^kicherweise noch nicht gewichen ist. Wir wollen hoffen, daß (unter um die städtischen Interessen hochverdienter Mitbürger bald wiederhcrgestellt sein wird.
* * Personalnachrichten. Tas Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren tvurde verliehen dem Johann Joseph Brand zu Bod-dLuiheim. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspir-auten Karl .Kreutz aus Dauernheim, im Kreise Büdingen, die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glaub erg.
* * Erledigt sind die Forstwartstellen der Forstwartci Walldorf, Oberförsterei Mörfelden, und der Forstwartei Seidenbuch, Oberförsterei Lindenfels.
• • Regimentsbesichtigung durch den komm. General Exz. v. Eichhorn wird Ende nächster Woche hier stattfinden.
* * Soldateumißhaudlung. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ließ der Regiments-Kommandeur gestern mittag den Feldwebel Steinmetz und den Sergeanten Ochsenhirt der 6. Komp, unter dem Verdacht der Mißhandlung von Untergebenen verhaften und beantragte gleichzeitig die Einleitung der k r i e g s g c r i cb t- lichen Untersuchung. Wenn auch in der Kürze der Zeit die Vorgänge noch nickt völlig geklärt werden konnten, so steht doch soviel fest, daß am Freitag, den 31. Mai, abends von 6.15—7.15 Uhr eine Abteilung- von etwa zehn Mann der 6. Komp, nachexerzieren sollte und zwar unter Sergeant Ochsenhirt und der Oberaufsicht des Feldwebels Steinmetz. Obwohl beide Unteroffiziere jede Sü)uld einer Ueberanstrengung der Mannschaften auf das Bestimmteste bestreiten, ein Teil der Leute selbst behauptet, es sei nur sehr stramm exerziert worden, so steht doch bereits einwandfrei fest, daß sofort nach dem Exerzieren fünf Mann unter Erscheinungen erkrankten, die nach Ansicht der Aerzte auf eine unerlaubte Ueberanstrengung der Leute zurückzuführen sind und keinesfalls ebensowenig in der allerdings außerordentlich schwülen Gewitterluft des Abends des 31. Mai noch in dem Juligepäck eine genügende Erklärung finden. Tie Anlegung dieses Gepäckes zu befehlen, war der Kompagnie-Führer nach der Tis- ziplinarstrafordnung an und für sich völlig befugt. Er konnte sogar, wenn er wollte, die feldmarschmäßige Beschwerung anordnen. Es ist aber auch nicht anzunehmen, daß bei einem einstündigen normalen Exerzieren unter dieser Beschwerung die die Mannschaften sonst auf Märschen und Uebungen stundenlang tragen, solche Erkrankungen entstehen. Diese können in einer zu schnellen und unvernünftigen Steigerung der Uebungen ihre Erklä- j'rmr-g finden, die die eingeleitete kriegsgerichtliche Untersuchung möglichst schnell herbeiführen wird. Das einzig Erfreuliche an dem betrübenden Vorkommnis ist, daß drei heute bereits völlig gesund sind und die Genesung der beiden anderen unmittelbar bevorsteht.
♦ * Wied er ein Unfall auf der Auto renn st recke. jS)em »Franks. Generalanz." wird ans Graevenwiesbach gemeldet: Ain Sonntag morgen stießen aus der Rennstrecke zwischen hier und Einhaus der Rennwagen 3c der Firma Oppel und ein Wagen der Adlerwerke zusammen. Beide Wagen wurden stark beschädigt, Personen wurden nicht verletzt.
** Eine Künstlerin in Filigran arbeit, Fräulein Josepha Theben, welche unlängst dem Kaiser einige ihrer Er- , -euguisse für die Kaiserin persönlich zu überreichen Gelegenheit hatte und bei dieser Gelegenheit aus kaiserlichen! Munde die Versicherung erhielt: „Meine Frau wird sich über diese schönen Arbeiten sicherlich sehr freuen", wird hier auf kurze Zeit in ihrer Wohnung, Landgraf Philipp-Platz 6, I, Unterricht in der Herstellung von Filigranarbeiten erteilen. Die anmutige Kunst ist leicht zu erlernen und für die Herstellung der verschiedenartigsten Schmuck- und Putzgegenstände sehr verwendbar. Eine besonders schöne Wirkung wird mit der Herstellung von Blüten in farbigen, glatten und gewundenen Fäden erzielt. Proben , ihrer Leistungen hat Fräulein Theben in dem Erker des Reiß'sche». i Schuhgeschäfts, Mäusburg 12, ausgestellt.
"* In unserem gestrigen Bericht über die Gau- turnsahrt des Gaues Gießen muß es heißen: 5. Preis mit '29 Punkten Ehr. Schmidt vom Turnoereiit Gießen (nicht Alsfeld).
wg. Großen-Linden, 3. Juni. Der hiesige Gesangverein »Germania" nahm am Sonntag am Gesangs- Wettstreit in Siegen teil. Unter sehr starker Konkurrenz errang er den 2. Preis. Der Verein unter Leitung des -Dirigenten Harnisch aus Steinberg wurde schon verschiedene Male preisgekrönt.
- t. Lang-Göns, 3. Juni. Herr Anton Velde beabsichtigt von feinem soeben neu errichteten zweistöckig-massiven Wohnhausanbau die Vorderwand wieder a b z u b r e ch e n und neu aufzuführen. Der Anbau steht etwa 50Ztm. hinter den Nachbargebäudcn zurück, was tatsächlich einen wenig schönen Eindruck macht.
Bad-Nauheim, 3. Juni. In nächster Zeit wird Universitäts-Profcffor Dr. Voit, der neue Leiter der medizinischen Klinik in Gießen, mit seinen Assistenzärzten und Herren seines Kollegs unserer Badestadt einen Besuch ab- statten. Neben den Bädern interessiert cs die Herren besonders, die Einrichtung des Konitzky-Stiftes, welches seinerzeit Frau Konitzky aus Bremen erbauen ließ, kennen zu lernen. Für einige Zeit später steht der Besuch dec medizinischen Fakultät Marburg in Aussicht.
(k-) Friedberg, 3. Juni. Tie Verwaltungsbehörde unseres Kreises ist fortgesetzt bestrebt, für die Orte bessere Verkehrs- und Verbindungswege zu saiaffen. So wurden in den letzten fünf Jahren für Straßcnneubauten nahezu 300 000 Mark aufgewendet, es wurden neun neue Straßen erbaut und vier umgebaut. Gegenwärtig ist die Straße Heldenbergen —Groß-Karben mit Abzweigung nach Kaichen im Bau Legriffen, die einen Kostenauswand von 124 000 Mark erfordert. Für Verbesserung der Fußsteige an den Kreisstraßen wurden in den letzten fünf Jahren 27 000 Mark verausgabt. Einige weitere Kreisstraßen sind für die nächsten Jahre projektiert. Die Kreisverwaltung hat die Kreisumlagen für 1907 von 235 000 Mk. auf 245 000 Mark erhöht.
au Ulrichstein, 1. Juni. Zu dem am 15., 16. u. 17. Juni hier stattfindenden Bundesfeste des Vogels- berger Sängerbundes, verbunden mit Fahnenweihe unb 10 jährigem Stiftungsfeste des Männergesangvereins Ulrichstein sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Auf die an die Bundesvereine, sowie an die benachbarten Gesaug- und Kriegervereine ergangene Einladung haben etwa 30 Vereine ihr Erscheinen zugesagt. Ein stattlicher Festzug wird sich am Hauptfesttage, dem 16. Juni, durch die Straßen unseres Landstädtchens nach dem geräumigen Festplatze bewegen. Voran schreitet die Schuljugend, eskortiert von Mitgliedern des hiesigen Radfahreroereins. Dann folgen die Festdamen mit der neuen Fahne und hierauf die Ehrengäste und der Bundes- refp. Vereinsvorstand. An diese reihen sich
die erschienenen Vereine. In dem Festzuge werden drei Musikkapellen marschieren. Vorgetragen werden nach Ankunft auf dem Festplatze und der Weihe dec neuen Fahne durch den Octsgeistlichen Pfarrer Hartmann, außer Einzel- chören zwei Massenchöre: „Das deutsche Lied/ von Kalliwoda und „Berglied", von Kücken. An den Massenchören beteiligen sich die etiva 200 Sänger der Bundesvereme des Vogelsberger Sängerbundes. Dirigiert werden diese von dem Bundesdirigenten K. Appel. Für den Abend des Haupt- Festtages ist großes Feuerwerk mit darauffolgender bengalischen Beleuchtung des Schloßberges und seines im vorigen Jahre erbauten Turmes vorgesehen. Wenn das Wetter günstig ist, so wird die Zahl der Festteilnehmer voraussichtlich sehr groß werden. Der Verein hat daher als Festplatz eine große trockene Wiese ausgewählt. Mit der Umzäunung soll demnächst begonnen werden. Die Festhallen stellt die Freiherrl. Riedeselsche Bierbrauerei in Lauterbach. Die Festwirtschaft ist an den Vereinswirte, Karl Behrmann vergeben.
v. Alsfeld, 3. Juni. Für unsere Stadt bildet die in nächster Woche bevorstehende Inbetriebnahme des neuen Schwimmbades, das einer Anzahl hiesiger Bürger seine Entstehung verdankt, ein höchst begrüßenswertes Ereignis, da wir bisher eine derartige Anstalt völlig entbehrten. Die Arbeiten wurden Anfang März begonnen. Das Bassin hat eine Länge von 26 Meter und eine Breite von 14 Meter und ist für Schwimmer und Nichtschwimmer eingerichtet. Eine gedeckte Halle mit acht Kabinen vervollständigt das Ganze. — Das hessische Wander-Tuberkulose-Museum gelang hier vom 22. Juni bis eiuschl. 7. Juli in der Turnhalle zur Aufstellung.
B. (Webern, 3. Juni. Gestern tagte hier die 26. Hauptversammlung des Vogelsberger H ö he n k lu b s. 16 Zweigvereine hatten Delegierte zur Vertretung von 920 Mitglieder entsandt. Die Beratungen fanden im „Bergwirtshaus" unter Leitung des Vorsitzenden Forstmeister Dieffenbach- Schotlen statt. Nach v em Geschäftsbericht bestehen zurzeit 20 Zweigvereine mit über 1000 Mitglieder. Die neugegründete Sektion „Hoherodskops" mit dem Sitz in Breungesheim wurde einstimmig ^ausgenommen. Annahme fand der vom Zweig- Derer n „Tauf ft e i n" i n Gießen eiugebrachte Antrag, bas Klubhaus al u f dem 5) o h e r o bskopf unter einem Kosten- anfwanb von ea. 6000 Mk. nach den von der Firma W i n n u. C o. zu Gießen entworfenen Plänen auszubauen. Dasselbe genügte, nachdem im vorigen Jahr die Zahl der Uebernachtungen auf 403 gegen 199 im Jahre 1905 gestiegen war, nicht mehr allen Anforderungen. Die Pläne sehen namentlich neue Schlafräume, Wasserleitungs- und Telegraphenanlagen vor. Die erhöhte Frequenz, 3068 Einträge im Fremdenbuch bezeugen diese, ist namentlich durch die zahlreichen SkiläuferausGießenim vorigen Winter zurückzuführen. Für ein ausscheidendes Vor - tands Mitglied des Gesamtvereins wurde Zahnarzt Jäger vom Zweigverein Taufstein in Gießen neugewählt. Die Sektion Taufstein ist die zweitstärkste des Verbands und zählt zurzeit 117 Mitglieder. Anfangs Juli findet die feierliche Grundsteinlegung zu dem im Bau begriffenen Bismarckturm auf dem Taufstein statt, dessen Einweihung im September vollzogen werden soll. Die Versammlung beschloß, dem im vorigen Jahr ansge- treiencn Zweigverein Herchenhein die zu einem Aussichtsturm auf der Herchenhein^r Höhe bewilligten 800 Mk. nicht zur Verfügung zu stellen. Als Ort für die nächstjährige Hauptversammlung wurde Nidda bestimmt.
Darmstadt, 3. Juni. S. K. H. der Groß her zog empfing den Bildhauer Jobst, die Professoren Oswald von Laubach und Schier holz von Gießen, den Amtsrichter Tr. Minnich von Pfeddersheim und den Maler Hör st.
(sd.) Darmstadt, 3. Juni. Tie Besichtigung der Großh. Hess. 25. Kao.-Brigade durch den kommandierenden General fand heute auf dem Truppen-Uebungsplatz statt. Auch S. K. H. der Großherzog wohnte mit Gefolge der Uebung bei. Am Nachmittag sand Festmahl im Osftzier- kasino des Regiments statt.
Offenbach a. M., 3. Juni. Die Meldung, der Metallarbeiterverbandskasse sei zur Durchführung der Offenbacher Streikbewegung von unbekannter Seite eine Million Mark gespendet worden, ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß es sich lediglich um Zuwendungen deutscher und englischer Arbeiterorganisationen handelt. Eine persönliche Einzelzuwendung in Höhe von einer Million Mark ist nicht erfolgt.
Mainz, 3. Juni. Tas Großhcrzogspaar fährt morgen in einem Regierungsboot nach Koblenz; die Rückfahrt erfolgt im Automobil.
fc. Eltville, 3. Juni. Auf der Domäne Eberbach (Kloster) wurde dieser Tage ein Stück (1200 Liter) Steinberger T rockenbeer-Auslese zu dem enormen Preise von 69 640 Mark verkauft. Das dürfte wohl der höchste Preis fein, der jemals für Wein angelegt wurde. Ein Liter von diesem kostbaren Tropfen kommt danach auf 58,04 Mk. Ein StengelglaS voll kostet ungefähr 8 Mk.
sj Marburg, 3. Juni. Aus der Lahn wurde die Leiche eines 17jährigen Mädchens gelandet, das wegen eines ihm untersagten Liebesverhältnisses zu Hause weggelaufeu war. — Universitäts-Kassenrendant Rechnungsrat Beckmann beging heute fein 50jähriges Dienstjubiläum. Ihm wurde der Kronenorden 3. Klasse überreicht. — Im sog. Universitäts- dorf Caldern brannten gestern die Oekonomiegebäude der Pfeiffer'schen Mühle nieder. Sechs Schweine erlitten Brandwunden und mußten abgestochen werden.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. In Mainzlar will eine rheinische Firma eine Cha motte st einfabrik erbauen unb hat ein über zehn Morgen großes Stück Gelände angefanff. Die Fabrik wird Gleisanschluß an die Strecke Grünberg—Londorf—Lollar erhalten und soll ca. 200 Arbeitern Beschäftigung bieten. — In Lauterbach erlitten durch den Einsturz eines Gerüstes an einem Neubau zwei Maurer erhebliche Verletzungen. — Nach einer Mahlzeit erkrankten 35 Zöglinge des Rettungshauses Weilhof in Franken. Ein 14jähriger Knabe starb. Man vermutet Al e t a l l v e r g i f t u n g. — Bei Lotzen (Ostpr.) ist bei einer Bootsfahrt auf dem Löwentinsee infolge großen Sturmes ein Boot gekentert. Die Lehrerin Schmeichler und der Sekundaner F e l ch n e r sind ertrunken. — In Worbis (Eichsfeld) brach am Sonntag infolge einer Gasexplosion ein Großfeuer aus. Die Niederlage der Waffenfabrik Weinrich mit großen Vorräten ist abgebrannt. Ter Schaden ist bedeutend. — In Waizen (Ungarn) flüchtete ein Hutmacher, der im Streite seinen eigenen Sohn erschlagen hatte, in ein Haus und verteidigte sich einen ganzen Tag lang durch Reoolverschüsse gegen die Polizei unb die zu Hülfe gerufene Feuerwehr und Gendarmerie, die durch das Fenster schoß, ohne ihn zu treffen. Erst als ihm die Kugeln ausgingen und die Zinuuereinrichlung in Brand geriet, ergab sich der Mörder freiwillig.
Die laudwirtschaftl. Haushaltungöschule in Lindhcim.
(Original-Beriast des Gießener Anzeigers.)
Am Freitag sand die Schlußfeier des 1. Kursus für 1907 int Anitjültsgebäude zu Lindheim statt. Vom AÜnisterium war
Landesokonomierat Müller, vom Provinzialverem Der Präsident Oekonomierat Sch lenke, von der Landwirtschaslskammer bet zweite Vorsitzende Gutspächter Baeh< unb der Sekretär Tr. Müller anwesend. Der Vorsitzende des Kuratoriums Kreisrat Voeck'mann leitete die Feier. Von jetzt ab ist die Schule von der Landwirtschastskammer endgültig übernommen.
Die landwirtschaftliche Haushaltungsschule wurde im Jahre 1888 von dem landwirtschaftlichen Verein für die Provinz Ober- Hessen ins Leben gerufen in der Anschauung, daß nicht allein die jungen Landwirte, sondern auch die Töchter der Landwirte eine immer bessere Ausbildung erhalten müßten. Freiherr Adolph von N o r d e ck zur Rabenau in Friedelhausen gab die erste Anregung zur Gründung dieser ersten .Haushaltungsschule in Ober- Hessen. In der Begründung jejter Anschauungen hob er das alte Sprichwort hervor: Tie unwirtschaftliche Hausfrau eines Landwirts vermöge mehr in der Schürze hinauszutragen, als der Landwirt mit vier Pferden hereinschafsen könne. Tas solle heißen: eine unwirtschaftliche Landwirtsfrau könne im Haushalt mehr zu Grunde richten, als in der Wirtschaft erworben werde.
Ter im Jahre 1888 eröffneten Haushaltungsschule standen unsere oberhessischen Bauern anfangs mißtrauisch gegenüber. Tie Schule wurde mehr von außerhalb besucht, als aus Oberhessen. Tas sogen. Ausland, Hessen-Nassau re. schickte seine Töchter vorzugsweise. Schon seit mehreren Jahren i|t das anders geworden. Heute sind es vorzugsweise Landwirte der Provinz, die ihre Töchter in die Schule schicken, 25 junge Mädchen verließen am Freitag die Anstalt um zum 2. Kursus zum Teil wiederzukehren.
Mit Recht hob der Vorsitzende des Kuratoriums Kreisrat Boeckmann in fefner Ansprache hervor, baß das Aufblühen ber1 Schule in erster Linie zu banken sei dec Vorsteherin der Schule' und ihrer Assistentin. Aber auch die Mitglieder des Kuratoriums, insbesondere auch Frau Oekonomierat Wester nacher in Lindheim, haben in all den vergangenen Jahren unter oft recht mißlichen Verhältnissen mutig und hingebend das Ihre getan, um die Schule in den guten Ruf zu bringen, in dem sie jetzt steht. Vertrauensvoll schicken die Frauen der Landwirte ihre Töchter jetzt nach Lindheim in dec Gewißheit, daß ihre Kinder dort in ausgezeichneter Weise gefördert und erzogen werden.
Es ist gar nicht zu wümchen, daß die Laushaltungsschule noch zahlreicher als bisher besucht werde. Dadurch würde die Ausbildung der einzelnen Schülerin leicht leiden. Nur die Bestbegabten würden gesördert werden. Die Lehrerinnen würden außer Stande sein, sich mit jeder einzelnen Schülerin besonders abzugeben, auf ihre Eigenart besondere Rücksicht zu nehmen.
Heute bauert der Kursus nur fünf Monate, er sollte aber acht bis zehn Monate dauern. Eine solche Anforderung durste der Provinzialverein im Jahre 1888 noch nicht machen. Heute, wo ber gute Ruf ber Anstatt fest begrünbet, bas Vertrauen ber Saiibtoirte gewonnen ist, ließe sich bas burchführen. Haben sich verständige Eltern doch schon oft dahin geäußert, daß die fünfmonatliche Schulung' in so mancherlei Aickeiten des Haushaltes zu kurz sei. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, baß bie jungen Mädchen schon mit 15 bis 16 Jahren die Schule besuchen. Wie leicht verliert sich nach dem Verlassen der Schule schon nach fünf Monaten ber günstige Einfluß, der doch für bas ganze Leben vorhalten soll. Bei etwas leicht angelegten Naturen ist bas mit Sicherheit zu erwarten, wenn nicht wenigstens auch der zlveite Kursus besucht wird, was aber in der Mehrzahl der Fälle leider nicht vorkommt.
Die Vertreter der Landwirtschastskammer äußerten sich dahin, baß auch diese in der Folge die Haushaltungsschule in ihre Obhut nehmen würde gleich bem landwirtschaftlichen Pro- viuzialoerein. An dem guten Willen, diese vorzügliche Einrichtung auch in der Folge hochzuhalten, kann nicht gezweifelt werden. Wir wünschen der Landwirtschaftskammer, daß es ihr gelingt im besonderen Interesse der landwirtschaftlichen Be- völkerung der Provinz Oberhessen._____________________________
Vermischte*.
* Schneefall in der Schweiz. Die kalte Witte- rungi der letzten Tage hat in manchen Gegenden der Schweiz noch einmal den Winter zurückgeführt. So schneit es seit Sonntagnacht wieder kräftig in den höheren Lagen der Schweiz. Tie Bergstationen auf dem Gotthard, Rigi, Pilatus und Säntis meldeten gestern bei starkem Schneefall tiefe Temperaturen.
* Die Entwicklung der jüdischen Vermögen in Frankfurt a. M. Alexander Dietz.gab jüngst ein Stamm- buch ber Frankfurter Juden heraus. In diesem Werke wird auch die Geschichte der „größeren Judenoernrögen" behandelt. Ein allgemeines Interesse entfesseln in diesem Werke die Untersuchungen über bie Entwicklung ber jüdischen Vermögen in Frankfurt c.«. M. Die Tabellen des Tr. Dietz basieren im wesentlichen auf den Steuerlisien. Nach einem Referate Dr. Hammerans über daS Dietzsche Buch in der „Frkft. Ztg." zahlten vonl360—1391 eine Anzahl Juden als höchsten Steuerbetrag 50 bis 60 Gulden, ein sehr hoher Betrag. Gegen djas Jahr 1800 wurde das jüdische Gesamtvermögen, ohne das Vermögen dec Gemeinde und der Stiftungen, auf mindestens 6 Millionen Gulden geschätzt; davon besaßen zwölf Familien nahezu die Hälfte: bie Speyer (604 OOu Gulden), Reiß-Ellissen (fast 300 000, Haas (Kann, Stern), Schuster (Getz, Amschel), Goldschmidt, May, Oppenheimer, Wertheimber, Flörsheim, Rindskops, die Roll)- schild (109 375), Sichel. Im Jahre 1799 wurde gelegentlich der Zahlung der französischen Kriegskontribution das wahre Vermögen der Juden festgestellt und es ergab! sich, daß von 753 Steuerzahlern 111 einen Besitz von 10OOU Gulden unb mehr aufzuweisen hatten, was einen enormen Prozenfsatz der wohlhabenden Leute in der Judengasse ausmacht, wenn man den damaligen Wert des Geldes in Betracht zieht. 44 besaßen je über 30000 Gulden.
* Kein Weib geküßt. In Genua starb, wie von dort berichtet wird, dieser Tage ber älteste Mann der Stadt, Jean Brun, im Alter von 102 Jahren. Der Tod ereilte ihn beim Frühstück, während er in aller Ruhe sein Pfeifchen rauchte und seine Morgenzeitung las. Gelegentlich seines 100. Geburtstages hatte Brun seinen Freunden und Bekannten ein Frühstück gegeben und währenddessen folgende kleine Rede gehalten: „Ich werde heute 100 Jahre alt. Während meines ganzen Lebens habe ich niemals einen Arzt konsultiert, noch irgendeine Medizin eingenommen. Ich habe stets geraucht und Alkohol geitoffen, soviel mir schmeckte. Dafür habe ich aber auch mit Ausnahme meiner Mutter nie ein Weib geküßt."
* Kleine Tagesmrvnik. Auf der Strecke Metz-Saarbrücken wurde auf der Schanzeubergbrücke ein Bahnarbeiter, welcher das Geleise überschritt, von einem Schnellzuge getötet, ebenso ein Rottenführer, ber den Mann zurückziehen wollte. — In Essen gab em Italiener in einer Wirtschaft auf den Vertreter des Wirtes, Eduard Schott, mehrere Revoloerschüsse ab, weil dieser thrn die Verabfolgung von Getränken verweigerte. Schott starb auf dem Wege nach dem Krankenhaus. — Die 26 jährige Gattin des Triester Advokaten Vondrich wurde in der Nähe von Eg gen berg von einem Automobil überfahren und getötet. — In Sers erbau (Schles.) erschoß der 25 Jahre alte Zimmerer Scholz die 22 jährige Frau Auguste Nitschke und entfloh.
Arbeiterbewegung.
a Lauterbach, 3. Juni. Die hiesigen Maurer legten heute bie Arbeit nieder. Dem Streik haben sich bis jetzt die christl.-sozial. Arbeiter nicht angeschlossen.
Alzey, 3. Juni. Hier streiken so ziemlich sämtliche Berufsstände. Etwa 80 in der Götzschen Schuhfabrik beschäftigte organisierte Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt. — Die meisten der bei den Arbeiten am Neubau ber Irrenanstalt beschäftigten Erdarbeiter haben höhere Lohnforderungen gestellt unb gleich- alls die Arbeit eingestellt. Dabei streiken die Maurer, welche chon vor einiger Zeit in den Ausstand getreten sind, ruhig weiter. Zwei Baufirmen haben die Forderungen genehmigt und bei ihnen find eine Anzahl Leute in Arbeit getreten, die anderen sind meist abgereift unb arbeiten auswärts.
Frankfurt a. M., 3. Juni. In einer von etwa 5000 Personen besuchten Wetallarbeiteryerfammlung sprach


