des Kiel UNd
Anlaß Kapelle Abends Fürsten
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dieses Ereignisses brachte ihm am Vormittag die des Kaiser Wilhelm-Regiments ein Ständchen, brachte der hiesige Gesangvereins „Cacilia" dem eine Huldigung dar.
Ober-Gleen, 28. Juni. Heute nachmittag 7^ Uhr
haus aus Gießen vom Fahrstuhl der Kopf abgeschlagen wurde, wird am 29. Juli die hiesige Strafkammer beschäftigen. Der eine der Brüder Heß ist wegen fahrlässigerTötung unter Anklage gestellt.
+ Srbtt (Kreis Wetzlar), 28. Juni. Offenbar im Zustande geistiger Umnachtung geriet ein Landwirt von hier diese Woche in einen Brunnen, der glücklicherweise wenig Wasser enthielt. Aus seine Hül'ernle hin konnte er gerettet werden.
b. Biedenkopf, 27. Juni. Der KreiS-Krieger- verband Biedenkopf zählt nunmehr 78 Vereine mit 3304 Mitgliedern. Anstelle des bisherigen Vorsitzenden, Landrat v. Heimburg, wurde der nunmehrige Landratsamts- Verweser, Regierungsassessor Dr. Daniels, Oberleutnant d.R. im Infanterie-Regiment Nr. 113, zum Verbandsvorsitzenden gewählt.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In einem Hotel zu Fontainebleau nahm die 24jährige russische Baronin Lubow von Steinheil, eine gleich ihrer Schwester, der Prinzessin Galitzyn, gefeierte Schönheit der Pariser Gesellschaft, Sublimat und starb nach kurzer Zeit. Die Baronin war trübsinnig, seitdem ihr aus Antrag ihres Gatten Andreas Somailow, eines Gardeosfiziers in Petersburg, ihr einziges Kind durch Gerichtsbeschluß entzogen worden war. — Aus Dünkirchen wird gemeldet, daß das Fahrzeug „Violette de Gravelines" mit Mann und Maus an der Küste von Island verloren gegangen sei. An Bord befanden sich der Kapitän und 18 Matrosen. — Eine heftige Feuersbrunst Hal eine F a b r i k bei St. Etienne vollständig zerstört. Als der Eigentümer der Fabrik die Gebäude in Hellen Flammen stehen sah, überkam ihn eine derartige Erregung, daß er tot zu Boden stürzte. Ter Materialschaden wird auf über 1 Million Francs veranschlagt. — In Un.q v a (Ungarn) wütet ein großer B r a n d. Die griechisch-katholische Kirche, die Synagoge und 12 Hänser sind bereits eingeäschert. Infolge Wasser- »nangels sind die Löscharbeiten überaus erschwert. — Das Quedlin - burger Gymnasium wurde geschlossen, weil 158 Schüler von der Koernerkrankheit beiallen rourbcn. — Dem „B. Lok." zufolge rannte in Wallwitzhausen ein Dampfer einen Kahn um; drei Insassen des Kahnes fielen ins Wasser, einer derselben ist ertrunken. — Bei der Heimkehr- vom Alpenrosenpflücken in G o c s ch e n e n (Kanton Uri) stürzte ein 18jähriger Kellner aus O t t e r il b u r g ab : derselbe erlitt schwere Verletzungen.
. ermächtigt sind. Das Schiff darf den «rpfschiff nur vor dem Verlassen des Heimat- . annehmen lmd darf ihn erst nach Rückkehr in heimatlichen Hafen ablegen. Als Hülfsschiff soll jedes Handelsschiff, möge es einem der kriegführenden Staaten ober einem neutralen Staate angehören, gelten, das für den Transport von Marinemannschaften, Kriegsmunition, Kohlen und Lebensmitteln oder jeder anderen Art von Seemunition verwendet wird oder das für die Ausführung von Reparaturen oder für Beförderung von Depeschen oder anderen 'Nachrichten bestimmt ist, vorausgesetzt, daß das Schiff verpflichtet ist, einem von der kriegführenden Flotte ihm direkt [ober indirekt mitgeteilten Befehle zu folgen. Ebenso soll »jedes Schiff, das für den Transport von Landtruppen vec- 'wendet wird, als Hülfsschiff gelten. Die Beratung dieses Vorschlages wird noch ausgesetzt, weil die Kommission ihn erst noch studieren will.
Alsdann wird die Beratung der in dem von Martens ausgearbeiteten Fragebogen enthaltenen, auf Umwandlung von Handelsschiffen in Kriegsschiffe bezüglichen Fragen begonnen. Vizeadmiral der Niederlande, Zoell, unb der erste japanische Delegierte Tsudzuki brachten Vorschläge bezüglich des Verfahrens bei solchen Umwandlungen ein. In Betreff des Privateigentums zur See liegt ein amerikanischer Antrag vor, der das Prinzip der Unverletzlichkeit dieses Eigentums enthält. Macchio (Oesterreich-Ungarn) erklärte, daß Oesterreich-Ungarn für dieses Prinzip ift. Ruy 'Barbosa (Brasilien) schloß sich dem Vorschläge Amerikas an. .Choate (Amerika) erklärte, er habe von Roosevelt Auftrag erhalten, den 1899 eingebrachten Vorschlag wieder vorzulegen, und fügte hinzu, Roosevelt lege der Frage solche Wichtigkeit bei, daß er wünsche, daß ein Beschluß über sie gefaßt werde. Tornielli wies auf die amerikanischen Vorschläge und die günstige Haltung Italiens hin. Die Beratung der Frage soll nächsten Dienstag erfolgen.
Berlin, 28. Juni. Die Nordlandreise Kaisers, die voraussichtlich schon Montag abend von aus angetreten wird, wird etwa fünf Wochen dauern soll bis nach Hammerfest gehen.
zündete der Blitz die Scheuer des Land- und Gastwirts Konrad Eckstein. Scheuer und Wohnhaus brannten vollständig nieder.
X Kirtorf, 28. Juni. Heute scheuten während eines schweren Gewitters die vom Felde heimkehrenden Pferde des Metzgers Pimper von hier vor dem Blitz. Die Pferde gingen durch und der Wagen blieb an einer Telegraphenstange hängen. Der Führer des Wagens, Herr Loos, stürzte herunter und erlitt bedeutende Verletzungen.
e. Radmühl, 28. Juni. Ter seit dem Jahre 1898 an unserer Schule tätige Lehrer Rauch wurde durch Dekret vom 26. Juni nach Eschollbrücken versetzt.
8(1 Darmstadt, 29. Juni. Der am Donnerstag vormittag im hiesigen Gaswerk aufgestiegene Luftballon „Coblenz" des Mittelrheinischen Luftschifferoerein ist nach zirka 10 stündiger Fahrt zunächst in nördlicher Richtung bei Sonneberg in Sachsen-Meiningen abends um 7 Uhr wohlbehalten gelandet. Der Ballon wurde geführt von Hauptmann von Hahn vom Art.-Regt. 25 hier, seine Begleiter waren Leutnant von Brunn vom Trag.-Regt. 23 und Oberleutnant der Res. von Breidenbach vom Dragoner- Regt. 24.
R. B. Darmstadt, 29. Juni. (Tel.) Der entsetzliche Unglücksfall, der sich am 1. Oslerfeiertag im Hotel Heß ereignete und bei dem dem Stubenmädchen B. Alt-
Deut?ches Reich.
Travemünde, 28. Juni. Die „Hohenzollern" und her Kreuzer ^Königsberg" sind heute abend 6 Uhr 45 Min. hier eingetroffen und auf der Reede vor Anker gegangen. Um 7 Uhr 15 Min. näherten sich zahlreiche Jachten aller Klassen dem Ziel, darunter „Meteor" mit dem Kaiser an Bord und „Hamburg". Letztere ging nach hartem Endkampf kurz vor Meteor durchs Ziel. „Meteor" wurde dann eingeschleppt. Dec Kaiser begab sich später an Bord der Hohenzollern, wohin sich auch die Kaiserin von ihrer Jacht aus begeben hatte. Beide wurden von dem am Ufer versammelten Publikum auf das lebhafteste begrüßt. Die Stationsjacht „Bannen" mit dem Prinzen Heinrich an Bord und das Schiffsjungenschulschiff „Großherzogin Elisabeth" sind hier eingetroffen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 29. Juni.
"Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be- etzende Lehr er stelle an der Gemeindeschule zu Steinberg (KreiS Schotten). Mit der Stelle kann ein Teil des Organistendienstes verbunden werden. Dem Fürsten zu Stolberg- Roßla-Ortenberg steht das Präsentationsrecht zu.
** Kun st verein. Die gegenwärtige Ausstellung kann eider nur noch bis einschließlich Dienstag so verbleiben, von da ab wird wieder ein Wechsel der Gemälde vorgenommen werden.
•• Das Promenadenkonzert fällt morgen auS.
"Diebstahl. In dec Nacht vom 26. auf den 27. l. MtS. wurde in der Marburger Straße eine Arbeiterbude erbrochen und daraus ein Kittel gestohlen. Gestern wurde ein junger Mensch festgenommen, dec den gestohlenen Kittel trug, allein er will nicht der Täter fein, sondern den Kittel von einem anderen geschenkt erhalten haben.
** Betrug. Ein wegen Betrugs mehrfach vorbestrafter Arbeiter aus Daubringen erschwindelte in einem hiesigen Geschäft gestern abend zwei und heute früh fünf Körbe, um sie Dann gleich in Wieseck zu billigem Preise zum Teil zu verkaufen. Er wurde verhaftet und fanden ich noch drei Körbe in seinem Besitz.
** S ch l ä g e r e i. Gestern abend gerieten in der B a h n- hofstraße zwei Arbeiter in Streit, der sich bis zur Bleichstraße zog. Hier versetzte der eine seinem Gegner einen wuchtigen Hieb mit dem zugeklappten Taschenmesser auf den Kopf, daß das Blut spritzte. Anzeige wurde erhoben.
X Großen-Linden, 28. Juni. Nach der Be- riebs- und Berufszählung zeigt unser Ort eine Bevölkerungszunahme von über 100 Personen gegenüber der Volkszählung am 1. Dezember 1905; die Einwohnerzahl ist auf 2012 gestiegen.
b. Lich, 28. Juni. Fürst Karl zu SolmS-Hohen- solms-Lich beging gestern seinen 39. Geburtstag. Aus
---- Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht nachstehende Handschreiben deS Kaisers vom 24. Juni an die Staatsminister Posadowsky unb Studt:
Mein lieber StaatSmmister Graf von Posadowsky! Ihrem Ansuchen um Entlassung aus den Aemtern als Staats- luinifler unb Staatssekretär des Innern habe ich durch Erlaß vom heutigen Tage entsprochen, kann es mir aber nicht versagen, Ihnen für die treuen, erfolgreichen Dienste, welche Sie mit unermüdlicher Hingebung an die Jhzren gestellten großen unb schwierigen Aufgaben mir unb dem Vaterlande geleistet haben, meinen wärmsten Dank noch besonders auszusprechen. Als Zeichen meines unveränderten Wohlwollens verleihe ich Ihnen meine B ü st e in Marmor, welche Ihnen zugehen wird. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter Kaiser und König, gez.: Wilhelm 1. R.
Mein lieber Staatsnnnister Dr. v. StudtI Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nach gesuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt, drängt es mich, Ihnen meinen besten Tank für die Irenen Dienste auszusprechen, die Sie in langen Jahren Ihrer ehrenvollen Lausbahn nur und dem Vaterlande geleistet haben. Um aber Ihre reichen Erfahrungen unb Ihre staatsmännische Einsicht dem Staate auch ferner zu erhalten unb Ihnen em Zeichen meines besonderen Vertrauens zu geben, habe ich Sie auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König, gez.: Wilhelm I. R.
— Nachdem die Verhandlungen wegen des Abschlusses eine® deutsch - dänischen Handelsvertrages soweit geführt sind, wie dies vor dec parlamentarischen Erledigung des den Verhandlungen zu Grunde gelegten Entwurfes eines neuen dänischen Zolltarifes möglich war, haben die dänischen Kommisture Berlin heute wieder verlassen.
Einsendungen zum Tabakarbeiterft'.eit.
Aus Fabrikantenkreisen wird uns hierzu geschrieben: Seiber steht die Angelegenheit noch auf dem toten Punkt. D. h. die Arbeiterführer haben sich noch nicht entschließen können, ihrer Gefolgschaft die Rückkehr zur Gesetzlichkeit, die sofort die Aufhebung der Aussperrung zur Folge haben würde, anzuempfehlen. Sie fürchten eben ihre Anhänger zu sehr zu enttäuschen, wenn sie statt der versprochenen Siegesschalmeien die Rückzugssignale blasen. Zwar ist das Eingeständnis eines Irrtums oder Mißgriffs niemals unehrenhaft und setzt entschieden mehr Mut und Einsicht voraus als das hartnäckige Beharren auf einem falschen Standpunkt. Jedenfalls wäre es im Interesse der vielen unschuldigen Mitläufer, die nach dem bekannten Sprichwort für die Schuldigen, in diesem Falle also für die Führer leiden, mit Freuden zu begrüßen, wenn man den Streik aufgäbe.
Merkwürdig ist, daß das Bestehen des letzteren als Ausgangspunkt der ganzen Sache von den Gewerkschastsleuten kurzerhand in Abrede gestellt wird, obwohl der Streik in Wieseck und Wismar jedem „Organisierten" offiziell als Kündigungsgrund angegeben und die Wiederaufnahme der Arbeit als alleinige Bedingung zur Wiederherstellung des alten Verhältnisses gefordert worden ist. Diese unbestreitbare, auch amtlich vor Großh. Kreisamt festgestellte Tatsache, nennt das hiesige Sozialistenblatt eine „L ü g e".
Wahrhaftig, eine wenig beneidenswerte Position? Das Urteil darüber überlassen wir ruhig allen rechtlich denkenden Leuten.
Auffällig — oder wenn man will auch nicht auffällig — ist es ferner, daß dieses Blatt mit der Devise: „Für Wahrheit, Freiheit und Recht" auch im vorliegenden Falle wieder die Gelegenheit wahrnimmt, dem „Gieß. Anz." Parteilichkeit vorzuwerfen, obwohl es weiß, oder wissen sollte, daß derselbe in der Sache völlig neutral ist und sachlich gehaltenen Einsendungen aus beiden Lagern gerne seine Spalten öffnen wird. (Se6= teres stimmt. Red, d. Gieß. Anz.)
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 28. Juni.
Am Reichstagöwahltage
begegnete der Zementarbeiter H. B. zu Butzba ch einigen Leuten, die er wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Partei beschimpfte. Er tat dies fo laut, baß ein in der Nähe befindlicher Gendarm sich veranlaßt sah, einzuschreiten. B. beschimpfte unb beleidigte auch diesen, was zur Folge hatte, baß man ihn nach der Wache brachte, wo er seinen Rausch ausschlasen sollte. Unterwegs leistete er Widerstand und setzte sein Skandalieren auch in seiner Zelle fort. Auf erfolgte Anzeige verurteilte ihn das Schöffengericht wegen groben Unfugs zu 3 Tagen Haft unb wegen Beleidigung unb Wider st ands zu einer Gesamtstrafe von 4 Monaten Gefängnis, auch sprach es bem Beleidigten die Publikationsbefugnis zu. Das Urteil wurde von ihm angefochten, er begab sich inzwischen aber ins Ausland, weshalb feine öffentliche Ladung zum Berufungstermin angeorbnet würbe. Ta er zu diesem Termin nicht erschien, wurde feine, Berufung zurückgewiefen.
Schlechte Schützen.
Im vergangenen Frühling vertrieben sich der Zimmermann G. K., der Spengler H. F., der Elektromonteur H. B. und der Schlosser I. G. zu Bad-Nauheim die Zeit in einer Wirtschaft durch Zimmerstutzenschießen mit einem dem Wirt gehörigen Gei wehr. Sie versuchten ihr schlechtes Treffergebnis auf das Geweln, das sie als untauglich bezeichneten, zurückzuführen, waS aber von dem Wirt bestritten wurde. Als spater der Metzger A. der früher mit dem Gewehr gut geschossen hatte, in die Wirtschaft kam, srug ihn der Wirt in Gegenwart der Gaste, wie das Gewehr gehe. Als dieser das Gewehr als gut bezeichnete, protestierten die anderen dagegen und verlangten, daß er barmt schieße. Er tat dies rrjad) einigem Sträuben, traf aber nichts, weshalb die anderen ein großes Halloh erhoben und ihn bamelten. Es entstand ein Wortwechsel, in bejfen Verlauf G. dem K. eine höhnische Bemerkung machte. Dieier sprang sofort aus und schlug G. ein Bierglas aus den Kopf, sodaß eine blutende Wunde entstand. Im nämlichen Augenblick überfielen auch dre drec anderen den G. und bearbeiteten ihn mit den Fäusten. Der $5ci>( letzte wurde von dem Wirt aus dem Knäuel herausgerissen, wvi rauf er sich in ein Nebenzimmer flüchtete. Als er auch hiev von K. verfolgt wurde, erfaßte er einen Stuhl und schlug damit seinem Verfolger aus den Kvpf, sodaß er eine große klaffende Wunde davontrug. Beide mußten ärztliche. Hülfe in Anspruch nehmen und waren arbeitsunfähig. Aus erfolgte Anzeige wurde gegen alle fünf Anklage wegen Körperverletzung er> hoben und das Schöffengericht verurteilte K. zu einer Geldstrafe von 150 Mk., B. zu einer solchen von 20 Mk. und F. und G. zu je 10 Mk. Geldstrafe, während es den Verletzten G. als in Notwehr handelnd freisprach. Tas Urteil wurde von B. und F. angefochten und der Berufung schloß sich außer dem Verletzten G., der mit seinem Entschädigungsanspruch auf den Weg der Zivil- Kage verwiesen worden war, auch der Angeklagte K. in der Weise an, daß er von auswärts seiner Mutter ein Telegramm schickte, das diese in der Wohnung des Gerichtsschreibers abgeben ließ, Tie Strafkammer hielt diese Form der Derufscinlegung nicht für richtig. Sie erblickte in dem Telegramm eine Vollmacht! des Angeklagten K. für seine Mutter. Tie Abgabe des Teln gramms in der Privatwohnung des Gerichtsschreibers kann als ein gültiges Rechtsmittel nicht betrachtet werden. Tie Berufung muß entweder schriftlich beim Gericht, oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers eingelegt werden. Die Berufung des K. wurde deshalb als unzulässig verworfen, während diejenige dep übrigen als unbegründet -urückgewiesen wurde.
Neues aus Rußland.
Der „Daily Telegraph" meldet aus Petersburg, daß in den letzten drei Tagen 23 Züge die russisch-sibirische Grenze passierten. Diese Züge transportierten mehr als 2000 polil. Gefangene nach Sibirien. Tie extrem-revolutionäre -Partei soll die Absicht haben, einen n e u e n t c r r o r i st i s ch e n »Feld zug zu organisieren. Ihr Hauptquartier befinde sich in 'Genf. Große Geldsummen seien vorhanden und sollen für die 'Propaganda der Tat verwendet werden.
DasMinisteriumdesJnnern beabsichtigt, zum Schutze foer Direktoren vor terroristischen Attentaten, in Lodz energisch gegen bie Organisationen der Arbeiter vorzugehen. — Aus Twer werden beunruhigende Nachrichten über beginnende Agrarunruhen gemeldet. Es wurde Militär requiriert.
! Das Attentat in Tiflis wird als eine Vorbedeutung iber Wiederaufnahme der terroristischen Kämpfe und vielleicht eines Versuches, der Erhebung des ganzen Kaukasus angesehen. Die „Nowoje Wremja" widmet eine ganze Seite ihres Blattes einer Lifte der Morde und Gewaltakte nichtpoll- ttschcr Art der letzten Zeit.
In Riga ist es der Polizei gelungen, eine ganze O r g anr - fation mrlitär-revolutionärer Agitatoren, gegen 30 Mann stark, zu verhaften. Diese Organisation beschäftigt sich speziell mit der revolutionären Propaganda im Sappeurlager bei Kurtenhof. Infolge der vielen Verhaftungen im sozialistischen Lager ist auch das balttsche Spezial-Organ der extremen Linken, Zina, dessen Nummern regelmäßig konfisziert wurden, eingegangen.
Graf Heyden, Mitglied der ersten Duma und Gründer der Partei der ftiedlichen Erneuerung, der zur Teilnahme an dem Semstwokongrefse in Moskau eingetroffen war, ist g e- f Am 28. Juni wurde int Hafen von Odessa der Medizinalinspektor und Hauptarzt der russischen Dampfichiffahrtsgesellschaft Papow von zwei Hafenarbeitern erschossen; die Mörder entkamen. r.
Nach der Angabe eines Odessaer Polizeioffiziers, sind wahrend der Unruhen aus Anlaß dec Dumaauflösung in acht Gouvernements nicht weniger als 4 7 000 Ver haf tun gen vorgenommen worden, in Odessa allein bisher 3000. Weitere Sistierungen stehen bevor.
Dortmund, 28. Juni. Infolge der Neubesetzung des Kultus ministeciumS haben die Magistrate von dreizehn westfälischen Städten die Erhöhung sämtlicher Lehcecgehälter beschlossen, die von dem früheren Kultusminister Dr. v. Studt nicht genehmigt worden waren. Der abermalige Beschluß wird formell mit dem andauerden Lehrer- mangel begründet.
Ausland.
London, 28. Juni. Einer offiziellen Mitteilung aus dem Buckingham-Palaste zufolge hat Kaiser Wilhelm die E i n la d u n g König Eduards, im Sloücmber nach England zu kommen, angenommen.
— Tas internation ale sozialistische Bureau veröffentlicht ein Manifest, das von der Mehrzahl der sozialistischen Führer der ganzen Welt unterzeichnet ist unb das die Auflösung der Duma als Gefahr für Europa bezeichnet.
Haag, 28. Juni. Amtliche Meldungen aus H o l lä n d i s ch- Jndien berichten über Angriffe von Atchinesen auf das Lager und die Patrouillen der holländischen Truppen, wobei vier eingeborene Soldaten getötet und zwölf verwundet wurden.
Wien, 28. Juni. Wie die „Politische Korrespondenz" aus Rom meldet, ist der Besuch des Ministers des Neußern von Aehreuthal beim Minister des Aeußern T i 11 o n i für Mitte Juli in Aussicht genommen. Aehreuthal wird sich dann mit Tittoni nach Schloß Mceonigi bei Turin begeben, um sich dem König und der Königin von Italien vorzustellen. Der Gegenbesuch Tittonis wird int Lause des Sommers auf dem Semmering erfolgen: von dort wird sich Tittoni mit Aehcen- thal nach Ischl begeben, um sich dem Kaiser Franz Josek vorzustellen.
Budapest, 28. Juni. (Abgeordnetenhaus.) Ra- ko v s z k y (Dolkspartei) interpelliert die Regierung inbetreff der Grundsätze, die er bezüglich Kroatiens befolgen werde. Ministerpräsident Wekerle antwortet, die Regierung sei in der Frage der Anwendung der kroatischen Sprache im Eisenbahndienst bis zur äußersten Grenze der Nachgiebigkeit gegangen. Nachdem trotz unseres Entgegenkommens, fährt Wekerle fort, fortgesetzt größter Widerstand geleistet wurde, mußten wir zu der Einnahme gelangen, daß hier nicht das Sprachenrecht in Frage stehe, sondern Bestrebungen, die gegen die Einigkeit des ungarischen Staates gerichtet sind (febbafte Zustimmung). Ter Personenwechsel in der kroatischen Landesregierung hat den Zweck, dagegen Sicherheit zu bieten, daß die kroatischen Bestrebungen nicht jenseits der Landesgrenzen Anknüpfungspunkte suchen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen alle Zusagen, die wir bezüglich der Entwicklung und Wohlfahrt Kroatiens gegeben haben, getreulich einlösen unb hoffen, die öffentliche Meinung Kroatiens werde unsere Bemühungen würdigen und unterstützen. Andererseits fordern wir mit größtem Nachdruck und nötigenfalls mit Strenge, daß die kwatischen Bestrebungen nicht zur Gefährdung der Staatseinheit führen. (Lebhafter Beifall.) Ter neu ernannte Banus wird diese unsere Bestrebungen unterstützen; seine Ernennung hat mit der Sprachenfrage an sich nichts zu tun. Gegen die Obstruktion muß im Abgeoronetenhause ein Heilmittel gefunden werden; wir müssen ein strengeres Verfahren anwenden, damit sich die Beratung der Gesetzvorlage nicht ÜJtonate lang hin- schleppe. (Lebhafter Beifall.'


