Ausgabe 
28.8.1907 Erstes Blatt
 
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Nacken (Paderborn). Heber die Los von Rom-Vewe- gnn g sprach Graf Gahlen. Die UeB eitritte zum Pro­testantismus hätten abgenommen. Sie betragen jetzt nur noch ein Drittel der früheren Zahl. Das sei erfreulich gegenüber den vielen Millionen, die der Evangelische Bund und jbie Gustav Adolf-Vereine nach Oesterreich geworfen haben. Die Zahl der U ebergetreten en betrage nur 10 000, die Zahl der Kirchen aber sei von 25 auf 55 gestiegen. Begünstigt werde durch dieLos von Rom-Bewegung" die Verwilderung der Jugend, die sich sehr unangenehm bemerkbar mache. Das seien böse Zeichen der Zeit. Aber es werde mit Gottes Hülfe gelingen, den Umsturz und seine Lehre zu überwinden.

Graf Schön b o rn (Glauchau) bedauert, bafr im letzten Jahre in S a ch s e n wieder 4000 Katholiken zum Protestantismus übergetreten sind und nur 200 zum Katholizismus.

Abg. Cahensly berichtete über die Tätigkeit des St. Raf­fael-Vereins, der für das Ausland und für das Wohl der Auswanderer eine sehr segensreiche Tätigkeit entwickele, besonderns in den Hafenstädten. Es wurde beschlossen mehrere Seemannsheime zu errichten.

Darauf wurden die Verhandlungen auf 5 Uhr, nachmittags vertagt, wo die erste öffentliche Versammlung stattfindet.

Am Nachmittage tagten die katholischen Pressever- vine. Der Bischof von Eichstädt hielt gegen d'eböse Presse" eilte Rede, in bereit Verlauf er es für die heilige Pflicht der Katholiken erklärte, daß sie diese böse Presse mit aller Macht verfolgen und aus der letzten Hütte vertreiben wüßten. Nur diegute katholische Presse" dürfe von Katholiken gelesen werden. Es ist wohl das erste Mal, daß auf einem Katholikentage ein Bischof in dieser Weise zur Presse Stellung genommen hat.

Uml 5 Uhr nachmittags begann dann die erste ö f f e n t l i ch e Versammlung. Professor Meyenberg (Zürich) hielt den ersten Vortrag überReligion und Konfession". Der geistreiche Redner führte aus: Die Religion stellt etwas Festes, Unverrückbares dar, während die Lbonfession scharf bemerkbare Verschiedenheiten zeigt. Und doch gehören Religion und Kvn- seffion zusammen. Wohl gehen die Anschauungen der Konfessionen weit auseinander. Im erfreu Augenblick erscheint uns nur ein Chaos. Schauen wir aber tiefer, so finden wir den gemein­samen Gedanken. Das Menschenleben ist ein Rätsel und über das Diesseiits hinaus gibt uns die Religion, die Verbindung mit Gott, die Vertiefung des Menschenlebens in Gott. Schon die Geschichte der Naturvölker zeigt, daß in der Religion stets eine Konfession ruhen muß. Der Gedanke des Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen erscheint selbst Chamberlain die Ueber- brückung der Kluft zwischen Diesseits und Jenseits zu sein. Das ist das Heimweh des Rationalismus nach , Gott. Freilich sagt die mioderne Menschenweisheit Religion sei Gemüt unb_ nichts Faßbares. Wer aber beichtet und kommuniziert, der weiß, was er will. Die Religion ist der Morgenstrahl, der das Gemüt stark befruchtet. Es gibt ein Verhältnis zu Gott. Das ist Reli­gion und Konfession zugleich.

Aus allen Reden des Heilands strahlt das religiöse Be­kenntnis : Ich bringe Euch das Evaugelium. Christus war der Herr aller Geister, der Kranke und Sünder heilte. Das ist ein Bekenntnis, daß er Gott selbst war. Als Petrus ihm sagte: Du bist der Sohn des lebendigen Gottes, da sagte er: Das sagst nicht- «dtu, das hat Gott der Herr aus dir gesprochen. Da be­kannte er sich selbst als Gott und auf diesem Fels sollte Petrus die Gemeinde aufbauen. Er gab Petrus den Auftrag, seine Lämmer zu weiden. Straft dieser Mission zog Petrus nach Rom und selbst die protestantischen Rationalisten, selb ft Harnack hat zugegeben, daß die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht zu ^bezweifeln sei. In seiner Kaiserrede hat Harnack erklärt, daß Petrus nur Kraft seiner Mission so auftreten konnte. So, ist unsere Konfession. (Lebh. Beifall.) Das ist unsere Konfession tton dem Tage der Botschaft von Cäsarea bis zum Syllabus Pius X. (Stürm. Beifall.) Es gibt eine Ur - religion, die wir anerkennen. Wir sind nicht intelerant. Wir sind auch kein System, keine Schule. Wir schauen liebend auch auf die, die den Protestantismus im Evangelium finden. Wir wollen nicht alle Brücken mit dem Rationalismus abbrechen. Professor Harnack hat gesagt, die Lehre von den guten Werken habe selbst bei den Protestanten feinen Anstoß mehr gesunden. Und die katholische Messe sei eine so großartige Entfaltung der Wahrnehmung Gottes, daß der protestantische Gottesdienst nie­mals auf diese Höhe gelangen werde. Wir freuen uns über diese Auslassung. Wir wollen keine Hetze, wir brandmarken sie. Man hetzt nicht, wenn man ein Gentleman ist. Wir ehren die Parität, ja sie ist uns heilig». Wft wollen über keine Konfession, die schon jahrhundertelang neben uns lebt, eben so milde denken wie über Juden und Heiden.

Zum Schluß sprach noch Abt Norbert von St. Ottilien über die M i s s i on s t ä t i g k e i t. Vom Nunzius Caputo ist ein Telegramm eingegangen, in welchem er bedauert, daß er durch Krankheit verhindert ist, das schöne Bayernland und Deutsch­land, das er so sehr liebe, nicht besuchen zu können. Er ent­bietet der Generalversammlung herzlichen Gruß und hofft, daß Deutschland stets aufrichtig mit dem heiligen Stuhle verbunden bleibe zum Wohle des Vaterlandes und der Kirche. (Stürnr. Beifall.) .

Damit schloß die heutige Versammlung.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. August.

** D ie Quartiere der 116er für dasBrigade- Exerzieren sind wie folgt festgesetzt: Der Stab 3. und 4. September Butzbach, 5. September Wölfersheim, 6. Sep­tember Dorheim, 7. und 8. September in Friedberg, 9. Sep­tember Nieder-Wöllstadt, 1. Bataillon 3. und 4. Sep­tember Butzbach, 5. September Biwak, 6. September 2 Kom- pagnien: Rieder-Florstadt, 1 Kompagnie Dorn-Assenheim, 1 Kompagnie Weckesheim, 7. und 8. September Friedberg, 9. September 1 Kompagnie Ilbenstadt, l1/, Kompagnie Nieder- Wöllstadt, l1/, Kompagnie Ober-Wöllstadt, 2. Bataillon 3. und 4. September 3 Kompagnien Berstadt, 1 Kompagnie Wohnbach, 5. September je 1 Kompagnie Mehlbach, Södel, Wölfersheim und Bettenheim, 7. und 8. September Fried­berg, 9. September 2 Kompagnien Ober-Roßbach, 1 Kom­pagnie Nieder-Roßbach, 1 Kompagnie Ockstadt. ^Ba­taillon 3. und 4. September Butzbach (Kaserne), 5. Sep­tember 1 Kompagnie Gettenau, 3 Kompagnien Echzell, 6. September je 1 Kompagnie Schwalheim, Dorheim, Wissels­heim mit Rödgen und Assenheim mit Bauernheim, 7. und 8. September Friedberg, 9. September 1 Kompagnie Assen­heim mit Bauernheim, 1 Kompagnie Bnchenbrücken, 2 Kom­pagnien Assenheim. Am 7. und 8. Septeliiber wird der Stab und das Regiment vereinigt in Friedberg in Quartier liegen. Weitere Dispositionen sind bis heute noch nicht be­kannt gegeben.

ch Klein-Linden, 27. Aug. Ein rasch die Frank­furter Straße herunterfahrender Radfahrer fuhr einen 10jährigen Knaben um und stürzte selber topsüber in den Graben. Beide mitten nur Hautabschürfungen.

O Lich, 27. Aug. Tie vom östlichen Stadtteil ge­wünschte Errichtung eines Ost bahn Hoss an der neuen Bahnstrecke Lich-Grünberg ist jetzt vom Gemeinderat end­gültig a b g e l e h n t werden. Nach einem Voranschlag würde er 50 000 Mk. kosten. Tie Kanalisation und Fuß­steiganlage in den Hauptstraßen sind jetzt ziemlich fertig­gestellt. Nur bleibt für einige Straßen oringend eine bessere Reupflasierung wünschenswert.

(P.) Schlitz, 27. Aug. Bei der gestern hier vorgcnom- menen G e m e i n d e r a t s w a h l wurden gewählt: 1. Blei­

cher H. W. Kaiser (130 Stimmen), 2. Fabrikant Ph. Frank (101), 3. Metzger Fr. T r e ß e r I. (85). Sehr viele Stimmen waren zersplittert. Neugewählt ist Herr Ph. Frank an Stelle des Bierbrauers Ph. Guntrum, die anderen beiden Herren sind wie-dergewählt. In.HUtz­dorf wurden in den Gemeinderat gewählt: Heinr. Trier, Heinr. Lump, Heinr. Sippel, Karl Wink III., Adam Becker, R. Faust. In Uellershausen: V. Schäfer I., Konr. Eurich, Heinr. Feick IV. In Pfordt: A. Möller, A. Kreutzer, Gg. Göbel, Carl Schaub. Am 5. September findet in Schlitz die B ü r g e r m e i st e r w a h l statt. Die Wieder­wahl unseres langjährigen Bürgermeisters Zinßer ist sicher.

ch Pom Vogelsberg, 27. Aug. Landwirt Th. Bal­ser von Istergiesel war mit Getreidemähen beschäftigt. Plötzlich gingen die Pferde durch, er stürzte unter die Mäh­maschine und wurde von dieser so zugerichtet, daß er starb. In Lehnheim treten die Masern unter den Schulkindern sehr heftig auf. Mit der Krankheit ist in vielen Fällen Lungenentzündung verbunden. Ein 12 jähr. Kind ist an der Epidemie gestorben. Die Schule mußte auf längere Zeit geschlossen werden. Die Gemein­den Ranstadt und Bob en Hausen bauen eine ge­meinsame Wasserleitung, deren Quelle in der Gemarkung Bobenhausen liegt. Die Leitung wird 10,7 Kilometer lang.

x Büdingen, 27. Aug. Die hessische Denkmals­pflege hat die Ausbesserung der alten Stadt- m auer beschlossen. Ter Staat gibt dazu 600 Mk., die Stadt 300 Mk. Auch der ehemalige sogen. Küchenbach, der zum größten Teil verschüttet ist, soll wieder ausgeräumt und hergestellt werden. Mit dem 1. Sept, scheidet der lang- lährige Stadtrechner Ludwig Eberhardt aus Gesund­heitsrücksichten aus seinem Amte; zu seinem Nachfolger wurde Will). Eberhardt ernannt, er erhält 1800 Mk. Gehalt. Tie Stadt zahlt bei der jetzigen starken Einquartie­rung für jeden Soldaten 1.50 Mk. an die Quartiergeber. Ter Stadtsäckel wird durch die Masseneinquartierungen sehr belastet werden.

H. Mainz, 21. Aug. Als gestern früh der Lackfabrik­besitzer Ludwig Marx auf der hiesigen Straßenbrücke der elektrischen Bahn mit seinem Automobil ausweichen wollte, rannte er über den Bürgersteig in das Geländer der Brücke. Die beiden Vorderräder hingen bereits frei in der Luft und das Geführt wäre unfehlbar mit seinen Insassen in den Rhein gestürzt, wären nicht die Hinterräder von einer Leitungsstange der Elektrischen festgehalten worden. Herr Marx soll sich an der Brust unerheblich verletzt haben, sonst kam er mit dem Schrecken davon.

kg. Kirchhain, 27. Aug. Die meisten Gemeinden des Kreises Kirchhain haben in diesem Jahre sehr unter der Mäuseplage ^u leiden. ^Jn einzelnen Orten haben die Mäuse ganz beträchtlichen Schaden angerichtet Md oft ein Drittel der Ernte vernichtet. Jetzt ist in pen meisten Gemeinden die Vertilgung der Mäufe allgemein in Angriff genommen und wiro meistens der Professor Lefflersche Müusebazillus dazu verwendet. Tie Stadtverwaltung Kirchhain bewilligre zur Ausrottung der Mause auf den städtischen Grundstücken 100 Mk., die Kosten der Privat­besitzer in Kirchhain werden sich auf ea. 6700 Mk. stellen.

)( Greifenstein, 27. Aug. Heute wurde bei der Befestigung resp. Aufräumung des Rittersaales (Pallas) unserer Burg in einer J-enfternische eine Schwert­scheide gefunden, und vor wenigen Tagen zog man aus dem Schutt einen goldenen Ring mit dem Trajektiv- kreuz und den Buchstaben S. B. (Solms-Braunfels). In der alten Münze wird eine Fundstelle errichtet. In dieser werden dre schon ausgegrabenen höchst interessanten Altertümer aufbewahrt. Die vor ein paar Jahren noch gangbaren, aber jetzt verschütteten Gewö-be werden wieder freigelegt. Noch deutlich find die früheren (22) Tore der Burg zu erkennen. Augenblicklich wird eine Umzäunung der Ruine angebracht und wohl noch diese Woche beendet. Gegen ein Eintrittsgeld von 10 Pfg. kann man aber auch spüter^die Burg in Augenschein nehmen.

24. deutscher Weiubau-Kougreß.

E. B. 9)1 annhei m, 25. Aug.

Der 24. deutsche Weinbau-Kongreß, mit dem eine allgemeine Ausstellung von Geraieu und Bedarfsgegenständen für Wein­bau, Wembehandlnng und Kellerwirifchaft verbunden ist, wurde heule vormittag in Gegenwart von mehreren hundert Teilnehmern auS allen Weinbau treibenden Gegenden Deutschlands nn Musen­saal des Rosengartens eröffnet. Die Eröffnung geschah durch Bürgermeister Ritter, der die Teilnehmer tut Namen der Stadt herzlich willkommen hieß. Tann hielt Reichsrat Dr. v. B u h l eine Ansprache, in der er sich über die Bedeutung des deutschen Weinbaus und feine Stellung m der Welt naher ausließ und namens der Kongreßleitung, allen Winzern Grüße darbrachte. Namens der preußischen Regierung begrüßte Lcmdesökonomierai Dr. Oldenburg, namens der badischen Regierung 'Ministerial­rat F l a d den Koiigreß und wünschte seinen Berhaudlmigen besten Erfolg. Unter den Teilnehmern aus Hessen beuierkten ivir Ministerialrat U fing er, Geh. Reg.-Rat Haas, Gerieralsekretür Tr. M ü 11 e r u. a. Tie Reihe der fachwissenschaftlicheu Vortrage eröffnete Prof. Tr. Kulisch mit einem sehr instruktiven Vortrag über das ThemaErfahrungen aus dem Gebiete der Keller- behandlung der Weine". Ter Redner gab ein umfassendes Bild von den Erfahrungen, die er als Direktor der landw. Versuchs- station in Colmar in der Frage der Weinbehandlung gemacht hat. Er besprach eingehend das jetzt wieder so viel betonte Pasteurisieren der Weilte, deut er aui Grund seiner Erfahrungen nicht sehr ynipathisch gegenüöcr steht. Dagegen empfahl er, der richtigen und rechtzeitigen Schweieltilig der jungen Weine die größte Aus- meiTiamfeit zu schenken; sie sei sozusagen ein Zuchlmittel für die Jugend uni) es empfehle sich, sie schon bei der Kelterung durchzu- iühren. Ätttch für die Schweselutig der deutscheii Rotiveine trat der Redner unter Bekanntgabe seiner im Elsaß damit gemachten höchst günftigen Erfahrungen ein. lieber daS Thema:Zwecke und Aufgaben der Wiitzervereiite" sprach alsdami der Geiieral- efretär des Reichsverbaudes der laiidivirtschastlichell Geitosseii- jchasten, Kerle. Er kolistatierte, daß dent Dieichsverbaiid bereits 58 Winzergeliossenschaften allgehörten. Preußen besitze im Gauzeti J23 und Hessen 28 Winzergeliossenschaften mit 5000 bezw. 1514 Mit­gliedern.

R. B. Mannheim, 26. Aug.

Die heutige Generalversammlung des deutschen W e i n b a u v e r e i n s im Musensaal nahm einen interessanten Verlauf. Präsident Franz Buhl gab den Jahresbericht, in detn er konstatierte, daß die Zahl der Mitglieder seit dem vorigen Jahr um mehr als 200 gestiegen sei, so daß sie jetzt über 1000 Betrage. Ter Verein habe auch int verflossenen Jahre eine sehr dankenswerte Förderung erfahren, namentlich von den Regierungen Preußens, Württeinbergs, Badens, Hessens und der Reichslande. Von dem bewilligten rüeichszuschuß von 5000 Mk. zur Förderung des Weinbaues hat der Ausschuß für Versuche zur Schädlingsbekämpfung in Hessen den Betrag von 1500 Mk., für Reisestipendien 2000 Alk. und für die Mit­teilungen des Vereins 1500 Mk. bewilligt. Nach dem Kassen­bericht betrug die Einttahme 14 991 Mk., die Ausgabe 10 878 Mk., o daß ein Kassenbestand von rund 4100 Mk. verbleibt. Der auf 11 978 Mk. für das neue Vereinsjahr festgestellte Voranschlag wurde genehmigt, lieber die Tätigkeit des Ausschusses ün

verflossenen Jahre erstattete der Vorsitzende Bericht. Er teilte f- mit, daß sich der Ausschuß mit großer Mehrheit entschloss ij habe: 1. für Kontrolle im Hauptamt, 2. für Lagerbuchkontrolü | 3. für zeitliche und räumliche Begrenzung des Zuckerzusatzes' 4. für Deklaration des Verschnitts von Weiß- und Rotwein' 5. für erhöhten Markenschutz und 6. für Ablehnung einer Wein' & steuer. - "W

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 27. Allgust. Grober Unfug.

Das Schöffengericht halte öen Schmiedegesellen H.^M i unter der Anschuldigung, daß er in (Scgemvart von Frauens, st personell unsittliche Handlungen vorgcnommeit hat, wegen Situ [ l i ch k e i t s v e r g e h e n s zu drei W o ch e n G e länguj- g verurteilt. Seine Berufung mit dem Antrag auf Freisprechun­begründet er damit, daß die Handllulgeii an keinem öffentlich Orte erfolgten, auch hätten sie fein Aergernis erregt. Rach den | Urteil des Berufungsgerichts ist zivar beides der Fall, doch loucbi | zugunsten des Angeklagten angenommen, daß ihm dieser Umslani { nicht zum Bewußtsein fani, weshalb Verurteilung wegen Sittlich keitsvergehens nicht erfolgen könne. Freispruch konnte aber aud T nicht emtreteu, da ein grober Unfug vorliegt, der auch dann bc ß straft werden muß, wenn kein Llergerilis erregt wird, wenn b- Handlungen nur geeignet sind, Aergernis zu erregen. Das Urta F wurde aufgehoben und ivegen groben Unfugs auf 40 ifllai !* Geldstrafe e r f a n n t.

Aus dem Armenhaus.

Im Armelihanse zu B r a u e r s ch lv e n d fam es zwischen bei. ß Taglohner H. K. uni) einer mit ihm verfeindeten Frau zu einen Wortwechsel, in dessen Verlaus K. der Frau mit einem Hammc j aus den Kopf schlug, daß eine Beule entstand. Das Schoffeligerich ^Ilsfeld verurteilte K. ivegen Körperverletzung zu 4 Atonalen (St fangnis, indem es ausführte, datz er ein gewalttätiger, heimtückische und gefährlicher Atensch sei, der sich an einem schwachen Weiln, ! das in feinem Recht stand, vergriff. Ter Angeklagte erhob Äc | rufung und auch die Staatsanwaltschaft schloß sich zu feines Gunsten diesem Rechtsmittel an. Tie Strafkammer war zivar bc i Ansicht, daß dieses Strafmaß recht erheblich ist, sie sah aber üo: ß einer Milderung ab, da der Aiigeklagte ein roher, gcivalttäügc L Mensch ist, wie dies seine Strailiste ausiveist, und der sich tz: [ diesem Falle an einer ihrer Niederkunft entgegensetzenden Frau w t roher mweranlaßter Weise vergriffen hat.

__ Hausfriedensbruch und Körperverletzung.

Auf Strafantrag des Nachtivächters zil Trais-Horloi z wurde der Bahnarbeiter K. R. wegen H a li s f r i e d e ii s b r u ch Mid Körperverletzung durch das Schöfseligerichr Himgell zi v 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Es hielt für fcftgsfrellt, daß de 17 jährige Aiigeklagte sich m die Wohnung des 9lacht>vächtet begeben hat, um dessen 77 jährigen Frau einen unsittlichen Antw, zu stellen. Hierbei iväre es zivischen ihm und dem lllachtwächtei > der ihn zum Haiis hinausbeförderii wollte, 311 cm er Raufen [ gekommen, in deren Verlauf er dem Nachtwächter einen Schlei.. B mit einer Latte auf den Kops versetzt haben sollte, der emei' erheblichen Blutverlust zur Folge gehabt hätte. Der Angeklag! erhob Berufung und bestritt beide Straftaten; er will in be Wohnung des Nachtwächters seinen Nameii haben nennen höm st weshalb er sich m die Wohnung begab. Hier ivill er wieder in .Lr die Aufforderung lueggegangcn fein,' ohne dem Nachtwächter ei £ Leid zuzufügen. Die Berufimgsverhändlung ergab, daß an jene Abend der Angeklagte soivohl, als auch der Nachtivächter betrunlc ? waren; dieses soll bei dem letzteren häufig vorkommen, lueil es dc Dienst mit sich bringt, wie ein Zeuge bekundete. Es konnte nid 1 für erwiesen angenommen werden, daß der Angeklagte dem Nach! Wächter Die Verletzung beigebracht hat, da dessen Aiissagen nid zuverlässig sind; dagegen ivurde em unbefugtes Eindringen al vorliegend erachtet und das Urteil auf eine Geldstrafe vo 4 u Mark a b g e ä n b e r t.

Dieb stahl unter falschem Namen.

Der 17jähr. bereits mehrfach bestrafte T a g l ö h n e r F. P. ? aus Hildesheim ist aus einer Erziehungsanstalt zu ftai novcr entwichen, und hat sich unter dem Namen Nkax Schien!. umljCrgctrieben, unter welchem Namen er auch mehrere 1 erlitt. Ende Juni kam er hierher und arbeitete mehrere la bei einem Betonunternehmer. Er sorgte sich für keine Wohnun. § sondern schlief im Freien ober suchte sich eine sonstige Lag. statte. Nachdem er eine Nacht in der Arbeiterbude eines Bat Unternehmers zugebracht hatte, nahm er einen einem Arbeit, gehörigen Kittel mit, weshalb seine Verhaftung erfolgte, b seiner Einlieferung in das Arresthaus bediente er sich ebeufai! S des falschen Namens, wodurch falsche Einträge in die Gefangci bücher bewirkt wurden. Es erging gegen ihn Anklage rocgi Diebstahls und intellektueller Urkundenfälschung; das letzte gab er zu, doch einen Diebstahl will er nicht verübt habe! Er gibt an, den bei ihm gefundenen Kittel habe er von cinei Bekannten, dessen Person aber nicht zu ermitteln war, gckaui Es wurden beide Straftaten als erwiesen angenommen und n den Diebstahl 4 Monate und für die Urkundenfälschung 3 Woche Gefängnis cmgesetzt. Beide Strafen wurden zu einer Gesam strafe von 4 M 0 n a t e n u n b 2 Wochen zurückgeführt, icorai ein Monat der erlittenen Unterfüchungshast aufzurechnen il

Schwerer Diebstahl.

Gegen den 19jährigen unbestraften Hausburfchen K. V. ai Bieber ist Anklage wegen schweren Diebstahls erhoben, lft i geständig, feinem früheren Dienstherru, einem Bierhändler hie J von dem er im Unfrieden geschieden ist, aus Rache aus i

an der Lahn befindlichen Eishalle ein Flobertgewehr entwend zu haben. Nach seinen Angaben ist er durch eine Lücke : das Besitztum des Bestohlenen gelangt, doch dies ist nach bi Zeugenaussagen ausgeschlossen. Es mußte angenommen werbet daß er über die Einfriedigung gestiegen ist, ober daß er fi eine Lücke gebrochen hat, womit der Tatbestand des schlven Diebstahls gegeben ist. Trotz der ^Jugend und des guten A'i munds mußte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten c kanut werden, da dies die Atinimalstrafe bei einem schwell Diebstahl ist.

Üniverfteäts-rrcichrichtett.

Deutsche un d f r a n z ö fische Universitüte In Frankreich gibt es 16 Universitäten, die nach einer tu vorliegenden Statistik im letzten Jahre von 35 670 Studcnv besucht wurden; für diese wurden insgesamt 13 761 180 ö"1. ausgegeben, von denen über 11 Millionen auf das Person kommen. Deutschland hat dagegen 21 Universitäten, die V 37 848 Studenten besucht werden, und in dem Rechnung^ 1905/1906 wurden für 18 Universitäten (es fehlen die Angiü für drei von ihnen) 31 908 607' Frs. ausgegeben.. Die Zahl b Studenten ist im Verhältnis zur Bevölkerung in Deutschla | kleiner w-.s m Frankreich; aber es ist zu berücksichtigen, dotz diesen Zahlen die technischen Hochschulen, die ihnen gleichste!)^ nicht miteinberechnet sind; andererseits sind hier die Stuben- der Theologie mitgezählt, die es in Frankreich nicht gibt. > ist ein direkter Vergleich der Zahlen nicht gut möglich; aber lassen doch deutlich erkennen, daß Deutschland außerordenu viel lwhere Aufwendungen für seine Universitäten macht Frankreich. _ ___J

Unterschrift von der Elberfeldr

Polizei beglaubigt! b,;

Elberfeld, den 10. Mai 1907. Ich kann Ihnen n teilen, daß das Biosvn ein ausgezeichnetes Mittel gegen Mag leiden, Appetitlofigkeit und Körperschwäche ist, da ich Bioson gei« vorsteyendes Leiden an mir selbst versucht habe. Ich habe , 4 Atonale lang jeden Tag drei Tassen gerrunken und fchvn naru 11 ersten acht Tagen eine bedeutende Besserung meines Atageuleic» f feftfreüen können. Ateine Gesichtsfarbe hat sich durch den Gelna z des Biosou sehr gebessert und daö Körpergewicht hat zugenoinn | Biofon bekommt mir sehr gut unb es schmeckt angenehm, wesi | ich es sehr empfehlen kann. Hochachtend! Richard Kiese io Schüler der Pr. Hob. Fachschule für Textilinduftrie. Untcncfl | beglaubigt: Elberfeld den 27. Juni 07. Der Polizei-Koinmi | Bnttcher. Biofon ift in ^pothmen, Drogerien nsw. das Pare»» drei Atart erhaltilch, weiches sur 5111a 14 Tage auSrenht nno n »Der Arzt gerne Auskunft tiber die Voräügnchkeil des Btofon ge«