Ausgabe 
28.2.1907 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 28. Februar 11)07

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Vom südwestafritanischen Aufstande.

157. Jahrgang

Nr. Erstes Blatt

wt A.I.I ll.flA '

durch den jchigcn Vorst aiid nut allen gegen eine auinmi beschlossen. 5)a nach den Statuten die Auslösung nur durch ^wei ordentliche (Äeneraloersammlungen endgültig beschlossen werden kann, finbet am 3U. 3)lar$ eine zweite Generalversammlung statt.

Der Voss. Jtg. zufolge wird eine Vorlage bett. Verbreiterung des Maifct W i 11) cl m - 51 a n a l s ivegen der großen Wichtigkeit dieser Angelegenheit für die Marine und die Handelsflotte bestimmt noch in dieser Tagung den^Reichstage zugehen.

Tie Schaffung eines ReichSkaufmannSgerichteS ist zur Anregung gebracht worden. Beim Bundesrat unb Reichstag sotten vom 5laufmann§gerid)t entsprechende An­träge eingebracht werden.

Der Zentrumsabgeordnete N o e r e n dementiert die Mitteilung, als habe er nut seinem Wunsch um Pensionierung dem Drängen der Parteifreunde nad)gegeben und sich auf ö Wochen beurlauben zu lassen, um den parlamentarischen Debatten au5 dem Wege zu gehen.

Dem Vernehmen nach ist in der heutigen Sitzung bei Bundesralsauvichufies die braun schwel gische An- gelegenhell bcbanbeli luoiöeii und e« wird als unzmei'eihait an- genommen, bau man sich bavübcc einig gcivorben gl, büß unter den obiva.ieiibe» Umiinuben kein Mitglied des Paule« Cumberland zur Dhromolge in 'brnunichiueig berufen werden könne. Tie Angeieuemieii gehl nunmehr uom Aus,cvuß an den VnndeSial ieibu und biejer iimb sich schon morgen mu der An- gelcgcnljeip be|d)ältigeu. Reichslanzler jjuvfi Bulow wird selbst den Vorsttz fuhren. Cs gilt als sicher, daß der Lundesral benjelben Liandpunkt etnnnnnit rvie sein Ausschuß.

Im Zenlralverein deutscher Staatsbürger südliche n Glaubens sprach, so leien mir in derDisch. Tagesztg.", gestern Dr. Jose, Xlcvy über ^DaS Ergebnis der Jieiaiaiag8iüQt)leir. Vom müischen Slandpunkle sei das lir- gebms keineswegs ersreulich. Dec Schwerpunkt sei nach rechts verschoben, die Antisemiten der verschiedenen Richtungen von 21 aus du gestiegen. Bon der nalionaleu Wahlparole unb ruihhandel bei den -Stichwahlen hätten die Antljemiten die meisten Borteile zu ziehen gewußt. Bedauerlrcherioeije Hanen die Liberalen in ihrem wütenden Losgehen gegen die Sozialdemokraten alle ihre Prinzipien über den Partien geworien, ihre gairze Bergangen- hell verleugnet unb bauen sogar ossen Biahlauiru!« zuguuslen von Antisemiten erlassen. vlich» weniger als 18 Anuscmlien seien auf liberalen drucken m ben Reichstag gelangt, em Borgang, der jeben liberalen Juden schmerzlich berühren müsse. Nichtsdestoweniger sollten die Juden keineswegs unter dlesem Eindruck von Parteien der Linken die Gelolgichau veriagen, sondern nur ihren Cmsluß dahin geltend zu macheii suchen, daß dergleichen Preisgabe der l-beralei» Grundsätze nicht mehr vorkomme. So reaktionär und anti- semilisch derpeue Reichstag auch sei, eine Verlegung der staatsbürger­lichen Rechteber deultchen Iudei» lei von ihm nicht zu beiürchlen. Alenn der Zenlralverein ben Anlisemilismus bekampie, |o tue er es nicht tin egoiiiljcheu Interesse der Juden, sonbern biene damit gleichsallS der .nationalen Ehre" und dem Wohle des deutschen Vaterlandes." Lebhauer Benall.)

Ludwigshafen, 27. Febr. Nach der ,Pf. Pr." ist gegen die Wahl des Bürgermeisters Spindler (Ztr.) zum ReichSlagS- abgeordnelen P r o l e |i an ben Reichstag übgegangen.

oiraßburg, 21. Fedr. wegen die Wahl des hiesigen foz. Zigarrenhanblers Bohle zum Reichslagsadgeoroueten t|l von liberaler Seile Einspruch erhoben worben.

Deutsche» Reich.

Berlin, 27. Febr. Anläßlich beS Hochzeitstages des Kaiserpaares fand heute abenb im Elijabethfaal des Schlaffes Tafel statt.

Lern bisherigen Gesandten in Christiania S tu bei tvurden die Brillanten znm Roten Adlerorden zweiter Klaffe mit Stern unb Eichenlaub, dem badischen Fmanzimnister Becker der Kronenorden erster Klaffe verliehen.

Tie Vorbereitungen zum preußischen Lehrer» Besoldungsgesetz sind soweit gefördert, daß demnächst an die endgüllige Fertigstellung des Entwurfs gegangen werden kann. Auch die Atisfühcungsbestiinniungen zum Schulunter- haltungsgesetz sind soweit vorgeschritten, daß die Veröffent- lichilng des ersten Abschnittes in Kurze zu erwarten steht.

Berlin, 27. Febr. Tie Geschäftsordimngskommission )es Abgeordnetenhauses beschloß, die Genehmigung zur S t r a f v e r f o 1 g u n g der sozialdemokratischen Redakteure Molkenbuhr, Wtttmaack und Dornheim roegen Beleidigung des Abgeordnetetchauses nicht zu erteilen, da es für die Beurteilung der vorliegenden Fälle ent- cheidcnd sei, ob die Beleidigungen schon vor der War­nung, die mit der früher beschlossenen Genehmigung zur Strafverfolgung beabsichtigt sei, erfolgt seien, was tatsächlich der Fall sei.

In der Generalversammlung der Berliner Milch- zentrale wurde die Erhöhung der Haftsumme von 260 auf 280 Mk. für jeden Anteil mit allen gegen 33 Stimmen, die Erhöhung der Geschäftsanteile von 260 auf 280 Mt. mit allen gegen 29 Stimmen und die Auflösung der Genossenschaft, sowie die Durchführung der Liquidation

Berlin, 27. Februar.

Dem Reichstage ging eine vom großen Generalstabe ouSgearbeitete Denkschrift über den Verlauf beS Aufstandes in Eüdwestafrika (Fortsetzung) zu. Diese schildert den Ver­lauf der Operationen seit dem November 19u6, welche dahin führten, daß der Kapitän der Bondelswarts, Johannes Christian, die Nutzlosigkeit des weiteren Widerstandes einsah, sind berichtet über die vergeblichen Versuche, mit den Bon- helfroarts über den Frieden zu verhandeln, in Folge deren «erlauf es für den Obersten Deimling noch Mitte De­zember völlig ungewiß war, ob die Unterrocrfung zu Stande kommen werde, wahrend auf dem anderen Gebiete pes Kriegsschauplatzes der Kriegszustand forldauecte. Teuu- iing hielt es um diese Zeit noch nicht für angängig, Bericht ßber die beabsichtigten Verhandlungen zu erstatten,, da noch picht abzusehen war, ob sie em Ergebnis hätten. Die Sept»

nwixai 110)75^ otfrteU jährlich All. 8.20. durch Abbote- il BroetgneUen monatlich Pi durch die Post Mk.8. vienel- lälnl. auelrt)L Be-lellg. Annahme von Änielgci füi bie iagetnununet bi« oonnuidq« tu ttnr. Bedenprete; lokal tdPi^ aueiDärte zu Piemng. fBV ianiwörtlich titt ben polit unb allqem. Leit: P, Witiko tüt labt unb Land" unb .Gerichtssaaf Ernst 'e peb , tut ben An- geiqentetl: San« Beck

In einer Besprechung der letzten Rede deS Reichskanzlers schreibt die römische ,2nbuna*:

Mit Bezug auf seine Versicherung der friedlichen Politik Deulschlands, es sei zwar selbstverständlich, daß em arbeitimnee Volk wie bas beulsche und eine Negierung wie die BütoivS, die Nichts versäume, die wirtschafiliche, kommerzielle und industrielle Enl'.vickluna Deutschlands zu sichern, Abeineuern abgeneigt fei, welche die Früchte jo vieler Jahre der Arbeit aufs Spiet setzen könilieii, aber es sei bei einem jo von Verdächtigungen gesälliglen internationalen Milieu ein Akt kluger Politik, bieS immer wieder |u sagen.

Fast alle Pariser Blätter heben hervor, daß der Reichskanzler gegen Bebel sehr entschieden, gegen Spahn da­gegen ungemein vorsichtig aufgetreten sei.Petste Repu- |blique* kommt zu folgendem seltsamen Schluffe:

»Fürst Bülow wird nicht leicht haben, in der inneren Politik die Elemente semer Mehrheit zusammenzuhalien. Tie Schwierigkeit verschivmdet mdetz, wenn nationale Fragen zur Erörterung stehen. Dos »st der schwarze Punkt der Lage, denn die Versuchung ist stark, durch ein äußeres diplomatisches Unternehmen den Schivierigke,len der inneren Politik abnihetien. Da besieht für Europa eine toe- lahr, die nicht oeriiachlassigt werden darf."

Ausland.

Stockholm, 27. Fevr. .jn der zweiten Lämmer wurde heute ein Abänderungsanttag zu dem Regierungsentwurf bett, die Apanaaesrage eingeorucht. Die Anrragsietter crfläcten, sic i,äit.n itf-örm, b- das Defizit im Haushaltdes Kron­prinzen sich auf 660 OOU Kro neu btiuuie, unb sie hretten es daher für richtiger, diesen Fehlbetrag Döing zu betten, als die von der Regierung rorgeschlaaene Apanage zu beiuiUigen. Sie beantragten daher, falls der Apanageentwurf der Regierung abgelehnt wurde, das zum trvnprinzlichen Palais gehörige Stall- gebäube ju verkaufen und von der Lauffumme 550 000 Kronen zur Deckung des Teiizils zu verwenden unb weitere 28000 Kronen ba|ür zu verwenden, in den lvniglichcn vo,stallungen eigene Stal­lungen für die kronprinzliche Hofhaltung einzurichten. Es ver­lautet, daß die Regierung diesen Antrag bcroilligt.

London, 27. Febr. Nach verschiedenen übereinstimmenden Meldungen aus K a p st a d t hat die bortige Polizei einKomplott entdeat, dessen Tettnehmer bezweckten, die holländische Insel Ce- lebe sdenNiederlanden zuentreißenundinden Besitz einer Bande nwderner R ä u be r ju bringen. 3000 bewaffnete Abenteurtt hätten, wie der englischen Behörde bekannt geworden ist, an der Insel landen sollen, um von ihr Besitz zu ergreifen unb eine Regentschast einzusetzen. Nach der Eroberung d>r Fasel wollten die biäubet die Gruden, welche sehr reichhaltig sein sollen, für sich ausbeuten. Man httl die Fäden des Mmplous nicht nur in Südairika, sondern auch bis nach Englatib und Amerika verfolgt. Nicht nut Engländer, sondern auch Lapburen, Amerikaner und einige Deutsche, Schweden und Dänen sind an der Sacye beteiligt. Dampfer waren schon gemietet, um die Expedition nach EelebeS zu transponieren. Die Behörden in Südafrika haben schleunigst Maßregeln er­griffen, um die Ausführung des Projekts zu verhindern. (Die ganze Meldung Lingt überaus unwahrscheinlich. D. Red.)

Tas Unterhaus nahm mit 108 gegen 90 Stimmen eine Rcsolution an, durch weicpe die Entstaatlichung der englischen Kirchen unb die Einziehung der geist­lichen Pfründen befürwortet wird.

Paris, 27. Febr. Im ehemaligen 'Jiuntiaturgebäube sind heule nachmittag Die Papiere des Archivs der Nun­tiatur in Anwesenheit des Ministers Gavarry und des österr. Botsotsrttes Grasen Nemes, aus den von der französi,chen Polizei vrr irgetten schränken entnommen, ohne Vornahme irgend einer Veri,itation in Stiften verpackt, sodann mit den Siegeln des sr-n.ösis^n Minister.um& des Aeußern unb der öiterreichtsch- ungarisa.cn Botschaft versehen uin> nach Aufnahme eines Pro- toHolles über bu& m dieser Angeiegenl-eit beobachtete Verfahren nao) d.r vsterteichisch-ungurischen Botsusttsi gebracht woroen. Die Botschait wiro vie Stiften demnächst dem Vertreter des 'JJlonfignore Montagnini übergeben.

D«r iZLbj. Eontant hat einen Antrag in der ttammer eingebraa.it, worui er verlangt, baß den Steuerzahlern, die weniger als 9000 <51. Einkommen Haden ober

schritt gibt dann Den Verlauf der FriedenSocrhandlungen wieder, die am 21. Dezember begannen und am 23. De- zernber zur Unterwerfung der BondelsioartS führten; sodann erwähnt die Tcnkschnft, daß Simon Copper mit einem Xeil der Franzmann-Hottentotten noch in der schwer zugäng­lichen Kalohari im Felde sieht und im Süden arißer dem Kapitän Lambert auch der au8 dem Kaplande zurück- gekehrte Fielding das Fischstußgebiet seit einiger Zeit un- sicher macht. Daher sei un Süden der Kolonie zu bei oollständigen Niederwerfung des Aufstandes zurzeit noch eine angemessene Truppenzahl erforderlich und vorzeitige Zurückziehung der Truppen würde den Ai u t der noch im Felde stehenden Auf ständigen neu beleben und ihnen Zulauf verschaffen. Em Sluf- flackern d e 8 A u f st a n d e s sei noch Nicht ausgeschlossen. "Noch viele unsichere Elemente seien im Grenzgebiete vorhanden, die jederzeit bereit seien, Unruhige zu neuen Kämpfen aufzureizen. Die Tenkschrift schildert sodann eingehend die gegenwärtigen Verhältnisse un ganzen Schutz­gebiete, welche- sich in einer UedergangSzeit befinde und wo völlige FriedenSoerhältnisje noch nicht überall vorhanden seien. Welchen Euistuß die einseitigen Heieroführec, wie Samuel Illkoharero, noch nach der etwaigen ötuckkehc in das Starninland ausüben werden, fei zweifelhaft. Im mittleren Üiamaland unb in ben Bezirken Gideon und Keetmans- 1)0 op seien Keime. zu neuen Unruhen ganz besonders vorhanden. Im aübin sei die Aufrechterhaltung kampi- bereiter Truppen vnentbihrlich. Ein nicht unbeträchtlicher Teil dec Truppen werde zunächst noch benötigt ziir Bewachung von 16000 Gefangenen, ferner leben etwa 15 000 freie Eingeborene in Stammesorgamsatlonen zum Teil gut bewaffnet und beritten, und ziviichen ihnen deutsche Siedler, Buren und Alischlinge. Zn einem derartigen besiedelten Gebiete von 1'/, facher Größe des deut­schen Reiches, sei eine starke Trupp nmacht zunächst noch nötig, um ihm die erforderliche Sicherheit zu gewähren. 'Dlilitärftationen müssen eingerichtet werden und mit genügen­der Stärke besetzt werden, um ununterbrochen Streiszüge zur Durchführung der Entwaffnung der Eingeborenen zu unter­nehmen.

Die Denkschrift schließt: Aus allen diesen Gründen läßt eine weitere Verminderung der Truppen sich nur allmählich durchführen. Eine Ucbercilung könne zu schlimmen Riick- ichlägen führen. Mit der bereits angekündigten Verminderung auf 7000 Mann bis zum Schluffe des Rechnungsjahres 1906 ist vielmehr die Zahlengrenze erreicht, bie für die nächste Ucbergangszeit nötig und auch mit Rücksicht auf das erforber- liche HeranSziehen ber Heimatstransporte bis zum 1. 'April 1907 möglich ist. Rach ber fortschreitenben Besiedelung, nach bei fneblichen Anpassung der Eingeborenen, vor allem aber nach der weiteren Erschließung beS Landes durch Eisenbahnen lvird sich das Vtaß der Zurückziehung der Truppen regeln lassen. Insbesondere ist bie Fortführung ber Bahn nach Keetmanshoop, abgesehen von wirtschaftlichen Vorteilen, aus militärischen Grünben nach wie vor briuglich. Ohne biese Bahn sind bie Truppen beS SübenS noch immer auf bie Zufuhr auS englischem Gebiete angewiesen. Die englische Grenze ist aber wiederholt, auch von neuem seit Mitte Januar, von der Staatsregierung gesperrt worden. Die Eisenbahn ist das sicherste Alittel, um mit geringeren Truppen­stärken auSzukommen. Sie gewährt allein die ÜNöglichkeit einer schnellen Truppenverschlebung im Falle einer Gefahr. Was bie militärische Entblößung eines Gebietsteiles auf längere Dauer in unruhigen Zeiten bedeutet, hat bie Entwickelung des nun beendeten LlusltandeS gelehrt.

außer EonmagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen kandwlrt die Gießener Zamltien- blötter viermal In der Woche beigelcgt unt zweimal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis

General-Anzeiger für Gberhesien

««Kifl« «i,ften.n: Rotatfons6ru<! und Verlag der örüfil'ldien Unlv.-Vuch- und Slclndruckerel. R. lange. Rcöaffion, Lxpedirlan und vru-kerel- Zchi-lftratze 7

fr vie Veulige Wummer umfaßt 10 Zeiten.

politifebe Tagesschau.

Za Bütows letzter Rede.

DieRordd. Allg. Ztg.^ schreibt unter dem Titel »Frech gelogen*:

In seiner Rede am 26. d. M. wieS ber Reichskanzler die in einem Artikel des EVorwärtS* enthaltene Insinuation zurück, daß wir nur deshalb an Sübroeftafrifa festhietten, >im von dort aus ben englischen Besitz m Südwest - afrifa zu bedrohen. 9lun behauptet ber ,VorwärtS^ .unter einem starken Aufwand von Schimpfworten, eine der­artige Älnslaffung habe nicht im .Vorwärts*, sondern in dem bürg .".chen Unternehmeiblatt, die rStonfeftion*, gestanden, und derVorwärts^ habe sie lediglich nachgedruckl. Wir haben hier ben schlagenben Beweis dafür, mit welcher Lncht- fertigfeit das Zentralorgan bet Sozialdemokratie gemacht wirb. Seine Redakteure kennen ihr eigenes Blatt nicht. Sonst müßten sie wiffen, baß der .VorwäitS" vom 80. Januar in einem »Imperialistische Wahlen* überschrievenen Artikel seines Londoner ÄlitarbeiterS folgende Sätze enthielt:

sind Anzeigen vorhanden, daß man in Deutschland an der Möglichkeu verzweifelt, den Engländern zur See als 9)1 a ti) 11 a f t o r e n t g e g e n 11 e 11 n zu können. Allem was zur See nicht möglich ist, könne man zu Lande versuchen. Ansgehenv von diesem ivedanken will Deutschlano in Südwestalrika eine Landmacht schaffen, um auf das britische Reich einen D r n ck auBüben zu kÜimen. Man rechnet tn Deutschland, Süd­afrika sei die Achillevoerse Englands. Die Buren vergäßen noch lange nicht die Konflitte nut England; ihre Austehnmig gegen die engiifchen Eroberer |et ivohl möglich. In einem iolchei» Aiomenle könne Deutschland nut einer starken südwestairlkanlschen Garnison den Engländern Bedingungen stellen und Konzessionen abrmgen. Rur aus diesen Erwägungen erliärl sich die EinpfindlichkeU der deulschen Regierung über die Abiehnung des südweiiafrikanischen RachiragLelaiS. Ebenso erllärt sich daran« der Wert, den die Re- flicnuig der sonst ökonomisch werllosen Kolonie bemußt. Sudwest- afrila i>at für sie einen straieg'schen unb biplomatischen Werl/

Wir bemerken ausdrücklich, baß biese Auslassungen nicht Zitat, sonbern eigenes Gespräch beS sozialbcmokratischen Ver- fasserS sind. Wollte man banach gegenüber ber Ablehnung des ,VorwärtsE ben Sa uherbent on anwenben, fo würde man tagen, baß baS Blatt seine Lefer frech belogen hat.

In ber letzten ReichstagSrcbe hat bet Reichskanzler ferner ei.ie Llilteilung berFrankf. Ztg/ uom 6. Febriiar o*r* lesen, nach welcher am SLichwahltage in Jranl- f u r t a. M. von bem sozialbemolratischen Wahlkomiiee im Auftrage von Wilhelm Dittmann cm Flugblatt verbreitet worben sei, m bem ben Freisinnigen St immen kauf am Wahltage oorgeworfen wurde. Tiefes lügenhafte Flugblatt fei bereits am Tage vor ber Wahl gebrückt worben. Dem Fürsten Büloio ist nun ein Telegramm DittmannS zu- gegangen, in welchem biescr barauf aufmerksam macht, baß bereits un Abenbblatt ber ,Franks. Ztg." vom 6. Februar eine Berichtigung von ihm enthalten war, in welcher unter Angabe ber Zett unb ber Art ber Zeugen erklärt würbe, baß die Behauptung unwahr und er gegen bieFranks. Ztg/ klagen werbe. Diese Berichtigung war bem Reichskanzlei Nicht bekannt. Ob bieFrantf. Ztg/ mit ber von Bülow verlesenen 'JJliüeilung im Rechte ist ober nicht, wirb ja bas in Aussicht gestellte Gerichtsverfahren erweisen.