Ausgabe 
30.11.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

M. H.I Ich komme nun zu den Verfehlungen, die sich der Graf Moltke bezw. der Graf v. Hohenau sollen haben zu schulden kommen lassen. Die Kenntnis davon ist auf Artikel derZukunft" zurückzuführen. Wer diese Artikel liest, hat ohne weiteres die Ansicht, daß sie offensichtlich den Fürsten Eulenburg beschuldigen, direkt oder indirekt, offen oder mit versteckten Worten, sich sexuell vergangen zu haben. Das hat den Kommandeur des Hauptquar­tiers, den Ehef des Militärkabinetts veranlaßt, an maßgebender Stelle anzufragcn, ob irgend etwas gegen den Fürsten'bekannt wäre, so daß man in der Lage wäre, Seiner Majestät darüber Mitteilung $u machen. Die Antwort ist durchaus negativ aus­gefallen. Sie hat geheißen: Es liegt nichts vor, es sind gar keine Beweise, und es ist ausgeschlossen, über diesen Fall Seiner Maje- stät irgend eine Mitteilung zu machen. Neben Eulenburg wurden u. a. auch Offiziere genannt. In dem Artikel vom 17. 11. heißt

Eulenburg) hat für alle seine Freunde gesorgt. Ein Moltke ist Generalstabschef, ein anderer, der ihm noch näher stand, Kommandeur der Leibkürasüere. Dann folgen einige nach meiner Meinung unverfängliche Mitteilungen über musikalische, politische und spiritistische Veranlagung, freundschaftlichen Ver- cn/'k steht fest, daß der Fürst Eulenburg mit der

Besetzung der beiden genannten Stellen durch die beiden Moltke gerade so viel zu tun hat, wie Harden und Sie. Dann ist der nachträglich berühmt gewordene Artikel über das Nachtgcspräch mit dem Süßen. u 1

Reichskanzler Fürst Bülow: Ich möchte mir zunächst einw, kurze Worte gestatten über die Ausführung, die der Aba Spahn gestern am Schlüsse der Sitzung gemacht hat, gekleidet die Form einer persönlichen Bemerkung, Ausführungen, den^n ich leider nicht zuhören konnte, da ich wegen eines dringenden Vortrages abwesend war. Abg. Spahn hat fi* biegen verwahrt, daß er ganze Regimenter als verseucht bezeichnet habe, ^zch berufe mich nun in dieser Beziehung auf die Oldenberqsch,! Parlamentskorreipondenz. Danach habe ich nicht gesagt, daß der Abg. Spahn biete Behauptung aufgestellt hat. Ich höbe bloß qesaot datz derartige Behauptungen im Reichstage nicht ohne ®etoei« ^^erholt werden dürften. Auch hinsichtlich der Ausführungen Geschwätz habe ich dem Abg. Spöbn nichts nachgesagt. Ich habe in der Beziehung auch nur gesagt nach der genannten Korrespondenz: ich komme nun zst der ^marilla und wende mich da gegen den Versuch, dak ich in einem Artikel . derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung den Kamarillatratsch aufgebracht oder gefördert hätte Der Abg. Spahn hat später erklärt, er habe nicht von dem ganzen Offizier,lande gesprochen, sondern nur von einzelnen Personen Nach meiner Empfindung kam das in den ersten Aus, Nihrungen des Abg. Spahn nicht klar und deutlich zum Ausdruck; das hat mich zur Abwehr getrieben. Ich

pochte nunauf einige Fragen der auswärtigen .^olrtik eingehen, die hier berührt worden sind. Auf unsere innere Politik auf Block und Blockpolitik hoffe ich im weiteren Verlaufe der Debatte eingehen zu können. Seitdem ich zuletzt an dieser Stelle mich über Marokko ausgesprochen habe, sind neue Unruhen über dieses Land gekommen. Diese Unruhen haben wie Sie tollen, in Casablanca einen besonders ernsten Charakter angenommen. Eine gewisse Anzahl im Dienste Unternehmer stehende Europäer, in ibrec Mehrheit Franzosen, sind dem Fanatismus einer erregten Volksmenge zum Opfer gefallen. Es ist möglich, daß diese üblen Ereignisse nicht cingetreten wären, wenn die in der Algecirasakte vorgegebene Polizeitruppe im Juni bereits in Arbeit gewesen wäre.

N/.,?°tr?chtungen anznstellen, ist freilich miitzig. Verhältnisse liegen, blieb der französischen Regierung nicht wohl etwas anderes übrig, als zur Selbsthilfe zu schreiten. Spanien als minder schwer verletzter Faktor ist in enq gezogenen Grenzen mit Frankreich gegangen. Ich erkenne es mit Älaitt an, daß die spanische wie die französische Regierung uns rechtzeitig von der von ihnen beabsichtigten Aktion in Kenntnis ge­atzt hat. Daß wir dieser Aktion keine Hindernisse in den Weg gelegt baden ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist daß diese Aktion sich unter der alleinigen Verantwortung der be- teiligten Machte belvegte und sich nicht im Nahmen der AlgeciraS- atte bewegte, auch die Verantwortlichkeit der anderen Mächte nicht berührte Daraus folgt für unS die Pflicht strenger 21 r b a [ t u n g , die ich auch darin beobachten will, daß ich mich an dieser Stelle über Einzelheiten des französischen Vor- gehens ui Casablanca nicht ausspreche. Leider hat dieses Vorgehen auch zu einer Schädigung deutscher wirtschaftlicher und sonstiger privater Interessen geführt. Die Schäden waren so ernstlicher Natur, daß nach zuverlässigen Nachrichten ohne sofortiges Eingreifen der Ruin deutscher Handelshäuser zu befürchten war. ^ch nabe mich deshalb, vorbehaltlich der nachträglichen Zu­stimmung dieses hohen Hauses, entschlossen, auS Reichsmitteln die 250 000 Mk. als erste dringende Beihilfe für die ge­schädigten Deutschen zur Verfügung zu stellen. (Lebhafter Beifall.) . ^te Wchgemahe Berechnung der Entschädigungen hat statt- gesunden. Die dementsprechende Verteilung der Gelder steht un- mittelbar bevor. Ich wiederhole, daß e§ sich nur um eine vor- laustge Maßregel, handelt. Die weitere Regelung der Schäden ^^ .voraussichtlich eine internationale Kommission beschäftigen, die demnächst zusammentreten soll. Weitere Er­wägungen der Mächte bleiben Vorbehalten. Es wird ein mit der rs .rl1"?. te vereinbarender Modus für die Aufbringung der Clitschadlgungsgelder gefunden werden müssen.

e i g n i f f e in Casablanca haben auch eine andere U1 ^bracht, die ihrerseits wieder in den Rahmen der Aigeciras-Akte gehört, nämlich die Organisierung der P o l i z e l t r u p p e in den marokkanischen Häfen. Die französische und die spanische Regierung sind in dieser Beziehung mit Vor­schlägen an die anderen Signatarmächte herangetreten, die auf eine, vorläufige über den Rahmen der Algec'iras-Akte hinaus- greifende Organisation der Polizeitruppe nur mit französischen und spanischen Hilfskräften ohne marokkanische Polizisten abzielten. Unsereii Standpunkt gegenüber diesen Vorschlägen haben wir in einer Denkschrift präzisiert. Der Gedanke ist nichtzurÄusführunggekommen. Inzwischen ist in den Ereignissen in Marokko ein gewisser r n \em9eJ.retfn- Wie sich die dortigen Verhältnisse weiter entwickeln werden bm ich nicht in der Lage, Ihnen heute sagen zu können. ^>vc werden jedenfalls diese Entwicklung mit ruhiger Reserve beobachten im Vertrauen auf die Loyalität der französischen Regierung.

deutsches Inte resse, c8 ist auch ein europäischer die Angehvrigen aller europäischen Mächte in Jlnrofto baldmöglichst wieder in der gewohnten Weise ihrem Er- werbe nachgehen tonnen. Die Grundlage dieser - hoffentlich bald wiederkehrenden - ruhigeren und friedlicheren Zustände wird di- Algecirasakte bewirken.

Wenn ich von Marokko und Algeciras spreche, möchte ich doch einer falschen Behauptung entgegentreten, die rDorbeiHft^^1^ aQl ^nteC au$ in bec Presse aufgestellt m_r ^ans^at daß Deutschland in den letzten Jähren zwei- ^"^^efahr eineß Krieges gestanden kvahrend der Marokkowirren, das andere Mal -00^ uach der damaligen Mittelmeerreise Sr. Majestät J11, §V. 1011 ich nochmals die internationalen äfeItCnffCr0^eri^ ble 3U Jnaugurierung der Wahrung m Marokko geführt haben? Ich glaube nicht,

^aro^° hätten wir so wenig Krieg Das^ein^wie^da?^^b^0 um die spanische Thronkandidatur? ^,as eine wie das andere konnte der Anlaß werden, unsere

k®nfe4«ji, unsere Stellung in der Welt zu verteidigen. (Sehr richtig!) Soweit während der Marokkowirren eine steigende Kriegsgefahr vorhanden war, ist die ^-ache m Algeciras geregelt worden. Ganz unerfindli chaber ist wie von emer im Jahre 1904 bestandenen Krieg^efahr hat gesprochen werden können. Weil cs zu keiner B e g egnun g gefommen wäre zwischen Sr. Majestät dem Kaiser und ~ n -^^>^^^6ösischen Republik?

, , Darum K r i eg. Weder der Kaiser noch der Präsident ^beu daran gedacht und überhaupt auch nur daran denken können. Es i>t kindlich, 3ii_ glauben, es i|t tendenziös, glauben machen wollen, daß in unserer Zeit zwischen großen zivilisierten Nation?« em Krieg anders entstehen könnte, als wegen^einer Fraae> di^ Lebensinteressen dieser Völker berührt (Sehr rickstial) '

Ae gleichzeitige Anwesenheit des Kaisers und des Präfixenwn im Mittelmeer den Gedanken an eine Veaeanuno S n b-st°h°n lassen. Dieser Gedanke ist 7ber Läls dn? Gebiet frommer Wünsche hmaus«er-mmen. Es hat niemals eine Auf.

die Notwendigkeit neuer Stcueru an, abernur ja keine indirekt? nur ja keine direkten Stenern, keine Monopole, keinen Tabak uiiö"' Schließlich kommt nichts heraus. Wird aber die Sache burtf) s " Aufschub besser oder leichter? Der Redner tritt für eine Begrenzun" der Matrikularbeiträge nach oben ein. Einer Neuregelung Spiritussteuer könne er nur bann zu stimmen, wenn die Brenn^ dadurch nicht benachteiligt würden. Der Redner dankt dem Krieo^ Minister für feine Erklärungen zum Moltke - Harden Prozeß. Das Ehrenschild des preußischen Offizierkorps sei «in* und blank, und wenn einmal ein Schmutzfleck darauf falle so werd^ es mit Scheidewasser abgewaschen. (Beifall rechts.) Bebel hah mit Unrecht über Uneinigkeit im Block gespöttelt, er solle nur On die Szenen auf dem Stuttgarter Sozialistentag denken. (Se^ gut! rechts.) K

«ach § 175 bestraft wird. DaS Ehrengericht wird folgen. Die Verabschiedung des Grasen Lynar hat also mit seiner Beteiligung an den Vorgängen in dieser Villa, die der Zeuge Boll- Hardt jetzt in feiner Aussage auf das Jahr 1895 und 1896 ver­legt hat, nichts zu tun. Sein Vergehen, weswegen er verab­schiedet worden ist, ist das gewesen, daß er einen Burschen un­züchtig berührt hat. Er hat nichts weiter getan, als ihn auzufassen. Ich bitte, das als nichts weiter aufzufassen, als den Gegensatz zu dem, daß viel Schlimmeres von ihm bisher ange­nommen worden ist. Der Bursche hat am nächsten Tage die Sache sofort gemeldet. Der Wachtmeister hat es sofort weiter gegeben, und vor den Kommandeur geführt, hat der Graf zugegeben, den Burschen angefaßt zu haben. Auf die Bitte des Burschen:Mich nicht berühren!" ist nichts weiter erfolgt, kein Mißbrauch der Amtsgewalt. Von § 175 des Allgemeinen Strafgesetzbuchs, von dem § 114 des Reichsstrafgesetzbuches kann nicht die Rede sein. M. H.I Der Kommandeur hat die Dienstauffasiung gehabt, auf die Bejahung seiner Frage dem Major zu sagen: Du hast Dich un- würdig gemacht, weiter Offizier zu fein; reiche Deinen Abschied ein. Der Kommandeur hat seinem Vorgesetzten Meldung dar­über gemacht. Das ordnungsmäßig borgefegte Abschiedsgesuch ist von Seiner Majestät genehmigt.^ Da kein Grund vorlag, ihm die Dienstunfähigkeit beilegen zu können, ist die Verabschiedung mit Pension erfolgt. M. H.I In der Erregtheit der Stunde sollte man nicht vergessen, daß diesem Vergehen eine mehr als 25jährige gute, wie man bis dahin geglaubt hat, untadelige Dienstzeit gegenüber» ftanb. Nun, m. H., die, wie Ich Ihnen ja schon sagte, jetzt einge- leitete Untersuchung wird ja lehren, ob eine Verfehlung gegen den § 147 des Militärstrafgesetzbuches vorliegt. Dann wird das wei» tere veranlaßt ewrden.

Davon hatte ich keine Slhmmg, daZ hatte ich nicht gelesen. Es folgten Artikel, die wohl direkte Beleidigungen oder Vorwürfe verwerflichen Tuns kaum enthalten haben, bis endlich dann der Artikel vom 13. April 1907 erschien über die Tafelrunde mit den Namen Philipp Eulenburg, Moltke, Hohenau, Lvnar usw., der meiner Meinung nach direkte Beleidigungen enthielt. Der Name des Grafen Hohenau ist hier in all den Artikeln zum ersten Male genannt, und der Artikel liest sich ganz harmlos. Aber die Technik der Sprache, die hier angewendet ist, enthält nach meiner Ansicht r In späteren Artikeln, im Prozeß, in seinen neuesten Artikeln hat Harden ausdrücklich offen gesagt, es wäre ihm nicht t?erV^Lnn gekommen, etwas Derartiges, was vielfach in der Oesfentliwkeit geglaubt wurde, schreiben zu wollen, es hätte ihm ganz ferngelegen, die Offiziere in dieser Weise beleidigen zu

-ejy, /ft bedauerlich, daß Herr Harden das nicht gleich

gejagt hat. (Lebhaftes Sehr richtig!) Vieles wäre uns dann er-

jpart geblieben. Seine ^Majestät der Kaiser hat sich damals, als diejer Artikel kam, mit feiner Umgebung in Homburg aufgehalten. ~/ort t|t ihm der Artikel hingeschickt worden. Der Kommandant des Hauptquartiers, der gestern hier auch mit in die Debatte ge* ^ogen wurde, und der Chef des Militärlabinetts haben beide sich überlegt, daß nunmehr Seiner Majestät von diesen Artikeln Mit­teilung gemacht werden müsse. Sie sind aber dahin übereinge- zu tun, als bis diese beiden Offiziere bei onr Abkehr 111 Berlin gehört worden wären. Die Rückkehr ist am 30. April abends oder am 1. Mai morgens erfolgt. Am 1 Mai morgens Bat die Unterredung des Generals von Plessen mit diestn beiden Offizieren stattgefunden. Der Graf Hohenau hat gesagt, daß er erwartet hätte, daß sein Vorgesetzter ihn in Schutz gegen derartige Behauptungen nähme. Er hat sich solidarisch erklärt mit dem öfteren General Grafen Moltke, er würde sich dem an» schließen Der Graf Moltke hat jegliche homosexuelle Betätigung oder auch Neigung weit von sich gewiesen. Mer diese beiden Osflziere waren Generale ä la suite Seiner Majestät, gehörten zur näheren Umgebung des Kaisers, und da erschien es besser, daß, da beiden derartige Dinge nachgesagt waren, da außerdem gesagt ??r, ne hatten Hintertreppenpolitik versucht, sie aus diesem Ver- haltniße ausjchieden. Das ist der Grund gewesen, warum nicht gleich, sondern später, als der Prozeß mit Harden kommen mußte, Seiner Mawjtat am 3. Mai die Abschiedsgesuche eingereicht wur­den. Um pe von seiner Person zu trennen, um sie vom Hofe frei zu machen, um, wie der Graf Moltke im Prozeß gesagt hat, Frei­heit zu haben, seine Sache zu vertreten, hat Seine Majestät ein» gewilligt, sie mit Pension zur Disposition zu stellen, in dem Ge- danken, sie, wenn sie sich gereinigt hätten, wieder cmzustellen.

Ich will hier die Frage stellen, die aufgeworfen werden könnte, ^aryn,T vun, nachdem der Graf Hohenau gegen Harden nicht ge- klagt Jjat, nicht gegen ihn das ehrengerichtliche Verfahren eröffnet qt. 'A,qZ hat Se. Majestät nicht getan, weil er den Prozeß ab» harten wollte. Die ehrengerichtliche Untersuchung lauft n t cf) t fort. b

Graf Hohenau ist also mit Pension zur Disposition gestellt, ehe> man wußte, daß em Vergehen derart vorliege. Man hat die Anichuldigung in derZukunft" nicht als eine Klage anzusehen, fonbern als eine Beleidigung. Es wäre eine verkehrte Welt, wenn in irgeiid einem Journal derartige Dinge behauptet werden, den Betreffenden fofort zu Gericht zu ziehen. Erst muß die Beleidi­gung ilargeiteüt werden, bann kann man weiter sehen. Er ist mit Penuon zur Disposition gestellt worden, vollständig gesetzlich und rechtlich. Wenn Sie es vermeiden wollen, daß unter allen Um- lianden, nachdem die Dispositionsstellung erfolgt ist, nie etwas bet» artige» vorkommt, daß nie einem Offizier nachgesagt wird, er habe 3u Unrecht feine Penpon bezogen, dann müssen Sie se'hr vorsichtig fein, dann müssen Sie nach 20 Jahren ihm erst die Pension geben, befter vielleicht erst beim Tode, nachdem feststeht, daß gar nichts vorgekommen ist Nachdem dieser Artikel im April erschienen ist, nabe- ich per,onlich an maßgebender Stelle angefragt, ob gegen den Grafen Hohenau etwas vorliegt. Es ist erwidert, es wäre vor vie.en, langen Zähren ein Verdacht gegen ihn gewesen, aber er m vollständig rein da, es läge gegen ihn nichts vor.

TÄnr-nf# I hat ein jeder die ganzen Vorgänge natürlich 0inA tote. ^ch dem ersten großen Waffengange.

Jeder hat bann gewußt, wie cs kommen wird. Derjenige, der siegte, qat genau gewußt, daß er natürlich siegen muß. Von dem- der Klagen wurde, wußte natürlich auch das ganze Volk, daß es mit ihm faul stand. Wenn es wahr ist, daß überall w~ln0£ Nachen worden ist, bann ist es einmal wieder h«ne Menge Menfchen die Ehre ihres Mitmenschen Krahne gezogen haben, ohne irgend welche Be- weife zu haben. Bei mir ist jetzt ein Richter gewesen, der hat zu konnte Ihnen etwas erzählen; ich habe ihm gesagt: ^n Sie das Darauf entgegnete er: Ich will's lieber nicht tun, H ^be 0at keine Beweise. (Heiterkeit.) Ich könnte Ihnen eine

Menge Sachen erzählen, die einmal in gewiffen Kreisen über diese Dinge gesprochen worden sind. Da ist ein Mann aufgetreten, der hat gesagt: Der Graf ist mein Freund, jetzt heraus mit den Be­weisen, oder hören Sie auf, zu sprechen. Es ist Stille eingetreten, und kein Mensch hat etwas beweisen können. (Hört, hört! rechts.) Ich und andere sind ja Wohl auch als die wahren Schuldigen be­zeichnet worden, weil wir alles wiffen sollten. Ich sehe darin ein­fach eine niederträchtige Behauptung, da sie uns Pflichtvergessenheit und Feigheit zum Vorlvurf macht. Ich habe mir solche Sachen in meinem Leben nicht zu schulden kommen lassen. Ich muß es ablehnen, meine Kenntnisse aus den Berliner Kneipen _ zu holen. Ich muß es ablehnen, auf Gerüchte, auf Klatsch und auf Geschichten ctiva§ zu geben. Mer das will ich sagen, ich habe noch niemals versagt, wenn jemand zu mir gekom­men ist und mir eine Mitteilung gemacht hat. Tie Sache ist jedes­mal untersucht worden. (Beifall rechts.) Wenn man sagt, alle Welt habe diese Tinge gewußt, so ist das nicht richtig. Ich kann mich auf die hier zur Stelle befindlichen Departementsdirektoren beziehen, von denen zwei hier in Berlin jahrelang an der Stelle tätig waren, wo die Fäden des militärischen Lebens zusammen- laufen. Sie haben nichts von allen diesen Gerüchten über diese beiden Männer gewußt. Ich kann mich auf den Chef des General­stabes der Armee berufen, der selbst längere Zeit in Potsdam ge- mefcn war. Er hat mir versichert, es sei ihm auch nie etwas von diesen Gerüchten bekannt geworden. Ich kann mich beziehen auf jüngere Offiziere, die ihre Dienstzeit in Potsdam verlebt haben und mit denen ich noch heute morgen eingehend die Sache be- prochen habe. Man hat mir gesagt, niemals sei etwas derartiges ihnen bekannt geworden, es sei nicht einmal über diese Dinge ge­lästert worden. So steht es mit diesen Dingen, von denen es heißt, daß alle Welt davon wußte. Ich muß sagen, es wäre ge­radezu blödsinnig, wenn der Chef des Militärkabinetts einen Mann in die Nähe Seiner Mäjestät bringen würde, von dem er toufete, daß er solche Neigungen habe, oder gar, daß er sie betätigte Er wurde sich zum Verbrecher an der Majestät machen Nur em Kranker, ein Verrückter würde so handeln. Ich muß es auf das entschiedenste zurückweisen, daß irgend einer von uns Kenntnis von diesen Dingen hatte. Auch an den Grafen Moltke ist in dem Prozeß vielfach die Frage gerichtet worden: Tu mußt die Neigungen des Grasen Hohenau doch gekannt haben.

Es sind doch eine Menge kluger Leute mit diesen beiden Herren bekauiit gewesen. Sie alle haben von ihren angeblichen Neigiingen nichts gewußt. Ich habe noch die Ebre oehabt, den langjährigen Leibarzt des Kaisers, Generalarzt Dr. L e utb o ld kennen' zu lernen, der ein sehr kluger Mann war und die Umgebung Seiner Majestät ganz genau 'annte. Er war auch skeptisch, aber von diesen Sachen wußte er nichts. Er hat aber auch nickst den geringsten Verdacht auf irgend einen Menschen geworfen. Der jetzige Leib­arzt hat auch nicht eine Ahnung gehalst von dem, was dem Grafen Hohenau später vorgeworfen worden ist. Wenn man sich die Herren ansieht, denen solche Vorwürfe gemacht worden sind, so muß ich doch sagen: Es ist mir immer ein Vergnügen gewesen, mit dem Grafen zusammen zu fein. Es ist ein hochgebildeter Manu, der bochmusikalisch und vielleicht etwas zu liebenswürdig ist Er hat eine wunderbare geistreiche Art an sich, und ich habe von' ihm nur den E-ndruck eines vollendeten Edelmanns gehabt. Graf Hohenau war ein Mann, der ganz Soldat war. Er ist ein ausgezeichueter Flügeladjutant Seiner Majestät gewesen und ein glänzender R e g i m e n t S k o m m a n - deur, der sein Regiment in ausgezeichneter Disziplin und Ordnung gehalten hat, und den sein Offizierkorps verehrt und ge- Uebt hat. Er hat in der glücklichsten Ehe gelebt. Von dem Grafen Lynar ist mir erzählt worden, er habe ein gastliches eiofn^cS Haus in Potsdam geführt, wo Offiziere von allen Regimentern verkehrten. Kein Mensch bat eine Ahnung gehabt, ooß er stch etwas zuschulden kommen ließ. Wie über den Grafen allgemein geurteilt wurde, das kann man daraus ersehen daß Seine Majestät den Kronprinzen zu seiner Truppe gab.

r. Nehmen wir den ungünstigsten Fall an, daß die beiden Grafen Mwldig sind. Eine andere Person ist in keiner Weile in diese D'nge hineingezogeii worden; das genügt aber gewissen Leuten, um nun zu schreien: so wie diese beiden hier gelebt baden wllen, so lebt man nun in den vornehmsten

, Berlins! So ist nun die ganze vornehme

Gesellschaft, so seid Ihr da oben beschaffen? DaS ist eine rilrrf)tbar bofe U e b e r t r e i b u n g , die sich Niemand hätte ir .Omnien In|)en, Wenn der einzelne auch krank ist, so

bleibt doch die Gejamtheit gesund. Es ist ferner gesagt worden, wir hatten vertuschen wollen. Das wäre sehr einfach gewesen. Wenn man den Prozeß Moltke nach Möglichkeit unterdrückt hätte. Nichts wäre herausgekommeu. Das ist nicht unsere Absicht. Ich könnte Ihnen eine Ordre Sr. Majestät verlesen, die er bereits 1892 erlassen hat, iyorin er ausdrücklich die Kommandeure ermahnt, unter allen Um- ftanben Vergebungen nachzugehen und jeden, der einen Fehler be- gangen bat uor seinen Richter zu bringen. Es ist gesagt worden, Sr. Majestät sei von derartigen Lcuten umgeben- Wenn ein einziger imulbig ist, Graf Hohenau, was bleibt dann übrig ? Ich möchte memanbem raten, der Umgebung Sr. Majestät, wie sie jetzt ist ms Gesicht zu sagen, daß sie derartigen Neigungen huldige'. Es ist gesagt worden, es sei ein Kreis um S e. 'Majest ä t niemand könne an ihn heran. Zu diesem Kreise gehörten Offiziere' Ich kann versichern,daß niemalsirgendjemandzwi scheu

? V ftat 11mich getr et e n i st. Es wäre die größte Unwahrheit, das zu behaupten. Es ist ferner erzählt worden, wir mrchteten den neuen Prozeß, es könne noch mehr heraus- fommen. Wir furchten Harden nicht. (Lebhafter Beifall rechts.) Wir sehen mit größter Ruhe biejem neuen Prozeß entgegen, mag er Neues bringen, mag er n-üu S"n^ii auf, die Anklagebank bringen, bann werden wir rieten benn das ist besser, daß wir jetzt alles, was unrein bei uns m. abftreiren und reinigen und rein dastehen, als daß unter der <ne-t rr\10c^x tDe^c Eiterbeulen weiterleben. (Lebhafter Beifalll) Das Offizierkorps in feiner Gesamtheit - wenn auch, wie Herr Bebel gesagt hat, einige Offiziere in den letzten wahren bestraft sind, immer mit Gefängnis und Dienstentlassung - ünh* ,b-at ? kfizierkorp S i ft innerlich gesund (Beifall) und wird immer und immer wieder diejenigen abftreifen, die sich etma§ derartiges zuschulden kommen lassen. Es ist eine Wissenschaft br-^nraUf die Leute, die diese unglücklichen oder nn-

gluckleligen Neigungen haben, als vollkommen natürlich anzu- A aleuhberechUgt. Ich will mich in den Streit dieser Wistenschaft nicht einmilchen. Mir sind d i e s e L e u t e e k e l -

(Lebhafter Beifall.) Aber eins steht unbedingt fest, ein un? mmmer Offizier fein. (Lebhafter 'l E'- sicher Mann kommt in die Lage gegen feinen Eid fiä) vergehen Er untergräbt die Disziplin, (Sehr richtig!), er bringt den $or gefegt en in Verachtung. Das kann und darf nicht fein! nn etntoWrSRcinn mit solchen Neigungen in der Armee weilen sollte, mochte ich ihm zurufen: Nimm deinen Abschied!

dich denn du gehörst nicht in unseren Kreis! (Lebhafter Beifall.) Wird er aber gefaßt, wo es auch fei, mag er stehen, wo er will, so muß er vernichtet werden. (Lebhafter Beifall)

Abg. Fürst Hatzfeld (Rp.) beschäftigt sich mit der Etat- und Flnanzfrage. Sehr zu wünschen wäre es, daß der Schatz- mehr Autorität. besäße, sich mehr des Ansturms der Ressorts Frnkich ist das auch eine Personenfrage: man $ f tnUI bcn ,®lat des Reichs, sondern auch die der sehr genau kennen. Eins ist sicher: die Finanzreform ^ocht- Der Flottenausbau muß schneller erfolgen, aber päpstlicher als der Papst brauchen wir nicht zu fein, mehr als die Regierung verlangt, nicht zu fordern. In den Betriebsverwaltungen wnn noch manches gespart werden, insbesondere in der Vermehrung der Beamten. Wird denn England schlechter regiert als wir, ist es R die großen Luxusbauten.

2* d^ Bahnhöfen, sind nicht erforderlich. Neue Steuern sind notwendig, aber es mutz Klarheit geschaffen werden, Ware besser gewesen, wenn der Schatzsekretär sich in tiefes Geheimnis gehüllt hatte. (Sehr wahr!) Alle Parteien erkennen