Handel
des
93.15 I El ektriz. Lahineyer .
Uesterr. Goldrente.
4%
Portugiesen
III
3%
gehört
Pnnce-Henri-Eisenbahu .
148.50
S
D. Kämmte, Giessen.
Telephon 107.
Marktplatz 11.
bekun- anbere Auch
3% 3^7« 3%
Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Durtmunder-Union C. Dresdner Bank . .
Tendenz- fest.
Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-
Eisenlaiin . . . Gottnardbahu . . . Lombard. Eisenbahn Uesterr. Staatshalt .
Harpener Bergwerk Laurahütte . .
Lombarden E. B.
Nordd. Lloyd . . l'ürkenlose .
3 X°l 4%
. 154.00 . 125.40 . 226.25 . 137.00 . 170.80 . 138.40 . 200.30
28 30
145.70
. 197.00
. 112.00
112.40
99.90
203.75
194.25
116.20
197.25
217.75
105.60
97.50
. 28.30 . 105.70 . 144.20
Elektnz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Pakett Harpener Bergwerk. . . Laurahütte......
Nordd. Lloyd.....
Obeischles. Eisen-Industrie
226 50
56.20
138.20
476 % Uesterr. Silberrente Ungar. Goldrente . .
. 143.40
. 47.40
. 84.00
. 60.00
. 93.85
Beichsanleihe do.
Konsols . .
do. . .
Hessen . .
Überliessen
4>L°/o russ. Staatsaul. 1905 4/3u/0 japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 19U3
Türkenluse ..... 4% Griech. Monopol-Aul, 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . . 4>*7o Chinesen . . .
Aktien:
Bochum Guss .... Buderus E. W. . . .
Tendenz: fest.
Italien. Rente . .
Portugiesen Serie 1
82.75
93.25
82.80
91.10
92.40
97 30
98.30 .93.00
103.10
60.50
61.30
93.65
89.25
93.20
Eine liebe Dienstherrin.
Der Bäcker G. M. von Finsterroth hatte gegen die Frau des
Katze des Schreinermeisters Fr. W. H. erschoß, hörte man aus seiner Hofreite rusen: „Gemeiner, unverschämter Kerl, Schust, ich schieß dir eine Kugel durch den Kopf". Zwei Frauen wollten die Stimme des H. erkannt haben, weshalb K. gegen ihn wegen Beleidigung Privatklage erhob. Es wurde aber sestgesteltt, daß der Sohn des Angeklagten im Aerger über die erschossene Katze ähnliche Aeußerungen getan hat, und da der Angeklagte die Beleidigung bestritt, erging durch das Schöffengericht Freispruch. Die Frauen, bei denen der Kläger gewohnt hatte, behaupteten nach wie vor, daß kein anderer als der Angeklagte die Aeußerung getan Hat, was sie auch in der Berufungsinstanz unter Eid aufrecht erhielten. Die Strafkammer konnte sich trotzdem nicht von seiner Schuld überzeugen. Sie führte aus, daß die Frauen wohl die Ueberzeugung haben, daß die Worte von deulAngeklagtcn herrührten, sie könnten sich aber irren, zumal sie die Worte aus der Ferne vernahmen und man andererseits es für ausgeschlossen hielt, daß der Angeklagte der Täter ist. Die vom Kläger erhobene Berufung war deshalb zu verwerfen.
Teiefonssche Kursberichte
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 30. November, 1.15 Uhr.
Berliner Börse, 30. November. Anfangskurse.
Hoteliers K. zu Bad-Nauheim, bei der er vorübergehend als Hausbursche beschäftigt war, wegen Beleidigung Privatklage erhoben, weil sie ihn in Gegenwart eines Installateurs, der dort Arbeit verrichtete, Rindvieh, Ochse, Schwindler und Faulenzer igjenannt hat. Dabei soll sie ihm ins Gesicht gcspieen und ihm bemerkt haben, er tauge sein Lebtag nichts. Vor dem Schöffengericht bestätigte der Installateur die Schimpfworte, dagegen wurde von der Stütze der Angeklagten behauptet, sie sei bei dem ganzen Vorfall zugegen gewesen, beleidigende Aeußerungen seien aber nicht gefallen. Da Aussage gegen Aussage stand und das Schöffengericht annahm, der Installateur sei auf die Angeklagte nicht gut zu sprechen, weil sie ihm nachgesagt hat, er habe geschlafen, statt seine Arbeit zu verrichten, so glaubte es der Stütze mehr und ließ Freispruch ergehen. In der Berufungsinstanz gab die Stütze jedoch zu, daß die Beleidigungen gefallen sein könnten, ohne daß sie von ihr wurden, zumal der Installateur auf das bestimmteste bete, daß diese auch tatsächlich gefallen sind und auch Zeugen bestätigten, daß solche nicht selten gefallen sind.
dem Gericht wollte es scheinen, daß der Angeklagten solche Worte leicht von der Zunge springen. Das Urteil wurde aufgehoben und auf eine Geldstrafe von 10 Mark erkannt.
solchen Tuellangelegenheit gründlich nachzudcnken. Auf Begnadigung hätten Duellanten neuerdings nicht z u hoffen. Erst letzthin sei ein Begnadigungsgesuch in einer Tuellangelegenheit glattweg abgelehnt worden. An die zahlreiche im Saale an wesend 6 studentische Jugend richte er die dringende Mahnung, bei der Zusammensetzung ihrer Ehrengerichte darauf zu achten, daß erfahrene und gereifte Männer daran teil- nehmen. Tie würden dann nicht zu der Ueberzeugung kommen, daß solche Beleidigungen mit Blut abgewaschen werden mußten. Er beantragte zwei Jahre Festungshaft. Tas Gericht erkannte gemäß diesem Anträge.
Meiningen, 30. Nov. Im Steinbacher Krawall--, Prozeß wurde gestern spät abends das Urteil gefällt. Es wurden verurteilt wegen Landfriedensbruchs sechs Angeklagte zu 3—8 t/2 Monaten, wegen groben Unfugs drei Angeklagte zu Haftstrafen von 1—2 Wochen. Zwei Angeklagte wurden frei- ge spräche n. r
GeriehtsssaL.
Halle a. S., 27. Nov. Vor dem Schwurgericht hatte sich heute der 20jährige Student der Chemie Rau aus Eilenburg, der am 22. Juli ds. Js. den Studenten der Medizin Lips ki im Bist o l e n d u e l l erschossen hat, zu verantworten. Die Verhandlung ergab, daß ein Streit bei dem Winterfest im Zoologischen Garten den Anlaß zu dem Zweikampf gegeben hatte. Lipsky, der von Zeugen als eine außerordentlich rauflustige Natur geschildert wird, hatte geglaubt, der Korpsstudent Rau habe ihn, der der mosaischen Religion angehörte, durch eine antisemitische Bemerkung verhöhnen wollen. Er nahm sich deshalb vor, es dem Rau und seinen Kommilitonen heimzuzaUen. Beim Tanz stieß Rau versehentlich Lipsky an; es entspann sich ein Wortwechsel, und Lipsky veraoreichte dem Rau, der als ein friedlicher Mensch geschildert wird, ein paar Ohrfeigen. ^Eine Pistolenforderung mit dreimaligem Kugelwechsel war die H-olge. Tas Ehrengericht setzte jedoch die Forderung auf einmaligen Kugelwechsel herab. In der Tölauer Heide fand morgens in der Frühe am 22. Juli das Duell statt. Rau sah seinen Gegner, der schon zahlreiche Pistolen- und Säbelduelle ausgefochten hatte, auf sich zielen und drückte los. Tie Kugel ichlug dem Lipsky durch die Achselhöhle, Lunge und Rückenmark. Auf einer Rasen- bank verschied er alsbald, nachdem er seinen Gegner zur Versölj- uung an sich herangewlnkt hatte. Der Staatsanwalt hielt eine bemerkenswerte Rede. Innerhalb Jahresfrist seien in Halle in studentischen Kreisen drei Piftolenduelle vorgekommen, deren eins mit dem Tode endete, während die beiden anderen schwere lebensgefährliche Verletzungen brachten. Die Universität Halle habe dadurch einen üblen Ruf erlangt. Das dürfe nicht so fortgehen, es müsse unbedingt etwas geschehen. Er kündige an, daß er in Zukunft regelmäßig Ittlteejucyungshaft verfügen werde. Untersuchungshaft im Gefängnis sei eine üble Sache und werde rnanchn vielleicht veranlassen, über den Ernst einer
Brecht XKaiX mifnrpiprk-/C.nETEP6Wri'.
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Anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft für Juwelen, Uhren, Gold- und Siberwaren. Eigene Reparatnirwcrkstiitte.
nfff dem tapferen Schwaben: Der wackre Schwabe forcht sich nicht, er reitet des Weges Schritt für Schritt.
Ich will auch von dieser Stelle aus meiner Befriedigung Ausdruck geben über die Aufnahme, welche unser Kaiserpaar in England von König und Volk bereitet worden ist. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, wenn in der Zukunft einmal an der Hand der Quellen aktenmäßig und wahrheitsgemäß die Geschichte der letzten zehn Jahre geschrieben wird, so wird sich Herausstellen, daß die Spannung zwischen Deutschland und Englano, die lange, die zu lange auf der Welt gelastet hat, am letzten Ende zurückzuführen war auf ein großes gegenseitiges Mißverständnis. (Lachen bei den Soz.) Jeder traute dem anderen Ansichten und Hintergedanken zu, oie in Wirklichkeit gar nicht bestanden. Und dieses Mißverständnis zu beseitigen, und das aus diesem Mißverständnis resultierende Mißtrauen zurückzuweisen, dazu reichten die beiderseitigen Regierungen nicht aus, wenn sie auch vom besten Willen erfüllt waren; die öffentliche Meinung mutzte mithelfen, die Presse, wohlgesinnte und eifrige Friedensfreunde; daß sie in England nicht umsonst gearbeitet haben, das zeigt die unserem Kaiserpaar bereitete Aufnahme. Ich bin sicher, datz ich die Gefühle des deutschen Volkes wiedergebe, wenn ich sage, datz solche friedlichen und freundlichen Gefühle bei uns erwidert und aufrichtig geteilt werden. (Stürmischer Beifall.)
Von verschiedenen Seiten ist der während der vorigen Legislaturperiode eingebrackste Antrag Hompesch berührt worden. Ich habe schon vor einem Jahre dargelegt, warum wir uns in dieser Beziehung nickt einer obligatorischen oder auch nur einer periodiscken Verpflichtung unterwerfen können. Eine solche zwangsweise Verpflichtung würde entweder ein Material zu Tage fördern, das sich auf der Oberfläche hielte, oder es könnte Anlaß geboten werden zu mannigfachen Mißverständnissen, wenn nicht gar Verwickelungen. Ich habe selbstverständlich immer das Verlangen des Reichstags nach Klarheit auf dem Gebiete der auswärtigen Politik für ein berechtigtes und gerechtfertigtes gehalten und es wird von feiten der Leitung der auswärtigen Politik auch weiter das Nölige geschehen, um diesem Verlangen Rechnung zu tragen; nicht nur durch das, was von dieser Stelle aus dargelegt werden kann über den Gang unserer auswärtigen Politik; ich habe im Einverständnis mit dem neuen Staatssekretär des Aeutzeren auch, angeregt, datz dem Reichstag urkundliches Material über die ganze auswärtige Politik selbst vorgelegt werden soll, wo das mit den Interessen unserer Politik, wo das mit unseren politischen Interessen noch irgendwie vereinbar ist. (Lebhafter Beifall.) Es wird Ihnen schon in den nächsten Tagen ein Weißbuch zugehen über die H a ager. Konferenz, daS den Wortlaut der Verträge und eingehende erläuternde Denkschriften enthält.
' Ich möchte nun noch einige Worte sagen über die Haager Konferenz und da möchte ich an die Spitze stellen, daß wir zufrieden sein können mit der im Haag geleisteten Arbeit, daß wir auch zufrieden fein können mit dem Altteil, den Deutschland an dieser Arbeit gehabt hat (Sehr richtig!) und insbesondere schließe ich mich dem voll an, was hier gesagt worden ist zum Love unserer Vertreter auf dem Haag. Freiherr von Marschall und alle seine Mitarbeiter haben mit einer Sachkenntnis, mit einer Ausdauer und mit einem Fleiß die Interessen des Deutschen Reiches wahrgenommen, die ihnen Anspruch gibt auf unseren Dank. Gegenüber Herrn Bebel stelle ich fest, daß sich Freiherr von Marschall an einer materiellen Debatte über Abrüstung aus dem einfachen Grunde nicht beteiligt hat, weil eine solche überhaupt nicht stattgefunden hat. (Heilerkeit.) Baron Marschall hat sich lediglich beteiligt an der Diskussion darüber, ob und in welcher Form die Konferenz den auf der ersten Haager Konferenz beschlossenen Wunsch wiederholen solle. Daß die Negierungen die Abrüstungsfrage prüfen möchten. Also, von einem Umschwung in unseren Ansichten ist keine Rede, wohl
förderung-stalWsundeff, cs'ist"memäls clne^ Abllehnung^rfofgk In der französischen Presse habe ich auch gelesen, Se. Majestät der Kaiser hätte, erbost über die Herzlichkeit der in Rom und Neapel zwischen dem König von Italien und dem Präsidenten der französischen Republik ausgetauschten Trinksprüche, seine Reise über Venedig statt über Genua beschleunigt, und auf diese Weise ifdr. Möglichkeit einer Begegnung mit dem Präsidenten der französischen. Republik beseitigt. Auch das ist irrig.
r Seme Majestät der Kaiser befand sich bereits auf deutschem Moden, als in Neapel die Trinksprüche ausgetauscht wurden. KHbrtl Hört!) Mit solchen Legenden aus der Vergangenheit wird, wie mir scheint, der Gegenwart nicht gedient. M. H.l In der verflossenen Session ist Ihnen ein Weißbuch vorgelegt worden, fca» Ihnen Gelegenheit bieten sollte, über die hinter uns liegenden Verhandlungen wegen der mazedonischen Finanzreform zu unter- ricksten. Inzwischen ist auch eine andere der in dem Programm ber Ententemächte bezeichneten Aufgaben in den Bereich der diplomatischen Arbeiten getreten, nämlich die Reform der Justizverhältnisse in den mazedonischen Wilajets. Rußland und Oesterreich- Ungarn waren es, welche diese wichtige Frage in Fluß gebracht haben. Von den Vertretern dieser Mächte in Konstantinopel ist, 'wie Sie wißen, ein Neformprojekt ausgearbcitet und auf einer Botschafterkonferenz zur Kenntnis der Mächte gebracht worden. Wir haben dieses Projekt mit demjenigen Wohlwollen ausgenommen, mit dem wir alle Vorschläge der beiden Ententemächte aufnehmen und unterstützen, die Gerichte sind auf die Herstellung von Ruhe und Frieden in den mazedonischen Wilajets und auf die Konsolidierung der dortigen Verhältnisse bedacht. Wir haben es puch mit lebhafter Befriedigung begrüßt, daß der Sultan die Notwendigkeit und die Dringlichkeit von Reformen in den Justizver- fjältniffe.n der mazedonischen Wilajets anerkannt hat. Auf fein •.x 1 <n^t c’n GegDnprojekt ausgearbeitet worden, das in wesentlichen Punkten den Wünschen der Ententemächte entgegenkommt. Tie wie ich glaube, bei einigcrGeduld wohl zu lösende Aufgabe, wird nunmehr f.'in, die noch vorhandenen Meinungsverschiedenheiten bei aller Wahrung der souveränen Rechte des Sultans zu einem fcen Bedürfnissen Mazedoniens entsprechenden Ausgleich zu bringen« Die Frage der mazedonischen Reform gehört zu 2>em Komplex von Fragen, in dem wir den Ententemächten in den ^Verhandlungen mit der Pforte den Vortritt lassen. Soweit aber ainfere Einwirkung zu einer Verständigung beitragen kann, werden Itoir es auch in Zukunft an unserer Mithilfe nicht fehlen lassen. ^Wir rechnen dabei auf das besondere Interesse, das der Sultan in dieser Frage seinen mazedonischen Untertanen entgegenbringt, und auf seine in schwierigen Fragen und Tagen oft bewährte Klugheit. -'
< . Meine Herren! Es ist auch das russisch-englische Abkommen über Asien berührt worden, lieber dieses ßlbkommen habe ich mich ja schon ausgesprochen und damals die Wendung gebraucht: Von den Feindschaften anderer unter ein- janher können wir nicht leben. Was damals bevorstand, ist inzwischen Tatsache geworden. So bewegt sich das Abkommen auch an den Grenzen, die ich damals voraussetzte, und meine Auffassung list dieselbe geblieben, und namentlich mit bezug darauf, datz das Abkommen keine Spitze gegen Deutschland enthalte, und durch die inzwischen erfolgte Begegnung von Swinemünde und Wilhelmshöhe und durch den Kaiserbesuch in England noch bestärkt Iworden. Auf die in der Presse viel erörterte Frage, wer bei dem Abkommen das bessere Geschäft gemacht habe, kann ich mich nicht einlassen. Das liegt in der Zukunft. Ich glaube, die Nolle des ruhigen Beobachters ist derjenigen des Propheten vorzuziehen. !(Sehr richtig!) Auch auf die sogenannte Einkreisungsgefahr will iidj nicht eingehen. Ich könnte da nur wiederholen, was ich schon 'früher gesagt habe. ‘ Ich denke, wir sind alle der Ansicht, die beste Politik bleibt, auf dem Posten fein, wachsam und furchtlos zu jein! ^Sehr^richtig! und Bravo!)/ Ich denke, wir halten cS alle
Gießener Strafkammer.
() Gießen, 29. Nov.
Er lieft gern Jndianergeschichten.
Im vorigen Monat stieg der 14jährige F. G. von Frjed - berg durch ein offenstehendes Fenster in das kath. Pfarrhaus ein, nachdem er sich dura) mehrfaches Klingeln überzeugt statte, daß sich niemand in her Wohnung befand. Er durchsuchte die Raume und fand in dem Arbeitszimmer des Pfarrers auf dem Schreibtisch einen Geldbetrag von 13 Mk. und eine etwas über 20 Mk. enthaltende Opferbüchse vor. Die Opferbüchse versuchte er mit einem Taschenmesser zu öffnen; dies gelang ihm jedoch nicht und so nahm er das Geld und die Büchse mit. Es dauerte aber nicht lange, bis er als der Tat verdächtig ungehalten und ihm das Geld abgenommen wurde. Nach seiner Angabe galt es ihm darum, Geld zum Ankauf von Lektüren zu bekommen, da seine Großeltern, die _ seine Erziehung übernommen hatten, ihm solche nicht anschafften und er doch die Indianer- und Räubergeschichten gar zu gerne las. Der Junge ist aus anständiger Familie; er hat sich seither gut geführt, weshalb man iym die Tat nicht zutraute. Dem Gericht schien es, als Hütte es dem Jungen doch an der nötigen Aufsicht gefehlt. Er wurde wegen schweren Diebstahls zu einem Mo- natGefüngnis verurteilt, doch dürste die Strafe bedingungsweise erlassen werden.
Die gestohlene Frauenhose
Der Schreinergeselle G. W. aus Griedel kam an der Kaserne zu Butzbach vorbei, wo die Fran eines Feldwebels Wüsche zum Trocknen aufgehängt hatte. Er glaubte sich un- bcobachtei wird nahm eine Frauenunterhose, die er unter feine Schürze steckte und davoneilte. Als ihm vom Fenster aus ein Feldwebel zurief, brachte er die Hose wieder zurück. Er gibt an, bei dem Vorfall betrunken gewesen zu sein, so daß er sich des Vorgangs nicht mehr genau erinnern tonne. Daß er sich strafbar gemacht hat, weiß er, denn er bat den Feldwebel, ihn nicht anzuzeigen, da er sonst als rückfälliger Dieb mindestens ein Jahr zu hoffen habe. Das Gericht verfuhr redoch gnädiger mit ihm, indem es ihm die Minimalstrafe von drei Monaten Gefängnis zudiktierte.
Verworfene Berufung.
Gegen den Landwirt A. M. von Lang-Göns hatte der Waldarbeiter A. G. Sp. Privatklage erhoben, indem er vorbrachte, er sei im letzten Frühjahr in die Wohnung des Forst- warts, dessen Schwiegervater der Angeklagte ist, gekommen, um Lohn für Waldarbeiter zu erheben. Der Angeklagte habe von ihm die Begleichung einer Schuld verlangt und dabei sei es zu cfnem Wortwechsel gekommen, in dessen Verlaus der Angeklagte ihn zur Türe Hinausschoo und ihn die Treppe hinabstieß, so daß er das Handgelenk brach und zurzeit noch m seinem Erwerb gehindert ist. Mit diesem aber nicht genug, habe er ihn noch ein Stück auf die Straße geschleift und dabei gerufen: „Hier vereck du Mißgeburt". Vor dem Schöffengericht gab der Angeklagte zu, den Kläger vor die Tür getan zu haben, da er in feiner Trunkenheit Skandal gemacht habe und sich trotz wiederholter Aufforderung nicht entfernen wollte. Nachdem er wieder in die Stube zurückgekehrt war, habe er etn Gerumpel gehört, woraus er schloß, daß der Kläger die Treppe hinuntergesallen , sei. Trotzdem ein Zeuge sah, wie der Angeklagte den Klager die allerdings niedrige Treppe recht unsanft heruntergleiten ließ, und dabei etwas äußerle, was er aber nicht verstaub, so hielt das Schöffengericht nicht für erwiesen, daß t)er TngeHagte megr getan hat, als was ihm als Hausherr juftanb, zumal die Staatsanwaltschaft die Sache vorher untersucht hatte und mangels Beweises zur Einstellung des Verfahrens gekommen war ^aö Schössenaerickn ließ dieserhalb Freispruch ergehen, auf die von dem Angeklagten vorsorglich erhobene Widerklage entschied es jedoch nicht. Beide Teile verfolgten Berufung, bte eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig machte konnte aber
nichts weiteres sestgesteltt werden als in ^id?"^Bciüqttch'der die «erttsung des lllägers v e r warfen wurde ^czuglich der Widerttaae wurde bemerkt, daß es eine b o if or g Uifie ft.läge nickt aibt Wenn das Schöffengericht, wie dies geschehen, die X zug-lassen ijat, io Hütte es auch daraus entscheiden müssen. Die Widerklage wurde zuruckgewnsen.
Die erschossene Katze.
Als im letzten Sommer der in Bad-Nauherm zur Kur weilende Direktor F. K. aus Berlin in einem Garten die
aber von einem Irrtum des Mbg. Bebel. Im übrigen fat bie Konferenz gewiß nicht alle Hoffnungen erfüllt und alle Erwartungen, die auf sie gesetzt worden sind. Wir wollen aber deshalb doch nicht unterschätzen, was sie geleistet hat. Während vierer langer Monate ist von den Vertretern der Konferenz von allen Bevollmächtigten mit einer Ausdauer, mit einem Eifer gearbeitet worden, wie sie bei anderen parlamentarischen Versammlungen nicht immer angetroffen wird. (Heiterkeit.) Es hat sich ein Vertrauensverhältnis herauSgebildet, das den schließlichen Ergebnissen zugute gekommen ist. Wir können uns mit Genugtuung sagen, daß die Beschlüsse der Konferenz vielfach auf Voischlägen der deutschen Delegierten und auf den Arbeiten der deutschen Wissenschaft bericht haben. Gewiß läßt die Konferenz manche Fragen ungelöst, die der Zukunft aicheimgestellt sind.
Der Reichskanzler bemerkte bezüglich der Kamarilla: Herrn Bebel liegt offenbar noch die Auflösung im Magen (Heiterkeit), er meint, solche Kamarillas wie bei uns habe es nirgendwo anders gegeben. Ach du lieber Himmel! (Heiterkeit.) Jnlrignen, Hintertreppen - Einflüsse haben überall mindestens so sehr geblüht wie bei uns. Herr Bebel möge einmal, wie ich es getan, in c^ere Länder gehen, um sich davon zu überzeugen. UebrigenS giebt es auch rote Kamarillas. (Große Heiterkeit) Ich behaupte, daß den Stuarts und Bourbonen nicht so geschmeichelt worden ist, wie jetzt der Masse geschmeichelt wird l Und niemals ist Fürsten so viel Weihrauch gestreut worden, wie jetzt dem Demos. Ten König Demos umgibt ein Schmeichlerkreis, mindestens so schamlos wie der Schmeichlerkreis der Fürsten (lebb. Beifall rechts). Auch in der sozialdemokratischen Presse findet man in dieser Hinsicht ganz achtbare Leistungen (Heilerkeit). An Banchrntschen und Schweifwedeln ist sie allen andern über I (Heiterkeit, links Gelächter.) Das können Sie mir glauben. Noch eins: Herr Bebel gedachte einer Reise, die meine Fran seinerzeit nach Wien gemacht haben soll, um zu verhindern, daß ich nach Berlin käme als Ministerpräsident. Die Erzählung ist ja sehr schön, sie hat aber nur einen Fehler, sie ist nicht wahr. (Stürmische Heiterkeit.) Wahr ist ja, daß mir schwer geworden ist, Nom mit Berlin zn vertauschen. Es ist ja nicht immer das angenehmste, Minister zu sein (Heiterkeit.) Aber das darf mir doch am wenigsten Herr Bebel Übelnehmen, der seit 10 Jahren alles Erdenkliche tut, um mir das Leben sauer zu machen. (Stürmische Heiterkeit.) Endlich hat Herr Bebel noch ein trauriges Bild von der Stellung eines Reichskanzlers entworfen, derselbe sei ohne Einfluß, unselbständig usw. Nun, dem mutz ich doch die Aeußerung von Zentrumsblättern entgegenhalten, so der „Germania", die da meinen, der Reichskanzler Bülow fei zu einflußreich, zu selbständig, zu mächtig geworden. (Heiterkeit.)^ Die „Germania" behauptete sogar, ein preußischer Prinz habe neulich gemeint, der Bülow werde für die Hohenzollern zu mächtig (stürmische Heiterkeit), wenn er es so weiter treibe! Nun, den preußischen Prinzen möchte ich sehen, der das gesagt hat! (Er. ncute Heiterkeit.) Die Wahrheit zwischen jener und dieser Ansicht wird ja wohl in der Mitte liegen: wir leben jetzt in einer Zeit, wo die Minister sich gar nicht so sehr fürchten vor der Tyrannei von oben. Was ein Minister zu fürchten hat, ist höchstens die Entlassung! Und ich glaube, so schön ist das Dasein des Ministers doch nicht, daß er sich vor der Entlassung fürchten sollte! Fürchten sollte man aber und muß man — Sie Tyrannei von unten! (Stürmische Bravos.)
Hierauf Vertagung.
Morgen 11 Uhr Fortsetzung. Schluß nach 6*4 Uhr.


