Ausgabe 
2.3.1907 Viertes Blatt
 
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den

Sauheerdcnton ist ja Mordbrenner u. bergt. (Lochen bei den Sozd.) Klone erbeben wollen. Klassenjustiz. Sie sehen

erfordere große Geduld und würde viele Millionen kosten. Ich habe das Wort ..Millionen" gar nicht in den Mund genommen, ich habe nur Dun Sessionen gesprochen, und Sessionen sind immer billiger als Millionen. Dann bat der Abg. Singer auch von den nimmersatten Agrariern gesprochen und gesagt, das Volk würde ausgebeutet zu Gunsten dieser nimmersatten Agrarier. Wie steht es denn damit? Man stellt immer gern Deutschland und Eng­land gegenüber. Wer eigentlich die Mär aufgebracht hat, daß England ein Freihandelsstaat sei, möchte ich wissen. Im eng­lischen Unterhaus wurde jüngst festgestellt, daß in England auf den Kopf der Bevölkerung an Zöllen gezahlt wird 12 Sh-, in den Vereinigten Staaten 11, in Deutschland 8. (Hort!) Ich habe diese Berechnung nachprüfen lassen und gefunden, daß England zur Zeit pro Kopf 15,8, Amerika 14,95, Deutschland 10,49 an Zöllen zahlt, und zwar sind die Zölle bis zu der genannten Summe aufgest'eg'n von 11,2 in England, von 12,64 in Amerika, von 8,89 in Deutschland. Unsere Differenz ist also nicht so groß wie dort. In England tragen diese Zölle den Charakter von Finanzzöllen, und sie werden erhoben auf Zucker. Tee, Wein, Tabak. Kakao, Kaffee und getrocknete Früchte, also auf Gegen­stände, die bei den englischen klimatischen Verhältnissen unent­behrliche Lebensmittel sind, während die 10,49 bei uns sich zum großen Teil auf Artikel verteilen, die von den weniger bemittelten Klaffen gar nicht gebraucht werden. Die Annahme ist also durch­aus irrig, daß durch den Zolltarif die minder bemittelten Klassen stärker belastet worden sind als in anderen Staaten. (Beifall.)

Soz.).

Das HauS vertagt sich. -

Nächste Sitzung: Sonnabend. 11 Uhr: Fortsetzung.

Schluß 6sz Uhr.

(Lachen bei den Soz.) Herr Schvpflin, mein Gegenkandidat, warf dem Neirhsverband vor, das; er dnrchgcsallene Abiturienten u. dgl. zu seinen Nedakleuren mache. (Sehr wahr! bei den Soz.) Herr Schöp'lin rühmte sich, daß er früher Hirtenknabe gewesen sei. Das ist zweifellos eine sehr nützliche Tätigkeit, aber ob es gerade die richtige Vorbereitung zum Chefredakteur ist, das ist eine andere Frage. (Heiterkeit und Sehr gut!)

Die bekannte Sektgeschichte, die Herrn Bebel so sehr erregt hat, ist nicht von nnS erfunden, sie hat in derInformation" ge­standen, einem Blatte, mit dem der Neichsverband nichts zu tun hat. (Lachen bei den Soz.) Herr Schöpflin aber hat die sckwarz-wciß-ro!e Flagge denSchmuhlappcn des Hottentotten­blocks" genannt. (Pfuirufe rechts.) Leider fehlt es für solche Dinge an einem Paragraphen iin Strafgesetzbuch, in Amerika würde man in solchen Fällen Lynchjustiz üben. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Wir haben jetzt zwei Bundes­genossen, der eine ist der Erfolg und der andere ist der bittere Has; und Ingrimm, der sich der besseren Kreise und besonders deS Mittelstandes bemächtigt habe über den schrecklichen Terror und den Boykott von feiten der Sozialdemokraten. Es ist eine jammer­volle Rache der Sozialdemokratie, aber diese Rache wird sich fühl­bar an Ihnen rächen.

Wir werden Ihnen bei den nächsten Dahlen auch Arbeiter­vereine enigegenstellen. Die Wahlen vom 25. Januar votieren nicht nur ein Volksgericht, sie waren ein Gottesgericht. .

Am dritten Tage des Weltgerichts, Ta kam vom Himmel der Herr des Lichts; Er stieß den Drachen vom güldenen Stuhl Mit Donnerkrachen hinab zum Pfuhl!

(Großer Lärm bei den Soz. Lelbhafter Beifall rechts und NnkS.) In fünf Jahren wird sich der Ritter Georg, das ist das deutsche Volk, nochmals erheben und Ihnen den Rest geben. Für feilte, rufe ich Ihnen nur ein kräftiges Vac victis! zu. (Lebhafter, an­haltender Beifall rechts, ironischer.Beifall und Hurrarufe bei

Wg. Winkler (kons.):

Das Bekenntnis der sozialdemokratischen Partei zur repu­blikanischen Staatsform ist keine innere Parteiangelegenheit. Der Reichskanzler hat daher die Pflicht, sich um die sozialdemokra­tischen Parteitage zu kümmern, da es hier heißt:Tua res agitur!" Herr von Payer verlangte eine Umgestaltung des preu­ßischen Wahlsystems. Das ist eine innere Angelegenheit Preu­ßens. und ich bitte mir aus. daß sie dem preußischen Landtag über­lassen bleibt. Preußen m<ß bleiben, was es ist: die Säule des Deutschen Reichs. Tie Polenangelegenheiten gehören gleichfalls nicht hierher. Wir sind auch der Ansicht, daß Bundesratsbevoll­mächtigte sich hierüber hier nicht zu äußern haben. Trotzdem hat die Art, wie Graf Posadowsky das getan, meinen vollen Bei­fall. Herr Schrader hat so getan, als ob es sich da um einen Kampf zwischen zwei gleichberechtigten Mächten handle. Davon ist gar keine Rede. Die Polen sind Untertanen des preußischen Staates und haben sich feinen Gesetzen zu fügen, sonst suhlen sie die ganze Schwere des Gesetzes. Die Aspirationen der Polen sind eine Fortsetzung der Wellenlinie von jenseits der Grenze. Man will auch bei uns russische Revolution spielen. Doch das giebts nicht. Dem muß mit voller Strenge ein Ende gemacht werden.

Der Reichskanzler ist in feiner Erwiderung gegen den Abg. Bebel fehr glücklich gewesen. Er hat sich mit Fug in der Rolle des Siegers gefühlt. Doch hob er gleichfalls mit Recht hervor, das; die sozialdemokratische Gefahr nicht beseitigt, sondern nur suspen­diert sei. Ter neue Reichstag mutz auf diesem Gebiet positipe Vorkehrungen treffen. Dazu gehören der Schutz des Mittel- standes und Maßregeln zum Schutz der Arbeits­willigen gegen sozialdemokratischen Terrorismus. Was die Anteilnahme unserer Regierung am Wahlkampf anlangt, so wellen wir allerdings einen unparteiischen Beamtenstand, aber man darf nicht vergeffen. daß wir daneben auch politische Beamte haben, und diese würden allerdings ihre Pflicht Versäumen, wollten sie im Wahlkampf nicht entschieden auftreten. Sie sind Organe der Regierung und müssen es bleiben. Es ist seiner Zeit hier ein Antrag eingebracht, wonach die Benutzung gestohlener Aktenstücke unfpr Strafe gestellt werden sollte. Die Erfahrungen der letzten Zeit lassen einen solchen Antrag wünschenswert erscheinen. Der Reichskanzler mahnt zu positiver Arbeit. Der Sturz von An­trägen, der in den letzten Tagen sich ergossen hat, zeigt deutlich, daß dies Haus sehr arbeitsfreudig ist. Wir legen den größten Wert darauf, daß die soziale Gesetzgebung weiter geführt und auch eine kräftige Mittelstandspolitik eingeleitet wird. Dazu gehört u. a. die Versicherung der Privatbeamten. Eine Reform der Reichsbank, die einen so hohen Diskont unmöglich macht, befür­worten wir ebenfalls. Ich freue mich, daß ich hier mit dem Abg. Gamp übereinstimme, was ich nicht von allen Punkten behaupten kann, die er berührt hat. Die Verteuerung der Lebensrnittel rührt nicht allein von dem Zolltarif her. Doch zeigt der Ausfall der Wahlen, daß wir beim Zolltarif daS richtige getroffen haben. Hoffentlich wird die erste Session reckt fruchtreich. In den letzten Sessionen sind viele Vorlagen unerledigt geblieben. Es wäre zu wünschen, daß alle diese Vorlagen jetzt noch erledigt werden, selbst wenn wir bis in den Sommer hinein zusammenbleiben werden müssen. Wir sind zum Arbeiten bereit, die Regierung muß jedoch die Initiative ergreifen und uns vorangehen.

bekannt. Worte wie Stinkbomben, bat man uns entgegengeschlendert. Ich habe gegen das betreffende Blatt bin aber abgewiesen. Sie klagen über aber, auch ich bekomme mein Recht nicht.

Institut des Herrn Dr. Kübel hier bestanden, darunter drei, die> früher nur die Boltsschule besucht hotten. - <_ f

** P a ü l Gerhardt-Feier. Ain 12. März d. Js) sind eS 3X5Jahre, seit Paul Gerhardt, der große Sänger der evangelischen Kirche, zu Gräfenhainichen geboren rourbeJ Ueberall rüstet sich die evang. Kirche zu einer würdigen Feier dieses für sie bedeutsamen Tages. Tas Oberkonsistorium in Darmstadt hat schon int Herbst zu dieser Feier Anweisungen gegeben, und in Stadt und Land wird eifrig dafür gearbeitet.' Unsere evang. Gemeinde wird, abgesehen von den Gottes^ diensten am 10. März, bet denen Paul Gerhardts gedacht werden wird, ihre Fe ter am Mittwoch, 13. März, in der Stadtktrche, unter Mitwirkung des Kirchengesangveretns/ der Knabcnchorschttle, sowie der Konzertsängerin Frt. Mathilde Kemp ff von hier, begehen. Den Vortrag dafür hat Prof. D. Smend aus Straßburg, ein genauer Kenner unseres Kirchenliedes und ausgezeichneter Redner, übernommen. Um auch den Geschäftsleuten den Besuch zu ermöglichen, wird die Feter um 8 Uhr beginnen. x

** Oe11entltche Lesehalle. Jin Februar wurden 2378 Baude auSgeltehen. Davon tommen aus: Erzählende Lite­ratur 1209, Zeujchrnten 473, Jugendschrtsten 256, Versdichlungen 59, Literaturgeschichte 3, Länder- und Völkerkunde 62, Kultur- geschtchte 12, Geschichte und Biographien 81, Kunstgeschichte 19, Naturwlssenscha't und Technologie 121, Heer- und Seewesen 9, Haus- und Land-.vlrtjcha" 12, Gejundheitslehre 21, Religion und Philosophie 20, Slaatswissenschast 8, Sprachwlssenschan V, Fremd- spcachliches 4 Bände. 9lad) auswärts tarnen 153 Bande.

** Aerztliche Mission. Nächsten Sonntag wird Herr Mission.^ S P a i ch , d.r Schwiegersohn des verstorbencit Miiswns- arzreS 2)r. Liebendörfer, der bei vielen unter uns noch in gutem Andenken steht, im Iohannessaal (nicht, wie zuerst mitgeteilt wurde, im Wiartussaal) einen Vortrag über ü rzt- liche Mission halten, um. d-durcy das Interesse für diese Sache, die mehr unü mehr zu einer Levens,rage jiir unsere Mis­sionen nicht nur, sondern auch jstr uniere Simonien, wuü>4

haben, wenn sie sich für meine Wahl interessiert hätten. UeberdieS hatte mir Herr Keim nicht als Vorsitzender, sondern als Mitglied des Flottenvcreins geschrieben. (Lachen bei den Sozialdemo­kraten.) Ich habe ihm mitgeteilt, daß ich in zwei Wahlkreisen kandidiere, daß ich in dem einen dem Bund der Landwirte und der Sozialdemokratie gegenüberstände, und in dem anderen aus­gestellt sei, weil man mich für den geeigneten Mann hielt, der Sozialdemokratie den Kreis zu entreißen. (Lacken bei den So­zialdemokraten.) Ich schrieb auch, daß ich in Mühlhausen voraus­sichtlich nicht in die Stichwahl kommen würde, da das Zentrum Stimmenthalturig übte.

Ick stelle ausdrücklich fest, daß die Parole deS Zentrum?, die gegen den Wunsch meiner katholischen Wähler war, direkt anS Fulda kam. Von einer Unterstützung des FlotleiivereinS habe ich in beiden Wahlkreisen nicht das mindeste gemerkt' kein Flugvlatt deS Flotten- verein? ist verteilt worden. Die Behauptiing, ich hätte in scham­loser Weife um die Gunst der Konservativen und deS Flottenvercins gebuhlt, ist einfach lächerlich.

Die Beeinflussung der Regierung zu meinen Gunsten gehört in da? Reich der Fabel. Die freien Söhne der ruhmreichen Berge wissen sich ihrer Gegner selber zu erwehren, sie brauchen keine Unterstützung von oben. Ich freite mich des Sieges des geeinigten Bürgertunis über die Sozialdemokratie. Jede Niederlage der Sozialdentokratie kann nur dem entschiedenen Liberalismus zugute kommen. Die Logik des Abg. Svahit braucht man nicht zu widerlegen. Also, weil mir jemand die Unterstützung der Regierung zugesagt hat, die ick weder erbeten, noch gewünscht, noch überhaupt gespürt habe, deshalb bin ich nicht mehr würdig, auf der Bank Eugen Richters zu sitzen! Eine solche Logik verfällt unrett­bar der Satire. Eugen Richter ivürde sich sehr darüber gefreut haben, daß es den vereinigten Bürgern und Bauern gelungen ist, den Bergischen Wahlkreis der Sozialdemokratie zu entreißen. Das Zentrum hat versucht, dielen Wahlkreis der Sozialdemokratie znzufchanzen, im selben Moment, wo ich nach meinen bescheidenen Kräften in Köln für meinen verehrten Kollegen Trimborn eintrat. Dies Unterfangen scheiterte aber an dem ge­sunden Sinn meiner katholischen Wähler. Die Wahlen haben ge­zeigt, daß das deutsche Volk stark genug ist, die Sozialdemokratie zu besiegen, wenn es nur einig ist. In diesem Zeichen werden wir siegen. (Beifall links.)

Abg. Hilpert (baljer. Bauernbund') führt aus, daß seine Freunde in nationalen Fragen nie versagt hätten Die Regierung müßte jetzt jedoch endlich Reformen bringen und für den Mittelstand sorgen, sonst würde bei den nächsten Wahlen ein Rückschlag kommen.

Abg. von Siebert (Reichsp.):

Der Kollege Hagemann wird beim Reichsamt des Innern ans führlich auf die Angriffe erwidern, die hier gegen den Neichsverband erhoben sind. Ick will nur mit wenigen Worten barleqen, was der Neichsverband ist. Der Neichsverband hat sich im Jahre 1903 gebildet, er ist hervorgegangen ans einer Bewegung des deutschen Volkes. Er hat rine große Bewegung zur Bekämpfung der Sozial­demokraten ins Leben gerufen, ist jedoch absolut unabhängig von der Negierung.

Der Silvesterbrief Ivar das erste Lebenszeichen, das mir von der Regierung erhielten. Die Soffaldemokratie hat uns bekämpft. Das war ihr gutes Recht. Aber wie hat sie uns bekämpft? Der

Abg. Eickhoff (frei). Vpt.):

Vom Wahlkampf ist genug gesprochen. Ich muß jedoch die schweren Angriffe zurückweisen, die der Sfbg. Spahn, gegen mich eröffnet hat. Ter Generalmajor Keim hat zwei Briefe an mich geschrieben. Deshalb hat mich derVorwärts" in einer Weste angegriffen, die selbst alles das hinter sich läßt, was er jemals gegen die edlen Sechs geschrieben hat. Ich verstehe die Wut der Sozialdemokraten ja wohl, denn ich habe ihnen eine ihrer Hoch­burgen entrissen. Nun kann man fragen, wie kommt Herr Keim dazu, mir einen Bries zu schreiben. Ich kenne Herrn Keim per­sönlich und habe ihn vor zwei Jahren auf einer Soiree dringend gebeten, seine Agitation einzuschränken, da sie mehr schaden als nützen würde. Herr Keim erkannte meine Argumente nicht als richtig an, und wir trennten uns dann in höflicher Form. Seit­dem habe ich von Herrn Keim nichts wieder gehört und nichts ge­sehen, bis ich seinen Brief erhielt, in dem er mir mitteilt, daß er sich für meine Kandidatur interessiere. Ich bin nicht unhöflich genug, um einem Mann, der nicht bloß ein braver Soldat, sondern auch ein Ehrenmann ist, die Antwort schuldig zu bleiben. Ich würde sie Herrn Sinaer und Herrn Müller-Fulda auch erteilt

'früheren Nichtwahler. Der Traum des Abg. Gröber, daß die katholischen Abgeordneten also eine konfessionelle Minderheit dauernd der Mehrheit ihren Willen aufdrängen, muß ein Traum bleiben.

Tie konfessionellen Gegensätze können wir ja leider nicht besei­tigen. Aber wir dürfen ihnen keinen Einfluß auf die Politik ge­währen. Und im übrigen müssen wir darauf vertrauen, daß bei dem Bündnis zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokratie (Protesttufe bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) dauernd ^as der Fall sein wird, was diesmal der Fall war: daß närnlch Sozialdemokratie für dies Bündnis bis auf weiteres stets die Zeche bezahlt. (Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.)

trbg. Singer (Soz.):

Der Vorredner scheint sich in einer Stimmung zu befinden, die beweist, daß ihm seine Tropenreise nicht gut bekommen ist. ^(Heiterkeit.) Der Reichskanzler sprach von unserer Niederlage. iGinc Niederlage haben wir nur in bezug auf unsere Mandate er­litten. (Zuruf: DaS genügt doch!) Unsere Stimmen haben um eine Viertelmillion zugenommen/ damit sind wir ganz zufrieden. (Lacken rechts.) Dean kann also nicht davon sprecken, daß wir uiebergeritten sind. Der Reichskanzler sagte, er werde das nächste mal uns noch einen gern; anderen Ton vorsingen. Dies muß bei jedem, der ein freies Wahlrecht will, Schrecken Hervorrufen. Bei den letzten Wahlen gab es schon offizielle Regierungskandidaten, Fürst Bülow hat sich als gelehriger Schüler Napoleon des Kleinen gezeigt.,

Bei den Wahlen hat man uns auf3 unerhörteste beschimpft und verleumdet. Namentlich geschah dies von Seiten des Neichs- verleumder-Verbandes. (Lacken rechts.) Dieser schrieb sogar in einem Flugblatt, der Abg. Liebknecht hätte die Soldaten früher für zweibeinige Tiere erklärt. Darf so etwas gestattet fein? Man warf uns vor. die Sozialdemokratie bekämpft die Monarchie. Aber in der Reicksverfassung steht fein Wort davon, daß das deutsche Reich eine Monarchie ist. (Gelächter rechts.) Der Reichskanzler wirft uns immer den Dresdner Parteitag vor, der hat es ihm an­getan. Er sollte sich dock lieber um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, wir wissen allein, was wir tun sollen. Ueberhaupt spricht der Reichskanzler zu un§ in einem Ton, den wir uns ent­schieden verbitten müssen. (Stürmisches Gelächter rechts.) Warum redet der Reichskanzler nur vom Dresdner Parteitag und nicht vom Mannheimer? In Mannheim hat es sich doch gezeigt, wie fest unsere Partei zusammensteht. Der Reichskanzler las aus derFrankfurter Zeitung" unter dem TitelHalunken-Moral" einen Artikel vor, der frech erlogen war. DerFrankfurter Zei­tung" ist auch eine Berichtigung übersandt worden. (Redner ver­liest diese Berichtigung.) Ter Reichskanzler hätte doch durch seine Beamten richtig informiert fein können. Ich will nicht unter­suchen, ob ihn nicht selbst eine Schuld trifft Ein Mann von,fo exponierter Stellung hätte doch die Pflicht, diese Behauptung im Reichstag auch wieder zurückzunehmen, wo er sie gemacht hat. Wer das hat ihm nickt in seinen Kram gepaßt. (Abg. Bebel: Er hat ja die bekannte Rhinozeroshaut!) Der Reichskanzler sollte doch feinen eigenen Lehren selbst etwas nachkommen. Die Minister sollten doch ni'ht die Rolle derjenigen Menschen spielen, die, um den Sozialdemokraten etwas anzuhänaen, jede Moral und jedes i Anstandsgefühl verletzen. Auch der Dessauer Fall ist da wieder lehrreich: Das Gericht hat ausdrücklich erklärt, daß der Fall mit Politik nichts zu tun gehabt hat. Die Lehren des Verleumderver- bandcs gegen die Sozialoemokratie haben bewirtt, daß der Dessauer Mord sofort als im Wahlkampf begangen hingestellt wurde. Die sogenannten Trdnungsparteien haben in der Wahlagitation mit immer wiederholten Lügen agiert. Die sogenannten Ordnungs- Parteien sollten sich schämen. (Großer Lärm. Zuruf: Singer spricht von Sckämen!i Man wirft uns immer unsere Abstimmung gegen das sozialpolitische Gesetz vor. Wer aus sämtlichen Par­teien haben Mitglieder gegen die sozialpolitischen Gesetze gestimmt. Der Kolonialdirektor besitzt einen beneidenswerten Flug der Phan­tasie. Aber keine Börse würde einen Prospekt genehmigen, der so begründet wird, wie Herr Ternburg die Kolonialprojekte begründet. Wenn der Reichskanzler und mit ihm Abg. Semler meinte, der Sozialdemokratie erwüchse ein neues Jena, so ist das eine Behaup­tung. für die kein Beweis erbracht werden kann. Aus die Frage der Immunität der Wgeordneten und ihr Recht, das Zeugnis zu verweigern, will ich nicht weiter eingehen, ich will nur erwähnen, daß der Wg. Erzberger durch seine Zeugnisablegung dem Reichstag einen schlechten Dienst erwiesen hat.

Die Freisinnigen haben in der letzten Zeit eine Wandlungs­fähigkeit gezeigt, um die sie die Nationalliberalen beneiden könnten. Herr Gamp fand alles in Deutschland wunderschön. Weitz er denn gar nicht, daß der Kaiser gesagt hat, die Sckweine. ställe in Cadinen wären besser als die Arbeiter- und Lehrer- Wohnungen auf dem Lande? Weiß Herr Gamp nichts von den vielen hundert Millionen, die die Arbeiter den nimmersatten Agrariern in den Schoß werfen müssen? (Gelächter rechts.) Weitz er nichts von den Maßregelungen und Aussperrungen der ,Arbeiter seitens der Unternehmer? Ich habe hier eine Photo­graphie aus einer Fabrik in Köln. Da hat sich der Unternehmer bei einem Streik mit den Arbeitswilligen photographieren lassen, ,nnb alle halten einen Revolver in der Hand, um die Streikenden zu terrorisieren. Und da wagt man von dem Terrorismus der Streikenden zu sprechen! Energisch protestieren müssen wir da­gegen, daß der Reichskanzler sich zum Handlanger, zum Brief­träger der Großindustriellen macht und Geld für die Wahlen sammelt. Unerhört ist der Vorschlag, der Regierung einen Fonds für die Wahl, n zu geben. Tenn dies bedeutet doch nur, der Re- merung das Reckt zu geben, Stimmen zu kaufen. Herr von Liebermann nannte seine Partei die Avantgarde im Kampfe gegen . die Sozialdemokratie. Das ist falsch, man kann die Freunde des Herrn von Liebermann höchstens die Marodeure in diesem Kampfe nennen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Staatssekretär Graf Posadowsky:

DerVorwärts" schreibt in seinem heutigen Leitartikel, ich < hätte gesagt, die Ausführung des Programms des Reichskanzlers

Tas amtlicheDeutsche .stowlllaiblatt" i'dyreibt: Daß in Muansa (Deuts ch-Oftaf rika '..ici Todesfälle an P est uorgcLnnmen sind, wird amtlich uciläiigi. Auch ist nach dem am letzten Dienstag eingetroficnep V.niiji des Gouverneurs schon nm 4. Februar an Bord eines eng^fa.-en Dampfers ein Pesttodessall in Muansa vorgetomrnen. Voria r^uiaßregeln sind gettoffen. Es dürste sich bei diesen Pesterlranupigp mit das Wiederausflackern ix alten -ep.tr.ilmtikrntischeit P.sti .'xS handeln.

Aus u:zO» Lantz.

Gießen, den 1. März.

* Prüfungsergebnisse. o.n Früh)ahrSprujungen für Einjäi/rig-Freiwiltige haben wieder sämtliche Schüler aus dem

^crrLQwentcrrLsLhes.

Berlin, 28. Febr. Bei der Kommissionsberatung des Gesetzentwurfes über die Ausübung des Jagdrechtes war in der Generaldiskussion mit Ausnahme einiger Abgeordneten aus Hessen, welche die Ausschließung der Provinz Hessen-Nassau von diesem Gesetze wegen der dortigen eigen­artigen Verhältnisse wünschten, die Mehrzahl der AommUnon von der Zweckmäßigkeit des Gesetzentivuris überzeugt. Es scheint daher Aüssicht vorhanden zu sein, daß das Gesetz zustande rommt. Die Spezialdebatte wuroe auf den 13. März verlegt.

Der Seniorenlonvent des Abgeordnetenhauses be­schäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage, ob es nicht angebracht sei, auch den Abgeoroneten des Landtags freie Eisenbahnsahrt in Preußen während der Sitzungs­perioden analog den Bestimmungen für Reichstagsabgeordnete zu bewilligen. Doch es kam zu feinem Beschlüsse.

rrntz LLotLe.

Dem preuß. Krieg sminister har »er Präsident des Deutschen Beterinärrates, Geh. Rat Prof. Dr. Esser-Göttingen, begleitet vom Schristjührer Pros. Dr. Schmaltz-Beriin, eine Dankadresse überreicht, welche der Beterinärrat in Breslau anläßlich der end­gültigen Entscheidung für die Schollung eines Veterinär- Offizierkorps im deutschen .Heere Herrn o. Einem zu widmen beschlossen hatte.

Kolrtsdche

Ter Bund der Landwirte im neuen Reich slüge.

v<e>ntTag" veröffentlicht Generalmajor von J ag W itz einen Mrtilel über den Bund der Landwirte un neuen Reichstage. Er meint, daß derBund rrn Kampf um den Zolltarif der Regierung den Rücken gestärkt und deshalb die Besserung der Lage in der Landwir> ich ast, die durch Die neuen Handelsverträge eingetreien 2U fein iijetnr, nut herbergesührt yabe. Herr von Jagwitz getzt dann Mer zu den Reichstagswahlen und der Tätigkeit des Bundes dabei Md schreibt u. a.: . .

vDie vom Bund der Landwirte gewahrte Unterstützung bet

den Wahlen, ich eine ungemein wertvolle. Abgesehen vom Zen­trum, dem die mächtige L)ierarchie der katholtschen Kirche zur Seite steht, besitzt tum- bürgerliche Parder eine so ausgezeichnete Organisation wie der Bund der Laudwirre. Tie im ganzen wohl aus 115 zu bewertende Zahl der Mitglieder der Rechten würde keinesfalls diese Höhe erreicht haben, wenn der Bund der Laird- roirte seine Organisation nicht in den Dienst der tonservatipeit Parteien gestellt hatte. Älle bürgerlichen Paricien smd ihm bis in der. rechten Flügel der Freisinnigen hinem verpstichtet,^ und die mit feiner Unterstützung gewählten Nelchstagsubgeoroneten wer­den wohl gezwungen sein, aus die Wunsche ihrer agrar. Wähler einige Rücksicht zu nehmen, wenn sie das nächste 'JAal auf ihre Unterstützung rechnen raollen. isticht nur quantitativ, sondern auch qulUü.tio hat der Bund der Landwirte iin neuen Reichs­tage wertvollen Zuwachs erhalten: dem humorvollen Herrn 'o. Lldeiiburg-Januschau miro der impulsive schlagiertige Dr. Diederich Hayn ;ur Seite stehen, während der staatsmännische Dr. Rosicke gleichsam als Ehes des Generalstabes gemeinjam Mit dem anderen, nicht im Reichstage befindlichen Bnndesvor- sitzenden Freiherrn v. Wangenheim-Kl.-Spiegel die Operationen leiten wird. . . Äönigstreu bis aus die lluochen und seinem innersten Wesen nach national, hat der Bund der Landwirte Ui Ur Wahlbenwgiing angesichts der besonderen Verhältnisse der LieöuutiigeH Reichsiagswaist sich uon jeder Einseitig!, ck wrn- gehalten und bei der Unterstützung von 210 Äandiuaten die nationalen Gesichtspunkte besonders berücksichtigt. .