, den man in einer Tageszeitung entdeckte, den Chefredakteur persönlich verantwortlich und im buchstäblichen Sinne des Wortes auch haftbar. DieJllustrazione Jtalianu" hat aus einer amtlichen Zeitung vom Jahre 1852 ftstgestellt, daß die österreichische Regierung die verantwortlichen Redakteure durch Anwendung einer etwas scharfen Methode zur sorgfältigen ge­nauen Wiedergabe der druckfertigen Manuskripte zwang. Tie Gazetla die Mantova" berichtete eines Tages über ein Ge­schenk, das eine Tarne für Cin Soldatenheim gemacht hatte, und schrieb infolge eines Druckfehlers 100 Lire statt 400, die in Wirklichkeit gespendet worden waren. Ter Druckfehler hatte eine unerwartete Wirkung: das kaiserlich-königliche militärische Kom­mando von Mantua ließ, in Erwägung des Umstandes, daß die Gazetta" eine staatlich konzessionierte Zeitung war, daß in dem ihr zur Veröffentlichung übergegebenen Manuskript klar und deutlich400 Lire" geschrieben stand, und daß die falsche Angabe der gespendeten Summe zu Verdächtigungen des so reich bedachten Soldatenheims führen könnte, den Chefredakteur des

Blattes sestnehmen und zu acht Tagen Mittelarrest urteilen.

Kleine^ Tageschronik.

Im Stuttgarter Schlachthaus ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

In Viersen erFranften plötzlich fünf Kinder an Fleisch. Vergiftung. Zwei starben, die anheren liegen krank darnieder.

Bei Küpper ft eg unweit Solingen wurde ein Handwerks- burfche -etr froren aufgefunden.

In der Ortschaft I r i s d z a y an der deutsch-galizischem Grenze ist die ganze Famllie des Bahnbeamten Gousiou an Bleivergiftung erkrankt. Die Frau und die sechsjährig- Tochter sind bereits gestorben, der Mann und die beiben Söhne sind in Lebensgefahr. Die Frau hatte beim Kochen den dazu verwendeten Bleilöffel in die Speise fallen lassen, ohnr es zu bemerken.

In B e r l i n sind etwa 100Un fälle infolge des Schnee­falles herbeigeführt worden. Zum weitaus größten Teil habg. sich bie Verunglückten, benen in den Unfallstationen die erste Hilfe zuteil würbe. Arm- und Beinbrüche zugezogen.

Im Tale von St. Cassie n (Südfrankreich) ereigneten sich infolge ftarfer Regengüsse zahlreiche Ueberschwem. m un gen. Zahlreiche Wohngebäude befinden sich in kritisch Lage.

Bei Leoben (Steiermark) stieß das Automobil des Grafen Schönfeld nach Gmeingrube mit dem Schlitten des Guts­besitzers Reißner zusammen. Letzterer wurde schwer verletzt.

T o s e l l i stellt an die Behörden in Florenz das Ansinnen seine Ehe mit der Gräfin Montignoso in das Florentiner Standesamtsregister einzuttagen, wodurch die Ehe gültig würde. Es heißt indessen, daß das Gesuch ganz aussichtslos sei.

Aus Messina wird telegraphiert: Der italienische Passa. gierbampserToscana" ist in der Nacht in der Nähe von Messina mit dem deutschen DampferSchleswig" zusam­men g eft o fee n. DieToscana" wurde schwer beschädigt und sank. Obgleich unter den Passagieren eine furchtbare Panik ausbrach, scheinen alle gerettet zu sein. Einige erlitten Ver­letzungen.

Sizilianische Blätter melden die Ermordung des Agi­tators Casttnse, lvelcher durch 10 Kugeln getötet worden ist. Er war als eifriger Gegner Nasis bekannt, was zu der Ver­mutung Anlaß daß- es sich um einen politischen Racheakt handcll.

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Kandel.

Abschreibungen. Tas Käpitel Abschreibungen wird in den diesmaligen Jahresbilanzen eine ganz andere Rolle spiele», als in den vvA-ergegangenen Jahren. Tie Banken haben be­deutende Abschreibungen auf ihre Effcktenportefeuilles zu machen. Viele der Werte waren nicht losz:ckriegen, andere mußten zu- rückgekauft werden, bamit sie nicht zu tief sanken. Aber auch andere Etablissements können sich der Mtwendigkeit größerer Abschreibungen acks sonst Nicht entziehen, nachdem wenigstens stellenweise der Preissturz verschiedener Rohstoffe eine Entwer­tung von Bestanden zur Folge hatte. Im Preise stark gefallen sind vor allem Stabeisen und verwandte Eisensorten, Petroleum, rohe Häute, Silber und sonstige Metalle. Kupfer ist von 105 Lstrl. im Januar bis 60,10 Lstrl. im Dezember zurückgegangen, Blei von 20 Lstrl. bis 14,10 Lstrl., Zinn von 191,25 Lstrl. bis 120,10 Lstrl. und Zink von 28 Lstrl. bis 19,15.

Aus der Petro le um-J n d ustr ie. Bei dem Han­delsgericht in Bukarest wurde eine neue Petroleum-Gesellschaft mit einem Kapital von 25 Millionen Franken unter dem Namen Concordia eingetragen. In die neue Gesellschaft gehen die bisherigen Gesellschaften Bustenarii, Telega Oil u. Talo Rnrnana, welche der Berliner Gruppe der Diskonto-Gesellschaft und dem Hause Bleichröder nahefteht, auf.

Süddeutsche Immobilien-Gesellschaft. Wie bie Verwaltung mitteilt, dürfte die Dividende für das lausende Jahr voraussichtlich mit 4 Prozent vvrgeschlagen werden können gegen 5 Prvz. i. V.

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Märkte.

ic. Frankfurt a. M., 31. Tez. (Orig.-Telegr. desGießen Anz.") Anltllche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreis e. Weizen Aik. 21 7522.00, Kurhessischer Mk. 21.7522.00, La Plata "Mk. 25.7527.00, Kansas Mk. 25.7527.00, Roggen (hiesiger) Alk. 20.2520.75, Gerste (Wetterau"r) Mk. 20.7521.75, Franken­seider Alk. 21.0022.50, Haser 17.0018.50, Mais Alk. 16.0016.25. Weizenmehl Alk. 33.5033.75, 0000, 2. Qualität Mk. 32.50 bis Mk. 32.75, 3. Qualität Mk. 31.0031.25, Roggenmehl 0

Alk. 32.0032.50, l.Qualität Alk. 31.0031.50, Weizenklele Mk. 11.25 bis Alk. 11.50, Roggenkleie Alk. 13.0013.25, Mcuskeime Alk. 11.75 bis Alk. 12.50, Franken, Pfälzer, 9iied Alk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 27. Tez. (Telegr. Orig.-Berichl desGieß Anz."). Amtl. Notierungen der heutlgeic Viehmarktpreis e. Zum Verkäme starken: 407 Ochsen, 102 aus Oesterreich, 36 Bullen, 10 aus Oesterreich, 0 aus Tänemark, 820 Kühe, Fersen, Ktiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 600 Kälber, 351 Lchaie und Hammel, 00 Schale aus Cefterrctcb, 00 Ziegen, 1426 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Sckstachtgewlcht Ochsen 1. Qualität 8032 Atk^ 2. Qual 7274 Alk., 3. Qual. t>264Mk.; Bullen 1. Qual. 67 bis 69 Alk., 2. Qual. 6365 Alk.; Kühe 1. Qual. 7072 Alk., 2.Qual. 6466 Alk., 3. Qual. 48- 52 Mk, 4. Qual. 00-00 Alk., 5. Qual. 0000Alk. Kälber: 1. Qual.9295 Pfg., Lebendgewichts57 Ps., 2. Qtial. 8292 Pfg., Lebendgewicht 4854 Pfg., Schlacht­gewicht 68-73 Pfg. Schafe: 1. Qual. 7800, 2.Qual. 6064 Pfg^ 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6400 Pfg., Lebdgem, 50,000.00 Pfg.. 2. Qu. 62 - 00 Pfg., Lebendgew. 49,050,0 Pfg, 3. Qnal. 5659 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bei Horn« vieh mittelmäßig, Ueberstand und.deutend; bei Kleinvieh gut, feil Ueberstand.____________________________________________________

der verrmitzten Frankfurter Ztadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 31. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Schön» Edelrot." Abends 7 Uhr: »Frühlmgsluftst

Schauspielhaus.

Dienstag den 31. Dezember, abends 7 Uhr: Dialektabendl Z u m e r st e n Ai a 1 e :D ' Erbschas t." Schwäbische Komödie in 1 Akt von Alfred Auerbach. Hierauf, neu euiflnbicrt:Ter rote Schornsteinfeger." Zum Schluß, neu emstudrert:Verspekw liert." Lokalschwank von Adolf Stolye.

Gießener Wetterdienst.

Boraussichttiche Witterung für Hessen am Dienstag den 31. Dezember: Fortdauer des Frostes. Abnehmende Bewölkung. Trocken. Schwache weftltche Winde.

®rigiiiabDral)tinclöungen<

9111enftein, 30. Dez. Hauptmann v. Göden be» findet sich noch unter dem dringenden Verdacht, den Alord an Major v. Schönebeck begangen zu haben, in Unter­suchungshaft. v. Göben leugnet noch immer, die Tat be­gangen zu haben. Der ermordete Alajor soll m nicht glück­licher Ehe gelebt haben. Zwischen den Eheleuten soll es wiederholt zu ernsten Konflikten gekommen fern.

Rom, 30. Dez. Tas Zentralkomitee der Buchdrucker hat ban Generalausstand für die Schriftsetzer ganz Italiens beschlossen. Es steht noch nicht "jeft, ob der Aus stand sofort oder erst in den nächsten Tagen beginnen wird.

Couverts mit Krma billigst vrübl'iche Universitäts-Druckerei. Giekrea.