Ausgabe 
30.12.1907 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Rom, 28. Dez. TerTribuna" zufolge stellte der Kriegsnrinister, General Big an o, dem Ministerpräsiden­ten GioliLti seinPorteseuillezurVerfügung mit der Begründung, daß es seiner Ueberzeugung nach besser

ohne Wertangabe, 6441 Pakete mit Wertangabe, 8190 Briefe und Kästchen mit Wertangabe. Es wurden aufgegeben: 6 290/600 (5 210 500) Briefe, Postkarten usw., 283 749 (287 314) Pakete ohne Wertangabe, 3496 Pakete mit Wert­angabe, 9245 Briefe und Kästchen mit Wertangabe. Für Empfänger im Ort-und Landbestellbezirk sind 50 240 (48 225)

sei, wenn an der Spitze der Heeresverwaltung statt eines Generals ein bürgerlicher Politiker stehe. Der König hat das Entlassungsgesuch unter Verleihung des Groß­kreuzes des St. Mauritius- und Lazarus-Ordens genehnrigt. Zum Nachfolger Viganos wurde der Senator Ingenieur Severino Casana ernannt.

Haag, 28. Dez. Mehrere hiesige Blätter geben der Ansicht Ausdruck, daß rrunmehr ein Koalitions-Mi­nisterium, bestehend aus Ultra-Protestanten mit) Katho­liken, zustande kommen werde. Heemskerk ist noch nid) t definitiv mit der Neubildung beauftragt. Die mit einer Berufung Heemskerks verbundene Auflös ungderKam- m er wird bereits lebhaft von den Blättern besprochen. Das liberale BlattNieuve Rotterdamer Courant" glaubt, daß eine solche Auslösung nicht notwendig sei.

Sofia, 29. Dez. Die Hochzeit des Fürsten vonBulgarien mit der Prinzessin Eleonore Reuß findet am 28. Februar in Emstbrunn statt.

London, 28. Dez. DerMorning Leader" hat ein drahtloses Telegramm aus Tanger erhalten, demzufolge der Gegensultan Muley Hafid in zwei Schlach­ten schwer geschlagen worden sei. Der Führer der Truppen des Sultans Abdul Asis brachte den rebellischen K'abylen zwei furchtbare Niederlagen bei. Aduley Hafid verlor 200 seiner Anhänger und zog sich auf Marakesch zurück. Seine Gefolgschaft ist völlig demoralisiert.

Oran, 29. Dez. Tie Militärbehörden haben das An­suchen des Prinzen Jaime Bourbon, als Vertreter der russischen Regierung an den militärischen Ope­rationen gegen den Stamm der Beni Snassen teilzunehmen, abgelehnt.

« 1 1 . ----"Jr.

Aus S.cror uuo Ratto»

Gießen, 30. Dez. 1907.

Gedenket der hungernden Vßge?!

Ernte der wichtigsten Feldfrüchte in Hessen 1907.

Hektar:

Ertrag: Tonnen

Vom

Tonnen

Hektar:

Winterweizen . 28 593

70 857

2,48

(Reich 1,87)

Sommerweizen. 708

1 546

2,18

( 2,48)

Winterroggen . 71 594

156 097

2,18

( , 1,62)

Sommerroggen. 556

1023

1,84

( 1,25)

Sommergerste . 53 868

130 426

2,42

( , 2,06)

Hafer.... 53 792

122 047

2,27

( , 2,09)

Kartoffeln . . 66 716

1 013 349

15,19

( , 13,81)

Klee (Heu) . . 25 037

153 690

6,14

( 4,62)

Luzerne (Heu) . 10 295

72 951

7,09

( 5,98)

Wiesen (Heu) und

Bewässerungs-

wiesen ... 38 453

215 254

5,60

( , 5,09)

Andere Wiesen . 56 034

246 572

4,40

( 4,08)

Von der geernteten Kartoffelmenge

waren 34 101 Tonnen

= 3,4% erkrankt; im Reich betrug der Erkrankungsprozent-- satz 6,4% am höchsten war er, abgesehen von dem Ham­burger Gebiet, in Ostpreußen mit 12,2%.

*

** Po st--undTelegraphenve rieh rin Gießen 19 06. Der Post- und Telegraphenverkehr in Gießen hat sich im Jahre 1906, laut soeben veröffentlichter Statistik der Reichs-Post- und Telegraphen-Berwaltung für das Ka­lenderjahr 1906, nicht unerheblich gegenüber dem Jahre 1905 gesteigert. Tie Summe der ein gezahlten Post­anweisungen betrug 11991102 Mk. gegen 11094 207 Mark im Jahre 1905. Tie auf Postanweisungen aus- gezahlte Summe belief sich mit 16 899 467 Mk. (15 840 690 Mark). An Portis und Telegraphengebühren wurden 598 874 Mk. (573 390 Mk.) vereinnahmt. Für Empfänger im Orts- und Landbestellbezirk sind eingegangen: 4 453300 (4 317100) Briefe, Postkarten, Drucksachen, Ge­schäftspapiere und Warenproben, 288 694 (289615) Pakete

Postnachnahmesendungen und 6161 (5645) Postauftrags­briefe eingegangen. Von der Zeitungsstelle wurden 702 091 (669 979) Zeitungsnummern abgcsetzt. Telegramme sind 55 355 Stück aufgegeben und 53 537 Stück eingegangen. Von der Femsprechanstalt wurden 1103 221 (1005 279) Ge­spräche vermittelt.

** Der Technische Verein Gießen hat in diesen Tagen dem Deutschen Techniker-Verband das 2 5 00 Oste Mitglied zugeführt. Das durch diesen Umstand bekannt gewordene Mitglied ist ein technischer Beamter der Firma £>. Schaffst«edt.

---- Wieseck, 29. Dez. Bei der diesjährigen Treib­jagd in hiesiger Gemarkung wurden 230 Hasen und 62 Rehe (einschließlich Böcke) erlegt. Die Jagd, die von den Offizieren des Kaiser Wilhelm-Regiments für 1240 Mk. jährlich gepachtet war, läuft mit diesem Jahr zu Ende und wird ausgangs Januar aus weitere 6 Jahre verpachtet.

t Klein-Linden, 29. Tez. Ter Kriegerverein hielt heute int Saale derTenrschen Eiche" eine Versammlung ab, in der Hauptmann Waldecken, Mitglied "des Hassia-Präsidiums, einen Vertrag hielt überD.e Bestrebungen, Zweck und Ziel der Kriegervereine, der Hessische Kamerad und die Sterbekasse". Die Versammlung war zahlreich besucht, und dem Vortragenden wurde lebhafter Beifall gespendet. Er führte auS, in den Kriegcrvereinen soll nicht nur Kameradschaft geübt werden, sondern sie gelten in erster Linie der Pflege von Liebe und Treue zu Fürst und Vater­land, Kaiser und Reich. Die Feier von patriotischen Gedenktagen, wie-Kaisers und Großherzogs Geburtstag und Abende im Sinne der Vollsoildungsbestrebmrgen sind hierzu sehr geeignet. Der ,-Hessische Kamerad" und die »eue Sterbekasse sind Mittel und Wege, um dem Ziele, das sich der Hassia-Verbaud gesetzt hat, näher zu kommen. DerHessische Kamerad" tritt in erweiterter Form vom 1. Januar ab in Kraft, desgleichen die Sterbekasse, zu der jetzt bereits fast 5000 Versich eruugsauträge vorliegen. Meyer-G.cßen, Ehrenvorsitzender des Bezirks Gießen, stimmte diesen Ausführungen zu und betonte besonders, daß alles das, was d!as Präsidium wohlweislich erwogen habe, nur auf das Wohl des einzelnen Kameraden bedacht sei. Der Vorsitzende, Lehrer Keil, dankte den beiden Rednern und sprach die Zusicherung aus, daß der Verein allezeit an den Bestrebungen der Hassia festhalten werde. Besonders bedauert er, daß der ver­dienstvolle Kamerad Meyer-Gießen mit Rücksicht auf sein Alter seine Mitgliedschaft im Präsidium der Hassia niedergelegt hat; doch hofft er auch fernerhin auf seine bewährte Mitwirkung. Sein Hoch galt dem Hassia-Beroand, dem Präsidium und den beiden Gästen. Veteran Steg er feierte den Kaiser und Groß­herzog als Friedensfürst und brachte ein Hurra auf beide aus. Darnach wurde das Lieh:Deutschland über alles" gesungen. Darauf beschloß der Verein den Geburtstag des Kaisers am 1. Februar bei deklamatorischen und theatralischen Vorführungen, Konzert und einem anschließendell Tanz in derDeutschen Eiche" zu feiern. Tas Tlnerbieten des Herrn Meyer-Gießen, im Laufe des Winters einen Vortrag über den Feldzug in Böhmen 1866 halten zu wollen, sand freudigste Annahme. Ter Vorsitzende teilte dann mit, daß demnächst der gemeinsame Besuch einer passenden Volksvorftellung i m Gießener Stadttheater von verschiedener Seite gewünscht und geplant sei. Eine Anzahl Kameraden meldeten sich hierzu, sodaß eine gute Beteiligung zu erwarten ist. Mit Tank an die Vortragenden und die zahlreich erschienenen Mitglieder schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die anregend verlaufene Versammlung.

R. B. Babenhausen, 20. Dez. Eine blutige Fa­milientragödie spielte sich heute nachmittag hier ab. Der dort wohnende Schuhmachermeister Heinrich Ohl II. glaubte Grund zur Eifersucht auf seine 20 jährige Frau zu haben und zwar wegen eines bis zum 20. ds. Mts. bei ihm beschäftigten Gesellen. Er soll einen Briefwechsel zwischen diesem und seiner Frau entdeckt haben und argwohnte besonders, daß seine Frau dem inzwischen nach Darmstadt verzogenen Gesellen einen Be­such abgestattet habe. Ohl, ein fleißiger und ordentlicher, aber leicht erregbarer Mann im Alter von 29 Jahren, machte nun heute nachmittag seiner Frau aus dieser Veranlassung Vor­haltungen; es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Eheleuten und Ohl geriet dabei in eine solche Er­regung, daß er ein Küchenmesser ergriff und seiner Frau zwei so schwere Stiche in den Hals versetzte, daß sie kurze Zeit darauf starb. Als Ohl sah, was er an gerichtet, stellte er sich sofort der Polizei, die ihn in Haft nahm. Die Getötete ftamnit aus Pirmasens in der Pfalz und hinterläßt ein erst einige Jahre altes Kind. Der Mörder ist aus Sand i. O. gebürtig. Auf die, Nachricht von der Bluttat hat sich Oberstaatsanwalt v. Hassert sofort zur näheren Untersuchung hierher begeben.

O Edingen, 28. Dez. Mit dem 1. Januar 1908 wird auch unser Haltepunkt für den Personen- und Gepäckverkehr er­öffnet. Die Gemeinde leistet zu dieser Anlage den netten Be­

trag von 12 500 Mk. Sehr zu statten kommt die neue Haltv- stelle neben den vielen Arbeitern, die auf den Werken Sinn, lar usw. in Beschäftigung stehen, vor allem den Touristen, die den benachbarten Greifenstein zu besuchen gedenken.

Dutenhofen, 28. Dez. Durch seinen General, bevollmächtigten Herrn Direktor Paseoe zu Gießen, hat der frühere Bergwerksbesitzer Herr Fe r nie auch in diesem Jahre unserer Gemeinde durch Ueberweisung einer nam­haften Summe für die Kleinkin» erschule und für die Armen eine große Weihnachtssreude ^e eitet. Tiefe Fürsorge wird um so dankbarer anerkannt, ; i die beiden Herren durch ihren Rücktritt von dem Gieße"."r Braunsteinbergwerk in keinem Verhältnis mehr zu unserer Gemeinde stehen, die besonders in früherer Zeit viele Arbeitskräfte für dieses Werk stellte.

[] Marburg, 28. Dez. Im Fürstenhaus fand heute unter dem Vorsitze des Landrats v. Negelein eine Kreis, tagssitzung statt. Aus den Verhandlungen ist folgendes bemerkenswert: Der beantragten Bewilligung eines Bei. trags zu den Kosten der Fürsorge für entlassene Strafgefangene stand man ablehnend gegenüber weil hier allgemein zu dem Kasseler Verein gezahlt würde und außerdem in vorkommenden Fällen die Heimats. behörden helfen müßten. Im Anschluß an die erledigte Tagesordnung besprach man die verkehrshemmenden Ta. rifbestimmun gen der Kleinbahnen. Wer z. H Güter in die nahe Hornberger und Alsfelder Gegend, sowie umgekehrt von dort nach hier sende, müsse mit ansehen, daß diese nicht im Uebergangsverkehr über die nächste Station Kirchhain, sondern mit über 100 Kilometer Umweg über Gießen und Grünberg befördert würden. Bei der Fortführung der Kreisbahn in hessen-darmstädtisches Ge­biet trete derselbe Fall ein, wie jetzt bei der Ohmtalbahn. Alle waren darin einig, daß diese unglücklichen Tarisvei> hältnijse beseitigt werden müßten. Weiter gelangte eine Eingabe eines neuen, vorläufig aus den Spitzen der städti- scheu Behörden zusammengesetzten Eisenbahnkomitees zur Verlesung. Es wird gewünscht, die zu erbauende Wohra­tal b a h n, die die bahnarme Gegend zwischen der Franken­berger und Main-Weserbahn erschließen soll, aus mannig- fachen Verkehrsgründen von Rauschenberg aus nicht nach Kirchhain, sondern durch die ortschaftenreiche Schönstadter Gegend nach Kölbe bezw. Marburg zu führen. Man be­willigte einen Beitrag zu den Vorarbeiten zur Ausführung des Projekts und wählte in die Kommission die Kreistags­mitglieder Fabrikant Schäfer-Marburg, Forstmeister Wolfs- Wetter und Bürgermeister Feußner-Kölbe.

s. Braunfels, 28. Dez. Hotelier Muscheuheim in Newyork, Ehrenmitglied unseres Turnvereins, hat dem Vor- stände den hochherzigen Vorschlag gemacht, auf seine Kosten eine Lesehalle mit Zentralheizung an die Turnhalle anzu. bauen. /

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<Serid?tsfaaL

FC. Marburg, 29. Dez. Tie Frankfurter Futter- unb Dungemitlettlrma Reiser u. Eo. vertrieb im Frühjahr d. I. ni der Gegend von Frankenberg ein Kali-Phosphatdünger genanntes Tüngerprävarat und ließ sich wegen der besondern Güte von den Bauern 9.50 Mk. für den Doppelzentner bezahlen. Em Landwirt ließ das Präparat von der bieftgeu Landwirtschaftlichen llnter- snchungsstation untersuchen, und es imirbe ein viel niedriger Prozent­satz an Phosphorsäure (6,73; und an Kalk (7,23) festgestellt, als in den Prosvekten angegeben war. Der reelle Wert' des Doppel­zentners sei 3 s2)if. Der Inhaber der Firma wurde auf Grund dieses Sachverhalts vom Schöffengericht in Vöhl wegen Betrugs zu einem Atonal Gefängnis verurteilt.

Berlin, 28. Dez. Vor dem Schöffengericht in Köpenick wurde gestern das fingierteEisenbahn--Atteu- tat bei Carlshorft verhandelt. Der Hilfsweichensteller Richard Gelling hatte angegeben, daß er beim Abgang der Strecke in der Mhe von Carlshorft von zwei Männern überfallen wor­den sei. Im Laufe der Untersuchung geftanb Gelling ein, daß er den Ueberfall fingiert habe, um sich dadurch in ein günstiges Licht bei der Eisenbahn-Verwaltung zu stellen. Das Schöffen­gericht verurteilte ihn wegen groben Unfugs zu zwei Wochen Gefängnis.

Vorsicht bei Erteilung von Referenz-Aus­künften. Im kaufmännischen Leben ist es vielfach heute noch Süte, daß man sich über die Kreditfähigkeit von Abnehmern bei Geschäftsfreunden erküudigt. Man will durch dieses Ver­fahren Kosten sparen und riskiert auf die Mitteilungen von Re­ferenzen hin oft raufende von Mark, vergißt aber dabei zumeist, daß solche Auskünfte die subjektive Ansicht einzelner Personen zum Ausdruck bringen, die noch dazu nicht selten selbst interessiert

Geheimrat Hiuzpeter !

In seiner Vaterstadt Bielefeld ist am 29. Tezember der Wirkt. Geh. Rat Tr. Hinzpeter gestorben. Georg Ernst H., am 9. Oktober 1827 geboren, studierte in Halle a. e> dann tn Berlin Philologie und Philosophie. Nach feiner Promotion im Jahre 1850 unterrichtete er eine Zeitlang an dem Gymnasium feiner Vaterstadt, ward aber bald Hauslehrer in vornehmen Fa­milien und erwarb sich den Ruf eines ausgezeichneten Pädagogen. Im Jahre 1866 wurde er vom damaligen Kronprinzen, der ihn im Hause des Grafen Görtz-Schlitz kennen gelernt hatte, zum Erzieher des Prinzen Wilhelm ernannt und blieb in dieser Stellung bis sein Zögling 1877 auf dem Gymnasium in Kässel das Abiturienten^Examen ablegte. Aber auch als der Prinz großjährig geworden war, blieb er in steter Verbindung mit feinem Erzieher, der ihm im Laufe der Zeit ein Freund geworden war. In dem Verhältnis änderte sich nichts, als Wilhelm II. den ThÄn bestieg; nachdem er die Regierung übernommen hatte, ernannte e. Hinzpeter zum, Geh. Ober-Regierungsrat und wieder­holt hörte 'er in wichtigen Angelegenheiten seinen Rat. So ließ er sich von ihm 1889 während des großen Ausstandes über die Verhältnisse der Bergarbeiter in Rheinland und Westfalen Bericht erstatten und 1890 ernannte er ihn zum Mitglied des Staatsrats. Hervorragenden Anteil u-ahm Hinzpeter an der vom Kaiser be­triebenen Schulreform; er wurde 1890 in die Schulkonferenz berufen und war Vorsitzender des Siebener-Ausschusses, der 1891 die neuen Lehrpläne ausarbeitete. Bis zu fernem Tode genoß er das Vertrauen und die Freundschaft des Kaisers, der nie in der Nähe von Bielefeld weilte, ohne den ehemaligen Erzieher zu sehen erst im August dieses Jahres hat er chm wieder einen Besuch abgestattet und bei ihm das FrüHstück eingenommen und ihm alle erdenkliche Ehre erwies. Er hat ihn 1903 zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt uno 1904 auf Lebenszeit in das preußische Herrenhaus berufen. Als Schriftsteller hat er zwei wichtige Beiträge zur Chainkteristii des Kaisers und feiner Eltern geliefert.Zum 23. Januar 1883. Eine Unterhaltung am häuslichen Herd für den Tag der silbernen Hochzeit des tronprinzlichen Paares" undKaiser Wilhelm II. Eine Skizze nach der Natur gezeichnet." In beiden Schriften hält Hinzpeter seine eigene Person durchaus im Hintergründe, aber man weiß, welchen Einfluß er auf die geistige Entwickelung des Kaisers ausgeübt hat.

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. Zum Nachfolger des Professors Dr. Volbach in der musi­kalischen Leitung der Liedertafel zu Mainz wurde Kapell­meister Prohaska aus Wien gewählt. Prohaska begleitete früher Herrn und Frau Tr. Felix von Kraus auf Konzert- frumöen. Er ist 1869 als Sohn des Landgerichtsrats Dr. Karl

Prohaska in Mödlung bei Wien geboren. Er nahm theoretischen Musilunterricht bei Franz Streun, Professor am Konservatorium in Wien. 1888/89 hörte er auf der Universität Wien mufif^ wissenschaftliche und philosophische Vorlesungen und ging 1890 nach Beran, wo er den Klavierunterricht Engen d'Alberrs genoß. 1894 wurde er Lehrer für Klavier am Konservatorium in Srraschurg un Elsaß, 1900 Kapeli-rleister der Philharmonie .in Warschau. Aufgechhrt wurden von seinen Werken bis jetzt: Orchester-Vari­ationen über ein Thema von I. I. Rousseau, Symphonisches Derspiel zu Anzengrubers Volts stückDas vierte Gebot", Solo- Kantate für Bariton und. Orchester, ein Klavier-Quartett, ein Streichquartett, eine Vivlinsouate, Frauenchöre, Lieder und Duette.

Die Einnahmen der B ü h n e n st e r n c. Aus Pans wird bekannt, daß Fran Brsval und Herr Telmas von der Großen Oper em Geyalt von je 84 000 Franks aus dem iranzos. Staalshanshalt bezwyen, und daß Herr eenramberg 72 000 Franks erhält. In Berlin gibt es keinen direkt aus Staats- nnlteln bezahlten Bühnenkünstler. In den königlichen Theatern tütrb der gesamte Betrieb aus der Privatschalnlle des Kaisers unterhalten. Trotzdem sind die Gehälter einiger BerlinerSterne" eingeweihlen Kreisen nicht unbekannt. Sie reichen aber an die Summen, die die ersten Größen an den Pariser Theatern beziehen, nicht heran. Das bestbezahlie Bühnenmitglied in Berlin, Kammer­sänger Ernst Kraus, der Heldemenor des königlichen Opern­hauses, bezieht eine Gage von ungeiähr 46 000 Mark. Freilich ist 5lraus für die ihm gezahlte Summe nur für sechs Monate an das Opernhaus verpflichtet und kann während des anderen Halbjahres durch ^vastspiele noch gar ^nanches Sümmchen hinzuerwerben. Tie höchste Gage von allen Schauspielern bezieht Adalbert Aiat- k o iv s 11), der Held des Berliner kgl. Schauspielhauses. Sem Fayresgehalt betragt 40 000 Mark. Doch ist dieser Künstler viel ans Gaitspielreisen tätig, so daß seine geianne Jahreseinnahme sich auf ungefähr 7080000 Mark belaufen dürfte. Emmy Destiiin bezog bei ihrem Engagement am Berliner Opernhaus 28 000Blark. Doch dürste diese Summe sich inzwischen auf 36 000 Mark erhöht haben. Unter den privaten Theatern Berlins zahlen die höchsten Summen an ihre darstellerischen Biilglieder nicht die der ernsten, bohen Kiinsl geweihten, sondern die Stätten des heiteren Genusses. Tas Aletropolthecuer schießt hier öen Bogel ab. Thielschers überwältigende Komik wird mit 40 000 Mark bewertet, wahrend der fentere Hilinor Gtalnpietros dem Künstlernur" 36 000 'Wart ernt ragt. Fritzi Massary hat mit 30 000 Mark gleichfalls ein recht auskömmliches Gehalt. Dieselbe Summe wie sie bezieht A ii t o i n e l t e D e l l' E r a, die erste Tänzerin der Hofoper, für ihre graziöse Fußspitzenkunst. Noch ein wenig höher honoriert wird im Berliner Lessing-Theater Else Lehmann, deren Gage 33 000 'Diart beträgt. Ihr nächster Kollege und treffliche Gegen­spieler Albert B a s s e r m a n n bezieht dagegen nur 24 000 Mark.

Direktor Schmieden im Neneii Theater muß feinen Star Rudolf (£ h r i ft i a ns mit 28 000 Mark dotieren. Stoch höher bemertet ist bie Kraft Harry Waldens un Neuen Schauspielhaus, denn der muntere Darsteller bezieht dort 33 000 Mark. Das Deutsche Theater zahlt an Friedrich Kayßler 20 000, an Rudolf Schildkraut 18 000, an den jungen Alexander Ni o i s s i dagegen nur etwas mehr als 6000 Di art jährlich. Hermann Nissen, der erste Dar­steller des Berliner Hebbel-Theaters, bezieht 20 0U0 'Mark Gage, und an den Lchiller-Theatern erhält der jugendliche Heldendarsteller inid Liebhaber Georg P ä s ch k e auch schon 10 000 Mark.

Die neue Rundschau (Berlin, S. Fischer-, Verlag) zergl in ihrem Januarheft erweiterte Form. Ter Glanzpunkt des Heftes ist der Beginn des Tagebuchs, das Gerhart Hauptmann auf seiner Griechischen Reise geführt hat, eine für die Beurteilung des Dichters sehr wichtige, breite und farbige Aussprache mit der Landschaft (Konu, Oll-'mpia) Wir sinden ferner den Beginn des ersten großen Romans, den Arthur Schnitzler unter dem TitelDer Weg ins N.r eie" soeben beendet hat; ein sprühendes Bild des heutigen Mrener Lebens nut all seinen gesellschaftlichen Problemen. Die Mwüichriststellerin La Mara veröffentlicht einen Essai über bic Unsterbliche Geliebte Beethovens, die sie in Therese Brunsvik sieht, zeichnet ihr Charakterbild und bringt eine große Anzahl unveröffentlichter Dokumente und Briefe zur Zeitgeschichte. Ernst Heilborn schreibt überBienen, Ameisen und Menschen", ein tiefempfundener Vergleich naturwissenschaftlicher Beobachtung und menschlicher Theorie, das Bekenntnis eines Dichters über Izeben und schaffen. Theodor Barth schreibt eine poli-- t liege Chronik. Ein anonymer ArtikelPolitische Aengste eines unpolitischen Mannes" eröffnet das Heft, das Programm eines Willens zu tiefer Einkehr und mannhafter Selbstbesinnung. Glofsen über allerlei Zeitereignisse, Bücher usw. sind der Schluß.

K leine Ch r o n i k aus Kunst und Wissenschaft. Ter ^Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Charakters als Geh. Oberrnedlzinalrat mit dem Range der Rate zweiter Klasse an öen Geh. Medizinal rat Professor Ehrlich m Frankfurt. - \\ l *?.a L y ' ^enov an der Pariser Großen Oper, hat gegen ein ~ U, ei,?en Prozeß angestrengt auf Zahlung von 100 000 Franks Entschädigung , weil der T h e a t e r f r i 11 f e r dwses Blattes erklärt hatte, daß Alvarez falsch finge, und bay er sich sehr wundere, daß dieser mieöer engagiert worden sei. ^er König von Slam wird em B u ch über seine jüngste Dveife m Europa unter dem TitelB riefe an meine Tochter" veröffentlichen. Willy Bur m c st e r, dem bekannten Geiger, wurde vom Großherzog von Hessen der Orden Philipps des Großmütigen erster Klasse verliehen.