täniflsten Willfommgruß mit der Versicherung aufrichtiger Treue und Verehrung. Ter Ausschuß der Wietzener Studentenschaft.
Ew. königl. Hoheit, den, Rektor Maginficentissimus legt die Studeniensebaft der Ludoviciana das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Ergebung ab.
Ter Ausschuß der Siebener Studentenschaft.
Hierauf gingen dem Ausschuß folgende Danktelegramme zu: Ho mburg, Schloß, 25. April 1907. Ich danke Jbnen für den freundlichen Gruß als Zeichen Ihrer patriotischen Gesinnung, auf welche sich Kraft und Stärke des Vaterlandes gründet.
Wilhelm I. R.
Darmstadt, 26. April 1907. Für die mir gestern zum Ausdruck gebrachte treue Gesinnutrg wollen Sie bitte meinen ausrichtigen Dank übermitteln. Ernst Ludwig.
"Erweiterung gemeinnütziger Anstalten. Sowohl die Herberge zur Heimat, wie das Schwesternhaus des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege in der Johannesstraße sollen in diesem Sommer eine Erweiterung erfahren, weil die bisherigen Räume für die wachsenden Aufgaben nicht niehr genügen. Heber letzteres, sowie über allerlei neue Aufgaben des VeremS wird in der morgen nachmittag um 6 Uhr tn dem Markus- saale (Kirchstr. 9) slattsindenden Generalversammlung verhandelt werden, deren Besuch sich darum empfiehlt.
** Zur Obmannswahl im Landeslehrerverein. Der Verruf der am zi. Apcll abgchaltenen V e r s a m m l u n g des Darmilädter LehrervereinS bestätigte die durch die SLay^it-l'le bereits bctuimi »cwordene Berufung, daß es bei der bevorstehenden Obmannswahl zu einem regrm SBiLtberoerb zwischen verschiedenen Gruppen kommen werde. Bei der Abstimmung siegte die Richtung, die Herrn Huff auf den Schild erhoben haben will, mit der sehr geringen Mehrheit von zwei Stimmen. Die andere Gruppe, die von der Auffassung ausgeht, daß Herr Lösch die kommenden Aufgaben mit einer größeren Energie als Herr Huff anpacken würde, unterlag mit 41 gegen 43 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen. Trotzdem Herr Huff als Kandidat des Hauprvorstandes gilt; trotzdem Herr Lösch Herrn Huff gegenüber erklärt hatte, er werde bei dessen Aufstellung sich nicht um den Obmannsposten bewerben, und bei einer Versammlung in Frankfurt selbst für die Kandidatur Huff eingetreten war; trotzten darauf ausdrücklich hingewiesen und von Herrn Lösch in der Versammlung bestimmt erklärt wurde, daß er sich an sein Wort und seine Abstimmung noch gebunden fühle, wurde auf seinen Namen — die Kandidatur Losch war inzwischen vom Bezirksverein Lampertheim ausgestellt worden ■»- triefe erhebliche Stimmenzahl abgegeben. Die Wichtigkeit der Tagesordnung hatte einen so zahlreichen Besuch bewirkt, wie er in der Geschichte des Darmiräoter Lehrervercins noch nicht zu verzeichnen ist. Es waren selbst Mitglieder anwesend, die feit Jahren nicht mehr an den Beratungen des Vereins teil» genommen hatten und die augenscheinlich den Ausschlag gaben. Inwieweit diese Darmstädter Abstimmung die letzte Entscheidung beeinflussen wird, bei der außer den beiden genannten Herren noch Herr Müller-Gießen in Betracht kommt, läßt sich nicht Vorhersagen.
" Kun st verein. In der Gemälde-AuSsiellunq hat wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt- gesunden. Es gelangten neu zur Ausstellung 6 2 Gemälde deS Oesterreich»schen Künstler-Bundes, sowie eine Kollektion Gemälde von P. Bayer-Kartsruhe und noch 5 Gemälde von W. Barthels-Gießen.
" Betrügerin. Am verflossenen Mittwoch suchte im evangel. Schwesternhaus die 20jährige angebliche Marie Fingerte auf einige Tage Unterkunft und gab an, ihre hier wohnhafte Tante, eine Frau Schmidt, werde ihren Unterhalt bezahlen. Gestern morgen verschwand die Person und man entdeckte, daß einem Dienstmädchen ein Korallenarmband, eine Brache und ein silbernes Anhängsel aus dem Schrank gestohlen war. Aus einem anderen Schrank wurde ein Regenschirm vermißt. Die Person wurde noch hier betroffen und verhaftet. Man fand die gestohlenen Sachen in ihrem Besitz und ihre Angaben mit der Tante stellten sich als unwahr heraus.
"Roheit. In der Nacht auf Sonntag wurde einem Bewohner des Steimvegs der Vorgarten verwüstet und Sträuche und Rosenstöcke abgebrochen.
" Diebstahl. Ai>s einer Mansarde in der Ludwig- straße wurden eine Damenuhr und zwei wertvolle Ringe von unbekannten Tätern gestohlen. Jedenfalls handelt es sich dabei wieder um einen gewerbsmäßigen Maniardendieb.
" Unfall. Am Neuball der Fralienklinik stürzte der Weißbinder Schmidt aus Krofdorf vom Gerüst 12 Meter in die Tiefe. Der Verletzte wurde in die Klinik gebracht.
** Die hessische Landwirtschaftskammer wird infolge Verhinderung des Präsidenten Haas anstatt am 6. erst am Dienstag, 7. Mai, vorm. 10 Uhr, zusammentreten. Der Wahlprüfungsausschuß hält am Tage vorher eine Sitzung ab. Soweit sich bis jetzt feststellen läßt, werden im ganzen drei Wahlen für ungültig erklärt werden und zwar je eine in Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg. Die oberhessischen Abgeordneten werden sich ebenfalls schon am Abend vorher, also am Montag, zu einer Besprechung wegen der Bildung der Ausschüsse zusammen find en.
— Wleseck, 28. April. Einem allgemeinen Bedürfnis entsprechend, versammelte sich gestern im Lokale des Gastwirts Erb der größte Teil der hiesigen Pferdebesitzer zwecks Gründ llng eines Pferdeversicherungsoereins Sämtliche Anwesende erklärten sich bereit, eine Versicherung im Orte zu gründen. Eine weitere in den ersten Tagen stattfindende Generalversammlung soll sich mit dem Entwiirf der Satzungen befassen. — Hieran anschließend hielt Herr Fenchel aus Gambach einen Vortrag über Pferdebehandlung mit besonderer Berücksichtigung der Pferdefütterlrng und des Huf- deschlags, der von den Amvesenden reichen Bcijall erntete.
b. Lich, 28. April. Die Versammlung des Kreis- ziegenzuchtvereiits, die heute nachmittag im Gasthaus zum Löwen tagte, hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde als erster Vorsitzender Kreisamtmann Merck und als zweiter Lehrer Franz von der landwirischastlicheu Winterschule zu Lich gewählt. Als Körkommission wurde an Stelle des Herrn Heinrich Schön von Gießen, der sein Amt niederlegte, Herr Beimborn-Gießen gewählt. Tie Spesen für die Körkommissionsmitglieder wurden von 2.50 auf 3.50 Mk. erhöht. Tie Abrechnung vom verflossenen Vereins- iahr ergab emen Reinüberschuß von 169.50 Mk., wozu noch b0 Mk. staatliche Unteritüfoungogelber kommen.
-d Nonnenr oth, 28. April. Dem hiesigen Kriegerverein wurde wegen seines langjährigen Bestehens von dem Kaiser eine Fahnen schleife verliehen, welche heute von Regierungsrat Welcker, der von Gießen gekommen war, überreicht roiirbe. Aus diesem Anlasse hatte der Verein bei Gastwirt Metzger hier eine Feier veranstaltet, die begünstigt vom herrlichsten Wetter m schönster Weise verlief und zu der sich die Nachbaroereine Lich, Langsdorf, Ruppertsburg rc. eingefunden hatten. Tw erhaltene Schleife möge eine Zierde und ein ehrendes Zeichen am Banner des Vereins bilden.
S Votzn Vogelsberg, 28. April. Gestern herrschte
hier ein mehrere Stunden anhaltendes Schneegestöber, der Schnee blieb längere 3eit liegen, sodaß Flur und Feld eine Schneelandschaf.t bilden. Die Temperatur ist beträchtlich gesunken, nachts herrschen strenge Fröste. — In En ge l- rod gingen einem Landwirt die Zugtiere mit der Säemaschine durch, der Landwirt geriet unter die Maschine, wurde geschleift und von den Zinken schwer verletzt, die Kopfhaut wurde ihm vollständig abgerissen. — In Storno orf gerieten zwei umherziehende Taschenspieler Leim Geldaufheben in Streit. Der eine fujlug dem anderen einen dicken Knotenstock auf den Kops und suckle ulit dem Gelo das Weite, louy^cnu der ideuuyLe bewußtlos und blutüberströmt liegen blieb. Die Gemeinde mußte den Arzt holen.
d. Mainz, 28. April. Seit zehn Jahren verübte der 44 jährige verheiratete kath. Spengler und Kirchendiener Hch. Kotheimer aus Bechtheim au Mcwcyen und Knaben Sittlichkeitsverbrechen. Es standen nicht weniger als 56 Fälle zur Verhandlung. Der Angeklagte, welcher wegen einfachen Bankrotts mit einem Tag Gefängnis und wegen Körperverletzung mit 10 Mk. Geldstrafe vorbestraft ist, verübie seine schändlichen Taten zum größten Teile in der Kirche. Während der llntersuchungsl)aft wurde er längere 3eii vvn Kreisarzt Dr. Balser auf seinen Geisteszustand beobachtet, aber nichts anormales an ihm gesunden. Tie Stra,tamrner verurteilte üjn zu 5 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust.
eh. Rodheim a. d. Bieber, 29. April. Am vorigen Montag traf Oberregierungsrat Petersen in Begleitung iveitcrer Herren von Wiesbaden und Biedenkopf hier em, um mit der Gemeindevertretung über einen Schulhausneu bau zu verhandeln. Die Absicht, die neue Schule unmittelbar hinter der alten Schule unter Wegfall der Oekononuegebäude zu errichten, wurde fallen gelassen. Als Bauplatz wurden die Schuläcker in allernächster Nähe des Dorfes gewählt. Rodhcim zählte nach der jüngsten Volkszählung 1709 Einwohner und muß daher schon eine ziemlich große Schule bauen. Früher waren Bieber und bis vor einem Jahrzehnt aiich noch Vetzberg mit Rodheim zu einem Schulverband vereinigt. Alle diese Gemeinden, auch das mit Rodheim zu einer Kirchengememde vereinigte Fellingshausen haben inzwischen stattliche Schulhäuser erbaut. Sämtliche Herren begaben sich dann nach Franken bach, um auch dort der Schulfrage näher zu treten. Tie Gemeinde Frankenbach hat ihren Bauplan, wonach cm Schulhaus mit zwei Unternchts- räumen, aber nur einer Lehrenvohnung erbaut werden sollte, dahin abgeändert, daß die alte Schule nicht mehr als Lehrerwohnung benutzt werden wird.
Homburg v. d. H., 28. April. Die Kaiserin hat mit ihrer Sool-Badekur im Kaiser Wilhelmsbad begonnen und gedenkt sie mit kurzer Unterbrechung durch eine Reise nach Potsdam drei Wochen lang fortzusetzen. Prinz August Wilhelin von Preußen ist gestern abend von Bonn hier bei der Kaiserin zum Besuch eingetroffen. Tie Kaiserin unternahm heute nachmittag in Begleitung des Prinzen August Wilhelm, der Prinzejsinbraut, sowie der Prinzessin Viktoria Luise eine Spazierfahrt im Automobil in den Taimus nach Neu-Weilnau. Als Kurgast weilt ferner der regierende Fürst zu Lippe hier. — Früher als sonst setzt in diesem Jahre die Kur ein und zahlreiche Badegäste erscheinen morgens trotz der oft noch recht kühlen 'Morgenluft am Elisabethen- und Land- grafen-Brunnen, um die Quellen zu trmken. Die Zahl unserer Quellen ist übrigens Heuer noch um eine vermehrt worden, welche den Namen ,Augusta Viktoria-Quelle* führt.
Gießener Strafkammer.
Jl Gießen, 27. April.
Der Eiseubahn-Uufall bei Groß-Äarbeu, der am Abend des 28. Januar ds. Js. staUfand, beschäftigte die Strafkammer bis zur spätesten Nachtstunde. Unter Anklage standen der an genannter Station beschäftigte Stationsdiutar Paul G r u n d k e aus Duckwitz und der Bahnarbciter Konrad Lohmann von Okarben und zwar ist ihnen zur Last gelegt, daß sie, aid zur Leitung der Ei, enbahn jährten bezw. zur Aufsicht über die Bahn und deren Bechrderungvaetrieb angestellte Pev- lonen, durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten einen Eisenbahntransport in Gefahr gefetzt und durch dieselbe Handlung die Körperverletzung mehrerer Personen und den "Tod eines Menschen herbeigeführt haben, indem _ sie die Aufmerksamkeit, zu der sie vermöge ihres Berufs besonders verpflichtet waren, außer Acht ließen. Nach den Bekundungen der Augenzeugen ist am genannten Abend der von Frankfurt kommende Schnellzug in fast voller Fahrgeschwindigkeit, einer auf seinem Geleise befindlichen Rangieravteilung in die Flanke gefahren. Tie vordere Lokonwtive des Schnellzuges rannte den hinter der Güterzugslokomotive fahrenden Wagen beiseite und bohrte sich in die Böichung ein, wahrend die zweite Lokomotive auf den Tender der Güterzugslokomotive rannte, sodaß dieser, unter ihr liegend soitgefchrbep wurde, wobei die eiserne Fußweg Überführung äui'ammengeiiiicn wurde. Der Heizer der Gnterzugs- maschine, der absprang, wurde getötet, waycend der Lokomotivführer heruntergeschleudert wurde und besinnungslos liegen blieb. Dieser trug außer einem Rippeubruch eine Reihe von Quetschungen und Wunden am ganzen Körper davon, sodaß er heute noch Rekonvaleszent und es fraglich ist, ob er je wieder vollltandig hergestellt wird. Der Lokomotivführer des Schnellzuges hat nach dem ärztlichen Gutachten, das bei der Verhandlung zur Verlesung kam, eine Zerreißung des Bauchnetzes davvngetragen, sodaß Blut in das Innere gelangte; sein Zustand ist so, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Heizer dreier Lokomotive bekam einen Arm zerquetscht, der eine Amputation nötig machte und erlitt weiter einen komplizierten Unterarmbruch; auch ist ein Bruch der Schädelbasis mit ziemlicher -Lacherhell festgeftellt worden. Eine Reihe weiterer Personen haben mehr oder weniger Schaden genommen, so insbesondere eure Anzahl der den Schnellzug begleitenden Postbeamten. Von dem L>ach- oerstandigen wird der angerichtete Materialschaden auf lOüOOU Mark geschätzt, abgesehen von den noch .geltend zu machenden Ansprüchen der Verletzten, Der Unfall ist auf das Verschulden des Angeklagten G., der als Fahrdienstleiter die Signale sür die Durchfahrt des Schnellzuges zu geben hatte, zurückzuführen, der das Einsahrtsignal gab, ehe er sich davvn überzeugt hatte, daß das Gleis frei tst; ebenso trifft den Angeklagten L. ein Verschulden, der unbefugterwepe eine Weiche in Grundstellung legte, ohne ivelches G. das Stellen des Ein- fahrtfignals nicht möglich gewesen wäre, da die Weiche mit dem Signal in Verbindung steht. G. hätte sich vor dem stellen des Einjahrtfignals persönlich davon überzeugen müssen, daß das Geleise frei sei und das umsomehr, als ihm dies durch Verfügung seiner Behörde, unter Hinweis aus eine diesbezügliche Entscheidung des Reichsgerichts, anbefohlen worden war. Ter erstmalige vergebliche Versuch, das Einfahrtsignal zu geben, hätte für ihn ein besonderer Anlaß zur Vorsicht sein müssen; statt dessen hat er a us dem Umstand, daß inzwischen die Weiche in Grundstellung gebracht wurde, den Schluß gezogen, daß sich auf dem Geleise ein Hindernis nicht beiindcr, allerdings hat er an das unbefugte Handelii eines Dritten nicht gedacht. L. will in dem Gedanken, daß das Geleise frei sei, um dem Weich.nsieller einen Gang zu sparen, die Weiche in Grundstellung gebracht baten. Während der Angellagte G. behauptete, baß
etne Reihe zusenrinrengetroffener Zufälligkeiten die Veranlassung zu dem Unfall geben, machte ihn sein a.s Sachverständiger ver» nvmmen.r Vorgesetzter den Vorwurf einer groben Pflichtvev- letzung. Ein weiterer Sachverständiger hielt die E i n r i ch t u n g e n an der Station nicht den Anforderungen des Betriebs entsprechend und meinte, der Angeklagte sei d rch Arbeitsüberhäufung in seinen,Gedanken von der Hauptsache abgelenkt worden, weshalb er ihn für unschuldig hielt, während ein Dritter sich den Ausführungen des Ersten aufchloß. Tcr Staatsanwalt hielt beide Angellagten der fahrlässigen Tct.mg, d r fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Gefährdung eines Eisenbahntransportes für schuldig. Er hob hervor, daß G. seine Schuld auf andere abzuwülzen sucht, die Einrichtungen at3 schlecht bezeichnet und feine Reue über fein Verhallen zeigt. Er bat das Gericht, den schweren Erfolg bei der Strafausmessung zu berücksichtigen, der noch viel schwerer geworden wäre, wenn nicht die Zugbeamten die Geistesgegenwart besessen hatten, alles zu tun, was in ihren Kräften stand. Er beantragte gegen G. eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und gegen L. eine solche von 10 Monaten. Von der Verteidigung wurde behauptet, daß sich die Schuld auf eine Reihe von Personen und ungenügende Betriebseinrichtungen, sowie an Mangel von Personal verteilt. Tas Zusammentreffen einer Reche von Zufälligkeiten in Verbindung mit der mangelhaften Bahnanlage trage die Hauptschuld an dem Ereignis. Weiter wurde auf die seitherige gute Führung hingewiesen und Freisprechung, eventuell eine ganz milde Bestrafung beantragt. Das Urteil lautete gegen G. auf 6 Monate und gegen L. auf zwei MonateGesängnis unter Anrechuug von je 2 Wochen der erlittenen Unter, uchuugsbaft. Ersterer wurde wegen Vergehens gegen Paragraph 316 Str.-G.-B. in einheitlichem Zusammentreffen mit Vergehen gegen die Paragraphen 222 und 230 verurteilt, während bei Letzterem nur der Paragraph 316 Anwendung fand. Tas Gericht dürfte bei der Strafausmessung den Umstand straf- mildernd berücksichtigt haben, daß die Einrichtungen auf der betreffenden Station den Anforderungen des Betriebs nicht im vollen Umfange entsprechen und daß das Personal durch die vielen Nebenbeschäftigungen in den wichtigsten Momenten nicht mit genügender Sorgfalt verfahren kann.
vermischte».
* Eisige Früh lin g s lu s t unb starke Schneefälle werden aus vielen Teilen Deutschlands gemeldet. Tie Taunusberge trugen am Sams lag vormittag sämtlich reiiyen Schnee. In Ko bürg ist reichlich Schnee nieder- gegangen, und die Thüringer Berge zeigten gleichfalls ein winterliches Bild. Im Rhöngebirge herrschte am Freitagabend heftiges Schneegestöber; der Neuschnee ist stellen- wei,e ein halveö Meter tief. Nach einem Sturm, der großen Schaden in der Umgebung von Karlsruhe anrichtete, ist dort dichter Schneefall eingetreten; dasselbe wird aus Stuttgart und anderen Württembergs chen sowie bayr. Städten, wie z. B. Nürnberg, gemeldet. Aucy der amt» liche Witterungsbericht von dem B r o ae u ktingt luinrerliujer als sonst um diese Zeit. Aehnliche Nachrichten kommen aus der Eifel und aus Schlesien, ferner aus Frankreich, Böhmen und Kärnten.
* Bluttaten. In Seesen (Harz) erschoß der Zigarrenarbeiter Jochheim im Streck feinen Vater und durchjchnckt sich den Hals. — In Dresden erschoß sich in der Wohnung seiner Geliebten, einer Kabarettsängenn, der 25 Jahre alte Sprachlehrer Raymond Fouces. Der Beweggrund zum Selbstmord ist in mißlichen Vermögens- Verhältnissen zu suchen. — Der Bierkutscher Wirth in Magdeburg, welcher mit seiner schwerhörigen und leidenden Frau seit Jahren m Unfrieden lebte, bearbeitete diese mit einem Schcmclbem so unbarmherzig, daß er ihr auch den Schädel zertrümmerte. Die Frau blieb zuletzt lot in ihrem Bette liegen. Wirth ging am Morgen zur Arbeit; als die Polizei mittags den Mord entdeckle und den Mörder verhasten wollte, schoß sich dieser eine Revolverkugel in den Kopf. Sein Zustand ist bedenklich. — Ter frühere Präsident der Delaware Hudson Eisenbahn, Bilcox, hat sich an Bord des Dampfers Borussia erschossen. — In einem Hause in Essen-West wurden der Kassenbote Julius Vogt und der Buchbinder Silgener erschossen aufgefunden. Man nimmt an, daß Silgencr den Vogt bei einem Strecke aus Eifersucht erschoffen und sich dann selbst getötet hat.
* Ein amerikanischer Millionär namens Thü»- deus Roß wurde am Vorabend seiner Hochzeit mcker sonderbaren Umständen ermordet. Roß hätte sich mck einer den ersten Gesellschaftskreisen Newyorks angehörenden bekannten Sck)önheck, Miß Edith Sampsell, verehelichen sollen. Die Hvch- zeck hätte in der Heimat der Braut, Oll City, jtaltfinden solleii. Vorgestern abend saß Roß beim Diner allein, als plötzlich das Telephon klingelte und eine Frauenstimme ihn anfsordertt, sofort zum Bureau eines Dr. Magee zu kommen. Roß eilte sofort dahin. Er kam jedoch nicht wieder, und ant nächsten Morgen fand man ihn im Bureau deS Arztes tot auf; der Kopf war durch eine Kugel zerschmettert. Neben ihm lag die Leiche einer Miß Stroup, ebenfalls mck einer Kugel durch den Kopf. Die Untersuchung ergab, daß Miß Stroup den Millionär erschollen und sich dann selbst getötet hatte. Sie war eine frühere Geliebte des Millionärs und verübte die Untat offenbar, um seine Ehe mck der schönen Miß Sampsell zu verhindern.
*Die neuesten Eisenbahnunfälle. Am 26. d. M entgleiste in der Nähe von Deggendorf ein Postzug. Drei Wagen des Zuges wurden vollständig zertrümmert. Alle übrigen Magen und eine Lokomotive wurden bedeutend beschädigt. Em Passagier wurde schwer, mehrere leicht verletzt; der Materialschaden ist sehr gwß. Eine Hülfs-Expedition ist abgegangen, der Verkehr teilweise gesperrt. — Ein aus, Südfrankreich kommender Eisenbahnzug entgleiste infolge falscher Weichenstellung auf dem Bahnhof Frejus. Ein Beamter wurde getötet, etwa zehn Reisende verletzt.
'Vorn Vulkan Stromboli in Italien. Am Sonntag morgen vernahm man in Reggio in Ccllabarien einen schweren dumpfen Knall, der sich anhörte, als wenn ein Puloerturm in die Luft geflogen wäre. Bald merkte man an schwarzen Rauchwolken, die nordwestlich dem Bleere zu entsteigen schienen, daß der Knall von dem Vulkan Stromboli seinen AuSgang genommen halte. Von den Reggio überragenden Höhen sah man eine Wolke in Form einer ungeheueren breit gekrönten italienischen Fichte eine mehrere hundert Meter hohe Rauchsäule abschließen. Aus Stromboli traf gleichzeitig die Nachricht ein, daß der Vulkan nach kurzer Ruhe mit furchtbarer Heftigkeit sich wieder gerührt habe. Der durch die Ausstoßung der Rauchmafsen erzeugte Luftdruck hat an vielen Häusern großen Schaden angerichtet. Dre Bevölkerung von Reggio zeigte sich anfangs sehr besorgt, beruhigte sich aber bald.
"Der weibliche Student ist heute eine in allen Hörsälen bekannte Persönlichkeit und fitzt ruhig und selbstverständlich neben dem männlichen Kommilitonen. In lustiger Weise erzählt Theodor Kapstein wie ernst Heineich von Treitschke in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Den ersten weiblichen Zuhörer in seinem Kolleg begrüßt hat. Der berühmte Historiker betritt den Hörsaal und erblickt zum erstenmal unter seinen Zuhörern eine Daine. Nach wenigen


