Ausgabe 
28.6.1907 Erstes Blatt
 
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Vermischte».

breiteten Nachricht, daß Ijier die Blattern herrschten, sei ausdrücklich daraus hingewiesen, daß hier überhaupt kein Blattern fall vorkam. Ein Mann, der erkrankt war, wurde als blatternverdächtig angesehen, doch stellte sich nachher heraus, daß dieser Verdacht unbegründet war.

R.B. Darmstadt, 27. Juni- Ter Odenwald­klub, Sektion Darmstadt, hielt gestern abend seine Haupt­versammlung ab. An Stelle des seitherigen lang­jährigen 1. Vorsitzenden, Ministers des Innern Braun, der wegen starker dienstlicher Inanspruchnahme sein Amt niederlegen mußte, wurde einstimmig der 2. Vorsitzende, Rechnungsrat Daud gewählt. Minister Braun wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt._

X. Offenbach, 27. Juni. In bet heutigen Lützung der Stadtverordnetenversammlung wurde be­schlossen, die Gehaltsverhältnisse der als städtische Beamte unwiderruflich angestellten Lehrer an den technischen Lehranstalten derart zu regeln, daß sie in jeder Weise den staatlich angestellten Kollegen gleichstehen.

h. Frankfurt a. M., 28. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ge­langte ein Antrag der Stadtverordneten Dittmann u. Gen. (Soz.) zur Beratung, welcher dahin geht: die Stadtverord-

UniverMäLs-Nachriehten.

Breslau, 27. Juni. Der gegenwärtig auf einer Forschungs­reise in Batavia weilende Dermatologe, Professor Dr. N e i ß e r, wurde zum ordentlichen Professor ernannt.

Nachdem Professor Dr. Friedrich Müller in München den Ruf als Nachfolger von Leydens an die Berliner Universltät abgelehnt hat, ist eine Berufung an Geh. Rat Prof. Dr. Ludolf Kr eh l, Direktor der medizinischen Klinik in Heidel­berg, ergangen.

W ü rzburg, 28. Juni.' In der hiesigen theologischen Fakultät sind Konflikte allerernstec Natur ausgebrochen. Einzelheiten fehlen.

-- Freistudentische Konferenz. Süddeutsche Ver­bände der Bildung?- und akademischen Nesormbewegung der Frei- ftubentcn veranstalten am 6. und 7. Juli in Mannheim eine Tagung, aus deren Programm die R e f o r m b e d ü r f t i g k e i t der deutschen Hochschulverfassung steht. Einzelreferate werden gehalten über: den Zustrom zu den akademischen Bernsen und seine Regelung, die Stellung der ehemaligen Studenten zur Hochschule, Volkshochschulfragen, Akademische Frauenfrage, die Freistudentenschaften der Schweiz, Sludenlischen Verruf. In einer öffentlichen Versammlung wird Privatdozent Dr. W. Ohr- Tübingen überDie deutsche Hochschule und das deutsche Volk" sprechen.

B o st o n, 26. Juni. Dr. Theodor Barth, der bekannte links­liberale deutsche Politiker, wurde an der Harvard-Universität zum Dr. of Leiters honoris causa ernannt, ebenso der französische Botschafter Jusserand und der englische Botschafter Bryec.

Urrnst und LMssen-chafL.

M ü n ch e n, 27. Juni. Der Prinzregent hat den General- miisikdirektor Mottl zum königlichen Ho so p ern d irekto r er­nannt. Tamrt ist Mottl die gesamte Leitung der Münchener Hof- Oper in künstlerischer Beziehniig übertragen.

Leider haben sich in dem gestrigen Artikel des hiesigen Privatdozenten für Kunstgeschichte Dr. Christian Rauch, außer dem des Namens nych verschiedene andere Druckfehler eingeschlichen, die wir die Leser zu berichtigen bitten. ES muß heißen Spalte 3 Heideduft; des glasigen Elementes; gelblicher statt gelbblauer; Mclville-Bronzestatuette, Schwälmer Bauer; Spalte 2, Frühsonne tatt Frühlingssonne; Spalte 1, bepflastern statt belasten.

Fustizrat erteilt. Zu der auswärts noch immer ver-1 populärwissenschaftlichen Mönumentalwerkes von Hans Kraemer Der Mensch und die Erde" (Deutsches Verlagsha-'s Bong u. Co., Berlin W57. Lieferung 60 Psg.- beginnt. Nach Prof. Müller,

Arbeiterbewegung.

Breslau, 27. Juni. In zwei überfüllten Versammlungen nahni die Land shiiter Textr l ar b e i t e rs ch aft Stellung zu der geplanten Aiasscliaussperrung. In der einen Versammlung wurde einstimmig beschlossen, die Entscheidung über die Zurück­nahme der Kündigung den Methner'schen Webern zu überlassen. Jli der zwelteli Versammlung aber beschlossen die Arbeiter die Aufrechterhaltung der Kündigung. Dieser Beschluß hatte zur Folge, daß m allen Fabriken durch Anschlag befannt gegeben wurde, daß dre gesamte Arbeiterschaft zum 13. Juli aus- gesperrt werde.

Ludwigshafen, 27. Juni. Nach einem heute gefaßten Beschluß aus der Versammlung der Arbeiter aller Hafenstädte des Rheins ist der streik der Maschinisten und Heizer aus dem Rhein auf gehobelt und damit auch der Boykott der Kohlenschisie. Ter neue Tarts ist auf die Dauer von 2 Jahren abgeschlossen. (Frkf. Ztg.)

einer ersten Autorität auf diesem Gebiete, dienen int Himalaya und in Tibet auf Wegen, die für andere Tiere ungangbar sind, die sogenannten Hundu oder Huniga, hochbeinige, ben persischen Fett­schwänzen ähnliche Schafe mit schwarzem Vorderkopf, als Last­träger. Die Lasten, welche die Tiere tragen, schwanken je nach der Oertlichkeit zwischen 725 Pfund. Ein^geradezu erstaunlicher Beweis für die Leistungsfähigkeit dieser Schafe ist die Tatsache, daß in der Karakorumkette, einer Gegend, wo Futter selten ist, bei dem häufig sehr widerwärtigen Wetter eine ganze Herde, jedes Schaf mit einer Last von 20 Pfund, 330 englische Meilen in einem Monat zurücklegt, ohne daß mehr als ein Tier dabei zugrunde geht. Die, Wohlhabenheit wird in dieser Gegend nach der Zahl der Schafe bemessen. In Hochasien verwendet man übrigens auch Ziegen für solche Zwecke, die wie die Schafe noch Wege sicher beschreiten, auf die sich Ponys und Paks nicht mehr wagen. Rain Singh hat ans seiner denkwürdigen Reise von Rudok zum Tengienoor solche Tragsckwfe über eine Strecke von mehr chls 1600 Kilometer mitgeführt. Mehr als 12 Kilo­gramm darf aber den Schafen nicht aufgepackt werden. Es ist übrigens beobachtet worden, daß das Bergsteigen mit der Last den Ziegen viel schwerer fällt als den Schafen. Außer Tibet gibt es nur noch eine Gegend, wo Schafe als Lasttiere Verwendung finden, nämlich die Umgebung der südamerikanischen Stadt Bahia, wo Moselay Schafe mit Wassertonnen an der Seite die steilsten Berg fade überwinden sah. Gut abgerichtete Böcke ziehen, wenn sie gut behandelt werden, kleines Fuhrwerk willig ganze Stunden lang. Bei schlechter Behandlung widersetzen sie sich allerdings energisch der zugedachten Arbeitsleistung.

* Das Alter des Wörtchensvon". Die Frage, um welche Zeit die deutschen Adelsfamilien begonnen haben, ihren Namen das Wörtchenvon" als besonderes Adelsprädikat vor­zusetzen, ist schon ost gestellt worden. Man weiß, baß sich in Deutschland der Stand des erblichen Adels seit dem 10. Jahr­hundert entwickelte und daß dieselben alsbald in sechs Klassen zerfielen, nämlich: Titulargrafen, Reichsfreiherrn oder Barone, Edle oder Bannerherren, Ritter des heiligen römischen Reiches und Adelige gewöhnlicher, d. h. niederer Art. Verleihungen des hohen und des niederen Adels kommen seit Karl IV. vor und das Reckt ba^u gehörte vormals zu den Reservatrechten des Kaisers, d. b. ju den Rechten, welche sich der Kaiser in allen deutschen Landen Vorbehalten hatte. Aber im ganzen 16. Jahr­hundert war das Wörtchenvon" noch nicht die durchgehende Bezeichnung des Adels; noch in einem Adelsbriefe des Kaisers Matthias vom 18. August 1614 für Balthasar New, brandenbur­gischen geheimen Rat, fehlt diesesvon", ebenso in einem Adels- briese, der von Kaiser Ferdinand II. unterm 12. Mai 1624 ausge­stellt ist. Erst in einem Diplome, das Kaiser Ferdinand am 24. November 1634 einemDaniel Landshutter, von Alters- Ritlereyssen genannt", verlieh, wird demselben am Schlüsse aus­drücklich das Recht, seinem Namen dasvon" vorzusetzen, aus- gesprochen.

* Kleine Tageschronik. Am Dienstag ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wird, bei Gressern (Baden) ein schweres Unglück. Ein Boot mit sechs Personen, die zum Heumachen über den Rhein fahren wollten, kenterte; drei Personen, zwei Mädchen und ein junger Mann, ertranken, wahrend die übrigen nach großen Anstrengungen gerettet werden konnten. In Koblenz vergiftete sich in einem Hotel ein Liebespaar, bas sich als Eheleute Paul aus London ins Fremdenbuch eintragen ließ. Später stellte es sich heraus, baß die Dame Clisford hieß. Noch immer sind die Mannschaften der Berliner Feuerwehr mit den Ablöschungsarbeiten bet der Brandruine des Viktoria- speichers tätig. Leider hat es sich bestätigt, daß ein Angestellter der Omnibusgesellschaft bei dem Riesenbrande den Tod ge­sunden hat. Seine Leiche wurde vollständig verkohlt aufgL- funben. Der Fleischermeister Fischer in Einsiedel (Kgr. Sachsen) wurde nachts von dein 19 Jahre alten Fleischergesellen Schönherr, der früher bet ihm im Geschäfte stand, überfallen und durch einen Stich mit dem Fleischermesser lebensgefähr­lich verletzt. Der Täter wollte offenbar euren Einbruch verüben. Er ist geflüchtet. Aus Clermont Fcrrand wird berichtet, daß, 13 Häuser in einem benachbarten Dorfe durch eine schreckliche Fe ue r sbirn!nst zerstört worden find. Eine Frau kam in den Flammen um. Ein von der französisch-italienischen Grenz­station Modane kommender Personenzng entgleiste beim Ein­gang in dcü Erej ustunnel. Der Zugführer war sofort tot, ein Piostschafsner und ein Bremser wurden schwer ver­wundet. Die Passagiere kamen mit leichten Quetschungen und dem Schrecken davon. Der Verkehr aus der Linie ist unterbrochen.

* Schafe und Ziegen als Lasttiere. Daß Schafe und Riegen »als Lastträger verwendet werden, dürfte nicht all- gemetn bekannt sein. Und doch ist es der Fall, wie Prof. Dr. Rodert Muller-Tetschen in seiner Abhandlung überDie Tiere al-3 ö^berer der Kultur und des Verkehrswesens" berichtet, mit sicher dec zwecke, soeben erschienene Band des großzügigen, m Dext, Illustrierung und Ausstattung gleich mustergültigen

tt^fenbcnT, der Bureaugehilfe bei der Landeshhpotheken- aiant Friedr. Ru llm aitn aus Nidda zum Bureauassistenten [bei btefer Bank und der Diener bei der Landeshypotheken - jbatrt Christian Michel aus Pettberweil (Kreis Friedberg) kinn Bureau- und Kassediener bei dieser Bank ernannt.

r ** Der hessische Zentralverein für Err i chtung ^billiger Wohnungen (Ernst Ludwig-Verein) hielt am ^Donnerstag vormittag inDarmstadt seine Hauptversamm­lung ab. Anstelle der verhinderten Dorjitzenden Frhrn. von sH ey l und Geh. Rat Dr. Dietz wurde Oberbürgermeister Köhler- lLÄrrms zum Vorsitzenden ernannt, der namens des Präsidenten! Pie Versammlung und die behördlichen Vertreter begrüßte. Staats- 'Minister Ewald hatte sein persönliches Erscheinen in Aussicht gestellt, falls cs die Ksammerverhandlungen gestatteten (wa^ aber nicht der Fall wart, Finanzminister Gnauth hatte Ge- heimerat Frhrn. v. Biege le ben mit seiner Vertretung bc- auftragt und her Dezernent der Abteilung für Handel, Land­wirtschaft und Industrie Minifterialsekretär Pi stör. Auch zahlreiche Vertteter der Kreisämter, der Provinz ialdireftionen und der Bürgermeistereien warm zugegen. Oberbürgermeister Köhler gab in seine« ?lnsprache noch bekannt, daß der Verein zur Zeit 278 Mitglieder aus allen Landesteilen zähle. Ter Zentralverein werde, wie schon in der Presse mitgeieilt wurde, auf der nächstjährigen Landesausstellung in Darmstadt mit prok- i tischen Leistungen, Skizzen unb Modellen von Häusern und Klein- ftvohmrngen, sowie einer Anzahl vollständig dnrchge führ ter Bauten mit kleineren Wohnungen vertreten fein und damit den Be- tveis erbringen, daß wirklich praktische und geschmackvoll durch- ßeführte Kleinwohnungen gar nicht so teuer sind, als man gc- : wohnlich annehme. Landeswohnungsinspektor Gretzschel er­stattete darauf einen umfangreichen Geschäftsbericht über die Tätigkeit im Jahre 1906, woraus sich im allgemeinen eine recht erfreuliche Entwickelung und Förderung der gemeiiuiüyigen Be­strebungen des Zentralvereins ergibt. Ten Kassenbericht er­stattete Erstelle des behinderten Kassierers Stadtv. Wolfs kehl Direktor Hv ch gesandt-Mainz. Die Einnahmen betragen darnach 7739 Mk., die Ausgaben 6317 Mk. Bei. der alsdann , erfolgten Ergänzungswahl des Vorstandes ^wurden die drei aus- scheidenden Mitglieder wiedergewählt. Darauf hielt Geh. Bau­dot Dr. ing. St üb b ein-Berlin einen längeren instruktiven Vor- tiiberDie Ausgestaltung der Bauordnung und der Bebauungspläne unter besonderer Berücksichtigung des .Kileinhauses". Geh. Riat Frihr. v. Biegeleben nahm rbarauf Gelegenheit, dem Redner seinen Dank auszusprechen für !das wertvolle Dttckerial, das er nt seinem Vortrag niedergelegt uni) Herr Gretzschel gab in Anknüpfung an den Vortrag eine Reihe näherer Erläuterungen, zu denen er auf Grund eigener .Erfahrungen gekommen war. Mft herzlichen Tankesworten des Oberbürgermeisters Köhler an die Referenten und den Vvv- tragenbeiT schloß die Hauptversammlung.

netenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er­suchen, Maßnahmen zu treffen, um der trotz des Rück­ganges der Viehpreise anhaltenden Fleischteuerung entgegenzuwirkeu, entweder durch. Errichtung eigener Fleisch­verkaufsstellen oder durch Freigabe geeigneter Lokalitäten, in denen die Landwirte ihre Fleischprodukte selbst ver­kaufen können. Nach längerer Debatte wurde em Antrag des Stadtv. Funck angenommen, wonach der zweite Teil der Anträge dem sozialpolitischen Ausschuß mit dem Auf­trage schleunigster Berichterstattung zuzuweisen ist. Der Ausschuß soll das Recht haben, sich zu ergänzen.

[] Marburg, 27. Juni. An der hiesigen Universität hat sich eine vierte katholische Studentenver­bindung mit dem NamenPalatia" aufgetan. Die Fuchssarben sind rosa-grün-rosa und die Burschensarben rosa-gold-grün. In der medizinischen Fakultät bestand schon wieder eine Dame, Frl. Geheeb aus Geisa, ihren Dr. med.

** Kleine M i 11 e i l un a e n ans Jo elfen und den Nachbarstaaten. Der König von England verlieh dem brit. Generalkonsul in Frankfurt a. M., Franz Oppenheimer die R i 11 e r w ü r d e.

* Die Jamestowner Ausstellung wurde, wie aus Washington gemeldet wird, durch eine furchtbare Feuersbrunst mit gänzlicher Vernichtung bedroht. Das Feuer brach außerhalb des Ausstellungsgrundstücks in einem Hotel aus und verbreitete sich so rapid, daß es binnen kurzem 12 mächtige Hotels zerstörte. Zwei Hotel­gäste verbrannten, ein dritter, der vermißt wird, wurde wahrscheinlich ebenfalls ein Opfer der Flammen. Der Schaden betragt etwa 1200 000 Mark. Viele Hunderte von^ Hotelgästen entkamen nur mit knapper Not in ihren Nachtgewändern, und alle verloren ihre sämtliche Habe. 12500 Leute wurden obdachlos.

* Eine der reichsten Frauen der Welt ist die amerifaniitix Gutsbesitzerin Frau M. H. King. Ihr Landsitz umfaßt mehr als eine Million Acres, ist al|o so groß, wie der ganze Staat Delaware; er liegt in Santa Gertrudes, Texas. Durch den Ankauf der benachbarten Los-Laureles-Farm, die einen Flächeninhalt von 170 000 Acres hat, ist die geschäftskundige Dame zur Besitzerin des riesigen Landgutes geworden. Ein Vieh­bestand tion über 100 000 Köpfen weidet auf ihrem Boden und bie St. Louis-Brownsville und Mexiko-Eisenbahn, die ihr Gebiet durchquert, muß mehr als hundert englische Meilen znrücklegen, um den Besitz zu durchschneiden. Das Riesengut wirft einen kolossalen Gelvinn ab. Zwar dienen der weitaus größte Teil des Landes der Viehzucht; aber der Boden ist so sruchtbar, daß er unschwer kulttviert werden kann. In den letzten Jahrrn hat sich der Wert des Besitzes durch das steigen der Landpreise verhundertfacht.

'' Das Gebiß im Magen. Aus Wien wird berichtet: Unter den Aerzten des Allgemeinen Krankenhauses wird lebhaft eme Operation besprochen, die auf der Klinik des Prof. Dr. Chiari ausgeführt wurde und einen sehr guten Verlauf nahm. Am 25. v. M. ifam in die genannte Klinik ein 38 jähriger Mann, der angab, er habe vor etwtt dreißig Tagen im Schlafe sein Gebcß verschluckt. Anfangs hätte er an starker Atemnot ge­litten, dann a'ber feien diese Erscheinungen bald verschwunden. Gegeuwärtia könne Patient nur flüssige Nahrung zu sich nehmen, elgentlrche Schmerzen habe er aber nie gehabt. Die an der Klinik durchgesührte Untersuchung ergab bie Anwesenheit eines Huwernisses in der Speiseröhre. Es wurden nun an der Klinik des yojrates Prof. Dr. v. Eiselsberg Radiogramme ausgenommen, und diese zeigten einen dem Gebig entsprechenden Schatten vor bem eilten Brustwirbel. Jetzt wurde daran geschritten, dem Ärantcn den Fremdkörper aus der Speiseröhre zu ziehen, ohne daß man die Oesophagotomie (den SpeiseröhrenschnitO vomahm. Durch eine ingeniöse Anwendung von Rohren gelang es tak |au)licb, das Gebiß ohne Anwendung vori Gewalt herauszubringen, was bei dem Umstande, daß die Zahnplatte mit den fünf Zähnen 41/2 Zentimeter lang und 2\h Zentimeter breit war, gewiß kein leichtes Ltück Arbeit dc-rstellte. Heute befindet sich der Kranke bereits vollkommen wohl.

* Tanzend ins Ehejoch.Der Tanz ist die erfolg­reichste Heiratsverrntttlung in der Welt!" Zu diesem Schlüsse ist dieInternationale Akademie von Meistem der Tanzkunst" ge­langt, die ihren Sitz in Paris hat, aber Tanzlehrer aller Na-1 tionen zu den ihren zählt. Sie hat bannt jebod) nicht eine will­kürliche Behauptung ausgestellt, soudem mit der Gründlichkeit, bie augenscheinlich im Berus liegt, eine umfassende Umfrage Über den Einfluß des Tanzens auf die Eheschließung veranstaltet Alle Tanzlehrer wurden in einem Zirkular aufgefordert, durch diskrete Fragen bet ihren Schülern festzustellen, wo sie die Damen kennen gelernt hätten, mit denen sie verlobt ober verheiratet mären, lieber dreitausend Tanzlehrer haben die Umfrage beant­wortet und über 1097 503 Verheiratete oder Verlobte haben sie eine Auskunft erlangt. Das Resultat ist, daß 75 Prozent der gefragten Personen versicherten, daß sie ihre Frauen auf pri­vaten oder öffentlichen Bällen oder im Tanzunterricht tennen gelernt hätten. Viele behaupteten außerdem, daß sie es nur iljrer glänzenden Tanzkunst verdankten, wenn es ihnen gelungen wäre, eine Frau zu erobern. Daß von den 3000 Tanzlehrern selbst 92 Prozent ihre Frauen bei einer Tanzgelegenheit kennen gelernt haben, will nicht allzuviel bedeuten. Aber amüsant sind Verschiedenheiten, die sich ergeben haben. Tie höchste Prozentzahl der, um in der tanzakademischen Sprache zu reden,choreographischen Verlobungen" findet sich in Deutsch­land, wo nur 3 Prozent der Männer ihre Frauen nicht auf Tanzfesten gesunden haben wollen. In Frankreich sind 83 Prozeitt der Ehemänner durch die Tanzkunst ins Ehejoch geführt wor­den, in England 65 Prozent. Norwegen allein scheint ben Tanz nicht zur Ermutigung der Eheschließungen zu brauchen, denn dort ist bie Prozentzahl nur 38.

** Die Neuregelung der Witwen-und Waifen- dersorgnng der hessischen Zivilstaatsdiener er­strebt ein vom Abg. Noack bei der zweiten Kammer gestellter Antrag, an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, den Landständen alsbald eine Gesetzesvorlage zu machen, wonach eine zeitgemäße Erhöhung des Witwen- und Waisen­geldes derart leintieten wird, daß das Witwengeld statt 30 nunmehr 40 Prozent derjenigen Pension beträgt, zu welcher der Verstorbene berechtigt war, wenn er am Todestage in den Ruhestand versetzt worden wäre und daß hiermit eine ent- sprechende Erhöhung des Waisengeldes gemäß der seitherigen Be­stimmungen ftattftndet. ferner sollte eine Erhöhung des Mini­malwitwengehaltes von 216 Mk. auf 300 Mk. bestimmt wer­den und die Festsetzung einer Mindestpension für Witwen im allgemeinen von 25 Prozent des pensionsfähigen Gehaltes bis >zum Höchstbetrag des Witwengeldes von 3600 Mk. eintreten Der Regierung wäre zu empfehlen, die neu zu erlassenden Be­stimmungen auch auf diejenigen Witwen Anwendung sinden ' M lassen, die nach älteren Bestimmungen, als sie das Gesetz vom 30. Juni 1888 enthält, ihr Witwengeld beziehen.

lp Großen-Linden, 27. Juni. In unserer Basi­lika kirche konnte dieser Tage, bei den Renovierungs- arbetten ein bisher strittiger Punkt mit ziemlicher Sicher­heit gelöst werden. Es handelt sich um die Nischen, »die im Hauptchor und den beiden Nebenchören in das tmächtige Mauerwerk eingelassen sind und bisher zu man- icherlei Deutungen Anlaß gaben. Regierungsbaumeisier Kuhlmann, der die Arbeiten leitet, fand über dem Bogen ieine Schrift in latemischen Settern, aus der hervorgeht, daß .diese Nische einen Altar darstellt, und zwar einen Altar des heiligen Petrus und Paulus. Die Jn- fchrrft fügt sich über den Kreisbogen und lautet:Altäre Petri et P....." Die Schrift und die darüber gemalten

Schilde waren bisher durch Verputz verdeckt. Damit ist emes der vielen Rätsel, die Misere Kirche allen Kunst- chiswrikern bietet, gelöst. Die Nischen sind halbkreisförmig und haben einen Durchmesser von 23 Meter und eine Diese von Vs1 Meter. Die Renovierung des Gotteshauses ist schon weit fortgeschritten und wird äußerst stilgerecht. Die nördliche Wand des Schiffes wird etwa 3V> Meter hinausgerückt, dadurch erhält die Kirche eine bedeutende Erweiterung. Von Wichtigkeit ist ferner, daß man das ,A l t e r d e r b e i d e n r u n d e n E ck t ü r m e, die das kunst­volle Hauptportal flankieren, feststellen konnte. Sie sind erst im 16. Jahrhundert angebaut worden. Während sie bisher mit Schuttmassen ausgeMlt waren, werden sie jetzt als Treppentürme eingerichtet und mit Eingängen ver­sehen. Die Vollendung der Renovierung soll günstigenfalls im Spätherbst erfolgen. Die politische Gemeinde hat den Friedhof geschenkt und diese beabsichtigt, vor der Kirche einen freien Platz zu schaffen und Lindenbäume anzu- pflanzen.

..x Reiskirchen, 28. Juni. Das Anwesen des Schreiner- Eiiters ^D a m m hier ging gestern in den Besitz des Handels- Vöroenberg bon Ettingshausen zum Preise von 10 000 Mk. über. Herr Damm beabsichtigt seine Bauschrei- nerei nach Gießen zu verlegen. Löwenberg will fein Srichast von hier aus betreiben.

r Londors, 26. Juni. Der 20 Jahre alte Arbeiter Johs. Theiß von hier, der seit 14 Tagen bei dem Zimmer- nielfter Wißner dahier arbeitet, fiel heute in die Kreissäge, wodurch ihm der rechte Arm vollständig abgesägt wurde. Der gerade anwesende Arzt Dr. Kunz-Allcndors leistete die erste ärztliche Hülse und ordnete die sofortige Verbringung des Verunglückten in die Gießener Klinik an, wo der Arm sofort amputiert wurde.

0 Butzbach, 26. Juni. Gestern weilte B i s ch o f D r. KZ r st ein aus Mainz hier, um in der katholischen Kirche die Firmung vorzunehmen. Dann begab er sich in die Zellenstrafanstalt und nachmittags nach den beiden tathol. Orten Rockenberg und Oppershofen.

--Bad-Nauheim, 28. Juni. Ter neueFremden­führer von Bad-Nauheim" ist im Verlage der Verkehrs- Komminion enchiencn. Das -Werkchen enthält eine sorgfältiae Zuiammenstellung .alles dessen, was ben Nauheim besuchenden Fremden interessiert über Kurmittel, Bäder, Wohnung, Verpfle­gung, Unterhaltungen usio. Ein in 8 Farbendruck sorgfältig ausgemhrter Plan von Nauheim und Umgegend, aus der kartogra­phischen Anstalt des Phsarus-Verlages, erhöht wesentlich das Ver­ständnis für die Topographie des Bsades. Ter Fremdenführer wird vom Verkehrsf-Bureau «auf Wunsch kostenlos pelsandt.

i A Ortenberg, 27. Juni. Heute vor 50 Jahren ist der Rechtsanwalt und Notar Karl David sahn hier in den Jusrizdienst eingetreten. Aus diesem Anlaß wurde Von S. K. H. dem Großherzog der Eharakter gls

Köln, 27. Ja diüdchen Blum> die Erde sei mals noch lebend i Leben erhallen me Blumenrals bei Bh Willens befunden hl

Güstrow, 27 fahren gegen die Fräulein LLeidig, c dir Staatskasse trag

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