Ausgabe 
28.2.1907 Erstes Blatt
 
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fäenffftr 6Ö0Ö' ffvcS. für die'Är'igen SteuerKrtegorftn aufcer' der Grundsteuer versteuern, die Abgaben um "zo ver­kitt g er t werden, falls sie ein Kind, um Vio, falls» ne ktoei Kinder besitzen u. s. f. Bei sechs und mehr Kin dern wurden die betreffenden Familienvater völlig steuerfrei ausgehen. Um die Abgaben wieder auszugunchen, schlagt der Abgeordnete vor, eine Steuer für Junggesellcn, Witwer oder kinderlos geschiedene Eheleute cmzu^uhrcn

Senator Berangcr hat den Prokurator der Republik erfucht, erne strengere Zensur derjenigen Zeitungen und Zeit­schriften einzufübren, welche sich B e r stö ß e g e ge n oie M o r a l in Wort und Bild zuschuLen tommcn lauen.

Rom, 28. Febr. In vatikanischen Kreisen hält man nach demGivrnale d'Italia" ein direktes und persönliches Ein- greifen staiscr Franz Iosess in die diplomatische Frage, die durch Beschlagnahme des A r ch l v s d er Pariser Nun r i a t ur ausgcrollt ist, für wahrscheinlich. j "* ~~ -

Aas Zleucste aus Rußland.

Ein Anschlag aus den Grobfürsten Nikolai.

Ueber ein mißlungenes Attentat auf den Großfürsten Nikolai, einem Oheun des Zaren, berichten folgende Telegramme aus Petersburg:

Wie dieQlorooie Wremja* meldet, trat am Dienstag abend kurz vor 6 Uhr der Haupktonduktor der großsürstlichen^Zuge beim Abgehen der zum kaiserlichen Pavillon führenden Ltrecke eine Perlon, die eine Kiste nut einer Bombe aut die schienen stellie. Der Verbrecher wurde verfolgt, entkam aber in einem bereitslehendeu Schlitten. Um 8 Uhr wurde der Grostfürst Nikolai Nckolajewusch, der Chef des Petersburger Militärbezirks, aud Zarfkose-Lselo zuiuct- erivarlet. Tie Bombe enthielt 31/, Pluud Dynamit, ihre Sprengkraft war sehr grog. Eine verschärfte Ueberwachung der ^Strecke ist angeordnet wordeii. L ~

Die Bombe Hal zylindrische Form; sie ist etwa 22 Zentimeter lang, etwa 13 Zentimeter breit und enthielt 3 Pfund Dynamit und E8 Sprengkapseln. Ihre Sprengkraft wäre imstande gewesen, den ganzen Zug zu zertrümmern. Alk Uebeltäter werden ehemalige Bedienstete der Eisenbahn vermutet. Der Zug wurde auf em anderes Gleis übergeiührt. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch fuhr noch an demselben Abend nach Zurskoje-Lselo. o

Ter Attentäter trug die Uniform eines Maschinisten des Elsen- bahn-Balaillons; er war jung und hatte em intelligentes Gesicht. Bei der Verfolgung sprang er über das Gitter, bestieg einen bereit stehenden eleganten Schnelliahrer und raste davon. Tie gesamte Stauonspolizei ist auf den Beinen. Ter Atteuläter ist noch nicht gesunden. Die Staatspolizei erhielt Nachricht, daß die Terroristen ^beabsichtigten, gegen den 10. wlärz emc ganze 8k e i he u o n Attentaten ans hochgestellte Personen zu begehen. Die Er- regnng unter dem Publitum ist groß. Nach amtlichen Mitieilnngen drang der Attentäter nut Hülfe eines N a ch s ch l ü s j e l 5 in die Station Zarsloje-Sjelo und legte die Bombe drei Minuten vor der Abfahrt des Großsürsten auf die Schienen.

In Krasnojarsk wurde dcr Stadthauptmann auf einem Spaziergange durch zwei Revolverschüsse getötet. «Der Mörder entkam.

Mit der Eröffnung der Reichsduma am 5. Marz ist der Lizeprüsidr.it drö Reichsrates Golubow betraut worden.

Are Ausländer auf deutschen Kochschnlen.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Berlin, 26. Februar.

Um zu der Frage der Ausländer auf deutschen Hochschulen Stellung zu nehmen, hatten sich heute abend 5700 Studenten tu ben Svphiensälen zusammengefunden. Den Anstoß zu einer energischen Protestbewegung der Berliner Studentenschaft gab das eifrige Eintreten der russischen und polnischen Stu­denten bei (tyen Neichstagswahlen für die Sozial­demokratie.. Auck Russen und Polen waren zahlreich an­wesend, ebenso viele weibliche Studentinnen. Auch mehrere Reichstagsabgeordnete, Lattmann usw., hatten sich einge- funben. Die Versammlung wurde von dem früheren Reichs- ragskandidaten für Berlin III, Rechtsanwalt Dr. Brederel, eröffnet. Dann ergriff der bekannte alldeutsche Professor S a m a s s a das Wort, um die Frage des Ausländertums an den deutschen Hoch­schulen zu beleuchten. Es ist ein nationales Problem, führte er aus, das ich beleuMen will. Mit dem Anwachsen von Aus­ländern ist eine Gefahr verbunden. Die anderen Staaten haben sich durch Gesetze dagegen gesichert, indem sie die Ausländer zur Naturalisation zwangen. Bei uns ist bas Ausländertum hoch rm Schwange. Sogar unsere Soldaten müssen fremden Offizieren, z. B. chinesischen, Ehrenbezeugungen erweisen. Besonders auf­fallend ist das Eindringen der Ausländer an den deutschen Hvchn- schulen. Es ist gewiß schmeichelhaft, wenn die Fremden sich zu uns drängen, um zu lernen, weil wir ihnen in liberalster Weise unsere Lerneinrichtungen zur Verfügung gestellt haben. Unsere Gastfreundschaft darf aber nicht zu weit gehen. _ Denn da­durch, daß die Fremden bei uns lernen, wird die Tätigkeit der Deutschen im Auslande eingeschränkt, weil diese fremden Länder jetzt bereits ihre eigenen Söhne in den Dienst stellen. Diese haben sich aber ihre Kenntnisse nicht ^etwa auf Kosten ihres Staates erworben, sondern der deutsche Staat muß das bezahlen, wenn er ihnen in liberalster Weise die Benutzung der deutschen Hochschulen erlaubt. (Lebhaftes Hoch! .Hoch!) _ Wir haben aber Vornehmheit genug gezeigt und dazu nichts gesagt, bis schließlich die minderwertigen Elemente aus dem Osten gar zu großtuerisch aufzutreten begannen. (Lebhafte Zustimmung.) Daß die Gefahr wirklich groß ist, geht daraus hervor, daß von den 45 000 Stu­denten au den deutschen Hochschulen schon 4151 fremde Gäste sind. (Hoch! Hoch!) Tie Zahl der russischen Studenten ist von 1326 auf 1890 gestiegen, also in einem Jahre um 500. Wenn bas so 10 Jahre weitergeht (Heiterkeit), so kommen wir zu ganz halt­losen Zuständen. Diese Personen haben eine soiiderbare Art. Wenn sie eine Forderung in ihrer Heimat durchsetzen wollen, so schlagen sie im Universitätsgebäude alles kurz unb klein. (Heiter­keit.) Auch sittlich stehen sie tiefer. In Deutschland kommen auf 1000 Inländer 9 Verurteilte, auf die Ausländer 13, auf die Russen aber 29. In Darmstadt tarnen z. B. bei der Hoch­schule im letzten Jahre auf 1375 Studenten 677 Ausländer. Davon sind 523 Russen. Dieser Uebelstand ist kein Phantom der Studentenschaft. Es ist auch von den Behörden anerkannt unb cd ist manches geschehen, diesen russisch-jüdischen Zuzug zu beschränken. An manchen Hochschulen hat man sie aber sogar be­vorzugt, weil es an Studenten fehlte. (Lebhaftes Hoch! Hoch!) Man kann nicht von der Unbilligkeit reden, wenn wir uns mit aller Macht gegen b lesen Zuzug wehren. (Lebhafte Zustimmung.) Die Stuttgarter Hochschule hat sich diesen unerfreulichen Zuzug energisch sern gehalten. (Beifall.) Wir sind nicht unduldsam, wenn sie mit uns gleich stehen, wenn sie gesellschaftliche Foruieu achten und die gleiche Weltanschauung haben wie wir. (Heiterkeit.) Bei uns herrscht ein freudiger nationaler Geist. (Lebhafter Bei­fall.) Deutsche aus dem Auslande, mögen sie Reichsangehörige sein ober nicht, sind uns stets willkommen. oBeijatt.) In Riga T)aben die russischen Juden die Deutschen niedergeknebelt. (Leb­hafter Veimll und Hochrufe! Widerspruch.) Gäste, wie die Skandi­navier heißen wir gern willkommen, denn sie wissen sich vornehm zu benehmen., (Beifall.) Anders ist es mit den russischen Stu­denten. (Beifall.) Es ist die Frage aufgeworfen, ob man die Russen anders behandelt hätte, wenn sie nicht für die Sozial­demokratie, sondern für die nationalen Parteien eingetreten wären. (Rufe: Sicher! Lachen.) Wir halten nicht viel von den Russen, die unsere Hochschulen nur als eine Kurzwarenhandlung für Wissen halten. (Große Heiterteit.) Unsere Hochschulen sollen nicht in ihrem nationalen Charakter gefährdet werden, am wenigsten von ben Herren von dem StammeMandelstamm unb Silberfarb". (Stürmischer Beifall.)

Der Versammlung wurde etwa folgende Resolution vor­gelegt:Die heute tagende Aiademikerversammlung erblickt ui dem steigenden Zuzug kulturell minderwertiger Elemente aus dem Osten eine Gefährdung des nationalen Eharakters unserer Hock-- schulen unb verwahrt sich gegen diese slaoischen und jüdischen

Studenten- die bei den letzten Wahlen der Sozialdemokratie Wahl- hulfe geleistet haben. Die Versammlung bittet das preutz. Unterrichtsininisterium, mit ben anderen Regierungen in Verbindung zu treten und durch einheitliche Regelung der Aur- nahmebestimmungen dafür zu sorgen, daß diese Elemente fern- gehalten werden." (Lebhafter Beifall.)

Es wurde in eine Diskussion ein getreten.

Dr. Levin erinnerte daran, daß die russischen und Poln. Studenten der Sozialdemokratie Schlepperdienfte geleistet haben. Sie hätten den Boden des Anstandes und Taktes verlassen. (Lebhaster Beifall.) Es war ein nationaler Wahlkampf von herr­lichster Bedeutung. Sich in einen solchen edlen Kampf zu milchen, der sie nichts anging, war eine Unerhörthell von niedrigen ost­europäischen Elementen. (Lebhafter Beifall.) Die Art, wie Prof. Schiemann von den russischen Studenten angegriffen worden ist, als er die Art unb Weise der Russen brandmarkte, war ganz ost-europäisch. (Sehr richtig.) Wir müssen von ben Ausländern ganz andere Vorbildung verlangen, wenn sie bei uns Studenten fein wollen. Sie suchen nur praktisch bei uns zu lernen. Von deutscher Kultur wollen sie nichts wissen. (Lebhafte Zustimmung.) Vom Ullranwntanismus, der Sozialdemokrarie und den östlichen Eindringlingen sind wir bedroht. Vergessen wir nicht, daß wir ein soziales Kaisertum haben, baß wir das erreichen müssen, was unser Vaterland in der Kulturwelt hochbringt. (Bei­fall.) In die Hörsäle, wo von Bismarck, Goethe, Fichte usw. geredet wird, gehören diese östlichen Elemente nicht hinein. (Lebhafter Beifall.) In dem letzten großen Geisterkampf (tauben die geistig gebildeten Sozialdemokraten innerlich auf unserer Seite. (Beifall.) Die ungebildeten Elemente aber wurden von den rusjischen Stu­denten unterstützt. Gegen Franzosen und Engländer haben wir nichts; nur gegen solche, die unser deutsches Kulturleben ver­achten und bei yns nur etwas lernen wollen, um uns dann zu bekämpfen, gegen diese wenden wir uns. Der nationale Cha­rakter unserer Hochschulen soll bewahrt werden. (Beifall.) Wir haben in unserer Studentenschaft schon sozialistische Elemente; die sollen aber durch die Ost-Europäer nicht unterstützt werben. Sie sollen den Schnabel halten. (Lebhafter Beifall.)

Inzwischen ist von dem Universitäts-Professor Schiemann ein Begrüßu.'igstelegramm eingegangen. ^Beifall.)

Stud. R i n t e l e n von derBerliner Freien Studentenschaft" wendet sich scharf gegen ein Flugblatt desVereins Deutscher Stüdenten", worin den freien Studentenoh­msche Indifferenz" in nationalen Fragen vorgeworfen wird. Wir müssen als erfreulich begrüßen, wenn alle Ausländer an deutsche Hochschulen eilen, und die Früchte deutscher Kultur ernten. (Bei­fall und Widerspruch.) Die Hauptfrage ist die, ob sich der russ. Student an der inneren Parteipolilik beteiligen darf. Das halt dieBerliner Freie Studentenschaft" für unzulässig. (Beifall.)

Sind. Knack: Die Herren voinVexein Deutscher Studenten" segeln runter der Flagge des Reichsverbandes gegen die Sozial­demokratie hin. (Zustimmung, Widerspruch,'große Unruhe.) Man hat gesagt, die Kommilitonen mit sozialistischen Tendenzen müßten unterdrückt werden. «.Sehr richtig.) Sie sind nid# mehr in der Minderzahl. (Lebhafte Unruhe, Zurufe, Lärm.) Ob diese Elemente einmal den £>icg baüonlragen werden, wird die Zukunst ent­scheiden. tGroße Unruhe, Lärm.) Deutschland wird nicht immer ein reaktionäres Land bleiben. (Lebhafte Unruhe, Zurufe.)

Im weiteren Verlaufe der Versammlung kam es noch zu erregten Zusammenstößen.

Zum Schluß wurde die vorgeschlagene R e/ch l ition an­genommen. Die Versammlung ging in später Stunde unter Absingung des LiedesDeutschland, Deutschland über alles" aus- einanb er.

Ans S.ttSt uuo Hatto.

Gießen, den 28. Februar.

" P r ü f u n g 8 b e st i m m u n g e n. Das Großh. Regierungsblatt veröffentlicht neue Bestimmungen für die theologische Fakultätsprüfung und die forstliche Hochschulprüfuno an der-Landesuniversität Gießen. Zur theologischen Prüfung wird zugelassen, wer die Reift- Prüfung an einem deutschen Gymnasium bestanden hat und wenigstens 6 Semester auf deutschen Universitäten evangelische Theologie studiert hat. Die Prüfung zerfällt in drei Ab- eilungen: die Vorarbeit, die Klausuren und die mündliche Prüfung. Die letztere ist öffentlich. Die forstliche Hoch- schulprüsung zerfällt in eine Vorprüfung und in eine Fach­prüfung. Zu letzterer wird nur zugelassen, wer die Vorprüfung bestanden und dann noch 4 Semester studiert hat. Zur Vor­prüfung ist nötig das Maturitätszeugnis eines deutschen Gym­nasiums oder Realgymnasiums und der Nachweis des drei­semestrigen Besuches einer deutschen Universität oder einer durch ministerielle Verfügung für gleichstehend erklärten Lehr­anstalt. In der Vor- und Fachprüfung wird schriftlich und mündlich geprüft. Auch hier ist die mündliche Prüfung öffentlich. Wird die Prüfung zweimal nicht bestanden, so ent­scheidet das Ministerium, wann die Prüfung innerhalb zweier Jahre wiederholt werden darf. Wer eine Prüfung dreimal nicht bestanden hat, kann überhaupt nicht mehr zugelaffen werden.

Verhaftet. Der von der Kgl. Staatsanwaltschaft Nürnberg wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgte Arbeiter Georg Dorsch aus Marktbreit wurde hier verhaftet.

= Saasen, 27. Febr. lieber die Wasserkalamität auf dem nahen Wir berg werden fortgesetzt Klagen laut, sodaß eine Blenderung dringend notwendig erscheint. Und da jetzt für das nahegelegene Reinhardshain eine Wasser­leitung geplant ist, so sollte man Wirberg hierbei anschließen. Wie schlimm es hier steht, geht daraus hervor, daß einige Brunnen zeitweise überhaupt kein Waffer, andere nicht selten schmutziges und unbrauchbares Wasser enthalten. Die Be­wohner des Wirberg sind deshalb sehr oft gezwungen, ihr Trinkwasser in Fäffern in Bollnbach zu holen. Man hat den Brunnen im Klosterkeller des Pfarrhauses vertieft aber mit nur wenig Erfolg. Durch den Anschluß an die Wafferleitung der Gemeinde Reinhardshain würde der Uebelstand für immer beseitigt werden. Wirberg ist bekanntlich Pfarrei für 6 7 Orte der Umgegend.

Q Lich, 27. Febr. Mit der Erbauung der Bahn­strecke von hier durchs Wetter- und Eschers bach- tal nach Grünberg wird es jetzt ernst, da dieser Tage das Baubureau hier eröffnet wurde und die letzten Vorarbeiten begonnen wurden. Man wartet jetzt nur auf die Geneh­migung des Staatszuschusses. Wie es heißt, sollen die Ar­beiten schon im April vergeben und begonnen werden. Unser neugewählter Beigeordneter Heller, gegen dessen Wahl die Gegenpartei zweimal erfolglos reklamierte, wurde gestern in sein Amt eingewiesen.

+ Friedberg, 27. Febr. Hier starb der dienst­älteste Taubstummenlehrer Deutschlands, Lehrer i. P. Johannes Landau. Er war über 40 Jahre in seinem schweren Berufe tätig und wirkte bis zu seiner vor 3 Jahren erfolgten Pensionierung lange Jahre an der hiesigen Taubstummenanstalt. Unter großer Beteiligung, besonders auch der Lehrer und Zöglinge der Anstalt, fand heute seine Beerdigung statt. Die Stadtverwaltung trifft bereits Vorbereitungen zur Verlegung des Bahnhofs nach

dem Südende der Stadt. Die Legung des GaS- und Wafferleitungsslranges nach dem südlichen Stadtteil am Mainzertor erfolgt in der Weise, daß der neue Bahnhof und die um diesen eventl. zu errichtenden Gebäude genügend mit Waffer versorgt werden können. Die Stadt hat hierzu die Kosten in Höhe von 9 400 Mk. bewilligt. Da die früher sehr ausgedehnteii Einlagen und Spaziergänge um die Stadt infolge der Bahnhofserweiterung und der großen Bautätigkeit im südlichen Stadtteil sehr beschnitten worden sind, so hat man beschlossen, den dem Fiskus gehörenden Burgberg in Anlagen zu verwandeln. Die Genehmigung S. K. H. des Großherzogs ist jetzt erfolgt.

x Grünberg, 27. Febr. Gegen die Neuwahl des Beigeordneten Fuldab, der mit nur 5 Stimmen Majorität gegen Kaufmann Ranft siegte, wurde von der Gegenpartei Rekurs angemeldet. Die Wahl des Gg. Münch zum Bürgermeister von Harbach wurde bestätigt. Bei ihrer Jagd Verpachtung hat die Gemeinde Lehnheim den mehr als doppelten Preis wie seither erzielt, indem der Jahrespacht von 350 Mk. auf 870 Mk. stieg; Höchstbietender ist Rentier Albers-Hamburg. Bei den jetzigen hohen Holz- preisen erzielte die Gemeinde Hattenrod für das gleiche Ouantum Holz wie v. I. 3 000 Mk. mehr.

Dar m st a d t, 27. Febr. Aus Veranlassung der W i l d e n s ch a f t der technischen Hochschule prach gestern Abend Pfarrer K o r e l l - Königsftetten überdie Akademiker und btt Volksbildungs­arbeit" vor etwa 400 Studierenden. Der rliedner schilderte u. a. die Vottserziehungsarbeit vevschiedener Korporationen wie die des Volksheims in Hamburg, des Rhein-Mainischen Verbandes, der Settlemems-Bewegung in England usw. unb fordert schließlich die Studierenden auf, sich in ähn­licher Weise zu betätigen. Vom Vorstandstisch wurde nach dem von großem Beifall begleiteten Referat mitgeteilt, daß die hiesige Wildenschaft die Gründung einer sozial-wissen­schaftlichen Abteilung beabsichtigt. (Frks. Ztg.)

+ Krofdorf, 27. Febr. Tas Bild von Hirten und Herden verschwiudel auch in hiesiger Gegend immer mehr. Teils liegt es in dem Mangel an genügender Weide, teils in dem Mangel an Hirten. Nachdem hier schon manches Jahr die Kühe unb Schweine nicht mehr zur Weide getrieben werden, hat man auch mit der Schaf z u ch t aufgeräumt Von den früheren drei Schafherden, die ui unserer mehr denn 2000 ha fassenden Feldmark reichliche Nah­rung fanden, besteht jetzt nur noch die sogenannteHerrschaftliche Schcherei". 9tach einem Vertrag vom Jahre 1717 kaufte der Herzog von Nassau-Weilburg-Saarbrucken m unserer Gemarkung ein Gut von 200 Morgen Ackerland, 10 Mrg. Gartenland und 27 Mrg. Wiesenland und ist noch jetzt das Hutrecht der .Herren Schäferei" vorhanden. Da _bie Gemeinde Kroidorf-Gleiberg ün Zusammenlegungsverfahrcu steht, so muß eben, auch diese Hut­gerechtigkeit abgelöst werden, und deshalb wurde jener Vertrag vom Martini 1717 in die Allen der Koimnission ausgenommen. Auch nach der Zusammenlegung bleibt es den einzelnen Inter­essenten überlassen, sich zusanrnienzutun, um ihre Schaft durch einen gemeinsamen Schäfer auf ihrem Eigentum weiden zu lassen.

Dillenburg, 28. Febr. Ferdinand Schmoll, früher Lehrer in Frohnhausen (Dillkreis), hat nach vierjährigem llniversitätZstudinm vor einigen Tagen in Bern das p b i l o -: ophischc Doktorexamen in Allg. Geschichte, Phllosophie und Neu-Hochdeutsch summa cum laude bestanden. Der an der Universität Bern erworbene Dollorgrad ist dem deutschen gleich­berechtigt.

vermischte».

Die Lage beS überschwemmten Oberdorfes Schieblo hat sich jetzt, wie der ^,Ober-Ztg.^ berichtet wird, erheblich erleichtert. Die Häuser in Schieblo haben sämtlich einen starken Unterbau, die Kellerftnster liegen 11,20 Bieter über Erdhöhe. Der Pionierabteilung, die jetzt in Retzdorf untergebracht ist, gelang es, die Eisversetzung drei Kilometer unterhalb Schiedlo am Weißen Berge zu sprengen, so daß das eigentliche Strombett bis zur Neißemündung frei vom Eis ist. Infolgedessen ist die Stauung verschwunden, das Waffer konnte abfließen. Tas Dorf Retzdorf, wo das Waffer in den Zimmern des Hintzeschen GaslhofeS fußhoch stand, ist seither wasserfrei; Kahnverkehr führt von dort bis ans Eis an der Schiedlosette hinüber; auf dem noch starten Eis zwischen den Buhnen und über das breite Vorland hinweg kommt man bequem auf den Schiedloer Damm. Die Pioniere haben Alontag damit begonnen, von der Neißemündung aus­gehend, eine Fahrrinne die Oder aufwärts zu sprengen. An der Bruchstelle, die 21/« Kilometer oberhalb von Schiedlo liegt, sind die beiden Dammköpse mit Faschinen und Sand- säcken gegen weiteres Abspülen gesichert. Unterhalb der Bruch­stelle ist em Gebiet malerischer Eisoerwerfungen und ein Zu­sammendrängen von Eisschollen, die nun infolge des Wasser­falles hohl liegen. Stellenweise sind die großen Schollen bis an den Dammkopf heraufgeschoben. Haushohe Auftürmungen, wie vielfach berichtet wurde, sind aber nicht da. Es ist wunderbar, daß der Damm gerade an jener Stelle brach. Ter Strom steht dort nämlich nicht rechtwinkelig ober an»; nähernd rechtwinkelig auf ben Damm zu, sondern geht mit ihm parallel.

* Adelige Stiftungen. Der Bericht von dem jüngst stattgehabten 26. Adelstage teilt mit, daß der A de lögen ossen- schast von wohlwollender Seite, die ungenannt bleiben wolle, eine Schenkung von 250 000 Mark zugewendet worden ist. Des weiteren hat die Gemahlin eines langjährigen Mitgliedes der Genossenschaft dieser ein Rittergut mit zwei Schlössern zur Errichtung eines adligen Fräulein- Iliftes testamentarisch vermacht.

Das Brandunglück von Montreal ((Eanaba). Die Opfer in der protestantischen Schule in Montreal (vgl. die gestr. Kl. Tageschr.) waren in dem brennenden Gebäude eingeschloffen, ohne daß sie die geringste Aussicht auf em Entkommen hatten. Das Feuer brach ivahrend deS Unterrichts aus. Tie Schulvorsteherin Miß Maxwell opferte bei dem Versuch, die kleinsten Kinder zu retten, mit Heldenmut ihr Leben. Ihre Leiche wurde umringt von kleinen Kinderleichen gefunden. Die Kinder versuchten durch die Fenster zu entkommen, wurden aber vom Rauch zurück- getrieben lind erstickten beim Ausbruch deS FeuerS. Es waren 250 Kinder in der Schule. Wieviele davon entkommen sind, ist noch unbekannt. Bis gestern abend hatte man fast 40 Leichen geborgen. Es herrscht scharfes Winterwetter. Di« Feuerwehr konnte kein Wasser erhalten und bekämpfte di« Flammen nur unter großen Schwierigkeiten.

Ueber einen uralten Fastnachtsbrauch, bet sich unter« dem NamenMännersaat" in dem Oertchen Trilli fingen erhallen hat, berichtet der ^Schwab. Merkur^: