Nr. 99
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angenommene Üetjvlinge ausleinen lohen. Die Befugnis zur Anleitung kann ihnen gewährt werden, wenn sie bereits 5 Jahre Lehrlinge anlciteten. Zur Meisterprüfung soll in der Regel nur zugelassen werden, wer die Gesellen Prüfung bestand und drei Jahre Geselle war, doch darf während der ersten fünf Jahre die Zulassung nicht von dem Bestehen der Gesellenprüfung abhängig gemacht werden.
Telefon 593
rie Ausführung aller lotograpL Arbeiten.
Erscheint a-llch mit Ausnahme de» Sonntag».
Tie „Stehener ZamllienblStter" werden dem .Anzeiger« viermal wöchentlich beigelegl, das „Hrtlsblatt für den KrtU Sietzen" zweimal wöcherlllich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
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6 10 pfg.
Redaktion. Exvedttton und Druckerei: Vchul- ftrafee 7. Srpebttton und Verlag r 51. Redaktion: 112. Tel.« Adr- AnzeigerLrehen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 29. April.
•* Ordensauszeichnung. Se. M. der Kaiser haben am 25. dsS. DitS. dem Gendarmerie-Oberstleutnant Schmidt, DtstriktSkommandeur der Provinz Oberhesien, den flömgl. Kronenorden S. Klasse verliehen.
D e r F ü r st en D a n k. Der Ausschuß der Gießener Studentenschaft halte am Lage der Anwesenheit deS Kaisers und des GroßherzogS folgende Begrüßungstelegramme an beide Fürsten geschickt:
Ew. Majestät embietet die Gießener Studentenschaft unter».
parlamentarischer.
Berlin, 27. April. Das Zentrum brachte zur zweiten Beratung deS Etats des Auswärtigen Amtes eine Resolution ein, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichs» tage periodisch über die internationalen Beziehungen deS deutschen Reiches urkundliches Material zugehen zu lassen.
— Der dem Reichstage zugegangene dritte Ergänzungsetat für 1907 enthält nur die Forderung von 15 Millionen Mark als erste Rate zur Erweiterung des Kaiser Wilhelm * Kanals, und zwar 9 200 000 Mark, für Grunderwerb, 2 000000 Mark, für NützungS- entschädigungen, 600 000 M. für Ersatz der Familienhäuser, die wegen der Erweiterung abgebrochen werden müssen, 3 200 000 M. für Projektbearbeitungen. Die gesamten Kosten werden 221 Millionen Mark betragen, wozu noch 2 Millionen Mark für Zwecke der Landesverteidigung treten. Als Bauzeit sind sieben bis acht Jahre in Aussicht genommen. Tie Schleusen m Brunsbüttel und Holtenau werden umgebaut. Das Kanalprosil soll eine Tiefe von 11 Meter erhalten. Die Kanallmie wird im allgemeinen bei- behalten. Eme Vermehrung der Ausweichstellen wird vor genommen. Die Erdarbciten für die von der Stadt Kiel anzulegende Handelsbahn werden auf Kosten des Reiches ausgeführt.
— Der dem Reichstage zugegangene Entwurf betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung gestattet das Halten und die Anleitung von Lehrlingen außer den über 24 Jahren alten Meistern, auch denjenigen Gewerbe- treibenden, die in ihrem Gewerbe die von der Handels kainmer vorgeschriebene oder ntangels solcher eine 3 jährige Lehrzeit zurückgelcgt, die Gesellenprüfung bestanden u. 6 Jahre hindurch öffentlich ihr Handwerk selbständig auSübten oder als Werkmeister tätig waren. Die Führung deS Titels Baumeister« 2C. wird vom Bundesrat geregelt. Inzwischen wird dessen Führung gestattet, soweit es landesrechtlich aus» drücklich erlaubt ist. Während der Uebergangszett dürfen auch Personen, die den obigen Vorjchrrsten nicht entsprechen,
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Eipsluß aus die regierenden Fürsten, die ihr zulieb die treuesten Untertanen von sich stoßen und ihren Fehler erst dann wahrnehmen, wenn eS zu spät ist und sie sich nicht mehr auS den Fesseln der Loge befreien können. Leider — so sollte man glauben — pflegt sür die Souveräne die große Lehrmeisterin Geschichte nicht zu bestehen."
Wenn man die mysteriöse Sprache dieses ErguffeS in klare» Deutsch überträgt: was soll der Artikel, der im übrigen von abschwächenden Wendungen durchsetzt ist, denn anderes bedeuten, als eine runde Denunziation des Darmstädter Hofes, im Dienste der hinter, nationalen Loge' tätig zu sein, um französische Kulturkampfstimmungen am Berliner Hof einzuschmuggeln. Weil sich Kaiser und Großherzog ein schlechtes Theaterstück angesehen und dabei den Darstellern applaudiert haben, ohne daß auch nur im entferntesten fesl- zuslellcn ist, daß sie mit mit der Tendenz des Stückes ein- verstanden seien, wird ihnen vorgeworfen, daß sie den .Fesseln der Loge' verfallen und drauf und dran seien, Kirchenfeinde nach dem Muster des französ. Ministerpräsidenten Clemenceau zu werden, wenn sie'S nicht gar schon beide sind, oder doch wenigstens der eine von ihnen eS bereits ist. Kann man Abgeschmackteres einem Leserkreise vorsetzen und kann man die Anmaßung weiter treiben? Oder sind wirtlich allem die Ultramontancn die Berufenen, den Monarchen Vorschriftnn zu machen über den Theaterbesuch, wie Kindern und Beichtkindern?
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Aprll. Prinz Eitel Friedrich tras gestern mit Automobil von Döberitz in Potsdam ein. In Potsdam wird der Prinz, obwohl die Schmerlen vollständig geschwunden sind, noch einige Tage in ärztlicher Behandlung bleiben.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrem Wochenrückblick:
Mit Befriedigung können wir Deutsche die Wahr- nehmung machen, daß seit einiger Zeit französische Blatter in weit höherem Maße, als dies früher der Fall war, sich bemühen, durch eigene Vertreter die Kenntnis von den Verhältnissen in Deutschland und den bei uns herrschenden Stimmungen ihren Lesern »u vermitteln. Mag immerhin diese Ausgabe nicht immer glücklich gelöst werden, gleichviel, die unmitl.lbarr Anschauung wird, wie man erwarten darf, mit der Beit die Vorurteile zerstreuen, die icnieitd der Vogesen mit Bezug auf Deutschland vielfach verbreitet sind.. Die direkte Berührung mit dem deutschen Leben wird ohne Zweifel den Blick unserer westlichen Nachbarn auch für die Unterscheidung der maßgebenden Faktoren von zufälligen Erscheinungen ohne bestimmenden Einfluß schärfen, die dem ungeübten Auge meistens zu allererst auffallen. Je länger die Vertreter der französischen Presse sich auf Grund eigener KennMifte deutscher Absichten und Bestrebungen mit diesem Verhältnis beschäftigen werden, desto deutlicher wird ihnen -um Bewußtsein gelangen, wie einfach die Formel ist, auf die sich die politische Rechnung gerade in dieser Richtung zurücksühren läßt.
Altona, 28. April. In einer Anarchistenv ersamm- lung befürwortete der Referent Arbeitersekretär Schlegel die General st reikidee, tadelte die Unfruchtbarkeit der Gewerkschaften und polemisierte gegen die sozialdem. Führer.
Köln, 28. April. In einzelnen niederrheinischen Orten gingen angesichts des Umstandes, daß die M etz g er m ei ster immer noch auf hohe Verkaufspreise halten, die Landwirte dazu über, ihre massenhaft gezüchteten S chw e i n e selbst zu schlachten und zu billigen Preisen direkt an die Abnehmer zu verkaufen. Das Fleisch fand reihenden Absatz. Auch im Ruhrgebiet wollen die Landwirte ähnliche Einrichtungen schaffen.
Leipzig, 28. Aprll. Der Börsenverern deutscher Buchhändler hat beschlossen, Schrllte einzulellen, um den wachsenden Büchervertrieb durch Vereine einzu- &äuUgort, 27. April. Der Finanzminifter hat dem Landtag einen weiteren Nachtrag zum neuen Etat vorgelegt, welcher 2 850 000 Mk. für Neubauten fordert, darunter erste Raten für eine neue Universitätsbibliothek in Tübingen und für den Neubau für die erste Kammer. _
Ier Kaiser im ßl,aß.
Straßburg i. E., 27. April.
Der Kaiser traf gestern nachmittag, von Homburg im Sonber- sufle hier ein und wurde am Bahnhöfe von dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, dem Staatssekretär v. Köller u. a. empfangen. Im Automobil begab er sich mit dem Statthalter in langsamer Fahrt durch das Spalier der Truppen nach dem ffceul/ abenb fand im Palast ein Diner statt. Rechts vom Kaiser hatten Platz genommen: der Statthalter, der Chef des ZivllkabinettS Exzellenz v. Lueanus, der bayerische Gesandte Frn- berr Tücher von Simmelsheim, Generalleumant twn Pawlowski, Bischof D. Fritzen u. a. Links vom Kaiser saßen: Komm. General Ritter Hentschel von Gilgenheimb, General von Scholl, Generalleutnant Freiherr von Hüningen, UnterstaatSsekretär Dr. Petri, der Präsident des LandeSausschusfeS, von Jaunez. Weihbiichof Freiherr Zorn von Bulach, UnterstaatSsekretär Mandel u. a. Gegenüber dem Kaiser saß: der Lbeihofmarschall Graf zu Eulenburg: rechts von demselben Staatsmimfter von Köller. General von Mosfener, Unterstaatssekretär Freiherr Zorn von Bulach; lmts der ofterr. Geheimrat Graf Wilczek, Graf von Hülfen-Haieler und der Oberbürgermeister a. D. Wirkt. Geh. Rat Dr. Back. U a. waren noch geladen: der Bürgermeister von Straßburg Dr. Schwander, der Rektor der Universität Straßburg Professor Knapp und Professor Baron Gehmüller. .
Nach der Tafel brachten 600 Sanger vom Elsaß-Lothnng. Sängerbünde vor dem Käiserpalast ein Ständchen dar, in dem sie vier Volkslieder, darunter das Elsaßlied von Wlltberger, sangen. Der Kaiser befahl den Vorstand des Bundes und den Dirigenten der Serenade zu sich und dankte ihnen für die Huldigung. Er hoffe, die Elsässer im Jahre 19 09 bei dem Frankfurter Sängerwettstreit zu hören. .
In den protestantischen Kreyen Elsaß-LothrmgenS herrscht starke Verstimmung, well der Kvnfistoriumsprä- fident Curtius, der Herausgeber der Ho Henio he- lUtemoiren, diesmal vom Kaiserempfang und von der Kaisertafel ausgeschlossen worden ist. Tas Konsistorium richtete eine energische Eingabe an den Statthalter, nachdem eine Audienz verweigert worden ist. In maßgebenden Kreisen spricht man von dem demnächstigen Rücktritt des Präsidenten Dr Cur- tiuS, dem vom Statthalter durch Vermittelung des Unterstaats- sekrctär Dr. Petri eröffnet worden war, daß er nicht zur kaffer- lichen Tafel zugezogen werden würde.
Heute vormlltag begab sich der Kaiser in die evangelische Garnisonkirche, wo er an dem Gottesdienst teil na bm. Um halb 12 Uhr juhr der Kaiser nach Osthaufen zum UnterstaatSsekretär Frhrn. Zorn von Bulach. Beim Eintritt in den Schloßhoi, in dem Mädchen in Landestracht, Schulen und Vereine ausgestellt waren, wurde der Kaiser von Herolden mit Fanfaren begrüßt. Der Kaiser besichtigte mit großem Interesse den an vielen Altertümern reichen langjährigen Edelsitz der Familie von Bulach. Nach dem Frühstück trat der Kaiser die Wellerfahrt nach der Hohkönigsburg an. Dort wurde ein Rundgang unternommen vom Sternbau auf die Ostseite durch den neuen Hauptoorbau zu dem Hochschwsse, wo im Rittersaale der Lee eingenommen wurde. Der Architekt des Schlosses Ehillon Neus legte Abbildungen von dort vorgefundenen Wandmalereien vor, und Bezirksarchivar Dr. Hauviller aus Colmar i. E. neu gui- gefundene Akten auß dem 16. Jahrhundert, welche die Arbeiten Der Restaurierung überraschend bestätigen. Nach einem weiteren sstundgange um die Nordseite des Schlosses erfolgte am Abend bie Abfahrt nach Schlettstadt. Die Stadt war prächtig geschmückt. Vor der Eideskirche hatten sich Geh. Rat Dieckmann und Bürgermeister Geißenberger zum Empfange des Kaisers etn- gefunden. Die Besichtigung der Kirche erfolgte unter Führung des Ehrendomherrn Brach und des Staatsarchivars Abbtz Clauß. ES ist ein alter romanischer Bau mit einer Krypta auß der Dohen- staussenzeit. Am Abend traf der Kaiser wieder m Straßburg ein und folgte einer Einladung des FürstenstatthalterS zum Diner.__.
politische Lagerßchau.
Kaiser und Grotzherzog bei Den „ibrübetn voa St. Bernhard" in Darmstadt.
Zurzeit herrscht in der Zentruinspresse, keineswegs nur in der Hessens, über die Festvorslellung iin Darmstädter Hoftheatcr auß Anlaß deS KalserbejucheS allgemeines .Schütteln des Kopfes*. Der Kaiser ist, wie berichtet wurde, der Aufführung der .Brüder von St. Bernhard" nut vollem Interesse gefolgt, hat Beifall geklatscht. 9lun ist es ja richtig, das Stück ist literarisch, künstlerisch absolut wertlos; darüber ist sich die gesamte deutsche Kritik einig, nur die Tendenz allein macht die Spannung, erweckt Jntereffe, der Abfall eines Mönches vom Kinderglauben, sowie die intime Schilderung deS Lebens in einem Kloster. Aber eS wirkt doch geradezu lächerlich, was ob dieser Aufführung im Darmstädter Hoflheater ein bekannter badischer ZentrumSsührer von sich gibt, der geistliche Rat Wacker. Sein Blatt, .Der badische Beobachter«, brachte am Freitag einen Leitartikel mit der Überschrift: »Kaiser Wilhelm II. und die Loge« und deckle vor seinem Publikum folgende Schleichwege des Freirnaurertum auf:
„Die Logenmache ist nirgends deutlicher aufgetreten als bei der Reichstagsauflösung. Dernburgs Berufung scheint nur allzusehr das Werk der Loge gewesen zu sein. Merkwürdigerweise kam er auch aus Darmstadt, wo man dem Kauer antiultramontane Theaterftücke serviert. — Gegen das Zentrum war der Kaiser bereits im Jahre 1896 durch den Protektor der Loge, den Prinzen Friedrich Leopold, scharf gemacht wordM. Was damals nicht erreicht wurde, sollte jetzt Dernburg voll- bringeu. — Dernburg nimmt zwar (nach Preßäutzerungen eines hervorragenden Logenschriftstellers) jetzt nicht mehr als attives Biitglied an den Logensitzmigen teil, Freimaurer ist er aber poch und war natürlich aucy bis zu seiner Berufung löscht Kolonialdircktor) Logenmllglied. — An einer anbnen mcrnüur- bigen Begebenheit ist man in Deutschland auch ziemlich achlloS vorübergegangen, nämlich an der Tatsache, daß ein franzosifcher radikaler Deputierter, Mr. Habert zu Berlin einen Vortrag über „französische Kolonialkunst" hielt. 91ur die Beziehungen der internationalen Loge konnten etwas derartiges zustande bringen.. Die Loge will die radikalen Ideen der frauzofifchen Brüder den deutschen hohen Regierungs- und Hoikreisen nahe bringen, damit sie zunächst Mode werden. Das andere wird sich finden. — Die „Brüder von St. Bernhard" sino ein Stück des Freimaurers Ohorn. Die Breslauer Freimaurerloge hat dem Autor dafür ein Blumenarrangement mit Schleifen in den Ordensfarben öerebrt — Wllheirn lll. gilt zwar nicht als Mitglied der Loge, wie feine beiden Vorfahren auf dem Thron, er pflegt nur dann und wann einer Loge sein Bild zu schenken. Sein Besuch der „Brüder von St. Bernhard" darf aber als ein Symptom dafür betrachtet werden, datz die Freimaurerei all ihren Einfluß aufbietet, um auch in Deutschland für eine Kulturlampfspolllit ä la dlemenceau Stimmung zu machen. — Leider gibt es immer noch Leute, die den Emflutz der Freimaurerei unterlchätzen; besonders verhängnisvoll ist ihr
Ausland.
L o n d o n, 27. 2Lpril. u;er „^ally Telegraph" behauptet, die Einzelheiten des Plans erfahren haben, den das kabinett Campbell-Bannerman ausarbellete, um die Frage >es Oberhauses zu Ende zu bringen. In Fällen, wo D i f f e- renzen zwischen Oberhaus und Unterhaus ent* tehen, sollen beide Häuser zusammentreten und eine gesetzgebende Versammlung bilden. In dieser gesetzgebenden Versammlung, bestehend aus cflen Mitgliedern )es Oberhauses und allen MitLliedern b^s Unterhauses loll die einfache Mehrheit entscheidend sein.
P a r i s, 28. April. Der „Petit Puristen" wird in seiner morgigen Nummer verschiedene Unterredungen seines Spe- zialberichterstatters, u. a. mit dem französischen Botschafter Eamb on, dem Kolonialdirektor Dernburg, dem Herzog v. Trachenberg und dem Abg. Dr. Semler über die deutsch-französischen Beziehungen verössentlichen. Cambon sagte: „Ich kann nur sehr dankbar fern sür die Courtoisie, mit der ich von Berlin ausgenommen wurde. Ich bin überzeugt, daß die guten Beziehungen, welche zwischen den zwei großen Rationen bestehen sollen, nur durch gegenseitige Achtung ihrer Wünsche und Interessen erzielt werden können. Ich freue mich, in dem mir zuteil gewordenen Empfang eine gute Vorbedeutung zu sehen, und die Art, wie die jungst in Tanger aufgeworfenen Fragen gelöst wurden, scheint diese Erwartungen zu bekräftigen." Kolonialdirektor Dernburg sagte: „Ich bin sehr erfreut darüber, daß die Franzosen nach Berlin kommen, um sich über die wahren Gesinnungen der Deutschen zu unterrichten. Ter Einbruch welchen der Vortvag ihres Landsmannes, des Deputierten Lucien, hier hervorgerufen hatte, war ausgezeichnet. Sein Vortrag hat hier einen Ideenaustausch über die Kolonialfragen veranlaßt, aus welchen wir beide Nutzen ziehen können. Die Kolonialprobleme werden immer mehr und mehr in internationaler Weise gelöst werden, maa es sich um eine Grenzberichtigung, um die Behandlung der Eingeborenen oder sonstige Regeln handeln, die Regierungen werden in Besprechungen eintreten müssen. Die 3iegie- rungen haben in den Kolonien aroße Aufgaben zu erfüllen, die notwendig auf ihre allgemeinen Beziehungen zurückwirken müssen. "Der Herzog von Tra.chenbe.rL äußerte: „Ich bin der Ansicht, daß die bereits courtoifii> volleii Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland sich allmählich noch verbessern müssen. Sie können fia-er ein, daß Misere Regierungskreise alles, was die beiden ULachbaroölker einander näher bringen kann, fördern werden. Wir hegen keinerlei Feindseligkeit gegen Frankreich. Nichts steht im Wege, daß wir uns courtoisievoll auf kolonialem Gebiete verständigen können."
Rom, 27. Aprll. Der Papst empfing heute den Bischof von Mainz. __ ,
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Zweites Blatt 157. Jahrgang Montag 29. Aprll 1907
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General-Anzeiger für Gberhejjen
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Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Im Anschluß an daS Ergebnis deS Disziplinarverfahrens gegen den Gouverneur v. Putt kam er werden verschiedene unzutreffende Mitteilungen verbreitet. Es ist unrichtig, daß bad gegen Herrn v. Puttkamcr ergangene Urteil bereits die Nechtskiast erlangt habe. Die Kolonialverwaltung kann sich über die Frage eventueller wellerer Schritte erst schlüssig werden, wenn das Urteil mit den Gründen zugestellt fein wird. Auch über die weitere Frage, ob Herr v. Puttkamer nochmals, wenn auch nur kurze Zeit, als Gouverneur nach Kamerun zurückkehren wird, ist eine endgiltige Entscheidung an zuständiger Stelle noch nicht getroffen. — 4iach dem „B.T." ist der Geheimrat Seitz, der zur Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes gehört, dazu ausersehen, als Nach» folger des Herrn v. Puttkamer naa) Kamerun zu gehen.
Neues aus Rußland.
Der Zar empfing am 27. in ZarSkoje ©feto 25 bäuerliche Abgeordnete. Diese überreichten eine Adresse. Der Zar dankte der Deputation und unterhielt sich mit jedem Miigliede. Nach der Audienz wurde den M- geordneten ein Imbiß gereicht. In der Adresse sprachen die Bauern dem Zaren ihren Dank aus für das hohs Vertrauen und die Wohltaten, die er den Bauern bewiesen habe. Sie stellen fest, daß ihre wirtschaftliche Lage aus Mangel an Land und wegen Fehlens von Kredit beklagenswert fei. Sie sprachen die Hoffnung aus, daß nur ein Wort des Kaiser- notwendig sei, damit die Lage der Bauern gebessert werde. Die Adresse schließt mit den Worten: „Wir sind entschlossen, unser Leben für die Verteidigung der Autokratie zu opfern." Die Kaiserin, die bei der Audienz zugegen war, dankte den Deputierten gleichfalls und reichte jedem die Hand.
In Simferopol explodierte auf dem Poli^eiam te eine Bombe, die beschlagnahmt worden war; eine Person wurde getötet, vier schwer verletzt.
In Tschita wurde eine Mine entdeckt, die unter dem Kassengebäude der städtischen Kämmerei gelegen war. Vier Täter wurden an Ort und Stelle verhaftet, vier andere, der Mithilfe Verdächtige, sind ebenfalls feftge- nommen worden. .


