Ausgabe 
2.3.1907 Viertes Blatt
 
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Samstag, 2. März 1907

?r. 52

Erscheint täglich mit Ausnahme be§ Sonntag?.

Capelle:

>n wir plötzlich durch einen Zentrumsantrag überrascht, der nicht und der Sozialdemokratie, welche Die .Religion wie ehr und nicht weniger enthielt als einen ganz neuen Gesetz-1 negieren, tonn dadurch nicht gerechtfertigt werden.

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157. Jahrgang

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Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Diesem Notstand sollte die Bahn abhclfcn. Der all: Einwand, daß die Bahr für den Krieg ja doch zu spät gekommen wäre, war längst widerlegt: denn jeder Kilometer, den die Bahn rcitcr vor­geschoben werd- n konnte, war in der Tat eine Erleichte.nng für unsere Truppen. Das Zentrum schob aber die Entscheidung über die Bahnvorlage immer wieder hinaus. Dann, am letzten Tag, der für die Beschlußfassung in der Kommission übrig blieb, wur­den wir plötzlich durch einen Zentrumsantrag überrascht, der nicht

DieSiebener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das "nreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Terhesfische Canörotrt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brubl'schen Universttäts Buch- und Sre.ndrnckerei.

R. Lange, Gießen.

Deutscher Reichstag.

7. Sitzung vom 1. März. 1 Uhr.

Am BundcSratStisch: Frhr. v. Stengel, Graf Posa-

setzung aller urbanen Formen nicht nur die anderen Parteien ver­letzte, sondern auch vor Dem Regierungstische nicht Halt machte, war das, was die Erbitterung heroorriei. Tas hat mit Kultur­kampf nichts zu tun. Sie haben ja in Ihrer Tonart die Herren von der Sozialdemokratie direkt übertroffen.

Redaktion, Ervedinon und Druckerei: Schul­straße 7. Ervedinon und Verlag: oL

5Rebaftton:e^ 112. Tel.-?ldr.; Anzeiger Gießen.

Bereitwilligkeit" des Zentrums.

Soviel über die Bahnangelegenheit! Nun zur Forderung die Truppen! Herr Gröber stellt es so dar, als ob cs sich um den Abstrich von 8 Millionen handelte. Nein, darum

entwurs. Wie konnte man der Kommission zumuten, einen so weitschweifigen Entwurf in einer Sitzung zu erledigen? Das einfach unmöglich, und damit charakterisiert sich Die angeb-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Tiefe Empfindung das sage ich Ihnen Auge in Auge hat eine ganz andere Wirkung ausgeübt, als all bic Dummen Zeitungsausschnitte, die Herr Gröber gestern hier uns entgegen­gehalten hat.

Wie konnte das Zentrum mit der Sozialdemokratie bei den Tticl^vahlen Hand in Hand gehen? Herr Gröber suchte darzulegen, daß das durchaus nickt gegen die ckristlick-kalholische Weltansckau. ung verstoße, er brachte dafür ein Zeuanis desOsiorv. Rom." bei. Dies Zeugnis beweist aber nur, daß Der UltramonianisntuS immer irieDer das Hintertürchen zu finden weiß, daß bei ihm immer wieder der Zweck das Mittel heiligt. Herr Gröber hat die liberalen Parteien als den Liberalismus des Dritten Standes, die Sozialdemokratie als den Liberalismus des vierten Stande.Z be­zeichnet. Wäre das richtig, so würde das nur eine Annäherung der Liberalen und Der Sozialdemokratie rechtfertigen, abci noch nickt eine Annäherung des Zentrums an die Sozialdemokratie. Tas Bündnis zwischen katholischen staatserhaltenden Männern und der Sozialdemokratie, welche bic Religion wie Die Monarchie

- . Nach Herrn

Gröber soll ein neuer Äulturkumpf angeblich Die Ursache Der Rcickstagsauflösung gewesen sein, und von nationalliberaler Seite soll Der Kulturkampf provoziert worden sein. Was ist nach Der Auflösung das erste gewesen, was von nationadiberaler Seite in die Lesfentlichkeit gelangte? Der Aufruf der nationalliberalen Fraktion. Und was steht in diesem Aufruf? Auch nickt ein ein­ziges Wort, das auch nur den Gedanken eines Kulturkampfes ver­muten laßt. Glauben Sie, daß, wenn wir die Absicht gehabt hätten, chn zu provozieren, daß wir dann nicht auch flammende Worte gefunden hätten? In dem Aufruf wurden aber nur die sachlichen politischen Gegensätze dargelegt. Sonst nichts. Es ist also eine grobe Unrichtigkeit ick will keinen schärferen Ausdruck gebrauchen wenn Herr Gröber uns kulturkämpferische Ab­sichten ztischreibt. Was will das besagen, daß hier und da, etwa imWüstegiersdorfer Grenzboten" (Heiterkeit) was anderes stand? Ich könnte Herrn Gröber mit dem dienen, was in irgend einem kleinen Kaplansblättchen stand. Aber ick verzichte auf der­artiges. Tas ist ja nur eine Frage Der besseren Registratur. Das finde ick in Wahrheit subaltern. (Sehr gut! bei den Natl.f ES fragt sich überhaupt, was ein Kulturkampf ist. Der ganze Begriff ist ja allmählich zu einem blöden Schlagwort geworden. Ist es etwa schon ein Kulturkampf, wenn man ruft: Los von Rom!? Wir verstehen unter Kulturkampf die Inanspruchnahme der. staat­lichen Machtmittel gegen berechtigte oder unberechtigte Aussprücke der römischen Kirche. Nickt dagegen halten wir es für einen Kul­turkampf, weil innerhalb der gesetzlichen Schranken protestantische Anschauungen gegen denUltramontanismus geltend gemacht werden, gegen den die Herren vom'Zentrum sich ja selbst wiederholt erklärt haben. Herr Gröber brachte hier den Brief unserer Parteileitung vor, der für Den Agitationsfonds werben sollte. Er nannte ibn geschmackvoll einen Bettelbrief, und er hat es uns besonders übel genommen, daß er dort ein stiller Reichsfeind genannt wurde. Stände in dem Brief stattZentrum" das WortUltramontanis-

Der Abg. Gröber hat gestern gefragt, ob wirklich Marine- sokdaten und Kanzleidiencr vom Marineamt dem FlotteiwereiN überwiesen worden waren zum Zwecke Der Wahlagitation. Die Behauptung ist nicht zutreffend; wir haben selber davon erst durch die Presse erfahren. Tatsache ist nur, daß einzelne Seesoldaten und Kanzleidiener in ihrer Freizeit sich ein Stück Geld extra mit fold^r Arbeit verdienen wollten. Als der Staatssekretär davon erfahren, hat er es ihnen gleichwohl verboten.

Dbg. Fürst Hatzfeld (Rp.):

Ich war schon vor 29 Jahren Mitglied des Reichstags. Ich habe aber den Eindruck, als ob damals die Etatsberatungen etwas anders waren. Jetzt stehen Die Partei-Auseinandersetzungen zu sehr im Vordergrund. Tas hat doch keinen Zweck, sich Da alles Mögliche vorzuhalten. Alle Parteien haben gesündigt: das Zen­trum durch seine Abstimmung vom 18. Dezember, und erst recht, wenn es sich, wie Abg. Gröber sagte, um eine Lappalie handelte; auch der Flottenverein hat gesündigt. obgleich er andererseits große Verdienste hat, und ebenso alle übrigen. Aber wenn sie alle gesündigt haben: weshalb hier gegenseitige Vorwürfe? Tas Voll erwartet vom Reichstag positive Arbeit. Nur durch positive Arbeit kann er feine Autorität gegenüber den Regierungen ver­stärken. Notwendig scheint auch uns Der Ausbau unserer Wehr­macht, und gerade auch zur See. Auch für eine Reform Der Börse finD wir; unsere Börse muß gestärkt werden, um ihre Aufgaben erfüllen zU können und nicht hinter den Börsen des Auslandes zu­rückzustehen. Tie Fortführung der Sozialreform erscheint auch mir um so dringender, als wir jetzt beim wirtschaftlichen Aufschwung viel leichter dazu in der Sage sind. Vor allem not tut eine Reform des KrankenkasiengesetzeS; Die Krankenkassen müssen Dem Macht- öcreich einer politischen Partei entzogen werden; ich hoffe, daß bei diesem Bestreben der Abg. Mugdan uns werwolle Fingerzeige geben wird.

Wenn wir positive Arbeit leisten sollen, so brauchen wir dazu eine zuverlässigeMehrheit. Und das ist nur eine, nämlich die, welche sich bei Der diesmaligen Präsidentenwahl zusammengefunden hat. Ich bebaure, daß vorgestern der Abg. Gamp eine Bemerkung gemacht hat, die gewiß nicht übel gemeint war, nicht übel gemeint * fein sollte; wohl aber konnte er die nationalliberale Partei damit verletzen. Wir sind in erster Linie auf die Mitarbeit der National- liberalen angewiesen, der Partei, die gestern ihren 40jährigen Ge- burtstag gefeiert hat, zu welchem ich ihr noch nachträglich herzlich gratuliere. (Beifall.) Wir tun gut daran, die trennenden Mo­mente jetzt nicht besonders hervorzuheben, wir wollen soweit wie möglich zu gemeinsamer Arbeit zusammenstehen. Nach Den. Reden der Abgg. Spahn und Gröber müssen wir annehmen, daß das Zen­trum sich mehr nach der Richtung der Nein-Tür, als nach der Rich­tung der Ja-Tür bewegen wird.

Nur einige Worte noch über die Wahl in Breslau, die so charakteristisch war. In Breslau haben alle bürgerlichen Parteien sich gegen die Sozialdemokratie zusammengeschlosien. Was uns in Breslau zusammenführte, war der Terrorismus, Den die sozial­demokratische Partei dort ausgeübt hat und von dem gerade Die städtische Verwaltung ein Lied fingen konnte. Tort hat daher das Dürc-ertum das Ideal des Fürsten Bülow realisiert: es hat sich einmütig aufgeleQnt gegen Die Tyrannei Der Sozialdemokratie Weil Sie (zu Den Soz.) das Recht der Individualität, Der persön­lichen Freiheit Dem Bürgertum verwehren und nehmen wollten, daher ist es von Ihnen abgerückt, und es wird immer noch weiter abrüden, wenn die bürgerlichen Parteien in diesem Reichstag nicht gar zu große Fehler machen sollten. (Beifall.)

dowskh, Frhr. v. Tschirschky Tie erste Lesung des Etats eta t8 wird fortgesetzt.

Konteradmiral

Reichskanzler abzuwehren, ist nicht meine Aufgabe. Nur soweit wir Dabei in Mitleidensckiaft gezogen sind, habe ich auf diese Dinge ein- zugchen. Herrn Groebers Rede war überaus geschickt. Tarum sehe ich mich gezwungen, seinen einzelnen Gedankengängen nachzu- gehen, damit nicht Die verwischende Wirkung Erfolg hat. Die in Den Worten des Abg. Groeber absichtlich lag.

Herr Gröber hat zunächst die Bereitwilligkeit des Zentrums betont, kurz vor Schluß des Reichtages für die koloniale Frage, uir Die cs sich damals handelte, für die Bahn Keetmanshoop Kubub, einzutrcten. Wie verhält es sich denn damit? Seit Der Reichstag einberufen war, lag die Bahn zur Beschlußfasiung vor. Damals kän'vfwn tm Süden der Kolonie noch unsere Truppen mit den Hottentotten, und zwar nickt nur mit dem Feind, sondern mehr noch mit den großen Entbehrungen. Faktisch war der Süden der Kolonie von Der notwendigsten Zufuhr abgcscknitten.

mus", dann wäre also gar nichts gegen den Bries einzuwenden. (Heiterkeit.)

Herr Gröber erzählte Dann ferner von der Interpellation der Nationalliberalen und meinte, sie wäre zwischen dem Reicks- kanzler und dem Abg. Basiermann vereinbart worden. Wie kann er so etwas behaupten? Nvckdem Herr Bassermann in Goslar und auck sonst wiederholt die Politik des Reichskanzlers scharfer Kritik unterzogen hatte, war es selbstverständlich, daß diese aus. toä:tige Politik im Reichstage bei erster Gelegenheit zur Sprache gebracht werden wurde, und der Wortlaut der Interpellation war nicht mit dem Reichskanzler vereinbart, sondern von Der national« liberalen Fraktion festgesetzt worden. Diese Behauptung des Herrn Gröber steht auf derselben Höhe, wie die des Herrn Bebel, daß H°rr Basiermann anfangs keinen Crt gehabt hätte, wo er sein Haupt niederlegen konnte. In Wahrheit waren ihm von vornherein ein Dutzend Wahlkreise angetragen worden. Warum er nickt in Frankfurt-Lebus und an anderen Orten kan­didierte, das könnte ich Herrn Bebel sehr leicht sagen. Aber ick will es nicht tun (Lachen bei den Sozialdemokraten), weil Herr Bebel kein Recht hat, danach zu fragen. Ich frage ibn ja auzf nicht, warum er nicht wieder in Straßburg kandidiert hat.

Herr Gröber hat die Aeußerungen des Herrn Bassermann bei jener Interpellation zitiert und mit schauspielerischem Talent (Heiterkeit) ausgcrufen:Wie unpatriotisch, wie mangelhaft national!" Wie war denn die Sache? Tas ganze Haus bat in die Kritik des Heron Bassermann eingestimmt, und Herr Spahn hat Oel in die Wogen gegossen. (Heiterkeit.) Wie darf nun Herr Gröber jene Rede persiflierendmangelhaft national" rennen? Daß Herr Bassermannmangelhaft national" sein soll, das Dürfte wohl auch in den Reihen des Herrn Gröber als absurd empfunden werden.

Herr Bebel sagte: In der nationalliberalen Partei sitzen heute noch eine ganze Menge Kulturkämpfer! Solange ich Der Fraktion angehöre, ist auch nicht ein einziges Mal dort eine kulturkämpferische Idee hervorgetreten. Auch dieEivtta Eatolica" hat getadelt, daß das Zentrum in Der Stichwahl einen Sozialdemokraten einem Nationalliberalen vorgezogen hätte, wenn dieser sich auf den Boden des Toleranzantrages gestellt.

Nach dem Grundsatz:Divide et impera.'" hat dann Herr Gröber versucht. Die verloren gegangene Herrschaft im Reichstage wieder zu erobern. Die Hoffnung, wieder mit dem Reichskanzler zu einem Ein 'erständnis zu gelangen, scheint man ja definitiv aufgegeben zu haben. Aber im Reichstage selber will man wieder herrschen. Herr Gröber hat gesucht, in Die nationale Mehrheit dadurch Uneinigkeit zu tragen, daß er Die Freisinnigen gegen die Konservativen ausjpielte. Herr Wiemer hatte von einer Reform Der Branntweinsteuergesetzgebung gesprochen, und das suckte Herr Gröber auszuschlachten. Aber wie klein erscheint doch seine Auf­fassung über das, was jetzt Die nationale Mehrheit zusammenhält! Die Wahlen haben namentlich Den liberalen Parteien große poli­tische Pflichten auferlegt. Jetzt heißt es, Zusammenhalten. Tie theoretischen Gegensätze müsien möglichst zurückgedrängt werden. Die liberalen Parteien müsien es verstehen, in ihren Ansprüchen ein gewisses Maß zu halten. In einer Hinsicht ist unS diese Auf­gabe etwas l-idiicr geworden. Denn es zeigt sich jetzt, daß das Zentrum nickt m-chr gewillt ist, positiv miizuarbeiten. Es wird sich also nur darum handeln, ob das Gedächtnis der Parteien Der jetzigen Mehrheit stark genug bleibt, um Die Vorgänge festzu- halten. Die zur Auflösung am 13. Dezember geführt haben. Das zu tun, ist nicht nur unsere Pflicht, sondern das werden unsere Wähler auch verlangen und nicht zum mindesten die Partei der

SCbg. Scmler (natlib.):

Die Aufgabe des zweiten Redners einer Fraktion zum Etat liegt in erster Linie Darin, Die Angriffe abzuwehren, die gegen Die Rede Des ersten Fraktionsrebners hervorgetreten sind. Dem­gemäß hatte ich mir zu Der ReDe des Abg. Bebel eine Reihe Notizen gemacht. Nun sind aber gestern zwei Reden gehalten worden, von den Abgg. von Payer und Groeber, die meine Auf­gabe etwas verschoben haben. Ich habe namens meiner Freunde nicht nur Angriffe abzuwehren, sondern Positives zu bringen. Meinen Zettel über Bebels Rede könnte ich nun getrost zerreißen. Aus die Ausführungen des Abg. Wiemer will ich ein andermal qurückkommen, und Herr Gamp mag es seiner Fraktion, der Rück­sicht, Die wir auf sie zu nehmen bereit sind, und den Ausführungen Des verehrten Vorredners danken, wenn ich mich mit seinen Be­merkungen nicht weiter befasie. (Sehr gut!) Ich stehe vor der Aufgabe, nachzuweisen, daß es vor x v Reichstagsauflösung nicht so gewesen ist, wie es Abg. Groeber Dargestellt hat, und daß es in Zukunft unserer Meinung nach auch nicht so sein wird, wie Herr Groeber dies gestern als seine Hoffnung ausgesprochen hat. (Sehr richtig! links.) Ich habe ferner, auf Die Rede des Abg. v. Payer eingehend, darzutun, wie wir die politische Situation, Die wir vorfinden, nutzbringend zu gestalten vermögen. Abg. Groeber hat gestern mit der ganzen Kraft seiner Beredsamkeit versucht, dar- zustellen, daß seine Partei ungeschwächt, ja verstärkt aus Den Wahlen herausgekommen sei. Wichtiger aber ist Der Nachweis, daß Das Zentrum mit seinem früheren Verhalten auch innerlich Dem. VaterlanDe gegenüber tm Rechte gewesen sei. Ter Abg. Groeber hat ferner durch seine Rede und durch Zeitungsausschnitte in Fülle Den Eindruck zu verstärken gesucht, als ob die schlimme Reg erung und Die noch schlimmeren Liberalen versucht hätten, wieder einen Kulturkampf zu führen. Schließlich hat er zu be­weisen gesucht, daß das Zentrum im Rechte gewesen sei, wenn es sich grundsätzlich mit Der Sozialdemokratie was anerkannt wurde in Den Stichwahlen verbündet habe und hat behauptet, daß DiePredigt" Des Reichskanzlers unberechtigt war. Daneben hat er noch Den Versuch gemacht. Die Aufgabe Der heutigen nationa­len Mehrheit, Die das Präsidium gestellt hat, als unmöglich lösbar hinzustellen unD au erkennen gegeben, daß das alte wirkliche Heil für Das Vaterland nur in der Zentrumsführung zu erblicken sei.

Trotz Des Dem Abg. Groeber zur Verfügung stehenden Humors und trotz seiner scharfen Worte ist ein elegischer Ton durch seine Rede gegangen (Sehr richtig!): die Verstimmung des Zentrums über Die verlorene Stellung seiner Partei. (Sehr richtig! rechts und links, großer Lärm im Zentr.) Die Angriffe gegen Den

handelte es sich nicht, sondern um einen Eingriff in die Korn, mandogewalt. Es sollte ein Zwang ausgeübt werden auf Die ver­bündeten Regierungen, dahin, daß am 31. März 1907 nicht mehr als 2500 Mann im Schutzgebiet sein sollten. Tie Frage war also so: wer soll entscheiden wieviel Truppen dort bleiben-sollen, Die Kriegsleitung, die vor Dem Feind steht, ober Die Herren vom Zentrum? (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Herr Gröber sagte, der Reichskanzler habe Die Abstimmung über Den Zentrumsantraa ja gar nickt erst abgewartet, fonbern Den Reichs­tag allzu eilig aufgelöst. Der Reichskanzler hatte aber auf Die Tragweite der Abstimmung über den Antrag Ablaß vorher hin­gewiesen. 2Bu wußten, Daß aus irgend einer Ecke der Gedanke aefommen war, das ganze Südwestafrika preiszugeben. Diesen Sinn hatte die ganze Abstimmung. In irgend einem Punkt kommt eben die Krisis heraus. Das hätte das Zentrum sich sagen müsien. Mag fein, daß es für das Zentrum zu spät war, von seinem voreiligen Antrag zurückzutreten; aber Dann konnte eS ja für der Antrag Ablaß stimmen. Herrn Gröber ist es nicht gelungen. Den für seine Partei erwünschten Nachweis zu führen, daß Dr.S Zentrum in Der Kolonialfrage eine ganz harm­lose Politik e'ngeschlagen hätte. Herr Gröber berief sich dann auf andere Abstriche und fragte, ob denn nur die gestattet fein sollten, denen Die Negierung ihren Segen gibt. Er nannte eine solche Auffassung subaltern. Wie kann er hier so auftreten? Er weiß ganz gut: Wir haben uns niemals gescheut, Abstriche zu machen, auck wider den Willen Der Regierung, und wir toerDcn uns auch niemals scheuen, das zu tun.

Aber es fragt sich eben, woran solch ein Abstrich gemacht wird. Es kann sehr wohl eine Lumperei sein, aber hier handelt es sich um einen Abstrich on einer Summe, die für den Krieg, für unsere Truppen unerläßlich und unersetzlich war. Ich gebe zu, auch im Kriege kann die Gewalt De5 Reichstages ausreichen, um durch die Versagung Der Finanzen einem kämpfenden Heere in Den Arm zu fallen, aber ob man sich zu einem solchen Entschluß aufschwingen kann. Darüber entscheidet Die gesamte politische Richtung nicht nur der Fraktion, sondern auch der einzelnen Abstimmrnden. Was Herr Gröber hier als subaltern bezeichnet hat, das bezeichne ich im eigentlichen Sinne als national. (Lachen im Zentrum.) Herr Gröber trieb gestern seinen Spott mit Dem Wortenational". Schön habe ich das gar nicht gefunden; sehr bezeichnend ist es ja auch, daß er hierbei von den Sozialdemorrawn mit Beifall unter­stützt wurde. Was soll der alte üble Witz, daß man bei 50 Prozent Abstrichen um 50 Prozent weniger national ist? Es kommt nicht darauf an, was Herr Gröber ober was ich ober waS andere für national halten, sondern was in der Nation als national ange­sehen wird. (Lachen im Zentrum.) Und Die Nation hat durch Die Wahlen entschieden. (Erneutes Lachen im Zentrum Zuruf: Die Opposition hatte ja mehr Stimmen.) Nicht die Mehrzahl Der Wähler ist entscheidend, sondern das Ergebnis Der Zusammensetzung des Reichstages. (Schallendes Gelächter im Zentrum und bei Den Sozialdemokraten.) Meine Freunde erkennen mit Dank die Energie an, mit Der Der Reichskanzler aus dem nationalen Prinzip Die Konsequenzen gezogen hat. Ich erinnere Sie an ein Wort des Fürsten Bismarck lachen Sie doch, Herr einger, jetzt ist Die Gelegenheit! (Heiterkeit.), das Da lautet:Es handelt sich Darum, ob das Reich sich noch stark genug erweist, um, unterstützt von der Macht Der öffentlichen Meinung und Dem staatlichen Be­wußtsein Der Nation, die Mittel zu finden, um auch diese Krisis zu überwinden und Die Ansprüche auf das Maß zurückzuführen, welches sich mit unferm Staatsleben verträgt" Dieses Maß, von dem Fürst Bismarck sprach, hat Die Zentrumspartei nicht zu galten verstanden. Es wird daher auch niemand glauben, daß es sich in jener Frage nur von sachlichen Mottoen hat leiten lasten. Es wurde vielmehr beherrscht von dem Gefühl Der Demütigung durch die Enthüllungen des Kolonialdirektors. Unsere Wähler haben aufge- jauchzt, als das erlösende Wort kam. Wir wollen hoffen, daß Die nationale Mehrheit, Die sich zusammengefunden hat, dauernd stark genug sich fühlt, nm DieSlfpirationen einerPartei zurückzudrängen, die bic nationalen Angelegenheiten vom Standpunkt der Partei­politik behandelt.

Die Zentrumspartei hat in Der Art, wie sie Die Geschäfte des Reichskanzlers dauernd stark beeinflußte, nicht das rechte Maß zu halten gewußt. Es hätte gerade wegen seiner ausschlaggebenden Stellung Den anderen Parteien mehr cntgegcnZommen müsien. Herr Gröber klagte über schlechte Behandlung, haben Denn Die Herren gar nicht Daran gedacht, daß auch Die anderen Parteien für schlechte Behandlung empfindlich sind? Tas Zentrum hat die Politik der unbegrenzten Rechthaberei getrieben, die Politik der persönlichen Gehässigkeit, des uneingebämmkn Machtgesühls. (Lachen im Zentrum.) Diese Politik hat das Zentrum wenigstens uns gegenüber unter sich geduldet, und hat es soweit gebracht, daß wir als das Auflösungsdekret verlesen wurde, mit der Sozialdemo­kratie in Bravorufen wetteiferten. Diese Polin! ist es gewesen, nicht die Kulturkampfidee, wie Sie die Welt glauben machen wollen, das sage ick Ihnen Auge in Auge. Dagegen können Sie mit allen Ihren Zeitungsausschnitten nichts beweisen. Herr Gröber. Was Sie in Jh- Partei geduldet haben, hat nicht allein uns getroffen, sondern am ufere Wähler. Jenes Vorgehen, das unter Beiseite-