Zweites Blatt
Nr. 128
157. Jahrgang
Dienstag 4. Jnni 1907
Erscheint ISgllch mit Ausnahme des Sonntags,
Die ..Siebener Zamitienblötter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblott für den Kreis Hießen" zweimal wöchentlich. Der „heffifche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberheften
Notationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersitütS - Buch- und Sttindruckeret.
9L Laag«, Lietzen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expeditton und Verlag > 6L Redaktion: 112. TeU-Adr^ An^eigerEletzen.
Fie eugüjchen Journalisten in München.
Münch en, 3. Juni.
Heute vormittag besuchten die englischen Journalisten gruppenweise die Sehenswürdigkeiten Münchens und statteten auch dem Hofbräuhause einen Besuch ab. Heute mittag hatten die „Münch. 92. 92achr." die englischen Gäste, die gesamte Münchener Journalisten- und Schristsrellerwelt zur Besichtigung ihrer, vor zwei Jahren erbauten und wegen ihrer praktischen Anlage und künstlerischen Ausgestaltung schon oft gewürdigten Geschäftsräume und zu einem glänzenden Frühstück geladen, wobei sich unter den Erschienenen etwa 200 an der Zahl, die fröhlichste Stimmung kundgab. Ter Verleger der „M. N. 92.", Thomas Knorr, brachte ein $od) aus die englischen Journalisten und das befreundete und große engliscye Volk aus. Dickiitson vom Reuterbureau dankte in deutscher Sprache in launiger Weise für den glänzenden Empfang in München und brachte ein Hoch auf die Münchener Presse aus.
Bei gutem Wetter umernahmen heute nachmittag die englischen Journalisten einen Ausflug nach dem Chiemsee. Nach der Besichtigung des Königsschlosses auf der Herreninsel erfolgte die Weiterfahrt nach der Fraueninsel. Auf der Fraueninsel veranstalteten Einheimische ein ländliches Fest mit Volksbelustigungen, Schuhplatteln, Jodeln, Wettrudern und anderen Vergnügungen, sodaß alle Anwesenden und nicht zuletzt die englischen Gäste in die fröhlichste Stimmung gerieten. Vor dem Verlassen der Insel hielt der Chefredakteur der „M. 92. 92." Dr. Trefz in englischer Sprache eine Abschiedsrede. Steeb erwiderte mit einer kurzen Rede, die mit einem herzlichen Gruße und „auf Wiedersehen" schloß.
Nach München zurückgetehrr blieben die englischen Gäste mit den hiesigen Herren noch eine Stunde im Fürstensalon des Hauptbat-nhofes vereint. In kurzen aber überaus herzlichen Abschiedsansprachen, wozu gegen zwanzig Redner deutscherseits und eriglifcherseits das Wort ergriffen, fand die hier Wirte unb Gäste beseelende Freundschaftsstimmung ikochmals lebhaftesten Ausdruck. Vor der Abfahrt des Zuges fanden sich auch der Verkehrsminister v. Frauendorfer und der österreichische Eisenbahnminister Derschatta ein. Gegen 11 Uhr erfolgte die Abreise der englischen Journalisten nach Frankfurt a. M.
Der Abschied gestaltete sich zu einer von herzlicher Wärme erfüllten Kundgebung. Auf dem Bahnsteig sangen die Gäste und die Einheimischen gemeinsam: „Deutschland, Deutschland über alles"", „Heil dir im Siegerkranz" und „God jave the fing". Unter den stürmischen Hochrufen der Münchener verließ der Zug die Halle.
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Das Präsidium des Komitees der engl. Journalisten hat vor der Wreise von Berlin an den Herzog zu Trachen- berg ein Schreiben gerichtet, das in Uebersetzung lautet:
Berlin, 31. Mai. Euerer Durchlaucht bitten wir vor unserer Abreise von Berlin, uns zu gestatten. Ihnen selbst und durch Sie den Mitgliedern des Einpfangskomitees unseren aufrichtigsten und tiefgefühlten Tank aussprechen zu dürfen für die uns während unseres hiesigen Aufenthaltes und überhaupt während der ganzen bisherigen Reife erwiesene Liebenswürdigkeit und Gastlichkeit. Tie für unser Wohlergehen und unseren Komfort von den Mitgliedern Ihres Komitees von Anfang bis zu Ende bewiesene Rücksicht hätte gar nicht größer sein können. Unsere Fahrten sind uns durch die unermüdliche Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit der Herren, welche die Güte hatten, uns zu begleiten und in Berlin sich unser anzunehmen sehr bequem gemacht worden. Ter Aufenthalt in Ihrer Hauptstadt war für uns eine Quelle l'Länbigen Interesses und Entzückens. Wir werden noch lange an der Erinnerung zehren an das von Ihrem Komitee veranstaltete großartige Bankett am Abend unserer Ankunft und an die herzlichen Worte der Begrüßung und des Entgegenkommens bei dieser besonderen Gelegenheit. Ebensorvenig können wir unseren Empfang durch den Lverbürgermeister und den Magistrat von Berlin in dem prachtvollem Rathausfaale vergessen, sowie die vornehme Gastlichkeit, die wir seitens der Handelskammer und im Meichs- tage erfahren haben, und die wirklich großartige Vorstellung, die uns heute Abend im Opern hause geboten wurde. Wir möchten ferner ehrerbietigst zum Ausdruck bringen unser Gefühls für die außerordentliche Ehrung, die uns der Kaiser hpt zuteil werden lassen, als er uns „in seinem Lande und in feinem Hause" willkommen hieß, wenn wir hier die eigenen gnädigen Worte Sr. Majeüäl, die er heute zu. uns in Potsdam sprach, zitieren dürfen. Zum Schluß möchten wir der Hoffnung und Zuversicht Ausdruck geben, daß dieser für uns selbst so denkwürdige Besuch in Deutschland Frucht tragen möge zur Förderung gegenseitiger Freund schaftundZuneigung zwischen unseren beiden Ländern. Ihre gehorsamen Tiener
Frederik W. Wilson, Präsident.
Frärik W. D i k i n so n, Ehrensekretär.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Juni. Ter Kaiser hörte heute den Vorttag des Chefs des Zivilkabinetts und at schließend den gememschaft- lichen Vortrag des Ministerpräsidenten und der Minister der Finanzen und für Landwirtschaft.
Nach einer amtlichen Mitteilung hat der Kaiser auf den in Ausficht genommenen Besuch des Borussenfestes inBonn verzichtet.
— Dem Landgrafen Chlodwig zuHessen-Philipps- tal wurde vom Kaiser das Grvßkreuz des Roten Adlerordens verliehen.
— Staatssekretär Graf v. P o s a d o w s k y, L>enior des Naumburger Domkapitels, ist infolge Präsentation des Kapitels an Stelle Boetlichers ins Herrenhaus berufen worden.
— Das Herrenhaus verwies heute den Gesetzentwurf wegen Abänderung des B e r g g e s e tz e s an die Kommission zurück, lieber eine Petition um Gleichlegung der Ferien der Volksschulen mit denen der höheren Schulen ging man zur Tagesordnung über. Eine Petitum um Gleichstellung des Gehalts der Lehrer in den Vororten mit dem der Lehrer in den zugehörigen Haupwrten wird der Regierung als Material überwiesen, ebenso Petitionen um Erhöhung der Volksschullehrerbesoldung.
— ^cm /Berncljmen nach beabsichtigen die freisinnigen Frak- tonen des Abgeordnerenhauics, ihren Anttag zur Wählt echts- reform^noch in dieser Woche zur Besprechung zu bringen.
— Frn Reichsiuftizamt trat heute die Konferenz von Vev- itetern der größeren Justizverwaltungen zusammen, um die Vor> schläge zu beraten, die vom Reichsjustizamt für die Organi- latian der trafge richte und für die des Strafprozesses vorgelegt worde:-. sind. Auf Grund dieser Beratungen
ale ReichstuinzVerwaltung, nachdem sie die Zustimmung der beteiligten preußiichen Reports gefunden har, die für den Bundes- rat beimnmte Vorlage fcstzustellen haben.
— In einem Streite mit der „Freis. Ztg." erklärte der „Vorwärts", daß ihm unter Umständen ein Konservativer lieber sei als ein Freisinniger.
— Heute traf hier bei Bekannten deS russischen Studenten Leibow, der bei den neulichen Massenverhaftungen russischer Studenten mit festgenommen war, eine Postkarte mit dem Poststempel Wilna ein, in der er mitteilt, daß er von der preußischen Polizei bereits am Tonnerstag bezw. Freitag voriger Woche an die russische Grenze transportiert, dort der russischen Polizei übergeben und nunmelw auf dem Transport zum Petersburger Polizei-Departement sei. (Vorwärts.)
Straßburg i. E., 4. Juni. Im Falle Curtius l)aben die vom Statthalter mit der Aufhebung bedrohten K o n s i st o r i e n Beschwerde beim Reichskanzler eingelegt. Die Blätter melden, daß der Statthalter den Präsidenten Curtius abermals briep lich ersucht I/abc, seine Demission einzurcichcn. (Frs. Ztg.)
Mannheim, 3. Juni. Heute fand die Schlußstcinlcgung und Einweihung des Mannheimer Jndustrie- hafcns statt. Anwesend waren das großherzogliche und ecb- großherzoglichc Paar, der Ministerpräsident und die Mehrzahl der 9Nitglieder des Ministeriums. Der Oberbürgermeister Dr. Ltto Beck hielt die Festansprache.
München, 3. Juni. Tie „Allg. Ztg." schreibt in ihrem heutigen Abendblatt: Erzbischof T r. Albert, von dem Bamberger Vertreter der „Allg. Ztg." befragt, ob er dem mit großer Majorität gewählten lib. Pfarrer Gra ndinger in Nordhalben die Ermächtigung zur Ausübung seines Mandats erteilen werde, erklärte, daß er den in seinen beiden Briefen an den Pfarrer Grandinger zu erkennen gegebenen Standpunkt voll und ganz aufrecht erhalten werde und aulrecht erhalten müsse, und daß er nur unter den darin nicdcrgclegten Bedingungen dem Pfarrer Grandinger die Ausübung seines Mandats zugestehcn werde, d. h., Pfarrer Grandinger müsse für entsprcä)ende seelsorgerische Vertretung bemüht sein und dürfe sich keiner be stimmten Partei an schließen. Er müsse, wie er in seinem Programm versprochen hat, als Heimarskandidal in den Landtag cintreten. Deshalb könne er seiner persönlichen Ueberzeugung Ausdruck verleihen, wann und wie er wolle; doch dürfe er, Grandinger, sich auS den ihm bekannten Gründen einer bestimmten Fraktion nicht an schließen. — Grandinger hat nun beim Erzbischof Albert brieflich um einen Stellvertreter während der Dauer der Landtags-Session und um die oberhirtlichc Erlaubnis ersucht, der liberalen Partei als Hospitant beitreten zu dürfen.
politische Tagesschau.
Die Praxis der russischen Bauernbank.
Man schreibt uns aus Petersburg:
Stolypin hat die Tätigkeit der Baucrnbank außerordentlich gelobt. Er will sie auch fernerhin unterstützen. Es wird daher interessant sein, einige sonderbare Tatsachen aus der Praxis der Bauernbank beim Landankauf hier rnitzuteilcn. Nur wenige Beispiele von vielen, die beweisen, daß die bisher beliebte merkwürdige Abschätzungsmethode keinen zufälligen Charakter trägt, sondern daß darin System liegt, das System, den großen Grundbesitz auf Kosten des Staatssäckels zu fördern.
In Wilna evoarb vor etwa acht Jahren im Bezirk Disna die Frau des Generaladjutanten Hesse ein Gut für 100 000 Rub. Im Jahre 1904 teilte Frau Hesse ein wertvolles Grundstück, das ein Jahreseinkommen von 2000 Rub. bringt, für sich ab, und verkaufte ihren übrigen Grundbesitz der Bauernbank. Tie Taxatoren der Bank schätzten das angebotene Gut bereits mit 120—149 000 Rub. cm. Tamit nicht zufrieden, schickte die Verkäuferin die Einschätzungsakten nach Petersburg. Infolge gewisser Einwirkungen stieg in den Petersburger Kanzleien die Einschätzungsfrimmc schon auf 200—220 000 Rub. Aber dieOrts- bauern, die früher mit der Bank wegen Ankauf des Gutes verhandelten, wollten den neuen Preis nicht zahlen. Tie Bank ließ ihnen 65 000 Rub. nach, die Bauern hielten aber noch immer den Preis für zu hoch. Tie Preisermäßigung um 65 000 Rub. erklärten die Bankbeamten als ein befänderers Geschenk seitens der Regierung an die Bauern. Das sind die Vergünstigungen, von denen Herr Stolypin als von einer „Staatshilfe zum Bodenerwerb" sprach!
Glänzende Beispiele liefert auch die Bankfiliale in Woronesch. Tort haben die lokalen LandabjchätzungsLrmniissionen auf Grund genauer Untersuchungen Abschätzungsnormen für Landgüter int ganzen Gouvernement ausgearbeitet und den Bodenwen für eine Reihe von Jahren festgesetzt. Und nun zeigt sich, daß 1906 die Bankabschätznngen die festgesetzten Normen um 17—69 Rub. für die Tesjatinc übersteigen. In manchen Bezirken bezahlte die Bank sogar einen um 55—87 Prozent höheren Preis als in den letzten Jahren. Statt des normalen Preises von 83 Rub. für die Tesjattne bezahlte die Bank dem General Tschertkow für sein Gut (von 12 000 Desjatinen) 114 Rub. pro Desjatine. Im ganzen bezahlte die Woronescher Bauernbanrsiliale im Jahre 1906 8 377 000 Rub., während die Abschätzung des erworbenen Landes seitens der Kommission bloß 5 713000 Rub. ausmachte, d. h. die Bank bezahlte 2 664000 Rub. mehr als der wirkliche Wert betrug.
Ende November 1906 kaufte die Bauernbank das riesige Rittergut des Grafen Liven. Ter Besitzer verlangte 3 700 200 Rubel. Tie Bank bot 200 Rub. (!) weniger. Herr Liven war natürlich auch mit einem solchen Preis einverstanden. Er gewahrte die Ermäßigung, da es sich doch um „Staatsinteressen" handelte!
Ter Adelsmarschall von Susdal (Gouv. Wladimir), Ragosin, verpachtete sein Gut für 1500 Rub. jährlich an die Ortsbauern. Letztere wollten das Gut kaufen, der Besitzer verlangte 80000 Rubel. Tie Bauern lehnten diesen Preis ab. Herr Ragosin wandte sich an die Bauernbank. Diese bestimmte einen Preis von 111000 Rub., .obwohl die normale Abschätzung nicht mehr als 74 000 Rub. ausmachte.
Tie Preise, die die Bäuembank zahlt, haben eine wahre Agiotage hervorgerufen. Sumpfboden, der 3—4 Rub. pro Tes- jatine kostet, wird der Bank zu 40 Rub. für die Tesjatine an* geboten. Und entspricht irgendwelche Filiale der Bauernbank den Wünschen der Herren Gutsbesitzer nicht, so werden die be- tresfenden Bankverwalter in Petersburg denunziert. Tie Ange- schuldigten werden bestraft, und die adligen Verkäufer bekommen den gewünschten Preis.
Unter solchen Umitändcn ist es nicht zu verwundern, daß der „Bodenfvnds" der Bank von Tag zu Tag steigt, ohne daß Aussicht besteht, ihn mit Erfolg den Bauern zu üüergeben. In vielen Orten lehnen es die Bauern wegen der hohen Preise entschieden ab, die ihnen von der Bank angebotenen Ländereien zu kaufen. So sorgt die Regierung für die notleidenden Bauern, indem sie die Großgrundbesitzer mit Prämien bedenkt.
Neues aus Rußland.
Die Reichsduma lehuie am Montag einen Gesetzentwurf des Justizministeriums betreffend die Verschärfung der Strafen ab, die auf die Verherrlichung von Verbrechen gefetzt sind, unh nahm den Anttag des Unterrichtsministers an, der dahin geht, die Verfolgungen wegen Des geheimen Unterrichts in Polen ein- zustellcn. Im Saure der Teoaite bei letzterem Anträge griffen mehrere polnifche Redner in heftigen Worten den Unterricyts- minijter an, der noch ihrer Auftcht nur bestrebt fei, mit Hülfe
der Rcgicrungsfchulen die Polen zu runijrieien Das Haus besprach dann einen Antrag des Ministers des Innern auf Nichtzulassung derjenigen Personen zum Heere, die unter polizeilicher Aufsicht Heben ober seilens der Verwaltung DorbeugungSmaßregcln unterstellt sind. Tie mit der Prüfung der Vorlage beauftragte! Kommission sprach sich gegen die Annahme derselben aus, da sie sich nicht in HecreSangelegenheiten auf den Standpunkt des Ermessens der Polizei stellen könne. Ter Gehulse deS Ministers des Innern betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen Revolutionäre, die sich in das Heer einjubruigen bemühten. Mehrere Redner legten die Unzulänglichkeit und Ungerechtigkeit von Maßnahmen nach der Art der vom Minister des Innern eingcbraditeii Gesetzesvorlage dar. Tie Duma verwarf darauf den ministeriellen Entwurf mit großer Mehrheit.
Odessaer Mitglieder des VerümideS des russischen Volkes begannen, unter deut Hause des Veroaiidsvorsitzendcu Kvnowmvnr eine Mine zu graben in der Absicht, sie mit Dynamit und Waffen zu füllen, um dann nach rechtzeitiger Entdeckung die Juden einer Verschwörung gegen das Leben Kvnownitzins beschuldigen zu Ion neu. Ti.' PtAvolation mißlang jedoch dank der Unvorsichtigkeit eines Verbandsrnitgliedes. ^luuiuauvanann wird eine strenge Unlerfuchung des Vorgänge-? oorgenommen.
Ausland.
Christiania, 3. pun.. ;au|cr Wilhelm trifft in den ersten Julitagen in ÄvpLrvik, einer Lotscn-Station bet St. Avanger ein, um von dort aus die Nordl'andrcise zu beginnen.
Kopenhag en, 4. Juni. Der deutsche Kaiserbe such in Dänemart, der für die ersten Tage des Juli vorgesehen ist, wird aus Schloß Fredensborg in Nordseeland ftattfinden.
Paris, 3. Juni. Unbekannte griffen gestern abend in Le Bourget aus der Straße eine Gruppe junger Leute, die zu einem katholischen Jünglingsverein gehören, und bei der auch der Vorsteher des Vereins, Wbö Firmerie sich befand, mit Revolverschüssen an. Mehrere Personen, darunter Firmerie, rvurden verwundet; ein Verwundeter ist nachts seinen Verletzungen erlegen. Untersuchung ist eingeleitet.
—. Die Deputierienlammer nahm heute den Gesetz-Entwurf zur Sicherung der geheimen Stimmabgabe und der Redlichkeit der Wahlaperationen an.
M a d r i d, 3. Juni. Heute begannen die Verhandlungen des Prozesses wegen 9Nordversuchs gegen den König und die Königin am Hochzeitstage vorigen Jahres. Angeklagt sind 7 Personen, darunter die Anarchisten Ferrer und Nackens. In verschiedenen Straßen waren heute anarchistische Maueranschläge angebracht, in denen Freisprechung der Angeklagten gefordert und für den Fall ihrer Verurteilung mit Gewalttaten gedroht wird. — Bei dem Verhöre sagt Ferrer aus, er habe nicht gewußt, daß Morales zur Zeit der Reise des Königs Alfons nach Paris Bomben dorthin gesandt habe. Von der Explosion der Bombe am 31. Mai habe er mit Ueberrascbung Kenntnis erhalten. Er sei durch diesen Vorfall verhindert worden, seine Absicht, nach Paris zu gehen, auszuführen. Ferrer bestreitet, daß er Morales Geld vorgefchossen habe, damit dieser während der Hochzeitsseierlichkeiten nach 9Nadrid kommen tönne, sowie, daß er ihn 92ackens empfohlen habe.
Nom, 3. Juni. Der Papst empfing gestern ein sehr herzliches Glückwunschtelegramm von Kaiser Wilhelm zu seinem Geburtstage. Der Papst ant- .wortete mit Ausdrücken herzlichen Dankes.
Wien, 3. Juni. Die „92. Fr. Pr." meldet, es sei nun* mehr zweifellos, daß eine einheitlichedeutschePar- tei im Parlamente nicht gebildet werde. Es würden sich einzelne deutsche Klubs bilden, so die deutsche Fortschrittspartei, die deutsche Volkspartei, die Deutsch-Agrarier und die deutsch-radikale Partei. Für das Zusammengehen in nationalen Fragen werde eine Organisation geschaffen, ähnlich dem deutschen Vollzugsausschuß im früheren Abgeordnetenhaus, welche auch die Fortschrittspartei und die Wiener frei)innigen Abgeordneten ausnehmen würde.
— Tie freien Alldeutschen hielten gestern hier unter dem Vorsitz Karl Hermaiin Wolfss einen Parteitag ab und beschwsfen, den 'Namen der Partei in deutschradikale umzuwandeln und sich unter dieser Bezeichnung dem allgemeinen deutschen Parteiverbande einzureihen, aber ihre Selbständigkeit dabei zu wahren. Tas Kompromiß, das bei den Wahlen mit den Christlich-Sozialen abgeschlossen und zur Unterstützung der christlich-sozialen Kandidaten nötigte, wurde von mehreren Mitgliedern des Par- leiverbandcs gerügt.
Washington. 3. Juni. Ein Runderlaß des Staatsdepartements gibt den amerikaiiischen Konsularoertretern in allen Ländern bekannt, daß die mit Deutschland vereinbarten abgeänderten Zollabfertigungs-Vorschriften am 1. Juli in Kraft traten. Tie Aenderungen werden nicht allein bei Der Einfuhr aus Teutschland, sondern gleichmäßig bei der Einfuhr aus allen Ländern an* gewanot. Dadurch dürste hinsichtlich der Stellung Frankreichs in der Tarifsrage eine Lösung geschlissen werden.
— Tie Regierung hat die Mitteilung über den neuen Tarifv ertrag mit Deutschland zu dem Zwecke ausgegeben, die extremen Schutzzöllner über die Wirkung des neuen Abkommens zu beruhigen. In dieser amtlichen Mitteilung wird ausgesührt, daß Amerifaviel mehr Vorteile von dem neuen Vertrage genießt alSTeutschland. Amerikas Gewinn wird in Zissern auf etwa 7 Millionen Dollar berechnet, während der Gewinn Deutschlands sich aus 200000 Dollar beschränken soll.
Konstantinopel, 3. Juni. Jnsolgc energischer Beschwerde des persischen Gesandten, daß türkische Kurden die persischen Rebellen unterstützen, trifft die Psorte Vorkehrungen, um einen Uebertrüt bewaffneter türkischer Untertanen nach Persien zu verhindern.
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Aus Stadt und Land.
Gießen, 4. Juni.
•* Plötzliche Erkrankung. Wie wir erfahren, ist gestern nachmittag dec Sladtv. Kirch während der Vorbereitungen zum Ostafrika-Basar, denen er sich mit außerordentlicher Hingabe widmete, plötzlich auf der Liebigshöhe von einem schweren Unwohlsein befallen worden, das bebauet-


